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Full text of "Die Natugeschichte des Cajus Plinius Secundus : ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen"

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THIS  BOOK  IS  DUE  ON  THE  DATE 
INDICATED  BELOW  AND  IS  SUB- 
JECT  TO  AN  OVERDUE  FINE  AS 
POSTED  AT  THE  CIRCULATION 
DESK. 


DIE 

NATURGESCHICHTE 


DES 


CAJÜS  PLIMUS  SECÜNDÜS. 


INS  DEUTSCHE   ÜBERSETZT 
UND   MIT   ANMERKUNGEN    VERSEHEN 


Prof.  Dr.  G.  C.  WITTSTEIN 

in  München. 


ERSTER  BAND: 

(I-VL  Buch) 

Dedication,  Inhaltsverzeichniss,  Kosmographie  und  Geographie. 


LEIPZIG. 


Druck  und   Verlag  von  Gressner  &  Schramm. 
1881. 


Vorrede. 


Cajus  Plinius  Secundus  wurde  im  Jahre  23  nach  Christi 
Geburt  (im  Jahre  Rom's  775,  im  neunten  Jahre  der  Regierung 
des  Kaisers  Tiberius)  zu  Como  geboren,  und  starb  unter 
Titus,  im  Jahre  79  nach  Christo,  dem  sechsundfünfzigsten 
Jahre  seines  Alters  bei  einem  Ausbruche  des  Vesuvs,  dem- 
selben, der  auch  die  beiden  Städte  Pompeji  und  Herculanum 
verschüttete.  Sein  Vater  hiess  Celer,  seine  Mutter  Marcella, 
durch  welche  er  mit  Pomponius  Secundus  verwandt  war,  und 
von  deren  Familie  er  den  Namen  „Secundus"  erhielt.  Er 
that  zuerst  Kriegsdienste  in  Deutschland  unter  der  Regierung 
des  Kaisers  Claudius,  verwaltete  nachher  mehrere  bedeutende 
Civil-  und  Militairämter  unter  Nero  und  Titus  Vespasian, 
und  commandirte  zuletzt  die  Flotte  zu  Misenum. 

Was  wir  ausserdem  noch  Näheres  von  dem  Leben, 
Wirken  und  dem  Tode  unsers  Plinius  wissen,  enthalten 
zwei  Briefe  seines  Neffen,  die  daher  hier  folgen  sollen. 

C.  Plinius  Caecilius  x)  an  seinen  Freund  Macer2) 

(III.  Buch.  5.  Brief.) 
„Es  ist  mir  sehr  angenehm,  dass  Du  die  Werke  meines 
Oheims  so  fleissig  liesest,  da^s  Du  wünschest,  sie  alle  zu 


*)  C.  Plinius  Caecilius  Secundus,  wurde  62  n.  Chr.  zu  Como  geboren, 
erwarb  sich  als  gerichtlicher  Redner  viel  Beifall  in  Rom,  war  unter 
Doniitian  Prätor,  unter  Nero  und  Trajan  Consul,  dann  Augur  und  zu- 
letzt Statthalter  in  Bithynien.  Seine  Mutter  hiess  Plinia  und  war 
des  Plinius  Secundus  Schwester;  sein  Vater,  der  aber  früh  starb,  hiess 
C.  Csecilius. 

2)  Btebius  Macer,  ein  angesehener  Römer,  bekleidete  101  n.  Chr. 
die  Würde  eines  Consul  suftectus  (der  beim  Todesfall  eines  Consuls 

1 


D.  H.  HILL  LIBRARY 
North  Carolina  State  College 


2  Vorrede. 

besitzen  und  zu  wissen,  welche  es  sind.  Ich  will  daher  die 
Rolle  eines  Anzeigers  übernehmen,  und  Dir  zugleich  be- 
merken, in  welcher  Ordnung  er  sie  geschrieben  hat,  denn 
auch  diess  erfährt  der  Studierende  gern. 

Ein  Buch  Ueber  das  Spiesswerfen  der  Reiterei. 
Dieses  verfasste  er  als  Befehlshaber  eines  Flügels1)  mit 
ebenso  viel  Scharfsinn  als  Sorgfalt. 

Zwei  Bücher  Lebensbeschreibung  desPomponius 
Secundus,2)  der  ihn  zärtlich  liebte,  und  dem  er,  gleichsam 
als  schuldigen  Tribut,  darin  die  Erinnerungen  an  seinen 
Freund  darbrachte. 

Zwanzig  Bücher  Ueber  die  Kriege  in  Deutsch- 
land, worin  er  alle  von  den  Römern  mit  den  Deutschen 
geführten  Kriege  beschreibt.  Ein  Traum  veranlasste  ihn 
dazu,  als  er  in  Deutschland  diente.  Ihm  erschien  nämlich 
die  Gestalt  des  Drusus  Nero3),  der  in  Deutschland  grosse 
Siege  erfochten  hatte  und  daselbst  gestorben  war;  er  empfahl 
sich  seinem  Andenken  und  bat,  er  möge  ihn  der  Vergessen- 
heit entziehen. 

Drei  Bücher  betitelt  Der  Zögling,  wegen  ihrer  Stärke 
in  sechs  Bände  vertheilt,  in  welchen  er  den  Redner  von 
den  ersten  Elementen  an  behandelt  und  endlich  vollendet 
darstellt. 


während  der  Amtsführung  für  die  noch  übrige  Zeit  des  Jahres  ge- 
wählt wurde  und  weniger  Ansehen  hatte  als  der,  welcher  das  Jahr 
begonnen  [Consul  Ordinarius].) 
*)  ala,  300—500  Reiter. 

2)  Lucius  Pomponius  Secundus,  aus  Verona  gebürtig,  war  zweimal, 
in  den  Jahren  29  und  36  n.  Chr.  Consul  und  im  J.  41  Oberfeldherr 
über  die  Legionen  in  Deutschland. 

3)  Drusus  Nero  Claudius,  Sohn  des  Claudius  Tiberius  Nero  und  der 
Livia  Drusilla  (welche,  als  sie  noch  mit  ihm  schwanger  ging,  von 
ihrem  Gatten  dem  Augustus  abgetreten  wurde),  Bruder  des  Tiberius,. 
Gemahl  der  jüngeren  Antonia,  des  Antonius  und  der  Octavia  Tochter 
focht  11—9  v.  Chr.  erfolgreich  gegen  die  Germanen,  starb  zu  Main& 
in  Folge  eines  Sturzes  vom  Pferde,  mit  Hinterlassung  von  3  Kindern, 
des  Drusus  Germanicus,  der  Livilla  und  des  nachmaligen  Kaiser» 
Claudius. 


Vorrede.  3 

Acht  Bücher  Ueber  zweifelhafte  Fälle  im  Aus- 
druck. Diese  schrieb  er  in  den  letzten  Jahren  der  Regierung 
des  Nero1),  wo  die  Tyrannei  jede  freiere  und  erhabenere 
Art  von  Studien  gefährlich  machte. 

Einunddreissig  Bücher  einer  Fortsetzung  der  von 
Aufidius  Bassus  begonnenen  Geschichte2). 

Siebenunddreissig  Bücher  einer  Naturgeschichte, 
ein  umfassendes,  gelehrtes  Werk  und  so  mannigfaltig,  als 
die  Natur  selbst3). 

Wirst  Du  nicht  erstaunen,  dass  ein  mit  Geschäften 
überhäufter  Mann  so  viele  Bücher  schreiben  und  in  manchen 
derselben  so  schwierige  Gegenstände  behandeln  konnte? 
Dein  Erstaunen  wird  sich  noch  vermehren,  wenn  ich  hinzu- 
füge, dass  er  eine  Zeitlang  Rechtsgeschäfte  trieb,  dass  er 
im  sechsundfünfzigsten  Jahre  starb,  und  dass  ihm  die 
Zwischenzeit  theils  durch  die  wichtigsten  Aemter,  theils 
durch  die  Freundschaft  der  Fürsten  zerstreut  und  in  An- 
spruch genommen  wurde.  Aber  er  besass  einen  lebhaften 
Geist,  unglaublichen  Fleiss  und  seine  Wachsamkeit  war 
von  grösster  Ausdauer.  Mit  den  Vulcanalien4)  fing  er  bei 
Einbruch  der  Nacht  an  zu  arbeiten,  nicht  des  Herkommens 
wegen,  sondern  aus  Eifer,  im  Winter  aber  von  der  siebenten, 
spätestens  achten,  oft  aber  schon  von  der  sechsten  Stunde 


')  Claudius  Caesar  Domitianus  Drusus  Germanicus  Nero,  Sohn  des 
Doniitius  Ahenobarbus  und  der  jüngeren  Agrippina,  geb.  36  n.  Chr. 
ward  mit  Octavia,  des  Kaisers  Claudius  Tochter,  vermählt,  und  nach 
des  letzteren  Ermordung  54  n.  Chr.  Kaiser,  Hess  sich  68  n.  Chr.  von 
einem  Freigelassenen,  Epaphroditus ,  erstechen. 

2)  Aufidius  Bassus  lebte  unter  den  Kaisern  Augustus  und  Tiberius 
und  schrieb  eine  Geschichte  seiner  Zeiten,  die  wir  aber  nicht  mehr 
besitzen. 

3)  Von  allen  diesen  Schriften  ist  nur  noch  die  Naturgeschichte 
vorhanden. 

')  Am  23.  August.  Man  opferte  bei  diesem  Feste  dem  Vulkan 
ein  röthliches  Kalb  und  ein  wildes  Schwein,  damit  er  alle  Feuers- 
brünste abhalten  möge. 

1* 


4  Vorrede. 

an.1)  Er  war  sehr  sparsam  mit  dem  Schlafe,  der  ihn  daher 
auch  zuweilen  beim  Arbeiten  überfiel,  doch  auch  wieder 
verliess.  Vor  Anbruch  des  Tages  ging  er  zum  Kaiser 
Vespasian2),  der  ebenfalls  bei  Nacht  arbeitete,  dann  zu  den 
ihm  obliegenden  Geschäften.  Nach  Hause  zurückgekehrt, 
widmete  er  die  übrige  Zeit  den  Studien.  Nach  dem  Mit- 
tagsmahl, das,  wie  bei  den  Alten,  aus  leichten  Speisen 
bestand,  legte  er  sich  oft  im  Sommer  zur  Erholung  in  die 
Sonne,  las  in  einem  Buche,  notirte  und  excerpirte,  denn 
aus  allem,  was  er  las,  machte  er  Auszüge.  Auch  pflegte 
er  zu  sagen,  es  sei  kein  Buch  so  schlecht,  dass  es  nicht 
etwas  nützen  könne.  Nach  dem  Sonnen  nahm  er  meistens 
ein  kaltes  Bad,  ass  etwas  und  schlief  ein  wenig.  Dann 
studirte  er,  als  ob  ein  neuer  Tag  angebrochen  sei,  bis  zur 
Zeit  des  Abendessens.3)  Während  der  Tischzeit  las  er  in 
einem  Buche  und  machte  Bemerkungen,  jedoch  nur  flüchtig. 
Ich  erinnere  mich,  dass,  als  einst  der  Vorleser  etwas  un- 
richtig ausgesprochen  hatte  und  ein  gleichzeitig  anwesender 
Freund  den  Satz  wiederholen  liess,  mein  Oheim  fragte: 
„Du  hattest  es  doch  verstanden"?  und,  als  jener  diess 
bejahete,  fortfuhr:  „warum  liessest  Du  es  denn  wiederholen? 
Durch  Dein  Zwischenreden  haben  wir  nun  schon  zehn  Zeilen 
verloren".    So  karg  war  er  mit  seiner  Zeit. 

Im  Sommer  erhob  er  sich  noch  bei  Tage  von  der  Abend- 
tafel, im  Winter  bei  einbrechender  Nacht,  und  diese  Ord- 
nung beobachtete  er  wie  ein  Gesetz.  So  hielt  er  es  mitten 
unter  Geschäften  und  im  Geräusche  der  Stadt.  Auf  dem 
Lande  war  bloss  die  Badezeit  von  gelehrter  Thätigkeit  frei; 
doch  meine  ich  damit  nur  die  Zeit,  wo  er  sich  im  Bade 
selbst  befand,  denn  während  des  Entkleidens  und  Ab- 
trocknens  liess  er  sich  vorlesen  oder  dictirte  etwas.     Auf 

')  Also  nach  unserer  Zeitrechnung  um  ein,  zwei  oder  zwölf  Uhr 
Mittags. 

2)  Titus  Flaviuc  Vespasianus,  Sohn  des  Vespasianus,  geh.  40  n. 
Chr.,  wurde  nach  des  letzteren  Tode  79  Kaiser,  starb  aher  schon  81, 
wie  man   glaubt  an  Vergiftung  durch  seinen  Bruder  Domitian. 

3)  Ccena,  die  Hauptmahlzeit  der  Römer. 


Vorrede.  5 

Reisen,  gleichsam  von  jeder  Sorge  entbunden,  war  diess 
seine  einzige  Beschäftigung.  Zur  Seite  sass  ihm  dann  ein 
Schreiber  mit  Buch  und  Schreibtafel,  der  im  Winter  Hand- 
schuhe trug,  damit  selbst  die  Rauhigkeit  der  Witterung  ihm 
keine  Zeit  zur  Thätigkeit  rauben  möchte.  Aus  diesem 
Grunde  Hess  er  sich  auch  zu  Rom  in  einem  Stuhlwagen 
fahren.  Als  ich  einmal  spazieren  ging,  tadelte  er  mich  mit 
den  Worten:  „Du  solltest  diese  Stunden  besser  anwenden." 
Er  hielt  nämlich  alle  Zeit,  die  nicht  zur  Thätigkeit  ver- 
wendet würde,  für  verloren.  Auf  solche  Weise  war  es  ihm 
möglich,  jene  Anzahl  von  Schriften  zu  vollenden;  mir  hinter- 
liess  er  noch  160  Erläuterungen  auserlesener  Bücher,  welche 
auch  auf  der  Rückseite  des  Papiers  und  sehr  klein  ge- 
schrieben waren,  so  dass  sich  ihre  Zahl  eigentlich  ver- 
doppelt. Er  selbst  sagte,  er  habe  als  Procurator  in  Spanien 
diese  Erläuterungen  dem  Largius  Licinius1)  für  400,000 
Sesterzen  verkaufen  können,  und  damals  waren  ihrer  doch 
weit  weniger. 

Dünkt  Dich  nicht,  wenn  Du  bedenkst,  wie  viel  er  ge- 
lesen und  geschrieben  hat,  er  könne  weder  öffentliche 
Aemter  bekleidet,  noch  der  Kaiser  Freundschaft  genossen 
haben?  Ferner,  wenn  Du  hörst,  welchen  Fleiss  er  auf 
Amtsarbeiten  verwendet,  er  könne  weder  zum  Schreiben 
noch  zum  Lesen  die  nöthige  Zeit  gehabt  haben?  Denn,  was 
kann  nicht  durch  jene  Abhaltungen  vereitelt,  was  hingegen 
durch  solche  Beharrlichkeit  ermöglicht  weiden?  Ich  pflege 
daher  zu  lachen,  wenn  man  mich  fleissig  nennt,  denn  mit 
ihm  verglichen  gehöre  ich  zu  den  unthätigsten.  Thue  ich 
aber  nur  so  viel,  als  theils  meine  öffentlichen,  theils  meine 
Pflichten  gögen  die  Freunde  mir  erlauben?  Wer  von  denen, 
welche  ihr  ganzes  Leben  den  Wissenschaften  weihen, 
möchte  nicht,  ihm  zur  Seite  gestellt,  als  ein  dem  Schlafe 
und  dem  Müssiggange  Ergebener  erröthen? 


*)  War  Praetor  und  wurde  dann  Legat  in  Kleinafrika,  wo  er  beim 
Genuss  einer  Trüffel  auf  einen  Denar  biss  und  die  Vorderzähne  ein- 
büsste. 


6  Vorrede. 

Ich  habe  diesen  Brief  sehr  ausgedehnt,  obgleich  ich 
nur,  Deinem  Wunsche  gemäss,  schreiben  wollte,  welche 
Werke  mein  Oheim  hinterlassen  hat.  Ich  glaube  jedoch,  dass 
Dir  die  übrigen  Nachrichten  von  ihm  nicht  weniger  ange- 
nehm sein  werden,  als  die  Bücher  selbst,  weil  sie  Dich 
nicht  nur  zum  Lesen  derselben  sondern  auch  zu  ähnlichen 
Ausarbeitungen  anregen  können.    Lebe  wohl." 


C.  Plinius  Caecilius  an  seinen  Freund  Tacitus.1) 
(VI.  Buch.   16.  Brief.) 

„Du  wünschest,  dass  ich  Dir  über  den  Tod  meines 
Oheims  schreibe,  damit  Du  ihn  der  Nachwelt  um  so  ge- 
treuer berichten  kannst.  Ich  danke  Dir  dafür,  weil  ich 
sehe,  dass  seinem  Tode,  wenn  er  von  Dir  verherrlicht  wird, 
ein  unsterblicher  Ruhm  bevorsteht.  Denn,  obgleich  er  bei 
dem  Untergange  der  schönsten  Gegenden,  gleichwie  Städte 
und  Völker  durch  einen  denkwürdigen  Umstand  als  ewiger 
Sieger  gestorben  ist;  obgleich  er  sehr  viele  und  eine  feste 
Dauer  versprechende  Werke  geschaffen  hat,  so  wird  doch 
die  Unsterblichkeit  Deiner  Schriften  seinem  steten  Andenken 
das  grösste  Gewicht  geben.  Zwar  halte  ich  diejenigen  für 
glückselig,  denen  die  Götter  verliehen  haben,  entweder  so 
zu  handeln,  dass  es  schreibenswerth,  oder  so  zu  schreiben, 
dass  es  lesenswerth  ist;  jedoch  scheinen  mir  diejenigen  die 
glückseligsten  zu  sein,  denen  beides  zu  Theil  wurde.  Unter 
die  Zahl  der  letzteren  wird  mein  Oheim  durch  seine  und 
Deine  Schriften  gehören;  um  so  freudiger  empfange,  ja 
fordere  ich  Deinen  Auftrag. 

Er  befand  sich  zu  Misenum2)  und  befehligte  die  kaiser- 
liche Flotte.  Am  24.  August  um  1  Uhr  Mittags  meldete 
ihm  meine  Mutter,   es  zeige  sich   eine  Wolke   von    unge- 


')  C.  Cornelius  Tacitus,  berühmter  römischer  Geschichtsschreiber, 
Jurist  und  Redner,  geb.  60  n.  Chr. 

2)  Stadt  und  Vorgebirge  bei  Cuma;  in  Campanien;  jetzt  findet 
man  noch  Trümmer  der  Stadt. 


Vorrede.  7 

■wohnlicher  Grösse  und  Gestalt.  Er  hatte  kurz  zuvor  ein 
kaltes  Bad  genommen,  kaltes  Wasser  getrunken,  lag  wie 
gewöhnlich  in  der  Sonne  und  studirte,  forderte  aber  sogleich 
seine  Schuhe  und  bestieg  eine  Anhöhe,  von  wo  aus  er  jene 
merkwürdige  Erscheinung  am  besten  beobachten  konnte. 
Eine  Wolke  (es  war  nicht  genau  zu  unterscheiden,  von 
welchem  Berge  sie  kam;  erst  später  erfuhr  man,  dass  es 
der  Vesuv  war),  welche  einem  Baume  und  zwar  einer  Fichte 
nicht  unähnlich  schien  (denn  sie  zeigte  gleichsam  einen 
hohen  Stamm,  der  sich  in  mehrere  Aeste  ausbreitete),  stieg 
auf.  Wie  mir  schien,  wurde  sie  durch  einen  starken  Wind 
herbeigeführt,  dann  zertheilte  sie  sich,  als  dieser  schwächer 
werdend  sie  verliess,  in  Folge  ihres  eigenen  Gewichts  in 
die  Breite,  an  einigen  Stellen  weiss  von  Farbe,  an  andern 
schmutzig  und  fleckig,  je  nachdem  sie  Erde  und  Asche  mit 
sich  führte.  Dem  gelehrten  Manne*  schien  es  der  Mühe 
werth,  sie  näher  kennen  zu  lernen.  Er  Hess  ein  leichtes 
Schiff1)  in  Bereitschaft  setzen;  mir  stellte  er  es  frei,  ihn  zu 
begleiten.  Ich  erwiederte,  ich  wolle  lieber  studiren,  und 
zufälliger  Weise  hatte  er  mir  gerade  etwas  zu  schreiben 
gegeben.  Als  er  aus  dem  Hause  trat,  empfing  er  einen 
Brief  von  den  Marinesoldaten  zu  Retina,  welche  durch  die 
drohende  Gefahr  erschreckt  (denn  dieses  Landgut  lag  am 
Fusse  des  Berges2)  und  bloss  zu  Schiffe  war  die  Flucht 
möglich)  ihn  dringend  ersuchten,  sie  dem  herannahenden 
Unglücke  zu  entreissen.  Er  änderte  daher  seinen  Entschluss, 
und  unterzog  sich  nun  dem,  was  er  mit  dem  Eifer  eines 
Gelehrten  begonnen  hatte,  mit  dem  grössten  Muthe.  Er 
liess  die  Vierruderer  in  See  bringen  und  bestieg  sie  selbst 
mit,  um  nicht  nur  Jenen  sondern  auch  vielen  Andern  (denn 
die  Küste  war  wegen  ihrer  angenehmen  Lage  stark  be- 
völkert) zu  Hülfe  zu  kommen.  Er  eilt  dahin,  von  wo  andere 
fliehen,  steuert  geraden  Laufs  auf  die  Gefahr  los  und  so 


')  Libumica,  hatte  seinen  Namen  von  den  Liburnern,  einem  illy- 
xischen  Volke,  die  sich  derer  bei  ihren  Seeräubereien  bedienten. 
2)  Vesuv. 


8  Vorrede. 

unerschrocken,  dass  er  alle  Bewegungen  und  Gestalten 
jener  furchtbaren  Erscheinung  dictirte  und  aufzeichnen  Hess. 
Schon  fiel  die  Asche,  je  mehr  er  sich  näherte,  desto 
heisser  und  dichter  in  die  Schiffe;  schon  stürzten  selbst 
Bimssteine,  schwarze,  verbrannte  und  durch  die  Hitze  ge- 
borstene Steinmassen  herab;  schon  machte  ihm  das  plötzlich 
seicht  gewordene  Wasser  und  ein  Einsturz  des  Berges  die 
Küste  unzugänglich.  Da  war  er  einige  Augenblicke  un- 
schlüssig, ob  er  umkehren  sollte,  sprach  aber  bald  darauf 
zu  dem  zur  Rückkehr  rathenden  Steuermanne:  „Den  Kühnen 
begünstigt  das  Glück;  fahre  zu  Pomponianus!"  Dieser  war 
zu  Stabiae1)  und  durch  einen  dazwischen  liegenden  Meer- 
busen getrennt,  denn  das  Meer  dringt  hier  durch  eine  all- 
mälige  Schwenkung  und  Krümmung  der  Küste  ins  Land. 
Jener2)  hatte,  obgleich  noch  keine  Gefahr  herannahete,  die- 
selbe aber  doch  vor  Augen  lag  und  wahrscheinlich  gross 
werden  würde,  sein  Gepäck,  in  die  Schiffe  bringen  lassen, 
entschlossen  zu  fliehen,  sobald  der  widrige  Wind  sich  ge- 
legt haben  würde.  Als  mein  Oheim,  den  dieser  Wind  ge- 
rade begünstigt,  dort  ankommt,  umarmte  er  den  Zagenden, 
tröstet  ihn,  lässt  sich,  um  dessen  Furcht  durch  eigene 
Sorglosigkeit  zu  beseitigen,  in  ein  Bad  bringen,  setzt  sich 
sodann  zu  Tische  und  speist  völlig  heitern  Gemüths,  oder, 
was  gleiche  Seelenstärke  beweist,  scheinbar  heiter.  In- 
zwischen leuchteten  aus  dem  Vesuv  an  mehreren  Stellen 
grosse  Flammen  hervor,  deren  Glanz  und  Reinheit  durch 
die  nächtliche  Finsterniss  noch  erhöht  wurde.  Um  die  Furcht 
seiner  Umgebung  zu  verscheuchen,  sagte  mein  Oheim,  die 
Flammen  seien  nichts  als  brennende  Häuser,  welche  von 
den  Landleuten  aus  Angst  verlassen  wären;  dann  begab  er 
sich  zur  Ruhe  und  schlief  auch  wirklich  ein,  denn  die  vor 


')  An  der  Stelle  des  jetzigen  Castellamare. 

-)  Pomponianus ;  ist  wahrscheinlich  eine  Person  mit  Martius  Pom- 
ponianus, welchen  Vespasian  mit  der  Consulwürde  beehrte,  und  Do- 
mitian  nach  Corsica  verbannte,  wo  er  auf  kaiserlichen  Befehl  hin- 
gerichtet wurde. 


Vorrede.  9 

dem  Gemache  wachenden  Diener  vernahmen  sein  Athem- 
holen,  welches  wegen  seiner  Corpulenz  etwas  stark  und 
laut  war.  Aber  schon  hatte  sich  der  Hof,  welcher  zu  dem 
Zimmer  führte,  mit  Asche  und  Steinen  so  sehr  angefüllt, 
dass  bei  längerem  Aufenthalte  darin  der  Ausgang  nicht 
mehr  möglich  gewesen  wäre.  Er  wurde  daher  geweckt, 
ging  heraus  und  begab  sich  zu  Pomponianus  und  den 
Uebrigen,  welche  gewacht  hatten.  Man  berathschlagte  nun, 
ob  man  im  Hause  bleiben  oder  ins  Freie  gehen  sollte, 
denn  das  Gebäude  zitterte  bereits  von  den  häufigen  und 
starken  Stössen,  und  schien,  gleichsam  aus  seinen  Fugen 
gehoben,  bald  hier-  bald  dorthin  zu  wanken;  andererseits 
aber  fürchtete  man  im  Freien  das  Herabfallen  wenn  auch 
leichter  und  ausgebrannter  Bimssteine.  Indessen  wählte 
man  bei  Vergleichung  der  Gefahren  das  letzte,  da  bei  ihm 
ein  Grund  den  andern,  bei  den  Andern  eine  Furcht  die 
andere  besiegte.  Man  legte  zum  Schutz  gegen  die  herab- 
fallenden Steine  Kissen  um  den  Kopf  und  band  sie  mit 
Tüchern  fest.  Schon  war  es  anderwärts  heller  Tag,  hier 
aber  noch  dichte  schwarze  Nacht,  jedoch  verbreitete  man 
durch  zahlreiche  Fackeln  und  Lichter  hinreichende  Helle. 
Man  beschloss  an  die  Küste  zu  gehen  und  nachzusehen, 
ob  das  Meer  schon  fahrbar  sei;  allein  dieses  war  immer 
noch  sehr  ungestüm.  Hier  legte  sich  mein  Oheim  auf  ein 
hingebreitetes  Tuch,  verlangte  einige  Male  kaltes  Wasser 
und  trank  davon,  bis  Flammen  und  ein  demselben  voraus- 
gehender Schwefelgeruch,  welche  die  Andern  zur  Flucht 
trieben,  auch  ihn  aufschreckten.  Durch  zwei  Diener  unter- 
stützt, erhob  er  sich,  sank  aber  sogleich  todt  nieder,  indem 
ihm,  wie  ich  vermuthe,  durch  den  dicken  Dampf  der  Athem 
benommen  und  die  Luftröhre,  welche  bei  ihm  von  Natur 
schwach,  enge  und  entzündet  war,  geschlossen  wurde.  Als 
es  wieder  Tag  geworden  war  (und  diess  geschah  erst  am 
dritten  Tage  darnach),  fand  man  ihn  unverletzt  und  noch 
in  seiner  Kleidung;  sein  Ansehn  glich  mehr  dem  eines 
Schlafenden,  als  eines  Todten. 

Während  dieser  Katastrophe  befand  ich  mich  mit  der 


10  Vorrede. 

Mutter  zu  Misenum.  Doch  das  gehört  nicht  zu  meiner  Er- 
zählung, und  da  Du  nur  einen  Bericht  über  seinen  Tod 
haben  willst,  so  eile  ich  zum  Schlüsse.  Nur  eins  füge  ich 
noch  hinzu,  nämlich,  dass  ich  alles,  wovon  ich  selbst  Augen- 
zeuge war  und  was  ich  gleich  anfangs  als  authentisch  ver- 
nommen, treu  wiedergegeben  habe.  Du  wirst  nun  das 
Wesentlichste  daraus  entnehmen,  denn  es  ist  ein  Unter- 
schied zwischen  einem  Briefe  und  einer  Geschichte;  für  einen 
Freund  schreibt  man  anders  als  für  das  Publikum.  Lebe 
wohl."1) 


Wie  schon  erwähnt,  besitzen  wir  von  den  Schriften  des 
C.  Plinius  Secundus  nur  noch  die  Naturgeschichte,  welche 
aus  XXXVII  Büchern  besteht.  Das  I.  enthält  die  Dedication 
an  den  Kaiser  Titus  nebst  dem  Inhaltsverzeichnisse  der 
folgenden.  IL  Kosmographie.  III.  bis  VI.  Geographie. 
VII.  handelt  vom  Menschen.  VIII.  bis  XL  Naturgeschichte 
der  Thiere.  XII.  bis  XIX.  Naturgeschichte  der  Pflanzen. 
XX.  bis  XXVII.  Arzneimittel  von  den  Pflanzen.  XXVIII.  bis 
XXXII.  Arzneimittel  vom  Menschen,  vom  Wasser  und  von 
den  Thieren.  XXXIII.  bis  XXXVII.  Von  den  Metallen, 
Steinen  und  den  bildenden  Künsten  in  Verbindung  mit  der 
Geschichte  der  vorzüglichsten  Künstler  und  Kunstwerke. 

Deutsche  Bearbeitungen  dieses  Werkes  sind  schon 
mehrere  Male  unternommen  worden.  Die  älteste  erschien 
zu  Strassburg  in  Folio,  aber  nur  theilweise,  und  zwar  vom 
I.  bis  V.  Buche  im  Jahre  1509  und  vom  VII.  bis  XL  Buche 
im  Jahre  1542  von  Heinrich  Eppendorf.  —  Bald  darauf 
gab  Johann  Heyden  Bruchstücke  einer  Uebersetzung  des 
Plinius  heraus.  Von  dieser  sagt  Grosse  in  der  Vorrede 
zum  neunten  Bande  seiner  Uebersetzung  des  Plinius:  „Ich 
habe    die   Heyden'sche  Uebersetzung,   erschienen    1580   zu 


l)  Weitere  Nachrichten  über  jene  furchtbare,  mit  Erdbeben  be- 
gleitete Eruption  des  Vesuvs,  theilt  der  jüngere  Plinius  in  einem 
späteren  Briefe  an  Tacitus  (VI.  Buch.  20.  Brief)  mit. 


Vorrede.  11 

Frankfurt  a.  M.  in  Folio  mit  Holzschnitten,  an  mich  ge- 
bracht, die  aber  kaum  des  Titels  einer  Uebersetzung  werth 
ist.  Der  Verfasser  nennt  sich  Johannes  Heyden  von  Dhann. 
Trotz  eines  langen  vielversprechenden  Titels  begreift  diese 
Uebersetzung  doch  nur  das  VII.,  VIIL,  IX.,  X.  und  XI.  Buch 
des  Plinius,  und  bei  weitem  nicht  vollständig,  sondern  nur 
stellenweise;  aus  einigen  der  übrigen  Bücher  sind  nur 
wenige  Data  genommen.  Der  Uebersetzer  hat  den  Plinius 
zum  Grunde  gelegt  und  sein  Werk  aus  mehreren  Schrift- 
stellern zusammengeschrieben.  Es  ist  also  ein  Irrthum, 
diese  Compilation  von  etwa  1  Zoll  dick  für  eine  Ueber- 
setzung der  Historia  naturalis  Plinii  auszugeben  oder  zu 
halten." 

Die  erste  vollständige  Uebersetzung  besitzen  wir  von 
Johann  Daniel  Denso,  erschienen  in  den  Jahren  1764  bis 
65  zu  Rostock  und  Greifswald  in  2  Bänden  in  Quart.  Denso 
benutzte  vorzüglich  die  lateinische  Ausgabe,  welche  1561 
in  4  Bänden  zu  Lyon  erschienen  ist,  indem  er  sie  mit  der 
Basel'schen  Ausgabe  des  Sigismund  Gelenius  vom  Jahre 
1549  verglich.  —  Darauf  erschien  eine  vollständige  Ueber- 
setzung der  Harduin'schen  Ausgabe  (die  sich  von  der  oben- 
genannten Lyoner  wesentlich  nur  durch  die  abweichende 
Anzahl  und  Länge  der  Capitel  in  den  einzelnen  Büchern 
unterscheidet)  von  Gottfried  Grosse  1781  bis  88  zu  Frank- 
furt a.  M.  in  12  Bänden  in  Octav.  —  Im  gegenwärtigen 
Jahrhunderte  hat  zuerst  M.  Fritsch  eine  Uebersetzung  (der 
Harduin'schen  Ausgabe)  begonnen,  von  der  die  ersten  XI 
Bücher  in  8  Bändchen  1828  bis  30  zu  Prenzlau  in  Duodez 
herausgekommen  sind.  Aber  seitdem  ist  nichts  mehr  davon 
erschienen.  Ihm  folgte  P.  H.  Külb  unter  Zugrundelegung 
der  ersten  Sillig'schen  Ausgabe  (Leipzig  1831  bis  36),  seine 
Uebersetzung  begreift  jedoch  nur  VII  Bücher  (erschienen  in 
7  Bändchen  zu  Stuttgart  1840  bis  43  in  Duodez). 

Unter  diesen  Umständen,  vorzüglich  aber,  weil  die  so- 
eben angeführten  vollständigen  Uebersetzungen  von  Denso 
und  Grosse  dem  dermaligen  Grade  der  Ausbildung  unserer 
Muttersprache    nicht    mehr    genügend    entsprechen,    und 


12  Vorrede. 

namentlich  die  erstere  oft  mangelhaft,  unrichtig  und  unver- 
ständlich ist,  hielt  ich  es  für  ein  ganz  zeitgemässes  Unter- 
nehmen, eine  neue  Uebersetzung  zu  verfassen.  Ich  habe 
mich  dabei  wesentlich  der  zweiten  Sillig'schen  Ausgabe 
(Hamburg  und  Gotha  1851—58)  bedient.  —  Doch  auch  noch 
andere,  wichtigere  Beweggründe  waren  es,  welche  mich  zur 
Herausgabe  einer  deutschen  Bearbeitung  des  Plinius  ver- 
anlassten. Der  bescheidene  Autor  nennt  sein  Werk  eine 
Naturgeschichte1);  ich  glaube  aber  nicht  zu  viel  zu  sagen, 
wenn  ich  dasselbe  als  eine  Encyclopädie  des  damaligen 
Wissens  oder  des  damaligen  Standes  der  Wissen- 
schaften, Künste  und  Gewerbe  betrachte.  Es  verdient 
daher,  ungeachtet  des  vielen  darin  enthaltenen  Unrichtigen, 
Lächerlichen,  Abenteuerlichen,  von  einem  Jeden,  der  nur 
einiges  Interesse  an  der  Entwicklungsgeschichte  der  mensch- 
lichen Kenntnisse  nimmt  —  und  diess  sollte  man  von  jedem 
Gebildeten  erwarten  —  gelesen  zn  werden.  Plinius  war, 
wie  aus  unzähligen  Stellen  seines  Werkes  hervorgeht,  über 
den  Aberglauben  seiner  Zeit  weit  erhaben,  und  wenn  er 
alles,  was  sich  darauf  bezieht,  mittheilte,  so  zeugt  diess 
nur  von  seiner  Wahrheitsliebe  und  seiner  schriftstellerischen 
Genauigkeit.  Im  Uebrigen  müssen  wir  wohl  bedenken, 
dass  seine  eigenen  Ansichten  das  Ergebniss  der  damaligen 
Culturstufe  sind,  und  insofern  haben  sie,  wenn  auch  jetzt 
als  irrig  erkannt,  immerhin  geschichtlichen  Werth.  Endlich 
darf  nicht  vergessen  werden,  dass  sehr,  sehr  Vieles  in 
seinem  Werke  auch  noch  jetzt  Wahrheiten  sind  und  bleiben 
werden.     Unser  Zeitalter,  so  sehr  hochgebildet  es  auch  zu 


')  Naturalis  historia.  Es  ist  mir  allerdings  wohl  bekannt,  dass 
das  Wort  historia  ("otOQia)  mehr  bedeutet  als  unser  deutsches  „Ge- 
schichte" oder  „Beschreibung",  indem  es  mehr  den  Sinn  von  „Be- 
schauung", „Erforschung"  in  sich  schliesst.  Aber  selbst  diese  Bedeu- 
tungen des  "Wortes  historia  genügen  nicht,  den  Inhalt  des  "Werkes 
vollständig  zu  bezeichnen.  Ich  hielt  es  daher  für  das  Passendste,  die 
einmal  gebräuchliche  Uebersetzung  „Naturgeschichte"  nicht  zu  ver- 
ändern, um  nicht  in  weitläufige,  dem  Sinne  des  Original-Titels  fremde 
Definitionen  zu  verfallen. 


Vorrede.  13 

sein  wähnt,  wird  dereinst  von  einer  spätem  Epoche  in  eben 
demselben  Grade  bekrittelt  und  verspottet  werden,  wie  wir 
von  dem  Zeitalter  des  Plinius  zu  thun  uns  berechtigt 
glauben.  Es  erfordert  daher  nicht  bloss  die  gebührende 
Nachsicht  gegen  alles  menschliche  Machwerk,  sondern  auch 
die  Gerechtigkeit,  nicht  den  Maassstab  unserer  Civilisation 
an  ein  fast  2000  Jahre  altes  Werk  zu  legen.  Vielmehr 
liegt  es  uns  ob,  das  darin  enthaltene  Nutzbare  auch  nutzen- 
bringend zu  machen,  wozu  das  Material  im  Ueberflusse  vor- 
handen ist.4) 

Bei  der  Uebersetzung  selbst  machte  ich  es  mir  zum 
Gesetz,  den  lateinischen  Text  möglichst  treu  im  Deutschen 
wieder  zu  geben;  um  aber  nicht  bloss  eine  kahle  Ueber- 
setzung zu  liefern,  fügte  ich,  wo  es  mir  nöthig  schien,  er- 
läuternde Anmerkungen  hinzu.  Auf  die  nähere  Erklärung 
der  naturhistorischen  und  anderer  fremdartiger  Namen  habe 
ich  mich  in  dem  Inhaltsverzeichnisse  nicht  eingelassen;  sie 
findet  zweckmässiger  im  Texte  selbst  statt.  In  Fällen,  wo 
ich  den  lateinischen  Namen  nicht  mit  einem  passenden 
deutschen  bezeichnen  konnte,  behielt  ich  lieber  den  erstem 
bei,  und  hoffe  desshalb  nicht  getadelt  zu  werden.     Ob  es 


J)  Alexander  v.  Humboldt's  Urtheil  über  dieses  Werk  möge  hier 
noch  Platz  finden.  „Dem  grossen  encyclopädischen  Werke  des  älte- 
ren Plinius  kommt  an  Reichthum  des  Inhalts  kein  anderes  Werk  des 
Alterthums  gleich.  Es  ist,  wie  der  Neffe  (der  jüngere  Plinius)  sich 
schön  ausdrückt,  „mannigfach  wie  die  Natur".  Ein  Erzeugniss  des 
unwiderstehlichen  Hanges  zu  allumfassendem,  oft  unfleissigem  Sam- 
meln, im  Style  ungenau,  bald  einfach  und  aufzählend,  bald  gedan- 
kenreich, lebendig  und  rhetorisch  geschmückt,  ist  die  Naturgeschichte 
des  älteren  Plinius  schon  ihrer  Form  wegen,  an  individuellen  Natur- 
schilderungen arm;  aber  überall,  wo  die  Anschauung  auf  ein  gross- 
artiges Zusammenwirken  der  Kräfte  im  Weltall,  auf  den  wohlgeord- 
neten Kosmos  (Natura^  majestas)  gerichtet  ist,  kann  eine  wahre,  aus 
dem  Innern  quellende  Begeisterung  nicht  verkannt  werden.  Das 
Werk  hat  auf  das  ganze  Mittelalter  mächtig  nachgewirkt."  (Kos- 
mos II,  23.)  Auf  die  nähere  Besprechung  des  Plinius'schen  Werkes 
von  unserem  grossen  Zeitgenossen  (Kosmos  II,  230 — 234)  können  wir 
nur  verweisen. 


14  Vorrede. 

mir  grösstenteils  —  immer,  wage  ich  nicht  zu  sagen  — 
gelungen  ist,  die  Individuen  der  drei  Naturreiche  richtig  zu 
deuten,  d.  h.  nach  der  jetzigen  systematischen  Bezeichnungs- 
weise richtig  zu  nennen,  ist  eine  Frage,  deren  Beantwortung 
mir  am  wenigsten  zusteht;  über  manche  derselben  sind  wir 
ohnehin  noch  sehr  im  Zweifel,  und  werden  es  vielleicht  für 
immer  bleiben. 

Zur  leichtern  Vergleichung  der  oft  vorkommenden 
Münzen,  Maasse  und  Gewichte  sowohl  untereinander 
als  auch  mit  den  unsrigen,  habe  ich  dieselben  dem  Texte 
vorausgeschickt.  Die  dazu  nöthigen  Data  stützen  sich 
grösstenteils  auf  die  eigenen  Angaben  des  Plinius. 

Die  am  Schlüsse  des  Werks  befindlichen  Anhänge 
dürften  ebenfalls  als  eine  willkommene  Zugabe  aufgenommen 
werden. 

München,  1880. 

ö.  0.  Wittstein. 


15- 


Tafel  I. 
Längenmaasse. 


Iter 

unius  diei 

navale 

Iter 
unius  diei 
terrestre 

00 

8 

*  o 
w. 

S1^ 

Stadium 
olympic. 

Passus 
Cubitus 

03 

CO 

Oh 

00 
0 

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3 

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co 

3 
0 

M 

CO 
CD 

1 

3V2 

21% 

87»/» 

700 

87500 

2916662/3 

437500 

— 

— 

129,25 

1 

»V« 

25 

200 

25000 

83333'/3 

125000 

— 

~ 

36,93 

1 

4 

32 

4000 

133337s 

20000 

80000 

320000 

5  »98 

1 

8 

1000 

3333  V3 

5000 

20000 

80000 

1)50 

1 

125 

4162/3 

625 

2500 

10000 

187,» 

1 

»Vi 

5 

20 

80 

1»50 

1 

IV2 

6 

24 

0,45. 

1 

4 

16 

0,30 

1 

4 

0,075 

1  Parasanga  ist  =  5  Kilometer.  1,4806  Parasanga  des  Herodot  =  1  geogr* 
Meile  =  7,4  Kilometer.  Der  römische  Fuss  (Pes)  verhielt  sich  zum  griechisch- 
olympischen  wie  24 :  25.  Eratosthenes  rechnet  den  Schcenus  zu  40  Stadien  (=  7 ,47 
Kilometer).    Vergl.  Plin.  XII,  14. 


Tafel  II. 
Flächenmaasse. 


IS 

3 

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3 

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3 

3 

CO 

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3 

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Actus 
quadrat. 
(Acnua) 

00 

3 

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S-. 
CO 

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1 

0 

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5  3 

^1 

3  _, 

^3 

'3s 

0Q 

Römische 
Quadrat- 

Fuss 

Quadrat- 
Meter 

1 

4 

400 

800 

1600 

2400 

6400 

48000 

230400 

23,040000 

2,205972 

1 

100 

200 

400 

600 

1600 

12000 

57600 

5,760000 

551493 

1 

2 

4 

6 

16 

120 

576 

57600 

5514 

1 

2 

3 

8 

60 

288 

28800 

2757 

1 

IV« 

4 

30 

144 

14400 

1378 

1 

22/3 
1 

20 

7Va 

1 

96 
36 

44/5 
1 

9600 

3600 

480 

100 

1 

919 

344 

46 

9,6 
0,09G 

16 


Tafel  III. 
Maasse  für  Getreide  und  andere  trockne  Waaren. 


c3     . 

CO 

p 

O 

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S.S 

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13 

Kubik- 
Meter 
oder 

Ster 

-4-3 

1 

3 

48 

96 

192 

384 

576 

2304 

0,025608 

25,608 

1 

16 

32 

64 

128 

192 

768 

8,536 

1 

2 

4 

8 

12 

48 

0,534 

1 

2 

4 

6 

24 

0)267 

1 

2 
1 

3 

IV« 
1 

12 
6 
4 
1 

0,138 
0.069 
0,046 
0,011 

Tafel  IV. 
Maasse  für  Flüssigkeiten. 


CO 

P 

O 

CO 

p 

cS 

O 

Amphora 

(Quadran- 
tal) 

c3 

a 

00 

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p 

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1 

Quarta- 
rius 

( Quadrans) 

-s.3 

CO 

-*3 

cä 

ü 

Ligula 

3 

1 

18V« 

20 

40 

160 

960 

1920 

3840 

7680 

11520 

46080 

512,16 

1 

IV« 

3 

12 

72 

144 

288 

576 

864 

3456 

38,4i2 

1 

2 

8 

48 

96 

192 

384 

576 

2304 

25,co8 

1 

4 

24 

48 

96 

192 

288 

1152 

12,804 

1 

6 

12 

24 

48 

72 

288 

3,201 

1 

2 

4 

8 

12 

48 

0-533 

1 

2 

1 

4 
2 

1 

6 
3 

IV« 
1 

24 

12 

6 

4 

1 

0,266 
0,133 
0,066 
0,044 
0,011 

17 


Tafel   V. 

Gewichte. 


c8 

°o 

ö 

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Ol 

3 
o 

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3 

CO 

2 
2 

C5 

1 

12 

36 

48 

72 

96 

288 

576 

1728 

2304 

345 

1 

3 

4 

6 

8 

24 

48 

144 

192 

28,75 

l 

l'/a 

2 

22/s 

8 

16 

48 

64 

9,58 

1 

IV« 

2 

6 

12 

36 

48 

7„85 

1 

IV« 

4 

8 

24 

32 

4,79 

1 

3 

1 

6 
2 

1 

18 
6 
3 

1 

24 
8 
4 

IV« 
1 

3,5'.) 
1,20 

0,C0 

0,20 

o,15 

Folgende  Unterabtheilungen  des  römischen  Pfundes  wurden  mit 
einem  bestimmten  Namen  bezeichnet: 


As  =     7  Unzen. 


Sextans     =  *  6  As  =  2  Unzen  Septunx 

Quadrans  =  '  4  —   =  3      —  Bes 

Triens       =  »/,  —  =  4      —  Dodrans  =  3/4     —  =      9      — 

Quincunx=  5/i2—  =5      —  Dextans  =  5/6     —  =  10       — 

Sextunx    =  »/2  —  =  6      —  Deunx      =  »/i2  —  ==  n       _ 

Semisis 

Yictoriatus  als  Gewicht  hatte  die  Schwere  eines  halben  Denars. 


Tafel    VI. 
Münzen. 

Das  Geld  der  Alten  ist  von  ihrem  Gewichte  abhängig.  Die  Römer 
hatten  Gold-,  Silber-  und  Kupfermünzen;  aber  das  Verhältniss  des 
Werthes  dieser  Metalle  gegen  einander  war  nicht  immer  das  näm- 
liche, wiewohl  die  Haupteintheilung  des  Pfundes  (in  Silber  und  Gold) 

2 


18 

in  seinen  kleineren  Theilen  fast  durchaus  unverändert  blieb.  Unter 
den  römischen  Kupfermünzen  war  die  Einheit  der  Ass  (As),  dessen 
Multipla  folgende  sind:  a)  Dupondius  —  2  Assibus.  b)  Sestertius  = 
21  2-  c)  Tripondius  seu  Tressis  =  3.  d)  Quinquessis  =  5.  e)  Sexis- 
=*  6.  f)  Septussis  =  7.  g)  Vigesis  =  20.  Bis  h)  Centussis  seu  Cen- 
tum  pondium =100  Assibus.  —  Der  römische  Ass  war  anfänglich  l  Pfund 
Kupfer,  und  würde  etwa  1,2  Mark  betragen  haben.  Bei  den  Römern 
war  aber  der  Werth  des  Kupfers  anfänglich  viel  geringer  und  ver- 
hielt sich  zum  Werthe  des  Silbers  nur  wie  1  :  960.  Doch  hob  sich 
der  Werth  des  Kupfers  in  der  Folge  als  man  den  Ass  nach  und  nach 
bis  auf  1  Unze  reducirte.  —  In  den  alten  Zeiten  der  römischen  Re- 
publik, wo  der  Ass  1  Pfund  wog,  galt  der  Silberdenar  10  Ass  oder 
10  Pf.  Kupfer,  der  Quinar  5  Ass,  die  Sesterze  2V2  Ass.  Die  Li- 
belle, eine  andere  kleine  Silbermünze,  galt  einen  pfundigen  Kupfer- 
ass;  die  Sembelle  oder  Selibelle  '/2  Ass;  derTerunzius  1  Quad- 
rans  von  3  Unzen.  Aber  nach  Verringerung  des  Asses  (zuerst  auf 
ein  Sechstel  seiner  früheren  Grösse,  wobei  der  Ass  noch  12  Unzen 
hatte  und  wobei  man  den  Triens  =  l/a  Ass  oder  4  Unzen  und  den 
Quadrans  =  xjt  Ass  oder  3  Unzen  [dieser  daher  auch  Teruncius  ge- 
nannt] unterschied  —  dann)  bis  auf  1  Unze  Kupfer  wurde  beschlossen, 
dass  der  Denar  16  solche  Ass  (16  Unzen  Kupfer),  der  Quinar  8,  und  die 
Sesterze  deren  4  gelten  solle,  daher  die  letztere  auch  den  Namen 
Quadrans  führt1).  Uebrigens  ist  zu  merken,  dass  man  in  allen  Sum- 
men, wo  S esterzen  oder  Denare  vorkommen,  jederzeit  nach  altem  Ge- 
brauche die  Sesterze  zu  2V2  Ass,  oder  den  Denar  zu  10  Ass  zu  ver- 
stehen habe,  wenn  nicht  die  Schriftsteller  ausdrücklich  das  Gegen- 
theil  sagen.  Der  Silberdenar,  welcher  unter  den  Kaisern  der  tägliche 
Sold  eines  Soldaten  war,  hatte  für  diesen  allein  den  Werth  von  10 
Ass,  auch  nach  der  Reduction.  —  Die  grosse  Sesterze  (Sester- 
tium)  war  keine  wirkliche,  sondern  nur  eine  Rechnungsmünze,  und 
galt  1000  kleine  Sesterzen.  Man  bezeichnete  die  grosse  Sesterze 
durch  die  Buchstaben  HS,  z.  B.  C  H— S  =  100  grosse  =  100000 
kleine  Sesterzen.  Wenn  die  Zahl  über  100000  steigt,  so  werden  die 
Worte :  Centena  millia  von  den  Römern  gewöhnlich  ausgelassen,  und 
es  stehen  dann  bloss  die  Adverbia  numeralia  mit  Nummüm  oder  Se- 
stertiüra,  z.  B.  Quinquagies  Nummüm  =  5000000  kleine  =  5000  grosse 
Sesterzen. 


*)  Einmal  wurden  sogar  auch  halbunzenschwere  Asse  geprägt. 


19 
Zur  bequemen  Uebersicht  der  Münzen  dient  die  folgende  Tabelle : 


a 

Aureus 

Argenteus 

Sestertius 
(Nummus) 
Quadrans 

^  3 

c3 

03 

S 

CO 

CD 

.2 

3 
3 
Sh 
O 

H 

3 

OD 

CS 

CO 

CO 

3 

1 

PI 
» 

Quinarius 

(Victoria- 

tus) 

CO 

3 

1 

3 

Quinarius 

(Victoria- 

tus) 

u 

li 

1 

10 

20 

250 

500 

1000 

2500 

5000 

10000 

171,4 

1 

2 

25 

50 

100 

250 

500 

1000 

17)14 

1 

12»/2 

25 

50 

125 

250 

500 

8,57 

1 

2 

4 

10 

20 

40 

0,68 

1 

2 

5 

10 

20 

0,34 

1 

2»/« 

5 

10 

0,17 

1 

2 

1 

4 

2 

0,07 
0,04 

1 

0,02 

Das  griechische  Geld  hatte  mit  dem  Gewichte  einerlei  Einthei- 
lung.    Für  unsern  Zweck  theilen  wir  nur  Folgendes  davon  mit: 


Attisch: 

Tä).avxov 

Mvä 

AQ*xm 

'Oßoloq 

Xakxovq 

Mark 

1 

60 

6000 

i 

36000 

360000 

4380 

1 

100 

600* 

6000 

73 

1 

6 
1 

60 

10 

1 

0,73 
0,12 
0,012 

1  Drachme  =  1  Denar  am  Gewichte. 
10         „  =1  Cyathus  „  „ 

15         „  =1  Acetabulum        _ 


Erstes  Euch. 


C.  Plinius  Secundus  au  den  Kaiser  Titus  Vespasianus. 

Die  Bücher  der  Naturgeschichte,  ein  unter  den 
Schriften1)  Deiner  Römer2)  noch  neues  Werk,  erst  jüngst 
von  mir  vollendet,  habe  ich  beschlossen,  Dir,  geliebtester 
Kaiser  (dieser  Titel,  an  den  wir  durch  Deinen  erhabenen 
Vater 3)  schon  lange  gewöhnt  sind,  sei  auch  der  Deiner 
würdigste),  in  einer  freimüthigen  Zuschrift  vorzutragen.  Du 
pflegtest  ja  meinen  unbedeutenden  Arbeiten  einigen  Werth 
beizulegen4)  —  dass  ich  den  Catull,  meinen  Landsmann, 
(Du  kennst  auch  dieses  militärische  Wort)  anzuführen  wage; 
denn   derselbe   bediente   sich,    wie   Du   weisst,    nicht   der 


')  Camoenae,  Musen,  gelehrte  Arbeiten. 

"-)  Quirites  war  eine  ehrenvolle  Benennung  der  Bürger  in  der 
Stadt  Rom.  Der  Ursprung  dieses  Namens  ist  folgender:  Nachdem 
unter  Romulus  zwischen  den  Sabinern  und  Römern  Friede  geschlos- 
sen, beide  Reiche  mit  einander  vereinigt  und  Rom  als  Sitz  des  ge- 
meinschaftlichen Regiments  bestimmt  war,  wurde  man  eins,  um  den 
Sabinern  doch  auch  einen  Vorzug  einzuräumen,  dass  für  die  Folge 
die  sihmntlichen  Römer  nach  der  sabinischen  Stadt  Cures:  Quinten 
heissen  sollten.  Der  Ort,  wo  dieser  Vertrag  geschlossen  wurde,  hiess 
Comitium.     S.  Livius  I.  13.     Plutarch  im  Leben  des  Romulus. 

3)  Tit.  Flav.  Vespasianus,  geb.  im  Jahre  9  nach  Chr.  und  gestorb. 
im  Jahre  79  nach  Chr.  Sein  Sohn  Titus  wurde  im  Jahre  40  geboren 
und  starb  im  Jahre  81. 

Eine  Stelle  aus  einem  Gedichte  Catull's  an  C.  Nepos.  — 
Q.  Valeriua  Catullus,  einer  der  besten  römischen  Dichter,  gebor,  zu 
Sirmio  im  Veronesischen,  lebte  86—48  v.  Chr.  zu  Rom. 


Erstes  Buch.  21 

feinsten  Ausdrücke,  als  ihm  seine  setabischen  Tücher1)  ver- 
tauscht waren,  weil  er  sie  als  Geschenk  von  seinen  Freunden 
Veraniolus  und  Fabullus  sehr  in  Ehren  hielt.  Zugleich  soll 
aber  durch  diese  meine  Kühnheit  das  in  Erfüllung  gehen, 
über  dessen  Unterlassung  Du  Dich  auf  ein  früheres  ehrer- 
bietiges Schreiben  von  mir  beklagt  hast,  damit  einige  Deiner 
Thaten  an's  Licht  treten  und  Jedermann  erfahre,  wie  würdig 
Du  der  Beherrschung  des  römischen  Reiches  bist.  Du  hast 
Triumphe  gehalten,  wärest  Censor,  sechsmal  Consul  und 
Dir  wurde  die  Macht  eines  Tribuns  zu  theil;  aber  gross 
und  edel  hast  Du  gehandelt,  da  Du,  als  Befehlshaber  der 
Leibwache,  Deinem  Vater  und  dem  Ritterstande  Deine 
Dienste  widmetest,  und  das  alles  thust  Du  für  den  Staat, 
mir  aber  bist  Du  ebenderselbe  im  Feldlager.  Bei  Dir  hat 
die  Grösse  des  Glücks  nichts  geändert,  als,  mehr  und  mehr 
nützlich  zu  sein.  Wenn  daher  den  Uebrigen  alle  jene 
Mittel  zu  Gebote  stehen,  Dir  Verehrung  zu  erweisen,  so 
bleibt  mir,  um  Dir  auf  eine  vertrauliche  Weise  zu  huldigen, 
nur  die  Kühnheit  übrig.  Diese  magst  Du  Dir  selbst  an- 
rechnen, und,  wenn  ich  schuldig  bin,  verzeihen.  Ich  wollte 
aller  Blödigkeit  entsagen,  kann  sie  aber  dennoch  nicht  ganz 
ablegen,  denn  Du  trittst  mir  auf  anderm  Wege  zu  mächtig 
entgegen,  und  bestimmst  mich  durch  Deine  grosse  Gelehr- 
samkeit, noch  weiter  zurückzuweichen.  Noch  bei  Keinem 
glänzte  so  sehr  die  wahre  rednerische  Kraft,  die  Beredsam- 
keit der  tribunitischen  Gewalt.  Wie  donnerst  Du  das  Lob 
des  Vaters!  Wie  lieblich  bist  Du  beim  Lobe  des  Bruders! 
Wie  gross  ist  Dein  Dichtertalent!  Oh,  welche  Fruchtbarkeit 
des  Geistes!  Du  wusstest  auch  dem  Bruder2)  nachzuahmen. 
Aber  wer   kann   diess   alles  wohl   ohne  Furcht   würdigen, 


')  Setaba,  zu  Setabis  (jetzt  Xativa  in  Valencia)  in  Spanien  ver- 
fertigt.    Siehe  auch  III.  B.  4.  Cap.  und  XIX.  B.  1.  Cap. 

2)  Domitian,  der,  im  Jahre  51  geboren,  seinem  Bruder  in  der 
Regierung  folgte,  der  sich  als  einen  der  scheusslichsten  Tyrannen 
bewies,  und  auf  Anstiften  seiner  Gemahlin  Domitia  im  Jahre  96  ermor- 
det wurde.  In  seinen  Jünglingsjahren  mag  wohl  sein  Charakter  eine 
bessere  Aussenseite  gezeigt  haben. 


22  Erstes  Buch.  » 

wenn  er  sich  dem  überdiess  noch  erbetenen  Urtheile  Deines 
Geistes  unterwerfen  will?  Denn  die  Lage  Derer,  welche 
etwas  öffentlich  herausgeben,  ist  verschieden  von  Denen, 
welche  Dir  speciell  etwas  widmen.  In  jenem  Falle  könnte 
ich  sagen,  warum  liest  Du  diess,  mein  Kaiser?  Es  ist  für 
das  niedere  Volk,  die  Bauern,  Handwerker,  zum  Ausfüllen 
müssiger  Stunden  geschrieben;  wer  hat  Dich  zum  Kichter 
bestellt?  Als  ich  dieses  Werk  schrieb,  wärest  Du  nicht 
mit  auf  jener  Liste.  Ich  hielt  Dich  für  zu  erhaben,  als 
dass  ich  glauben  sollte,  Du  würdest  Dich  soweit  herab- 
lassen. Ueberdiess  giebt  es  ja  auch  eine  öffentliche  Zurück- 
weisung bei  den  Gelehrten.  Ihrer  bediente  sich  M.  Tullius1), 
der  doch  über  alle  Geistesarmuth  erhaben  ist,  und  Hess 
sich,  was  mich  wundert,  durch  einen  Sachwalter  ver- 
theidigen.  „Es  ist  nicht  für  die  gelehrtesten  Männer  be- 
stimmt; ich  will  nicht,  dass  Manius  Persius,  ich  will,  dass 
Junius  Congus  mich  lese".  Wenn  diess  Lucilius2),  der  zu- 
erst eine  satyrische  Schreibart  einführte,  von  sich  sagen 
zu  müssen  glaubte,  wenn  Cicero  solches  von  ihm  entlehnte, 
namentlich  als  er  über  den  Staat  schrieb,  um  wie  viel  eher 
habe  ich  Ursache,  mich  vor  irgend  einem  Richter  zu  ver- 
wahren! Aber  dieses  Schutzmittels  habe  ich  mich  durch 
meine  Zuschrift  selbst  begeben;  denn  es  ist  ein  grosser 
Unterschied,  ob  Jemand  einen  Richter  durchs  Loos  erhält 
oder  ihn  wählt;  ferner  sind  die  Zurüstungen  bei  einem  ge- 
ladenen Gaste  verschieden  von  denen  bei  einem  unver- 
mutheten. 

Wenn  bei  Cato,  jenem  Feinde  von  zudringlichen  Amts- 
bewerbungen, der  sich  über  versagte  Anstellungen,  gleich- 
sam als  wären  sie  unveräusserbar,  freuete,  die  Bewerber 
in  den  hitzigsten  Versammlungen  ihr  Geld  niederlegten,  so 

')  Marcus  Tullius  Cicero,  der  bekannte  römische  Staatsmann, 
Redner  und  Philosoph,  geb.  106  v.  Chr.  bei  Arpinum,  53  auf  seinem 
fonnianischeu  Landgute  ermordet. 

5)  C.  Lucilius  aus  Suessa  in  Capanien  um  150  v.  Chr.,  röm. 
Ritter,  Grossoheim  des  grossen  Pompejus.  der  Schöpfer  der  eigentl 
römischen  Satyre. 


Erstes  Buch.  23 

gaben  sie  vor,  sie  thäten  diess  ihrer  Unschuld  wegen,  die 
sie  für  das  beste  aller  menschlichen  Güter  hielten.  Dahin 
zielt  jener  edle  Ausruf  des  M.  Cicero;  „Du  glücklicher 
M.  Porcius,  von  dem  Niemand  eine  Ungerechtigkeit  zu  be- 
gehren wagte"!  Als  L. Scipio  Asiaticus  sich  an  die  Tribunen, 
unter  denen  auch  Gracchus  war,  um  Hülfe  wandte,  lieferte 
er  dadurch  den  Beweis,  dass  er  sich  auch  dem  Urtheile 
eines  feindlichen  Richters  unterwerfen  könne.  So  ernennt 
ein  Jeder  irgend  einen  zum  höchsten  Richter  seiner  Ange- 
legenheit, wenn  er  wählt,  und  daher  kommt  auch  der  Aus- 
druck „Aufruf." 

Dass  Du  auf  den  höchsten  Gipfel  des  menschlichen 
Geschlechts  gestellt,  mit  grösster  Beredsamkeit  und  Gelehr- 
samkeit begabt  bist,  ja  selbst  von  den  Dich  Grüssenden 
ehrfurchtsvoll  begegnet  wirst,  ist  mir  bekannt.  Daher  be- 
sorge ich,  dass  das,  was  Dir  gewidmet  wird,  auch  Deiner 
würdig  sei.  Aber  es  opfern  ja  die  Landleute  und  viele 
Völker  den  Göttern  mit  Milch,  und  spenden  mit  Salz  ver- 
mischtes Mehl,  weil  sie  keinen  Weihrauch  haben;  und  nie- 
mals wurde  es  für  ein  Laster  gehalten,  die  Götter  so  zu 
verehren,  wie  man  es  vermochte.  Meine  Kühnheit  wird 
indessen  noch  dadurch  vermehrt,  dass  ich  Dir  diese  Bücher 
von  leichterer  Arbeit  gewidmet  habe;  in  ihnen  vermisst  man 
einen  erhabenen  Geist,  der  mir  überdiess  nur  in  sehr 
massigem  Grade  zu  Theil  ward;  auch  fehlen  darin,  wegen 
Trockenheit  der  Materie,  Abschweifungen,  Reden,  Ge- 
spräche, merkwürdige  Ereignisse,  verschiedene  Vorfälle, 
oder  Gegenstände,  welche  angenehm  zu  nennen  und  in- 
teressant zu  lesen  wären. 

Das  Wesen  der  Dinge,  d.  h.  ihr  Leben  wird  darin  be- 
schrieben, und  zwar  von  seiner  schmutzigsten  Seite,  so  dass 
vieles  mit  gemeinen  oder  auswärtigen,  ja  sogar  barbarischen 
und  von  einem  anständigen  Vorworte  begleiteten  Namen 
bezeichnet  werden  musste.  Ueberdem  ist  diess  bis  jetzt 
nur  erst  ein  Pfad,  keineswegs  eine  von  Schriftstellern  schon 
betretene  Strasse,  oder  eine  solche,  auf  welche  der  Geist 
gern  wandeln  möchte.     Niemand  unter  uns   hat  ihn  noch 


/ 


24  Erstes  Buch. 

benutzt;  Niemand  unter  den  Griechen,  der  alle  diese  Gegen- 
stände allein  behandelt  hat.  Viele  suchen  nur  die  ange- 
nehme Seite  der  Studien  auf.  Was  aber  von  Andern  mit 
ausserordentlichem  Scharfsinn  bearbeitet  sein  soll,  das  liegt 
noch  in  tiefem  Dunkel.  Ich  beabsichtigte  nun  alles  das  zu 
berühren,  was,  nach  dem  Ausdrucke  der  Griechen,  in  eine 
„Encyclopädie"  gehört,  was  entweder  noch  unbekannt  oder 
noch  nicht  sicher  erforscht  ist.  Andere  Materien  sind  aber 
von  vielen  Autoren  bereits  zum  Ueberdrusse  besprochen 
worden.  Es  ist  eine  schwierige  Sache,  alte  Dinge  in  ein 
neues  Gewand  zu  kleiden,  neuen  Dingen  Ansehn,  abge- 
nutzten Glanz,  dunkeln  Licht,  faden  ein  gefälliges  Gewand, 
zweifelhaften  Glauben,  allen  aber  ihr  Wesen  und  dem  Wesen 
alles,  was  ihm  gehört,  zu  geben.  Daher  erscheint  schon 
der  Wille  löblich  und  schön,  wenn  auch  das  Ziel  nicht  ganz 
erreicht  wird.  Ich  bin  wenigstens  der  Ansicht,  dass  ein 
besonderer  Umstand  in  dem  Bestreben  Derer  liegt,  welche 
nach  überwundenen  Schwierigkeiten,  den  Nutzen  zu  helfen 
der  Sucht  zu  gefallen  vorzogen,  und  diess  Princip  habe  ich 
auch  in  andern  Schriften  befolgt.  Daher  gestehe  ich  meine 
Verwunderung  über  den  berühmten  Schriftsteller  T.  Livius1), 
welcher  einen  Band  seiner  vom  Ursprünge  Rom's  beginnen- 
den Geschichte  also  eröffnet:  „er  habe  sich  schon  Ruhm 
genug  erworben  und  hätte  seine  Thätigkeit  einstellen 
können,  wenn  nicht  sein  rastloser  Geist  an  dem  Werke 
selbst  Nahrung  fände."  Denn  ihm  ziemte  es  wahrlich,  zum 
Ruhme  der  Völker  besiegenden  Nation  und  des  römischen 
Namens  und  nicht  für  seinen  eigenen  jenes  Werk  zu  ^er- 
fassen. Es  wäre  verdienstvoller  gewesen,  wenn  er  aus 
Liebe  zur  Sache,  nicht  seines  Geistes  wegen,  und  für  das 
römische  Volk,  nicht  aber  für  sich  so  beharrlich  gear- 
beitet hätte. 

Zwanzigtausend  merkwürdige  Gegenstände  (sie  sollten 
daher,  wie  Domitius  Piso  sagt,  eher  Schatzkammern  und 


')  Aus  Padua,  der  vornehmste  römische  Geschichtsschreiber,  lebte 
lange  am  Hofe  des  Augustus  und  starb  19  n.  Chr.  in  seiner  Vaterstadt. 


Erstes  Buch.  25 

nicht  Bücher  heissen),  gesammelt  durch  das  Lesen  von  etwa 
zweitausend  Büchern,  unter  welchen  erst  wenige  ihres 
schwierigen  Inhalts  wegen  von  den  Gelehrten  benutzt  sind, 
von  Hundert  der  besten  Schriftsteller1),  habe  ich  in  XXXVI 
Bänden  zusammengefasst,  dazu  aber  noch  vieles  gefügt, 
wovon  entweder  unsere  Vorfahren  nichts  wussten,  oder 
was  das  Leben  erst  später  ermittelt  hat.  Ich  zweifle  in- 
dessen nicht,  dass  auch  mir  manches  entgangen  ist;  ich 
bin  ja  Mensch,  mit  Geschäften  überhäuft,  arbeitete  an  dem 
Werke  nur  in  meinen  Nebenstunden,  d.  h.  des  Nachts,  um 
der  Meinung  nicht  Kaum  zu  geben,  als  habe  ich  von  den 
für  Dich  bestimmten  Stunden  etwas  entzogen.  Die  Tages- 
zeit widme  ich  Dir,  ich  schlafe  nach  Maassgabe  meiner 
Gesundheit,  bin  sogar  mit  dieser  einzigen  Belohnung  zu- 
frieden, weil  ich  (wie  M.  Varro  sagt)  im  Dienste  der  Musen 
so  viele  Stunden  mehr  lebe.  Denn  nur  das  Wachen  ist 
Leben.  Dieser  Ursachen  und  Schwierigkeiten  wegen  wage 
ich  nichts  zu  versprechen;  Du  bist  mir  selbst  Bürge  dafür, 
weil  ich  an  Dich  schreibe.  Diess  ist  kein  Vertrauen  auf 
mein  Werk,  sondern  nur  eine  Empfehlung  für  dasselbe. 
Viele  Dinge  scheinen  nur  darum  sehr  werthvoll,  weil  sie 
den  Tempeln  geweihet  sind.  Ich  habe  Alle,  Deinen  Vater, 
Dich  und  Deinen  Bruder  in  einem  andern  Werke  geschildert, 
welches  in  der  Geschichte  unserer  Zeiten  da  beginnt,  wo 
Aufidius  Bassus  aufhört.  Du  wirst  fragen,  wo  es  sei? 
Längst  vollendet,  wird  es  noch  ausgebessert  und  überdiess 


')  Nach  einer  von  mir  unternommenen  genauen  Zählung  hat  Pli- 
nius  in  diesem  Werke  505  Schriftsteller  benutzt.  Von  diesen  sind 
nur  447  in  den  Inhaltsverzeichnissen  des  ersten  Buches,  58  dagegen 
nur  im  Texte  genannt  worden.  Ausserdem  finden  sich  noch  8  Schrift- 
stellerinnen (7,  nämlich :  Agrippina,  Elephantis,  Lais,  Olympias,  Phe- 
monoe,  Salpe  und  Sotira  in  den  Inhaltsverzeichnissen,  1  nämlich:  Erinna 
nur  im  Texte)  und  3  öffentliche  Urkunden  (Acta  und  Acta  triumpho- 
rum  in  den  Inhaltsverzeichnissen,  Annales  nur  im  Texte).  Die  totale 
Summe  aller  von  PI.  benutzten  Schriftsteller,  Schriftstellerinnen  und 
öffentlichen  Urkunden  beträgt  also  516.  Ein  alphabetisches  Verzeich- 
niss  derselben  folgt  am  Schlüsse  des  Werks. 


26  Erstes  Buch. 

ist  es  zur  Uebergabe  an  einen  Erben  bestimmt,  um  selbst 
den  Schein  zu  vermeiden,  als  habe  mein  Leben  nach  Ehr- 
geiz gestrebt.  Ich  räume  Denen  den  Platz  gern  ein,  welche 
ihn  zuvor  schon  inne  hatten,  aber  auch  den  Nachfolgern, 
von  Denen  ich  weiss,  dass  sie  mit  mir  ebenso,  wie  ich  mit 
den  vorigen,  wetteifern  werden. 

Den  Beweis  meiner  Denkungsart  magst  Du  daraus  er- 
sehen, dass  ich  die  Namen  der  Schriftsteller  diesen  Büchern 
vorgesetzt  habe.  Es  ist  nämlich,  wie  ich  glaube,  billig  und 
zeugt  von  edler  Schaam,  zu  bekennen,  wem  man  sein 
Wissen  verdankt,  und  es  nicht  zu  machen,  wie  die  meisten 
der  von  mir  angeführten.  Denn  wisse,  dass  ich  bei  Ver- 
gleichung  der  Schriftsteller  gerade  unter  den  sich  für  originell 
ausgebenden  und  neuesten  solche  fand,  welche  die  Alten 
wörtlich  abgeschrieben  und  nicht  genannt  haben;  nicht  mit 
jenem  Edelmuthe  des  Virgil,  um  zu  wetteifern;  nicht  mit 
der  Anspruchslosigkeit  des  Cicero,  der  in  den  Büchern 
„über  die  Republik"  dem  Plato  gefolgt  zu  sein  gesteht, 
der  in  der  „Tröstung  über  den  Tod  seiner  Tochter"  sagt: 
ich  folge  dem  Crantor;  der  in  dem  Werke  „über  die 
Pflichten"  den  Pansetius x)  zum  Muster  nahm;  —  Du  kennst 
ja  diese  Werke,  welche  studirt  und  nicht  bloss  täglich  in 
die  Hand  genommen  werden  sollten.  Es  verräth  sicherlich 
einen  schwachen  und  unglücklichen  Geist,  lieber  auf  dem 
Diebstahle  ertappt  zu  werden,  als  das  Empfangene  wieder 
zu  geben,  da  ja  aus  den  Zinsen  wieder  ein  Capital  wird. 

Hinsichtlich  des  Titels  eines  Buches  herrscht  bei  den 
Griechen  eine  wunderbare  Fruchtbarkeit.  Einige  über- 
schreiben KtjqIov,  was  sie  Honigscheibe  genannt  wissen 
wollen;  Andere:  Kegag  afiaX^siag  oder  Hörn  des  Ueber- 
flusses,  so  dass  man  aus  einem  solchen  Buche  Hühnermilch 
zu  schöpfen  hoffen   könnte.     Andere  Titel   sind:  3Icovid2), 


1)  Von  Rhodus,    stoischer    Philosoph    aus  dem  2.  Jahrh.  v.  Chr., 
von  dessen  Werken  wir  keins  mehr  besitzen. 

2)  Veilchenbeet. 


Erstes  Buch.  27 

Moväcti1),  IlavdsxTai2),  EyxsiQidiaz),  steifioov*),  Ilivc%  5), 
I%sdiov6)1  —  Namen,  wegen  denen  man  wirklich  einen 
Gerichtstermin  versäumen  könnte!  Allein,  liest  man  erst 
solche  Bücher,  ihr  Götter  und  Göttinnen,  welch'  ein  Nichts 
enthalten  sie!  Die  Ernstern  unter  uns  Römern  bedienen 
sich  der  Worte:  Antiquitates7),  Exempla8),  Artes9);  die 
Scherzhaften  sagen:  Lucubrationes10),  wie  denn  auch  einer 
von  ihnen  ein  Säufer  war  und  so  genannt  wurde.  Weniger 
ernst  ist  M.  Varro,  der  seine  Satyren  mit  Sesculysses11)  und 
Flexibula12)  überschrieb.  Unter  den  Griechen  hörte  Diodorus13) 
zuerst  auf  zu  scherzen  und  gab  seiner  Geschichte  den  Namen 
Bißho^xtj.  Zwar  schrieb  der  Grammatiker  Apion14),  der- 
selbe, welcher  den  Kaiser  Tiberius  die  Cymbel  der  Welt 
nannte,  während  dieser  doch  eher  als  die  Pauke  des  öffent- 
lichen Gerichts  angesehen  werden  könnte,  dass  diejenigen 
mit  der  Unsterblichkeit  von  ihm  beschenkt  werden  sollten, 
denen  er  etwas  widmen  würde.  Mich  reuet  es  nicht,  keinen 
pomphaften  Titel  ausgedacht  zu  haben.  Damit  es  aber  nicht 
scheine,  als  verspotte  ich  die  Griechen  in  jeder  Beziehung, 
so  möchte  ich  wohl  nach  jenen  Gründern  der  Malerei  und 
Plastik  beurtheilt  werden,  welche  Du  in  diesen  Büchern 
findest,  und  die  ihre  vollendeten  Werke  sowie  auch  die- 
jenigen, welche  wir  nicht  genug  bewundern  können,  mit 
einer  schwankenden  Inschrift  versahen,  wie  z.  B.:  „Apelles 
arbeitete  daran"15),  oder  „Polycletus";  gleichsam  als  ob  die 
Kunst  stets  nur  eine  angefangene,  keine  vollendete  wäre, 
so  dass  dem  Künstler  den  verschiedenen  Urtheilen  gegen- 


*)  Von  Herodot.  2)  Pandekten.  3)  Handbücher,  ein  "Werk  von 
Epictet.  4)  Wiese,  von  Gellius.  5)  Gemälde,  von  Cebes.  6)  Skizze,  von. 
Himerius.  7)  Alterthümer,  wie  Varro.  8)  Beispiele,  wie  Valerius  Ma- 
ximus.    9)  Künste.      10)  Nachtarbeiten.     u)  Anderthalbfacher  Ulysses. 

I2)  Krümmungen. 

,3)  Von  Agyrion  in  Sicilien,  daher  auch  D.  Siculus  genannt,  Hi- 
storiker zur  Zeit  J.  Caesar's  und  Augustus  in  Rom. 

u)  Ein  Aegypter  und  bei'ühmter  Schriftsteller  aus  der  Zeit  des 
Tiberius. 

,5)  faciebat. 


28  Erstes  Buch. 

über  noch  eine  Ausflucht  zur  Entschuldigung  übrig  blieb, 
in  der  Absicht,  das  was  noch  fehle  zu  verbessern,  wenn  er 
nicht  unterbrochen  wäre.  Es  zeugt  daher  von  grosser  Be- 
scheidenheit, dass  sie  alle  ihre  Werke  wie  als  ihre  neuesten 
bezeichneten,  denen  sie  durch  das  Schicksal  entrissen  wären. 
Nur  drei  glaub'  ich,  sind,  laut  der  Inschrift:  „Der  und  Der 
machte  sie"1),  als  vollendete  bezeichnet  und  auf  diese  werde 
ich  gehörigen  Orts2)  zurückkommen.  Wir  ersehen  aus 
diesen  Worten,  dass  der  Verfertiger  seiner  Kunst  völlig 
sicher  zu  sein  glaubte,  uud  darum  tragen  alle  dergleichen 
Kunstwerke  das  Gepräge  der  Prahlerei. 

Ich  gestehe,  dass  ich  meinem  Werke  noch  vieles  hätte 
hinzufügen  können,  und  nicht  bloss  diesem  allein,  sondern 
allen,  welche  ich  verfasst  habe,  um  mich  vor  jenen  Homers- 
geisslern3)  (wie  ich  sie  mit  Recht  nennen  möchte)  zu  hüten, 
weil  ich  vernehme,  dass  auch  die  Stoiker,  Dialektiker  und 
Epikuräer  (denn  von  den  Grammatikern  habe  ich  das  immer 
erwartet)  gegen  meine  Schriften  über  die  Grammatik  zu 
Felde  ziehen,  und  seit  zehn  Jahren  nichts  als  unzeitige 
Geburten  zur  Welt  bringen,  während  selbst  die  Elephanten 
schneller  gebären.  Aber  ich  müsste  ja  nicht  wissen,  dass 
gegen  Theophrastus,  einen  Mann,  der  sich  wegen  seiner 
ausgezeichneten  Beredsamkeit  einen  göttlichen  Namen  er- 
warb4), sogar  ein  Weib  geschrieben  hat,  und  dass  sich 
daher  das  Sprichwort  datirt:  man  solle  sich  einen  Baum 
zum  Erhängen  aussuchen.  Ich  kann  mich  nicht  enthalten, 
wenigstens  die  hieher  passenden  Worte  des  Censors 
Cato5)  anzuführen,  damit  man  daraus  entnehme,  wie  sogar 
gegen  ihn  (der   unter   dem    Africanus,  ja   unter   Hannibal 


')  fecit.  2)  Im  XXXV.  Buche.  3)  Honieroniastigae,  ungerechte 
Tadler. 

4)  Er  hiess  ursprünglich  T  yrtamus,  nannte  sich  dann  Euphrastus 
(der  Wohlredner)  und  endlich  sogar  Theophrastus  (der  göttliche  Red- 
ner).   Er  stammte  aus  Eresus  auf  Lesbos  und  lebte  392—286  v.  Chr. 

5)  Marcus  Porcius  Cato,  der  ältere,  berühmter  römischer  Staats- 
mann, Redner  und  Schriftsteller,  lebte  232—147  v.  Chr.  Von  seinen 
zahlreichen  Schriften  besitzen  wir  nur  noch  das  Buch  über  den  Landbau. 


Erstes  Buch.  29 

die  Kriegskunst  erlernt  hatte,  der  nicht  einmal  den  als 
Feldherrn  im  Triumph  eingezogenen  Africanus  leiden 
konnte),  als  er  über  das  Kriegswesen  schrieb,  Leute  bereit 
waren,  durch  Schmähung  einer  ihnen  fremden  Wissenschaft 
sich  selbst  einen  Ruhm  zu  erwerben.  Denn  was  sagt  er 
in  jenem  Buche?  „Ich  weiss,  dass  Viele  die  Schriften, 
sobald  sie  der  Oeffentlichkeit  übergeben  sind,  verspotten 
werden;  jene  sind  aber  meistens  von  der  Art,  dass  sie  des 
wahren  Lobes  ermangeln;  ich  lasse  daher  ihre  Reden  un- 
beachtet vorüber  gehen."  Ebenso  passend  drückte  sich 
Plancus  aus,  als  es  hiess,  Asinius  Pollio1)  verfasste  Reden 
gegen  ihn,  welche  von  ihm  oder  seinen  Kindern  erst  nach 
Plancus  Tode  herausgegeben  werden  sollten,  damit  er  nichts 
dagegen  erwiedern  könne:  „Nur  Gespenster  stritten  mit 
Todten".  Durch  diese  Worte  entkräftete  er  sie  so,  dass 
sie  bei  den  Gelehrten  für  ein  unverschämtes  Machwerk  ge- 
halten wurden.  Ich  werde  daher,  unbekümmert  um  die 
Fehlerankläger1)  wie  sie  Cato  treffend  bezeichnet  (denn  was 
thuen  sie  anders  als  anklagen  oder  Streit  suchen?),  das  be- 
gonnene Werk  vollenden. 

In  Berücksichtigung  Deiner  Geschäfte,  die  ich  als  ein 
öffentliches  Gut  schonen  muss,  habe  ich  den  Inhalt  der 
einzelnen  Bücher  diesem  Schreiben  beigefügt,  und  die  grösste 
Sorgfalt  darauf  verwendet,  um  Dir  das  Durchlesen  der 
Bücher  zu  ersparen.  Durch  Dich3)  werden  also  auch  Andere 
des  Durchlesens  enthoben;  wer  aber  über  irgend  etwas 
nähere  Auskunft  zu  haben  wünscht,  braucht  bloss  in  jenem 
Inhaltsverzeichnisse  nachzusehen,  um  sogleich  zu  erfahren, 
an  welcher  Stelle  es  zu  finden  ist.  Vor  mir  verfuhr  in 
unserer  Literatur  ValeriusSoranus4)  schon  auf  ähnliche  Weise 
in  den  Büchern,  welche  er  unter  dem  Titel  'Enomidcaf) 
herausgegeben  hat. 


*)  Berühmter  Redner  und  Historiker  aus  der  Zeit  des  Augustus, 
dessen  Werke  sämmtlich  verloren  sind.  2)  Vitelitigatores.  3)  D.  h. 
wegen  der  eigentlich  nur  für  dich  gemachten  Bequemlichkeit. 

4)  Arzt  und  Zeitgenosse  Cicero's.     5)  Uebersichten. 


Kurzer   Inbegriff 

der  Naturgeschichte  des  C.  Plinius  Secundus. 


Zweites  Buch. 

Von  der  Welt  und  den  Elementen. 

1.  Ob  die  Welt  Grenzen  hat  und  ob  sie  einzig  ist. 

2.  Von  ihrer  Gestalt. 

3.  Von  ihrer  Bewegung.    Warum  sie  Mundus  genannt  wird. 

4.  Von  den  Elementen  und  den  Planeten. 

5.  Von  Gott. 

6.  Von  den  Gestirnen.     Von  dem  Laufe  der  Planeten. 

7.  Von  den  Mond-  und  Sonnenfinsternissen.     Von  der  Nacht. 

8.  Von  der  Grösse  der  Gestirne. 

9.  Wer  alle  diese  Entdeckungen  am  Himmel  zuerst  gemacht  hat. 

10.  Wann  die  Sonnen-  und  Mondfinsternisse  wiederkehren. 

11.  Von  dem  Laufe  des  Mondes. 

12.  Der  Lauf  der  Planeten  und  die  Gesetze  ihres  Leuchtens. 

13.  Warum  sie  zuweilen  entfernter,  zuweilen  näher  erscheinen. 

14.  Warum  ihre  Bahnen  ungleich  sind. 

15.  Allgemeine  Bemerkungen  über  die  Planeten. 

16.  Woher  es  kommt,  dass  sie  ihre  Farben  ändern. 

17.  Der  Lauf  der  Sonne,  und  die  Ursache  der  Ungleichheit  der  Tage. 

18.  Warum  dem  Jupiter  die  Blitze  zugeschrieben  werden. 

19.  Abstände  der  Gestirne  von  einander. 

20.  Musikalische  Raumesverhältnisse  zwischen  den  Gestirnen. 

21.  Geometrische  Raumesverhältnisse  der  Welt. 

22.  Von  den  plötzlich  entstehenden  Gestirnen  oder  den  Kometen. 

23.  Ihre  Beschaffenheit,  Lage  und  Arten. 

24.  Hipparch's  Ansichten  von  den  Gestirnen. 

25.  Wunderbare   Erscheinungen   am   Himmel,    durch    geschichtliche 

Beispiele  beglaubigt:    Fackeln,  Lampen,  Spiesse. 


Erstes  Buch.  31 

26.  Feurige  Balken  und  vom  geöffneten  Himmel. 

27.  Von  den  Farben  des  Himmels  und  dem  flammenden  Himmel. 

28.  Von  himmlischen  Kränzen. 

29.  Von  plötzlich  entstehenden  Ringen. 

30.  Längere  Verfinsterungen  der  Sonne. 

31.  Mehrere  Sonnen. 

32.  Mehrere  Monde. 

33.  Tageshelle  in  der  Nacht. 

34.  Feurige  Schilde. 

35.  Ein  nur  einmal  am  Himmel  bemerktes  Zeichen. 

36.  Vom  Hin-  und  Hergehen  der  Sterne. 

37.  Von  den  Sternen,  welche  auf  der  Erde  und  im  Meere  vorkommen. 

38.  Von  der  Luft,  und  woher  der  Steinregen  kommt. 

39.  Von  den  bestimmten  Witterungen. 

40.  Vom  Aufgange  des  Hundssterns. 

41.  Bestimmter  Einfluss  der  Jahreszeiten. 

42.  Von  den  unbestimmten  Witterungen,  vom  Platzregen. 

43.  Vom  Donner  und  Blitz. 

44.  Entstehung  der  Winde. 

45.  Verschiedene  Bemerkungen  über  die  Winde. 

46.  Arten  der  Winde. 

47.  Zeiten,  wann  Winde  entstehen. 

48.  Beschaffenheit  der  Winde. 

49.  Der  Ecnephias  und  Typhon. 

50.  Wirbel,  feurige  Wirbelwinde,  Drehwinde  und  andere  merkwürdige 

Sturmarten. 

51.  Von  den  Blitzen;  in  welchen  Ländern  es  nicht  blitzt  und  warum. 

52.  Arten  der  Blitze  und  ihre  wunderbaren  Eigenschaften. 

53.  Beobachtungen  der  Etruscer  und  Römer  über  dieselben. 

54.  Von  der  Beschwörung  der  Blitze. 

55.  Allgemeine  Bemerkungen  über  die  Blitze. 

56.  Was  der  Blitz  niemals  trifft. 

57.  Von  Milch-,  Blut-,  Fleisch-,  Eisen-,  Wolle-  und  Ziegelstein-Regen 

58.  WafFengeklirr  und  Hörnerschall  vom  Himmel  her  gehört. 

59.  Steine  die  vom  Himmel  fallen.  Ansichten  desAnaxagoras  darüber. 

60.  Der  Regenbogen. 

61.  Beschaffenheit  des  Hagels,  Schnees,  Reifes,  Nebels,  Thaues,  der 

Wolken.     Bilder  in  den  Wolken. 

62.  Beschaffenheit  des  Himmels  an  verschiedenen  Orten. 

63.  Beschaffenheit  der  Erde. 

64.  Von  ihrer  Gestalt. 

65.  Ob  es  Gegenfüssler  giebt. 

66.  Wie  dag  Wasser  mit  der  Erde  verbunden  ist. 

67.  Ob  der  Ocean  die  Erde  rings  umgiebt. 


32  Erstes  Buch. 

68.  Welcher  Theil  der  Erde  bewohnt  ist. 

69.  Dass  die  Erde  der  Mittelpunkt  der  Welt  ist. 

70.  Von  der  schrägen  Lage  der  Erdgürtel. 

71.  Von  der  Ungleichheit  der  Klimata. 

72.  Wo  die  Sonnen-  und  Mondfinsternisse  nicht  gesehen  werden,  und 

warum. 

73.  Welche  ßewandtniss   es  mit  dem  Tageslichte  auf  der  Erde  hat. 

74.  Darauf  bezügliche  Bemerkungen  über  die  Sonnenuhren. 

75.  Wo  und  wann  kein  Schatten  entsteht. 

76.  Wo  zweimal  im  Jahre  Schatten  und  wo  das  Gegentheil  ist. 

77.  Wo  die  Tage  am  längsten  und  wo  sie  am  kürzesten  sind. 

78.  Von  der  ersten  Stundenuhr. 

79.  Von  der  Bestimmung  der  Tagesdauer. 

80.  Verschiedenheit  der  Völker  nach  ihrem  Wohnsitze. 

81.  Vom  Erdbeben. 

82.  Von  Erdfällen. 

83.  Merkmale  eines  bevorstehenden  Erdbebens. 

84.  Hülfsmittel  gegen  bevorstehende  Erdbeben. 

85.  Wunder  auf  Erden,  die  nur  einmal  geschehen  sind. 

86.  Wunderbare  Erscheinungen  beim  Erdbeben. 

87.  In  welchen  Gegenden  das  Meer  zurückgetreten  ist, 

88.  Wie  Inseln  entstanden  sind. 

89.  Welche  und  zu  welchen  Zeiten  sie  entstanden  sind. 

90.  Welche  Länder  durch  das  Meer  abgerissen  sind. 

91.  Welche  Inseln  an  das  feste  Land  gesetzt  sind. 

92.  Welche  Länder  vom  Meere  verschlungen  sind. 

93.  Welche  Länder  von  selbst  untergegangen  sind. 

94.  Städte,  die  das  Meer  verschlungen  hat 

95.  Von  den  Luftlöchern  der  Erde. 

96.  Länder,  welche  immer  zittern;  schwimmende  Inseln. 

97.  An  welchen  Orten  es  nicht  regnet- 

98.  Eine  Menge  Wunder  von  Ländern. 

99.  Von  der  Natur  der  Ebbe  und  Fluth. 

100.  Wo  Ebbe  und  Fluth  von  der  Regel  abweichen. 

101.  Wunder  des  Meeres. 

102.  Welchen  Einfluss  der  Mond  auf  Land-  und  Meer-Geschöpfe  hat. 

103.  Einfluss  der  Sonne  auf  dieselben. 

104.  Warum  das  Meer  salzig  ist. 

105.  Wo  das  Meer'  am  tiefsten  ist. 

106.  Wunder  der  Quellen  und  Flüsse. 

107.  Vereinigte  Wunder  des  Feuers  und  Wassers.  * 

108.  Von  der  Maltha. 

109.  Von  der  Naphtha. 

110.  Welche  Orte  stets  brennen. 


Erstes  Buch.  33 

111.  Wunder  des- Feuers  an  sich. 

112.  Bestimmung  der  Grösse  der  ganzen  Erde. 

113.  Hannonische  Berechnung  der  ganzen  Welt. 

Zusammen:  417  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,  Sulpicius  Gallus,  der  Kaiser  Titus,  Q.  Tubero,  Tullius 
Tiro,  L.  Piso,  T.  Livius,  C.  Nepos,  Sebosus,  Cselius  Antipater,  Fabia- 
nus,  Antias,  Mucianus,  Caecina  der  über  etruskische  Einrichtungen 
geschrieben  hat,  Tarquitius  desgleichen,  Julius  Aquila  desgleichen, 
Sergius,  Paulus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Plato,  Hipparchus,  Timaeus,  Sosigenes,  Petosiris,  Nechepsus,  die 
Pythagoraeer,  Posidonius,  Anaximander,  Epigenes,  Gnomonicus,  Eu- 
clides,  der  Philosoph  Coeranus,  Eudoxus,  Democritus,  Critodemus, 
Thrasyllus,  Serapion,  Dicaearchus,  Archimedes,  Onesicritus,  Eratosthe- 
nes,  Pytheas,  Herodotus,  Aristoteles,  Ctesias,  Artemidorus  von  Ephe- 
sus,  Isidorus  von  Charax,  Theopompus. 


Drittes  Buch. 


Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte,  Häfen, 

Berge,    Flüsse    und    den    Völkern,    welche    noch    da    sind 

oder  da  waren. 

1.  Europa' s  Grenzen  und  Lage  im  Allgemeinen. 

2.  Von  Spanien  überhaupt. 

3.  Die  baltische  Provinz. 

4.  Das  diesseitige  Spanien. 

5.  Die  narbonensische  Provinz. 

6.  Itaüen. 

7.  Der  neunte  Bezirk  von  Italien. 

8.  Der  siebente  Bezirk  von  Italien. 

9.  Der  erste  Bezirk  von  Italien.    Die  Tiber,  Rom. 

10.  Der  dritte  Bezirk  von  Italien. 

11.  64  Inseln,  unter  ihnen  die  Balearen. 

12.  Corsica. 

13.  Sardinien. 

14.  Sicilien. 

15.  Gross- Griechenland;  von  Locri  an. 

16.  Der  zweite  Bezirk  von  Italien. 

17.  Der  vierte  Bezirk  von  Italien. 

18.  Der  fünfte  Bezirk  von  Italien. 

3 


o.  Erstes  Buch. 

19.  Der  sechste  Bezirk  von  Italien. 
20    Der  achte  Bezirk  von  Italien. 

21.  Der  elfte  Bezirk  von  Italien;  Italien  jenseits  des  Po. 

22.  Der  zehnte  Bezirk  von  Italien. 

23.  lstrien  und  dessen  Bewohner. 

24.  Die  Alpen  und  ihre  Bewohner. 

25.  Liburnien  und  Illyrien. 

26.  Dalmatien. 

27.  Noricum. 

28.  Pannonien. 

29.  Moesien. 

30.  Die  Inseln  des  ionischen  und  adriatischen  Meeres. 

Zusammen:   Städte  und  Völker.  ] 

Berühmte  Flüsse.  Die  Zahlen 

Berühmte  Berge.  \  fehlen  in  allen 

Inseln.  Handschriften. 

Untergegangene  Städte  und  Völker,  j 
316  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Turranius  Gracilis,  Com.  Nepos,  T.  Livius,  der  Censor  Cato,  M.. 
Agrippa,  M.  Varro,  der  Kaiser  Augustus,  Varro  von  Atace,  Hyginus, 
L  Vetus  MelaPomponius,  Curio  der  Vater,  Caelius,  Arruntius,  Sebo- 
sus,  Licinius  Mucianus,  Fabricius  Tuscus,  L.  Attejus  Capito,  Vemus 
Fla'ccus,  L.  Piso,  Gellianus,  Valerianus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Artemidorus,  Alexander  Polyhistor,    Thucydides,   Theophrastus, 
Isidorus,  Theopompus,  Metrodorus  von  Scepsis,  Calhcrates,  Xenephon 
von  Lampsacus,  Diodorus  von  Syracus,  Calliphanes,  Timagenes. 


Viertes  Buch. 


Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte, 

Häfen,  Berge,  Flüsse  und  den  Völkern,  welche  noch 

da  sind  oder  da  waren. 

1.  Epirus. 

2.  Acarnanien. 

3.  Aetolien. 

4.  Locris  und  Phocis. 

5.  Der  Peloponnes. 

6.  Achaja. 

7.  Messenien. 


Erstes  Buch.  35 

8.  Laconien. 

9.  Argolis. 

10.  Arcadien. 

11.  Attica,  Griechenland. 

12.  Böotien. 
18.  Doris. 

14.  Phthiotis. 

15.  Thessalien. 

16.  Magnesien. 

17.  Macedonien. 

18.  Thracien,  das  ägeische  Meer. 

19.  Die  Inseln,  welche  vor  diesen  Ländern  liegen,  darunter: 

20.  Creta. 

21.  Euböa. 

22.  Die  Cycladen. 

23.  Die  Sporaden. 

24.  Der  Hellespont.  Der  Maeotis. 

25.  Dacien,  Sarmatien. 

26.  Scythien. 

27.  Die  Inseln  im  Pontus.     Die  Inseln  im  nördlichen  Ocean. 

28.  Germanien. 

29.  96  Inseln  im  gallischen  Ocean,  unter  diesen: 

30.  Britannien. 

31.  Das  belgische  Gallien. 

32.  Das  lugdunensische  Gallien. 

33.  Das  aquitanische  Gallien. 

34.  Das  diesseitige  Spanien  vom  gallischen  Ocean  an. 

35.  Lusitanien. 

36.  Die  Inseln  im  atlantischen  Meere. 

37.  Bestimmung  der  Grösse  von  ganz  Europa. 

Zusammen:  Städte  und  Völker. 

Berühmte  Flüsse.  Die  Zahlen 

Berühmte  Berge.  \  fehlen  in  allen 

Inseln.  Handschriften. 

Untergegangene  Städte  und  Völker. 
Gegenstände,  Erzählungen  !und  Bemerkungen.  . 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,  der  Censor  Cato,  M.  Agrippa,  der  Kaiser  Augustus, 
Varro  von  Atace,  Com.  Nepos,  Hyginus,  L.  Vetus,  Pomponius  Mela, 
Licinius  Mucianus,  Fabricius   Tuscus,  Attejus  Capito,   der  Philolog 
Attejus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Polybius,  Hecatseus,  Hellanicus,  Damastes,  Eudoxus,  Dicsearchus, 
Timosthenes,  Eratosthenes,  Ephorus,  der  Grammatiker  Cratetes,  Se- 

3* 


36  Erstes  Buch. 

rapion  von  Antiochien,  Callimachus,  Artemidorus,  Apollodorus,  Aga- 
thocles,  Euuiachus,  Timseus  aus  Sicüien,  Myrsilus,  Alexander  Poly- 
histor, Thucydides,  Dosiades,  Anaximander ,  Philistides  von  Mallus, 
Dionysius,  Aristides,  Callidemus,  Mensechmus,  Aglaosthenes,  Anticlides, 
Heraclides,  Philemon,  Xenophon,  Pytheas,  Isidorus,  Pliilonides,  Xena- 
goras,  Astynomus,  Staphylus.  Aristocriton,  Metrodorus,  Cleobulus, 
Posidonius. 


Fünftes  Buch. 

Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte, 

Häfen,  Berge,  Flüsse,  und  den  Völkern,  welche 

noch  da  sind  oder  da  waren. 

1.  Mauritanien. 

2.  Numidien. 

3.  Afrika  (im  engern  Sinne). 

4.  Die  Syrten. 

5.  Cyrenaica. 

6.  Das  libysche  Mareotis. 

7.  Die  Inseln  um  Afrika. 

8.  Das  innere  Afrika. 

9.  Asien.  Aegypten  und  Thebais. 

10.  Der  Nil. 

11.  Die  Städte  in  Aegypten. 

12.  Arabien,  welches  am  ägyptischen  Meere  liegt. 

13.  Syrien. 

14.  ldumäa,  Palästina,  Samaria. 

15.  Judäa. 

16.  Decapolis. 

17.  Phönicien. 

18.  Das  antiochische  Syrien. 

19.  Das  übrige  Syrien. 

20.  Der  Euphrat. 

21.  Syrien  am  Euphrat. 

22.  Cilicien  und  die  anwohnenden  Völker. 

23.  Die  Isaurer  und  die  Homonader. 

24.  Pisidien. 

25.  Lycaonien. 

26.  Pamphylien. 

27.  Der  Berg  Taurus. 

28.  Lycien. 

29.  Carien. 

30.  Lydien. 


Erstes  Buch.  37 

31.  Ionien. 

32.  Aeolien. 

33.  Troas  und  die  anwohnenden  Völker. 

34.  212  Inseln  vor  Asien,  darunter: 

35.  Cypem. 

36.  Rhodus. 

37.  Samos. 

38.  Chios. 

39.  Lesbos. 

40.  Das  Hellespont  und  Mysien. 

41.  Phrygien. 

42.  Galatien  und  die  anwohnenden  Völker. 

43.  Bithynien. 

44.  Die  Inseln  im  Propontis. 

Zusammen:  Städte  und  Völker. 
Berühmte  Flüsse. 
Berühmte  Berge. 
318  (?)  Inseln. 
Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Agripppa,  Suetonius,  Paulinus,  M.  Varro,  Varro  von  Atace,  Com. 
Nepos,  Hyginus,  L.  Vetus,  Mela,  Domitius  Corbulo,  Licinius  Mucianus, 
der  Kaiser  Claudius,   Arruntius,  Livius  der  Sohn,  Sebosus,  die  Acten 
über  die  gehaltenen  Triumphe. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Der  König  Juba,  Hecata^us,  Hellanicus,  Damastes,  Dicsearchus, 
Baeton,  Timosthenes,  Philonides,  Xenagoras,  Astynomus,  Staphylus, 
Aristoteles,  Dionysius,  Aristocritus,  Ephorus,  Eratosthenes,  Hippar- 
chus,  Pansetius,  Serapion  von  Antiochia,  Callimachus,  Agathocles, 
Polybius,  der  Mathematiker  Tima^us,  Herodotus,  Myrsilus,  Alexander 
Polyhistor,  Metrodorus,  Posidonius,  welcher  2  Bücher  „die  Erdum- 
schiffung" und  die  „Erdumwanderung"  geschrieben  hat,  Sotades,  Pe- 
riander, Aristarchus  von  Sicyon,  Eudoxus,  Antigenes,  Callicrates, 
Xenophon  von  Lampsacus,  Diodorus  von  Syracus,  Hanno,  Himilco, 
Nymphodorus,  Calliphanes,  Artemidorus,  Megasthenes,  Isidorus,  Cle- 
obulus,  Aristocreon. 


Die  Zahlen  fehlen 
in  allen  Hand- 
schriften. 


Sechstes  Bach. 

Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte, 

Häfen,  Berge,  Flüsse,  und  den  Völkern,  welche 

noch  da  sind  oder  da  waren. 

1.  Der  Pontus  und  die  Mariandyner. 

2.  Die  Paphlagonier. 


38  Erstes  Buch. 

3.  Die  Cappadocier. 

4.  Das  theniiscyrenische  Land  und  seine  Völker.    Die  Heniocher. 

5.  Das  colische  Land,  die  Achaeer  und  die  übrigen  dort  wohnenden 

Völker. 

6.  Der  cimmersche  Bosporus. 

7.  Mseotis  und  die  um  ihn  wohnenden  Völker. 

8.  Cappadocien. 

9.  Gross-  und  Klein-Armenien. 

10.  Die  Flüsse  Cyrus  und  Araxes. 

11.  Albanien,  Iberien  und  die  anwohnenden  Völker. 

12.  Die  caucasischen  Pässe. 

13.  Die  Inseln  im  Pontus. 

14.  Die  Völker  vom  scythischen  Ocean  an. 

15.  Das  caspische  und  hyrcanische  Meer. 

16.  Adjabene. 

17.  Medien  und  der  caspische  Pass. 

18.  Die  Völker  am  hyrcanischen  Meere. 

19.  Die  scythischen  Völker  und  die  Länder  vom  östlichen  Ocean  an. 

20.  Die  Serer. 

21.  Die  Indier. 

22.  Der  Ganges. 

23.  Der  Indus. 

24.  Taprobane. 

25.  Die  Gedroser  und  die  angrenzenden  Provinzen.    Die  Arianer. 

26.  Schifffahrten  nach  Indien. 

27.  Carmanien. 

28.  Der  persische  und  der  arabische  Meerbusen. 

29.  Die  Länder  der  Parther. 

30.  Mesopotamien. 

31.  Der  Tigris. 

32.  Arabien. 

33.  Der  Busen  des  rothen  Meeres. 

34.  Troglodytice. 

35.  Aethiopien. 

36.  Die  Inseln  des  äthiopischen  Meeres. 

37.  Von  den  glückseligen  Inseln. 

38.  Vergleichung  der  Länder  miteinander  nach  ihrem  Flächeninhalte . 

39.  Vertheilung  der  Länder  in  Parallelen  und  gleiche  Schatten. 

Zusammen:  1195  Städte. 
576  Völker. 
115  berühmte  Flüsse. 
18  berühmte  Berge. 
108  Inseln. 

95  untergegangene  Städte  und  Völker. 
2214  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 


Erstes  Buch.  39 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Agrippa,   M.  Varro,   Varro  von  Atace,  C.  Nepos,  Hyginus, 
L.   Vetus,  Mela  Pomponius,  Domitius  Corbulo,   Licinius  Mucianus, 
der  Kaiser  Claudius,  Arruntius,  Sebosus,  Fabricius  Tuscus,  T.  Livius, 
Seneca,  Nigidius. 

Von  fremden  Schriftsteilem: 
König  Juba,  Hecatseus,  Hellanicus,  Damastes,  Eudoxos,  Dicsear- 
chus,  B«ton,  Timosthenes,  Patrocles,  Demodamas,  Clitarchus,  Era- 
tosthenes,  Alexander  der  Grosse,  Ephorus,  Hipparchus,  Pansetius,  Calli- 
machus,  Artemidorus,  Apollodorus,  Agathocles,  Polybius,  Eumachus, 
Timaeus  von  Sicilien,  Alexander  Polyhistor,  Isidorus,  Amometus, 
Metrodorus,  Posidonius,  Onesicritus,  Nearchus,  Megasthenes,  Diogne- 
tus,  Aristocreon,  Bion,  Dalion,  Simonides  der  Jüngere,  Basilis,  Xeno- 
phon  von  Lampsacus. 


Siebentes  Buch. 

Von  der  Entstehung  und  Beschaffenheit  des  Menschen 
und  von  der  Erfindung  der  Künste. 

1.  Vom  Menschen. 

2.  Wunderbare  Gestalten  der  Völker. 

3.  Seltsame  Geburten. 

4.  Von  der  Erzeugung  des  Menschen;   merkwürdige  Beispiele  der 

Schwangerschaft  von  sieben  bis  zu  dreizehn  Monaten. 

5.  Anzeigen  bei  Schwange»  in  Bezug  auf  die  Erkennung  des  Ge- 

schlechtes der  Leibesfrucht. 
<>.  Monströse  Geburten. 

7.  Kinder,  die  aus  der  Mutter  Leibe  geschnitten  sind. 

8.  Welche  Menschen  Vopiscer  heissen. 

9.  "Von  der  Empfängniss  und  Zeugung. 

10.  Beispiele  von  Aehnlichkeiten. 

11.  Von  der  Zeit  der  Pubertät.    Beispiele  zahlreicher  Empfängniss. 

12.  Bis  zu  welchem  Alter  der  Mensch  zeugungsfähig  ist. 

13.  Wunderbare  Bemerkungen  über  den  Monatsfluss  der  Weiber. 

14.  Von  der  Zeugungsfähigkeit. 

15.  Geschichtliche  Bemerkungen  von  den  Zähnen,  desgleichen  von 

den  Kindern. 

16.  Beispiele  auffallender  Grösse. 

17.  Frühreife  Kinder. 

18.  Ausgezeichnete  Merkmale  am  menschlichen  Körper. 

19.  Ausserordentliche  Kräfte. 

20.  Ausserordentliche  Schnelligkeit. 

21.  Sehr  scharfes  Gesicht. 


40  Erstes  Buch. 

22.  Sehr  feines  Gehör. 

23.  Beispiele  von  Ausdauer. 

24.  Beispiele  von  starkem  Gedächtniss. 

25.  Beispiele  von  Geisteskraft. 

26.  Beispiele  von  Milde  und  Grossmuth. 

27.  Von  hoher  Berühmtheit  in  der  Leitung  ausserordentlicher  Ange- 

legenheiten. 

28.  Von  den  drei  grössten  Tugenden  und  von  der  grössten  Unschuld 

eines  Menschen. 

29.  Von  der  grössten  Tapferkeit. 

30.  Beispiele  von  ausgezeichneten  Genie's. 

31.  Dessgleichen  von  grosser  Weisheit. 

32.  Sehr  nützliche  Lebensregeln. 

33.  Von  der  Kraft  des  Weisssagens. 

34.  Wer  für  den  rechtschaffensten  Mann  gehalten  worden  ist. 

35.  Welche  Frauen  die  keuschesten  gewesen  sind. 

36.  Beispiele  höchster  kindlicher  Liebe. 

37.  Ausgezeichnete  Männer  in  den  Künsten,  der  Sterndeutekunst, 

Sprachkunde  und  Medicin; 

38.  Der  Geometrie,  Architectur; 

39.  Der  Malerei,  Bildhauerei,  der  Kunst  in  Elfenbein  zu  arbeiten  und 

getriebene  Arbeit  zu  verfertigen. 

40.  Sehr  hohe  Preise  für  Menschen. 

41.  Von  der  höchsten  Glückseligkeit. 

42.  Seltene  Beispiele  von  dauerndem  Glücke  in  Familien. 

43.  Merkwürdige  Beispiele  von  Glückswechsel.    Ein  zweimal  Ver- 

bannter. 

44.  Merkwürdige  Beispiele  von  Ehrenbezeugungen. 

45.  Die  zehn  höchsten  Güter  bei  einem  Manne. 

46.  Widerwärtige  Schicksale  des  Kaisers  Augustus. 

47.  Welche  Menschen  von  den  Göttern  für  die  glücklichsten  er- 

klärt sind. 

48.  Wen  man  schon  bei  seinen  Lebzeiten  als  einen  Gott  zu  ver- 

ehren befohlen  hat.     Ein  merkwürdiger  Blitz. 

49.  Von  der  längsten  Lebensdauer. 

50.  Von  der  verschiedenen  Geburtszeit. 

51.  Verschiedene  Beispiele  von  Krankheiten. 

52.  Vom  Tode. 

53.  Welche  Menschen  schon  zu  Grabe  getragen  und  wieder  auf- 

gelebt sind. 

54.  Beispiele  von  plötzlich  erfolgtem  Tode. 

55.  Vom  Begräbniss. 

56.  Von  den  Geistern  der  Verstorbenen;  von  der  Seele. 

57.  Was  ein  Jeder  im  Leben  erfunden  hat. 


Erstes  Buch.  41 

58.  Worin  die  erste  Uebereinkunft  der  Völker  besteht. 

59.  Wann  zuerst  Barbiere  gewesen  sind. 

60.  Wann  die  erste  Uhr  existirt  hat. 

Zusammen:  747  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

Verrius  Flaccus,  Cn.  Gellius,  Licinius  Mucianus,  Massurius  Sabi- 
nus,  Agrippina  des  Claudius  Gemahlin,  M.  Cicero,  Asinius  Pollio, 
M.  Varro,  Messala,  Rufus,  C.  Nepos,  Virgilius,  Livius,  Cordus,  Melis- 
sus,  Sebosus,  Com.  Celsus,  Valerius  Maximus,  Trogus,  Nigidius  Figu- 
lus,  Pomponius  Atticus,  Pedianus  Asconius,  Fabianus,  der  Censor  Cato, 
Fabius  Vestalis,  die  Acten. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Herodotus,  Aristeas,  Bseton,  Isigonus,  Crates,  Agatharchides, 
Calliphanes,  Aristoteles,  Nymphodorus,  Apollonides,  Phylarchus,  Dä- 
mon, Megesthenes,  Ctesias,  Tauron,  Eudoxus,  Onesicritus,  Clitarchus, 
Duris,  Artemidorus,  der  Arzt  Hippocrates,  der  Arzt  Asclepiades,  He- 
siodus,  Anacreon,  Theopompus,  Hellanicus,  Damastes,  Ephorus,  Epi- 
genes,  Berosus,  Petosiris,  Nechepsus,  Alexander  Polyhistor,  Xenophon, 
Callimachus,  Democritus,  der  Geschichtsschreiber  Diyllus,  Strato  der 
gegen  die  „Erfindungen"  des  Ephorus  schrieb,  Heraclides  von  Pontus, 
Asclepiades  welcher  tragische  Begebenheiten  schrieb,  Philostephanus, 
Hegesias,  Archimachus,  Thucydides,  Mnesigiton,  Xenagoras,  Metrodo- 
rus  von  Scepsis,  Anticlides,  Critodemus. 


Achtes  Buch. 

Von  den  Landthieren. 

1.  Von  den  Elephanten,  von  ihrem  Verstände. 

2.  Wann  sie  zuerst  zum  Ziehen  gebraucht  sind. 

3.  Von  ihrer  Gelehrigkeit. 

4.  Wunderbare  Dinge  in  Bezug  auf  ihre  Handlungen. 

5.  Dass  die  wilden  Thiere  wissen,  was  ihnen  Gefahr  bringt. 

6.  Wann  in  Italien  zuerst  Elephanten  gewesen  sind. 

7.  Ihre  Kämpfe. 

8.  Wie  sie  gefangen  werden. 

9.  Wie  sie  gezähmt  werden. 

10.  Von  ihrer  Geburt  und  von  ihrer  übrigen  Beschaffenheit. 

11.  Wo  sie  geboren  werden.    Von  ihrer  Feindschaft  mit  den  Schlangen. 

12.  Von  der  Schlauheit  der  Thiere. 

13.  Von  den  Schlangen. 


42  Erstes  Buch. 

14.  Schlangen  von  ausserordentlicher  Grösse. 

15.  Von  den  scythischen  Thieren.     Von  den  Bisons. 

16.  Von  den  nordischen  Thieren;  vom  Elenthiere,  dem  Bonasus. 

17.  Von  den  Löwen  und  ihrer  Geburt. 

18.  Ihre  verschiedenen  Arten. 

19.  Ihre  sonstige  Beschaffenheit. 

20.  Wer  zuerst  zu  Rom  einen  Löwenkampf  veranstaltet  hat.   Wer  die 

meisten  Löwen  dazu  geliefert  hat. 

21.  Wunderbare  Begebenheiten  von  den  Löwen. 

22.  Wer  von  einer  Schlange  erkannt  und  gerettet  worden  ist. 

23.  Von  den  Panthern. 

24.  Senatsbeschluss  und  Gesetze  in  Bezug  auf  die  afrikanischen  Pan- 

ther.   Wer  die  afrikanischen  zuerst,  und  wer  die  meisten  nach 
Rom  gebracht  hat. 

25.  Von  den  Tigern.    Wann  der  erste  in  Rom  gesehen  worden.    Be- 

schreibung derselben. 

26.  Von  den  Kameelen  und  ihren  Arten. 

27.  Von  der  Giraffe.    Wann  die  erste  in  Rom  gesehen  worden. 

28.  Von  dem  Thiere  Chama  und  dem  Cephus. 

29.  Vom  Rhinoceros. 

30.  Vom  Luchs,  den  Sphingen,  Crocotten  und  Meerkatzen. 

31.  Die  Landthiere  Indiens. 

32.  Die  Landthiere  Aethiopiens.    Ein  Thier,  welches  durch  seinen  An- 

blick tödtet. 

33.  Von  den  Basilisken. 

34.  Von  den  Wölfen.    Woher  die  Sage  von  Verwandlung  in  Wölfe 

kommt. 

35.  Die  Arten  der  Schlangen. 

36.  Vom  Ichneunion. 

37.  Vom  Krokodil. 

38.  Vom  Scincus. 

39.  Vom  Flusspferde. 

40.  Wer  zuerst  ein  Flusspferd  und  ein  Krokodil  zu  Rom  gezeigt  hat. 

41.  Arzneimittel,  welche  von  Thieren  entdeckt  sind. 

42.  Anzeigen  von  Gefahren  an  Thieren  beobachtet. 

43.  Völker,  die  von  Thieren  vertilgt  sind. 

44.  Von  den  Hyänen. 

45.  Von  den  Crocuten  und  Mantichoren. 

46.  Von  den  wilden  Eseln. 

47.  Vom  Castoreum.    Von  Thieren,  welche  im  Wasser  und  auf  dem 

Lande  leben.    Von  der  Fischotter. 

48.  Von  den  Laubfröschen. 

49.  Vom  Seekalbe.    Vom  Biber.    Von  den  Stellionen. 

50.  Von  den  Hirschen. 


Erstes  Buch.  43 

51.  Vom  Chamaeleon. 

52.  Von  den  übrigen  Thieren,    welche  ihre  Farbe  verändern.     Vom 

Rennthiere,  dem  Lycaon,  dem  Thos. 

53.  Vom  Stachelschweine. 

54.  Von  den  Bären  und  ihren  Jungen. 

55.  Von  den  pontischen  Mäusen  und  den  Alpenmäusen. 

56.  Von  den  Igeln. 

57.  Vom  Löwentödter  und  Luchse. 

58.  Von  dem  Dachse,  dem  Eichhörnchen. 

59.  Von  den  Vipern  und  Schnecken. 

60.  Von  den  Eidechsen. 

61.  Von  den  Hunden;  Beispiele  von  Treue  gegen  ihre  Herren.  Welche 

sich  Hunde  zum  Kriege  gehalten  haben. 

62.  Von  ihrer  Fortpflanzung. 

63.  Mittel  gegen  die  Hundswuth. 

64.  Von  den  Pferden. 

65.  Von   ihrem   Verstände.    Merkwürdige  Begebenheiten   von  einem 

Gespann  aus  vier  Pferden. 

66.  Von  ihrer  Fortpflanzung. 

67.  Welche  durch  den  Wind  empfangen. 

68.  Von  den  Eseln  und  ihrer  Fortpflanzung. 

69.  Von  den  Mauleseln,  dem  übrigen  Zugvieh  und  ihrer  Fortpflanzung. 

70.  Von  den  Ochsen  und  ihrer  Fortpflanzung. 

71.  Vom  ägyptischen  Apis. 

72.  Von  dem  Schafe  überhaupt  und  seiner  Fortpflanzung. 

73.  Von  den  Arten  der  Wolle  und  ihrer  Farbe. 

74.  Von  den  verschiedenen  Kleidern. 

75.  Von  den  äussern  Merkmalen  des  Schafs;  vom  Musimon. 

76.  Von  den  Ziegen  und  ihrer  Fortpflanzung. 

77.  Von  den  Schweinen. 

78.  Von  den  wilden  Schweinen.    Wer  zuerst  Thiergärten  angelegt  hat. 

79.  Von  den  halbwilden  Thieren. 

80.  Von  den  Affen. 

81.  Von  den  Hasen-Arten. 

82.  Von  den  Thieren,  welche  weder  zahm  noch  wild  zu  nennen  sind. 

83.  Welche  Thiere  in  manchen  Gegenden  nicht  sind. 

84.  Welche  Thiere  nur  den  Ankömmlingen,  und  welche  nur  den  Ein- 

heimischen schädlich  sind,  und  wo  diess  der  Fall  ist. 
Zusammen:  787  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Mucianus,  Procilius,  Verrius  Flaccus,  L.  Piso,  Cornelius  Valeria- 
nus,  der  Censor  Cato,  Fenestella,  Trogus,  die  Acten,  Columella,  Vir- 
gilius,  Varro,  Lucilius,  Metellus,  Scipio,  Com.  Celsus,  Nigidius,  Tre- 
bius  Niger,  Pomponius  Mela,  Mamilius  Sura. 


44  Erstes  Buch. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
König  Juba,  Polybius,  Herodotus,  Antipater,  Aristoteles,  der  Phy- 
siker Demetrius,  Democritus,  Theophrastus,  Euanthes,  Agrippa  der 
die  olympischen  Siege  beschrieben  hat,  König  Hiero,  König  Attalus 
Philometor,  Ctesias,  Duris,  Philistus,  Archytas,  Phylarchus,  Amphilo- 
chus  von  Athen,  Anaxipolis  von  Thasus,  Apollodorus  von  Lemnos, 
Aristophanes  von  Milet,  Antigonus  von  Cymse,  Agathocles  von  Chios, 
Apollonius  von  Pergamus,  Aristander  von  Athen,  Bacchius  von  Milet, 
Bion  von  Solis,  Chsereas  von  Athen,  Diodorus  von  Priene,  Dion  von 
Colophon,  Epigenes  von  Rhodus,  Euagon  von  Thasus,  Euphronius 
von  Athen,  Hegesias  von  Maronea,  Menander  von  Priene,  Menander 
von  Heraclea,  der  Dichter  Menecrates,  Androtion  der  über  den  Acker- 
bau geschrieben  hat,  Aeschrion  desgleichen,  Lysimachus  desgleichen, 
Dionysius  der  den  Mago  übersetzt,  Diophanes  der  aus  dem  Dionysius 
einen  Auszug  gemacht  hat,  König  Archelaus,  Nicander. 


Neuntes  Buch. 

Von  den  Wasserthieren. 

1.  Warum  die  grössten  Thiere  im  Meere  sind. 

2.  Die  Thiere  des  indischen  Meeres. 

3.  Welche  im  Weltmeere  überhaupt  die  grössten  sind. 

4.  Von  der  Gestalt  der  Tritonen,  Nereiden  und  Seeelephanten. 

5.  Von  den  Wallfischen  und  Orken. 

6.  Ob  die  Fische  athmen  und  ob  sie  schlafen. 

7.  Von  den  Delphinen. 

8.  Wen  sie  lieb  gehabt  haben. 

9.  Wo  sie  gemeinschaftlich  mit  den  Menschen  Fische  fangen. 

10.  Andere  merkwürdige  Erzählungen  von  ihnen. 

11.  Von  den  Tursionen. 

12.  Von  den  Schildkröten.    Die  Arten   der  Wasser-Schildkröten  und 

wie  sie  gefangen  werden. 

13.  Wer  zuerst  Schildkrötenschalen  geschnitten  hat. 

14.  Eintheilung  der  Wasserthiere  nach  ihren  Arten. 

15.  Welche  behaart  und  welche  nicht  behaart  sind;  wie  sie  gebären. 

Von  den  Seekälbern  und  Robben. 

16.  Wie  viele  Arten  von  Fischen  es  giebt. 

17.  Welche  Fische  am  grössten  sind. 

18.  Von  den  Thunfischen,  Cordylen  und  Pelamiden,  welche,  wenn  sie 

in  Stücke  geschnitten  und  eingesalzen  sind,   Melandrya,  Apo- 
lecti  und  Cybia  heissen. 

19.  Von  den  Amien  und  Scombern. 


Erstes  Buch.  45 

■20.  Welche   Fische  es  im  Pontus  nicht  giebt;    welche  an  der  einen 
Seite  hinein-  und  an  der  andern  wieder  heraus  schwimmen. 

21.  Warum  die  Fische  aus  dem  Wasser  hervorspringen.  Vom  Schwerdt- 

fisch. 

22.  Von  Wahrsagungen  aus  Fischen. 

23.  Welche  Fischart  keine  Männchen  hat. 

24.  Welche  einen  Stein  im  Kopfe  haben;    welche  im  Winter  verbor- 

gen liegen,   und  welche  im  Winter  nur  an  bestimmten  Tagen 
gefangen  werden. 

25.  Welche  im  Sommer  verborgen  liegen;    welche  Fische  von  einer 

Erstarrung  befallen  werden. 

26.  Von  dem  Mugil. 

27.  Vom  Stör. 

28.  Vom  Seewolf;  vom  Kabliau. 

29.  Vom  Scarus;  von  der  Mustela. 

30.  Arten  der  Meer-Barbe;  von  dem  Gesellschafter  Sargus. 

31.  Ausserordentliche  Preise  für  Fische. 

32.  Dass  ein  und  dieselben  Fische   nicht  überall  beliebt  sind.    Vom 

Coracinus. 

33.  Von  den  Kiemen  und  Schuppen. 

34.  Fische,  welche  eine  Stimme  haben  und  ohne  Kiemen  sind. 

35.  Welche  auf  das  Land  kommen.     Zeiten  ihres  Fanges. 

36.  Eintheilung  der  Fische  nach  der  Gestalt.    Unterschied  zwischen 

den  Rhomben  und  Passeres.    Von  langen  Fischen. 

37.  Von  den  Flossen  und  der  Art  und  Weise  des  Schwimmens  der 

Fische. 

38.  Von  den  Aalen. 

39.  Von  den  Muraenen. 

40.  Arten  der  Plattfische. 

41.  Vom  Echeneis  und  seiner  zauberischen  Kraft. 

42.  Welche  Fische  die  Farbe  wechseln. 

43.  Welche  über  dem  Wasser  hinfliegen;  von  der  Meerschwalbe ;  von 

dem  Fische  der  bei  Nacht  leuchtet;  vom  Hornfische;  vom  See- 
drachen. 

44.  Von   den   Fischen   die   kein   Blut   haben;    von  den  sogenannten 

Weichfischen. 

45.  Von  der  Sepia,  der  Loligo,  den  kleinen  Kammmuscheln. 

46.  Von  den  Polypen. 

47.  Von  dem  Polyp  „der  Segler"  genannt. 

48.  Arten  der  Polypen;  ihre  Schlauheit. 

49.  Von  dem  Segler  Nauplium. 

50.  Von  den  Schalenthieren;  von  den  Krabben. 

51.  Arten    der   Krebse;    von    dem    Pinnotheres,    dem     Seeigel,    den 

Schnecken  und  Kammmuscheln. 


46  Erstes  Buch. 

52.  Arten  der  Muscheln. 

53.  Dass  im  Meere  die  Ursache  grosser  Verschwendung  liegt. 

54.  Von  den  Perlmuscheln;  wie  und  wo  sie  entstehen. 

55.  Wie  sie  aufgefunden  werden. 

56.  Wie  viele  Arten  von  Perlen  es  giebt. 

57.  Was  dabei  zu  beobachten,  und  welches  ihre  Natur  ist. 

58.  Geschichtliche  Bemerkungen  über  die  Perlen. 

59.  Wann  sie  zuerst  in  Rom  in  Gebrauch  gekommen  sind. 

60.  Von  den  Stachelschnecken  und  Purpurschnecken. 

61.  Von  den  Arten  der  Purpurschnecken. 

62.  Wie  die  Wolle  damit  gefärbt  wird. 

63.  Wann  der  Gebrauch  des  Purpurs  in  Rom  aufgekommen  ist;  wann 

die  breiten  Purpurs treifen  und  mit  Purpnr  verbrämten  Ober- 
kleider dort  zuerst  getragen  sind. 

64.  Von  den  conchylienfarbigen  Kleidern. 

65.  Von   dem  Färben   in   Amethyst;    vom  tyrischen  Farbstoff,    dem 

Dunkelroth  und  Scharlachroth. 

66.  Vom  Pinna  und  dem  Pinnotheres. 

67.  Von  den  Empfindungen  der  Wasserthiere;  vom  Zitterfische,  dem 

Stachelrochen,    dem  Scolopender  und  Wels;   von  dem  Fische- 
Aries. 

68.  Von  den  Wasserthieren,  welche  eine  dritte  Natur  haben,  d.  h.  die 

der  Thiere  und  Pflanzen  zugleich;  von  den  Seenesseln. 

69.  Von  den  Schwämmen,  ihren  Arten,  ihrem  Wohnorte  und  dass  sie 

Thiere  sind. 

70.  Von  den  Hundsfischen. 

71.  Von  den  Wasserthieren,  die  in  eine  steinige  Schale  eingeschlos- 

sen sind;  -welche  ohne  Empfindung  sind,  und  von  den  übrigen 
unbedeutenderen  Thieren. 

72.  Von  den  giftigen  Seethieren. 

73.  Von  den  Krankheiten  der  Fische. 

74.  Von   ihrer   Fortpflanzung.    Merkwürdige    Nachrichten   über  Zeu- 

gungen. 

75.  Bei  welchen  sich  Eier  und  Junge  zugleich  erzeugen. 

76.  Welchen  beim  Abgange  der  Leibesfrucht  der  Uterus  platzt  und 

dann  wieder  zusammenwächst. 

77.  Welche  eine  Schaam  haben;  welche  sich  selbst  begatten. 

78.  Wie  lange  die  Fische  leben. 

79.  Wer  zuerst  Austernteiche  angelegt  hat. 

80.  Wer  zuerst  Teiche  für  die  übrigen  Wasserthiere  angelegt  hat. 

81.  Wer   zuerst    Teiche   für   Murinen    angelegt   hat.      Merkwürdige 

Nachrichten  über  Fischteiche. 

82.  Wer  zuerst  Teiche  für  Schnecken  angelegt  hat. 

83.  Fische  die  auf  dem  Lande  leben. 


Erstes  Buch.  47 

84.  Von  den  Mäusen  im  Nil. 

85.  Von  dem  Fange  der  Anthien-Fisehe. 

86.  Von  den  Seesternen. 

87.  Wunderbare  Dinge  von  den  Fingermuscheln. 

88.  Von  der  Feindschaft  und  Freundschaft  der  Wasserthiere  unter  sich. 
Zusammen:  650  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Turrianus  Gracilis,  Trogus,  Msecenas,  Alfius  Flavius,  C.  Nepos, 
der  Mimenschreiber  Laberius,  Fabianus,  Fenestella,  Mucianus,  Aelius 
Stilo,  Statius  Sebosus,    Melissus,    Seneca,    Cicero,  Aemilius   Macer, 
Messala  Corvinus,  Trebius  Niger,  Nigidius. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Aristoteles,   König  Archelaus,    Callimachus,   Democritus,    Theo- 
phrastus,  Thrasyllus,  Hegesidemus  von  Cythnos,  Alexander  Polyhistor. 


Zehntes  Buch. 

Von  den  Vögeln. 

1.  Vom  Strausse. 

2.  Vom  Phoenix. 

3.  Arten  des  Adlers. 

4.  Ihre  nähere  Beschreibung. 

5.  Wann  sie  Feldzeichen  der  Legionen  wurden. 

6.  Von  einem  Adler,    der  sich  auf  den  Scheiterhaufen  einer  Jung- 

frau setzte. 

7.  Vom  Geier. 

8.  Vom  Sanqualis  und  Immussulus. 

9.  Vom  Buteo. 

10.  Wo  die  Habichte  und  Menschen  gemeinschaftlich  Vögel  fangen. 

11.  Welcher  Vogel  allein  von  seinem  eigenen  Geschlechte  umgebracht 

wird;  welcher  Vogel  nur  ein  Ei  legt. 

12.  Von  den  Milanen. 

13.  Eintheilung  der  Vögel  in  Gattungen. 

14.  Von  den  Krähen,   den  Unglück  bringenden  Vögeln.    In  welchen 

Monaten  sie  nicht  zu  sehen  sind. 

15.  "Von  den  Raben. 

16.  Vom  Uhu. 

17.  Vögel,  welche  nicht  mehr  existiren  oder  nicht  genau  bekannt  sind. 

18.  Welche  mit  dem  Schwänze  zuerst  aus  dem  Eie  kommen. 

19.  Von  den  Nachteulen. 

20.  Vom  Picus  Martius. 

21.  Von  den  Vögeln  mit  krummen  Krallen. 


48  Erstes  Buch. 

22.  Von  den  Pfauen. 

23.  Wer  zuerst  Pfauen  zum  Essen  geschlachtet,    wer  sie  zuerst  ge- 

mästet hat. 

24.  Von  den  Hühnervögeln. 

25.  Wie  sie  verschnitten  werden.    Von  einem  sprechenden  Hahn. 

26.  Von  der  Gans. 

27.  Wer  zuerst  Gänselebern  zubereitet  hat. 

28.  Von  dem  Commagenum. 

29.  Von   den   Chenalopeces    und  Chenerotes,    den  Auerhähnen   und 

Trappen. 

30.  Von  den  Kranichen. 

31.  Von  den  Störchen. 

32.  Von  den  Schwänen. 

33.  Von  den  fremden  Vögeln  die  zu  uns  kommen;  von  den  Wachteln, 

dem  Glottis,  Cychranius  und  der  Ohreule. 

34.  Von  den  Schwalben. 

35.  Von  unsem  einheimischen  Vögeln,  welche  fortziehen  und  wohin ; 

von  den  Amseln,  Kranmietsvögelu,  Staaren.  Von  den  Vögeln, 
welche  sich  während  der  Mauserzeit  verbergen;  von  der  Tur- 
teltaube und  der  Holztaube.  Vom  Fluge  der  Staare  u.  Schwalben. 

36.  Welche  Vögel  ein  ganzes,  welche  ein  halbes  und  welche  ein  viertel 

Jahr  bei  uns  bleiben.    Vom  Galgulus,  Wiedehopf. 

37.  Von  den  Memnons-Vögeln. 

38.  Von  den  Meleagris-Vögeln. 

39.  Von  den  Seleucis-Vögeln. 

40.  Vom  Ibis. 

41.  Welche  Vögel  an  gewissen  Orten  nicht  sind. 

42.  Von  den  Arten  der  Singvögel  und  denen,  welche  ihre  Farbe  und 

Stimme  verändern. 

43.  Von  den  Nachtigallen. 

44.  Von  den  Schwarzköpfen,  den  Rothkehlchen  und  Rothschwänzen. 

45.  Vom  Oenanthe,  dem  Grünlinge,  der  gemeinen  Amsel,  dem  Ibis. 

46.  Die  Heckezeit  der  Vögel. 

47.  Von   den  Eisvögeln  und  den  nach  ihnen  benannten  Tagen,    an 

welchen  das  Meer  schiffbar  ist. 

48.  Von  den  übrigen  Wasservögeln. 

49.  Von  der  Geschicklichkeit  der  Vögel  im  Baue  der  Nester.    Wun- 

derbareErzählungen  von  denSchwalben.  Von  den  Uferschwalben. 

50.  Vom  Acanthyllis. 

51.  Vom  Merops  und  den  Rebhühnern. 

52.  Von  den  Tauben. 

53.  Ihre  wunderbaren  Verrichtungen  und  ihre  Preise. 

54.  'Von  dem  verschiedenen  Fluge  und  Gange  der  Vögel. 

55.  Von  den  fusslosen  oder  Höhlen-Schwalben. 


Erstes  Buch.  49 

•56.  Von  der  Nahrung  der  Vögel.     Vom  Ziegenmelker,  dem  Platea. 

57.  Von  dem  Verstände  der  Vögel.   Vom  Carduelis,  Taurus  u.  Anthus. 

58.  Von  den  sprechenden  Vögeln;  von  den  Papageien. 

59.  Von  den  Eichel-Elstern. 

60.  Ein  Aufstand   des   römischen   Volkes   wegen    eines   sprechenden 

Raben. 

61.  Die  Vögel  des  Diomedes. 

62.  Welche  Vögel  nichts  lernen. 

63.  Vom  Trinken  der  Vögel.     Vom  Purpurhuhn. 

64.  Von  den  Himantopoden. 

65.  Von  der  Nahrung  der  Vögel. 

66.  Von  der  Kropfgans. 

67.  Von  den  fremden  Vögeln;    von  den  Phaleriden,  Fasanen  und  nu- 

midischen  Vögeln. 

68.  Von  den  Flamingo's,  Attagenen,  Scharben,  Rcthraben,  Lagopoden. 

69.  Von  neuen  Vögeln;  von  den  Vipionen. 

70.  Von  fabelhaften  Vögeln. 

71.  Wer  zuerst  Hühner  gemästet  hat;   welche  Censoren  diess  zuerst 

verboten  haben. 

72.  Wer  zuerst  Vogelhäuser  angelegt  hat.  Von  der  Schüssel  des  Aesop. 

73.  Von  der  Fortpflanzung   der  Vögel.     Welche   Thiere,    ausser  den 

Vögeln,  Eier  legen. 

74.  Arten  und  Beschaffenheit  der  Eier. 

75.  Von  den  Fehlern  und  Hülfsmitteln  beim  Brüten. 

76.  Vom  Wahrsagen  aus  Eiern. 

77.  Welche  Hühner  die  besten  sind. 

78.  Ihre  Krankheiten  und  die  Mittel  dagegen. 

79.  Wann  die  Vögel  Eier  legen  und  wie  viel. 

80.  Welche  Eier  Windeier  und  welche   Cynosuren  genannt  werden; 

wie  man  die  Eier  am  besten  aufbewahrt. 

81.  Welches  geflügelte  Thier  das  einzige  ist,  das  lebendige  Junge  ge- 

bärt und  säugt. 

82.  Welche  Landthiere  Eier  legen.    Begattung  der  Schlangen. 
£3.  Von  der  Fortpflanzung  aller  Landthiere. 

84.  Wie  die  Thiere  in  der  Gebärmutter  liegen. 

85.  Bei  welchen  Thieren  die  Abkunft  noch  ungewiss  ist. 

86.  Von  den  Salamandern. 

87.  Welche  Thiere   aus  nicht  geborenen  entstehen,   und  welche  ge- 

boren sind  und  sich  nicht  fortpflanzen.  Welche  geschlechts- 
los sind. 

•88.  Von  den  Sinnen  der  Thiere.  Bei  welchen  das  Gesicht,  bei  wel- 
chen das  Gehör,  bei  welchen  der  Geruch  ausgezeichnet  ist. 
Von  den  Maulwürfen.     Ob  die  Austern  ein  Gehör  haben. 

S9.  Welche  Fische  am  besten  hören. 


50  Erstes  Buch. 

90.  Welche  Fische  den  schärfsten  Geruch  besitzen. 

91.  Verschiedenheit  der  Thiere  hinsichtlich  der  Nahrungsmittel. 

92.  Welche  von  Gift  leben. 

93.  Welche  von  Erde  leben.     Welche  durch  Hunger  und  Durst  nicht 

sterben. 

94.  Von  der  Verschiedenheit  des  Saufens  bei  den  Thieren. 

95.  Welche  unter  sich  in  Feindschaft  leben.    Von  der  Freundschaft. 

und  den  Abneigungen  der  Thiere. 

96.  Beispiele  davon  bei  den  Schlangen. 

97.  Vom  Schlafe  der  Thiere. 

98.  Welche  Thiere  träumen. 

Zusammen:  794  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

Manilius,  Corn.  Valerianus,  die  Acten,  Umbricius  Melior,  Massu- 

rius  Sabinus,  Antistius  Labeo,  Trogus,  Cremutius,  M.  Varro,  Aenrilius- 

Macer,  Melissus,  Mucianus,  Nepos,  Fabius  Pictor,  T.  Lucretius,  Com.. 

Celsus,  Horatius,  Deculo,  Hyginus,  Säsernus,  Nigidius,  Mamilius  Sura*. 

Von  fremden  Schriftstellern: 

Homerus,  Phemonoe,  Philemon,  Boeus  der  über  die  Zeugung  der 
Vögel,  Hylas  der  über  die  Augurien  geschrieben  hat,  Aristoteles,. 
Theophrastus,  Callimachus,  Aeschylus,  König  Hiero,  König  Philome- 
tor,  Archytas  von  Tarent,  Amphilochus  von  Athen,  Anaxipolis  von 
Thasus,  Apollodorus  von  Lemnos,  Aristophanes  von  Milet,  Antigonus 
von  Cymse,  Agathocles  von  Chios,  Apollonius  von  Pergamus,  Aristan- 
der  von  Athen,  Bacchius  von  Milet,  Bion  von  Solis,  Chrereas  von  Athen,. 
Diodorus  von  Priene,  Dion  von  Colophon,  Democritus,  Diophanes  von 
Nic«a,  Epigenes  von  Rhodus,  Euagones  von  Thasus,  Euphronius  von 
AtLen,  Juba,  Androtion  welcher  über  den  Ackerbau  geschrieben  hatr 
Aeschrion  desgleichen,  Lysimachus  desgleichen,  Dionysius  der  den 
Mago  übersetzt,  Diophanes  der  einen  Auszug  aus  dem  Dionysius  ge- 
macht hat,  Nicander,  Onesicritus,  Phylarchus,  Hesiodus. 


Elftes  Buch. 

Von  den  Insekten. 

1.  Von  ihrer  zarten  Beschaffenheit. 

2.  Ob  sie  athmen  und  ob  sie  Blut  haben. 

3.  Von  ihrem  Körper. 

4.  Von  den  Bienen. 

5.  Von  der  Ordnung  in  ihren  Verrichtungen. 

6.  Von  dem  Commosis,  Pissoceros  und  Propolis. 

7.  Von  dem  Erithace  oder  Sandarace  oder  Cerinthos. 


Erstes  Buch.  51 

8.  Aus  welchen  Blumen  sie  den  Stoff  zu  ihren  Arbeiten  nehmen. 

9.  Welche  Personen  sich  mit  Bienenzucht  beschäftigt  haben. 

10.  Wie  die  Bienen  ihre  Arbeit  verrichten. 

11.  Von  den  Drohnen. 

12.  Von  der  Beschaffenheit  des  Honigs. 

13.  Welcher  Honig  der  beste  ist. 

14.  Vqn  den  Arten  des  Honigs  in  jeder  Gegend. 

15.  Woran  man  sie  erkennt.  Von  der  Erice  oder  Tetralice  oder  Sisara. 

16.  Von  der  Fortpflanzung  der  Bienen. 

17.  Von  der  Beschaffenheit  eines  Bienenstaats. 

18.  Dass  sie  in  Haufen  versammelt  zuweilen  eine  glückliche  Vorbe- 

deutung sind. 

19.  Arten  der  Bienen. 

20.  Von  ihren  Krankheiten. 

21.  Von  ihren  Feinden. 

22.  Von  ihrer  Erhaltung. 

23.  Von  ihrer  Wiederherstellung. 

24.  Von   den   Wespen   und   Hornissen.    Welche  Thiere    aus    einem 

fremden  Geschlechte  ihr  eigenes  fortpflanzen. 

25.  Vom  assyrischen  Seidenspinner. 

26.  Von  den  Seidenraupen  und  den  Seidenpuppen.    Welches  Frauen- 

zimmer das  erste  seidene  Kleid  gemacht  hat. 

27.  Vom  coischen  Seidenspinner.    Wie  ein  Kleid  von  coischer  Seide 

gemacht  wird. 

28.  Von   den  Spinnen;   welche  von  ihnen  weben   und  von  welcher 

Natur  ihr  Webestoff  ist. 

29.  Fortpflanzung  der  Spinnen. 

30.  Von  den  Scorpionen. 

31.  Von  den  Stellionen. 

32.  Von  den  Cicaden;  dass  ihnen  Mund  und  After  fehlt. 

33.  Von  den  Flügeln  der  Insekten. 

34.  Von  den  Käfern.    Von  den  Leuchtkäfern  und  den  übrigen  Arten- 

35.  Von  den  Heuschrecken. 

36.  Von  den  Ameisen. 

37.  Von  den  Puppen  der  Schmetterlinge. 

38.  Thiere,  welche  in  oder  aus  dem  Holze  entstehen. 

39.  Vom  Ungeziefer  am  Menschen.    Welches  Thier  das  kleinste  ist- 

Im  Wachse  enstandene  Thiere. 

40.  Ein  Thier  ohne  After. 

41.  Von  den  Motten,  Canthariden,  Mücken.    Ein  Thier  im  Schnee. 

42.  Vom  Pyralis  oder  Pyrausta.    • 

43.  Von  dem  Thiere,  welches  nur  einen  Tag  lebt. 

44.  Beschreibung  der  Thiere  nach  den  einzelnen  Gliedern.    Welche 

Hauben  und  welche  Kämme  haben. 

4* 


52  Erstes  Buch. 

45.  Von  den  Hörnern;  welche  bewegliche  Hörner  haben. 

46.  Von  dem  Kopfe;  welche  Thiere  keinen  haben. 

47.  Vom  Haupthaare. 

48.  Von  den  Knochen  des  Kopfes. 

49.  Vom  Gehirn. 

50.  Von  den  Ohren;  welche  Thiere  keine  Ohren  oder  derartige  Oeff- 

nung  haben  und  doch  hören. 

51.  Vom  Gesichte,  der  Stirn,  den  Augenbrauen. 

52.  Von  den  Augen.  Von  denThieren,  die  keine  od.  nur  ein  Auge  haben. 

53.  Von  der  Verschiedenheit  der  Augen. 

54.  Vom  Sehen.    Welche  Thiere  des  Nachts  sehen. 

55.  Von    der   Pupille.     Welche    Thiere   die  Augen  nicht   schliessen. 

Welchen  Thieren  die  Augen  wieder  wachsen,    wenn    man    sie 
ihnen  ausgerissen  hat. 

56.  Von  den  Augenwimpern;    welchen  Thieren  sie  ganz  fehlen  und 

welche  nur  eine  haben. 

57.  Welche  keine  Augenlider  haben. 

58.  Von  den  Wangen. 

59.  Von  der  Nase. 

60.  Von  den  Backen,  den  Lippen,  dem  Kinn  und  den  Kinnladen. 

61.  Von  den  Zähnen  und  ihren  Arten;  welche  nicht  in  beiden  Kinn- 

laden Zähne  und  welche  hohle  Zähne  haben. 

62.  Von  den  Zähnen  der  Schlangen  und  ihrem  Gifte.     Welcher  Vo- 

gel Zähne  hat. 

63.  Wunderbare  Erzählungen  von  Zähnen. 

64.  Dass  man  an  ihnen  das  Lebensalter  erkennt. 

65.  Von  der  Zunge  und  den  Thieren  welche  keine  haben.    Von  der 

Stimme  der  Frösche.     Vom  Gaumen. 

66.  Von  den  Mandeln  am  Halse,  dem  Zapfen,  dem  Deckel,  der  Luft- 

röhre, der  Speiseröhre,  der  Kehle. 

67.  Vom  Nacken,  dem  Halse,  dem  Rückgrate. 

68.  Von  der  Kehle,  dem  Schlünde  und  Magen. 

69.  Vom  Herzen,  dem  Blute  und  der  Seele. 

70.  Welche  Thiere  das  grösste  Herz,  welche  das  kleinste,  und  welche 

Thiere  zwei  Herzen  haben. 

71.  Wann  man  angefangen  hat,  das  Herz  zu  den  weissagenden  Ein- 

geweiden zu  rechnen. 

72.  Von  der  Lunge;  welche  Thiere  die  grösste,  welche  die  kleinste, 

welche   nichts    als    eine  Lunge    haben  und  worin  die  Ursache 
der  Schnelligkeit  der  Thiere  besteht. 

73.  Von  der  Leber;  Bemerkungen  der  Wahrsager  über  den  Kopf  der 

Eingeweide;   welche  Thiere  in  gewissen  Ländern  zwei  Lebern 
haben. 


Erstes  Buch.  53 

74.  Von  der  Galle;  welche  Thiere  in  gewissen  Ländern  zwei  Gallen, 

welche  keine  haben,  und  bei  welchen  sie  nicht  mit  der  Leber 
in  Verbindung  steht. 

75.  Von  der  Kraft  der  Galle. 

76.  Bei  welchen  Thieren  die  Leber  mit  dem  Monde  wächst  und  ab- 

nimmt.   Beobachtungen  der  Vogeldeuter  und  andere  seltsame 
Nachrichten  über  dieselbe. 

77.  Vom  Zwerchfell.    Vom  Lachen. 

78.  Vom  Bauche  und  welchen  Thieren  er  fehlt.  Welche  sich  erbrechen. 

79.  Von  den  Dünndärmen,    den  Kleindärmen,    dem  Unterleibe  und 

dem  Grimmdarme.     Warum  manche  Thiere  unersättlich  sind. 

80.  Von  dem  Netze,  der  Milz,  und  den  Thieren,   welche  keine  Milz 

haben. 

81.  Von  den  Nieren;  welche  Thiere  vier  und  welche  keine  haben. 

82.  Von  der  Brust,  den  Rippen. 

83.  Von  der  Blase;  welche  Thiere  keine  haben.    Die  Ilia. 

84.  Von  der  Gebärmutter;  von  der  Gebärmutter  und  dem  Euter  der 

Schweine. 

85.  Welche  Thiere  Talg,   welche  Schmalz  haben  und  welche  nicht 

fett  werden. 

86.  Vom  Marke;  welchen  Thieren  es  fehlt. 

87.  Von  den  Knochen  und  Gräten.    Welchen  Thieren  beides  fehlt. 

Vom  Knorpel. 

88.  Von  den  Nerven.    Von  den  Thieren  ohne  Nerven. 

89.  Von  den  Arterien  und  Venen.      Von    den  Thieren   die   beides 

nicht  haben.    Von  dem  Blute  und  Schweisse. 

90.  Von  welchen  Thieren  das  Blut  sehr  schnell  stockt  und  von  wel- 

chen nicht;  welche  sehr  dickes,  welche  sehr  dünnes  und  welche 
gar  kein  Blut  haben. 

91.  Welche  zu  bestimmten  Jahreszeiten  kein  Blut  haben. 

92.  Ob  das  Blut  der  wichtigste  Theil  des  Körpers  ist. 

93.  Von  der  Haut. 

94.  Von  den  Haaren  und  der  Hautbedeckung. 

95.  Von   den  Brüsten;   welche  Vögel  Brüste  haben;    welche  Thiere 

ihrer  Euter  wegen  merkwürdig  sind.     Welches  Thier  im  Fort- 
schreiten an  sich  saugen  lässt. 

96.  Von  der  Milch,  dem  Colostrum,  den  Käsen;  welche  Milch  keinen 

Käse  giebt;  vom  Coagulum.    Verschiedene  Nahrungsmittel  aus 
der  Milch. 

97.  Von  den  verschiedenen  Käsen. 

98.  Unterschied  der  menschlichen  Gliedinaassen  von  den  thierischen. 

99.  Von  den  Fingern  und  Armen. 

100.  Von  der  Aehnlichkeit  der  Affen  mit  dem  Menschen. 

101.  Von  den  Nägeln. 


54  Erstes  Buch. 

102.  Von  den  Knieen  und  Kniekehlen. 

103.  Welche   Glieder  des  menschlichen  Körpers  für  heilig  gehalten 

werden. 

104.  Von  den  Krampfadern. 

105.  Vom  Gehen;  von  den  Füssen  und  Schienbeinen. 

106.  Von  den  Klauen. 

107.  Von  den  Füssen  der  "Vögel. 

108.  Von  den  Füssen  der  Thiere,  von  2 — 100.    Von  den  Zwergen. 

109.  Von  den  Geschlechtstheilen;  von  den  Zwittern. 

110.  Von  den  Hoden.    Drei  Arten  von  Halbmännern. 

111.  Von  den  Schwänzen. 

112.  "Von  der  Stimme  der  Thiere. 

113.  Von  den  nachgewachsenen  Gliedern. 

114.  Zeichen  der  Lebensdauer  und  des  Charakters,  menschlichen  Glie- 

dern entnommen. 

115.  Von  dem  Athem  und  der  Nahrung. 

116.  Welche  Thiere  durch  den  Genuss  von  Gift  nicht  sterben. 

117.  Warum   der  Mensch    seine  Speisen   nicht   künstlich    zusammen 

setzen  soll.    Von  den  Mitteln  gegen  unverdauete  Speisen. 

118.  Wie  der  Körper  zu-  und  wie  er  abnimmt. 

119.  Was  schon  in  geringer  Menge  Hunger  und  Durst  stillt. 
Zusammen:  2270  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,  Hyginus,  Scropha,  Saserna,  Com.  Celsus,  Aemilius  Ma- 
cer, "Virgilius,  Columella,  Julius  Aquila  der  über  etruskische  Einrich- 
tungen geschrieben  hat,  Tarquitius  desgleichen,  Umbricius  desgleichen, 
der  Censor  Cato,  Domitius  Calvinus,  Trogus,  Melissus,  Fabianus,  Mu- 
cianus,  Nigidius,  Manilius,  Oppius. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Aristoteles,  Democritus,  Neoptolemus  der  über  die  Bienenzucht 
geschrieben  hat,  Aristomachus  desgleichen,  Philistus  desgleichen, 
Nicander,  Menecrates,  Dionysius  der  den  Mago  übersetzt  hat,  Empe- 
docles,  Callimachus ,  König  Attalus,  Apollodorus  der  giftige  Thiere 
beschrieben  hat,  Hippocrates,  Herophilus,  Erasistratus",  Asclepiades, 
Themison,  der  Stoiker  Posidonius,  Menander  von  Priene,  Menander 
von  Heraclea,  Euphronius  von  Athen,  Theophrastus,  Hesiodus,  König 
Philometor. 


Zwölftes  Buch. 

Von  den  Bäumen. 
1.  u.  2.     Von  ihrem  Ansehn  und  Werthe. 

3.  Von  den  fremden  Bäumen.    Wann  und  woher  die  Platane  zuerst 
nach  Italien  gekommen  ist. 


Erstes  Buch.  55 

4.  Beschreibung  der  Platanen. 

5.  Wunderbare  Dinge  von  ihnen. 

<6.  Von  den  Zwergplatanen.    Wer  zuerst  die  Bäume  beschnitten  hat. 

7.  Wie  der  assyrische  Apfelbaum  gepflanzt  wird. 

8.  Von  den  indischen  Bäumen. 

9.  Wann  der  Ebenbaum  zuerst  nach  Italien  gekommen  ist;    seine 

Arten. 

10.  Von  dem  indischen  Dorngewächse. 

11.  Vom  indischen  Feigenbaume. 

12.  Vom  Palabaume  und  dem  arienischen  Apfel. 

13.  Von  den  indischen  Bäumen,    welche  keinen  Namen  haben,   und 

denen  woraus  Leinwand  verfertigt  wird. 

14.  Von  den  Pfefferbäumen;  von  den  Pfefferarten,  dem  Brechma  und 

Zingiber  oder  Zimpiber. 

15.  Vom  Caryophyllon;  dem  Lycium  und  chironischen  Buxdorn. 

16.  Vom  Macir. 

17.  Vom  Zucker. 

18.  Von  den  Bäumen  des  arianischen,  gedrosischen  und  hyrcanischen 

Volks. 

19.  Von  den  Bäumen  in  Bactrien;  vom  Bdellium  oder  Brochon  oder 

Malacham  oder  Malodacon.    Scordastum.   Verfälschungen,  Prü- 
fungen und  Preise  von  Parfümerieen  und  Gewürzen. 
■20.  Von  den  Bäumen  in  Persien. 

21.  Von  den  Bäumen  auf  den  Inseln  des  persischen  Meeres.     Von 

dem  Wolle  tragenden  Baume. 

22.  Vom  Chynas-Baume.    Von  welchen  Bäumen  im  Oriente  Leinwand 

gemacht  wird. 

23.  Wo  die  Bäume  ihre  Blätter  nicht  verlieren. 

24.  Von  den  Erzeugnissen  der  Bäume. 
■25.  Vom  Costus. 

26.  Zwölf  Arten  der  Narde. 

27.  Vom  Asarum. 

28.  Vom  Amomum  und  Amomis. 

29.  Vom  Cardamomum. 

30.  Vom  Vaterlande  des  Weihrauchs. 

31.  Welche  Bäume  Weihranch  tragen. 

32.  Beschreibung  des  Weihrauchs  und  seiner  Arten. 
83.  Von  der  Myrrhe. 

34.  Von  den  Myrrhe  liefernden  Bäumen. 

35.  Beschreibung  und  Arten  der  Myrrhe. 
86.  Vom  Mastix. 

37.  Von  dem  Ladanum  und  Strobos. 

38.  Von  der  blutstillenden  Arznei. 

39.  Vom  Baume  Bratus. 


56  Erstes  Buch. 

40.  Vom  Baume  Stobrus. 

41.  Von  der  Glückseligkeit  Arabiens. 

42.  Vom  Zimmt  und  Holzzimmt. 

43.  Von  der  Cassia. 

44.  Vom  Cancamum  und  Taron. 

45.  Vom  Sericbatum  und  Gabalium. 

46.  Vom  Myrobalanenbaume. 

47.  Vom  Phoenicobalanus. 

48.  Vom  wohlriechenden  Calmus  und  Juncus. 

49.  Vom  Hammoniacum. 

50.  Vom  Sphagnus. 

51.  Vom  Cyprus. 

52.  Vom  Aspalathus  oder  Erysisceptrmn. 

53.  "Vom  Maron. 

54.  Vom  Balsambaume,  Opobalsamum  und  Xylobalsamum. 

55.  Vom  Styrax. 

56.  Vom  Galbanum. 

57.  Vom  Panax. 

58.  Vom  Spondylion. 

59.  Vom  Malobathrum. 

60.  Vom  Omphacium. 

61.  Vom  Bryum,  der  Oenanthe  und  dem  Massaris. 

62.  Von  der  Elathe  oder  Spathe. 

63.  Vom  Cinnamum  und  Camacum. 

Zusammen:  974  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,    Mucianus,   Virgilius,    Fabianus,  Sebosus,  Pomponius 
Mela,   Flavius,   Procilius,    Trogus,  Hyginus,  Kaiser  Claudius,  Com. 
Nepos,    Sextius  Niger  der  in  griechischer  Sprache  über  die  Arznei- 
kunde geschrieben  hat,  Cassius  Heniina,  L.  Piso,  Tuditanus,  Antias. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Theophrastus,  Perodotus,  Callisthenes,  Isigonus,  Clitarchus,  Anaxi- 
menes,  Duris,  Nearchus,  Onesicritus,  Polycritus,  Olympiodorus,  Diog- 
netus,  Nicobulus,  Anticlides,  Chares  von  Mitylene,  Mensechmus,  Do- 
rotheus  von  Athen,  Lycus,  Antaeus,  Ephippus,  Dion,  Democles,  Pto- 
lomteus  Lagi,  die  Macedonier  Marsyas  und  Zoilus,  Democritus,  Ani- 
philochus,  Aristomachus ,  Alexander  Polyhistor,  Juba,  Apollodorus 
der  über  die  Rauchwerke  geschrieben  hat,  die  Aerzte  Heraclides, 
Archimedes,  Dionysius,  Democlides,  Euphron,  Mnesis,  Diagoras  und 
Jollas,  Heraclides  von  Tarent,  Xenocrates  von  Ephesus,  Eratosthenes. 


Erstes  Buch.  57 

Dreizehntes  Buch. 

Von  den  fremden  Bäumen,  den  Salben  und  Balsamen. 

1.  Wann  zuerst  Balsame  bereitet  sind. 

2.  Zwölf  Arten  und  Zusammensetzungen  davon. 

3.  Von  den  Räucherspecies,  dem  Magma;  von  der  Aechtheit  der 

Salben. 

4.  Von  dem  grossen  Luxus  mit  Balsamen. 

5.  Wann  sie  zu  Rom  in  Gebrauch  gekommen  sind. 

6.  Von  den  Palmen. 

7.  Beschreibung  derselben. 

8.  Ihre  Anpflanzung. 

9.  Ihre  Arten  und  Kennzeichen. 

10.  Von  den  Bäumen  in  Syrien;    von  den  Pistacien,  Cottanen,  Da- 

mascener  Pflaumen  und  Sebesten. 

11.  Vom    Cedernbaume.      Welche    Bäume    eine    dreijährige    Frucht 

haben. 

12.  Von  der  Terebinthe. 

13.  Vom  Rhus. 

14.  Von  den  Bäumen  Aegyptens;  von  dem  alexandrinischen  Feigen- 

baume. 

15.  Vom  cyprischen  Feigenbaume. 

16.  Vom  Johannesbrotbaume. 

17.  Vom  Pfirsichbaume;  an  welchen  Bäumen  die  Früchte  stets  nach- 

wachsen. 

18.  Vom  Kokosbaum. 

19.  Vom  ägyptischen  Dombaum. 

20.  Acht  Arten  Gummi;  von  der  Sarcocolle. 

21.  Von  der  Papierstaude;  wann  das  Papier  in  Gebrauch  gekom- 

men ist. 

22.  Wie  und  wo  die  Pflanze  wächst. 

23.  Neun  Sorten  Papier. 

24.  Von  der  Güte  des  Papiers. 

25.  Von  den  Fehlern  des  Papiers. 

26.  Vom  Leimen  des  Papiers. 

27.  Von  den  Büchern  des  Numa. 

28.  Von  den  Bäumen  Aethiopiens. 

29.  Von  den  Bäumen  des  Atlas.    Vom  Citrus  und  den  daraus  ver- 

fertigten Tischen. 

30.  Welche  von  diesen  Tischen  gelobt,  welche  getadelt  werden. 

31.  Von  einem  andern  Citrusbaume. 

32.  Von  den  Lotus-Pflanzen. 

33.  Von  den  Bäumen  in  Cyrene,  vom  Paliurus. 

34.  Neun  Sorten  Granatäpfel.    Von  der  Granatbliithe. 


58 


Erstes  Buch. 


35.  Von  den  Bäumen  in  Asien  und  Griechenland;  von  der  Epipactis. 

Erice,  Granum  gnidium  oder  Thymelaea  oder  Chamelaea  oder 
Pyrosachne  oder  Cnestrum  oder  Cneorum. 

36.  Vom  Tragion  und  Traganth. 

37.  ^om  Tragus  oder  Scorpio;  Myrice  oder  Brya,  Ostrys. 

38.  Vom  Evonymus. 

39.  Vom  Baume  Eon. 

40.  Vom  Adrachne. 

41.  Von  dem  Coccygia,  Apharce. 

42.  Von  der  Ferula. 

43.  Von  der  Thapsia. 

44.  Von  der  Capparis  oder  dem  Cynosbatos  oder  Opheostaphylos. 

45.  Von  dem  Sari. 

46.  Vom  königlichen  Dornbaume. 

47.  Vom  Cytisus. 

48.  Von  den  Bäumen  und  Sträuchem  unseres  Meeres;  vom  Phycos 

oder  Prason  oder  Zoster. 

49.  Vom  Seemoose. 

50.  Von  den  Gewächsen  im  rothen  Meere; 

51.  Im  indischen  Meere; 

52.  Im  troglodytischen  Meere;  vom  Isis-Haare,  vom  Liebesauge. 
Zusammen:  468  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,  Mucianus,  Virgilius,   Fabianus,  Sebosus,  Pomponius 
Mela,    Fabius,    Hyginus,    Trogus,   Procilius,    Kaiser   Claudius,    Com. 
Nepos,  Sextius  Niger  der  in  griechischer  Sprache  über  die  Arzneikunde 
geschrieben  hat;  Cassius  Hemina,  L.  Piso,  Tuditanus,  Antias. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Theophrastus,  Herodotus,  Callisthenes,  Isigonus,  Clitarchus,  Anaxi- 
menes,  Duris,  Nearchus,  Onesicritus,  Polycritus,  Olympiodorus,  Diog- 
netus,  Cleobulus,  Anticlides,  Chares  von  Mitylene,  Mensechmus,  Do- 
rotheus  von  Athen,  Lycus,  Antaeus,  Ephippus,  Dion,  Adimantus,  Pto- 
lemseus  Lagi,  Marsyas  von  Macedonien,  Zoilus  ebendaher,  Democritus, 
Amphilochus,  Alexander  Polyhistor,  Aristomachus,  König  Juba,  Apollo- 
dorus  der  über  die  Rauchwerke  geschrieben  hat,  die  Aerzte  Hera- 
cUdes,  Botrys,  Archidemus,  Dionysius,  Democedes,  Euphronius,  Mne- 
sis,  Diagoras  und  Jollas,  Heraclides  vonTarent,  Xenocrates  vonEphesus. 


Vierzehntes  Buch. 

Von  dem  Weinstocke  und  dem  Weine. 
1.  und  2.    Von  der  Beschaffenheit  der  Weinstöcke;  wie  sie  tragen. 
3.  Von  den  Trauben  und  der  Sorge  für  die  Weinstöcke. 


Erstes  Buch.  59 

4.  91  Sorten  Weinstöcke. 

5.  Regeln  für  die  Anlage  von  Weinbergen. 

6.  Von  den  ältesten  Weinen. 

7.  Von  der  Beschaffenheit  des  Weines. 

8.  50  edle  Weinsorten. 

9.  38  überseeische  Weine. 

10.  7  gesalzene  Weine. 

11.  17  süsse  Weine.    Vom  Rosinenweine  und  dem  eingekochten 

Moste. 

12.  3  Sorten  Weine  zweiter  Qualität. 

13.  Dass  die  edlen  Weine  in  Italien  erst  seit  Kurzem  bekannt  sind. 

14.  Von  der  Achtung,  welche  Romulus  dem  Weine  bezeigte. 

15.  Von  den  Weinen  der  Alten. 

16.  Bemerkungen  über  die  Weinkeller;  vom  opimianischen  Weine. 

17.  Wann  zuerst  4  Sorten  Wein  auf  die  Tafel  gesetzt  worden  sind. 

18.  Vom  Gebrauche  der  Labrusca;  welcher  Saft  von  Natur  der 

kälteste  ist. 

19.  66  Sorten  gekünstelte  Weine. 

20.  Vom  Meth  oder  Melicraton. 

21.  Vom  Sauerhonig. 

22.  12  seltsame  Sorten  Wein. 

23.  Welche  Weine  bei  Opfern  nicht  gebraucht  werden  sollen. 

24.  Auf  welche  verschiedene  Arten  man  den  Most  behandelt. 

25.  Von  Pech  und  Harzen. 

26.  Von  Essig  und  Hefen. 

27.  Von  den  Gefässen  für  den  Wein;  von  den  Kellern. 

28.  Von  der  Trunkenheit. 

29.  Dass  man  aus  Wasser  und  andern  Früchten  weinähnliche  Ge- 

tränke bereitet. 

Zusammen:  510  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

Com.  Valerianus,  Virgilius,  Celsus,  der  Censor  Cato,  Saserna 
Vater  und  Sohn,  Scropha,  Varro,  D.  Silanus,  Fabius  Pictor,  Trogus, 
Hyginus,  Flaccus  Verrius,  Graecinus,  Julius  Atticus,  Columella,  Massu- 
rius  Sabinus,  Fenestella,  Tergilla,  Maccius  Plautus,  Flavius,  Dos- 
sennus,  Scsevola,  Aelius,  Attejus  Capito,  Cotta  Messalinus,  L.  Piso, 
Pompejus  Lenseus,  Fabianus,  Sextius  Niger,  Vibius  Rufus. 
Von  fremden  Schriftstellern: 

Hesiodus,  Theophrastus ,  Aristoteles,  Democritus,  König  Attalus 
Philometor,  König  Hiero,  Archytas,  Xenophon,  Amphilochus  von 
Athen,  Anaxipolis  von  Thasus,  Apollodorus  von  Lemnos,  Aristo- 
phanes  von  Milet,  Antigonus  von  Cymse,  Agathocles  von  Chios, 
Apollonius  von  Pergamus,  Aristander  von  Athen,  Botrys  von  Athen, 
Bacchius  von  Milet,  Bion  von  Solis,  Chsereas  von  Athen,   Chseristus 


60  Erstes  Buch. 

von  Athen,  Diodorus  von  Priene,  Dion  von  Colophon,  Epigenes  von 
Rhodus,  Euagon  von  Thasus,  Euphronius  von  Athen,  Androtion 
der  üher  den  Ackerbau  geschrieben  hat,  Aeschrion  desgleichen, 
Dionysius  der  den  Mago  übersetzt,  Diophanes  der  einen  Auszug  aus 
dem  Dionysius  gemacht  hat,  der  Arzt  Asclepiades,  Onesicritus, 
König  Juba. 

Fünfzehntes  Buch. 

Von  den  obsttragenden  Bäumen. 

1.  Von  dem  Oelbaume;  wie  lange  ihn  die  Griechen  kennen,  wann 

er  nach  Italien,  Spanien  und  Afrika  gekommen  ist. 

2.  Von  der  Beschaffenheit  der  Oliven  und  ihrem  Wachsthume. 

3.  Vom  Oele,  Arten  und  Kennzeichen  derselben. 

4.  15  Sorten  Oliven. 

5.  Von  der  Natur  des  Oeles. 

6.  Von  der  Cultur  der  Oelbaume;  von  der  Aufbewahrung  der  Oliven; 

wie  das  Oel  daraus  bereitet  wird. 

7.  48  Sorten  gekünstelte  Oele.     Vom  Cici  oder  Croton  oder  Seseli 

oder  Sesamum. 

8.  Von  der  Amurca. 

9.  Arten  der  Baumfrüchte  und  ihre  Beschaffenheit.   Vier  Arten  von 

Piniennüssen. 

10.  Vier  Arten  Quitten;  vier  Arten  Sperlingsäpfel. 

11.  Sieben  Arten  Pfirsiche. 

12.  12  Arten  Pflaumen. 

13.  Von  der  Persea. 

14.  30  Arten  Aepfel.    Wann  und  woher  die  fremden  Aepfel  zuerst 

nach  Italien  gekommen  sind. 

15.  Welche  in  neuester  Zeit  erst  dahin  gekommen  sind. 

16.  41  Arten  Birnen. 

17.  Von  dem  Unterschiede  der  gepropften,  und  von  der  Abwendung 

des  Blitzes. 

18.  Von  der  Aufbewahrung  der  Aepfel  und  Weintrauben. 

19.  29  Arten  Feigen. 

20.  Geschichtliche  Bemerkungen  von  den  Feigen. 

21.  Von  der  Caprification. 

22.  3  Sorten  Mispeln. 

23.  4  Arten  Speierlinge  (Ariesbeeren). 

24.  11  Arten  Nüsse. 

25.  18  Arten  Kastanien. 

26.  Vom  Johannisbrote. 

27.  Von  dem  fleischigen  Obste;  von  den  Maulbeeren. 

28.  Von  dem  Unnedo. 


Erstes  Buch.  61 

29.  Von  den  Beeren. 

30.  9  Arten  Kirschen. 

31.  Von  der  Kornelkirsche  und  dem  Mastixbaume. 

32.  14  Arten  des  Geschmacks  bei  den  Säften. 

33.  Von  der  Farbe  und  dem  Gerüche  der  Säfte. 

34.  Von  der  Verschiedenartigkeit  des  Obstes. 

35.  Von  der  Myrte. 

36.  Geschichtliche  Bemerkungen  von  der  Myrte. 

37.  11  Arten  der  Myrte. 

38.  Ihr  Gebrauch  zu  Rom  bei  den  kleinen  Triumphen. 

39.  13  Arten  des  Lorbeers. 

40.  Geschichtliche  Bemerkungen  vom  Lorbeerbaume. 
Zusammen:  520  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Fenestella,  Fabianus,  Virgilius,  Com.  Valerianus,  Celsus,  der 
Censor  Cato,  Saserna  Vater  und  Sohn,  Scropha,  M.  Varro,  D.  Sila- 
nus,  Fabius  Pictor,  Trogus,  Hyginus,  Flaccus  Verrius,  Grscinus,  Atticus 
Julius,  Massurius  Sabinus,  Tergilla,  Cotta  Messalinus,  Columella,  L. 
Piso,  Pompejus  Lenseus,  Maccius  Plautus,  Flavius  Dossennus,  Scse- 
vola,  Aelius,  Attejus  Capito,  Sextius  Niger,  Vibius  Rufus. 
Von  fremden  Schriftstellern: 
Hesiodus,  Aristoteles,  Democritus,  König  Hiero,  Archytas,  König 
Attalus  Philometor,  Xenophon ,  Amphilochus  von  Athen,  Anaxipolis 
von  Thasus,  Appollodorus  von  Lemnos,  Aristophanes  von  Milet,  An- 
tigonus  von  Cymae,  Agathocles  von  Chios,  Apollonius  von  Pergamus, 
Aristander  von  Athen,  Bacchius  von  Milet,  Bion  von  Solis,  Cha^reas 
von  Athen,  Chseristus  von  Athen,  Diodorus  von  Priene,  Dion  von 
Colophon,  Epigenes  von  Rhodus,  Euagon  von  Thasus,  Euphronius 
von  Athen,  Androtion  der  über  den  Ackerbau  geschrieben  hat, 
Aeschrion  desgleichen,  Lysimachus  desgleichen,  Dionysius  der  den 
Mago  übersetzt,  Diophanes  der  einen  Auszug  aus  dem  Dionysius 
gemacht  hat,  der  Arzt  Asclepiades,  der  Arzt  Erasistratus ,  Commias 
der  über  den  "VVein  geschrieben  hat,  Aristomachus  desgleichen,  Hi- 
cesius  desgleichen,  der  Arzt  Themiso,  Onesicritus,  König  Juba. 


Sechszehntes  Buch. 

Von  den  wilden  Bäumen. 

1.  Von  den  Völkern,  welche  keine  Bäume  haben. 

2.  Wunderbare  Dinge  von  Bäumen  in  den  nördlichen  Ländern. 

3.  Von  den  eicheltragenden  Bäumen ;  von  der  Bürgerkrone. 

4.  Vom  Ursprünge  der  Kränze. 


ß2  Erstes  Buch. 

5.  Welche  Personen  mit  einem  Laubkranze  beschenkt  sind. 

6.  13  Arten  Eicheln. 

7.  Von  der  Buche. 

8.  Von  den  übrigen  Eicheln;  von  den  Kohlen. 

9.  Von  den  Galläpfeln. 

10.  Was  diese  Bäume  ausser  den  Eicheln  noch  tragen. 

11.  Von  der  Cachrys. 

12.  Vom  Coccus. 

13.  Vom  Agaricus. 

14.  Von  welchen  Bäumen  die  Rinden  gebraucht  werden. 

15.  Von  den  Schindeln. 

16.  Von  der  Fichte. 

17.  Vom  Pinaster. 

18.  Von  der  rothen  und  weissen  Tanne. 

19.  Vom  Lärchenbaume  und  der  Taeda-Fichte. 

20.  Vom  Taxus. 

21.  Wie  der  Theer  und  das  Cedrium  gemacht  werden. 

22.  Wie  der  Theer  eingedeckt  wird. 

23.  Von  dem  Harze  Zopissa. 

24.  Von  welchen  das  Holz  besonders  geschätzt  wird. 

25.  2  Arten  der  Linde. 

26.  10  Arten  des  Ahorns. 

27.  Vom  Bruscum,  Molluscum,  Staphylodendron. 

28.  3  Arten  des  Buxus. 

29.  4  Arten  der  Ulme. 

30.  Von  der  Beschaffenheit  der  Bäume  nach  ihrem  Stande;  welche 

auf  Bergen  und  welche  in  Ebenen  wachsen. 

31.  Welche  gern  trocken,  welche  im  Wasser  stehen  und  welche  das 

Mittel  davon  halten. 

32.  Eintheilung  der  Arten. 

33.  Welche  Bäume  das  Laub  nicht  verlieren.     Vom  Rhododendron. 

Welche  nicht  alle  Blätter  verHeren,   und  von  welchen  Arten 
kein  Baum  das  Laub  verliert. 

34.  Von  der  Verschiedenheit  des  Abfallens  der  Blätter. 

35.  Von  ihrer  verschiedenen  Farbe;  welche  Blätter  ihre  Gestalt  ver- 

ändern.   3  Arten  Pappeln. 

36.  Welche  Blätter  sich  alljährig  umdrehen. 

37.  Von   der  auf  die  Palmenblätter  zu  verwendenden  Sorgfalt   und 

ihrem  Gebrauche. 

38.  Wichtige  Bemerkungen  von  den  Blättern. 

39.  Von  der  Ordnung  der  Natur  in  den  Aussaaten. 

40.  Welche  Bäume  niemals  blühen.     Vom  Wachholder. 

41.  Von  der  Empfängniss  der  Bäume;   von    dem  Ausschlagen;    der 

Fruchtreife. 


Erstes  Buch.  63 

42.  In  welcher  Ordnung  sie  blühen. 

43.  Wann  sie  Früchte  tragen.    Von  der  Comelkirsche. 

44.  Welche  ein  Jahr  und  welche  drei  Jahre  lang  ihre  Früchte  tragen. 

45.  Welche  keine  Früchte  tragen ,    und  welche  für  unglückbringend 

gehalten  werden. 

46.  Welche  die  Frucht  oder  Blüthe  sehr  leicht  verlieren. 

47.  Welche  Bäume  in  gewissen  Gegenden  nicht  tragen. 

48.  Wie  die  Früchte  auf  den  Bäumen  sitzen. 

49.  An  welchen  die  Früchte  eher  kommen  als  die  Blätter. 

50.  Bäume,  welche  zweimal  und  welche  dreimal  im  Jahre  tragen. 

51.  Welche  sehr  schnell  und  welche  sehr  langsam  altera.   Frühe  und 

späte  Früchte. 

52.  Welche  Bäume  Verschiedenes  tragen.    Vom  Crataegus. 

53.  Von  dem  Unterschiede  der  Bäume  nach  Stamm  und  Aesten.  Der 

Lotos  oder  die  griechische  Bohne. 

54.  Von  den  Aesten. 

55.  Von  der  Rinde. 

56.  Von  der  Wurzel. 

57.  Bäume,  welche  von  selbst  wieder  lebend  geworden  sind. 

58.  Wie  die  Bäume  ohne  Wartung  heranwachsen.   Dass  nicht  allent- 

halben alles  gedeihet. 

59.  Welche  Bäume  nicht  überall  gedeihen. 

60.  Von  den  Cypressen. 

61.  Dass  oft  etwas  aus  der  Erde  wächst,    wovon  vorher  keine  Spur 

da  war. 

62.  20  Arten  des  Epheu. 

63.  Vom  Smilax. 

64.  Von  den  Wassergewächsen;  28  Rohr-Arten. 

65.  Von  den  Pfeilrohren  und  Schreibrohren. 

66.  Von  den  Pfeifenrohren;  vom  orchomenischen  Rohre,  dem  Rohre 

zum  Vogelstellen  und  zum  Fischfange. 

67.  Vom  Winzerrohre.    Von  den  Erlen. 

68.  7  Arten  der  Weide. 

69.  Was  ausser  der  Weide  zum  Binden  dient. 

70.  Von  den  Binsen,    welche  zu  Lichtern,    Fahrzeugen  und  Decken 

dienen. 

71.  Von  den  Hollunder-  und  Brombeersträuchen. 

72.  Von  den  Säften  der  Bäume. 

73.  Von  den  Adern  und  dem  Fleische  der  Bäume. 

74.  Von  dem  Fällen  der  Bäume. 

75.  Cato's  Ansichten  darüber. 

76.  Von  der  Grösse  der  Bäume.    Von  den  Holzarten. 

77.  Feuerzeuge  aus  Holz. 

78.  Welche  Bäume  nicht  faul  und  welche  nicht  rissig  werden. 


£4  Erstes  Buch. 

79.  Geschichtliche  Bemerkungen  über  die  Dauer  der  Hölzer. 

80.  Von  den  Holzwürmern. 

81.  Von  dem  Bauholze. 

82.  Von  dem  Holze  für  Künstler. 

83.  Vom  Leimen  des  Holzes. 

84.  Von  den  Brettern. 

85.  Von  dem  Alter  der  Bäume.     Bäume,  die  von  dem  altem  Africanus 

gepflanzt  sind.     Ein  fünfhundert] ähriger  Baum  in  Rom. 

86.  Bäume  von  der  Zeit  der  Gründung  Rom's  her. 

87.  Bäume  um  Rom,  die  älter  als  die  Stadt  sind. 

88.  Bäume,  die  von  Agamemnon  gepflanzt  sind;    Bäume  vom  ersten 

Jahre  des  trojanischen  Krieges;  von  dem  Ursprünge  des  Namens 
Ilium;  Bäume  bei  Troja,  die  älter  als  der  trojanische  Krieg  sind. 

89.  Bäume  zu  Argos,    die   von  Hercules   gepflanzt  sind;   von  Apollo 

gepflanzte  Bäume;  ein  Baum  älter  als  Athen. 

90.  Welche  Bäume  bald  absterben. 

91.  Bäume  d.  durch  besondere  Begebenheiten  in  Ehren  gehalten  werden. 

92.  Welche  Bäume  keinen  eigenen  Wohnsitz  haben;    welche  auf  an- 

dern Bäumen  leben  und  in  der  Erde  nicht  fortkommen;  9  Ar- 
ten davon.  Vom  Cadytas,  Polypodium,  Phaunus  und  Hippo- 
pha^stum. 

93.  Drei  Arten  des  Viscum;  Stelis,  Hyphear.   Von  der  Beschaffenheit 

des  Viscum  und  ähnlicher  Gewächse. 

94.  Von  der  Bereitung  des  Vogelleims. 

95.  Geschichtliche  Bemerkungen  vom  Viscum. 

Zusammen:  1135  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,  Fetialis,  Nigidius,  C.  Nepos,  Hyginus,  Massurius,  Cato, 
Mucianus,  L.  Piso,  Trogus,  Calpurnius  Bassus,  Cremutius,  Sextius  Ni- 
ger, Com.  Bocchus,  Vitruvius,  Grsecinus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Alexander  Polyhistor,  Hesiodus,  Theophrastus ,  Democritus,  Ho- 
merus,  der  Mathematiker  Tinneus. 


Siefoenzehntes  Buch. 

Von  den  angepflanzten  Bäumen. 

1.  Ausserordentliche  Preise  für  Bäume. 

2.  Von   der   Einwirkung   der   Luft   auf   die   Bäume.    Nach  welcher 

Himmelsgegend  die  Weinberge  liegen  müssen. 

3.  Welches  Erdreich  das  beste  ist. 

4.  Von  den  Erden,  welche  man  in  Griechenland  und  Gallien  rühmt; 

8  Arten  davon. 


Erstes  Buch.  65 

5.  Vom  Gebrauche  der  Asche. 

6.  Von  dem  Miste. 

7.  Welche  Saaten  das  Land  fruchtbarer  machen  und  welche  es  aus- 

saugen. 

8.  Wie  der  Mist  anzuwenden  ist. 

9.  Wie  die  Bäume  gepflanzt  werden. 

10.  Was  aus  Samen  entsteht. 

11.  Was  niemals  ausartet. 

12.  Was  aus  Schösslingen  wächst. 

13.  Was  aus  Abreissern  und  was  aus  Schnittlingen  wächst. 

14.  Von  den  Baumschulen.    Vom  Versetzen  der  Baumschulen. 

15.  Vom  Anpflanzen  der  Ulmen. 

16.  Von  den  Pflanzgruben. 

17.  Von  dem  Abstände  der  Bäume  von  einander. 

18.  Vom  Schatten. 

19.  Von  den  Traufen. 

20.  Welche  Bäume  langsam  und  welche  schnell  wachsen. 

21.  Von  der  Fortpflanzung  durch  Ableger. 

22.  Von  der  Versetzung  durch  Samen  und  wie  sie  erfunden  ist. 

23.  Von  der  Versetzung  durch  Augen. 

24.  Von  den  verschiedenen  Methoden  des  Pfropfens. 

25.  Von  der  Pfropfung  des  Weinstocks. 

26.  Von  dem  Rindenpflaster. 

27.  Von  der  Fortpflanzung  durch  Zweige. 

28.  Welche  Bäume  durch  Schnittlinge  fortgepflanzt  werden  und  wie 

diess  geschieht. 

29.  Von  der  Cultur  des  Oelbaumes. 

30.  Wann  die  verschiedenen  Pfropfarbeiten  etc.  vorgenommen  werden 

müssen. 

31.  Von  dem  Grabenziehen  um  die  Bäume  und  von  dem  Behäufeln. 

32.  Von  den  Weidenpflanzungen. 

33.  Von  den  Rohrpflanzungen. 

34.  Von  den  übrigen  Materialien  zu  Stöcken  und  Pfählen. 

35.  Von  Anlegung   der  Weinberge   und   der  Bäume   zur  Befestigung 

der  Weinstöcke. 

36.  Mittel  um  die  Trauben  vor  den  Thieren  zu  schützen. 

37.  Von  den  Krankheiten  der  Bäume. 

38.  Wunder  und  Zeichen  von  Bäumen. 

39.  Mittel  gegen  die  Krankheiten  der  Bäume. 

40.  Von  dem  Bewässern. 

41.  Merkwürdige  Dinge  von  bewässerten  Gegenden. 

42.  Von  dem  Schröpfen  der  Bäume. 

43.  Andere  Heilmittel  für  die  Bäume. 

44.  Von  der  Caprification  der  Feigen. 

5 


$Q  Erstes  Buch. 

45.  Von  den  Nachtheilen  des  Beschneidens. 

46.  Von  der  Düngung. 

47.  Verschiedene  Heilmittel  für  die  Bäume. 

Zusammen:  1380  Gegenstände  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

C.  Nepos,  der  Censor  Cato,  M.  Varro,  Celsus,  Virgilius,  Hyginus,. 
Saserna  Vater  und  Sohn,  Scropha,  Calpurnius,  Bassus,  Trogus,  Aemi- 
lius  Macer,  Grsecinus,  Columella,  Atticus  Julius,  Fabianus,  Sura  Ma- 
milius,  Dossennus  Mundus,  C.  Epidius,  L.  Piso. 
Von  fremden  Schriftstellern: 

Hesiodus,  Theophrastus ,  Aristoteles,  Democritus,  Theopompus,. 
König  Hiero,  König  Attalus  Philometor,  König  Archelaus,  Archytas, 
Xenophon,  Amphilochus  von  Athen,  Anaxipolis  von  Thasus,  Apollo- 
dorus  von  Lemnos,  Aristophanes  von  Milet,  Antigonus  von  Cymse, 
Agathocles  von  Chios,  Apollonius  von  Pergamus,  Bacchius  von  Milet, 
Bion  von  Solis,  Chsereas  von  Athen,  Chaeristus  von  Athen,  Diodorus 
von  Priene,  Dion  von  Colophon,  Epigenes  von  Rhodus,  Euagon  von 
Thasus,  Euphronius  von  Athen,  Androtion  der  über  den  Ackerbau 
geschrieben  hat,  Aeschryon  desgleichen,  Lysimachus  desgleichen, 
Dionysius  der  den  Mago  übersetzt,  Diophanes  der  einen  Auszug  au  s 
dem  Dionysius  gemacht  hat,  Aristander  der  über  Wunderzeichen  ge- 
schrieben hat. 


Achtzehntes  Buch. 

Von  den  Feldfrüchten. 

1.  Vom  fleissigen  Betriebe  des  Ackerbaues  bei  den  Alten. 

2.  Von  dem  ersten  Aehrenkranze  in  Rom. 

3.  Von  dem  Jugerum. 

4.  Wie  oft  und  zu  welchen  Zeiten  die  Getreidepreise  am  niedrigsten 

gewesen  sind. 

5.  Welche  Männer  am  besten  über  den  Ackerbau  geschrieben  haben. 

6.  Was  beim  Baue  eines  Ackers  zu  beobachten  ist. 

7.  Von  der  Lage  der  Landgüter. 

8.  Vorschriften  der  Alten  über  die  Bebauung  des  Ackers.  > 

9.  Arten  der  Feldfrüchte. 

10.  Ihre  Beschaffenheit  nach  den  einzelnen  Arten;  vom  Getreide. 

11.  Vom  Far. 

12.  Vom  Weizen. 

13.  Von  der  Gerste  und  dem  Reise. 

14.  Von  der  Polenta. 

15.  Von  der  Ptisana. 

16.  Vom  Tragum. 


Erstes  Buch.  67 

17.  Vom  Stärkmehl. 

18.  Von  der  Beschaffenheit  der  Gerste. 

19.  Von  der  Arinca,  Olyra,  Zea.    Von  den  übrigen  Arten  im  Orient. 

20.  Vom  Siligo  und  Similago. 

21.  Von  der  Fruchtbarkeit  des  Weizens  in  Afrika. 

22.  Vom  Sesamum,  Erysimum  oder  Irio,  Horminum. 

23.  Vom  Mahlen  des  Getreides. 

24.  Von  der  Hirse. 
25^ Vom  Panicum. 

26.  Vom  Sauerteige. 

27.  Vom  Brotbacken  und  dessen  Ursprünge. 

28.  Wann  in  Rom  zuerst  Bäcker  gewesen  sind. 

29.  Von  der  Alica. 

30.  Von  den  Hülsenfrüchten;  von  der  grossen  Bohne. 

31.  Von  den  Linsen  und  Erbsen. 

32.  Von  den  verschiedenen  Kichererbsen. 

33.  Von  den  Schwertbohnen. 

34.  Von  den  weissen  Rüben. 

35.  Von  den  Steckrüben. 

36.  Von  der  Wolfsbohne. 

37.  Von  der  Wicke. 

38.  Von  der  Erve. 

39.  Von  der  Silicia. 

40.  Vom  Seeale  oder  Asia. 

41.  Vom  Farrago;  Cracca. 

42.  Vom  Ocymum;  Ervilia. 

43.  Von  der  Medica. 

44.  Von  den  Krankheiten  der  Feldfrüchte;  vom  Hafer. 

45.  Mittel  dagegen. 

46.  Was  in  jede  Bodenart  zu  säen  ist. 

47.  Wie  man  bei  den  verschiedenen  Völkern  säet. 

48.  Von  den  verschiedenen  Pflugscharen. 

49.  Vom  Pflügen. 

50.  Vom  Eggen,    Gäten,    Behacken   nach   den   einzelnen  Arten   der 

Feldfrüchte;  vom  Nacheggen. 

51.  Von  der  höchsten  Fruchtbarkeit  des  Bodens. 

52.  Vom  mehrmaligen  Säen  in  einem  Jahre. 

53.  Von  der  Düngung. 

54.  Von  der  Güte  des  Samens. 

55.  Wie  viel  von  jeder  Getreideart  auf  ein  Jugerum  zu  säen  ist. 

56.  Von  der  rechten  Säezeit. 

57.  Eintheilung  der  Gestirne  in  irdische  Tage  und  Nächte. 

58.  Aufgang  und  Untergang  der  Gestirne. 
59.  Von  den  Cardinalzeiten. 


ßg  Erstes  Buch. 

60.  Von  der  rechten  Zeit  zum  Säen  der  Winterfrüchte. 

61.  Wann  die  Hülsenfrüchte  und  der  Mohn  zu  säen  sind. 

62.  Von  den  Feldarbeiten,  und  was  in  jedem  Monate  auf  dem  Acker 

geschehen  soll. 

63.  Was  im  Winter  geschehen  soll. 

64.  Was  vom  kürzesten  Tage  an  bis  zum  ersten  Frühlingswinde, 

65.  Was  von  da  an  bis  zur  Frühlings-Tag-  und  Nachtgleiche, 

66.  Was  von  da  an,  und 

67.  Was  vom  Aufgange  des  Siebengestirns  an  geschehen  soll.  Vom  Äeu. 

68.  Von  der  Zeit  der  Sommer-Sonnenwinde. 

69.  Ursachen  der  Unfruchtbarkeit. 

70.  Hülfsmittel  dagegen. 

71.  Was  von  der  Sommer-Sonnenwende  an  geschehen  soll. 

72.  Von  der  Erndte. 

73.  Von  der  Aufbewahrung  des  Getreides. 

74.  Von  der  Weinlese  und  den  Arbeiten  im  Herbste. 

75.  Von  der  Berücksichtigung  und  dem  Einflüsse  des  Mondes  und 

76.  des  Windes. 

77.  Von  der  Begrenzung  der  Felder. 

78.  Voranzeigen  der  Witterung:  von  der  Sonne. 

79.  dem  Monde, 

80.  den  Sternen, 

81.  dem  Donner, 

82.  den  Wolken, 

83.  dem  Nebel, 

84.  irdischen  Feuern, 

85.  dem  Wasser, 

86.  den  Stürmen, 

87.  den  Wasserthieren,  Vögeln, 

88.  vierfüssigen  Thieren, 

89.  Kräutern  und 

90.  Speisen. 

Zusammen:  2060  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

Massurius  Sabinus,  Cassius  Hemina,  Verrius  Flaccus,  L.  Piso, 
Com.  Celsus,  Turrianus  Gracilis,  D.  Silanus,  M.  Varro,  der  Censor 
Cato,  Scropha,  Saserna  Vater  und  Sohn,  Domitius  Calvinus,  Hyginus, 
Virgilius,  Trogus,  Ovidius,  Grsecinus,  Columella,  Tubero,  L.  Tarutius 
der  in  griechischer  Sprache  über  die  Gestirne  geschrieben  hat,  der 
Dictator  Caesar  desgleichen,  Sergius  Paulus,  Sabinus  Fabianus,  M. 
Cicero,  Calpurnius  Bassus,  Attejus  Capito ,  Mamilius  Sura,  Accius 
welcher  praktische  Bemerkungen  verfasst  hat. 

Von  fremden  Schriftstellern: 

Hesiodus,  Theophrastus,  Aristoteles,  Democritus,   König  Hiero, 


Erstes  Buch.  69 

König  Attalus  Philometor,  König  Archelaus,  Archytas,  Xenophon, 
Amphilochus  von  Athen,  Anaxipolis  von  Thasus,  Aristophanes  von 
Milet,  Apollodorus  von  Lemnos,  Antigonus  von  Cyinae,  Agathocles 
von  Chios,  Apollonius  von  Pergamus,  Aristander  von  Athen,  Bacchius 
von  Milet,  Bion  von  Solis,  Chanreas  von  Athen,  Cha^ristus  von  Athen, 
Diodorus  von  Priene,  Dion  von  Colophon,  Epigenes  von  Rhodus,  Euagon 
von  Thasus,  Euphronius  von  Athen,  Androtion  der  über  den  Acker- 
bau geschrieben  hat,  Aeschrion  desgleichen,  Lysimachus  desgleichen, 
Diönysius  der  den  Mago  übersetzt,  Diophanes  der  einen  Auszug  aus 
den  Diönysius  gemacht  hat,  Thaies,  Eudoxus,  Philippus,  Callippus, 
Dositheus,  Parmeniscus,  Meton,  Criton,  Oenopides,  Zeno,  Euctemon, 
Harpalus,  Hecatseus,  Anaximander,  Sosigenes,  Hipparchus,  Aratus, 
Zoroaster,  Archibius. 


Neunzehntes  Buch. 

Von  dem  Leine  und  der  Cultur  der  Gartengewächse. 

1.  Von  der  Beschaffenheit  und  dem  "Wunderbaren  des  Leins. 

2.  Wie  er  gesäet  wird;  27  verschiedene  Arten  desselben. 

3.  Von  der  Zubereitung  des  Flachses. 

4.  Von  dem  unverbrennlichen  Flachse. 

5.  Wann  man  angefangen  hat,  den  Flachs  zu  färben. 

6.  Wann  zuerst  Vorhänge  in  den  Schauspielhäusern  gewesen  sind. 

7.  Von  dem  Spartum. 

8.  Von  dessen  Zubereitung. 

9.  Wann  es  in  Gebrauch  gekommen  ist. 

10.  Von  dem  Wolle  tragenden  Zwiebelgewächse. 

11.  Was  ohne  Wurzel  entsteht  und  gedeihet;  was  entsteht  und  nicht 

gesäet  werden  kann. 

12.  Vom  Misy,  Iton,  Geranion. 

13.  Von  den  Trüffeln. 

14.  Von  den  Peziken. 

15.  Vom  Laserpitium,  Laser  und  Maspetum. 

16.  Vom  Magydaris. 

17.  Von  der  Färberröthe. 

18.  Von  der  Pflanze  Radicula. 

19.  Von  dem  Ansehn  der  Gärten. 

20.  Abtheilung  des  Landes. 

21.  Eintheilung  der  Gartengewächse,   ausgenommen  Feldfrüchte  und 

Sträucher. 

22.  Die  Beschaffenheit  und  das  Geschichtliche  von  20  Arten  Garten- 

gewächsen.   Wie  sie  gebauet  werden. 

23.  Was  von  knorpeliger  Beschaffenheit   ist,   von    den   Gurken   und 

Peponen. 


70  Erstes  Buch. 

24.  Von  dem  Krbiüs. 

25.  Von  den  weissen  Rüben  und  Steckrüben . 

26.  Vom  Rettig. 

27.  Vom  Pastinak. 

28.  Vom  Siser. 

29.  Von  der  Inula. 

30.  Von  den  Zwiebeln,  der  Meerzwiebel,  dem  Amin. 

31.  Von  den  Wurzeln,    Blüthen  und  Blättern  aller  Gartengewächse. 

Welche  die  Blätter  verlieren. 

32.  Von  den  Arten  der  Zip  ollen. 

33.  Vom  Porrum. 

34.  Vom  Knoblauch. 

35.  Am  wievielsten  Tage  ein  Jedes  hervorkommt. 

36.  Von  den  Samen. 

37.  Welche  Gewächse  nur  eine  Art  und  welche  mehrere  haben. 

38.  Beschaffenheit   und   Geschichtliches    von   23    Arten    Gewächsen, 

welche  im  Garten  gebauet  werden.    Von  den  Latticharten. 

39.  Arten  des  Intubus. 

40.  4  Arten  der  Beta. 

41.  Arten  des  Kohls. 

42.  Vom  Spargel;  von  der  Corruda. 
43-  Von  den  Disteln. 

44.  Von  den  übrigen  Gartengewächsen.  Ocymum,  Eruca,  Nasturtium. 

45.  Von  der  Raute. 

46.  Vom  Eppich. 

47.  Von  der  Minze. 

48.  Vom  Olusatrum. 

49.  Vom  Feldkümmel. 

50.  Vom  Ligusticum. 

51.  Vom  Lepidium. 

52.  Vom  Gith. 

53.  Vom  Mohn. 

54.  Von  den  übrigen,    die  in  der  Herbst-Tag-  und  Nachtgleiche  ge- 

säet werden. 

55.  Vom  Serpyllum  und  Sisymbrium. 

56.  4  ruthenartige  Gewächse.    Vom  Hanfe. 

57.  Von  den  Krankheiten  der  Gartengewächse. 

58.  Hülfsmittel   dagegen.     Wie   man    die   Ameisen   vertilgt.     Mittel 

gegen  die  Kohlraupen  und  Mücken. 

59.  Welchen  das  Salzwasser  nützt. 

60.  Von  der  Bewässerung  der  Gärten. 

61.  Von  den  Säften  und  dem  verschiedenen  Geschmacke  der  Garten- 

gewächse. 

62.  Von  der  Piperitis,  Libanotis  und  dem  Smyrniurn. 
Zusammen:  1144  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 


Erstes  Buch.  71 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Maccius  Plautus,  M.  Varro,  D.  Silanus,  der  Censor  Cato,  Hyginus, 
Virgilius,  Mucianus,  Celsus,  Columella,  Calpurnius  Bassus,  Maniilius 
Sura,  Sabinus  Tiro,  Licinius  Macer,  Q.  Hirtius,  Vibius  Rufus,  Caesen- 
nius  der  über  den  Gartenbau  geschrieben  hat,  Castritius  desgleichen, 
Firmus  desgleichen,  Petrichus  desgleichen. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Herodotus,   Theophrastus ,  Democritus,  Aristomachus ,  Menander 
der  nützliche  Bemerkungen  für  das  Leben  geschrieben  hat,  Anaxilaus. 


Zwanzigstes  Buch. 

Arzneimittel  von  den  Gartengewächsen. 
1.  und  2.  Von  der  wilden  Gurke,  26  Arzneien. 

3.  Von  dem  Elaterium,  27. 

4.  Von  der  Schlangengurke,  5. 

5.  Von  der  Gartengurke,  9. 

6.  Von  der  Pepo,  11. 

7.  Vom  Kürbis,  17.  Spongos,  1. 

8.  Von  der  Coloquinte,  9. 

9.  Von  den  weissen  Rüben,  9. 

10.  Von  der  wilden  Rübe,  1. 

11.  Von  der  Steckrübe,  dem  Bunium  oder  Bunias,  5. 

12.  Vom  wilden  Rettig,  43  und  vom  Meerrettig,  1. 

13.  Vom  Gartenrettig. 

14.  "Vom  Pastinak,  5.    Vom  Hibiscus  oder  der  wilden  Malache  oder 

Plistolochia. 

15.  Vom  Staphylius  oder  wilden  Pastinak,  32. 

16.  Vom  Gingidium. 

17.  Vom  Siser,  11. 

18.  Vom  Sili,  12. 

19.  Von  der  Inula,  11. 

20.  Von  den  Zipollen,  27. 

21.  Vom  Schnittlauch,  32. 

22.  Vom  Kopflauch,  39. 

23.  Vom  Knoblauch,  61. 

24.  Vom  Lattich,  42;  vom  Ziegenlattich,  4. 

25.  Vom  Csesapum,  1;  vom  Waid,  1;  vom  wilden  Lattich,  7. 

26.  Von  der  Hieracia,  17. 

27.  Von  der  Beta,  14. 

28.  Von  dem  Limonium  oder  Neuroides,  3. 

29.  Von  dem  Intubus,  8. 


72  Erstes  Buch. 

30.  Vom  Cichorium  oder  Chrestum  oder  Fancratium  oder  Ambula,  12. 

31.  Von  der  Hedypnois,  4. 

32.  Von  drei  Arten  Salat,  8. 

33.  Vom  Kohl,  87.    Cato's  Verordnungen  darüber. 

34.  Verordnungen  der  Griechen  darüber. 

35.  Von  den  jungen  Kohlsprossen. 

36.  Vom  wilden  Kohl,  37. 

37.  Von  der  Lapsana,  1. 

38.  Vom  Meerkohl,  1. 

39.  Von  der  Meerzwiebel,  23. 

40.  Von  den  Zwiebeln,  30. 

41.  Von  der  Bulbine,  1;  von  der  Brechzwiebel. 

42.  Vom  Spargel. 

43.  Von  der  Corruda  oder  Lybicum  oder  Horminum,  24. 

44.  Vom  Eppich,  17. 

45.  Vom  Apiastrum  oder  Melissophyllum. 

46.  Vom  Olusatrum  oder  Hipposelinum,    11;   vom  Oreoselinum,    11; 

vom  Heleoselinum,  1. 

47.  Von  der  Petersilie,  1;  vom  Buselinum,  1. 

48.  Vom  Ocymum,  35. 

49.  Von  der  Eruca,  12. 

50.  Vom  Nasturtium,  42. 

51.  Von  der  Raute,  84. 

52.  Von  der  wilden  Minze,  20. 

53.  Von  der  gemeinen  Minze,  41. 

54.  Vom  Polei,  25. 

55.  Vom  wilden  Polei,  17. 

56.  Von  der  Nepeta,  9. 

57.  Vom  Cuminum,  48;  vom  Cuminum  sylvestre,  26. 

58.  Vom  Ammi,  10. 

59.  Vom  Capperstrauche,  18. 

60.  Vom  Ligusticum  oder  Panax,  4. 

61.  Von  der  Ochsen-Cunila,  5. 

62.  Von  der  Hühner- Cunila,  5. 

63.  Von  der  Cunilago,  8. 

64.  Von  der  weichen  Cunila,  3;  von  der  Weihrauch-Cunila,  3. 

65.  Von  der  Garten-Cunila,  3;  von  der  Berg-Cunila,  7. 

66.  Von  dem  Pfefferkraute  oder  Siliquastrum,  5. 

67.  Vom  Origanum  onite  oder  Prasium,  6. 

68.  Vom  Tragoriganum,  9. 

69.  Von  drei  Arten  des  Origanum  heracleum,  30. 

70.  Von  der  Kresse,  3. 

71  Vom  Gith  oder  Melanthium,  23. 
72.  Vom  Anis  oder  Anicetum,  61. 


Erstes  Buch.  73 

73.  Wo  der  Anis  am  besten  ist  und  von  den  übrigen  aus  ihm  be- 

reiteten Arzneien. 

74.  Vom  Anethum,  9. 

75.  Vom  Sacopenium  oder  Sagapenum,  13. 

76.  Vom  weissen  Mohn,  3;    vom    schwarzen  Mohn,    8;    von    seiner 

Schlaf  machenden  Kraft;  vom  Opium.  Man  soll  es  den  Trän- 
ken gegen  Fieber,  Mangel  an  Verdauung  und  gegen  Ver- 
stopfung nicht  zusetzen.     Vom  Meconium,  1. 

77.  Vom  Rhoeas-Mohn,  2. 

78.  Von  dem  wilden  gehörnten  Mohn  oder  Glaucium  oder  Paraliurn,  6. 

79.  Vom  wilden  heraclischen  Mohn  oder  Aphrum,  4.    Vom  Diacodion. 

80.  Vom  tithymalischen  Mohn  oder  Paraliurn,  3. 

81.  Von  der  Porcilaca  oder  Peplis,  25. 

82.  Vom  Coriander,  21. 

83.  Von  der  Atriplex,  14. 

84.  Von  der  Malva  malope,  13;  von  der  Malva  malache,   1;  von  der 

Malva  althaaa  oder  Plistolochia,  59. 

85.  Vom  wilden  Lapathum  oder  Oxalis   oder  Lapathum  cantherinum 

oder  Rumex,  1;  vom  Hydrolapathuni,  2;  Hippolapathum,  6; 
Oxylapathum,  4. 

86.  Vom  zahmen  Lapathum,  21;  Bulapathum,  1. 

87.  Von  drei  Arten  des  Senfs,  44. 

88.  Von  der  Adarca,  48. 

89.  Vom  Marrubium  oder  Prasium  oder  Linostrophum  oder  Philopaes 

oder  Philochares,  29. 

90.  Vom  Serpyllum,  18. 

91.  Vom  Sisymbrium  oder  Thymbraeum,  23. 

92.  Vom  Leinsamen,  30. 

93.  Vom  Blitum,  6. 

94.  Vom  Meum  athamanticum,  7. 

95.  Vom  Fenchel,  22. 

96.  Vom  Hippomarathrum  oder  Myrsineum,  5. 

97.  Vom  Hanfe,  9. 

98.  Von  der  Ferula,  8. 

99.  Vom  Carduus  oder  Scolymus,  6, 

100.  Zusammensetzung  des  Theriaks. 

Zusammen:  1606  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Der  Censor  Cato,  M.  Varro,  Pompejus  Lenaeus,  C.  Valgius,  Hy- 
ginus,  Sextius  Niger    der   in   griechischer   Sprache   geschrieben  hat, 
Julius  Bassus  desgleichen,  Celsus,  Antonius  Castor. 
Von  fremden  Schriftstellern: 
Democritus,  Theophrastus,  Orpheus,  Menander  der  nützliche  Be- 
merkungen für  das  Leben  geschrieben  hat,  Pythagoras,  Nicander. 


74  Erstes  Buch. 

Ton  Aerzten: 
Hippocrates,  Chrysippus,  Diocles,  Ophelion,  Heraclides,  Hicesius, 
Dionysius,  Apollodorus  von  Tarent,  Apollodorus  von  Citiuni,  Praxa- 
goras,  Plistonicus,  Medius,  Dieuches,  Cleophantus,  Philistion,  Ascle- 
piades,  Cratevas,  Petronius,  Diodotus,  Jollas,  Erasistratus,  Diagoras, 
Andreas,  Mnesides,  Epicharmus,  Damion,  Dalion,  Sosimenes,  Tlepo- 
lernus,  Metrodorus,  Solon,  Lycus,  die  Olyinpias  von  Theben,  Philinus, 
Petrichus,  Micton,  Glaucias,  Xenocrates. 


Einundzwanzigstes  Buch. 

Von  den  Blumen  und  Kränzen. 
1  und  2.  Von  den  Kränzchen  und  Blumenguirlanden. 

3.  Wer    zuerst  verschiedene  Blumen    zu   Kränzen   geflochten   hat, 

•wann  und  warum  sie  zuerst  Corollen  genannt  sind. 

4.  Wer  zuerst  einen  Kranz  mit  goldenen  und  silbernen  Blättern  ge- 

geben hat;  dass  sie  aus  diesem  Anlass  Kranzgeschenke  genannt 
wurden.  Von  den  Bändern  an  den  Kränzen;  wer  diese  zuerst 
von  getriebener  Arbeit  hat  machen  lassen. 

5.  Wie  gross  die  Ehre,  einen  Kranz  zu  tragen,  bei  den  Alten  war. 

6.  Strenge  der  Alten  hinsichtlich  des  Tragens  der  Kränze. 

7.  Wen  das  römische  Volk  mit  Blumen  bekränzt  hat. 

8.  Von  den  Friedenskronen;   von  den  zusammengebundenen,    den 

aus  Narden  und  mit  Seide  gefertigten  Kränzen. 

9.  Welche  Personen  über  Blumen  geschrieben  haben.    Eine  Hand- 

lung der  Königin  Cleopatra  mit  Kränzen. 

10.  12  Arten  der  Rose.    32  Arzneien  daraus. 

11.  3  Arten  der  Lilie.     21  Arzneien  daraus. 

12.  3  Arten  der  Narcisse.     16  Arzneien  daraus. 

13.  Wie  der  Same  gefärbt  wird,    dass  daraus  gefärbte  Blumen  ent- 

stehen. 

14.  Wie  alles  wächst,  gesäet  und  behandelt  wird,  nach  den  einzelnen 
.    Arten.    Drei  Farben  der  Viole,  17  Arzneien  daraus.    Fünf  Ar- 
ten der  gelben  Viole,  10  Arzneien  daraus. 

15.  Von  der  Caltha  und  dem  königlichen  Zweige. 

16.  Von  der  Baccharis,  17  Arzneien.   Von  dem  Combretum,  1.  Von 

dem  Asarum. 

17.  Vom  Safran,  20  Arzneien.    Wo  die  besten  Blüthen  vorkommen. 

Von  den  Blumen  zur  Zeit  des  trojanischen  Kriegs. 

18.  Von  den  Gerüchen. 

19.  Von  der  Iris,  41. 

20.  Von  der  Saliunca,  2. 


Erstes  Buch.  75 

21.  Vom  Poliuin  oder  Teuthriuin,  18  Arzneien.     5  Arten. 

22.  Nachahmung  der  Blumen  in  den  Kleidern. 

23.  Vom  Amarant. 

24.  Vom  Cyanus  2,  vom  Holochrysus  3. 

25.  Vom  PetiHum,  Bellio. 

26.  Von  der  Chrysocoine  oder  Chrysitis,  6. 

27.  Von  welchen  Sträuchern  die  Blumen  z.  Kränzen  genommen  werden. 

28.  Von  welchen  die  Blätter  genommen  werden. 

29.  Vom  Melothron,    der  Spirsea,    dem  Origanum;    zwei  Arten  des 

Cneorum  oder  Casia;  vom  Melissophyllum  oder  Melittoena,  21 
Arzneien.    Von  den  Meliloten  in  Campanien. 

30.  3  Arten  des  Trifolium.     Vom  Myophonum. 

31.  3  Arten  Thymian;  28  Arzneien.    Was  aus  einer  Blume  und  nicht 

aus  Samen  entsteht. 

32.  Von  der  Conyza;  4  Arzneien. 

33.  Von  der  Jupitersblume;    der  Hemer ocallis,  4;  dem  Helenium,  5; 

der  Phlox.    Pflanzen  deren  Aeste  und  Blätter  riechen. 

34.  Vom  Abrotanum,  22;  2  Arten  der  Adonis.     Was  sich  von  selbst 

fortpflanzt.    Vom  Leucanthemum,  1. 

35.  2  Arten  des  Amaracus.     60  Arzneien. 

36.  Von  dem  Nyctegretum  oder  Chenamyche  oder  Nyctalops. 

37.  Von  den  Meliloten. 

38.  In  welcher  Zeitordnung  die  Blüthen  hervorkommen.    Frühlings- 

blumen: Viole,  Kranz-Anemone,  10;  Oenanthe,  6;  Melianthum, 
11;  Heliochrysuru,  11;  Gladiolus,  Hyacinthe,  7  Arzneien. 

39.  Sonunerblumen:  Lychnis,  7  Arzneien;  Tiphyon,  phrygischer  Ama- 

racus, 2  Arten  des  Pothus,  Vincapervinca  oder  Chamsedaphne, 
4  Arzneien.    Welches  Kraut  stets  grün  ist. 

40.  Von  der  Lebensdauer  der  Blüthen. 

41.  Welche    Blumen   der    Bienen   wegen   gezogen   werden  müssen. 

Von  der  Cerinthe. 

42.  Von  den  Krankheiten  der  Bienen  und  den  Hülfsmitteln  dagegen* 

43.  Von  der  Ernährung  der  Bienen. 

44.  Von  giftigem  Honig  und  den  Mitteln  dagegen. 

45.  Honig,  welcher  Raserei  bewirkt. 

46.  Honig,  den  die  Fliegen  nicht  anrühren. 

47.  Von  den  Bienenstöcken  und  ihrer  Wartung. 

48.  Wann  die  Bienen  Hunger  leiden. 

49.  Von  der  Bereitung  des  Wachses;  welches  Wachs  das  beste  ist, 

vom  punischen  Wachse. 

50.  Vom  Gebrauche   der  wildwachsenden  Kräuter  bei  den  Völkern, 

ihrer  Beschaffenheit  und  ihren  Wundern.  Von  den  Erdbeeren, 
dem  Tamnus,  Ruscus,  4;  von  zwei  Arten  des  Batis,  4  Arzneien. 
Vom  Wiesen-Pastinak  und  dem  Weidenhopfen. 


76  Erstes  Buch. 

51.  Von  der  Colocasia,  2  Arzneien. 

52.  Vom  Cichorium,  Anthaliurn,  Oetum,  Arachidna,  Aracos,  Condrilla, 

Hypochseris,  Caucalis,  Anthriscus,  Scandix  oder  Tragopogon, 
Parthenium,  Strychnum,  Corchorus,  Aphace,  Acinos,  Epipetron. 
Was  niemals  und  was  immer  blühet. 

53.  4  Arten  des  Cnicus. 

54.  Stachelige  Kräuter.     Eryngium,     Glycyrrhiza,   Tribulus,  Ononis, 

Phleos  oder  Stoebe,  Hippophaes. 

55.  4  Arten  der  Urtica.     Lamium,  Scorpionkraut. 

56.  Carduus,  Acoma  oder  Phonos,   Leucacanthos,  Chalceus,  Cnicus, 

Polyacanthus,  Onopyxus,  Helxine,  Scolymus,  Chamadeon,  Tetralix, 
Mastiche  acanthice. 

57.  Cactus,  Ptemix,  Paprjus,  Ascalia. 

58.  Tribulus,  Ononis. 

59.  Arten    der   Kräuter   nach    den    Stängeln.     Coronopus,  Anchusa, 

Anthemis,  Phyllanthes,  Crepis,  Lotus. 

60.  Unterscheidung  der  Kräuter  nach  den  Blättern.    Welche  theil- 

weise  blühen;  welche  che  Blätter  nicht  verlieren;  vom  Helio- 
tropium,  Adiantum,  Polium. 

61.  Arten  der  Aehren  tragenden  Kräuter.    Cynops,  Alopecurus,  Ste- 

lephurus,  oder  Ortyx  oder  Plantago,  Tryallis. 

62.  Perdicium,  Ornithogale. 

63.  Welche  erst  nach  einem  Jahre  zum  Vorschein  kommen.   Welche 

von  der  Spitze,  und  welche  von  unten  an  blühen. 

64.  Das  Kraut  Lappa,  an  welcher  die  Blume  eingeschlossen  wächst. 

Die  Opuntia,  aus  deren  Blatte  eine  Wurzel  wird. 

65.  Jasione,  Chondrylla,  Picris,  welche  das  ganze  Jahr  hindurch  blühet. 

66.  An  welchen  die  Blume  vor  dem  Stängel,   und  an  welchen  der 

Stengel  vor  der  Blume  erscheint;  welche  dreimal  blühen. 

67.  Von  den  Cypirus-Arten,  8  Arzneien.  Vom  Thesium. 

68.  Vom  Asphodelus  oder  Königsspiess;  Anthericus  oder  Albucus. 

69.  Von  6  Arten  der  Binse,  4  Arzneien. 

70.  Vom  Cyperus,  14.  Cyperis,  Cypira. 

71.  Vom  Hoioschcenus. 

72.  Von  der  wohlriechenden  Binse  oder  Teuchites,  10. 

73.  Arzneien  von  den  oben  genannten  Blumen;  von  der  Rose,  22. 

74.  Von  der  Lilie,  16. 

75.  Von  der  Narcisse,  28. 

76.  Von  den  Violen,  28.  ' 

77.  Von  der  Baccharis,  17.    Vom  Combretum. 

78.  Vom  Asarum,  8. 

79.  Vom  gallischen  Nardus,  8. 

80.  Vom  Phu,  4. 

81.  Vom  Safran,  20. 


Erstes  Buch.  77 

82.  Von  der  syrischen  Safransalbe,  2. 

83.  Von  der  Iris,  41;  von  der  Saliunca,  3. 

84.  Vom  Poliuni,  19. 

85.  Vom  Holochrysum,  3;  von  der  Chrysocome,   6. 

86.  Vom  Melissophyllum,  13. 

87.  Vom  Melilotus,  13. 

88.  Vom  Trifolium,  4. 

89.  Vom  Thymian,  29. 

90.  Von  der  Hemerocallis,  4. 

91.  Vom  Helenium,  5. 

92.  Vom  Abrotanum,  22. 

93.  Vom  Leucanthemum,  1;  vom  Majoran,  9. 
04.  Von  der  Anemone  oder  dem  Phrenion,  10. 

95.  Von  der  Oenanthe,  6. 

96.  Vom  Heliochrysum,  11. 

97.  Von  der  Hyacinthe,  8. 

98.  Von  der  Lychnis,  7. 

99.  Von  der  Vincapervinca,  4. 

100.  Vom  Ruscmn,  3. 

101.  Von  der  Batis,  2.     Acinos. 

102.  Von  der  Colocasia,  2. 

103.  Vom  AnthylHum  oder  Anthylluni,  6. 

104.  Vom  Parthenium  oder  Leucanthes  oder  Amnacum,  8. 

105.  Vom  Trychnon  oder  Stiychnon  oder  Halicacabuni  oder  Callion 

oder  Dorycnium  oder  Manicon  oder  Perisson  oder  Neuras  oder 
Morion  oder  Moly,  8. 

106.  Vom  Corchorus,  6. 

107.  Von  der  Persoluta,  1. 

108.  Erklärung  der  griechischen  Namen  der  Gewichte  und  Maasse. 
Zusammen:  730  Arzneimittel,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Der  Censor  Cato,  M.  Varro,  Massurius,  Antias,  C«pio,  Vestinus, 
Vibius  Rufinus,  Hyginus,  Pomponius  Mela,  Pomponius  Lenseus,  Corn. 
Celsus,  Calpurnius  Bassus,  C.  Valgius,  Licinius  Macer,  Sextius  Niger 
der  in  griechischer  Sprache  geschrieben  hat,  Julius  Bassus  desgleichen, 
Antonius  Castor. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Theophrastus,  Democritus,  Orpheus,  Pythagoras,  Mago,  Menander 
welcher  nützliche  Bemerkungen  für  das  Leben  geschrieben  hat,   Ni- 
cander,  Homerus,  Hesiodus,  Musaeus,  Sophocles,  Anaxilaus. 

Von  Aerzten: 
Mnesitheus  der  über  die    Kränze  geschrieben  hat,    Calliniachus 
desgleichen,  der  Physiker  Phanias,  Simus,  Timaristus,  Hippocrates, 
Chrysippus,  Diocles,  Ophelion,  Heraclides,  Hicesius,  Dionysius,  Apol- 


78  Erstes  Buch. 

lodorus  von  Citium,  Apollodorus  von  Tarent,  Praxagoras,  Plistonicus, 
Medius,  Dieuches,  Cleophantus,  Philistion,  Asclepiades,  Cratevas,  Pe- 
tronius,  Diodotus,  Jollas,  Erasistratus,  Diagoras,  Andreas,  Mnesis,  Da- 
mion,  Dalion,  Sosrmenes,  Tlepolemus,  Metrodorus,  Solon,  Lycus,  die 
Olympiasvon  Theben,  Philinus,  Petrichus,  Micton,  61aucias,Xenocrates. 


Zweiimdzwanzigstes  Buch. 

Von  dem  Ansehn  undWerthe  der  Kräuter  und  Feldfrüchte. 
1  u.  2.  Völker,  welche  sich  der  Kräuter  ihrer  Gestalt  wegen  bedienen. 

3.  Vom  Färben  der  Kleider  mit  Kräutern;  vom  Sagmen,  der  Verbena 

und  Clarigatio. 

4.  "Von  dem  Kranze  aus  Gras  und  seiner  Seltenheit. 

5.  Welche  Personen  allein  damit  beschenkt  sind. 

6.  Wer  allein  als  Centurio  damit  bekränzt  ist. 

7.  Arzneien  von  den  übrigen  Kranzblumen. 

8.  Vom  Erynge  oder  Eryngium. 

9.  Vom  Hundertkopf,  30. 

10.  Vom  Acanum,  1. 

11.  Von  der  Glycyrrhiza  oder  Adipsus,  15. 

12.  Von  2  Arten  des  Tribulus,  12. 

13.  Von  der  Stcebe  oder  Pheos. 

14.  Von  2  Arten  der  Hippophye,  2. 

15.  Von  der  Urtica,  61. 

16.  Vom  Lamium,  7. 

17.  Von  2  Arten  des  Scorpionkrauts,  1. 

18.  Von  der  Leucacantha  oder  Phyllon  oder  Ischias  oder  Polygonatos,  4 

19.  Von  der  Helxine,  12. 

20.  Vom  Perdicium  oder  Parthenium  oder  Urceolaris  oder  Astericum,ll. 

21.  Von  2  Arten  des  Chamseleon  oder  Ixia  oder  Ulophonon  oder  Cy- 

nozolon,  12. 

22.  Vom  Coronopus. 

23.  Von  der  Anchusa,  14. 

24.  Von  der  Pseudoanchusa  oder  Echis  oder  Doris,  3. 

25.  Vom  Onochiles   oder  Arcebion  oder  Onochelis  oder  Rhexia  oder 

Enchusa,  30. 

26.  Von  3  Arten  der  Anthemis  oder  Leucanthemis  oder  Chamasmelum 

oder  Melanthium,  11. 

27.  Vom  Kraute  Lotus,  4. 

28.  Von  der  Lotometra,  2. 

29.  Von  2  Arten  des  Heliotropium  oder  Helioscopiurn  oder  Verrucaria, 

12.     Vom  Tricoccum  oder  Scorpiurum,  14. 

30.  Von  2  Arten  des  Callitrichum  oder  Adiantum  oder  Trichomanes 

oder  Polytrichum  oder  Saxifraga,  28. 


Erstes  Buch.  79 

31.  Von  der  Picris,  1;  vom  Thesium,  1. 

32.  Vom  Asphodelus,  51. 

33.  Vom  Alimum,  14. 

34.  Vom  Acanthus  oder  Psederos  oder  Melamphyllum,  5. 

35.  Vom  Bupleurum,  5. 

36.  Vom  Buprestis,  1. 

37.  Vom  Elaphoboscum,  9. 

38.  Vom  Scandix,  9.     Anthriscus. 

39.  Von  der  Jasione,  4. 

40.  Von  der  Caucalis,  12. 

41.  Vom  Sium,  11. 

42.  Vom  Silybum. 

43.  Vom  Scolymum  oder  Limonium,  5. 

44.  Von  2  Arten  des  Sonchus,  15. 

45.  Vom  Condrillum  oder  der  Condrille,  6. 

46.  Von  den  Boleten  und  ihrer  eigenthümlichen  Entstehungsweise. 

47.  Von  den  Pilzen;   Kennzeichen  der  giftigen  und  9   Arzneien  aus 

diesen. 

48.  Vom  Silphium,  7. 

49.  Vom  Laser,  39. 

50.  Vom  Stopfwachs,  5;  vom  Honig,  16. 

51.  Durch  welche  Speisen  auch  die  Sitten  sich  ändern. 

52.  Vom  Wassermeth,  18. 

53.  Vom  Weinmeth,  6. 

54.  Vom  Honigtranke,  3. 

55.  Vom  Wachse,  8. 

56.  Wider  die  Compositionen  der  Aerzte. 

57.  Arzneien  von  den  Feldfrüchten.    Vom  Siligo,   1;    vom    Triticum, 

1;  von  der  Spreu,  2;  vom  Far,  1;  von  der  Olyra  und  Arinca. 

58.  Von  den  Mehlarten,  28. 

59.  Von  der  Polenta,  8. 

60.  Vom  Staubmehle,  5;  vom  Mehlbrei,  1;  von  den  Papiermehl,  1. 

61.  Von  der  Alica,  6. 

62.  Von  der  Hirse,  6. 

63.  Vom  Panicum,  4. 

64.  Vom  Sesamum,  7;  Sesamoides,  3;  Anticyricum,  3. 

65.  Von  der  Gerste,  9;    von  der  Mauergerste,    die  bei  den  Griechen 

phönizisches  Kraut  heisst,  1. 

66.  Von  der  Ptisane,  4. 

67.  Vom  Stärkmehl,  8;  vom  Hafer,  1. 
68   Vom  Brote,  21. 

69.  Von  der  Bohne,  16. 

70.  Von  der  Linse,  17;  von  der  Sumpflinse,  3. 

71.  Von  dem  Elelisphacus  oder  Sphacus  oder  Salvia,  13. 


£0  Erstes  Buch. 

72.  Von  der  Kichererbse,  23. 

73.  Von  der  Erve,  20. 

74.  Von  der  Wolfsbohne,  35. 

75.  Vom  Irio  oder  Erysimum,  welches  die  Gallier  Vela  nennen,  15. 

76.  Vom  Horminum,  6. 

77.  Vom  Lolium,  5. 

78.  Vom  Hirsetod,  1. 

79.  Vom  Bromus,  1. 

80.  Von  der  Orobanche  oder  Cynomorium,   1. 

81.  Von   den  Thierchen    auf  den  Hülsenfrüchten,   und    den   Mitteln 

dagegen. 

82.  Von  dem  Getränke  Zythus  und  von  dem  Biere. 

Zusammen:  906  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Dieselben  wie  im  vorigen  Buche  und  ausserdem  noch:  Chrysermus, 
Eratosthenes  und  Alcseus. 


Dreiundzwanzigstes  Buch. 

Arzneimittel  von  den  cultivirten  Bäumen. 
1  und  2.  Von  den  Weinstöcken,  30. 

3.  Von  den  Weinblättern  und  Weinranken,  7. 

4.  Vom  Omphacium  aus  Trauben,  14. 

5.  Von  der  Oenanthe,  21. 

6.  Von  den  reifen  und  frischen  Trauben. 

7.  Von  3  Arten  eingemachter  Trauben,  14. 

8.  Von  den  Traubenstielen,  1. 

9.  Von  den  Traubenkernen,  6. 

10.  Von  den  Weinbeerhülsen,  8. 

11.  Von  der  Theriaktraube,  4. 

12.  Von  den  Rosinen  oder  Astaphides,  14. 

13.  Von  der  wilden  Astaphis  oder  Staphis  oder  Taminia  oder  Pitui- 

taria.  12. 

14.  Von  der  Labrusca  oder  wilden  Rebe,  12. 

15.  Vom  Sahcastrum,  12. 

16.  Von  der  Vitis  alba  oder  Ampeloleuke  oder  Ophiostaphylos  oder 

Melothros    oder    Psilothros,    Archezostis   oder   Cedrostis    oder 
Mados,  35. 

17.  Von  der  Vitis  nigra  oder  Bryonia  oder  Chironia  oder  Gynajcanthe 

oder  Apronia,  35. 

18.  Vom  Moste.  15. 

19.  Vom  Weine. 


Erstes  Buch.  81 

20.  Vom  surrentinischen  Weine,  3;  vom  albanischen,    2;  vom  faler- 

nischen,  6  Arzneien. 

21.  Vom .  setinischen,  1;  vom  statanischen,  1;  vom  siguinischen,  1. 

22.  Von  den  übrigen  Weinen,  64. 

23.  Wiederum  von  Weinen,  61. 

24.  Welchen  Kranken,  wann  und 

25.  Wie  er  gereicht  werden  soll,  91.    Bemerkungen  dazu. 

26.  Von  den  gekünstelten  Weinen. 

27.  Vom  Essig,  28. 

28.  Vom  Meerzwiebelessig,  17. 

29.  Vom  Sauerhonig,  7. 

30.  Vom  gekochten  Moste,  12. 

31.  Von  der  Weinhefe,  12. 

32.  Von  der  Essighefe,  17. 

33.  Von  der  Hefe  des  gekochten  Mostes,  4. 

34.  Von  den  Blättern  des  Oelbaumes,  23. 

35.  Von  der  Blüthe  desselben,  4;  vom  Baume  selbst,  6. 

36.  Von  den  weissen  Oliven,  4;  von  den  schwarzen,  3. 

37.  Von  der  Amurca,  21. 

38.  Von  den  Blättern  des  wilden  Oelbaums,  23. 

39.  Von  dem  Omphacium  aus  Oliven,  3. 

4°.  Von  dem  Oele  aus  den  Trauben  des  wilden  Weinstocks  und  von 
allen  Oelen,  28. 

41.  Vom  Oele  des  Cici-Baumes,  16. 

42.  Vom  Mandelöle,  16. 

43.  Vom  Lorbeeröle,  6. 

44.  Vom  Myrtenöle,  20. 

45.  Vom  Zwerg-  oder  Spitzmyrtenöle,  Cypressenöle,  Citronenöle,  Nuss- 

öle,  Gnideröle,  Mastixöle  und  Dattelöle. 

46.  Vom  Cyprusöle,  16;  vom  Gleucinusöle,  1. 

47.  Vom  Balsamöle,  15. 

48.  Vom  Oele  des  Malobathrum,  8. 

49.  Vom  Bilsenöle,  2;  Wolfsbohnenöle,   l;  Narcissenöle ,   1;  Rettig- 

öle,   5;    Sesamöle,   3,  Lilienöle,   3;  selgitischen  Oele,    1;  igu- 
vischen  Oele,  1. 

50.  Vom  Honigöle,  2;  vom  Pechöle,  2. 

51.  Von  den  Palmen,  9. 

52.  Von  der  Myrobalane,  3. 

53.  Von  der  Palme  Elate,  16. 

54.  Arzneien  aus  den  Blüthen,   Blättern,  Früchten,  Aesten,  Rinden, 

Säften,  Hölzern,  Wurzeln  und  der  Asche  der  einzelnen  Arten. 
Von  den  Aepfeln,  6;  den  Quitten,  22;  den  Sperlingsäpfeln,  1. 

55.  Von  den  süssen  Aepfeln,  6;  den  sauren,  5. 
55.  Von  den  Citronen,  5. 


g2  Erstes  Buch. 

57.  Von  den  Granatäpfeln,  26. 

58.  14  Mundarzneien. 

59.  Vom  Cytinus,  8. 

60.  Von  der  Granatblüthe,  12. 

61.  Vom  wilden  Granatbaum. 

62.  Von  den  Birnen,  13. 

63.  Von  den  Feigen,  111. 

64.  Von  den  wilden  Feigen,  42. 

65.  Vom  Kraute  Erineus,  3. 

66.  Von  den  Pflaumen,  4. 

67.  Von  den  Pfirsichen,  2. 

68.  Von  der  wilden  Pflaume,  2. 

69.  Von  der  Baumflechte  oder  dem  Limus,  2. 

70.  Von  den  Maulbeeren,  39. 

71.  4  Mundarzneien. 

72.  Von  den  Kirschen,  5. 

73.  Von  den  Mispeln,  2;  den  Ariesbeeren,  2. 

74.  Von  den  Piniennüssen,  13. 

75.  Von  den  bittern  Mandeln,  29. 

76.  Von  den  süssen  Mandeln,  1. 

77.  Von  den  welschen  Nüssen,  24. 

78.  Von  den  Haselnüssen,  3;  von  den  Pistacien,  8;  Kastanien  5. 

79.  Vom  Johannisbrote,  5;  von  der  Kornelkirsche,  1;  vom  Unedo.. 

80.  Von  den  Lorbeeren,  69. 

81.  Von  der  Myrte,  60. 

82.  Von  dem  Myrtidanum,  13. 

83.  Von  der  wilden  Myrte,  6. 

Zusammen:  1418  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
C.  Valgius,  Pompejus  Lenseus,  Sextius  Niger  der  in  griechischer- 
Sprache  geschrieben  hat,  Julius  Bassus  desgleichen,  Antonius  Castor, 
M.  Varro,  Com.  Celsus,  Fabianus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Theophrastus,  Democritus,  Orpheus,  Pythagoras,  Magon,  Menan- 
der  welcher  nützliche  Bemerkungen  für  das  Leben  geschrieben  hat, 
Nicander,  Homer,  Hesiodus,  Musseus,  Sophocles,  Anaxilaus. 

Von  Aerzten: 
Mnesitheus,  Callimachus,  Phanias,  Timaristus,  Simus,  Hippocra- 
tes,  Chrysippus,  Diocles,  Ophelion,  Heraclides,  Hicesius,  Dionysius, 
Apollodorus  von  Citium,  Apollodorus  von  Tarent,  Plistonicus,  Medius, 
Dieuches,  Cleophantus,  Philistion,  Asclepiades,  Cratevas,  Petronius 
Diodotus,  Jollas,  Erasistratus,  Diagoras,  Andreas,  Mnesis,  Epicharmus,. 


Erstes  Buch.  83 

Damion,  Dalion,  Sosimenes,  Tlepolemus,  Metrodorus,  Solon,  Lycus, 
die  Olympias  von  Theben,  Philinus,  Petrichus,  Micton,  Glaucias, 
Xenocrates. 


Yierundzwanzigstes  Buch. 

Arzneimittel  von  den  wilden  Bäumen. 

1.  Von  der  Feindschaft  und  Freundschaft  zwischen  den  Bäumen  und 

Kräutern. 

2.  Vom  italischen  Lotus,  6  Arzneien. 

3.  Von  der  Eiche,  13. 

4.  Von  der  Kermesbeere,  3. 

5.  Von  den  Galläpfeln,  23. 

6.  Von  der  Mistel,  11. 

7.  Von  den  Kügelchen,  1  und  der  Cerr-Eiche,  8. 

8.  Von  der  Korkeiche,  2. 

9.  Von  der  Buche,  4. 

10.  Von  der  Cypresse,  23. 

11.  Von  der  Ceder,  13. 

12.  Von  der  Cederfrucht,  10. 

13.  Vom  Galbanum,  23. 

14.  Vom  Ammoniakum,  24. 

15.  Vom  Styrax,  10. 

16.  Vom  Spondylium,  17. 

17.  Vom  Sphagnum,  5. 

18.  Von  der  Terebinthe,  6. 

19.  Von  der  Rothtanne  und  dem  Lärchenbaume,  8. 

20.  Von  der  Feldcypresse,  10. 

21.  Von  der  Pityusa,  6. 

22.  Von  den  Harzen,  22. 

23.  Vom  Pech  (und  Theer),  34. 

24.  Vom  (Theer -und)  Theeröl,  16. 

25.  Vom  Asphaltpech,  2. 

26.  Von  der  Zopissa,  1. 

27.  Vom  Tsedabaume,  1. 

28.  Vom  Matixbaume,  22. 

29.  Von  der  Platane,  25. 

30.  Von  der  Esche,  5. 

31.  Vom  Ahorn,  1. 

32.  Von  der  Pappel,  8. 

33.  Von  der  Ulme,  16. 

34.  Von  der  Linde,  5;  vom  wilden  Oelbaume,  1. 

35.  Vom  Hollunder,  15. 

36.  Vom  Wachholder,  21. 

6* 


84 


Erstes  Buch. 


37.  Von  der  Weide,  14;  von  der  amerinischen  Weide,  1. 

38.  Vom  Keuschbaurne,  33. 

39.  Von  der  Erica,  1. 

40.  Von  der  Genista,  5. 

41.  Von  der  Myrica  oder  Tamariske,  3. 

42.  Von  der  Brya,  29. 

43.  Von  der  Blutruthe,  1. 

44.  Vom  Siler,  3. 

45.  Vom  Ligustrum,  8. 

46.  Von  der  Erle,  1. 

47.  Vom  Epheu,  39. 

48.  Vom  Cissus,  5. 

49.  Vom  rothen  Cissus,   2;"vom  Zwergcissus,  2;  der  Smilax,   3;   der 

Clematis,  18. 

50.  Vom  Schilfe,  1. 

51.  Von  der  Papierstaude,  2. 

52.  Vom  Ebenbaume,  5. 

53.  Vom  Rhododendron,  1. 

54.  Vom  Rhus,  8  Arzneien  und  1  Mundarznei. 

55.  Vom  rothen  Rhus,  9. 

56.  Von  der  Färberröthe,  11. 

57.  Von  dem  Alyssum,  2. 

58.  Von  dem  Struthion  oder  der  Radicula,  13 ;  vom  Apocynum,  2. 

59.  Vom  Rosmarin,  18. 

60.  Von  der  Cachrys. 
.61.  Von  der  Sabina,  7. 

62.  Von  der  Selago,  2. 

63.  Vom  Samolus,  2. 

64.  Vom  Gummi,  11. 

65.  Vom  ägyptischen  oder  arabischen  Dorngewächs,  4. 

66.  Von  dem  weissen  Dorngewächs,  2;  vom  Acanthium,  1. 

67.  Von  der  Acacie.  18. 

68.  Vom  Aspalathus,  1. 

69.  Erysisceptrum  oder  Adipsatheum  oder  Diachetum,  8. 

70.  Vom  Hängedom,  2;  vom  Pyracantha,  1. 

71.  Vom  Paliurus,   10. 

72.  Vom  Aquifolium,  1;  vom  Taxus,  1. 

73.  Von  den  Rubusarten,  51. 

74.  Vom  Cynosbatus,  3, 

75.  Vom  Rubus  idieus. 

76.  Von  2  Arten  des  Rhamnus,  5. 

77.  Vom  Lycium,  18. 

78.  Von  der  Sarcocolla,  2. 

79.  Von  der  Oporice,  2. 


Erstes  Buch.  85 

80.  Von  derTrixago  oder  Chamsedrys  oder  Chamserops  od.Teucrium,16. 

81.  Von  der  Chamsedaphne,  5. 

82.  Von  der  Chamselea,  6. 

83.  Von  der  Chamsesyce,  8. 

84.  Vom  Chamsecissus,  1. 

85.  Von  der  Chamaeleuce,  1. 

86.  Von  der  Chamarpeuce ,  5;    Chamsecyparissus,  2;  Ampeloprasum, 

6;  Stachys,  1. 

87.  Vom  Clinopodium,  3. 

88.  Vom  Centunculus,  3. 

89.  Von  der  Clematis  oder  Echite  oder  Scammonia  oder  Lago. 

90.  Von  der  ägyptischen  Clematis  oder  Daphnoides  od.Polygonoides,2. 

91.  Vom  Dracontium;  widersprechende  Ansichten  in  Bezug  auf  das 

Arum. 

92.  Vom  Arum,  13. 

93.  Vom  Dracunculus,  2. 

94.  Vom  Aris,  3. 

95.  Vom  Millefolium  oder  Myriophyllum,  7. 

96.  Vom  Pseudobunium,  4. 

97.  Von  der  Myrrhis  oder  Myrrha  oder  Myrrhiza,  7. 

98.  Von  der  Onobrychis,  3. 

99.  Von  den  Zauberkräutern.     Coracesia  und  Callicia. 

100.  Von  der  Minyas  oder  Corysidia,  1. 

101.  Von  der  Aproxis,  6. 

102.  Von  den  fabelhaften  Gewächsen,  welche  Democrit  beschrieben 

hat.  Aglaophotis  oder  Marmaritis ;  Achsemenis  oder  Hippopho- 
bas;  Theombrotium  oder  Semnium;  Adamantis;  Arianis;  The- 
rionarca;  Aethiopis  oder  Merois;  Ophiusa;  Thalassegle  oder 
Potamacys;  Theangelis;  Gelotophyllis;  Hestiatoris  oder  Proto- 
media; Casignete  oder  Dionysonymphas;  Helianthes  oder  Helio- 
caUis;  Hermesias;  Aeschynomene;  Crocis;  Oenotheris;  Anacamp- 
seros. 

103.  Von  der  Eriphia. 

104.  Von  dem  wolligen  Kraute,  1;  von  der  Lactoris,  1;  der  Mihtaris,  1. 

105.  Von  der  Stratiotes,  5. 

106.  Von  dem  Kraute  auf  dem  Haupte  einer  Bildsäule,  1. 

107.  Von  dem  Kraute  in  Flüssen,  1. 

108.  Von  dem  Zungenkraute,  1. 

109.  Von  dem  Siebkraute,  1. 

110.  Von  dem  Kraute  auf  Misthaufen,  1. 

111.  Von  dem  Kraute,  neben  welches  die  Hunde  pissen,  1. 

112.  Von  dem  Rodarum,  3. 

113.  Von  der  Impia. 

114.  Vom  Venuskamme,  1. 


gg  Erstes  Buch. 

115.  Vom  Exedum  oder  der  Nodia,  2. 

116.  Von  dem  Philanthropus,  1. 

117.  Vom  Tordylum  oder  Syreum,  3. 

118.  Von  dem  Grase,  17. 

119.  Vom  Dactylus,  5. 

120.  Vom  Fcenum  grsecum  oder  Silicia,  31. 

Zusammen:  1176  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

C.  Valgius,  Pompejus  Lenseus,  Sextius  Niger  welcher  in  griechi- 
scher Sprache  geschrieben  hat,  Julius  Bassus  desgleichen,  Antonius 
Castor,  Cornelius  Celsus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 

Theophrastus ,  Apollodorus,  Democritus,  Orpheus,  Pythagoras, 
Magon,  Menander  der  nützliche  Bemerkungen  für  das  Leben  geschrie- 
ben hat,  Nicancler,  Homer,  Hesiodus,  Musseus,  Sophocles,  Anaxilaus. 

Von  Aerzten: 

Mnesitheus,  Callimachus,  Phanias,  Timaristus,  Simus,  Hippocrates, 
Chrysippus,  Diocles,  Ophehon,  HeracUdes,  Hicesius,  Dionysius,  Appol- 
lodorus  von  Citium,  Apollodorus  von  Tarent,  Praxagoras,  Plistonicus, 
Medius,  Dieuches,  Cleophantus,  PhiHstion,  Asclepiades,  Cratevas,  Pe- 
tronius  Diodotus,  Jollas,  Erasistratus,  Diagoras,  Andreas,  Mnesis,  Epi- 
charmus,  Damion,  Sosimenes,  Tlepolemus,  Metrodorus,  Solon,  Lycus, 
die  Olympias  von  Theben,  Philinus,  Petrichus,  Micton,  Glaucias,  Xe- 
nocrates. 


Fiinfuiidzwanzigstes  Buch. 

Von  der  Beschaffenheit,  dem  Ansehn  und  Werthe   der  wild- 
wachsenden Kräuter. 

1.  Von  dem  Ursprünge  ihres  Gebrauchs. 

2.  Welche  Personen  über  ihren  Gebrauch    in   lateinischer  Sprache 

geschrieben  haben. 

3.  Wann  die  Kenntniss  davon  zu  den  Römern  gelangt  ist. 

4.  Von  den  griechischen  Schriftstellern,  welche  Kräuter  abgebildet 

haben. 

5.  Welche  Griechen  zuerst  über  Kräuter  geschrieben  haben. 

6.  Kräuter,  welche  auf  wunderbare  Weise  entdeckt  sind;  warum  ihre 

Heilkräfte  wenig  benutzt  werden.    Von  der  Hundsrose,  2  Arz- 
neien; vom  Dracunculus-Stängel,  1;  von  d.  Kraute  Britannica,  5. 

7.  Welche  die  edlen  Kräuter  entdeckt  haben. 

8.  Von  dem  Moly,  3. 

9.  Vom  Dodecatheon,  1. 

10.  Von  der  Pieonia  oder  Pentorobus  oder  Glycysis,  1. 


Erstes  Buch.  87 

11.  Vom  Panax  oder  Asclepius,  2. 

12.  Vom  heraclischen  Panax,  3. 

13.  Vom  chironischen  Panax,  4. 

14.  Vom  centaurischen  oder  pharnacischen  Panax,  3. 

15.  Vom  siderischen  Heracleum,  4. 

16.  Vom  chironischen  Weinstocke,  1. 

17.  Von  2  Arten  des  Hyoscyamus  oder  Apollinaris  oder  Altercum,  3. 

18.  Von  2  Arten  des  Linozostis  oder  Parthenium  oder  Hermupoa  oder 

Mercurialis,  22. 

19.  Vom  achilleischen  Kraute  oder  Sideritis    oder  Millefolium    oder 

Panax  oder  Heracleus  oder  Scopa  regia,  6;  3  Arzneien. 

20.  Vom  Teucrium  oder  Hemionium  oder  Splenium,  2. 

21.  Drei    Arten    des    Melampodium    oder   Elleborus    oder  Veratrum. 

Wann  es  gesammelt  wird  und  welches  die  Kennzeichen  seiner 
Güte  sind. 
.22.  Von  dem  schwarzen,  24.    Von  seiner  Anwendungsweise. 

23.  Von  dem  weissen,  23. 

24.  88  Bemerkungen  über  beide  Arten. 

-25.  In  welchen  Fällen  der  Elleborus  nicht  gegeben  werden  soll. 

26.  Vom  Mithridatkraute,  2. 

27.  Vom  Scordotis  oder  Scordium,  4. 

28.  Von  der  Polemonia  oder  Philetseria  oder  Chiliodynama,  6. 

29.  Von  der  Eupatoria,  1. 

30.  Vom  Centaurium  oder  Chironium,  20. 

31.  Von   dem  Centaurium  leptum  oder  Libadium  oder  Erdgalle  oder 

Exacum,  22. 

32.  Von  dem  dreihodigen  Centaurium,  2. 

33.  Von  dem  Clymenus,  1. 

34.  Von  der  Gentiana,  13. 

35.  Von  der  Lysimachia,  8. 

36.  Von  der  Artemisia  oder  Parthenis  oder  Botrys  oder  Ambrosia,  5. 
-37.  Von  zwei  Arten  der  Nyinphsea  oder  Heracleum  oder  Rhopalum 

oder  Madium,  14. 

38.  Von  zwei  Arten  der  Euphorbia,  4. 

39.  Von  zwei  Arten  der  Plantago,  46. 

40.  Von  der  Buglossus  oder  Euphrosine,  2. 

41.  Von  der  Cynoglossus,  3. 

42.  Von  dem  Buphthalmus  oder  Cachla,  1. 

43.  Kräuter,  die  von  Völkern  entdeckt  sind;  vom  scythischen  Kraute,  3. 

44.  Von  der  Hippace,  3. 
.45.  Von  der  Ischa^mone,  2. 

46.  Von   der  Vettonica   oder   Serratula   oder   Cestrus    oder  Psycho- 

trophum,  48. 
-47.  "V' on  dem  cantahrischen  Kraute,  2. 


$g  Erstes  Buch. 

48.  Von  der  Consiligo,  1. 

49.  Von  der  Iberis,  7. 

50.  Kräuter,  welche  von  Thieren  aufgefunden  sind;  von  derCheIidonia,6. 

51.  Von  der  Canaria,  1. 

52.  Vom  Elaphoboscum  oder  Seseli. 

53.  Vom  Dictamnus,  8;  vom  falschen  Dictamnus  oder  Chondris.    An 

welchen  Orten  die  kräftigsten  Kräuter  wachsen.  Dass  man  in 
Arcadien  der  Kräuter  wegen,  welche  die  Thiere  fressen,  deren 
Milch  trinkt. 

54.  Von  der  Aristolochia  oder  Clematitis  oder  Cretica  oder  Plistolochia 

oder  vielwurzeligen  Lochia  oder  Erdapfel,  22. 

55.  Von  dem  Gebrauch  der  Kräuter  gegen  den  Biss  der  Schlangen. 

56.  Von  der  Argemonia,  4. 

57.  Vom  Agaricus,  33. 

58.  Von  3  Arten  des  Echius,  2. 

59.  Von  2  Arten  der  Hierabotane  oder  Peristereum  oder  Verbenaca,  10. 

60.  Von  der  Blattaria,  1. 

61.  Vom  Lemonium,  1. 

62.  Vom  Pentapetes  oder  Pentaphyllum  oder  Chamsezelum  oder  Quin- 

quefolium,  33. 

63.  Vom  Sparganium,  1. 

64.  Von  4  Arten  des  Daucus,  18. 

65.  Von  der  Therionarce,  2. 

66.  Von  der  Persolata  oder  Arciuni  8. 

67.  Vom  Cyclamen  oder  Erdknollen,  12. 

68.  Vom  epheuartigen  Cyclamen,  4. 

69.  Vom  niedrigen  epheuartigen  Cyclamen,  3. 

70.  Vom  Peucedanum,  28. 

71.  Vom  Ebulus,  6. 

72.  Von  der  Polemonia,  1. 

73.  Vom  Verbascum  oder  Phlomus,  15. 

74.  Von  der  Phlomis,  2.     Von  der  Lychnitis  oder  Thryallis. 

75.  Vom  Thelyphonum,  1. 

76.  Vom  Phrynium  oder  Neuras  oder  Poterium,  1. 

77.  Vom  Alisma  oder  Damasonium  oder  Lyrum,  17. 

78.  Vom  Peristereus,  6. 

79.  Mittel  gegen  Gifte. 

80.  Vom  Antirrhinum  oder  Anarrhinum  oder  Lychnis  agria,  3. 

81.  Von  der  Euplea,  1. 

82.  Von  2  Arten  des  Pericarpum,  2. 

83.  Mittel  gegen  Kopfkrankheiten;  von  der  heraclischen  Nymphsea,  2. 

Vom  Kraute  Polythrix. 

84.  Von  der  Lingulaca,  1. 

85.  Von  der  Cacalia  oder  Leontice,  3. 


Erstes  Buch.  8$ 

86.  Von  der  Callitrix,  1. 

87.  Vom  Hyssopus,  10. 

88.  Von  der  Lonchitis,  4. 

89.  Vom  Xiphium  oder  Phasganium,  4. 

90.  Vom  Psyllium    oder  Cynoides    oder  Crystallium  oder  Sicelicum 

oder  Cynomyia,  1;  Thysselinum,  16. 

91.  Augenmittel. 

92.  Von  zwei  Arten  der  Anagallis  oder  Corchorus  oder  Wildauge,  6. 

93.  Von  der  Aegilops,  2. 

94.  Von  2  Arten  der   Mandragora   oder   Circsea  oder  Morium    oder 

Hippophlomus,  24. 

95.  Von  der  Cicuta,  13. 

96.  Vom  wilden  Crethnius,  1. 

97.  Von  der  Molybdsena  oder  Plumbago,  1. 

98.  Von  der  ersten  Capnus  oder  Hühnerfuss,  1. 

99.  Von  der  strauchigen  Capnus,  3. 

100.  Vom  Acorum  und  wilden  Acorum,  14. 

101.  Von  2  Arten  des  Cotyledon,  61. 

102.  Vom    grossen    Aizoon    oder  Buphthalmum    oder  Zoophthalmum 

oder  Stergethrum  oder  Hypogesum  oder  Ambrosia  oder  Ame- 
rimnum  oder  grossen  Sedum  oder  Auge  oder  Fingerchen,  31; 
vom  kleinen  Aizoon  oder  Erithales  oder  Trithales  oder  Chryso- 
thales  oder  Isoetes,  32. 

103.  Von  der  wilden  Andrachne  oder  lllecebra,  32. 

104.  Mittel  gegen  Krankheiten  der  Nase. 

105.  Mittel  gegen  Zahnschmerzen. 

106.  Vom  Erigeron  oder  Pappus  oder  Acanthis  oder  Senecio,  8. 

107.  Vom  Ephemerum,  2. 

108.  Vom  Labrum  Venereum,  1. 

109.  Von  4  Arten   des  Batrachium    oder  Ranunculus  oder  Strumea. 

oder  Strumus,  14. 

110.  2  Mittel  gegen  übelriechenden  Athem. 

Zusammen:  1292  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
C.  Valgius,  Pompejus  Lenseus,  Sextius  Niger  welcher  in  griechi- 
scher Sprache  geschrieben  hat,   Julius  Bassus  desgleichen,  Antonius 
Castor,  Cornelius  Celsus,  Fabianus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Theophrastus,  Apollodorus,  Democritus,  Juba,  Orpheus,  Pythago- 
ras,  Magon,  Menander  welcher  nützliche  Bemerkungen  für  das  Leben 
geschrieben  hat,  Nicander,  Homerus,  Hesiodus,  Musseus,  Sophocles, 
Xanthus,  Anaxilaus. 

Von  Aerzten: 
Mnesitheus,  Callimachus,  Phanias,  Timaristus,  Simus,  Hippocra- 


<90  Erstes  Buch. 

tes,  Chrysippus,  Diocles,  Ophelion,  Heraclides,  Hicesius,  Dionysius, 
Apollodorus  von  Citium,  Apollodorus  von  Tarent,  Praxagoras,  Plisto- 
nicus,  Medius,  Dieuches,  Cleophantus,  Philistion,  Asclepiades,  Crate- 
vas,  Petronius  Diodotus,  Jollas,  Erasistratus,  Diagoras,  Andreas,  Mnesis, 
.Epicharmus,  Daniion,  Sosimenes,  Tlepolenrus,  Metrodorus,  Solon,  Ly- 
cus,  die  Olympias  aus  Theben,  Philinus,  Petrichus,  Micton,  Glaucias, 
Xenocrates. 

Seclisimdzwaiizigstes  Buch. 

Ton    den    übrigen  Arzneimitteln    aus  Kräutern,    nach  den 
verschiedenen  Krankheiten  zusammengestellt. 

1.  Von  neuen  Krankheiten. 

2.  Was  man  unter  Flechten  versteht. 

3.  Wann  man  sie  zuerst  in  Italien  kennen  gelernt  hat. 

4.  Vom  Karbunkel. 

5.  Von  der  Elephantiasis. 

6.  Von  der  Kolik. 

7.  Von  der  neuern  Arzneikunde.     Vom  Arzte  Asclepiades. 
-8.  Wie  er  die  alte  Arzneikunde  umschuf. 

9.  Einige  Worte  wider  die  Magier. 
.10.  Mittel  gegen  die  Flechte;  vom  Flechtenkraute,  5  Arzneien. 

11.  Wider  die  Bräune.    Von  der  Proseqiinaca,  1. 

12.  Wider  den  Kropf. 

13.  Von  der  Bellis,  2. 

14.  Vom  Condurdum,  1. 

15.  Wider  den  Husten. 

16.  Vom  Bechium  oder  Tussilago  oder  Chamseleuce,  3. 

17.  Von  der  Salvia,  4. 

18.  Wider  Schmerzen  der  Seite,  Brust  und  des  Magens. 

19.  Vom  Molum  oder  Syrum;  Amomum,  3. 

20.  Von  der  Ephedra  oder  Anabasis,  3. 

21.  Vom  Geuin,  3. 

22.  Für  die  Leber,  Nieren,  gegen  Erbrechen.     Vom  Tripoliuin,  3. 

23.  Von  der  Grompha^na, 
"24.  Vom  Malundrum,  2. 

25.  Vom  Chalcetum,  2;  vom  Molemonium,  1. 

26.  Vom  Halus  oder  Colonea,  5. 

•27.  Von  der  Chaxna?rops,  1;  von  der  Stoechas,  1. 

28.  Mittel  für  den  Unterleib. 

29.  Vom  Astragalus,  6. 

30.  Vom  Ladanum,  18. 

-31.  Von  der  Chondris  oder  dem  falschen  Dictamnus,  1;  von  2  Arten 
Hypocist  oder  Orobethrum,  8  Arzneien. 


Erstes  Buch.  91 

32.  Vom  Laver  oder  Sion,  2. 

33.  Vom  Potamogeton,  8.     Von  der  Statice,  3. 

34.  Von    der  Ceratia,  2;  vom  Leontopodium  oder  Leuceorum   oder 

Doripetrum  oder  Thoribetrum,  3;  Lagopus. 

35.  Vom  Epithymum  oder  Hippopheos,  8. 

36.  Vom  Pycnocomum,  4. 

37.  Vom  Polypodium,  3. 

38.  Vom  Scammonium,  8. 

39.  Vom  Tithymalus  cbaracias. 

40.  Vom  Tithymalus  myrsinites  oder  curyites,  21. 

41.  Vom  Tithymalus  paralius,  4. 

42.  Vom  Tithymalus  helioscopius,  18. 

43.  Vom  Tithymalus  cyparissias,  18. 

44.  Vom  Tithymalus  platyphyllus  oder  corymbites  oder  amygdalites,  3. 

45.  Vom  Tithymalus  dendroides  oder  cobius  oder  leptophyllus,  18. 

46.  Von  der  Apios  ischas  oder  dem  wilden  Rettig,  2. 

47.  Gegen  Bauchgrimmen. 

48.  Von  der  Heilung  der  Milz. 

49.  Gegen  Blasensteine  und  andere  Blasenübel. 

50.  Vom  Crethmum,  11;  und  dessen  Frucht  Cachrys. 

51.  Vom  Anthyllium,  2;  von  der  Anthyllis,  2. 

52.  Von  der  Cepsea,  1. 

53.  Vom  Hypericum  oder  Chamsepitys  oder  Corium,  9. 

54.  Von  dem  Coris  oder  Hypericum,  10. 

55.  Von  der  Callithrix,  1;  der  Perpressa,  1;  dem  Chrysanthemum,   1; 

der  Anthemis,  1. 

56.  Vom  Silaus. 

57.  Vom  Fulvischen  Kraute. 

58.  Krankheiten  der  Hoden  und  Lenden. 

59.  Vom  Schaamkraute  oder  Argemone. 

60.  Mittel  gegen  Geschwulste;  von  der  Chrysippea,  1. 

61.  Mittel  gegen  die  Begierde  zum  Beischlaf. 

62.  Von  der  Orchis  oder  Serapias,  5. 

63.  Vom  Satyrium,  3.     Vom  Satyrium  Erythraicum,  4. 

64.  Mittel  gegen  Podagra  und  andere  Fusskrankheiten. 

65.  Von  der  Lappago  oder  Mollugo,  1;  von  der  Asperugo,  1. 

66.  3  Arten  des  Seetangs;  von  der  Ochsenklette. 

67.  Mittel  gegen  Leiden  des  ganzen  Körpers. 

68.  Von  3  Arten  des  Geranium   oder  Myrrhis  oder  Myrtis,  6. 

69.  Von  der  Oenothera  oder  Onuris,  3. 

70.  Mittel  gegen  Epilepsie. 

71.  Mittel  gegen  Fieber. 

72.  Mittel  gegen  Wahnsinn,  Schlafsucht  und  Karbunkeln. 

73.  Für  Wassersüchtige.     Von  der  Acte  oder  Ebulus.     Chamaeacte. 


92  Erstes  Buch. 

74.  Gegen  die  Rose. 

75.  Zur  Heilung  von  Verrenkungen. 

76.  Gegen  Gelbsucht. 

77.  Gegen  Furunkeln. 

78.  Gegen  Fistelschäden. 

79.  Gegen  Saftanhäufungen  und  Verhärtungen. 

80.  Gegen  Brandschäden. 

81.  Für  die  Sehnen  und  Gelenke. 

82.  Gegen  Blutfluss. 

83.  Von  3  Arten    der   Hippuris    oder    Ephedra   oder  Anabasis   oder 

Equisetuni,  18. 

84.  Vom  Stephanomelis. 

85.  Gegen  Bruch  und  Verrenkungen. 

86.  Gegen  die  Läusekrankheit. 

87.  Gegen  Geschwüre  und  Wunden. 

88.  Vom  Polycnemum,  1. 

89.  Zur  Vertreibung  der  Warzen  und  Heilung  von  Narben. 

90.  Mittel  gegen  weibliche  Krankheiten. 

91.  Vom  Arsenogonum,  1;  vom  Thelygonum,  1. 

92.  Vom  Mastus,  1. 

93.  Für  die  Kopfhaare.    Von  der  Lysiniachia;  von  der  Ophrys,  1. 

Zusammen:  1019  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,    C.  Valgius,   Pompejus  Lenseus,    Sextius  Niger  der  in 
griechischer  Sprache  geschrieben  hat,  Julius  Bassus  desgleichen,  An- 
tonius Castor,  Cornelius  Celsus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 

Theophrastus ,  Apollodorus,  Democritus,  Juba,  Orpheus,  Pytba- 
goras,  Magon,  Menander  der  nützliche  Bemerkungen  für  das  Leben 
geschrieben  hat,  Nicander,  Homerus,  Hesiodus,  Musseus,  Sophocles, 
Xanthus,  Anaxilaus. 

Von  Aerzten: 

Mnesitheus,  Callimachus,  Phanias,  Timaristus,  Simus,  Hippocrates, 
Chrysippus,  Diocles,  Ophelion,  Heraclides,  Hicesius,  Dionysius,  Apol- 
lodorus von  Citium,  Apollodorus  von  Tarent,  Praxagoras,  Plistonicus, 
Medius,  Dieuches,  Cleophantus,  Philistion,  Asclepiades,  Cratevas,  Pe- 
tronius  Diodotus,  Jollas,  Erasistratus,  Diagoras,  Andreas,  Mnesis, 
Epicharmus,  Damion,  Tlepolemus,  Metrodorus,  Solon,  Lycus,  die 
Olympias  von  Theben,  Philinus,  Petrichus,  Micton,  Glaucias,  Xeno- 
crates. 


Erstes  Buch.  93 

Siebenundzwanzigstes  Buch. 

Von  den  übrigen  Kräutern  und  ihrer  arzneilichen  An- 
wendung. 

1.  Vom  Fleisse  der  Alten  in  dieser  Beziehung. 

2.  Vom  Aconitum  oder  Thelyphonum  oder  Myoctonum  oder  Cam- 

marum. 

3.  Vom  äthiopischen  Kraute,  4. 

4.  Vom  Ageratum,  4. 

5.  Von  der  Aloe,  29. 

6.  Von  der  Alcea,  29. 

7.  Vom  Alypum,  1. 

8.  Von  der  Alsine  oder  Myosotus,  oder  Helxine,  5. 

9.  Von  der  Androsace,  6. 

10.  Vom  Androssemum  oder  Ascyrum, 

11.  Von  der  Ambrosia  oder  Botrys  oder  Artemisia,  3. 

12.  Von  der  Anonis  oder  Ononis,  5. 

13.  Vom  Anagyrus  oder  Atopus,  3. 

14.  Von  dem  Kraute  ohne  Namen,  2. 

15.  Von  der  Aparine  oder  Omphacocarpus  oder  Philantropus  3. 
IG.  Von  dem  Arctium  oder  Arcturum,  5. 

17.  Vom  Asplenium  oder  Hemionium,  2. 

18.  Von  der  Asclepias,  5. 

19.  Vom  Aster  oder  Bubonium,  3. 

20.  Vom  Ascyrum  oder  Ascyroides  oder  Androssemum,  3. 

21.  Von  der  Aphaca,  3. 

22.  Vom  Alcibium,  1. 

23.  Vom  Alectorolophus  oder  Christa,  2. 

24.  Vom  Alum  oder  Symphytum  petrseum,  14. 

25.  Von  der  rothen  Alge,  1. 

26.  Von  der  Actsea,  1. 

27.  Vom  wilden  Weinstock,  11. 

28.  Von  4  Arten  des  Absinthium,  48. 

29.  Vom  Meer-Absinthium  oder  Seriphium. 

30.  Von  der  Ballota  oder  dem  schwarzen  Porrum,  3. 

31.  Von  der  Botrys  oder  Ambrosia  oder  Artemisia,  1. 

32.  Von  der  Brabyla,  1. 

33.  Vom  Bryum  marinum,  5. 

34.  Vom  Bupleurum,  1. 

35.  Von  der  Catanance,  1 ;  vom  Cemus,  1. 

36.  Von  der  Calyx,  1. 

37.  Von  der  andern  Calyx  oder  Anchusa  oder  Onoclea,  2. 

38.  Von  der  Circaea,  3. 

39.  Vom  Cirsiura,   1. 


94  Erstes  Buch. 

40.  Von  2  Arten  des  Cratseogonum,  8. 

41.  Vom  Crocodilium  2. 

42.  Von  der  Cynosorchis  oder  Orchis,  4. 

43.  Von  2  Arten  des  Chrysolachanum,  3;  vom  Coagulum  terra?,  2„ 

44.  Von  dem  Culicus  oder  Strumus  oder  Strychnos,  6. 

45.  Von  der  Conferva,  2. 

46.  Vom  Coccum  Gnidium,  2. 

47.  Vom  Dipsacus,  3. 

48.  Vom  Dryopteris,  2. 

49.  Vom  Dryophonum,  1. 

50.  Von  der  Elatine,  2. 

51.  Vom  Empetrus  oder  Calcifraga,  4. 

52.  Von  der  Epipactis  oder  Elleborine,  2. 

53.  Vom  Epimedium,  3. 

54.  Vom  Enneaphylluni,  3. 

55.  2  Arten  der  Filix,  Pteris,  Blechnos,  Thelypteris  oder  Pteris  nym- 

pha?a,  11. 

56.  Vom  Femur  bubulum, 

57.  Von  der  Galeopsis  oder  Galeobdolon  oder  Galium,  6. 

58.  Von  der  Glaux,  1. 

59.  Vom  Glaucium,  3;  vom  Collyrium,  2. 

60.  Von  der  Glycysis  oder  Pseonia  oder  Pentorobum,  20. 

61.  Vom  GnaphaKum  oder  Chameezelum,  6. 

62.  Von  der  Gallidraga,  1. 

63.  Vom  Holcus  oder  Aristis. 

64.  Von  der  Hyoseris,  1. 

65.  Vom  Holosteum,  3. 

66.  Vom  Hippophsestum,  8. 

67.  Von  der  Hypoglossa,  1. 

68.  Vom  Hypecoum. 

69.  Von  der  Idsea,  4. 

70.  Vom  Isopyrum  oder  Phaseolus,  2. 

71.  Von  der  Lathyris,  2. 

72.  Vom  Leontopetalum  oder  Rhapeion,  2. 

73.  Vom  Lycapsus,  1. 

74.  Vom  Litbospermum  oder  Exonychum',  oder  Diospyrus  oder  He- 

racleum,  2. 

75.  Vom  Steinmoos,  1. 

76.  Vom  Limeum,  1. 

77.  Von  der  Leuce  oder  Mesoleuce  oder  Leucas,  3. 

78.  Von  der  Leucographis,  5. 

79.  Vom  Medium,  3. 

80.  Von  der  Myosota  oder  Myosotis,  3. 

81.  Vom  Myagrus,  1. 


Erstes  Buch.  9J> 

82.  Von  der  Nyma,  1. 

83.  Von  der  Natrix,  1. 

84.  Von  der  Odontites,  1. 

85.  Von  der  Othonna  oder  Anemone,  1. 

86.  Von  der  Onosma,  1. 

87.  Vom  Onopordon,  5. 

88.  Von  der  Osyris,  4. 

89.  Von  der  Oxys,  2. 

90.  Vom  Polyanthemum  oder  Batrachium,  3. 

91.  Von  4  Arten  des  Polygonum  oder  Thalassias  oder  Calligonum 

oder   Polygonatum   oder    Teuthalis    oder    Carcinethrum    oder 
Clema  oder  Myrtopetalum  oder  Sanguinaria  oder  Oreum,  40. 

92.  Vom  Pancratium,  12. 

93.  Von  der  Peplis  oder  Syce  oder  Meconium  aphrodes,  3. 

94.  Vom  Periclymenus,  5. 

95.  Vom  Pelicinum,  1. 

96.  Von  der  Polygala,  1. 

97.  Vom  Poterium  oder  Phryniuin  oder  Neuras,  4. 

98.  Vom  Phalangites  oder  Phalangiuni  oder  Leucantheinum  oder  Leu- 

cacantha,  4. 

99.  Vom  Phyteuma,  1. 

100.  Vom  Phyllum,  1. 

101.  Vom  Phellandrium,  2. 

102.  Von  der  Phalaris,  2. 

103.  Vom  Polyrrhizum  5. 

104.  Von  der  Proserpinaca,  5. 

105.  Von  der  Rheucyma,  36. 

106.  Von  der  Reseda,  2. 

107.  Von  der  Stcechas,  3. 

108.  Vom  Solanum  oder  Strychnos,  2. 

109.  Vom  Smyrnium,  32;  vom  Sinum,  2. 

110.  Vom  Telephium,  4. 

111.  Von  der  Trichoinanes,  5. 

112.  Vom  Thalictrum,  1. 

113.  Vom  Thlaspi  oder  persischen  Senf,  4. 

114.  Von  der  Traehinia,  1. 

115.  Von  der  Tragonis  oder  Tragium,  1. 

116.  Vom  Tragus  oder  Scorpio,  4. 

117.  Vom  Tragopogon  oder  Coma,  1. 

118.  Von  der  Dauer  der  Wirksamkeit  der  Kräuter. 

119.  Unter  welchen  Umständen  sie  am  wirksamsten  sind. 

120.  Von  den  verschiedenen  Krankheiten  der  Völker. 
Zusammen:  602  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 


9g  Erstes  Buch. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
C.  Valgius,  Pompejus  Lenseus,  Sextius  Niger  der  in  griechischer 
Sprache  geschrieben  hat,  Julius  Bassus  desgleichen,  Antonius  Castor, 
Cornelius  Celsus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Theophrastus ,   Apollodorus,   Democritus,  Aristogiton,    Orpheus, 
Pythagoras,   Mago,  Menander  welcher  über  nützliche  Gegenstände 
für  das  Leben  geschrieben  hat,  Nicander. 

Von  Aerzten: 
Mnesitheus,  Callimachus,  Timaristus,  Simus,  Hippocrates,  Chry- 
sippus,  Diocles,  Ophelion,  Heraclides,  Hicesius,  Dionysius,  Apollo- 
dorus von  Citium,  Apollodorus  von  Tarent,  Praxagoras,  Plistonicus. 
Medius,  Dieuches,  Cleophantus,  Philistion,  Asclepiades,  Cratevas, 
Petronius  Diodotus,  Jollas,  Erasistratus ,  Diagoras,  Andreas,  Mnesis, 
Epicharmus,  Damion,  Tlepolemus,  Metrodorus,  Solon,  Lycus,  die 
Olympias  von  Theben,  Philinus,  Petrichus,  Micton,  Glaucias,  Xeno- 
crates. 


Achtundzwanzigstes  Buch. 

Arzneimittel  von  den  Thieren. 
1  und  2.  Arzneien  vom  Menschen. 

3.  Ob  bei  der  Heilung  die  Worte  irgend  eine  Kraft  haben. 

4.  Dass  Wunderzeichen  als  Heilmittel  verordnet  und  dadurch    die 

Uebel  vertrieben  werden. 

5.  Von  ihrer  verschiedenen  Anwendungsweise. 

6.  226  Arzneien  und  Bemerkungen  von  Männern. 

7.  Vom  Speichel. 

8.  Vom  Ohrenschmalze. 

9.  Vom  Haupthaare,  den  Zähnen  etc. 

10.  Vom  Blute,  vom  Beischlafe  etc. 

11.  Arzneien  von  Todten. 

12.  Verschiedene  Erdichtungen  der  Magier. 

13.  Vom  Unrathe  des  Menschen. 

14.  Arzneimittel,    welche  vom  menschlichen  Geiste   ausgehen  (nicht 

materiell  sind). 

15.  Vom  Niesen. 

16.  Vom  Beischlafe. 

17.  Verschiedene  Arzneien. 

18.  Vom  Harne. 

19.  Anzeigen  des  Befindens  aus  der  Besichtigung  des  Harns. 

20.  41  Arzneien  von  weiblichen  Personen. 

21.  Von  der  Frauenmilch. 

22.  Von  dem  weiblichen  Speichel. 


Erstes  Buch.  97 

23.  Von  dem  Monatsflusse. 

24.  Von  fremden  Thieren;  vom  Elephanten,  8. 

25.  Vom  Löwen,  10. 

26.  Vom  Kameel,  10. 

27.  Von  der  Hyäne,  79. 

28.  Vom  Krokodil,  19;  vom  Krokodilkothe,  11. 

29.  Vom  Chamaeleon,  15. 

30.  Vom  Scincus,  4. 

81.  Vom  Flusspferde,  7. 

32.  Vom  Luchs,  5. 

33.  Allgemeine  Arzneien  von  wilden  Thieren  oder  von  zahmen  der- 

selben Art.     Vom  Gebrauche  der  Milch  nebst  54  Bemerkungen. 

34.  Von  den  Käsen,  12. 

35.  Von  der  Butter,  25. 

36.  Von  der  sauren  Milch. 

37.  Vom  Gebrauche  des  Schmalzes  nebst  52  Bemerkungen. 

38.  Vom  Talge. 

39.  Vom  Marke. 

40.  Von  der  Galle. 

41.  Vom  Blute. 

42.  Besondere  Arzneien  von  Thieren,    nach  den  Krankheiten  einge- 

theüt.  Gegen  die  Schlangen.  Von  den  Hirschen,  3;  von  den 
jungen  Hirschen;  vom  Ophion;  vom  wilden  Schweine,  12;  von 
den  Ziegen  und  Böcken,  46;  vom  Esel,  76. 

43.  Gegen  den  Biss  der  tollen  Hunde.     Vom  Kalbe,  58. 

44.  Gegen  Hexereien. 

45.  Gegen  Gifte. 

46.  Gegen  Kopfübel;  gegen  Glatzen. 

47.  Gegen  Augenübel. 

48.  Gegen  Ohrenübel. 

49.  Gegen  Zahnübel. 

50.  Gegen  Fehler  des  Gesichts. 

51.  Gegen  geschwollene  Mandeln  und  Kröpfe.     Von  der  Seife. 

52.  Gegen  Schmerzen  im  Genick. 

53.  Gegen  Husten  und  Blutauswurf. 

54.  Gegen  Magenschmerzen. 

55.  Gegen  Schmerzen  der  Leber  und  gegen  schweres  Athemholen. 

56.  Gegen  Schmerzen  der  Lenden. 

57.  Für  die  Milz. 

58.  Für  den  Unterleib. 

59.  Gegen  Stuhlzwang,  Würmer  und  Kolik. 

60.  Bei  Blasenleiden  und  Blasensteinen. 

61.  Bei  Fehlern  an  den  Geschlechtstheilen  und  am  Hintern. 

62.  Beim  Podagra  und  andern  Fussübeln. 

7 


98  Erstes  Buch. 

63.  Gegen  Epilepsie. 

64.  Gegen  Gelbsucht. 

65.  Bei  Knochenbrüchen. 

66.  Gegen  Fieber. 

67.  Bei  Melancholie,  Schlafsucht,  Schwindsucht. 

68.  Bei  "Wassersucht. 

69.  Gegen  die  Rose  und  gegen  Schleimergüsse. 

70.  Bei  Verrenkungen,  Verhärtungen  und  Furunkeln. 

71.  Bei  Brandschäden.    Von  dem  Ochsenleime  und  7  Arzneien  daraus. 

72.  Bei  Schmerzen  der  Sehnen  und  bei  Contusionen. 

73.  Zum  Stillen  des  Blutes. 

74.  Bei  Geschwüren  und  Krebsschäden. 

75.  Gegen  Krätze. 

76.  Zum  Ausziehen  dessen,  was  im  Körper  steckt  und  für  Narben. 

77.  Bei  weiblichen  Krankheiten. 

78.  Bei  Kinderkrankheiten. 

79.  Bei  Träumen  und  Schweiss. 

80.  Mittel  bei  Liebeswerken  und  gegen  die  Trunkenheit. 

81.  Wunderbare  Dinge  von  Thieren.    Vom  wilden  Schweine,  12  Arz- 

neien; vom  zahmen,  9;  vom  Hirsche,  3;  vom  Wolfe,  27;  vom 
Bären,  24;  vom  wilden  Esel,  12;  vom  zahmen,  76;  vom  Esels- 
füllenkothe,  3;  vom  wilden  Pferde,  11;  vom  Füllen,  1;  vom 
zahmen  Pferde,  42;  vom  Pferdekäse,  1;  vom  wilden  Ochsen,  2; 
vom  zahmen,  81;  von  der  Kuh,  53;  vom  Kalbe,  59;  vom  Hasen, 
64;  vom  Fuchse,  20;  vom  Dachse,  2;  von  der  Katze,  5;  von  der 
Ziege,  46;  vom  Bocke,  31;  vom  jungen  Bocke,  21. 
Zusammen:  1682  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,   L.  Piso,    Fabianus,  Valerius  Antias,  Verrius  Flaccus, 
der  Censor  Cato,  Servius  Sulpicius,  Licinius  Macer,  Celsus,  Massurius, 
Sextius  Niger  der  in  griechischer  Sprache  geschrieben  hat,   Bythus 
von  Dyrrachium,  der  Arzt  Opilius,  der  Arzt  Granius. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Democritus,  Apollonius  der  über  die  Salben  geschrieben  hat, 
Miletus,  Artemon,  Sextilius,  Antaeus,  Homerus,  Theophrastus,  Lysi- 
machus,  Attalus,  Xenocrates,  Orpheus  der  über  besondere  Natur- 
bildungen geschrieben  hat,  Archelaus  desgleichen,  Demetrius,  Sotiras, 
die  Lais,  die  Elephantis,  die  Salpe,  die  Olympias  aus  Theben,  Dio- 
timus  aus  Theben,  Jollas,  Andreas,  Marcion  von  Smyrna,  der  Arzt 
Aeschines,  Hippocrates,  Aristoteles,  Metrodorus  Scepsius,  der  Arzt 
Icetidas,  der  Arzt  Apelles,  Hesiodus,  Dalion,  Csecilius  Bion  der  über 
die  Kräfte  geschrieben  hat,  Anaxilaus,  König  Juba. 


Erstes  Buch.  99 

Neunundz wanzigstes  Buch. 

Arzneimittel  von  den  übrigen  Thieren,  welche  entweder 
zu  den  nicht  zahmen  oder  zu  den  wilden  gehören. 

1.  Vom  Ursprünge  der  Heilkunst. 

2.  Von  Hippocrates,  wann  die  Klinik  und  wann  die  Salbenheilkunst 

zuerst  betrieben  ist. 

3.  Von  Chrysippus  und  Erasistratus. 

4.  Von  der  empirischen  Arzneikunst. 

5.  Von  Herophilus    und    den    übrigen  berühmten  Ärzten.     Wie   oft 

das  Prinzip  der  Arzneikunst  geändert  ist. 

6.  Wer  und  wann  der  erste  Arzt  in  Rom  war. 

7.  Urtheil  der  Römer  über  die  alten  Ärzte. 

8.  Schattenseiten  der  Arzneikunst. 

9.  Von  der  Wolle,  35  Arzneien. 

10.  Von  dem  Oesipum,  32. 

11.  Von  den  Eiern,  22. 

12.  Von  den  Eiern  der  Schlangen. 

13.  Von  der  Bereitung  des  Commagenum,  4  Arzneien  daraus. 

14.  Arzneien  vom  Hunde. 

15.  Arzneien  nach  den  Krankheiten  eingetheilt.     Gegen  den  Biss  der 

Schlangen.     Von  der  Maus. 

16.  Vom  Wiesel. 

17.  Von  den  Wanzen. 

18.  Von  den  kleinen  Giftschlangen. 

19.  Vom  Basilisk. 

20.  Vom  Drachen. 

21.  Von  der  Viper. 

22.  Von  den  übrigen  Schlangen. 

23.  Vom  Salamander. 

24.  Mittel  von  Vögeln  gegen  die  Schlangen.    Vom  Geier. 

25.  Von  den  Hühnervögeln. 

26.  Von  den  übrigen  Vögeln. 

27.  Von  den  giftigen  und  übrigen  Spinnen. 

28.  Von  den  Stellionen. 

29.  Von  verschiedenen  Insecten. 

30.  Von  den  Canthariden. 

31.  Wider  einige  Gifte. 

32.  Wider  den  Biss  der  tollen  Hunde. 

33.  Wider  die  übrigen  Gifte. 

34.  Wider  die  Glatzen. 

35.  Wider  Nisse  und  Grind. 

36.  Wider  Schmerzen  und  Wunden  des  Kopfes. 

37.  Für  die  Augenbrauen. 


100  Erstes  Buch. 

38.  Wider  Fehler  der  Augen. 

39.  Wider  Schmerzen  und  Fehler  der  Ohren. 

40.  Wider  Ohrengeschwüre. 

Zusammen:  621  Arzneien,  Erzählungen  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,    L.  Piso,    Verrius  Flaccus,    Antias,   Nigidius,    Cassius 
Hemina,   Cicero,  Plautus,   Celsus,   Sextius  Niger  der  in  griechischer 
Sprache    geschrieben   hat,   der  Arzt   Ca3cilius,   Scipio  Metellus,    der 
Dichter  Ovidius,  Licinius  Macer. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Homerus,  Aristoteles,  Orpheus,  Democritus,  Anaxilaus,Palaephatus. 

Von  Aerzten: 
Botrys,  Apollodorus,  Archidemus,  Aristogenes,  Xenocrates,  Dio- 
dorus,    Democrates,    der    Philosoph   Chrysippus,    Horus,    Nicander, 
Apollonius  von  Pitanaea. 


Dreissigstes  Buch. 

Die  übrigen  Arzneimittel  von  diesen  Thieren. 

1.  Vom  Ursprünge  der  Magie. 

2.  Wann  und  von  wem  sie  gegründet   ist;    welche   Personen   sich 

vorzüglich  mit  ihr  befasst  haben. 

3.  Ob  sie  in  Italien  geübt  worden  ist;  wann  zuerst  der  Senat  ver- 

boten hat,  Menschen  zu  opfern. 

4.  Von  den  Druiden  der  Gallier. 

5.  Von  den  Arten  der  Magie. 

6.  Von  den  Ausflüchten  der  Magier. 

7.  Urtheil  der  Magier  über  die  Maulwürfe;  5  Arzneien  von  letztern. 

8.  Gegen  Zahnschmerzen. 

9.  Gegen  den  Geruch  aus  dem  Munde  und  gegen  Mundgeschwüre. 

10.  Gegen  Flecken  im  Gesichte. 

11.  Gegen  Krankheiten  des  Schlundes. 

12.  Gegen  Bräune  und  Kröpfe. 

13.  Gegen  Schmerzen  der  Schultern. 

14.  Gegen  Schmerzen  in  den  Praecordiis. 

15.  Gegen  Magenschmerzen. 

16.  Gegen  Leberschmerzen  und  Blutspeien. 

17.  Für  die  Milz. 

18.  Gegen  Schmerzen  der  Seite  und  Lenden. 

19.  Gegen  Dysenterie. 

20.  Gegen  Darmgicht  und  sonstige  Unterleibsübel. 

21.  liegen  Blasensteine. 


Erstes  Buch.  101 

22.  Gegen  Uebel  des  Afters  und  der  Schaam. 

23.  Gegen  Podagra  und  andere  Fusskrankheiten. 

24.  Gegen  Krankheiten  des  ganzen  Körpers. 

25.  Gegen  Erkältungen. 

26.  Gegen  Lähmungen. 

27.  Gegen  Epilepsie. 

28.  Gegen  Gelbsucht. 

29.  Gegen  Wahnwitz. 

30.  Gegen  Fieber. 

31.  Gegen  Wassersucht. 

32.  Gegen  die  Rose. 

33.  Gegen  Karfunkeln. 

34.  Gegen  Furunkeln. 

35.  Gegen  Brandschäden. 

36.  Gegen  Nervenleiden. 

37.  Gegen  Fehler  der  Nägel  und  Finger. 

38.  Zum  Blutstillen. 

39.  Gegen  Geschwüre  und  Wunden. 

40.  Gegen  Knochenbrüche. 

41.  Gegen  Narben  und  Leberflecke. 

42.  Zum  Ausziehen  dessen,  was  im  Körper  steckt. 

43.  Gegen  weibliche  Krankheiten. 

44.  Zur  Beförderung  der  Entbindung. 

45.  Zur  Erhaltung  der  Brüste. 

46.  Zur  Vertreibung  der  Haare. 

47.  Gegen  Kinderkrankheiten. 

48.  Gegen  Träume. 

49.  Gegen  die  Sucht  des  Beischlafs. 

50.  Gegen  die  Läusesucht  nebst  andern  vermischten  Arzneien. 

51.  Gegen  Trunkenheit. 

52.  Merkwürdige  Dinge  von  Tbieren. 

53.  Sonstige  Wunder. 

Zusammen:  854  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,  Nigidius,  M.  Cicero,  Sextius  Niger  der  in  griechischer 
Sprache  geschrieben  hat,  Licinius  Macer. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Eudoxus,  Aristoteles,  Hermippus,  Homerus,  Apion,  Orpheus,  De- 
mocritus,  Anaxilaus. 

Von  Aerzten: 
Botrys,  Horus,  Apollodorus,  Menander,  Archidemus,  Aristogenes, 
Xenocrates,  Diodorus,  Chrysippus,  Nicander,  Apollonius  von  Pitansea. 


102  Erstes  Buch. 

Einunddrei  ssigstes  Buch. 

Arzneimittel  von  dem  Wasser. 

1.  Wunderbare  Dinge  vom  Wasser.    | 

2.  Verschiedenheiten  des  Wassers.     I  266  Bemerkungen. 

3.  Arzneien  davon. 

4.  Welches  Fruchtbarkeit  hervorbringt  und  Raserei  heilt. 

5.  Welches  bei  Steinbeschwerden  gut  ist. 

6.  Welches  Wunden  heilt. 

7.  Welches  die  Leibesfrucht  anhält. 

8.  Welches  Leberflecken  vertreibt. 

9.  Welches  Einfluss  auf  die  Farbe  der  Wolle  hat. 

10.  Was  es  bei  den  Menschen  bewirkt. 

11.  Welches  Wasser  das  Gedächtniss  stärkt  und  welches  Vergessen- 

heit macht. 

12.  Welches  die  Sinne  schärft,    welches  Stumpfheit  und  welches  die 

Stimme  zum  Singen  geschickt  macht. 

13.  Welches  Ekel  vor  Wein  erzeugt  und  welches  betrunken  macht. 

14.  Welches  die  Stelle  des  Oels  vertritt. 

15.  Welches  salzig  und  bitter  schmeckt. 

16.  Welches  Felsen  fortgeschleudert  hat;  welches  Lachen  und  Weinen 

bewirkt;  welches  die  Liebeswuth  heilen  soll. 

17.  Wasser,  das  nach  dem  Schöpfen  die  Wärme  3  Tage  lang  behält. 

18.  Wunderbare  Erzählungen  vom  Wasser;  in  welchem  alles  und  in 

welchem  nichts  untergeht. 

19.  Wasser,  das  tödtlich  wirkt-,  von  giftigen  Fischen. 

20.  Welches  zu  Stein  wird  oder  Steine  erzeugt. 

21.  Von  der  Heilsamkeit  des  Wassers. 

22.  Von  seinen  Verunreinigungen. 

23.  Von  der  Güte  des  Wassers. 

24.  Von  der  Aqua  Marcia. 

25.  Von  der  Aqua  Virgo. 

26.  Wo  man  Wasser  vermuthen  kann. 

27.  Merkmale,  dass  sich  irgendwo  Wasser  befindet. 

28.  Unterschied  des  Wassers  nach  dem  Erdreiche. 

29.  Beschaffenheit  des  Wassers  nach  den  Jahreszeiten. 

30.  Geschichtliche  Bemerkungen  über  Wasser,   was  plötzlich  hervor- 

gekommen und  wieder  verschwunden  ist. 

31.  Von  der  Leitung  des  Wassers. 

32.  Wie  man  die  Mineralwässer  gebrauchen  soll. 

33.  Vom  Gebrauche  des  Meerwassers.   Was  uns  die  Schifffahrt  nützt. 

34.  Wie  man  sich  Meerwasser  mitten  im  Lande  machen  kann. 

35.  Bereitung  des  Meerwassermeths. 
56.  Bereitung  des  Wassermeths. 


Erstes  Buch.  103 

37.  Mittel,  sich  auf  Seereisen  trinkbares  Wasser  zu  verschaffen. 

38.  6  Arzneien  vorn  Wassermoose.    Arzneien  vom  Sande. 

39.  204  Bemerkungen  von  den  Salzarten,   ihren  Zubereitungen   und 

Arzneien. 

40.  Von  der  Salzsoole. 

41.  120    geschichtliche   Bemerkungen   von   der    Vortrefflichkeit    des 

Salzes. 

42.  Von  der  Salzblüthe,  20  Arzneien;  von  der  Salsugo,  2. 

43.  Vom  Garum,  15. 

44.  Von  der  Alex,  8. 

45.  Von  der  Natur  des  Salzes;  vom  Salzschaume. 

46.  221  Bemerkungen  von  den  Nitruui- Arten,    ihren   Zubereitungen 

und  Arzneien. 

47.  92  Arzneien  und  Bemerkungen  von  den  Schwämmen. 

Zusammen:  924  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

M.  Varro,  Cassius  von  Parma,  Cicero,  Mucianus,  Cselius,  Celsus, 
Trogus,  Ovidius,  Polybius,  Somatius. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Callimachus,  Ctesias,  Eudicus,  Theophrastus,  Eudoxus,  Theopom- 
pus,  Polycritus,  Juba,  Lycus,  Apion,  Epigenes,  Pelops,  Apelles,  Demo- 
critus,  Thrasyllus,  Nicander,  der  Schauspieler  Menander,  Attalus,  Sal- 
lustius  Dionysius,  Andreas,  Niceratus,  Hippocrates,  Anaxilaus. 


Zweiunddreissigstes  Buch. 

Arzneimittel  von  den  Wasserthieren. 

1.  Grösste  Kraft  der  Natur  in  der  Antipathie.    Vom  Schiffshalter. 

2.  Vom  Zitterfische,  7  Arzneien. 

3.  Vom  Seehasen,  5. 

4.  Wunderbare  Erzählungen  vom  rothen  Meere. 

5.  Von  der  Schlauheit  und  dem  Verstände  der  Fische. 

6.  Merkwürdige  Eigenthümlichkeiten  der  Fische. 
"  7.  Wo  sie  aus  der  Hand  fressen. 

8.  Wo  sie  auf  den  Ruf  erscheinen  und  wo  man  von  Fischen  weis- 

sagende Antworten  ertheilt. 

9.  Wo  die  Fische  bitter,   wo  sie  salzig,   wo  sie  süss  sind,   und  wo 

sie  einen  Laut  von  sich  geben. 

10.  Wann  zuerst  Seefische  gebraucht  worden  sind.   Eine  Verordnung 

des  Königs  Numa  über  die  Fische. 

11.  43  Arzneien  und  Bemerkungen  von  den  Corallen. 


104  Erstes  Buch. 

12.  Von  der  Sympathie,  Antipathie  und  der  Feindschaft  der  Seethiere 

unter  einander.    Vom  Galeas,    15;    vom  Mullus,    15  und  vom 
Pastinak,  8. 

13.  Von  den  Thieren,  welche  auf  dem  Lande  und  im  Wasser  leben. 

66  Arzneien  und  Bemerkungen  von  dem  Castoreum. 

14.  Von  der  Schildkröte,  66  Arzneien  und  Bemerkungen. 

15.  Mittel  von  Wasserthieren,  nach  den  Krankheiten  eingetheilt. 

16.  Wider  Gift  und  Giftmischerei.   Vom  Goldfisch,  4;  vom  Seesteme,  7. 

17.  Gegen   den  Biss    der  Schlangen   und  Hunde  und  gegen  andere 

giftige  Thiere.    Vom   Seedrachen,  3;    von    den   eingesalzenen 
Fischen,  15;  von  den  Sarden,  |;  vom  Cybium. 

18.  Vom  Seefrosch,  6;  vom  Flussfrosch,  52;  vom  Laubfrosch;  32  Be- 

merkungen darüber. 

19.  Von    der    Wasserschlange,  6.    Vom    Flusskrebse,    14.    Von    den 

Flussschnecken,  7.    Von  den  rabenschwarzen  Fischen,  4.   Von 
dem  Meerschweine,  2. 

20.  Vom  Seekalbe,    10;    der  Mursene   1;    dem  Seepferdchen  1;    dem 

Seeigel  11. 

21.  Von  den  Arten  der  Auster,  59  Bemerkungen  und  Arzneien. 

22.  Von  dem  Seetange,  2. 

23.  Gegen  Glatzen,    zum  Färben  der  Kopfhaare  und  gegen  Kopfge- 

schwüre dienen:  das  Seepferd,  die  Seemaus,   der  Seescorpion, 
die  Blutsauger  etc. 

24.  Für  die  Augen  und  Augenlider:  Fischfett,    der  CaUionymus,    die 

Galle  des  Coracinus,  die  Sepien,  Ichthyocolla  etc. 

25.  Bei  Fehlern  der  Ohren:    die  Batia,  der  Bacchus  oder  Myxon,  die 

Seeläuse. 

26.  Bei  Zahnschmerzen:  der  Hai  etc. 

27.  Bei  Flechten  und  Flecken  im  Gesichte:  der  Delphin,  die  Coluthia 

oder  Corythia,  das  Halcyoneum,  der  Thunfisch  etc. 

28.  Bei  Kröpfen,  Geschwüren  hinter  den  Ohren,   Bräune  und  Krank- 

heiten  des  Schlundes:     der  Mama,    Scolopender,    Saurus,    die 
Muscheln,  der  Silurus  etc. 

29.  Gegen  Husten  und  Brustübel. 

30.  Bei  Schmerzen  der  Leber  und  Seite :  der  Strombus  oder  die  lange 

Muschel,  die  Tethea  etc. 

31.  Gegen  Unterleibsbeschwerden:  der  Meerkohl,  Myax,  Mitulus,  Pe- 

loris,  Seriphium,  Maena,  Erythinus  etc. 

32.  Gegen  Milz-,  Stein-  und  Blasenschmerzen:    der  Solea,  Rhombus, 

Blendea,  Seenessel,  Seelunge,  Onyx  etc. 

33.  Bei  Darmbruch  und  Leiden  des  Afters:  die  Wasserschlange,  der 

Mugil,  Pelamis  etc. 

34.  Gegen  Fettbeulen  und  gegen  Fehler  an  der  Schaam:  der  Scisena, 

Perca,  Squatina,  Smaris  etc. 


Erstes  Buch.  105 

35.  Bei  Unenthaltsamkeit  des  Hams:  das  Ophidion  etc. 

36.  Bei  Podagra  und  andern  Fussleiden:  der  Biber,  das  Bryon  etc. 

37.  Gegen  Epilepsie. 

38.  Gegen  Fieber:  der  Asellus,  Phagrus,  Wallfisch  etc. 

39.  Gegen  Schlafsucht,  Schwindsucht  und  Wassersucht. 

40.  Gegen  Brandschäden  und  die  Rose. 

41.  Gegen  Fehler  der  Nerven. 

42.  Zum  Stillen  und  Ausziehen  des  Blutes:  der  Polyp,  Blutigel  etc. 

43.  Zum  Ausziehen  dessen  was  im  Körper  steckt. 

44.  Bei  Geschwüren,  Krebsschäden  und  Karbunkeln. 

45.  Gegen  Warzen  und  rauhe  Nägel:  der  Glanus  etc. 

46.  Gegen  weibliche  Krankheiten:  der  Glauciscus  etc. 

47.  Zum  Wegbeitzen  der  Haare. 

48.  Gegen  Kinderkrankheiten. 

49.  Gegen  Trunkenheit:  der  Rubellio,  Aal,  die  Seetraube. 

50.  Zur  Verhinderung  sowie   zur  Erregung  der  Lust  des  Beischlafs: 

das  Flusspferd,  das  Krokodil  etc. 

51.  Gegen  Krankheiten  der  Thiere. 

52.  Von  den  übrigen  Wassergeschöpfen.    Adarca  oder  Calamochnus, 

Calamus,  Sepientinte  etc. 

53.  176  Namen  aller  im  Meere  lebenden  Thiere. 

54.  Die  im  Ovid  befindlichen  Namen. 

55.  Fische,  die  von  keinem  Schriftsteller  genannt  sind. 
Zusammen:  990  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Licinius  Macer,  Trebius  Niger,  Sextius  Niger  der  in  griechischer 
Sprache  geschrieben  hat,  der  Dichter  Ovidius,  Cassius  Hemina,  Mse- 
cenas,  Jacchus,  Sornatius. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Juba,   Andreas,    die  Salpe,    Apion,   Pelops,  Apelles,  Thrasyllus, 
Nicander. 


Dreiunddreissigstes  Buch. 

Von  den  Metallen. 

1.  Von  den  Metallen. 

2.  Vom  Golde. 

3.  Welches  seine  erste  Empfehlung  ist. 

4.  Vom  Ursprünge  der  goldenen  Ringe. 

5.  Von  der  Goldmenge  bei  den  Alten. 

6.  Von  dem  Rechte  goldene  Ringe  zu  tragen. 

7.  Von  den  Decurien  der  Richter. 

8.  Vom  Ritterstande. 

9.  Wie  oft  der  Name  des  Ritterstandes  geändert  ist. 


106  Erstes  Buch. 

10.  Von  goldenen  und  silbernen  Kriegsgeschenken. 

11.  Von  den  ersten  goldenen  Kränzen. 

12.  Von  dem  übrigen  Gebrauche  des  Goldes  bei  den  Frauen. 

13.  Von  den  Goldmünzen.    Wann  zuerst  Gold  und  Silber  geprägt  ist; 

wie  man  vorher  das  Kupfer  gebrauchte  und  welche  Geldsumme 
bei  der  ersten  Vermögensschätzung  die  grösste  gewesen  ist. 
Wie  oft  und  zu  welchen  Zeiten  sich  der  Werth  der  geprägten 
Kupfermünzen  geändert  hat. 

14.  Ueber  die  Sucht  nach  Gold. 

15.  Welche  Personen  am  meisten  Gold  und  Silber  besessen  haben. 

16.  Wann  zuerst  silberne   Geräthschaften  auf  dem  Kampfplatze   er- 

schienen.   Wann  Silber  auf  das  Theater  kam. 

17.  Zu  welchen  Zeiten  das  meiste  Gold  und  Silber  in  der  Schatzkam- 

mer des  römischen  Volkes  gewesen  ist. 

18.  Wann  die  vergoldeten  Zimmerdecken  aufgekommen  sind. 

19.  Warum  das  Gold  den  Vorzug  von  allen  andern  Metallen  hat. 

20.  Vom  Vergolden. 

21.  Vom  Auffinden  und  Fördern  des  Goldes. 

22.  Vom  Auripigment. 

23.  Vom  Electrum. 

24.  Von  den  ersten  goldenen  Statuen. 

25.  8  Arzneien  vom  Golde. 

26.  Von  der  Chrysocolla. 

27.  Ihre  Anwendung  in  der  Malerei. 

28.  7  Arzneien  von  der  Chrysocolla. 

29.  Von  der  Chrysocolla  der  Goldarbeiter  oder  der  Saterna  (Santerna). 

30.  Von  der  wunderbaren  Eigenschaft,  Metalle  unter  sich  zu  verbin- 

den und  zu  verarbeiten. 

31.  Vom  Silber. 

32.  Vom  lebendigen  Silber  (natürlichen  Quecksilber). 

33.  Vom  Stimmi  oder  Stibium  oder  Alabastrum  oder  Larbasum  oder 

Platyophthalmum. 

34.  7  Arzneien  davon. 

35.  Von  dem  Silberschaume.     6  Arzneien  davon. 

36.  Vom  Minium;  wie  heilig  es  bei  den  Alten  gehalten  wurde. 

37.  Von  seiner  Auffindung  und  seinem  Ursprünge. 

38.  Vom  Cinnabaris. 

39.  Vom  Gebrauche  des  Cinnabaris  und  Miniums  in  der  Malerei. 

40.  Arten  des  Miniums,  und  seine  Anwendung  in  der  Malerei. 

41.  Vom  (künstlich  bereiteten)  Quecksilber. 

42.  Von  der  Vergoldung  des  Silbers. 

43.  Von  den  Probirsteinen. 

44.  Arten  des  Silbers  und  Versuche  damit. 

45.  Von  den  Spiegeln. 


Erstes  Buch.  107 

46.  Vom  ägyptischen  Silber. 

47.  Von  übermässigen  Geldsummen.    Welche  Personen  die  grössten 

Schätze  gehabt  haben. 

48.  Wann  das  römische  Volk  zuerst  Geldgeschenke  ausgetheilt  hat. 

49.  Von  der  Verschwendung  in  silbernen  Gefässen. 

50.  Beispiele  von  Sparsamkeit  der  Alten  im  Silber. 

51.  Wann  zuerst  Silber  an  Betten  angebracht  ist. 

52.  Wann  zuerst  übermässig  grosse  Schüsseln,    wann  zuerst  Gestelle 

von  Silber,  wann  zuerst  Pauken  gemacht  sind. 

53.  Von  übermässig  theuren  Silbersachen. 

54.  Von  silbernen  Statuen. 

55.  Berühmte  Werke  und  Künstler  in  Silber. 

56.  Von  dem  Sil;  welche  Personen  zuerst  damit  malten  und  wie. 

57.  Vom  Bergblau 

58.  2  Arzneien  daraus. 

Zusammen:  1125  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

Kaiser  Domitian,  Corvinus,  L.  Piso,  Verrius,  M.  Varro,  C.  Nepos, 
Messala,  Junius  Gracchanus,  Atticus  Pomponius,  Mucianus,  Calvus 
Licinius,  Bocchus,  Fetialis,  Fenestella,  Valerius  Maximus,  Julius  Bas- 
sus  der  in  griechischer  Sprache  über  die  Arzneikunst  geschrieben  hat, 
Sextius  Niger  desgleichen. 

Von  fremden  Schriftstellern: 

Democritus,  Theophrastus,  Juba,  der  Historiker  Tiimeus  welcher 
über  die  metallischen  Arzneien  geschrieben  hat,  Heraclides,  Andreas, 
Diagoras,  Botrys,  Archidemus,  Dionysius,  Aristogenes,  Democles, 
Mnesides,  der  Arzt  Attalus,  Xenocrates  des  Zeno  Sohn,  Theomnestus, 
Nymphodorus,  Jollas,  Apollodorus,  Pasiteles  der  wunderbare  Arbeiten 
beschrieben  hat,  Antigonus  der  über  die  Kunst,  erhabene  und  ge- 
gossene Arbeiten  zu  machen,  geschrieben,  Mensechmus  desgleichen, 
Xenocrates  desgleichen,  Duris  desgleichen,  Menander  der  über  die 
Verfertiger  solcher  Arbeiten  geschrieben,  Heliodorus  der  über  die 
Tempelgeschenke  der  Atheniensergeschrieben,  Metrodorus  vonScepsis. 


Vierunddreissigstes  Buch. 

Von  den  Metallen  des  Erzes. 

1.  Von  den  Metallen  des  Erzes. 

2.  Arten  des  Erzes. 

3.  Vom  corinthischen  Erze. 

4.  Vom  delischen  Erze. 

5.  Vom  äginetischen  Erze. 


108  Erstes  Buch. 

6.  Von  den  Leuchtern. 

7.  Von  den  Zierrathen  der  Tempel  aus  Erz. 

8.  Von  den  erzenen  Tischen. 

9.  Welches   Götterbild  in   Rom  zuerst  aus  Erz   gemacht  ist.     Vom 

.Ursprünge  der  Bildsäulen  und  ihrem  Ansehn. 

10.  Arten  und  Gestalten  der  Bildsäulen.    Welche  Bildsäulen  zu  Rom 

mit  einem  Panzer  versehen  sind.     Welche  Bildsäulen  zu  Rom 
die  ersten  waren. 

11.  Welchen  Männern  zuerst  Bildsäulen  gesetzt,   welchen  sie  zuerst 

auf  einer  Säule  gesetzt  sind;  wann  man  die  Schiffsschnäbel  auf 
die  Rednerbühne  gebracht  hat. 

12.  Welchen  Fremden  zu  Rom  Bildsäulen  öffentlich  gesetzt  sind. 

13.  Welche  Reiterstatue  zuerst  zu  Rom  öffentlich  aufgestellt  ist,  und 

welchen  Frauen  in  Rom  dergleichen  öffentlich  gesetzt  sind. 

14.  Wann  alle  von  Privaten  und  Behörden  aufgestellten  Bildsäulen 

von  öffentlichen  Orten  weggeschafft  sind. 

15.  Welche  Bildsäule  zuerst  von  Fremden  öffentlich  gesetzt  ist. 

16.  Dass  schon  vor  langer  Zeit  Bilclgiesser  in  Italien  gewesen  sind. 

17.  Von  ungeheurem  Werthe  der  Bildnisse. 

18.  Von  den  berühmtesten  Riesenstatuen  in  Rom  etc. 

19.  366  berühmte  Arbeiten  und  Künstler  in  Erz. 

20.  Der  Unterschied    des  Erzes   und   seine  Mischung.     Vom  Pyrop 

und  dem  campanischen  Erze. 

21.  Von  der  Erhaltung  des  Erzes. 

22.  Von  der  Cadmia. 

23.  15  Arzneien  daraus. 

24.  Von  den  Erzschlacken,  der  Erzblüthe  und  den  Erzschuppen. 

25.  Von  dem  Stomoma;  47  Arzneien  aus  diesen  vieren. 

26.  Vom  Grünspan,  18. 

27.  Vom  Hieracium. 

28.  Von  der  Scolecia,  18. 

29.  Vom  Chalcitis,  7. 

30.  Vom  Sory,  3. 

31.  Vom  Misy,  13. 

32.  Vom  Chalcanthum  oder  der  Schusterschwärze,  16. 

33.  Vom  Pompholyx. 

34.  Vom  Spodos  oder  Spodium,  6. 

35.  Vom  Antispodos  oder  Antispodium,  15. 

36.  Vom  Spegma. 

37.  Vom  Diphryges. 

38.  Vom  servilischen  Drittelass. 

39.  Vom  Eisen. 

40.  Statuen  und  getriebene  Arbeit  aus  Eisen. 

41.  Der  Unterschied  des  Eisens  und  seine  Mischung. 


Erstes  Buch.  109 

42.  Von  dem  sogenannten  lebendigen  (magnetis  ch  gemachten)  Eisen. 

43.  Schutzmittel  gegen  das  Rosten  des  Eisens. 

44.  7  Arzneien  vom  Eisen. 

45.  14  Arzneien  vom  Eisenroste. 

46.  Vom  Eisenhammerschlage,   17.    Von  dem  flüssigen  Pflaster. 

4>7.  Von  den  Bleimetallen;   vom  weissen  Blei;   von  dem  doppelten 
Ursprünge  des  schwarzen  Bleies. 

48.  Vom  Stannum;  vom  Silberblei. 

49.  Vom  schwarzen  Blei. 

50.  15  Arzneien  vom  Blei. 

51.  Von  der  Bleischlacke,  15. 

52.  Spodium  vom  Blei. 

53.  Von  der  Molybdaena,  15. 

54.  Vom  Bleiweiss,  6. 

55.  Vom  Sandarak, 

56.  Vom  Arsenicum,  11. 

Zusammen:  915  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 
Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 

L.  Piso,  Antias,  Verrius,  M.  Varro,  Corn.  Nepos,  Messala,  Rufus, 
der  Dichter  Marsus,  Bocchus ,  Julius  Bassus  der  in  griechischer 
Sprache  über  Arzneikunst  geschrieben  hat,  Sextius  Niger  desgleichen, 
Fabius  Vestalis. 

Von  fremden  Schriftstellern : 

Democritus,  Metrodorus  von  Scepsis,  Mensechmus  der  über  die 
Kunst,  erhabene  und  gegossene  Arbeiten  zu  machen,  geschrieben 
hat,  Xenocrates  desgleichen,  Antigonus  desgleichen,  Duris  desglei- 
chen, Heliodorus  der  über  die  Tempelgeschenke  der  Athenienser  ge- 
schrieben, Pasiteles  der  wunderbare  Arbeiten  beschrieben,  Timseus 
der  über  die  metallischen  Arzneien  geschrieben,  Nymphodorus,  Jollas, 
Apollodorus,  Andreas,  Heraclides,  Diagoras,  Botrys,  Archidemus, 
Dionysius,  Aristogenes,  Democles,  Mnesides,  Xenocrates  des  Zeno 
Sohn,  Theomnestus. 


Fünfunddreissigstes  Buch. 

Von  der  Malerei  und  den  Farben. 

1.  Ehre  der  Malerei. 

2.  Ehre  der  Gemälde. 

3.  Wann  zuerst  Brustbilder  gemacht  und  öffentlich  ausgestellt  sind. 

4.  Wann  sie  in  Häusern  eingeführt  sind. 

5.  Vom  Ursprünge  der  Malerei;  von  dem  Malen  mit  einer  Farbe; 

von  den  ersten  Malern. 


HO  Erstes  Buch. 

6.  Alter  der  Malerei  in  Italien. 

7.  Von  den  römischen  Malern. 

8.  Wann  die  fremde  Malerei  zuerst  in  Rom  gewürdigt  ist. 

9.  Wann   und   durch   welche  Männer   die    Malerei   zuerst   in    Rom 

öffentlich  gewürdigt  ist. 

10.  Welche  Personen  ihre  Siege  in  Gemälden  aufgestellt  haben. 

11.  Von  der  Art  zu  malen. 

12.  Von   den  natürlichen  und  künstlichen  Farben  und  den  Farben 

zur  Malerei,  ausser  den  metallischen. 

13.  Von  der  sinopischen  Erde,  11  Arzneien  daraus. 

14.  Vom  Röthel  und  der  lemnischen  Erde,  4  Arzneien  aus  letzterer. 

15.  Von  der  ägyptischen  Erde. 

16.  Vom  Ocher.     3  Arzneien  vom  Röthel. 

17.  Vom  Leucophorum. 

18.  Von  der  paratonischen  Erde. 

19.  Von  der  melischen  Erde. 

20.  Von  dem  gebrannten  Bleiweiss. 

21.  Von  der  eretrischen  Erde.  6. 

22.  Vom  Sandarak. 

23.  Vom  Sandys. 

24.  Von  der  syrischen  Erde. 

25.  Von  dem  Atrament. 

26.  Von  der  Purpurfarbe. 

27.  Von  dem  Indigo,  3. 

28.  Von  der  armenischen  Farbe,  1. 

29.  Vom  appischen  Grün. 

30.  Von  der  Ringfarbe. 

31.  Welche  Farben  nicht  nass  aufgetragen  werden. 

32.  Mit  welchen  Farben  die  Alten  gemalt  haben. 

33.  Wann  zuerst  die  Kämpfe   der  Fechter  bildlich  dargestellt  sind. 

34.  Von  dem  Alter  der  Malerei.     405  berühmte  Gemälde   und  Maler. 

35.  Erster  Wettstreit  in  der  Malerei. 

36.  Welche  mit   dem   Pinsel  gemalt   haben,    was   ein  Ieder   in    der 

Malerei  erfunden  hat,  und  was  das   Schwierigste  in  der  Ma- 
lerei ist. 

37.  Von  den  Arten  der  Malerei. 

38.  Von  der  Beschwichtigung  des  Gesanges  der  Vögel. 

39.  Welche  enkaustisch  und  mit  dem  Pinsel  gemalt  haben. 

40.  Wer  zuerst  Zimmerdecken   gemalt  hat;    wann   zuerst  gewölbte 

Decken  gemalt  sind.    Ausserordentliche  Preise  für  Gemälde. 

41.  Von  der  enkaustischen  Malerei. 

42.  Von  bemalten  Kleidern. 

43.  Die  Erfinder  der  Plastik. 

44.  Wer  zuerst  Gesichter  und  andere  Bilder  abgenommen  hat. 


Erstes  Buch.  Hl 

45.  14  berühmteste  Künstler  der  Plastik. 
-46.  Arbeiten  aus  Thon. 

47.  Von  den  verschiedenen  Erden;  vom  puteolanischen  Staube  und 

anderen  Erdarten,  welche  zu  Stein  erhärten. 

48.  Von  den  geformten  Wänden. 

49.  Von  den  Ziegelsteinen. 

50.  Von  den  Arten  des  Schwefels;  14  Arzneien  daraus. 
,51.  Von  den  Arten  des  Erdpechs,  27. 

52.  Von  den  Arten  des  Alauns,  38. 

53.  Von  der  samischen  Erde,  3. 

54.  Arten  der  eretrischen  Erde. 

55.  Von  dem  Waschen  der  Erde  zum  medicinischen  Gebrauche. 

56.  Von  der  chiotischen  Erde,  3;  von  der  selirrasischen,  3;   von   der 

Pnigitis,  9;  von  der  Ampelitis,  4. 

57.  Vom  Gebrauche  der  Kreide  zu  Kleidern;  von  der  eimolischen,  8; 

von  der  sardischen,  der  umbrischen  und  von  der  Steinkreide. 

58.  Von  der  Silberkreide.     Mit   welcher  die  übermächtigen  Freige- 

lassenen bezeichnet  wurden. 

59.  Von  der  galatischen,  clupeischen,  balearischen  und  ebusitanischen 

Erde,  4. 
Zusammen:  956  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
Der  Redner  Messala,  der  alte  Messala,  Fenestella,  Atticus,   Ver- 
rius,  M.  Varro,  Corn.  Nepos,  Deculio,  Mucianus,  Melissus,  Vitruvius, 
Cassius,  Severus  Longulanus,   Fabius  Vestalis  der  über  die  Malerei 
geschrieben  hat. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Pasiteles,  Apelles,  Melanthius,  Asclepiodorus,  Euphranor,  Helio- 
dorus  welcher  die  Tempelgeschenke  zu  Athen  beschrieben  hat,  Me- 
trodorus  welcher  über  die  Baukunst  geschrieben  hat,  Democritus, 
Theophrastus ,  der  Grammatiker  Apion  welcher  über  die  Kenntniss 
der  Metalle  geschrieben  hat,  Nymphodorus,  Andreas,  Heraclides, 
Jollas,  Apollodorus,  Diagoras,  Botrys,  Archidemus,  Dionysius,  Aristo- 
genes,  Democles,  Mnesides,  Xenocrates,  Zeno,  Theomnestus. 


Sechsunddreissigstes  Buch. 

Von  den  Steinen. 

1.  Von  der  Verschwendung  in  Marmor. 

2.  Wer  zuerst  in  öffentlichen  Gebäuden  Marmor  angebracht  hat. 

3.  Wer  zuerst  in  Rom  Säulen  aus  fremdem  Marmor  gehabt  hat. 


112  Erstes  Buch. 

4.  Welche  Personen  zuerst  in  Bearbeitung   des  Marmors  berühmt 

waren  und  wann.     225  berühmte  Werke  und  Künstler  in  Mar- 
mor.   Das  carische  Mausoleum. 

5.  Wann   zuerst   der   Marmor    in   Gebäuden   in   Gebrauch    gekom- 

men ist. 

6.  Welche  zuerst  Marmor  geschnitten  haben  und  wann. 

7.  Wer  zuerst  in  Rom  die  Wände  damit  überdeckt  hat. 

8.  Wann  die  verschiedenen  Marmorarten  zu  Rom  in  Gebrauch  ge- 

kommen sind. 

9.  Wie  man  Mamior  schneidet;  von  dem  Sande,  mit  welchem  man 

ihn  schneidet. 

10.  Von  dem  naxischen  und  armenischen  Steine. 

11.  Vom  alexandrinischen  Marmor. 

12.  Vom  Onyx  und  dem  Alabastrites,  6  Arzneien  davon. 

13.  Vom  lygdinischen,  corallitischen,  alabandischen,  thebischen  und 

syenitischen  Steine. 

14.  Von  den  Obelisken. 

15.  Von  dem,  welcher  als  Sonnenzeiger  auf  dem  Marsfelde  steht. 

16.  Andere  wunderbare  Werke.    Von  den  Pyramiden. 

17.  Von  der  ägyptischen  Sphinx. 

18.  Vom  Pharus. 

19.  Von  den  Labyrinthen. 

20.  Von  den  hängenden  Garten  und  einer  hängenden  Stadt. 

21.  Von  dem  Tempel  der  Diana  zu  Ephesus. 

22.  Andere  merkwürdige  Tempel. 

23.  Von  dem   flüchtigen   Steine.     Von    dem   siebenfachen  Echo    zu 

Cyzicum.     Von  Gebäuden  ohne  Nägel,  auch  zu  Rom. 

24.  18  bewunderungswürdige  Werke  in  Rom. 

25.  Vom  Magnetsteine,  3  Arzneien. 

26.  Vom  scyrischen  Steine. 

27.  Vom  sarkophagischen  Steine  zu  Assus,  10. 

28.  Von  dem  Chernites  und  Porus. 

29.  Von  knochenartigen  und  handförmigen  Steinen;  von  dem   täna- 

rischen  und  caranischen  Steine;  vom  schwarzen  Marmor. 

30.  Von  den  Mühlsteinen.    Von  den  Feuersteinen,  7. 

31.  Vom  Ostracites,  4. 

32.  Vom  Gaeodes,  3. 

33.  Vom  Melitites,  6. 

34.  Vom  Gagates,  6. 

35.  Vom  Schwammsteine,  6. 

36.  Vom  phrygischen  Steine. 

37.  Vom  Blutsteine,  5;  vom  Schiefer,  7. 


Erstes  Buch.  113 

38.  Vom  äthiopischen  Steine;  dem  Androdamas,  2;  dem  arabischen; 

dem  Miltites  oder  Hepatites,  dem  Anthracites. 

39.  Vom  Adlersteine;  vom  taphiusischen  Steine  und  dem  Callimus. 

40.  Vom  samischen  Steine,  8. 

41.  Vom  arabischen  Steine,  6. 

42.  Vom  Bimssteine,  9. 

43.  Von  den  Mörsern  zu  Arzneien  und  anderen  Dingen.     Von  etesi- 

sischen,  thebaischen  und  hagelartigen  Steinen. 

44.  Vom  siphnischen  und  den  weichen  Steinen. 

45.  Vom  Spiegelsteine. 

46.  Vom  Leuchtsteine. 

47.  "Von  den  Wetzsteinen. 

48.  Von  den  Tofsteinen. 

49.  Von  den  Kieselsteinen. 

50.  Von  den  übrigen  Bausteinen. 

51.  Von  der  Zusammenfügung  der  Steine. 

52.  Von  den  Cisternen. 

53.  Vom  Kalke. 

54.  Von  den  Arten  des  Sandes.    Von  der  Mischung  des   Sandes  mit 

Kalk. 

55.  Von  den  Fehlern  im  Bauen.    Von  den  Tünchwerken. 

56.  Von  den  Säulen  und  ihren  Arten. 

57.  5  Arzneien  vom  Kalke. 

58.  Von  der  Maltha. 
*9.  "Vom  Gypse. 

£0.  Von  den  Aestrichen.    Von  dem  sogenannten  ungefegten  Hause. 

61.  Wann  in  Rom  der  erste  Aestrich  gemacht  ist. 

62.  Von  den  Aestrichen  unter  freiem  Himmel. 

63.  Von  den  griechischen  Aestrichen. 

■64.  Wann    zuerst  Musivarbeit   und    wann    zuerst  gläserne    gewölbte 
Decken  gemacht  sind. 

65.  Ursprung  des  Glases. 

66.  Seine  Arten  und  wie  sie  dargestellt  werden. 

67.  Von  dem  obsidianischen  Glase.     Hsematinon. 

68.  Wunderbare  Dinge  vom  Feuer. 

69.  3  Arzneien  von  dem  Feuer  und  der  Asche. 

70.  Wunderzeichen  auf  einem  Heerde. 

Zusammen:  434  Arzneien,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.  Varro,  Cselius,  Galba,  Cincius,  Mucianus,  Com.  Nepos,  L.  Piso, 
Q.  Tubero,   Seneca,  Fabius  Vestalis,  Annius  Fetialis,  Fabianus,  der 
Censor  Cato,  Vitruvius. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
Theophrastus,  Pasiteles,  König  Juba,  Nicander,  Sotacus,  Sudines, 

8 


114  Erstes  Buch. 

Alexander  Polyhistor,  Apion,  Plistonicus,  Durides,  Herodotus,  Euhe- 
merus,  Aristagoras,  Dionysius,  Artemidorus,  Butoridas,  Antisthenes,. 
Demetrius,  Demoteles,  Lyceas. 


Siefoenunddreissigstes  Buch. 

Von  den  Edelsteinen. 

1.  Ursprung  der  Edelsteine. 

2.  Von  dem  Edelsteine  des  Tyrannen  Polycrates. 

3.  Von  den  Edelsteinen  des  Pyrrhus. 

4.  Von  den  berühmtesten  Steinschneidern. 

5.  Von  der  ersten  Edelsteinsammlung  in  Rom. 

6.  Von  den  Edelsteinen,  welche  in  dem  Triumphe  des  M.  Pompejus- 

mitgebracht  sind. 

7.  Wann  zuerst  die  mun-hinischen  Geschirre  gemacht  sind,  und  von 

der  Verschwendung  damit. 

8.  Von  der  Beschaffenheit  der  murrhinischen  Geschirre. 

9.  Von  dem  Krystall  und  den  Arzneien  daraus. 

10.  Von  der  Verschwendung  in  Krystall. 

11.  Vom  Bernsteine;  was  die  Schriftsteller  Falsches  von  ihm  berichtet 

haben. 

12.  Arten  des  Bernsteins  und  6  Arzneien  daraus. 

13.  Vom  Luchssteine,  2. 

14.  Von  den  Edelsteinen  nach  ihren  Hauptfarben. 

15.  6  Arten  des  Diamants;  2  Arzneien  daraus. 

16.  Von  den  Smaragden. 

17.  12  Arten  derselben. 

18.  Ihre  Fehler. 

19.  Vom  Tanus  und  Kupfersmaragd. 

20.  8  Arten  des  Berylls  und  ihre  Fehler. 

21.  7  Arten  des  Opals. 

22.  Bare  Fehler  und  Prüfung  auf  ihre  Ächtheit. 

23.  Vom  Sardonyx,  seinen  Arten  und  Fehlern. 

24.  Von  den  Arten  des  Onyx. 

25.  12  Arten  des  Karbunkels. 

26.  Ihre  Fehler  und  Prüfung  auf  ihre  Ächtheit. 

27.  Vom  Anthracitis. 

28.  Vom  Sandastrus  oder  Sandaresus. 

29.  4  Arten  des  Lampensteins. 

30.  Vom  carchedonischen  Karbunkel. 

31.  5  Arten  des  Sarda. 

32.  2  Arten  des  Topas. 


Erstes  Buch.  115 

33.  Vom  Callais. 

34.  3  Arten  des  Prasius. 

35.  Vom  Nilius. 

36.  Vom  Molochites. 

37.  14  Arten  des  Jaspis  und  ihre  Fehler. 

38.  Von  den  Arten  des  Blausteins. 

39.  Von  den  Sapphiren. 

40.  4  Arten  des  Amethysts. 

41.  Vom  Hyacinth. 

42.  7  Arten  des  Chrysoliths. 

43.  Vom  Chryselectrum. 

44.  4  Arten  des  Leucochrysus. 

45.  Vom  Melichrysus  und  Xuthus. 

46.  Vom  Psederus  oder  Sangenos  oder  Tenites. 

47.  Vom  Asteria. 

48.  Vom  Astrius. 

49.  Vom  Astroites. 

50.  Vom  Astrobolus. 

51.  4  Arten  des  Ceraunia;  von  dem  Ba^tylos. 

52.  2  Arten  des  Iris. 

53.  Vom  Leros. 

54.  Die  übrigen  Edelsteine  in  alphabetischer  Ordnung.     1.  Achates. 

2.  Acopos  und  Arzneien  davon.  3.  Alabastrites  und  Arzneien 
davon.  4.  Alectoria?.  5.  Androdamas.  Argyrodamas.  6.  Anti- 
pathes.  7.  Arabica.  8.  Aromatites.  9.  Asbestos.  10.  Aspi- 
sates.  11.  Atizce.  12.  Augites.  13.  Amphidanes  oder  Chry- 
socolla.     14.  Aphrodisiaca.     15.  Apsyctos.     16.  Aegyptilla. 

55.  1.  Balanitae.     2.  Batrachita?.    3.  Baptes.   4.  Oculus  Beli.    5.  Belus. 

6.  Baroptenus  oder  Barippe.  7.  Botryites.  8.  Bostrychites. 
9.  Bucardia.     10.  Bronte.     11.  Bolce. 

56.  1.  Cadmitis.     2.  Callais.    3.  Capnitis.   4.  Cappadocia.    5.  Callaina. 

6.  Catochitis.  7.  Catoptritis.  8.  Cepitis  oder  Cepolatitis. 
9.  Ceramites.  10.  Cina?dia?.  11.  Ceritis.  12.  Circos.  13.  Corsio- 
des.  14.  Coralloachates.  15.  Corallis.  16.  Craterites.  17.  Cro- 
callis.  18.  Cytis.  19.  Chalcophonos.  20.  Chelidoniae.  21.  Che- 
lonia.  22.  Chelonitis.  23.  Chloritis.  24.  Choaspitis.  25.  Chry- 
solampis.     26.  Chrysopis.     27.  Ceponides. 

57.  1.  Daphnia.     2.  Diadochos.     3.  Diphyes.     4.  Dionysias.     5.  Dra- 

contites. 

58.  1.  Encardia  oder  Ariste.    2.  Enorchis.   3.  Exebenus.   4.  Erythallis. 

5.  Erotylos  oder  Amphicome  oder  Hieromnemon.    6.  Eumeces. 

7.  Eumithres.  8.  Eupetalos.  9.  Eureus.  10.  Eurotias.  11.  Eu- 
sebes.    12.  Epimelas. 

8* 


11(5  Erstes  Buch. 

59.  1.  Galaxias.     2.  Galactites  oder  Leucogaeas   oder  Leucographitis 

oder  Synnephitis.    3.  Gallaica.    4.   Gassinnade.    5.  Glossopetra. 

6.  Gorgonia.     7.  Gonisea. 

60.  1.  Hiliotropion.     2.  Hephsestitis.    3.  Herrnusedseon.    4.  Hexeconta- 

lithos.     5.    Hieracitis.     6.    Hammitis.     7.    Hörn    des    Hammon. 

8.  Hormesion.     9.  Hysenise.     10.  Haamatites. 

61.  1.  Ideei  dactyli.     2.  Icterias.    3.  Jupiters  Stein.    4.  Indica.    5.  Ion 

62.  1.  Lepidotis.     2.  Lesbias.     3.  Leucophthalmos.     4.  Leucopsecilos. 

5.    Libanochrus.     6.    Limoniatis.      7.    Lipare.      8.    Lysimacbos. 

9.  Leucochrysos. 

63.  1.  Memnonia.     2.  Medea.     3.  Meconites.     4.  Mithrax.     5.  Morochi- 

tes.  6.  Morion  oder  Pramnium  oder  Alexandrinum.  7.  Myr- 
rbites.  8.  Myrmecias.  9.  Myrsinitis.  10.  Mesoleucos.  11.  Me- 
somelas. 

64.  1.  Nasamonitis.     2.  Nebritis.     3.  Ninparena. 

65.  1.  Oica.    2.  Ombria  oder  Notia.    3.  Oritio  oder  Sideritis.    4.  Ostra- 

cias  oder  Ostracitis.  5.  Ophicardelos.  6.  Obsidiana.  7.  Ono- 
cardia. 

66.  1.  Panchrus.     2.  Pangonius.    3.  Paneros  oder  Panerastus.    4.  Vier 

Arten  des  Pontica.     5.  Phloginos  oder  Cbrysitis.     6.  Phcenicitis. 

7.  Phycitis.     8.  Perireucos.     9.  Pseantides  oder  Gseanides. 

67.  1.  Sonnenstein.    2.  Sagda.     3.  Samothracia.     4.  Sauritis.     5.   Sar- 

citis.    6.  Selenitis.    7.  Sideritis.    8.  Sideropoecilos.    9.  Spongitis. 

10.  Synodontitis.     11.  Syrtides.     12.  Syringitis. 

68.  1.  Trichrus.    2.  Thelyrrhizos.     3.Thelycardios  oder  Mulc.    4.  Tra- 

cia,  drei  Arten.     5.  Tephritis.     6.  Tecolithos. 

69.  1.  Venushaar.     2.  Vejentana. 

70.  1.  Zathene.     2.  Zmilampis.     3.  Zoraniscsea. 

71.  Edelsteine,  welche  nach  Gliedern  des  Körpers  benannt  sind.  He- 

patitis, Steatitis,  Adadunephros,  Adaduophthahnos,  Adadudac- 
tylos,  Triophthalmos. 

72.  Edelsteine,    welche  ihren  Namen  von  Thieren  haben.    Carcinias, 

Echitis,  Scorpitis,  Scaritis,  Triglitis,  Aegophthalmos ,  Hyoph- 
thalmos,  Geranitis,  Hieracitis,  Aetitis,  Myrraecitis,  Cantharias 
Lycophthalmos,  Taos,  Chehdonias. 

73.  Von   den   übrigen    Steinen.    Ammochrysos,    Cenchritis,    Dryitis, 

Cissitis,  Narcissitis,  Cyamea,  Pyren,  Phönicitis,  Chalazias,  Py- 
ritis,  Polyzonos,  Astrapias,  Phlogitis,  Anthracitis,  Enygros. 
Polytrichos,  Leontios,  Pardalios,  Drosolithos,  Melichrus,  Melich- 
loros,  Polias,  Spartopolias,  Rhoditis,  Chalcitis,  Sycitis,  Bostry- 
chitis,  Gernitis,  Ananchitis,  Synochitis,  Dendritis  etc. 

74.  Von  plötzlich  entstandenen  neuen  Edelsteinen  und  solchen,   die 

keinen  Namen  haben.    Von  den  Cochliden. 

75.  Von  der  Gestalt  der  Edelsteine. 


Erstes  Buch.  117 

76.  Von  der  Prüfung  der  Edelsteine. 

77.  Vergleichung   der   Natur   nach    den  Ländern;    Vergleichung  der 

Naturdinge  nach  ihrem  Werthe. 
Zusammen:  1300  Gegenstände,  Erzählungen  und  Bemerkungen. 

Von  römischen  Schriftstellern  sind  benutzt: 
M.Varro,  die  Triumph- Akten,  Mascenas,  Jacchus,  Cornelius Bocchus. 

Von  fremden  Schriftstellern: 
König  Juba,  Xenocrates  des  Zeno  Sohn,  Sudines,  Aeschylus,  Phi- 
loxenus,  Euripides,  Nicander,  Satyrus,  Theophrastus,  Chares,  Phile- 
mon,  Demostratus,  Zenothemis,  Metrodorus,  Sotacus,  Pytheas,  Timseus 
aus  Sicilien,  Theochrestus,  Asarubas,  Mnaseas,  Theomenes,  Ctesias, 
Mithridates,  Sophocles,  König  Archelaus,  Callistratus,  Democritus, 
Ismenias,  Olympicus,  Alexander  Polyhistor,  Apion,  Horus,  Zoroaster, 
Zachalias. 


Zweites  Euch. 


Von  der  Welt  und  den  Elementen. 
1. 

Wir  haben  Ursache  zu  glauben,  dass  die  Welt  und 
das,  was  wir  mit  einem  andern  Namen  Himmel  nennen, 
dessen  Wölbung  alles  bedeckt,  etwas  Göttliches,  Ewiges, 
Unermessliches  sei,  welches  weder  erzeugt  ist,  noch  unter- 
gehen wird.  Ueber  dieses  hinaus  zu  forscheu,  nützt  weder 
dem  Menschen,  noch  vermag  sein  Geist  es  deutend  zu  er- 
fassen. Sie  ist  heilig,  ewig,  unermesslich,  ganz  in  dem 
Ganzen,  ja  sie  ist  selbst  das  Ganze;  begrenzt  und  doch 
scheinbar  unendlich,  sicher  in  allen  ihren  Theilen  und  doch 
scheinbar  unsicher;  sie  umfasst  alle  Dinge  in  sich;  sie  ist 
zugleich  ein  Werk  der  Natur  und  die  Natur  selbst. 

Es  war  thöricht,  dass  Einige  über  ihre  Grösse  nach- 
dachten und  dieselbe  auszusprechen  wagten;  Andere  wie- 
derum, diess  benutzend,  von  unzähligen  Welten  redeten, 
so  dass  man  eben  so  viele  Naturen,  oder,  wenn  Eine  alle 
jene  belebte,  doch  ebensoviele  Sonnen,  ebensoviele  Monde 
und  die  übrigen  unermesslichen  und  unzähligen  Gestirne 
in  einer  annehmen  müsste;  als  wenn  nicht,  bei  dem  Wunsche 
nach  einem  Ziele,  am  Ende  des  Nachdenkens  dieselbe  Frage 
immer  wieder  kehrte,  oder,  weun  diese  Unendlichkeit  der 
Natur  dem  Urheber  aller  Dinge  zugeschrieben  werden 
könnte,  sich  jenes  nicht  leichter  an  eiuem  einzigen,  so 
grossen  Werke  erkennen  Hesse.  Unsinn,  wahrer  Unsinn 
ist  es,  noch  weiter  zu  gehen  und  nach  Dingen  zu  forschen, 


Zweites  Buch.  119 

welche  ausser  ihr  liegen,  als  wäre  ihr  ganzer  Inhalt  schon 
völlig  bekannt,  gerade  wie  wenn  Jemand  das  Maass  von 
einem  Gegenstande,  den  er  noch  nicht  kennt,  ausmitteln, 
oder,  der  menschliche  Geist  etwas  erspähen  wollte,  was 
die  Welt  selbst  nicht  umfasst. 

2. 

Dass  ihre  Gestalt  die  einer  vollkommenen  Kugel  sei, 
lehrt  besonders  ihr  Name  und  die  Uebereinstimmung  aller 
Völker  darin,  dass  sie  sie  Orbis x)  nennen,  dann  aber  auch 
die  in  ihr  selbst  liegenden  Beweise.  Denn  eine  solche 
Figur  neigt  sich  in  allen  ihren  Theilen  zu  sich  selbst,  muss 
sich  selbst  tragen,  schliesst  sich  ein  und  hält  sich  ohne 
Beihülfe  von  Banden,  hat  kein  Ende  und  keinen  Anfang 
in  allen  ihren  Theilen;  sie  ist  ferner  für  die  Bewegung, 
worin  sie  sich,  wie  wir  bald  zeigen  werden,  beständig 
drehen  muss,  die  schicklichste  Form.  Endlich  lehrt  es  auch 
der  Augenschein,  weil  sie  gewölbt  ist,  und  man  überall  in 
der  Mitte  sich  befindet,  was  bei  einer  anderen  Figur  nicht 
möglich  wäre. 

3. 

Der  Auf-  und  Untergang  der  Sonne  setzen  es  ausser 
Zweifel,  dass  die  so  gestaltete  Welt  im  ewigen  ununterbro- 
chenen Umlaufe  mit  unbeschreiblicher  Schnelligkeit,  ihre 
Bahn  in  24  Stunden  vollendet.  Ob  durch  den  beständigen 
Umschwung  einer  solchen  Last  ein  ausserordentliches  und 
über  unsere  Hörkraft  hinausgehendes  Geräusch  entsteht, 
kann  ich  eben  so  wenig  behaupten,  als  dass  das  Getön 
der  umeinander  wandelnden  und  im  Kreise  sich  drehenden 
Gestirne  eine  liebliche  und  von  unglaublicher  Anmuth  be- 
gleitete Harmonie  sei.  Für  uns,  die  wir  mitten  darin  leben, 
verfolgt  die  Welt  Tag  und  Nacht  ihren  Lauf  ruhig.  Dass 
ihr  unzählige  Gestalten  von  Thieren  und  Gegenständen 
aller  Art  aufgedrückt  sind,  und  dass  sie  nicht,  wie  wir 
von  den  Eiern  der  Vögel  wahrnehmen,  ein  völlig  glatter 
Körper  ist,  wie  doch  sehr  berühmte  Schriftsteller  behauptet 

')  Hier  in  der  Bedeutung  von  Himmel,  Himmelsgewölbe,  Weltall. 


120  Zweites  Buch. 

haben,1)  geht  aus  vielen  Gründen  hervor;  denn  aus  den 
von  dort  herabgefallenen  und  meistens  vermischten  Samen 
aller  Dinge  entstehen  besonders  im  Meere  unzählige  wunder- 
bare Gestalten.  Ausserdem  erblicken  wir  mitten  in  einem 
helleren  Kreise2)  über  uns,  hier  die  Gestalt  eines  Wagens, 
dort  eines  Bären,  dort  eines  Stieres,  dort  eines  Buchstaben.3) 
Ich  werde  hier  noch  an  die  einstimmige  Meinung  der  Völker 
erinnert.  Denn,  was  die  Griechen  xoafiog  oder  Schmuck 
nennen,  das  nennen  auch  wir  wegen  ihrer  vollkommenen 
Schönheit  Mundus.  Den  Himmel  aber  hat  man  nach  der 
Erklärung  M.  Varro's4)  von  der  getriebenen  Arbeit  caelum 
genannt.  Diess  beweist  noch  die  Ordnung  der  Gegenstände 
an  dem  sogenannten  Thierkreise,  welcher  in  12  Thierbilder 
getheilt  ist,  und  die  so  viele  Jahrhunderte  lang  durch  jene 
Bilder  gleichmässig  gehende  Bahn  der  Sonne. 

4. 
Auch  über  die  Existenz  von  vier  Elementen5)  scheint 
kein  Zweifel  zu  obwalten.  Das  höchste  ist  das  Feuer;  da- 
von entstand  jene  gleich  Augen  schimmernde  Menge  vor* 
Sternen.  Demnächst  kommt  die  Luft,  welche  die  Griechen 
und  wir  mit  ein  und  demselben  Worte  A'er  (dtjg)  nennen. 
Sie  ist  das  belebende,  alles  durchdringende,  und  mit  allem 
in  Verbindung  stehende;  durch  ihre  Kraft  getragen  schwebt 
die  Erde  in  der  Mitte  der  Welt,  mit  dem  vierten  Elemente, 
dem  Wasser.  So  wird  durch  wechselseitige  Verbindung 
Verschiedenartiges  verknüpft,  das  Leichtere  durch  Gewichte 
verhindert  zu  entfliehen  und  das  Schwere,  damit  es  nicht 
herabstürze,  in  leichter  Spannung  in  der  Luft  gehalten. 
Ein  gleichmässiges  Streben  nach  verschiedenen  Richtungen 


')  Wahrscheinlich  Plato  im  Timäus  und  Cic.  de  nat.  Deor.  II.  18. 

2)  Die  Milchstrasse. 

3)  Das  in  Form  des  griechischen  Delta  aus  3  Sternen  bestehende 
hell  leuchtende  Sternbild  in  der  Cassiopeja. 

4)  De  lingua  latina  IV.  3.  —  M.  Terentius  Varro,  der  gelehrteste 
Römer  seiner  Zeit,  wurde  116  v.  Chr.  geb.  und  starb  27  v.  Chr. 

5)  Nach   der  Lehre    des    sicilianischen  Philosophen  Empedokles 
(zu  Agrigent  um  440  v.  Chr.) 


Zweites  Buch.  121 

bewirkt,  dass  jedes  der  4  Elemente  durch  seine  eigene  Kraft 
besteht  und  durch  den  ununterbrochenen  Umschwung  der  Welt 
selbst  zusammengehalten  wird.  Während  diese  nun  beständig 
um  sich  schwingt,  bildet  die  Erde  den  innersten  und  mit- 
telsten Theil  in  dem  Weltall,  in  dessen  Axe  sie  schwebt, 
und  dem  Medium,  welches  sie  trägt,  das  Gleichgewicht 
haltend.  Sie  allein  ist  unbeweglich,1)  während  die  übrigen 
Himmelskörper  sich  um  sie  wälzen,  sie  umschlingen  und 
sich  zu  ihr  neigen.  Zwischen  der  Erde  und  dem  Himmel 
schweben  in  derselben  Luft,  und  durch  bestimmte  Räume 
getrennt,  7  Gestirne,2)  welche  wir  wegen  ihres  Laufes  Irr- 
sterne (Planeten)  nennen,  obgleich  sie  doch  nichts  weniger 
als  irren.  Von  ihnen  befindet  sich  die  Sonne,  ein  Gestirn 
umfassendster  Grösse  und  Macht,  in  der  Mitte,  unter  deren 
Einfluss  nicht  nur  die  Zeiten  und  Länder,  sondern  auch 
die  Sterne  und  der  Himmel  selbst  stehen.  Wohl  ziemt  es 
uns  daher,  in  Anerkennung  ihrer  Wirkungen,  sie  für  die 
Seele  der  ganzen  Welt  zu  halten,  ihr  die  höchste  Herrschaft 
der  Natur  und  göttliche  Kraft  beizulegen.  Sie  giebt  den 
Gegenständen  das  Licht  und  verscheucht  die  Finsterniss; 
sie  verdunkelt  durch  ihren  Schimmer  die  übrigen  Gestirne; 
sie  bestimmt  den  Wechsel  der  Jahreszeiten  und  das  nach 
Naturgesetzen  sich  immer  wieder  erneuernde  Jahr;  sie 
zerstreuet  die  Düsterheit  des  Himmels,  und  erheitert  selbst 
das  traurige   Gemüth   des  Menschen;   sie   giebt   auch    den 


')  Eine  im  Alterthum  oft  vorkommende,  aber  auch  ebenso  oft 
bestrittene  Behauptung.  Plato,  Aristoteles  und  Ptolemseus  stellten 
sich  die  Erde  weder  als  rotirend  noch  fortschreitend,  sondern  als 
unbeweglich  im  Mittelpunkte  stehend,  vor.  Nach  dem  Berichte  des 
Philolaus  aus  Croton  lehrten  die  Pythagoräer  die  fortschreitende  Be- 
wegung der  nicht  rotirenden  Erde,  ihren  Kreislauf  um  den  Weltheerd 
(das  Centralfeuer,  Hestia).  Hicetes  aus  Syrakus,  der  mindestens  älter 
als  Theophrast  ist,  Heraclides  aus  Pontus  und  Ecphantus  kannten 
die  Axendrehung  der  Erde;  aber  nur  Aristarchus  von  Samos  und  be- 
sonders Seleucus  der  Babylonier,  anderthalb  Jahrh.  nach  Alexander, 
wussten,  dass  die  Erde  nicht  bloss  rotire,  sondern  sich  zugleich  auch 
um  die  Sonne,  als  das  Centrum  des  ganzen  Planetensystems,  bewege. 

2)  Saturn,  Jupiter,  Mars,  Sonne,  Venus,  Merkur  und  Mond. 


122  Zweites  Buch. 

übrigen  Sternen  ihr  Licht.  Sie  ist  herrlich,  über  alles  er- 
haben, allsehend  und  allhörend,  wie  Homer,1)  der  Vater  der 
Gelehrsamkeit,  an  einer  Stelle2)  so  schön  sagt. 

5. 

Ich  halte  es  daher  für  ein  Zeichen  menschlicher  Schwäche, 
das  Bild  und  die  Gestalt  Gottes  zu  erforschen.  Wer  auch 
Gott  ist,  wenn  es  noch  einen  giebt  und  wo  er  sich  befin- 
det, so  ist  er  ganz  Sinn,  Gesicht,  Gehör,  Seele,  Geist  und 
ganz  er  selbst.  Aber  an  unzählige  Götter  glauben  und  so- 
gar nach  den  Tugenden  und  Lastern  der  Menschen  an 
einen  Gott  der  Schaamhaftigkeit,  Eintracht,  Klugheit,  Hoff- 
nung, Ehre,  Milde,  Treue,  oder  (wie  Democrit3)  sagt)  an 
zwei,  ein  Wesen  der  Bestrafung  und  Belohnung,  zeugt  von 
einem  noch  grösseren  Unverstände.  Die  gebrechlichen  und 
mühseligen  Menschen  haben,  ihrer  Schwachheit  eingedenk, 
die  Gottheit  in  Theile  getheilt,  damit  ein  Jeder  den  Theil 
verehre,  dessen  er  am  meisten  bedarf.  Daher  finden  wir 
bei  andern  Völkern  andere  Namen  von  zahllosen  Göttern; 
auch  sind  unterirdische  Dinge,  Krankheiten  und  viele  böse 
Seuchen  in  Gattungen  getheilt,  weil  wir  sie  in  zagender 
Furcht  besänftigt  wissen  möchten. 

So  hat  man  auf  dem  palatinischen  Berge  einen  Tempel 
des  Fiebers,  einen  Tempel  der  Laren4),  einen  Altar  für  die 
Orbona5)  und  für  das  böse  Geschick  einen  auf  dem  exqui- 
linischen  Hügel  eingeweiht.  Die  Zahl  der  Götter  muss 
grösser  als  die  der  Menschen  ausfallen,  weil  ein  Jeder  für 
sich  so  viele  Götter  macht,  indem  er  sich  eine  Juno6)  oder 
einen  Genius7)  wählt.  Gewisse  Völker  aber  halten  Thiere 
und  sogar  schmutzige,  desgleichen  viele  Dinge,  die  ich  mich 


')  Der  allbekannte  griechische  Dichter,  über  dessen  Lebensver- 
hältnisse wir  nichts  Näheres  wissen. 

2)  Iliade  III.  277. 

3)  Von  Abdera,  lebte  469—361  v.  Chr. 

4)  Hausgötter,  sie  wurden  aber  auch  öffentlich  verehrt. 

5)  Göttin  der  Eltern,  die  ihrer  Kinder  beraubt  sind. 

6)  Junonen  hiessen  die  Schutzgeister  des  weiblichen  Geschlechts. 

7)  Genien  waren  die  Schutzgeister  des  männlichen  Geschlechts. 


Zweites  Buch.  123 

zu  nennen  schäme,  für  Götter,  und  schwören  bei  stinkenden 
Speisen  und  ähnlichen  Sachen.  Dass  man  aber  glaubt, 
unter  den  Göttern  fänden  Ehen  statt,  aus  welchen  in  langer 
Zeit  keine  Kinder  geboren  würden;  ferner,  einige  von  ihnen 
wären  sehr  alt  und  immer  Greise,  andere  Jünglinge  und 
Knaben,  von  schwarzer  Farbe,  geflügelt,  lahm,  aus  einem 
Eie  gekommen,  abwechselnd  einen  Tag  lebendig  und  todt, 
das  grenzt  an  kindischen  Wahnsinn.  Allein  alle  Unver- 
schämtheit übersteigt  es,  wenn  man  Ehebruch,  Zank,  Hass 
unter  ihnen,  ja  sogar  Gottheiten  des  Diebstahls  und  der 
Verbrechen  annimmt. 

Wer  dem  Sterblichen  hilft,  der  ist  ihm  ein  Gott  und 
das  ist  der  Weg  zum  ewigen  Ruhme.  Ihn  gingen  die  be- 
rühmtesten Römer,  ihn  wandelt  jetzt  im  himmlischen 
Schritte  mit  seinen  Kindern  der  grösste  Herrscher  unsers 
Zeitalters,  Vespasianus  Augustus,  als  ein  Retter  in  der 
Noth.  Das  ist  die  älteste  Sitte,  dass  man  sehr  verdiente 
Männer,  um  sich  ihnen  dankbar  zu  erweisen,  unter  die 
Götter  versetzt.  So  sind  auch  die  Namen  aller  übrigen 
Götter  und  der  oben  genannten  Gestirne  von  verdienstvollen 
Männern  entstanden.  Wer  sollte  es  nicht  natürlich  finden, 
dass  es  einen  Jupiter  oder  Merkur  oder  Andere  anders 
benannte  gegeben  habe,  und  dass  ein  himmlisches  Namens- 
verzeichniss  existire?  Lächerlich  aber  ist  die  Behauptung, 
dass  ein  höchstes  Wesen  sich  um  die  Angelegenheiten  der 
Menschen  kümmere.  Sollen  wir  nicht  glauben,  dass  es 
durch  ein  so  trauriges  und  vielseitiges  Amt  entehrt  werde?1) 
Es  ist  in  der  That  zu  bezweifeln  und  kaum  zu  entscheiden, 
ob  es  dem  menschlichen  Geschlechte  dienlicher  sein  würde, 
wenn  Einige  den  Göttern  keine,  oder  Andere  ihnen  nur 
eine  Verehrung  erzeigen,  die  ihnen  zur  Schande  gereicht. 
Diese  dienen  auswärtigen  heiligen  Gebräuchen,  tragen 
Götter  an  den  Fingern,  verdammen  wohl  gar  die  Unge- 
heuer,  welche  verehrt   werden,   ersinnen  Speiseopfer  und 


')  Dies  war  die  Meinung  Epikurs,  zu  dessen  Lehren  sich  Plinius 
bekannte. 


124  Zweites  Buch. 

behandeln  sie  tyrannisch,  indem  sie  ihnen  nicht  einmal 
ruhigen  Schlaf  gönnen.  Keine  Ehen  werden  eingegangen, 
keine  Kinder  gewählt  und  überhaupt  nichts  ohne  heilige 
Gebräuche  unternommen.  Andere  betrügen  auf  dem  Kapi- 
tolio,  und  schwören  Meineide  beim  donnernden  Zeus;  und 
ihnen  nützen  die  Schlechtigkeiten,  jenen  aber  bringt  ihr 
heiliges  Wesen  Strafe. 

Zwischen  diesen  beiden  Meinungen  erdachten  sich 
jedoch  die  Sterblichen  eine  mittlere  Gottheit,  damit  ja  die 
Verwirrung  recht  vollständig  wäre.  In  der  ganzen  Welt, 
an  jedem  Orte  und  zu  jeder  Stunde  wird  nämlich  von 
allen  Stimmen  die  Fortuna  allein  angerufen  und  genannt; 
sie  allein  wird  angeklagt,  beschuldigt,  nur  an  sie  gedacht, 
nur  sie  gelobt  und  getadelt  und  mit  Schimpfen  verehrt. 
Man  hält  sie  für  veränderlich,  grösstenteils  aber  für  blind, 
für  unstet,  unbeständig,  unsicher,  wankelhaft  und  für  eine 
Gönnerin  Unwürdiger.  Ihr  werden  alle  Ausgaben,  ihr 
alle  Einnahmen  zugeschrieben,  und  in  dem  Rechnungsbuche 
der  Sterblichen  füllt  sie  allein  beide  Seiten  aus.  So  sehr 
sind  wir  also  dem  Zufall  unterworfen,  dass  dieser  selbst 
für  einen  Gott  gilt,  und  dieser  Gott  daher  für  unzuverlässig 
gehalten  wird. 

Andere  verwerfen  auch  diese  Ansicht,  und  schreiben 
alle  Begebenheiten  ihrem  Gestirne  und  dessen  Stande  bei 
der  Geburt  zu;  sie  glauben,  alles  Zukünftige  sei  von  Gott 
ein  für  allemal  beschlossen,  um  das  Uebrige  kümmere  er 
sich  nicht.  Diese  Meinung  fängt  an,  Eingang  zu  gewinnen, 
und  die  gelehrte  sowie  die  rohe  Menge  läuft  ihr  zu.  Daher 
entstanden  die  Warnungen  durch  Blitze,  die  Prophezeihun- 
gen  der  Orakel,  die  Weissagungen  der  Haruspices,  und  um 
auch  das  Geringste  zu  nennen,  die  Bedeutung  des  Niesens 
bei  den  Auguren  und  des  Anstossens  mit  den  Füssen.  Der 
göttliche  Augustus  t)  erzählt,  dass  ihm  an  dem  Tage,  wo  ihm 


')  Der  bekannte  römische  Kaiser,  Sohn  des  C.  Octavius  und  der 
Atia,  Grossneffe  von  mütterlicher  Seite  des  Jul.  Caesar,  geb.  63  v.  Chr., 
starb  13  n.  Chr. 


Zweites  Buch.  125 

ein  militärischer  Aufstand  gefährlich  zu  werden  drohte,  der 
linke  Schuh  verkehrt  angezogen  worden  sei. *)  Alles  diess 
beweist,  dass  die  Menschen  nichts  vorher  wissen;  nur  so 
viel  ist  gewiss,  dass  es  nichts  Gewisses  giebt,  und  dass 
nichts  ehuder  und  stolzer  ist  als  der  Mensch.  Denn  die 
übrigen  lebenden  Geschöpfe  sorgen  nur  für  ihre  Nahrung, 
welche  ihnen  die  gütige  Natur  freiwillig  in  reichlicher 
Menge  spendet;  schon  das  eine  ist  allen  Gütern  vorzuziehen, 
dass  sie  über  Ruhm,  Geld,  Ehrfurcht  und  den  Tod  nicht 
nachdenken. 

Allein  bei  alledem  dürfen  wir  aus  dem  täglichen  Leben 
schliessen,  dass  die  Götter  sich  der  menschlichen  Angele- 
genheiten annehmen,  dass  die  Strafen  für  die  Verbrechen 
von  der  so  sehr  beschäftigten  Gottheit  zwar  etwas  aufge- 
schoben, nie  aber  unterbleiben  werden,  und  dass  der  Mensch 
darum  ihm  am  nächsten  stehend  geschaffen  sei,  um  sich 
mit  den  Thieren  nicht  auf  einer  und  derselben  Stufe  der 
Niedrigkeit  zu  befinden.  Für  die  unvollkommene  Natur  des 
Menschen  ist  es  hingegen  der  grösste  Trost,  dass  selbst 
Gott  nicht  allmächtig  ist,  denn  er  kann  sich  weder  den 
Tod  anthun,  wenn  er  auch  will,  was  er  dem  Menschen  als 
das  beste  Mittel  bei  den  grossen  Mühseligkeiten  des  Le- 
bens verliehen  hat;  noch  kann  er  den  Sterblichen  die  Un- 
sterblichkeitverschaffen oder  Todte  ins  Leben  zurückrufen; 
noch  machen,  dass  wer  gelebt  hat,  nicht  gelebt  habe,  wer 
Ehrenstellen  bekleidet  hat,  sie  nicht  bekleidet  habe;  noch 
hat  er  ein  anderes  Recht  über  die  Vergangenheit,  als  sie 
zu  vergessen.  Endlich,  damit  wir  auch  durch  scherzhafte 
Beweise  die  Unvollkommenheit  Gottes  zeigen,  kann  er  nicht 
machen,  dass  2  mal  10  nicht  20  sind,  und  noch  viele  ähn- 
liche Dinge.  Hieraus  geht  unleugbar  die  Macht  der  Na- 
tur hervor,  und  dass  sie  das  sei,  was  wir  Gott  nennen. 
Diese  Abschweifung  hielt  ich  für  nicht  unpassend,  da  die 
unaufhörliche  Frage  über  Gott  so  allgemein  verbreitet  ist. 


')  Man  vergleiche  das  Leben  des  Augustus  bei  Suetonius.  XIV.92. 


126  Zweites  Buch. 

6. 
Wir  wollen  nun  zu  den  übrigen  Gegenständen  der 
Natur  zurückkehren.  Die  Gestirne,  welche  wir  angeheftete *) 
genannt  haben,  sind  nicht,  wie  der  gemeine  Haufe  glaubt, 
den  einzelnen  Menschen  zugetheilt,  die  hellen  den  Reichen, 
die  kleinen  den  Armen,  die  dunkeln  den  Gebrechlichenr 
und  leuchten  nicht  nach  dem  Schicksal  eines  Jeden;  denn 
sie  entstehen  und  vergehen  nicht  mit  dem  Menschen,  noch 
bedeutet  ihr  Fall,  dass  Jemand  sterbe.  Wir  haben  keine 
so  grosse  Gemeinschaft  mit  dem  Himmel,  dass  dort  der 
Glanz  der  Gestirne  mit  uns  sterblich  ist.  Jene  geben, 
wenn  sie  zu  viel  Nahrung  an  Feuchtigkeit  mit  feuriger 
Kraft  an  sich  gezogen  haben,  den  Ueberfluss  wieder  von 
sich,  und  dann  glaubt  man,  sie  fallen;  etwas  Aehnliches 
nehmen  wir  an  unsern  brennenden  Oel-Lampen  wahr.  Ue- 
brigens  haben  die  himmlischen  Körper  eine  einzige  Dauer, 
denn  sie  halten  die  Welt  zusammen,  und  bilden  durch  die- 
ses Zusammenhalten  ein  Ganzes.  Ihre  Gewalt  erstrekt  sich 
vorzüglich  auf  die  Erde,  und  wir  kennen  sie  wegen  ihrer 
Wirkungen,  Klarheit  und  Grösse  sehr  genau,  wie  ich  an 
seinem  Orte  zeigen  werde.2)  Auch  die  Lehre  von  den 
Himmelskreisen  werde  ich  schicklicher  bei  der  Erde 3)  vor- 
tragen, da  sie  ganz  dahin  passt;  nur  von  der  Erfindung 
des  Thierkreises  muss  hier  das  Nöthige  gesagt  werden. 
Der  Erste  welcher  seine  Schiefe4)  erkannt  und  mithin  die 
Thore  dieses  Gegenstandes  geöffnet  hat,  soll  Anaximander 
von  Milet  gewesen  sein,  zur  Zeit  der  58sten  Olympiade. 5) 
Die  Zeichen  desselben,  und  zwar  zuerst  die  des  Widders 


')  Fixsterne. 

2)  Im  XVII.  und  XVIII.  Buche,  welche  von  der  Landwirthschaft 
handeln. 

3)  Im  VI.  B.  39.  C. 

4)  Richtiger  die  Schiefe  der  Ekliptik. 

5)  Die  Olympiade  war  bei  den  Griechen  ein  Zeitraum  von  4  Jah- 
ren, und  die  allgemeinste  Zeitrechnung  in  Griechenland,  welche  776 
v.  Chr.  anfing.  Die  58.  Olympiade  ist  also  gleich  548—544  Jahre 
v.  Chr.  G. 


Zweites  Buch.  127 

und  des  Schützen  hat  Kleostratus *)  entdeckt.  Den  Kreis 
selbst  aber  erkannte  Atlas  lange  vorher.  Nun  verlassen 
wir  den  Himmelskörper  selbst,  und  wollen  von  den  übrigen 
Erscheinungen  zwischen  Himmel  und  Erde  handeln. 

Dass  das  Gestirn,  welches  Saturnus  heisst,  am  höch- 
sten2) steht,  und  daher  am  kleinsten  erscheint,  auch  den 
grössten  Kreis  beschreibt  und  in  30  Jahren3)  seine  Bahn 
vollendet,  ist  gewiss.  Aber  der  Lauf  aller  Planeten,  und 
unter  ihnen  der  der  Sonne  und  des  Mondes  hat  eine  dem 
Umlaufe  der  Welt  entgegengesetzte  Kichtung,  das  heisst, 
diese  geht  nach  links,  während  jene  immer  der  Rechten 
zueilen.  Obgleich  sie  durch  die  beständige  Drehung  in  un- 
geheuerer Geschwindigkeit  von  der  Welt  emporgehalten 
und  gegen  Abend  hingerissen  werden,  so  behauptet  doch 
ein  jeder  in  entgegengesetzter  Richtung  seine  Bahn,  Da- 
her geschieht  es,  dass  die  durch  die  ewige  Drehung  der 
Welt  an  eine  Stelle  zusammengedrängte  Luft,  nicht  zu  ei- 
nem trägen  Balle  erstarrt,  sondern  durch  den  Gegenstoss 
der  Gestirne  zertheilt  wird.  Der  Saturn  ist  von  kalter  und 
starrer  Natur;  weit  tiefer  liegt  die  Bahn  des  Jupiter,  wel- 
cher daher  auch  in  schnellerer  Bewegung  innerhalb  12 
Jahren  seinen  Lauf  vollendet.4)  Das  dritte  Gestirn,  der 
Mars,  auch  Herkules  genannt,  ist  feurig  und  brennend  we- 
gen der  Nähe  der  Sonne,  und  bedarf  beinahe  2  Jahre  zu 
seinem    Laufe. 5)     Durch    dessen   allzu   grosse   Hitze    und 


>)  Aus  Tenedos,  um  536  v.  Chr. 

2)  Bis  zum  Jahre  1781,  wo  Herschel  den  Uranus  entdeckte,  war 
dieser  der  entfernteste  Planet;  seine  mittlere  Entfernung  von  der 
Sonne  beträgt  384  Millionen  Meilen  und  er  durchläuft  seine  Bahn  in 
fast  84  Jahren.  1846  beobachtete  aber  Galle  einen  noch  weit  ent- 
fernteren, den  er  Neptun  nannte,  und  dessen  Existenz  von  Leverrier 
schon  vorausgesagt  war;  derselbe  ist  von  der  Sonne  über  600  Mill. 
Meilen  entfernt. 

3)  Vielmehr  in  29  Jahren  und  154  Tagen  Von  der  Sonne  ist  er 
191  Millionen  Meilen  entfernt. 

4)  Er  vollendet  seine  Bahn  in  11  Jahren  und  312  Tagen  und  ist 
104  Millionen  Meilen  von  der  Sonne  entfernt. 

5)  Er  vollendet  seinen  Lauf  in  1  Jahre  322  Tagen  und  ist  30,5  Mil- 


128  Zweites  Buch. 

durch  die  Kälte  des  Saturnus  erhält  der  zvvischen  beiden 
liegende  Jupiter  eine  gewisse  Mässigung,  die  ihm  wohl- 
thätig  ist.  Dann  folgt  die  in  360  Theile  getheilte  Sonnen- 
bahn; damit  aber  die  durch  sie  bewirkten  Schatten  bei 
ihrer  Rückkehr  dieselben  bleiben,  wurden  noch  5V4  Tage 
hinzugesetzt.  Aus  diesem  Grunde  bekommt  jedesmal  das 
5.  Jahr  noch  einen  eingeschalteten  Tag,  um  die  Zeitrech- 
nung mit  dem  Laufe  der  Sonne  in  Uebereinstimmung  zu 
bringen. 

Unterhalb  der  Sonne  läuft  ein  grosser  Stern,  die  Ve- 
nus,1) mit  abwechselnder  Bahn,2)  und  wetteifert  durch  ihre 
Beinamen  mit  der  Sonne  und  dem  Monde.  Erscheint  sie 
nämlich  vor  Tagesanbruch,  so  heisst  sie  Lucifer,  weil  sie 
als  eine  zweite  Sonne  den  Tag  früher  bringt;  leuchtet  sie 
aber  vom  Sonnenuntergänge  an,  so  heisst  sie  Vesper,  weil 
sie  den  Tag  verlängert  und  die  Stelle  des  Mondes  vertritt. 
Pythagoras  3)  von  Samos  erkannte  zuerst  das  Verhältniss, 
ohngefähr  um  die  32.  Olympiade,  das  ist  im  113.  Jahre  der 
Stadt  Rom.  Schon  an  Grösse  tibertrifft  sie  alle  anderen 
Gestirne,4)  und  ihre  Helligkeit  ist  so  bedeutend,  dass 
durch  ihre  Strahlen  Schatten  entstehen.  Daher  hat  sie  auch 
viele  Namen.  Einige  haben  sie  Juno,  andere  Isis,  an- 
dere die  Mutter  der  Götter  genannt.  Durch  sie  wird 
alles  auf  der  Erde  erzeugt;  denn  indem  sie  bei  ihrem  zwei- 
fachen Aufgange  einen  belebenden  Thau  spendet,  befruch- 
tet sie  nicht  nur  die  Erde,  sondern  reizt  auch  alle  lebenden 


lionen  Meilen  von  der  Sonne  entfernt.  Zwischen  dem  Jupiter  und 
dem  Mars  entdeckte  man  1801—1807  4  kleine  Planeten,  Ceres  (1801), 
Pallas  (1802),  Juno  (1804),  Vesta  (1807),  denen  man  den  gemeinschaft- 
lichen Namen  Asteroiden  gab.  Seit  1845  haben  sich  die  Entdeckun- 
gen von  Asteroiden  so  vermehrt,  dass  deren  Anzahl  bereits  auf  200 
gestiegen  ist. 

*)  Sie  ist  etwa  der  Erde   an  Grösse  gleich;  der  grösste  Planet 
ist  der  Jupiter. 

2)  d.  h.  sie  geht  bald  vor  der  Sonne,  bald  folgt  sie  ihr  nach. 

3)  Schüler  des  Pherecydes,   Sohn  des  Mnesarchus,   geb.   um  584 
v.  Chr.,  starb  79 — 80  Jahr  alt  zu  Metapontum. 

4)  Was  natürlich  ganz  irrig  ist;  siehe  Anmerkung,  1. 


Zweites  Buch.  12? 

Wesen  in  gleicher  Weise  an.  Sie  vollendet  ihren  Lauf 
in  348  Tagen,  und  ist  nach  Timseus  l)  nie  weiter  als  46  Grade 
von  der  Sonne  entfernt. 2) 

Auf  ähnliche  Weise,  aber  von  weit  geringerer  Grösse 
und  Kraft,  befindet  sich  ihr  zunächst  das  Gestirn  des  Mer- 
kurs, der  von  Einigen  auch  Apollo  genannt  wird.  Er  voll- 
endet seine  niedrigere  Bahn  in  einem  um  9  Tage  kürzeren 
Zeiträume,  leuchtet  bald  vor  Sonnenaufgange  bald  nach 
Sonnenuntergänge,  und  ist  niemals  weiter  als  22  Grade3) 
von  der  Sonne  entfernt,  nach  dem  Zeugnisse  Ebendesselben*) 
und  des  Sosigenes. 5)  Daher  haben  auch  diese  Gestirne 
eine  eigenthümliche,  von  den  oben  genannten  Gestirnen 
verschiedene  Beschaffenheit;  denn  sie  sind  um  den  vierten 
-und  den  dritten  Tbeil  des  Himmels  von  der  Sonne  entfernt, 
stehen  ihr  oft  gegenüber,  und  beschreiben  sämmtlich  an- 
dere Bahnen  bei  vollkommner  Umdrehung,  von  denen  wir 
bei  Betrachtung  des  grossen  Jahres  reden  wollen. 

Aber  alle  Bewunderung  übertrifft  das  letzte  Gestirn,  wel- 
ches auf  der  Erde  am  bekanntesten  ist,  und  das  die  Natur 
.zur  Verscheuchung  der  Finsterniss  erfand,  der  Mond.  Durch 
seinen  vielartigen  Lauf  setzte  er  den  Geist  der  Beobachter, 
und  derjenigen,  welche  es  unter  ihrer  Würde  hielten,  das 
nächste  Gestirn  nicht  zu  kennen  auf  die  Probe,  indem  er 
beständig  zu-  oder  abnimmt.  Denn  bald  ist  er  in  zwei 
Hörner  gekrümmt,  bald  gleich  getheilt,  bald  ein  ganzer 
Kreis;  einmal  fleckig  und  plötzlich  wieder  glänzend,  bald 
bildet  er  eine  ausserordentlich  grosse  Scheibe,  bald  ist  er 
unsichtbar;  zuweilen  scheint  er  die  ganze  Nacht  hindurch 


')  Pythagoräer  aus  Locri  um  400  v.   Chr.,   schrieb    über  Physik 
und  Mathematik. 

2)  Die  Entfernung  beträgt  14,5  Millionen  Meilen  von  der  Sonne, 
und  sie  vollendet  ihren  Umlauf  in  224  Tagen  16  Stunden. 

3)  7,8  Millionen  Meilen  beträgt  sein  Abstand  von  der  Sonne  und 
seine  Umlaufszeit  88  Tage. 

4)  Tima^us. 

5)  Er  lebte    in  Alexandrien   und  berichtigte   auf  Ctesars  Veran- 
lassung den  Kalender. 

9 


130  Zweites  Buch. 

zuweilen  nur  Abends  spät  und  unterstützt  einen  Theil  des 
Tages  das  Licht  der  Sonne;  bald  ist  er  verfinstert  und 
bleibt  doch  während  der  Verfinsterung  sichtbar;  gegen  Ende 
des  Monats  ist  er  Verborgen  und  doch  glaubt  man  nicht, 
dass  er  fehlt.  Er  ist  bald  hoch  und  bald  niedrig,  und  diess 
nicht  einmal  immer  auf  dieselbe  Weise,  sondern  ein  mal 
nähert  er  sich  dem  Himmel,  ein  ander  mal  den  Bergen, 
bald  steigt  er  gegen  Norden  empor,  bald  senkt  er  sich 
gegen  Süden.  Endynnion1)  war  von  allen  Menschen  der 
erste,  welcher  diese  Erscheinungen  einsah,  und  deshalb, 
sagt  man,  soll  er  sich  in  den  Mond  verliebt  haben.  Wir 
sind  wahrlich  nicht  dankbar  gegen  die,  welche  sich  bemüh- 
ten, uns  über  dieses  Licht  aufzuklären;  und  eine  wunder- 
bare Krankheit  des  menschlichen  Geistes  ist  es,  dass  wir 
lieber  Blut  und  Kriege  in  den  Jahrbüchern  aufbewahren, 
damit  die  Schlechtigkeiten  der  Menschen  denen,  welche 
von  der  Welt  nichts  wissen,  bekannt  werden. 

Der  Mond  ist  also  dem  Mittelpunkte  der  Welt2)  am 
nächsten,  daher  vom  geringsten  Umlaufe,  und  durchläuft  in 
211J3  Tagen  denselben  Raum,  wozu  das  höchste  Gestirn, 
der  Saturn,  wie  gesagt,  30  Jahre  gebraucht.  Darauf  ver- 
weilt er  2  Tage  lang  in  Zusammenkunft3)  mit  der  Sonne, 
und  fängt  spätestens  am  30.  Tage  seinen  Lauf  wieder  eben- 
so an.  Ich  weiss  nicht,  ob  er  nicht  der  Leiter  für  alles,  was 
wir  am  Himmel  erkennen  konnten,  war,  und  veranlasste, 
dass  das  Jahr  in  12  Monate  getheilt  wurde,  da  er  selbst 
ebensoviel  mal  die  zu  dem  Anfangspunkte  ihres  Laufes 
zurückkehrende  Sonne  erreicht.  Von  dem  Schimmer  der 
Sonne  werden  der  Mond  sowie  alle  übrigen  Gestirne  re- 
giert, sie  leuchten  mit  dem  von  ihr  entlehnten  Lichte  ganz 
auf  eben  die  Weise,  wie  wir  ein  Licht  aus  dem  Wasser 
zurückspiegeln  sehen;  daher  er  mit  seiner  mildern  und 
schwächern  Kraft  die  Feuchtigkeit  nur  auflöst,  ja  wohl  gar 


')  Sohn  des  Aethlios  und  der  Kalyke,   war  Hirt  und    kam  aus 
Thessalien  mit  einer  Colonie  nach  JElis. 

2)  Worunter  bekanntlich  PI.  die  Erde  versteht. 

3)  coitus,  jetzt  gewöhnlich  Conjunction  genannt. 


Zweites  Buch.  131 

vermehrt,  welche  die  Sonnenstrahlen  verzehren.  Er  hat  ein 
ungleiches  Licht,  weil  er  nur  in  der  der  Sonne  entgegen- 
gesetzten Stellung  voll  ist,  an  den  übrigen  Tagen  aber  nur 
soviel  von  sich  sehen  lässt,  als  er  selbst  von  der  Sonne 
erhält.  Bei  der  Zusammenkunft1)  sieht  man  ihn  nicht, 
weil  er  alles  auf  der  entgegengesetzten  Seite  empfangene 
Licht  dahin  zurück  schickt,  woher  er  es  bekommen  hat. 
Die  Gestirne  werden  ohne  Zweifel  von  der  irdischen  Feuch- 
tigkeit ernährt;  bei  halber  Scheibe  erscheint  er  zuweilen 
fleckig,  weil  dann  seine  Kraft  nicht  hinreichend  ist  um  alles 
aufzunehmen,  denn  die  Flecken  sind  nichts  anderes,  als 
Unreinigkeiten,  die  er  mit  Hülfe  der  Feuchtigkeit  von  der 
Erde  aufgenommen  hat.  Seine  Verfinsterungen  und 
diejenigen  der  Sonne,  eine  der  bewunderungswürdigsten 
und  wunderbarsten  Erscheinungen  in  der  Natur,  zeigen 
durch  die  entstehenden  Schatten  die  Grösse  dieser  Welt- 
körper an. 

7. 
Es  ist  nämlich  klar,  dass  die  Sonne  durch  dieZwischen- 
kunft  des  Mondes  und  der  Mond  durch  die  Zwischenkunft 
der  Erde  uns  unsichtbar  wird,  sodass  dort  die  Sonnen- 
strahlen durch  den  Mond  der  Erde,  hier  aber  durch  die 
Erde  dem  Monde  entzogen  werden.  Tritt  letzterer  vor  die 
Sonne,  so  entsteht  plötzlich  Dunkelheit,  und  wiederum  wird 
durch  den  Schatten  der  Erde  jenes  Gestirn  verfinstert. 
Auch  ist  die  Nacht  nichts  anderes,  als  der  Schatten  der 
Erde.  Die  Gestalt  dieses  Schattens  ist  wie  die  Meta2)  oder 
ein  umgekehrter  Kreisel  beschaffen;  nur  sein  oberster  Theil 
trifft  ir>  den  Mond  und  geht  nicht  darüber  hinaus,  weil  kein 
anderes  Gestirn  dadurch3)  verdunkelt  wird,  und  eine  solche 
Figur  keine  Spitze  hat.  Die  höchsten  Flüge  der  Vögel 
bezeugen  nämlich,  dass  der  Schatten  durch  die  Entfernung 


*)  d.  h.  bei  Neumond  oder  Conjunction. 

2)  Die    am  Ende    des   römischen    Circus    befindliche    Spitzsäule, 
um  welche  die  Wettfahrenden  herumfuhren. 

3)  Durch  die  Zwischenkunft  der  Erde. 

9* 


132  Zweites  Buch. 

abnimmt  und  endlich  ganz  aufhört.  Daher  ist  die  Grenze 
des  Schattens  auch  die  der  Luft  und  der  Anfang  des 
Aethers.  Ueber  den  Mond  hinaus  herrscht  durchaus  reines 
und  beständiges  Licht.1)  Wir  sehen  des  Nachts  die  Ge- 
stirne, gleichwie  Lichter  aus  der  Finsternis?,  und  ebendes- 
halb wird  der  Mond  nur  des  Nachts  verfinstert.  Beide  Arten 
von  Finsternissen  treten  aber,  wegen  der  schiefen  Lage 
des  Thierkreises,  wegen  der  schon  besprochenen,  sehr  ab- 
weichenden Bahn  des  Mondes  und  der  nicht  immer  auf 
die  kleinsten  Theilchen  zusammentreffenden  Bewegung  der 
Gestirne,  nicht  zu  bestimmten  Zeiten  und  Monaten  ein. 

8. 
Diese  Betrachtung  erhebt  die  sterblichen  Seelen  in  den 
Himmel,  und  offenbart  ihnen  von  da  aus  die  Grösse  der 
drei  grössten  Naturkörper.  Es  könnte  nämlich  die  Sonne 
nicht  ganz  der  Erde  entzogen  werden  durch  den  Zwischen- 
tritt des  Mondes,  wenn  die  Erde  grösser  wäre  als  der  Mond. 
Der  ungeheuere,  die  Erde  sowohl  als  den  Mond  übertreffende 
Umfang  der  Sonne,  ergiebt  sich  von  selbst,  und  es  ist  da- 
her unnöthig,  ihre  Grösse  durch  den  Augenschein  und 
durch  Vermuthungen  zu  erforschen.  Sie  ist  unermesslich 
gross,  denn  sie  wirft  die  Schatten  der  an  den  Wegen  auf 
mehrere  1000  Schritte  hin  stehenden  Bäume  immer  in 
gleichen  Entfernungen  von  einander,  als  wenn  sie  überall 
im  Mittelpunkte  wäre;  ferner  bei  der  Tag-  und  Nachtgleiche 
allen  Bewohnern  der  heissen  Zone  zugleich  über  dem 
Scheitel,  und  die  Schatten  der  um  die  Wendekreise  Woh- 
nenden fallen  Mittags  gegen  Norden,  und  Morgens  gegen 
Westen.  Alles  diess  könnte  nicht  eintreten,  wenn  die  Sonne 
nicht  weit  grösser  wäre,  als  die  Erde;  auch  würde  sie  bei 
ihrem  Aufgange  den  Berg  Ida  nicht  an  Breite  übertreffen, 
während  sie  bei  so  ungeheuerer  Entfernung  doch  die  rechte 
und  linke  Seite  desselben  bescheint. 


')  Man  weiss  jetzt,  dass  auch  andere  Planeten,  z.  B.  Jupiter  und 
Saturn,  durch  den  Durchgang  ihrer  Trabanten  zwischen  ihnen  und 
der  Sonne  verdunkelt  werden. 


Zweites  Buch.  133 

Die  Mondfinsterniss  ist  ein  unzweideutiger  Beweis  ihrer 
Grösse,  so  wie  sich  aus  der  Verfinsterung  der  Sonne  die 
Kleinheit  der  Erde  ergiebt.  Denn  da  3  verschiedene  Ge- 
stalten des  Schattens  entstehen  können,  und  es  gewiss  ist, 
dass,  wenn  der  Körper,  welcher  den  Schatten  wirft,  dem 
Lichte  an  Grösse  gleicht,  ein  säulenförmiger  Schatten  ohne 
Ende  entsteht;  dass  aber,  wenn  der  Körper  grösser  als  das 
Licht  ist,  der  Schatten  die  Gestalt  eines  Kreisels  hat,  dessen 
unterster  Theil  am  schmälsten,  dessen  Länge  aber  eben- 
falls unendlich;  und,  ist  der  Körper  kleiner  als  das  Licht, 
der  Schatten  sich  als  eine,  nach  der  Spitze  zu  abnehmende 
Säule  zeigt,  wie  z.  B.  bei  der  Mondfinsterniss,  so  erhellt 
auf  unzweideutige  Weise,  dass  die  Erde  von  der  Sonne  an 
Grösse  übertroffen  wird.  Auch  in  der  Natur  finden  wir 
schweigende  Beweise  dafür;  denn  warum  entfernt  sich  im 
Winter  die  Sonne  von  der  Erde?  Um  durch  das  Dunkel 
der  Nächte  die  Erde  zu  erquicken,  welche  sie  sonst  ohn- 
fehlbar  verbrennen  würde,  was  auch  in  gewissen  Theilen 
der  Erde  geschieht.     So  bedeutend  ist  ihre  Grösse. 

9. 
Die  Ursache  beider  Verfinsterungen  hat  unter  den  Rö- 
mern zuerst  Sulpicius  Gallus,  der  mit  Marcellus  Consul  war, 
bekannt  gemacht1);  er  war  damals  noch  Kriegstribun,  und 
befreiete,  als  ihn  der  Feldherr  den  Tag  vor  dem  Siege  des 
Paullus  über  den  König  Perseus  zur  Vorhersagung  der 
Finsterniss  öffentlich  aufforderte,  das  Heer  von  der  Furcht; 
nachher  hat  er  ein  Werk  darüber  geschrieben.  Unter  den 
Griechen  erforschte  Thaies2)  von  Milet  jenen  Gegenstand 
zuerst;  er  sagte  im  4.  Jahre  der  48.  Olympiade  eine 
Sonnenfinsterniss  vorher,  welche  unter  dem  König  Alyattes,3) 
im  170.  Jahre  Roms  erfolgte.  Nachher  hat  Hipparchus4)  den 
Lauf  beider  Gestirne  auf  600  Jahre  vorausgesagt,  wobei  er 

')  Im  Jahre  Roms  584  (166  v.  Chr.  G.)     Vergl.  Livius  44,  37. 

2)  Einer    der    sieben   Weisen    Griechenlands,    geb.    648   v.    Chr.; 
starb  568. 

3)  Vater  des  Krösus,  König  von  Lydien. 

4)  Aus  Nicsea  in  Bithynien,  starb  um  125  v.  Chr. 


134  Zweites  Buch. 

zugleich  die  Zeitrechnung,  Tage,  Stunden,  die  Lage  der 
Orte  und  die  Art,  wie  den  verschiedenen  Völkern  diess 
alles  erscheinen  würde,  mit  berücksichtigte.  Nach  der 
Meinung  seines  Zeitalters  bewerkstelligte  er  sein  Vorhaben 
dadurch,  dass  er  an  den  Rathschlüssen  der  Natur  Theil 
nahm.  Gross  und  über  die  Natur  erhaben  waren  diese 
Männer,  welche  den  schwachen  Geist  der  Menschen,  der 
bei  den  Finsternissen  schwere  Unglücksfälle  oder  den 
Untergang  der  Gestirne  fürchtete,  von  diesem  Wahne  be- 
freieten.  Dass  aber  die  Menschen  sich  bei  Sonnenfinster- 
nissen gefürchtet  haben,  beweisen  die  erhabenen  Gesänge 
der  Dichter  Stesichorus  *)  und  Pindar;2)  man  beschuldigte 
den  Mond  der  Zauberei,  und  wollte  durch  heftiges  Geräusch 
die  Gefahr  abwenden.  Aus  gleicher  Furcht  und  unbekannt 
mit  der  wahren  Ursache  wagte  es  der  atheniensische  Feld- 
herr Nicias*)  nicht,  die  Flotte  aus  dem  Hafen  zu  führen, 
und  veranlasste  dadurch  die  Niederlage  seiner  Truppen. 
Dank  daher  eurem  Scharfsinn,  ihr  Deuter  des  Himmels,  die 
ihr  die  Natur  der  Dinge  erfasst,  die  Gründe  erforscht  und 
dadurch  Götter  und  Menschen  besiegt  habt!  Denn  sollte 
der,  welcher  alles  dieses  und  die  sogenannten  beständigen 
Arbeiten  der  Gestirne4)  erkennt,  nicht  die  Notwendigkeit 
seiner  Sterblichkeit  einsehen? 

Jetzt  will  ich  die  Ansichten  über  alle  diese  Er- 
scheinungen in  einzelnen  Abschnitten  kurz  berühren,  und 
an  den  Orten,  wo  es  nöthig  erscheint,  die  Gründe  bündig 
hinzufügen;  denn  erstens  liegt  eine  solche  Beweisführung 
nicht  in  dem  Plane  meines  Werkes,  und  zweitens  ist  es 
weniger  zu  verwundern,  dass  wir  nicht  die  Ursachen  von 
allen  Dingen  angeben  können,  als  dass  wir  es  bei  einigen 
im  Staude  sind. 


')  Aus  Himera  in  Sicilien,  lebte  5—600  v.  Chr. 

2)  Aus  Theben  in  Griechenland,  lebte  von  520—442  v.  Chr. 

3)  Er  versäumte  von  Syrakus  abzufahren  und  wurde  von  den  Sy- 
rakusanern  gänzlich  geschlagon.  S.  Plutarch  33.  34.  Thucydides  VII.  50. 

")  Yirgils  Aeneide  I.  746. 


Zweites  Buch.  135 

10. 

Es  ist  ausgemacht,  dass  die  Verfinsterungen  nach  223 
Monaten  wiederkehren,  dass  eine  Sonnenfinsterniss  nur  im 
Neumonde,  was  man  die  Zusammenkunft1)  nennt,  eine 
Mondfinsterniss  aber  nur  bei  Vollmond  und  zwar  immer 
wenn  er  beinahe  voll  ist,  entsteht.  Alljährig  treten  diese 
Verfinsterungen  beider  Gestirne  an  bestimmten  Tagen  und 
Stunden  auf  der  Erde  ein.  Da  sie  aber  über  uns  entstehen, 
so  können  sie  theils  wegen  den  Wolken,  theils,  weil  wegen 
der  Kugelgestalt  der  Erde  das  Gewölbe  des  Himmels  nur 
stellenweise  zu  sehen  ist,  nicht  allenthalben  beobachtet 
werden.  Hipparchus  hat,  von  200jährigen  Erfahrungen 
unterstützt,  auf  eine  scharfsinnige  Weise  dargethan,  dass 
eine  Mondfinsterniss  gewöhnlich  im  5.  Monate,  eine  Sonnen- 
finsterniss im  7.  Monate  nach  der  vorigen  erfolgt;  ferner, 
dass  diese  Verfinsterung  zwei  mal  in  30  Tagen  auf  der  Erde 
entsteht,  aber  bald  hier  bald  dort  gesehen  wird.  Das 
Wunderbarste  dabei  ist,  dass  der  Mond  durch  den  Schatten 
der  Erde  bald  auf  seiner  westlichen  und  bald  auf  seiner 
östlichen  Seite  verdunkelt  wird.  Und  wie  wird  die  einmal 
vorgekommene  Erscheinung,  dass  der  Mond  beim  Untergange 
der  Sonne  sich  verfinsterte,  während  beide  Gestirne  noch 
über  dem  Horizonte  standen,  zu  erklären  sein,  da  doch 
jener  verdunkelnde  Schatten  beim  Aufgange  der  Sonne 
unter  die  Erde  hätte  fallen  müssen?  Denn,  dass  beide 
Gestirne  innerhalb  15  Tagen  am  Himmel  vermisst  wurden, 
hat  sich  in  unserer  Zeit,  als  der  Kaiser  Vespasian  zum 
dritten  und  sein  Sohn  zum  zweiten  Male  Consul  war, 
zugetragen.2) 

11. 

Dass  der  Mond  stets  seine  Spitzen  von  der  Sonne  ab 
und  gegen  Osten  wendet,  wenn  er  zunimmt,  nach  Westen 
aber,   wenn   er  abnimmt,   ist  ausser  Zweifel.    Bis  er  voll 


J)  Mit  der  Sonne. 

2)  Im  Jahre  Roms  825  (71  n.  Chr.),  wo  am  8.  Febr.  eine  Sonnen- 
und  am  22.  Febr.  eine  Mondfinsterniss  statt  fand. 


136  Zweites  Buch. 

wird,  scheint  er  täglich  um  mehr  als  3/4  Stunden1)  länger,, 
wenn  er  abnimmt,  um  so  viel  kürzer.  Innerhalb  14  Graden 
der  Sonne  ist  er  stets  unsichtbar.  Hierin  haben  wir  den 
Beweis,  dass  die  übrigen  Planeten  grösser  sind  als  der 
Mond,  da  jene  auch  bei  7  Graden  sich  zeigen.  Nur  ihre 
Höhe  macht,  dass  sie  kleiner  erscheinen.  Ebenso  verhindert 
der  Sonnenschein,  dass  wir  die  Fixsterne  am  Tage  sehen, 
obgleich  sie  bei  Tag  und  Nacht  leuchten,  was  sich  aus 
den  Beobachtungen  während  der  Sonnenfinsternisse  und  in 
tiefen  Brunnen  ergiebt. 

12. 

Die  drei  Planeten,  welche,  wie  oben  gesagt  wurde, 
über  der  Sonne  stehen,  sind  unsichtbar,  wenn  sie  mit  ihr 
zusammen  kommen.  Sie  erscheinen  aber  früh  Morgens 
wieder,  sobald  sie  nur  um  11  Grade  wieder  entfernt  sind. 
Darauf  werden  sie  von  den  Sonnenstrahlen  bedeckt,  und 
halten  im  Gedrittstein,  nämlich  120  Grade  von  der  Sonne 
entfernt,  ihren  Frühstand,  welchen  man  auch  den  ersten 
nennt;  auf  der  entgegengesetzten  Seite  erfolgt  in  einer 
Entfernung  von  180  Graden  ihr  Abendaufgang.  Nähern  sie 
sich  aber  wieder  auf  120  Grade  von  der  anderen  Seite,, 
so  halten  sie  ihren  Abendstand,  oder  den  zweiten;  bis  die 
Sonne  sie  in  einer  Nähe  von  12  Graden  verdunkelt,  was 
dann  der  Abenduntergang  heisst. 

Der  Mars,  welcher  der  Sonne  näher  ist,  empfindet  auch 
im  Geviertscheine,  d.  i.  in  einem  Abstände  von  90  Graden 
ihre  Strahlen,  daher  hat  seine  Bewegung  den  Namen  „erste 
und  zweite  Neunziger-Bewegung",  von  beiden  Aufgängen 
an  gerechnet,  bekommen.  Wenn  er  seinen  Stillstand  hält, 
verweilt  er  6  Monate  in  den  Zeichen,  ausserdem  nur  2 
Monate,  während  bei  den  übrigen  Planeten  beide  Stillstände 
nicht  volle  4  Monate  dauern. 

Die  beiden  unteren  Planeten2)  werden  in  der  Abend- 
Zusammenkunft  auf  gleiche  Weise  verdunkelt,  und  halten. 


!)  47  »  2  Minuten. 

2)  Venus  und  Merkur. 


Zweites  Buch.  137 

nachdem  sie  die  Sonne  verlassen,  in  gleichen  Graden  ihren 
Frtihaufgang.  Von  den  entferntesten  Punkten  ihres  Ab- 
standes  an  folgen  sie  der  Sonne,  werden,  wenn  sie  sie  er- 
reicht, beim  Frühuntergange  verdeckt  und  gehen  vorbei. 
Bald  darauf  gehen  sie  in  derselben  Entfernung  bis  zu  den 
von  uns  angegebenen  Grenzen  am  Abend  auf,  kehren  von 
diesen  zur  Sonne  zurück  und  verschwinden  beim  Abend- 
untergange. Die  Venus  hält  auch  von  beiden  Aufgängen 
an  2  Stillstände,  einen  früh  Morgens,  den  andern  Abends, 
und  zwar  in  den  entferntesten  Grenzen  ihres  Abstandes; 
die  Stillstände  des  Merkur  sind  von  zu  kurzer  Dauer,  als 
dass  sie  wahrgenommen  werden  können. 

13. 

So  verhält  es  sich  mit  dem  Leuchten  und  den  Verfinster- 
ungen der  Planeten,  Erscheinungen,  welche  wegen  der  Art 
der  Bewegung  sehr  verwickelt  und  von  vielen  Wundern 
begleitet  sind,  denn  sie  verändern  ihre  Grösse  und  Farbe, 
gehen  nach  Norden  und  entfernen  sich  nach  Süden,  bald 
sieht  man  sie  der  Erde,  bald  dem  Himmel  näher.  Wenn 
wir  bei  diesen  Gegenständen  vieles  anders,  als  unsere  Vor- 
fahren erklären,  so  räumen  wir  doch  auch  jenen,  welche 
zuerst  den  Weg  zu  weiterer  Forschung  gezeigt  haben,  ein 
Verdienst  ein.  Möge  daher  Niemand  zweifeln,  dass  mit 
den  Zeiten  die  Kenntnisse  zunehmen.  —  Alle  diese  Er- 
scheinungen beruhen  auf  mehreren  Ursachen. 

Die  erste  Ursache  liegt  in  den,  von  den  Griechen 
Apsiden  x)  genannten  Punkten  der  Planeten-Bahnen,  (denn 
wir  werden  uns  hier  der  griechischen  Worte  bedienen 
müssen).  Eine  jede  Planetenbahn  hat  aber  ihre  eigenen 
Apsiden,  die  von  denen  der  Welt  verschieden  sind;  denn 
die  Erde  ist  von  den  beiden  Scheitelpunkten  aus,  welche 
man  Pole  nennt,  der  Mittelpunkt  des  Himmels  und  des 
Thierkreises,  der  schief  dazwischen  liegt.    Alles  dieses  er- 


*)  Apsiden  heissen  die  beiden  Endpunkte  der  grössten  Axe  in 
der  Ellipse,  wo  der  eine  von  der  Sonne  am  weitesten  entfernt,  der 
andere  ihr  am  nächsten  ist. 


138  Zweites  Buch. 

hellt  aus  der  stets  unzweifelhaften  Beschaffenheit  des  Zir- 
kels. Daher  entstehen  zwei  Apsiden  von  jedem  der  beiden 
Brennpunkte  der  Planetenbahn;  aus  dieser  Ursache  haben 
sie  auch  verschiedene  Kreise  und  ungleiche  Bewegungen, 
weil  die  innern  Apsiden  nothwendig  kürzer  sein  müssen. 
Von  dem  Mittelpunkte  der  Erde  liegt  die  entfernteste  Ap- 
side des  Saturn  im  Skorpion,  des  Jupiter  in  der  Jungfrau, 
des  Mars  im  Löwen,  der  Sonne  in  den  Zwillingen,  der  Ve- 
nus im  Schützen,  des  Merkur  im  Steinbock,  und  zwar  alle 
mitten  in  diesen  Zeichen.  Auf  der  entgegengesetzten  Seite 
liegen  die  tiefsten  und  dem  Mittelpunkte  der  Erde  näch- 
sten Apsiden.1)  So  geschieht  es,  dass  die  Planeten  sich 
langsamer  zu  bewegen  scheinen,  wenn  sie  die  entfernteste 
Bahn  durchlaufen;  nicht,  weil  sie  etwa  ihre  natürliche  Be- 
wegung, welche  für  sie  bestimmt  und  jedem  eigentümlich 
ist,  beschleunigten  oder  verzögerten,  sondern,  weil  die  von 
den  höchsten  Apsiden  aus  gezogenen  Linien  sich  nothwendig 
zusammendrängen  müssen,  wie  die  Speichen  an  den  Rädern. 
Ein  und  dieselbe  Bewegung  erscheint  also  je  nach  der  Nähe 
des  Mittelpunkts  bald  grösser  bald  geringer. 

Eine  zweite  Ursache  der  Höhe  der  Planeten  ist,  dass 
sie  ihre  von  ihrem  eigenen  Brennpunkte  entferntesten 
Apsiden  in  andern  Zeichen  haben,  nämlich  Saturn  im  20. 
Grade  der  Wage,  Jupiter  im  15.  des  Krebses,  Mars  im 
28.  des  Steinbocks,  die  Sonne  im  20.  des  Widders,  Venus 
im  17.  der  Fische,  Merkur  im  15.  der  Jungfrau,  der  Mond 
im  4.  des  Stiers. 

Ein  dritter  Grund  ihrer  Höhe  ergiebt  sich  aus  der 
Grösse  des  Himmels,  nicht  der  Kreisbahn,  indem  sie  unsern 
Augen  in  dem  unermesslichen  Räume  der  Luft  auf-  und 
abzusteigen  scheinen. 

Mit  diesem  Grunde  hängt  die  der  Breite  und  schiefen 
Lage  des  Thierkreises  zusammen.    Durch  ihn  wandern  die 


l)  Also  die  des  Saturn  irn  Stier,  des  Jupiter  in  den  Fischen,  des 
Mars  im  Wassermann,  der  Sonne  im  Schützen,  der  Venus  in  den 
Zwillingen,  des  Merkur  im  Krebs. 


Zweites  Buch.  139 

genannten  Planeten.  Auch  wird  kein  anderer  Theil  der 
Erde  als  der  unter  ihm  liegende  bewohnt;  die  übrigen 
Theile  nach  den  Polen  hin  sind  wüste.  Nur  die  Venus 
überschreitet  ihn  um  zwei  Grade,  und  diess  mag  die  Ursache 
sein,  dass  einige  Thiere  selbst  in  öden  Gegenden  vorkommen. 
Auch  der  Mond  geht  durch  seine  ganze  Breite,  überschreitet 
dieselbe  aber  nirgends.  Demnächst  geht  der  Merkur  am 
weitesten,  doch  so,  dass  er  von  den  zwölf  Graden,  welche 
die  Breite  des  Thierkreises  ausmachen,  nur  8  durchläuft, 
aber  auch  diese  nicht  gleichmässig,  sondern  2  mittlere, 
4  obere  und  2  untere.  Die  Sonne  bewegt  sich  in  der  Mitte 
innerhalb  2  Graden  mit  gebogenem  schlangenähnlichem 
Laufe;  Mars  in  den  4  mittelsten;  Jupiter  in  dem  mittelsten 
und  den  2  darüber  befindlichen;  Saturn  in  den  beiden  mit- 
telsten, wie  die  Sonne.  So  Verhaltes  sich  mit  den  Breiten 
der  nach  Süden  herablaufenden,  oder  nach  Norden  aufstei- 
genden Planeten.  Viele  sind  der  irrigen  Meinung,  dass 
hierauf  auch  die  dritte  Ursache  der  Höhe  der  von  der  Erde 
zum  Himmel  aufsteigenden  Planeten  beruhe,  und  dass  auf 
gleiche  Weise  auch  die  Erde  emporsteige;  um  diese  zu 
widerlegen,  müssen  wir  den  höchsten  und  alle  Gründe 
umfassenden  Scharfsinn  anwenden. 

Es  ist  die  übereinstimmende  Meinung,  dass  die  Plaueten 
beim  Abenduntergange,  sowohl  der  Breite  als  Höhe  nach, 
der  Erde  am  nächsten  stehen;  dass  ihr  Morgenaufgang  beim 
Anfange  einer  jeden  Breite  und  Höhe,  und  ihre  Stillstände 
in  der  Mitte  ihrer  Breiten,  welche  Ekliptik  genannt  wird, 
stattfinden.  Ferner  hat  man  zugestanden,  dass  die  Bewe- 
gung zunimmt,  so  lange  sie  der  Erde  nahe  sind,  und  ab- 
nimmt, wenn  sie  sich  von  ihr  entfernen,  was  sich  am  meisten 
aus  den  Entfernungen  des  Mondes  erweist.  Auch  waltet 
kein  Zweifel  mehr  ob,  dass  ihre  Bewegung  schneller  bei 
den  Morgenaufgängen,  und  dass  die  der  obersten  Planeten 
vom  ersten  Stillstande  bis  zum  zweiten  geringer  ist.  Unter 
solchen  Umständen  ist  ihr  Steigen  in  die  Breite  vom  Mor- 
genaufgange an  offenbar,  weil  sie  in  dieser  Stellung  zuerst 
eine  langsam  zunehmende  Bewegung  anfangen;  sie  werden 


140  Zweites  Buch. 

aber  in  den  ersten  Stillständen  in  die  Höhe  gehen,  weil 
dann  zuerst  die  Zahl  abzunehmen  beginnt  und  die  Sterne 
zurückgehen.  Den  Grund  hiervon  muss  ich  noch  besonders 
angeben.  Getroffen  in  dem  bereits  erwähnten1)  Grade, 
werden  sie  durch  den  Gedrittschein  der  Sonne  an  ihrem 
geraden  Laufe  verhindert,  und  durch  die  feurige  Kraft  in 
die  Höhe  gezogen.  Dies  können  wir  mit  unsern  Augen 
nicht  geradezu  wahrnehmen,  sie  scheinen  also  still  zu  ste- 
hen, und  daher  kam  der  Name:  Stillstand.  Dann  geht  die 
Macht  jener  Strahlen  noch  weiter,  und  die  zurückprallende 
Hitze  nöthigt  sie  zurückzugehen.  Noch  weit  mehr  ist 
solches  der  Fall  bei  ihrem  Abenduntergange,  wenn  die 
Sonne  sich  hinter  ihnen  befindet,  denn  sie  werden  zu  ihren 
höchsten  Apsiden  getrieben  und  am  wenigsten  gesehen, 
weil  sie  am  höchsten  stehen  und  die  geringste  Bewegung 
haben,  die  um  so  geringer  sein  muss,  wenn  sie  in  den  höch- 
sten Zeichen  der  Apsiden  erfolgt.  Vom  Abendaufgange 
an  geschieht  die  Bewegung  in  die  Breite  herunter,  jetzt 
aber  in  weniger  abnehmender  Weise,  nimmt  jedoch  nicht 
vor  dem  zweiten  Stillstande  wieder  zu,  da  auch  die  Höhe 
sich  vermindert,  indem  der  Strahl  von  der  andern  Seite 
hinzukommt  und  sie  mit  derselben  Kraft  zur  Erde  hinab- 
drückt, welche  sie  beim  ersten  Gedrittschein  gegen  den 
Himmel  hintrieb.  So  gross  ist  der  Unterschied,  wenn  die 
Strahlen  von  unten  oder  von  oben  kommen.  Weit  öfter 
ereignet  sich  diess  beim  Abenduntergange.  So  verhält  es 
sich  mit  den  obern  Gestirnen;  schwieriger  ist  die  Beschaf- 
fenheit der  übrigen  zu  ergründen,  und  noch  Niemand  hat 
vor  mir  davon  gehandelt. 

14. 
Zuerst  will  ich  erklären,  warum  die  Venus  nie  weiter 
als  46  und  Merkur  nie  weiter  als  20  Grade  von  der  Sonne 
entfernt  sind,  oft  aber  noch  unter  diesen  Graden  nach  der 
Sonne  zurückkehren.  Beide  haben,  da  sie  unterhalb  der 
Sonne   liegen,    entgegengesetzte    Apsiden,    und   von   ihren 

')  120sten. 


Zweites  Buch.  141 

Bahnen  liegt  so  viel  unterhalb  der  Erde,  als  hei  den  vor- 
erwähnten Planeten  oberhalb  derselben.  Sie  können  also 
nicht  weiter  entfernt  sein,  weil  der  Bogen  der  daselbst  be- 
findlichen Apsiden  keine  grössere  Ausdehnung  hat.  Daher 
bestimmt  bei  beiden  auf  ähnliche  Weise  die  Peripherie 
ihrer  Apsiden  die  Grösse  der  Bahn,  und  was  ihnen  an  Länge 
abgeht,  wird  durch  die  Ausdehnung  in  die  Breite  ersetzt. 
Aber  warum  gelangen  sie  nicht  stets  zum  46.  und  23.  Gra- 
de? Sie  thun  es  allerdings,  nur  die  gewöhnliche  Berech- 
nung betrügt  uns;  denn  es  erhellet,  dass  sich  ihre  Apsiden 
auch  bewegen,  weil  sie  niemals  über  die  Sonne  kommen. 
Wenn  daher  die  Grenzen  der  Apsiden  auf  der  einen  oder 
andern  Seite  theilweise  in  die  Sonne  fallen,  so  werden 
auch  die  Planeten  ihren  grössten  Abstand  erreicht  haben; 
wenn  die  Grenzen  und  eben  so  viele  Grade  diesseits,  so 
glaubt  man,  dass  sie  schneller  zurückkehren,  da  jener  Punkt 
für  beide  immer  der  höchste  ist.  Hieraus  ergiebt  sich  nun 
ihre  entgegengesetzte  Bewegung;  denn  die  obern  Planeten 
gehen  beim  Abenduntergange  am  schnellsten,  diese  am  lang- 
samsten; jene  sind  von  der  Erde  am  weitesten  entfernt, 
wenn  sie  sich  am  langsamsten  bewegen,  diese,  bei  ihrer 
schnellsten  Bewegung. 

Sowie  bei  jenen  die  Nähe  des  Centrums  (Brennpunktes) 
den  Lauf  beschleunigt,  so  thut  es  hier  die  Entfernung 
ihrer  Bahn.  Jene  fangen  vom  Morgen  auf  gange  an  lang- 
samer, diese  schneller  zu  gehen,  jene  halten  ihren  Rücklauf 
von  ihrem  Morgenstillstande  an  bis  zu  ihrem  Abendstill- 
stande; die  Venus  aber  vom  Abendstillstande  bis  zum  Mor- 
genstillstande. Sie  fängt  von  ihrem  Morgenaufgange  an  in 
der  Breite  zu  steigen,  steigt  aber  in  die  Höhe  und  folgt 
der  Sonne  vom  Morgenstillstande  an,  und  am  schnellsten 
und  höchsten  läuft  sie  beim  Morgenuntergange.  Dann  geht 
sie  in  der  Breite  herab  und  vermindert  ihre  Bewegung 
vom  Abendaufgange  an,  kehrt  aber  wieder  zurück  und 
geht  nieder  vom  Abendstillstande  au. 

Merkur   steigt  auf  beiderlei  Weise1)  vom  Morgenauf- 


')  In  Höhe  und  Breite. 


142  Zweites  Buch. 

gange  aD,  nimmt  aber  in  der  Breite  vom  Abendaufgange 
an  ab;  nachdem  er  sich  der  Sonne  bis  auf  15  Grad  genä- 
hert, bleibt  er  fast  4  Tage  lang  unbeweglich  stehen;1)  dann 
steigt  er  von  der  Höhe  herab  und  geht  rückwärts  vom 
Abenduntergange  an  bis  zum  Morgenaufgange.  Nur  er  und 
der  Mond  steigen  in  eben  so  vielen  Tagen  aufwärts,  wie 
abwärts.  Venus  bedarf  15  Tage  mehr  zum  Aufsteigen; 
Saturn  und  Jupiter  haben  doppelt,  und  Mars  viermal  so 
viel  Zeit  nöthig.  So  viel  Mannigfaltigkeit  liegt  in  der  Na- 
tur. Aber  der  Grund  davon  ist  klar;  denn  die  Sterne, 
welche  zur  Glüht  der  Sonne  hinstreben,  entfernen  sich  un- 
gern wieder  von  ihr. 

15. 
Es  können  bei  dieser  Gelegenheit  noch  manche  Ge- 
heimnisse der  Natur,  und  Gesetze,  denen  sie  selbst  unter- 
worfen ist,  angeführt  werden;  z.  JB.,  dass  der  Mars,  dessen 
Lauf  am  schwierigsten  zu  beobachten  ist,  wenn  der  Jupiter 
im  Gedrittschein  steht,  niemals  einen  Stillstand  macht,  und 
nur  sehr  selten,  wenn  er  60  Grade  von  ihm  entfernt  ist; 
diese  Zahl  theilt  den  Weltkreis  in  ein  Sechseck.  Auch 
geht  er  nur  in  zwei  Zeichen,  dem  Krebse  und  dem  Löwen, 
mit  ihm  zugleich  auf.  Merkur  aber  hält  seinen  Abendauf- 
gang selten  in  den  Fischen,  am  häufigsten  in  der  Jungfrau, 
seinen  Morgenaufgang  aber  in  der  Wage  und  im  Wasser- 
mann, sehr  selten  im  Löwen.  Sein  Rückgang  geschieht 
nie  im  Stiere  und  in  den  Zwillingen,  im  Krebse  aber  nicht 
unter  dem  25.  Grade.  Der  Mond  kommt  in  keinem  andern 
Zeichen  als  den  Zwillingen  zweimal  mit  der  Sonne  zusam- 
men, und  nur  im  Schützen  zuweilen  gar  nicht.  Man  sieht 
ihn  an  dem  ersten  Tage  oder  in  der  ersten  Nacht,  wo  er 
neu  wird,  nur  im  Widder,  und  auch  diess  haben  nur  wenige 
wahrgenommen.     Daher  wurde  auch  Lynceus2)  wegen  sei- 


»)  Nach  neueren  Erfahrungen  dauert  dieser  scheinbare  Stillstand 
etwa  zwei  Tage. 

2)  Sohn  des  Aphareus  und  der  Arene,  der  so  scharf  sah,  dass 
sein  Blick  nach  Pindar  (Nem.  X.  114)  Eichen,  und  nach  Orpheus  (Ar- 
gonaut.  179)    sogar  Himmel,    Erde    und   Unterwelt    durchdrang.     Er 


Zweites  Buch.  143 

ner  Sehkraft  berühmt.  Saturn  und  Mars  sind  meistens  170 
Tage  lang  nicht  sichtbar  am  Himmel;  Jupiter  36,  oder 
mindestens  26;  Venus  69,  oder  mindestens  52,  Merkur  13s 
oder  höchstens  18  Tage. 

16. 
Die  Farbe  der  Planeten  ist  nach  ihrer  Höhe  verschie- 
den; denn  sie  werden  denjenigen  Sternen  ähnlich,  in  deren 
Dunstkreis  sie  beim  Aufsteigen  kommen,  und  die  Kreisbahn 
eines  anderen,  der  sie  sich  von  einer  oder  der  andern  Seite 
nähern,  färbt  sie.  Ein  kalter  Stern  macht  sie  blass,  ein 
heisser  roth,  ein  windiger  giebt  ihnen  ein  furchtbares  An- 
sehn; die  Sonne^aber,  die  Vereinigungspunkte  der  Apsiden 
und  ihre  weiteste  Bahn  machen  sie  dunkelschwarz.  Jeder 
hat  seine  eigenthüraliche  Farbe;  so  ist  der  Saturn  weiss, 
Jupiter  hell,  Mars  feurig,  Lucifer  glänzend  hell,  Vesperus 
leuchtend,  Merkur  strahlend,  der  Mond  milde,  die  Sonne 
beim  Aufgange  brennend,  nachher  aber  strahlend.  Mit  die- 
sen Ursachen  muss  man  auch  die  Erscheinungen  der  übrigen 
am  Himmel  befindlichen  Sterne  verbinden;  denn  bald  sind 
viele  Sterne  um  die  halbe  Mondscheibe  versammelt  und 
erleuchten  sie  massig  in  heiterer  Nacht,  bald  nur  sehr 
wenige,  so  dass  wir  voll  Verwunderung  glauben  sollten,  sie 
wären  entflohen,  während  sie  doch  der  Vollmond  nur  ver- 
birgt, oder  die  Strahlen  der  Sonne  oder  der  eben  genann- 
ten Gestirne  unsere  Augen  blenden.  Ohne  Zweifel  haben 
die  Sonnenstrahlen  selbst  durch  ihren  verschiedenen  Einfall 
Theil  an  dem  ungleichen  Lichte  des  Mondes,  indem  die 
Convexität  der  Welt  ihre  Beugung  schwächt,  ausgenommen, 
wenn  sie  im  rechten  Winkel  auf  ihn  fallen.  Daher  ist  er 
beim  Geviertscheine  der  Sonne  hell,  beim  Gedrittscheine 
beinahe  voll,  im  Gegenscheine  aber  ganz  voll,  und  wieder- 
um beim  Abnehmen  zeigt  er  dieselben  Erscheinungen  in 
gleichen  Zwischenräumen  auf  ähnliche  Weise,  wie  die  drei 
Gestirne  oberhalb  der  Sonne. 


nahm  Theil  an  der  kalydonischen  Jagd  und  am  Argonautenzuge. 
Endlich  wurde  er  nebst  seinem  Bruder  vom  Pollux  und  Jupiter  er- 
schlagen. 


144  Zweites  Buch. 

17. 
Die  Sonne  selbst  aber  bietet  4  Verschiedenheiten  dar: 
zwei  in  der  Tag-  und  Nachtgleiche,  im  Frühling  und 
und  Herbste,  wenn  sie  senkrecht  über  der  Erde  im  8.  Grade 
des  Widders  und  der  Wage  steht ;  zwei  in  sehr  verschie- 
denen Tageslängen,  nämlich  im  Winter,  wenn  die  Tage 
zunehmen,  im  8.  Grade  des  Steinbocks,  und  im  Sommer, 
wenn  sie  abnehmen,  im  8.  Grade  des  Krebses.  Die  Ur- 
sache dieser  Ungleichheiten  ist  die  schiefe  Lage  des  Thier- 
kreises,  da  die  eine  Hälfte  der  Welt  stets  unter  der  Erde, 
und  die  andere  Hälfte  über  derselben  sich  befindet.  Die- 
jenigen Zeichen,  welche  bei  ihrem  Aufgange  sich  senkrecht 
erheben,1)  leuchten  länger,  aber  die  schief  aufsteigenden 
ziehen  schneller  vorüber. 

18. 
Die  meisten  Menschen  wissen  noch  nicht,  was  die  ge- 
lehrtesten Männer  durch  ihre  grossen  Bemühungen  und  die 
Himmels-Erscheinungen  entdeckt  haben,  dass  nämlich  das- 
jenige, was  wir  Blitz  nennen,  Feuer  ist,  welches  vou  den 
3  obern  Planeten  und  vorzugsweise  dem  mittleren  (Jupiter) 
auf  die  Erde  herabfällt;  vielleicht,  weil  er  den  zu  grossen 
Andrang  von  Eeuchtigkeit  aus  der  obern,  und  von  Hitze 
aus  der  untern  Kreisbahn,  auf  diese  Weise  fortschafft. 
Daher  ist  das  Sprichwort  entstanden,  dass  Jupiter  Blitze 
schleudere.  So  wie  sich  aber  von  brennendem  Holze  eine 
Kohle  mit  Geräusch  ablöst,  ebenso  von  dem  Gestirne  das 
himmlische  Feuer,  und  dieses  ist  dann  bedeutungsvoll,  da- 
mit auch  nicht  einmal  der  abgelöste  Theil  in  seinem  gött- 
lichen Wirken  aufhöre.  Meistentheils  ereignet  sich  der- 
gleichen bei  trüber  Luft,  weil  die  gesammelte  Feuchtigkeit 
jenen  Ueberfluss  zur  Entladung  reizt,  oder  weil  die  Luft 
durch  die  Geburt  des  gleichsam  schwangeren  Gestirnes 
getrübt  wird. 

19. 
Auch  den  Abstand  der  Planeten  von  der  Erde  haben 


')  Krebe,  Löwe,  Jungfrau,  Wage,  Scorpion  und  Schütze. 


Zweites  Buch.  145 

Viele  zu  ergründen  gesucht  und  gesagt,  die  Sonne  sei  von 
dem  Monde  19  mal  so  weit  entfernt,  als  der  Mond  von  der 
Erde.  Pythagoras  aber,  ein  sehr  scharfsinniger  Mann, 
gibt  die  Entfernung  der  Erde  vom  Monde  zu  126,000  Sta- 
dien, des  Mondes  von  der  Sonne  zum  Doppelten  und  der 
Sonne  von  den  12  Zeichen  zum  Dreifachen  an.  Dieser 
Meinung  ist  auch  unser  Gallus  Sulpicius  l)  zugethan. 

20. 

Aber  Pythagoras  bestimmte  diese  Weiten  zuweilen 
auch  nach  musikalischen  Gesetzen,  und  nannte  die  Entfer- 
nung von  der  Erde  zum  Monde  einen  Ton,  vom  Monde  bis 
zum  Mars  einen  halben,  vom  Mars  bis  zur  Venus  beinahe 
einen  halben,  von  der  Venus  zur  Sonne  anderthalb,  von 
der  Sonne  zum  Mars,  gleich  wie  von  der  Erde  zum  Monde, 
einen,  vom  Mars  zum  Jupiter  einen  halben,  vom  Jupiter 
zum  Saturn  einen  halben  und  vom  Saturn  zum  Thierkreise 
anderthalb.  So  entstehen  7  Töne,  welche  man  die  voll- 
ständige Harmonie,  d.  h.  den  Inbegriff  aller  Tonverhältnisse 
nennt.  Saturn  soll  sich  nun  in  der  dorischen,  Jupiter  in 
der  phrygischen  Tonart  bewegen,  und  von  den  übrigen 
Planeten  handelt  er  in  ähnlichem  Sinne  mit  mehr  unterhal- 
tender als  praktischer  Genauigkeit. 

21. 

Ein  Stadium  beträgt  125  Schritte,  oder  625  Fuss.  Po- 
sidonius2)  sagt,  die  Höhe,  in  welcher  Nebel,  Wind  und 
Wolken  sich  befinden,  sei  von  der  Erde  weniger  als  40  Sta- 
dien entfernt;  von  da  an  sei  die  Luft  rein,  klar  und  von 
ungetrübter  Helle.  Von  der  Region  der  Wolken  soll  der 
Mond  2,000,000,  und  von  da  die  Sonne  5,000,000  Stadien 
weit  sein.  Dieser  ungeheuere  Zwischenraum  sei  die  Ur- 
sache, dass  die  Erde  nicht  verbrenne.  Viele  Wolken  sollen 
jedoch  bis  zu  900  Stadien  hinaufsteigen.  Diese  Behauptun- 
gen sind  zwar  ungewiss  und  unerweisbar,   allein  ich  muss 

')  Ueber  denselben  s.  d.  9.  Kapitel. 

2)  Von  Apamea  in  Syrien,  geb.  135  v.  Chr.,  machte  grosse  Rei- 
sen, kam  100  nach  Gallien,  86  nach  Rom,  wo  er  Cicero's  und  Pom- 
pejus'  Freund  war,  und  lebte  nachher  zu  Rhodus;  starb  51  v.  Chr. 

10 


146  Zweites  Buch. 

sie  so  vortragen,  wie  man  sie  uns  überliefert  hat.  Dennoch 
ist  hiebei  eine  auf  untrüglichen  Grundsätzen  der  Geometrie 
ruhende  Berechnung  nicht  zu  verwerfen,  wenn  man  jene 
Dinge  weiter  verfolgen  will.  Nur  sollte  man  damit  niemals 
das  Maass  ergründen  wollen,  (denn  das  wäre  ein  unsinniger 
Zeitvertreib),  sondern  dem  forschenden  Geiste  nur  eine 
ohngefähre  Schätzung  darbieten. 

Da  nämlich  die  Sonnenbahn  aus  fast  366  Theilen  von 
dem  Umfange  der  Sonuenscheibe  besteht,  und  der  Durch- 
messer stets  den  dritten  Theil,  weniger  beinahe  einem  Sie- 
bentel eines  Drittels,  vom  Umfange1)  ausmacht;  so  erhellt, 
dass,  wenn  man  die  Hälfte  davon  nimmt  (weil  die  Erde 
mitten  in  der  Bahn  liegt),  beinahe  der  sechste  Theil  dieses 
unermesslichen  Baumes,  den  man  sich  als  die  Bahn  der 
Sonne  um  die  Erde  denkt,  der  Entfernung  der  Sonne  von 
der  Erde  gleich  sei;  die  Entfernung  des  Mondes  aber  den 
zwölften  Theil  betrage,  weil  er  in  so  viel  kürzerer  Zeit  als 
die  Sonne  seinen  Umlauf  hält.  Der  Mond  schwebt  daher 
mitten  zwischen  der  Sonne  und  der  Erde. 

Man  muss  sich  wundern,  wie  weit  die  Verwegenheit 
des  menschlichen  Geistes  geht;  durch  einen  kleinen  Erfolg, 
wie  wir  ihn  oben  mitgetheilt  haben,  angereizt,  übersteigt 
seine  Unverschämtheit  alle  Grenzen.  Die  da  wagten,  die 
Entfernung  der  Sonne  von  der  Erde  zu  errathen,  wollten 
diess  auch  auf  den  Himmel  anwenden,  weil  die  Sonne  sich 
in  der  Mitte  befinde;  ja  es  scheint  fast,  dass  man  die  Grösse 
der  Welt  nach  Zollen  berechnen  will.  Als  wenn  man  das 
Maass  des  Himmels  durch  das  Bleiloth  bestimmen  könnte, 
weil  der  Durchmesser  eines  Kreises  7,  und  der  Umfang  22 
solche  Theile  hat!  Nach  einer  ägyptischen  Berechnung 
von  Petosiris  und  Nechepsus  2)  beträgt  ein  einzelner  Grad 
in  der  Mondbahn  (die,  wie  wir  gesagt  haben,  die  klein- 
ste ist)    etwas   mehr   als    33   Stadien;  in  der  des  Saturn, 


')  Der  Durchmesser  des  Kreises  verhält  sich  zur  Peripherie  wie 
7  :  22,  oder  wie  1  :  3,  14. 

2)  Sie  lebten  im  6.  Jahrhundert  v.  Chr.;  der  letztere  war  König 
in  Aegypten. 


Zweites  Buch.  147 

welche  am  grössten  ist,  doppelt  soviel;  in  derjenigen  der 
Sonne,  welche  wir  als  die  mittelste  bezeichnet  haben,  die 
Hälfte  von  der  Summe  beider  Grössen.  Dieses  Rai- 
sonnement  ist  noch  das  bescheidenste,  weil,  wenn  man  zur 
Bahn  des  Saturn  die  Entfernung  des  Thierkreises  fügt, 
eine  unzählige  Vervielfältigung  entsteht. 

22. 

Von  der  Welt  bleibt  jetzt  nur  noch  etwas  Weniges 
zu  sagen  übrig.  Am  Himmel  entstehen  nämlich  plötzlich 
Sterne  und  zwar  verschiedener  Art.  Die  Griechen  nennen 
sie  Kometen,  wir  Haarsterne  *),  denn  sie  haben  einen 
furchtbar  blutrothen  Schweif,  und  auf  dem  Scheitel  gleich- 
sam rauhe  Haare.  Auch  nennen  die  Griechen  dieselben 
Bartsterne2),,  weil  unten  an  ihnen  eine,  einem  langen  Barte 
ähnliche  Mähne  herabhängt.  Pfeilsterne3)  heissen  sie,  weil 
sie  gleich  einem  Geschosse  dahineilen,  und  ihre  Vorbe- 
deutungen sehr  schnell  eintreffen.  Ein  solcher  war  der, 
welchen  der  Kaiser  Titas  während  seines  5.  Consulats4) 
in  einem  herrlichen  Gedichte  beschrieb,  und  der  bis  auf 
diesen  Tag  der  letzterschienene  ist.  Sind  sie  kürzer  und 
endigen  sie  in  eine  Spitze,  so  heissen  sie  Schwertsterne.5) 
Diese  sind  unter  allen  Sternen  die  blassesten,  glänzen  wie 
ein  Schwert  und  werfen  keine  Strahlen.  Die  Scheiben- 
sterne 6),  welche,  wie  der  Name  schon  sagt,  scheibenförmig 
sind,  haben  eine  hellgelbe  Farbe,  und  werfen  nur  wenige 
Strahlen.  Der  Fassstern7)  hat  die  Gestalt  eines  Fasses 
und  in  der  Höhlung  ein  rauchiges  Licht.  Der  Homstern8) 
gleicht  einem  Hörne;  ein  solcher  stand  am  Himmel,  als 
die  Griechen  bei  Salamis  den  Sieg  erfochten. 

Der  Fackelstein9)  sieht  brennenden  Fackeln  ähnlich; 
der  Rossstern  10)  Pferdemähnen,  die  sich  in  schnellster  Be- 
wegung im  Kreise  um  ihn  drehen.  Es  giebt  auch  einen 
weissen  Komet,  mit  silberfarbigem  Schweife,  und  so  glän- 


')  Crinita?.  2)  Pogonia?.  3)  Acontiae.  '')  Im  Jahre  76  n.  Chr. 
5)  Xiphise.  6)  Disceus.  7)  Pitheus.  8)  Ceratias.  9)  Lampadias. 
10)  Hippeus. 

10* 


148  Zweites  Buch. 

zend,  dass  man  ihn  kaum  ansehen  kann;  dabei  zeigt  sich 
in  ihm  ein  Bild  der  Gottheit  in  menschlicher  Gestalt.  An- 
dere sind  rauh  wie  Wolle  und  mit  einer  Wolke  umgeben. 
Einmal  nur  verwandelte  sich  eine  Mähne  in  einen  Spiess, 
in  der  109.  Olympiade,  dem  398.  Jahre  der  Stadt.1)  Der 
kürzeste  Zeitraum  ihrer  Sichtbarkeit  wird  zu  7,  der  längste 
zu  80  Tagen  angegeben. 

23. 

Einige  Kometen  bewegen  sich  nach  Art  der  Planeten, 
andere  sind  unbeweglich.  Gewiss  ist,  dass  sie  alle  im  Nor- 
den erscheinen,  zwar  nicht  immer  in  einer  bestimmten 
Region,  meist  aber  doch  in  dem  weissen  Streife,  welcher 
den  Namen  Milchstrasse  erhalten  hat.  Aristoteles2)  er- 
zählt, es  würden  wohl  auch  mehrere  zugleich  gesehen; 
diess  hat  jedoch,  soviel  ich  weiss,  Niemand  weiter  bemerkt. 
Sie  zeigen  starke  Winde  und  Hitze  an.  Auch  in  den  Win- 
termonaten, sowie  am  Südpole  sind  sie  sichtbar,  dann  aber 
ohne  Mähne.  Ein  fürchterlicher  Komet  zeigte  sich  den 
Bewohnern  Aethiopiens  und  Aegyptens,  der  von  dem  da- 
maligen Könige  Typhon  genannt  wurde;  er  hatte  einen 
feurigen  Schein,  war  wie  eine  Spirale  gewunden,  von  gräss- 
lichem  Ansehn,  und  eher  ein  feuriger  Klumpen  als  ein 
Stern.  Zuweilen  sieht  man  auch  an  den  Planeten  und 
übrigen  Sternen  Haare.  Niemals  zeigt  sich  ein  Komet  am 
westlichen  Theile  des  Himmels. 

Meistentheils  ist  der  Komet  ein  schreckenerregendes 
und  nicht  leicht  zu  versöhnendes  Gestirn,  wie  der  Bürger- 
aufstand unter  dem  Consul  Octavius 3)  und  der  Krieg 
zwischen  Pompejus  und  Caesar 4)  beweisen.  Auch  in 
unserer  Zeit  sah  man,  als  der  Kaiser  Claudius  vergiftet 
wurde5),    ferner   unter   der   Regierung   seines   Nachfolgers 


»)  Dieses  Jahr  fällt  aber  in  die  106.  Olympiade. 

2)  Der  berühmteste  Schüler    des  Plato,  geb.    384  zu  Stagira  in 
Macedonie»,  starb  322  zu  Chalkis. 

3)  76  v.  Chr. 
A)  49  v.  Chr. 

5)  Seine  Gemahlin  Agrippina  vergiftete  ihn  54  n.  Chr.  Er  hiess  mit 


Zweites  Buch.  149 

Domitius  Nero *)  lange  Zeit  einen  schrecklichen  Kometen. 
Man  glaubt,  ihr  Einfluss  hänge  davon  ab,  nach  welcher 
Gegend  sie  hineilen,  welches  Sternes  Kräfte  sie  annehmen, 
welchen  Dingen  sie  ähnlich  sehen  und  an  welchen  Orten 
sie  sich  zeigen.  Haben  sie  die  Gestalt  von  Flöten,  so  sol- 
len sie  auf  Tonkunst  deuten;  auf  unzüchtige  Sitten  aber, 
wenn  sie  in  den  Schaamtheilen  der  Thierbilder  stehen;  auf 
Verstand  und  Gelehrsamkeit,  wenn  sie  eine  3-  oder  4sei- 
tige  gleichwinklige  Figur  mit  den  naheliegenden  Fixsternen 
bilden;  auf  Giftmischerei,  wenn  sie  im  Kopfe  der  nördlichen 
oder  südlichen  Schlange  stehen. 

Nur  an  einem  einzigen  Orte  auf  der  Erde,  nämlich  zu 
Rom,  wird  ein  Komet  in  einem  Tempel  verehrt,  weil  ihn 
der  göttliche  Augustus  als  ein  sehr  günstiges  Zeichen  für 
sich  ansah.  Dieser  erschien  nämlich  zu  Anfang  seiner 
Regierung,  während  der  Spiele,  die  er  zu  Ehren  der  Venus 
Genetrix2),  kurz  nach  dem  Tode  seines  Vaters  Caesar, 
in  dem  von  letzterem  gestifteten  Collegium 3)  hielt.  Mit 
folgenden  Worten  bezeugte  er  seine  Freude  darüber:  „In 
den  Tagen  meiner  Spiele  wurde  ein  Haarstern  7  Tage  lang 
am  nördlichen  Theile  des  Himmels  gesehen.  Er  entstand 
um  die  elfte  Tagesstunde,  war  klar  und  in  allen  Ländern 
sichtbar.  Das  Volk  glaubte,  er  bedeute  die  Aufnahme  der 
Seele  Caesars  unter  die  unsterblichen  Götter,  und  aus  dieser 
Veranlassung  habe  ich  jenes  Zeichen  an  dem  Kopfe  des 
Standbildes,  welches  ich  bald  nachher  auf  dem  Forum  ein- 
weihete,  angebracht."  So  legte  er  es  öffentlich  aus,  aber 
im  Herzen  freuete   er   sich   und   nahm   an,   der  Stern   sei 

seinem  vollständigen  Namen  Tiberius  Claudius  Drusus  Caesar,  war 
der  jüngste  Sohn  des  Cl.  Drusus  Nero  des  Aelteren  und  der  Schwester- 
tochter des  August,  der  jüngeren  Antonia,  Bruder  des  Germanicus 
Caligula's  Vatersbruders,  geb.  9  v.  Chr.  zu  Lyon,  und  wurde  41  n.  Chr. 
nach  Caligula's  Ermordung,  Kaiser. 
»)  64  n.  Chr. 

2)  Unter  diesem  Beinamen  verehrte  man  die  Venus  als  Stamm- 
mutter des  Julischen  Geschlechts.  Ihr  Fest  fiel  in  den  Anfang  des 
Octobers. 

3)  Ein  Priester-Collegium  zur  Feier  jener  Tage. 


150  Zweites  Buch. 

seinetwegen  erschienen  und  bedeute  seine  wachsende  Grösse; 
und,  wenn  wir  die  Wahrheit  gestehen  sollen,  so  war  diess 
auch  wirklich  eine  der  Erde  heilsame  Vorbedeutung. 

Einige  halten  die  Kometen  für  beständig  dauernde  Ge- 
stirne, die  ihren  Umlauf  haben,  aber  nur,  wenn  sie  von  der 
Sonne  entfernt  sind,  gesehen  werden  können.  Andere  mei- 
nen, sie  seien  zufällige  Erzeugnisse  von  Feuchtigkeit  und 
einer  feurigen  Kraft,  und  lösten  sich  von  selbst  wieder  auf 1). 

24. 

Eben  jener  Hipparchus,  der  nie  genug  gelobt  werden 
kann,  da  Niemand  besser  als  er  die  Verwandtschaft  der 
Gestirne  mit  dem  Menschen,  und  dass  unsere  Seele  ein 
Theil  des  Himmels  sei,  erwiesen  hat,  entdeckte  einen  neuen 
Stern  von  anderer  Beschaffenheit,  der  zu  seiner  Zeit  ent- 
standen war.  Durch  dessen  Bewegung  an  dem  Tage,  wo 
er  leuchtete,  kam  er  auf  die  Vermuthung,  dass  diess  öfter 
geschehe,  und  dass  sich  auch  diejenigen  bewegten,  welche 
wir  für  feststehend  halten.  Er  wagte  auch  —  ein  frevel- 
haftes Unternehmen  —  den  Nachkommen  Sterne  zuzuzählen, 
und  sie  nach  ihren  Namen  zu  ordnen.  Er  erdachte  Instru- 
mente, vermittelst  welcher  er  den  Standort  und  die  Grösse 
eines  jeden  bezeichnete,  damit  man  hiedurch  nicht  nur  ihr 
Verschwinden  und  Entstehen,  sondern  auch  überhaupt,  ob 
sie  vorüberziehen  und  sich  bewegen,  ob  sie  grösser  oder 
kleiner  werden,  leicht  unterscheiden  könnte.  So  hinterliess 
er  der  Nachwelt  den  Himmel  als  eine  Erbschaft,  wenn  Je- 
mand sich  fände,  der  seine  Berechnung  begreifen  würde. 

25. 

Es  leuchten  auch  Fackeln  am  Himmel,  können  aber 
nur  gesehen  werden,  wenn  sie  herabfallen.  Eine  solche 
flog,    während  eines  von  Germanicus  Caesar2)  gegebenen 


')  Tyge  Brahe  und  Mtestlin,  Keplers  Lehrer,  scheinen  zuerst 
die  Kometen  als  Himmelskörper  erkannt  zu  haben;  Kepler  wies  ihnen 
geradlinige  Bahnen  an.  Der  Danziger  Astronom  Hevelius  nahm 
parabolische  Bahnen  an,  ebenso  Newton,  dessen  Methode  von  Halley 
ausgebildet  wurde. 

'-)  Neffe  des  Tiberius,  Gemahl  der  älteren  Agrippina,  Vater  des 


Zweites  Buch.  151 

Fechterspiels  vor  den  Augen  des  Volkes  am  Mittage  vor- 
über. Man  unterscheidet  zwei  Arten  davon;  die  einen  nennt 
man  schlechthin  Fackeln  *),  die  andern  heissen  Wurf- 
spiesse2); eine  solche  erschien  zur  Zeit  des  Mutinensischen 
Krieges. 3)  Sie  unterscheiden  sieb  dadurch  von  einander, 
dass  die  Fackeln  eine  lange  Spur  hinterlassen,  während 
ihr  vorderer  Theil  brennt;  die  Spiessfackel  aber  brennt  ganz 
und  nimmt  einen  grösseren  Raum  ein. 

26. 

Auf  ähnliche  Weise  entstehen  aueb  feurige  Balken, 
welche  die  Griechen  doxoi  nennen;  ein  solcher  zeigte  sich,  als 
die  Lacedämonier,  zur  See  besiegt4),  die  Herrschaft  über 
Griechenland  verloren.  Bisweilen  spaltet  sich  auch  der 
Himmel,  was  man  Chasma  nennt. 

27. 

Auch  erscheint  zuweilen  ein  blutrothes  Feuer  (eine  der 
schrecklichsten  Erscheinungen  für  den  furchtsamen  Men- 
schen), das  dann  vom  Himmel  zur  Erde  fällt;  z.  B.  im  drit- 
ten Jahre  der  107.  Olympiade 5),  als  der  König  Philippus 6) 
Griechenland  bedrängte.  Ich  glaube,  dass  diese,  sowie  die 
übrigen  Naturerscheinungen,  zu  bestimmten  Zeiten  eintreten, 
und  nicht,  wie  die  meisten  annehmen,  aus  verschiedenen, 
von  ihnen  erst  ergrübelten  Ursachen  entstehen.  Zwar  sind 
sie  immer  Vorboten  grosser  Unglücksfälle  gewesen,  allein 
mich  dünkt,  dass  letztere  nicht  eintrafen,  weil  jene  ge- 
schehen waren;  sondern  dass  diese  vorausgingen,  weil  jene 
eintreffen  sollten.     Bei  ihrer  Seltenheit  ist  uns  ihre  nähere 


Caligula  und  der  jüngeren  Agrippina,  Nero's  Grossvater,  geb.  15  v. 
Chr.,  starb  19  n.  Chr.  im  Oriente. 
')  Lampades. 

2)  Bolides. 

3)  Mutina,  jetzt  Modena,.  Brutus  wurde  darin  (44  v.  Chr.)  von 
Antonius  belagert. 

4)  Durch  Conon,   den  Befehlshaber  der  Athenienser,  395  v.  Chr. 

5)  350  v.  Chr. 

6)  Der  II.  oder  der  Grosse  von  Macedonien,  Vater  Alexanders 
des  Grossen,  war  der  jüngste  Sohn  des  Königs  Amyntas  IL,  regierte 
bis  336  v.  Chr.  mit  grossem  Ruhme;  wurde  von  Pausanias  ermordet. 


152  Zweites  Bück 

Beschaffenheit  noch  verborgen;  daher  kennen  wir  sie  nicht 
so  genau  wie  die  oben  beschriebenen  Aufgänge,  Finsternisse 
und  viele  andere  Erscheinungen. 

28. 

Man  sieht  auch  Sterne  bei  der  Sonne  ganze  Tage  lang,, 
welche  meistens  die  Sonnenscheibe  wie  einen  aus  Ähren 
geflochtenen  Kranz  umgeben.  Ferner  buntfarbige  Kreise 
bemerkte  man;  ein  solcher  erschien,  als  der  Kaiser  Au- 
gustus  in  früher  Jugend  nach  Eom  kam,  um  nach  dem 
Tode  seines  Vaters  dessen  grossen  Namen  auf  sich  über- 
zutragen. Auch  um  den  Mond  und  andere  vorzügliche 
Sterne,  sogar  um  die  Fixsterne,  zeigen  sich  Kränze. 

29. 

Um  die  Sonne  erschien  ein  Bogen  unter  den  Consuln 
L.  Opimius  und  Q.  Fabius1);  eine  Scheibe  unter  L.  Por- 
cius  und  M.  Acilius2);  ein  Ring  von  rother  Farbe  unter 
L.  Julius  und  P.  Rutilius. 3) 

30. 

Auch  ereignen  sich  wunderbare  und  länger  dauernde 
Sonnenfinsternisse,  wie  bei  der  Ermordung  des  Dicta- 
tors  Caesar4),  und  im  Antonianischen  Kriege5),  wo  die 
Sonne  fast  das  ganze  Jahr  hindurch  blass  war. 

31. 

Auch  sieht  man  zuweilen  mehrere  Sonnen  auf  ein- 
mal, aber  weder  oberhalb  noch  unterhalb  von  ihr,  sondern 
in  schräger  Richtung;  niemals  neben  ihr,  noch  zur  Erde 
gekehrt,  noch  des  Nachts;  sondern  entweder  beim  Auf-  oder 
Untergange  der  Sonne.  Einmal  sollen  auch  solche  Sonnen 
Mittags  am  Bosporus  gesehen  worden  sein,  und  vom  Morgen 


')  683  nach  Roms  Erbauung  oder  121  v.  Chr. 
2)  640      »  „  „      114   „       „ 

3)664      ,  „  „  £0    ,       „ 

4)  710  „  ,  „  44  ,  „  C.  Julius  Caesar, 
Sohn  des  Prätors  gleichen  Namens  und  der  Aurelia,  Cotta's  Toch- 
ter, geb.  den  6.  Juli  100  v.  Chr.  Seine  Ermordung  fiel  auf  den 
15.  März  des  genannten  Jahres. 

5)  Krieg  des  Antonius  gegen  Octavianus  Augustus;  er  endigte 
mit  der  Seeschlacht  bei  Actium,     721  nach  R.  E.  oder  29  v.  Chr. 


Zweites  Buch.  153 

bis  zum  Abend  gedauert  haben.  Drei  Sonnen  haben  die 
Alten  öfters  gesehen,  so  unter  Sp.  Postumius  und  Q.  Mu- 
cius  *);  Q.  Martius  und  M.  Porcius2);  M.  Antonius  und 
P.  Dolabella 3);  M.  Lepidus  und  L.  Plancus 4).  In  un- 
serer Zeit  sah  man  dergleichen  unter  der  Regierung  des 
vergötterten  Claudius,  da  derselbe  mit  Cornelius  Or- 
fitus5)  das  Consulat  bekleidete.  Mehr  als  drei  sollen  bis 
jetzt  noch  nicht  gesehen  worden  sein. 

32. 

Auch  3  Monde  sind  zugleich  sichtbar  geworden,  und 
zwar  unter  den  Consuln  Cn.  Domitius  und  C.  Fannius6). 
Viele  nennen  diese  nächtliche  Sonnen. 

33. 

Unter  C.  Csecilius  und  Cn.  Papirius7)  und  auch 
ausserdem  noch  oft  sah  man  des  Nachts  am  Himmel  ein 
Licht,  welches  die  Nacht  gleichwie  einen  Tag  erhellte. 

34. 

Ein  brennender  Schild  fuhr,  Funken  sprühend,  bei 
Sonnenuntergang  von  Abend  nach  Morgen  hin  unter  den 
Consuln  L.  Valerius  und  0  Marius8). 

35. 

Nur  einmal  und  zwar  unter  den  Consuln  Cn.  Octavius 
und  C.  Scribonius 9),  soll  ein  Funken  aus  einem  Sterne 
gefallen,  jemehr  er  sich  der  Erde  genähert  immer  grösser 
geworden  sein  und  nachdem  er  die  Grösse  des  Mondes 
erreicht,  eine  Helligkeit  gleichwie  die  eines  nebligen  Tages 
verbreitet  haben;  darauf  wieder  zum  Himmel  zurückgekehrt 
und  zu  einer  Fackel  geworden  sein.  Diese  Erscheinung 
sah  der  Proconsul  Silanus  und  sein  Gefolge. 


')  580  nach  R.  E.  oder  174  v.  Chr. 

2)  636   „   „  .  „   118  „  . 

3)  710   .   ,  .  ,    44  .  „ 

4)  712   „   »  ,  ,    42  „  „ 

5)  51  n.  Chr. 

6)  632  nach  R.  E.  oder  122  v.  Chr. 

7)  641   „   .  „  ,   113  .  . 

8)  654   ,   *  ,  ,   100  „  „ 

9)  678   .   ,  ,  ,    76  „  . 


154  Zweites  Buch. 

36. 

Auch  scheinen  die  Sterne  hin  und  her  zu  fahren, 
jedoch  nicht  ohne  Grund,  denn  die  Entstehung  heftiger 
Winde  von  derselben  Seite  her  hängt  damit  zusammen. 

37. 

Auch  im  Meere  und  auf  der  Erde  giebt  e  s  Sterne. 
Ich  selbst  habe  bei  den  nächtlichen  Feldwachen  einen 
leuchtenden  Schein  von  derartiger  Gestalt  auf  den  Spiessen 
der  vor  dem  Walle  stehenden  Soldaten  gesehen.  Sie  lassen 
sich  auch  auf  die  Segelstangen  und  andere  Schiffstheile 
nieder,  mit  einem  vernehmbaren  Geräusch,  wie  wenn  Vögel 
von  einem  Sitze  zum  andern  fliegen.  Wenn  sie  einzeln  er- 
scheinen, bringen  sie  Unheil,  denn  sie  versenken  dann  die 
Schiffe  und  wenn  sie  unten  in  den  Kiel  fallen,  so  ver- 
brennen sie  dieselben;  zu  zweien  aber  sind  sie  ein  günstiges 
Zeichen  und  verkünden  eine  glückliche  Fahrt.  Durch  ihre 
Ankunft  soll  jene  schreckliche  und  Unglückdrohende  so- 
genannte Helena *)  verjagt  werden.  Deshalb  schreibt  man 
auch  diese  Kraft  dem  Castor  und  Pollux  2)  zu,  und  ruft 
sie  auf  dem  Meere  als  Götter  an.  Auch  die  Häupter  der 
Menschen  leuchten  rings  um  in  den  Abendstunden,  was  von 
grosser  Vorbedeutung  ist.  Die  Ursachen  aller  dieser  Er- 
scheinungen kennt  man  nicht  genau;  sie  sind  in  der  Hoheit 
der  Natur  verborgen. 

38. 

So  viel  von  der  Welt  selbst  und  den  Gestirnen.  Nun 
wollen  wir  zu  den  übrigen  Merkwürdigkeiten  des  Himmels 
übergehen;  denn  auch  das  nannten  die  Alten  Himmel,  was 
wir  jetzt  mit  einem  anderen  Namen  Luft  nennen.  Dieser 
Lebenshauch  nimmt  allen  scheinbar  leeren  Raum  ein.  Un- 
terhalb des  Mondes  ist  ihr  Sitz,  und  noch  viel  tiefer  (wie 
ich  allgemein  angenommen  finde)  wird  sie,  indem  sich  eine 
unendliche  Menge   der   obern  Luft   mit   einer  unendlichen 

*)  Nach  Euripides  wurde  die  spartanische  Helena  nach  ihrer  Er- 
mordung von  der  Juno  in  den  Himmel  versetzt,  wo  ihr  Gestirn  aber 
den  Schiffern  Gefahr  drohete. 

2)  Die  Zwillinge  im  Thierkreise. 


Zweites  Buch.  155 

Menge  irdischer  Ausdünstungen  mischt,  mit  beiden  Antheilen 
erfüllt.  Daraus  entstehen  Wolken,  Donner  und  Blitz,  Ha- 
gel, Reif,  Regen,  Stürme  und  Wirbel.  Von  da  herab  kommen 
die  meisten  Uebel  der  Menschen,  und  dort  ist  der  Schau- 
platz des  Kampfes  der  Naturkräfte  unter  sich.  Die  Macht 
der  Gestirne  drückt  die  irdischen,  zum  Himmel  strebenden 
Theile  nieder,  und  zieht  die,  welche  nicht  von  selbst  auf- 
steigen, zu  sich  empor.  Regen  fällt  herab,  Nebel  steigen 
auf,  Flüsse  trocknen  aus,  Hagel  stürzt  nieder,  die  Sonnen- 
strahlen dörren  die  Erde  aus,  drängen  sie  von  allen  Seiten 
nach  der  Mitte  hin,  prallen  ungeschwächt  zurück,  und  neh- 
men mit  sich,  was  sie  können.  Die  Hitze  kommt  von  oben 
und  steigt  wieder  dahin  zurück.  Leer  stürzen  die  Winde 
herbei  und  kehren  mit  Raub  beladen  wieder  zurück.  Viele 
Thiere  ziehen  die  Luft  von  der  Höhe  ein;  allein  diese 
strebt  wieder  empor  und  die  Erde  ergiesst  ihren  Hauch  in 
die  Leere  des  Himmels.  So  wird,  indem  alles  in  der  Na- 
tur wie  in  einem  Triebwerke  hier  und  dort  hin  strebt,  die 
Zwietracht  durch  die  schnelle  Bewegung  der  Welt  genährt. 
Der  Kampf  kann  nicht  ruhen,  sondern  dauert  bei  dem 
reissend  schnellen  Umschwünge  fort,  und  zeigt,  indem  er 
mittelst  der  Wolken  plötzlich  den  Himmel  anders  überdeckt, 
die  Ursachen  der  Erscheinungen  in  der  die  Erde  umgeben- 
den unermesslichen  Runde.  Diess  ist  auch  das  Reich  der 
Winde.  Daher  hat  die  Natur  die  vorzüglichsten  Erschei- 
nungen, und  fast  alle  übrigen  Ursachen  derselben  dort 
vereinigt;  denn  die  Meisten  schreiben  auch  den  Donner  und 
Blitz  der  Gewalt  der  Winde  zu.  Ja  es  hat  sogar  zuweilen 
Steine  geregnet,  die  vom  Winde  emporgerissen  waren,  und 
vieles  andere.  Wir  müssen  daher  ausführlicher  über  diesen 
Gegenstand  sprechen. 

39. 
Es  ist  gewiss,  dass  die  Ursachen  der  Witterung  und 
andere  Erscheinungen  zum  Theil  fest  bestimmt,  zum  Theil 
zufällig  oder  noch  unerforscht  sind;  denn  wer  möchte  zwei- 
feln, dass  Sommer  und  Winter,  und  was  sonst  im  Laufe 
der  Zeit  einem  jährlichen  Wechsel  unterliegt  von  dem  Laufe 


156  Zweites  Buch. 

der  Gestirne  abhänge?  Sowie  daher  die  Natur  der  Sonne 
an  der  Anordnung  des  Jahres  erkannt  wird,  so  haben  auch 
alle  übrigen  Gestirne  ihre  eigenthümlichen  und  ihrer  be- 
sondern Natur  nach  in  ihren  Wirkungen  fruchtbaren  Kräfte. 
Einige  sind  ergiebig  an  Feuchtigkeit,  die  sich  in  Regen 
verwandelt,  andere  an  solcher,  die  zu  Reif  oder  zu  Schnee 
oder  zu  Hagel  wird;  einige  bringen  Sturm,  andere  laue 
Luft,  andere  Hitze,  andere  Thau  und  andere  Kälte.  Man 
darf  aber  ja  nicht  glauben,  dass  sie  nur  so  gross  sind  wie 
wir  sie  sehen;  denn  die  Berechnung  einer  so  ungeheuren 
Höhe  beweist,  dass  keiner  von  ihnen  kleiner  ist  als  der 
Mond.  Ein  jeder  wirkt  daher  bei  seiner  Bewegung  nach 
der  ihm  innewohnenden  Kraft;  wie  bekanntlich  das  Vor- 
überziehen des  Saturns  sich  durch  Regen  ankündigt.  Diese 
Kraft  ist  nicht  nur  den  wandelnden  Gestirnen  eigen,  son- 
dern auch  vielen  am  Himmel  fest  sitzenden,  so  oft  sie  durch 
die  Annäherung  der  Planeten  angetrieben  oder  durch  die 
auf  sie  fallenden  Strahlen  gereizt  werden.  Diess  nehmen 
wir  am  Regengestirn *)  wahr,  welches  die  Griechen  des- 
halb nach  ihrer  Bezeichnung  des  Regens  „Hyaden"  nennen» 
Ja,  einige  bringen  von  selbst  und  zu  bestimmten  Zeiten 
Regen,  wie  die  Böcke2)  bei  ihrem  Aufgange;  aber  der  Stern 
des  Arcturus3)  geht  fast  niemals  ohne  stürmisches  Hagel- 
wetter auf. 

40. 
Wem  ist  nicht  bekannt,  dass  beim  Aufgange  des 
Hundsgestirns4)  die  Hitze  der  Sonne  zunimmt?  Die  Wir- 
kungen dieses  Gestirns  werden  weit  und  breit  auf  Erden 
empfunden.  Bei  seinem  Aufgange  schäumt  das  Meer,  braust 
der  Wein  in  den  Kellern  und  bewegen  sich  die  Sümpfe. 
Eine  wilde  Ziege,  in  Aegypten  Oryx5)  genannt,  soll  sich 
bei  seinem  Aufgange  ihm  entgegen  stellen,  es  ansehen  und 


')  Suculae.     Sie  stehen  im  Kopfe  des  Stiers. 

2)  Haedi,  neben  und  in  der  linken  Schulter  des  Fuhrmannes. 

3)  Oberhalb  des  linken  Knies  des  Bärenhüters  (Bootes). 

4)  oder  Sirius  in  des  Schnauze  des  grossen  Hundes. 
*)  Vielleicht  die  Spiessgemse,  Antilope  Oryx. 


Zweites  Buch.  157 

durch  Niesen  gleichsam  anbeten.  Auch  ist  kein  Zweifel, 
dass  die  Hunde  in  der  ganzen  Zeit  am  leichtesten  toll 
werden. 

41. 
Sogar  einzelne  Theile  einiger  Thierzeichen  haben  be- 
sondere Kraft,  denn  im  Herbst  -  Aequinoctium  und  im 
Winter-Solstitium  sehen  wir  das  Gestirn  durch  stürmisches 
Wetter  getrübt.  Allein  diess  lässt  sich  nicht  bloss  an 
Regengüssen  und  Stürmen  wahrnehmen,  sondern  wird  auch 
durch  viele  Erfahrungen  an  unserm  Körper  und  auf  dem 
Felde  bestätigt.  Einige  Menschen  werden  davon  angehaucht, 
andere  spüren  zu  gewissen  Zeiten  eine  Bewegung  im  Un- 
terleibe, den  Nerven,  dem  Kopfe  und  Geiste.  Der  Oelbaum, 
die  weisse  Pappel  und  die  Weiden  rollen  im  Sommersol- 
stitium  ihre  Blätter  zusammen.  Selbst  am  kürzesten  Tage 
blühet  das  an  Häusern  aufgehangene,  trockne  Poleikraut, 
und  mit  Luft  gefüllte  Blasen  springen.  Wundern  wird  sich 
der,  welcher  die  tägliche  Erfahrung  nicht  beachtet,  dass 
ein  Kraut,  Heliotropium  genannt,  die  Sonne  stets  ansieht, 
und  zu  allen  Stunden  sich  mit  ihr  drehet,  selbst  wenn  jene 
mit  Nebel  bedeckt  ist.  So  wachsen  und  schwinden  selbst 
durch  den  Einfluss  des  Mondes  die  Körper  aller  Austern, 
Schnecken  und  Muscheln.  Fleissige  Beobachter  haben  auch 
gefunden,  dass  die  Fibern  der  Spitzmäuse  der  Tagezahl 
des  Mondes  entsprechen,  und  dass  das  so  kleine  Thier,  die 
Ameise,  die  Gewalt  des  Gestirns  empfindet  und  stets  im 
Neumonde  ruhet.  Dem  Menschen  gereicht  seine  Unwissen- 
heit hierin  um  so  mehr  zur  Schande,  da  er  sieht,  dass  die 
Augenkrankheiten,  besonders  einiger  Lastthiere,  mit  dem 
Monde  zu-  und  abnehmen.  Alles  steht  unter  dem  Schutze 
des  weiten  Himmels,  dessen  unermesslicher  Umfang  in  72 
Zeichen  getheilt  ist.  Diese  Zeichen  sind  Bilder  von  Ge- 
genständen und  lebenden  Wesen,  in  welche  die  Gelehrten 
den  Himmel  geschieden  haben.  In  ihnen  haben  sie  noch 
1600,  durch  Glanz  und  Grösse  ausgezeichnete  Sterne  be- 
stimmt; z.  B.  im  Schweife  des  Stiers  7,  welche  das  Sieben- 


158  Zweites  Buch. 

gestirn J)  heissen,  an  der  Stirn  desselben  die  Suculae  und 
den  Bootes,  welcher  dem  grossen  Bären  folgt. 

42. 

Dass,  abgesehen  von  den  angeführten  Ursachen,  auch 
auf  andere  Weise  Regen  und  Winde  entstehen,  will  ich 
nicht  in  Abrede  stellen;  denn  so  viel  ist  gewiss,  die  Erde 
haucht  einen  feuchten,  sonst  aber  durch  Einflüsse  der  Hitze 
rauchigen  Dunst  aus.  Auch  die  Wolken  erzeugen  sich  aus 
der  in  die. Höhe  gestiegenen  Feuchtigkeit  oder  aus  den 
zu  Feuchtigkeit  verdichteten  Dünsten.  Dass  sie  eine  ge- 
wisse Dichtigkeit  haben  und  etwas  Körperliches  sind,  geht 
unbezweifelt  daraus  hervor,  dass  sie  die  Sonne  verdecken, 
welche  doch  sonst  den  Tauchern  in  jeder  Tiefe  unter  dem 
Wasser  sichtbar  bleibt. 

43. 

Auch  ist  nicht  zu  leugnen,  dass  oben  aus  den  Sternen 
ein  solches  Feuer  (wie  wir  es  oft  bei  heiterem  Himmel 
sehen),  in  die  Wolken  fallen  kann,  durch  dessen  Schlag 
die  Luft  erschüttert  wird,  da  ja  auch  abgeschossene  Pfeile 
ein  Geräusch  machen.  Sobald  nun  das  Feuer  in  die  Wolke 
gelangt  ist,  entwickelt  sich  ein  zischender  Dampf,  wie 
wenn  glühendes  Eisen  ins  Wasser  getaucht  wird,  und  ein 
Rauchwirbel  steigt  empor.  Auf  solche  Weise  entstehen 
die  Sturmwinde.  Kämpfen  in  den  Wolken  Wind  oder  Dampf 
sich  drängend,  so  haben  wir  den  Donner;  durchbricht  die 
Glüht  die  Wolken,  den  Blitz;  nimmt  sie  aber  einen  län- 
geren Gang,  das  Wetterleuchten;  dieses  zertheilt  die  Wol- 
ken, jener  durchbricht  sie.  Die  Donner  sind  also  Stösse 
des  andringenden  Feuers,  daher  gleich  darauf  feurige  Risse 
in  den  Wolken  schimmern. 

Auch  die  von  der  Erde  aufgestiegene,  aber  durch  den 
Gegenstoss  der  Sterne  niedergepresste  und  von  einer  Wolke 
aufgehaltene  Luft  kann  Donner  erzeugen.  So  lange  die 
Luft  kämpft,  erstickt  die  Natur  jeden  Laut;  bricht  sie  sich 
aber  Bahn,   so  entsteht  ein   Knall,  wie  beim  Zerspringen 

')  Vergilise. 


Zweites  Buch.  159 

einer  mit  Luft  gefällten  Blase.  Ferner  kann  sich  die  Luft, 
von  welcher  Beschaffenheit  sie  auch  sein  mag,  beim  Herab- 
stürzen durch  Reibung  entzünden.  Gleichfalls  kann  beim 
Zusammentreffen  von  Wolken,  ähnlich  wie  aus  zwei  an- 
einander geriebenen  Steinen  Feuer  entsteht,  woher  das 
Funkeln  der  Blitze  kommt.  Aber  alles  diess  gehört  zu 
den  zufälligen  Erscheinungen;  solche  Blitze  sind  meist  wild 
und  unbedeutend,  und  weichen  von  dem  natürlichen  Gange 
der  Natur  ab.  Sie  fahren  in  Berge  und  Meere;  alle  ihre 
anderen  Schläge  sind  wirkungslos.  Jene  andern  aber  kom- 
men nach  festbestimmten  Ursachen  als  Verkünder  des 
Schicksals  von  oben  herab  aus  ihren  Gestirnen. 

44. 

Dass  auf  ähnliche  Weise  Winde  oder  vielmehr  Luft- 
ströme aus  der  dünnen  und  trocknen  Ausdünstung  der 
Erde  entstehen  können,  möchte  ich  nicht  leugnen;  auch 
aus  der  von  den  Gewässern  ausgehauchten  weder  zu  Nebel 
verdichteten  noch  zu  Wolken  verdickten  Luft;  sowie  durch 
den  Trieb  der  Sonne  (denn  der  Wind  wird  für  nichts 
anderes  gehalten  als  für  ein  Strömen  der  Luft),  endlich 
noch  auf  verschiedene  andere  Weise  bilden  sie  sich.  Denn 
auch  aus  Flüssen,  und  aus  dem  selbst  ruhigen  Meere  ent- 
wickeln sich  Winde;  andere,  Atlanen  genannt,  steigen  aus 
der  Erde.  Wenn  diese  vom  Meere  zurückkehren,  nennt 
man  sie  Tropäen,  und  wenn  sie  über  das  Meer  hinziehen, 
Apogeen. 

Die  Bergzüge  aber,  ihre  zahlreichen  Gipfel,  ihre  wie  Ell- 
bogen gekrümmten  oder  wie  Schultern  gebrochenen  Rücken, 
die  Aushöhlungen  der  Thäler,  welche  durch  ihre  Ungleich- 
heit die  aus  ihnen  emporgestiegene  Luft  durchschneiden 
(daher  auch  die  Stimme  darin  widerhallt),  erzeugen  fort- 
während Winde.  Ja  selbst  in  Höhlen  entstehen  Winde; 
so  befindet  sich  an  der  Küste  von  Dalmatien  eine  weite 
jähe  Schlucht,  in  welcher  durch  Hineinwerfen  eines  leich- 
ten Körpers  selbst  an  ruhigen  Tagen  ein,  einem  Wirbel- 
winde ähnliches  Brausen  erfolgt.  Der  Ort  führt  den  Na- 
men Senta.    So  soll  auch   in  der   Landschaft   Cyrene   ein 


160  Zweites  Buch. 

dem  Südwinde  geheiligter  Fels  liegen,  welchen  keine 
menschliche  Hand  berühren  darf,  ohne  dass  der  Südwind 
sogleich  den  Sand  aufwirbelt.  Sogar  in  manchen  Häusern 
haben  viele  durch  Abhaltung  des  Lichts  feucht  gewordene 
Gemächer  ihren  Wind;  an  einer  Ursache  fehlt  es  daher 
niemals. 

45. 
Zwischen  dem  Luftstrome  und  dem  Winde  findet  ein 
bedeutender  Unterschied  statt.  Jener  wehet  beständig  und 
fühlbar,  und  zieht  sich  nicht  bloss  über  einzelne  Striche, 
sondern  über  ganze  Länder  hin.  Er  ist  weder  eine  milde 
Luft,  noch  ein  Sturmwind,  sondern  wie  schon  der  Name  x) 
anzeigt,  der  männliche  Wind.  Er  wird  entweder  durch  den 
beständigen  Lauf  der  Welt  und  den  Gegenlauf  der  Sterne 
erzeugt;  oder  er  ist  jener,  allen  Naturwesen  gemeinsame, 
bald  hier  bald  dorthin  wie  in  einem  Schlauche  herum- 
schweifende Hauch;  oder  er  ist  die,  durch  den  ungleichen 
Stoss  der  Planeten  und  den  vielfältigen  Wurf  der  Strahlen 
gepeitschte  Luft;  oder  er  entsteht  aus  besondern,  den  Son- 
nenstrahlen näheren  Sternen,  oder  aber  aus  den  Fixsternen. 
So  viel  ist  gewiss,  dass  jenem  Strome  ein  nicht  unbekanntes, 
wenn  auch  noch  nicht  genugsam  erforschtes  Naturgesetz 
zum  Grunde  liegt.  Mehr  als  20  alte  griechische  Schrift- 
steller haben  ihre  Beobachtungen  darüber  mitgetheilt.  Es 
ist  in  der  That  sehr  zu  bewundern,  dass  auf  der  uneinigen 
und  in  kleine  Staaten  getheilten  Erde,  unter  fortwährenden 
Kriegen,  wo  die  Gastfreundschaft  verletzt  ward,  und  sogar 
Seeräuber,  die  Feinde  aller  Menschen,  die  Uebergänge  be- 
setzt hielten,  so  viele  Männer  mit  so  schwierigen  Sachen 
beschäftigt  gewesen  sind;  so  dass  heutzutage  ein  Jeder  in 
seinem  Lande  aus  den  Werken  jener  Forscher,  welche 
doch  nie  dahin  gekommen  waren,  über  jene  Gegenstände 
besser  unterrichtet  ist,  als  durch  die  Kunde  der  Eingebornen. 
Jetzt  aber,  bei  dem  beglückenden  Frieden,  unter  einem 
Künste  und  Wissenschaften  befördernden  Fürsten,   erwei- 

•)  Flatus. 


Zweites  Buch.  161 

tern  wir  unser  Wissen  nicht  nur  nicht,  sondern  machen 
uns  auch  nicht  einmal  mit  den  Erfindungen  der  Alten  be- 
kannt. Die  damaligen  Belohnungen  waren  nicht  gross, 
denn  die  Glücksgüter  theilten  sich  unter  viele;  und  die 
meisten  fanden  keinen  anderen  Preis  für  ihre  Bemühungen 
als  das  Bewusstsein,  der  Nachwelt  genützt  zu  haben.  Die 
Sitten  der  Menschen  sind  gealtert,  nicht  ihre  Werke.  Eine 
zahllose  Menge  schifft  allenthalben  auf  dem  offnen  Meere 
umher,  und  nimmt  die  Gastfreundschaft  aller  Küsten  in 
Anspruch,  nicht  der  Wissenschaft,  sondern  des  Gewinnes 
wegen.  Der  blinde,  von  Habsucht  so  erfüllte  Geist  bedenkt 
nicht,  dass  er  seinen  Endzweck  durch  die  Wissenschaft 
weit  sicherer  erreichen  kann.  Ich  werde  daher  von  den 
Winden  genauer,  als  es  vielleicht  für  den  Plan  dieses  Wer- 
kes passt,  handeln,  weil  ich  auf  so  viele  Tausend  Seefahrer 
Kücksicht  nehme. 

46. 
Die  Alten  nahmen  überhaupt  vier  Winde,  nach  den 
vier  Weltgegenden  an  (daher  auch  Homer  nicht  mehrere 
nennt);  allein  diese  Eintheilung  war,  wie  man  bald  einsah, 
mangelhaft.  Das  folgende  Zeitalter  fügte  mit  allzugrosser 
Genauigkeit  und  Zersplitterung,  noch  acht  hinzu.  Die  fol- 
genden wählten  das  Mittel  zwischen  beiden,  indem  sie  zu 
der  kleinern  Eintheilung  noch  vier  von  der  grössern  setz- 
ten. Dadurch  kommen  also  je  zwei  auf  die  vier  Himmels- 
gegenden. Vom  Aequinoctial-Aufgange  (der  Sonne)  kommt 
der  Ostwind  *),  vom  Winteraufgange  der  Südostwind 2); 
jenen  nennen  die  Griechen  Apeliotes,  diesen  Eurus.  Vom 
Mittag  kommt  der  Südwind8),  vom  Winteruntergange  der 
Südwest4);  bei  den  Griechen  Notus  und  Liba.  Vom  Aequi- 
noctial-Untergange  der  Westwind5),  vom  Solstitial-Unter- 
gange  der  Nordwest6);  bei  den  Griechen  Zephyrus  und 
Argestes.  Von  Mitternacht  der  Nordwind7),  zwischen  ihm 
und  dem  Solstitial-Aufgange  der  Nordost8);   bei  den  Grie- 


')  Subsolanus.    2)  Vultumus.   3)  Auster.    4)  Africus.    5)  Favonius. 
«)  Corus.    7)  Septentrio.    8)  Aquilo. 

11 


1(32  Zweites  Buch. 

eben  Aparktias  und  Boreas.  Nach  der  grössern  Eintheilung 
kommen  noch  vier  Winde  dazwischen,  nämlich:  der  Nord- 
nordwest1), mitten  zwischen  Nord  und  dem  Solstitial-Unter- 
gange;  der  Ostnordost2)  mitten  zwischen  dem  Nordost  und 
dem  Aequinoctial- Aufgange,  vom  Solstitial-Punkte  an;  der 
Südsüdost 3),  mitten  zwischen  dem  Winteraufgange  und 
Mittag;  der  Südsüdwest 4)  mitten  zwischen  Mittag  und  dem 
Winteruntergange,  d.  h.  zwischen  Süd  und  Südwest 5)  und  da- 
her aus  beiden  (Namen)  zusammengesetzt.  Aber  das  ge- 
nügte noch  nicht!  Einige  setzten  nämlich  zwischen  dem 
Boreas  und  Csecias  den  Nordostnord6),  und  zwischen  den 
Eurus  und  Notus  den  Südostsüd.7) 

Einige  Winde  sind  nur  gewissen  Ländern  eigenthüm- 
lich,  und  gehen  nicht  über  einen  bestimmten  Strich  hinaus; 
wie  z.  B.  bei  den  Atheniensern  der  Sciron,  der  wenig  vom 
Argestes  abweicht  und  dem  übrigen  Griechenland  unbekannt 
ist.  An  andern  Orten,  wo  er  etwas  mehr  von  Norden  weht, 
heisst  er  Olympias;  allein  gewöhnlich  ist  mit  allen  diesen 
Namen  der  Argestes  gemeint.  Auch  den  Csecias  nennen 
Einige  Hellespontias.  Ueberhaupt  haben  dieselben  Winde 
an  verschiedenen  Orten  verschiedene  Namen.  In  der  Nar- 
bonensischen  Provinz  ist  der  Circius  der  bedeutendste  aller 
Winde,  denn  er  steht  keinem  an  Heftigkeit  nach,  und  weht 
meistens  über  das  ligurische  Meer  nach  Ostia  hin.  Der- 
selbe ist  nicht  nur  in  den  übrigen  Theilen  der  Erde  unbe- 
kannt, sondern  er  berührt  auch  nicht  einmal  Vienna,  die 
Hanptstadt  jener  Provinz,  weil  er,  ungeachtet  seiner  Heftig- 
keit, nahe  vor  der  Stadt  durch  einen  nicht  sehr  bedeuten- 
den Bergrücken  aufgehalten  wird.  Auch  Fabianus  leugnet, 
dass  der  Südwind  in  Aegypten  wehe.  Hieraus  geht  ein 
Naturgesetz  hervor,  wonach  auch  den  Winden  Zeit  und 
Grenzen  gesetzt  sind. 

47. 

Der  Frühling  eröffnet  den  Schiffern  die  Meere;  bei  sei- 


•)  Thrascias.    2)  Csecias.    3)  Phoenix.    4)  Libanotus.     5)  Notus  und 
Liba.    6)  Meses.    7)  Euronotus. 


Zweites  Buch.  163 

nem  Anfange,  nämlich  wenn  die  Sonne  im  25.  Grade  des 
Wassermanns  steht,  erreicht  der  Westwind  den  winterlichen 
Himmel.  Der  Tag,  an  welchem  diess  geschieht,  ist  der 
sechste  vor  den  Iden  des  Februars.1)  Dasselbe  gilt  fast 
von  allen  Winden,  die  ich  später  besprechen  werde;  nur 
in  den  Schaltjahren  kommen  sie  um  einen  Tag  früher,  in 
dem  folgenden  Lustrum2)  aber  befolgen  sie  wieder  die 
alte  Ordnung.  Der  Westwind  heisst  bei  Einigen  vom  ach- 
ten Tage  vor  den  Kaienden  des  März3)  an  Chelidonias 
wegen  der  Ankunft  der  Schwalben,  bei  Anderen  Ornithias, 
weil  er  vom  71.  Tage  nach  dem  Wintersolstitium,  das  ist 
von  der  Ankunft  der  Vögel  an,  neun  Tage  lang  wehet. 
Der  dem  Westwinde  entgegengesetzte  heisst  Ostwind.  Der 
Sommer  tritt  mit  dem  Aufgange  des  Siebengestirns  in  dem- 
selben Grade4)  des  Stieres,  am  neunten  Mai,  ein;  diess  ist 
die  Zeit  des  Südwindes,  welcher  dem  Nordwinde  entgegen 
steht.  In  der  heissesten  Periode  des  Sommers  geht  der 
Hundsstern  auf,  beim  Eintritt  der  Sonne  in  den  ersten 
Grad  des  Löwen,  oder  am  16.  Juli.  Ohngefähr  8  Tage 
vor  seinem  Aufgange  wehet  der  Nordost,  der  daher  auch 
Vorläufer 5)  heisst.  Aber  zwei  Tage  nach  seinem  Aufgange 
wehet  derselbe  Wind  in  den  Hundstagen  beständig  fort, 
und  heisst  Passatwind. 6)  Man  glaubt,  die  Hitze  der  Sonne 
verbunden  mit  der  des  Hundssterns  mildere  diesen  Wind, 
welcher  beständiger  als  alle  andern  Winde  ist.  Darauf 
folgt  wieder  häufiger  Südwind  bis  zum  Aufgange  des  Arc- 
turus,   elf  Tage   vor   dem   Herbst-Aequinoctium.     Mit   dem 


')  Der  7.  Februar.  Mus  war  der  15.  Tag  im  März,  Mai,  Juli  und 
October,  in  den  übrigen  Monaten  der  13. 

2)  Hier  ein  Zeitraum  von  4  Jahren.  Ursprünglich  aber  verstand 
man  darunter  das  Sühnopfer,  welches  alle  5  Jahre  vorgenommen 
wurde. 

3)  Am  22.  Februar.  Kalendse  war  der  erste  Tag  eines  jeden 
Monats. 

4)  Dem  25. 

5)  Prodromus. 

6)  Etesias. 

11* 


164  Zweites  Buch. 

Herbst- Aequinoctium  beginnt  als  Herbstwind  der  Nordwest; 
ihm  ist  der  Südostwind  entgegen.  Etwa  44  Tage  nachher 
tritt  mit  dem  Untergange  des  Siebengestirns  der  Winter 
ein,  welcher  Zeitpunkt  auf  den  10.  November  zu  fallen 
pflegt.  Mit  ihm  beginnt  auch  der  winterliche  Nordost,  wel- 
cher von  dem  im  Sommer  wehenden  sehr  verschieden  ist; 
sein  Gegner  ist  der  Südwest.  Sieben  Tage  vor  und.  nach 
dem  kürzesten  Tage  ist  das  Meer  mit  der  Brut  der  Eis- 
vögel bedeckt,  woher  auch  diese  Tage  ihren  Namen1)  er- 
halten haben;  die  übrige  Zeit  ist  es  Winter.  Allein  selbst 
durch  die  Rauheit  des  Wetters  wird  das  Meer  nicht  ver- 
schlossen. Anfangs  sah  man  sich  nur  aus  Furcht,  den 
Seeräubern  zur  Beute  zu  werden,  mit  Todesgefahr  genö- 
thigt,  im  Winter  das  Meer  zu  beschiffen;  allein  jetzt  ist 
die  Habsucht  die  Triebfeder  dazu. 

48. 

Am  kältesten  siud  die  Winde,  welche,  wie  wir  an- 
gegeben, vom  Norden  her  wehen,  uud  der  ihnen  benach- 
barte Nordwest.  Diese  herrschen  auch  über  die  andern  und 
vertreiben  die  Wolken.  Feuchte  Winde  sind  der  Südwest, 
und  vorzüglich  für  Italien  der  Südwind.  Auch  im  Pontus 
soll  der  Ostnordost  die  Wolken  an  sich  ziehen.  Trockne 
Winde  sind  der  Nordwest  und  Südost,  ausgenommen  wenn 
sie  ruhig  wehen.  Der  Nordost  und  Nord  bringen  Schnee, 
der  Nord  und  Nordwest  Hagel,  der  Südwind  ist  heiss,  der 
Südost  und  West  lau,  beide  aber  trockner  als  der  Ostwind, 
und  im  Allgemeinen  sind  die  von  Norden  und  Westen 
kommenden  trockner  als  die,  welche  von  Süd  und  Ost. 
Der  gesundeste  unter  allen  ist  der  Nordost;  der  Südwind 
nachtheilig  und  mehr  trocken,  vielleicht,  weil  er  feucht, 
und  darum  kälter  ist.  Während  er  wehet,  sollen  die  Thiere 
weniger  Hunger  empfinden. 

Die  Passatwinde  hören  fast  immer  bei  Einbruch  der 
Nacht  auf  und  erheben  sich  um  die  dritte  Tagesstunde2) 


•)  Halcyonides, 

2)  9  Uhr  Morgens.     Der  Tag  fing  bei  den  Römern  nach  unserer 
Zeitrechnung  um  G  Uhr  Morgens  an. 


Zweites  Buch.  165 

wieder.  In  Spanien  und  Asien  wehen  sie  von  Osten  her, 
im  Pontus  von  Nordost,  in  den  übrigen  Ländern  von  Mittag. 
Sie  wehen  auch  vom  kürzesten  Tage  au,  wo  sie  dann 
Ornithiä  heissen,  aber  milder  sind  und  nur  wenige  Tage 
dauern.  Zwei  Winde  verändern  auch  ihre  Natur  mit  der 
Ortlage;  der  Südwind  bringt  Afrika  heitern,  der  Nordost 
trüben  Himmel. 

Alle  Winde  wehen  grösstenteils  abwechselnd,  oder  so, 
dass,  wenn  einer  aufhört,  der  entgegengesetzte  anfängt. 
Erhebt  sich  aber  der  zunächst  liegende,  so  geschieht  diess, 
gleich  dem  Laufe  der  Sonne,  von  der  linken  Seite  zur 
rechten.  Ihre  Beschaffenheit  während  eines  Monats  hängt 
von  dem  4.  Tage  nach  dem  Neumonde  ab.  Mit  ein  und 
demselben  Winde  kann  man  in  entgegengesetzter  Richtung 
schiffen,  wenn  man  die  Segeltaue  nachlässt,  weshalb  auch 
häufig  des  Nachts  von  entgegengesetzten  Seiten  kom- 
mende Fahrzeuge  zusammenstossen.  —  Der  Südwind  schlägt 
grössere  Wellen  als  der  Nordost,  denn  jener  weht  von  dem 
untersten  Ende  des  Meeres  her,  dieser  dagegen  vom  ober- 
sten. *)  Daher  treten  nach  dem  Südwinde  besonders  häufig 
gefährliche  Erdbeben  ein.  Des  Nachts  ist  der  Südwind, 
am  Tage  der  Nordostwind  heftiger.  Die  Ostwinde  halten 
länger  au  als  die  Westwinde.  Die  Nordwinde  hören 
meistens  an  ungeraden  Tagen  auf,  was  auch  für  viele 
andere  Naturgegenstände  gilt,  daher  hält  man  die  ungerade 
Zahl  für  die  männliche.  Die  Sonne  vermehrt  und  unter- 
drückt die  Winde;  die  Vermehrung  findet  bei  ihrem  Auf- 
gange und  Untergange,  die  Verminderung  zur  Sommerzeit 
um  Mittag  statt.  Daher  ruhen  sie  grösstenteils  in  der 
Mitte  des  Tages  oder  der  Nacht,  indem  sie  durch  die  all- 
zugrosse  Kälte  oder  Hitze  vertrieben  werden.  Auch  durch 
Regen  werden  die  Winde  beschwichtigt.  Aber  fast  immer 
sind  wir  ihrer  gewärtig,  wenn  zerrissene  Wolken  den  Him- 


')  Dieser  Satz  wird  verständlich,  wenn  man  sich,  im  Sinne  der 
Alten,   die  nördliche  Weltgegend  weit  höher  denkt  als  die  südliche. 


166  Zweites  Buch. 

mel  durchblicken  lassen.  Eudoxus  x)  glaubt,  dass  (wenn 
man  die  geringsten  Nebenumstände  beachten  würde)  alle 
vier  Jahre  dieselben  Wind-  und  Witterungswechsel  wieder- 
kehren. Der  Anfang  dieser  vierjährigen  Periode  ist  im 
Schaltjahre,  beim  Aufgange  des  Hundssternes.  Soviel  von 
den  allgemeinen  Winden. 

49. 
Nun  gehen  wir  zu  den  plötzlich  entstehenden  Winden 
über,  welche  sich,  wie  gesagt 2),  aus  den  Dünsten  der  Erde 
erzeugen,  dann  aber,  mit  einer  Wolkenhülle  umgeben,  nie- 
derstürzen und  in  vielfacher  Gestalt  erscheinen.  Umher- 
schweifend und  gleich  reissenden  Strömen  fortstürzend  er- 
zeugen sie  (nach  der  oben  angeführten  Meinung  Einiger) 3) 
Donner  und  Blitz.  Wenn  sie  mit  grösserer  Kraft  und 
schnellerem  Anlaufe  eine  trockne  Wolke  durchbrechen,  so 
entsteht  der  Sturmwind,  den  die  Griechen  Eknephias 
nennen.  Haben  sie  aber,  enger  zusammengerollt,  die  Wolke 
in  einem  flachen  Bogen  durchbrochen,  jedoch  ohne  Feuer, 
d.  h.  ohne  Blitz,  dann  bilden  sie  einen  Wirbel,  welcher 
Typhon  oder  gewirbelter  Eknephias  heisst.  Dieser  nimmt 
ein  abgerissenes  Stück  von  der  kalten  Wolke  mit  sich,  und, 
indem  er  es  wälzt  und  drehet  und  seine  Zerstörung  durch 
jenes  Gewicht  noch  beschleunigt  wird,  zieht  er  in  reissendem 
Wirbel  von  Ort  zu  Ort.  Besonders  den  Seefahrern  ist  er 
ein  gefährliches  Uebel,  denn  er  zerbricht  nicht  nur  die 
Segelstangen,  sondern  die  Fahrzeuge  selbst.  Mit  einem 
sehr  billigen  Mittel  kann  man  sich  gegen  ihn  schützen; 
man  giesst  ihm  nämlich  Essig,  dessen  Natur  sehr  kühlend 
ist,  entgegen.  Wird  er  nach  heftigem  Anprallen  zurück- 
gestossen,  so  reisst  er  das  Ergriffene  saugend  mit  sich  in 
die  Höhe. 

50. 
Wenn   er  die  gepresste  Wolke  in  einer  grössern  Höh- 


')  Aus  Knidos,  ein  Schüler  des  Plato,  war  Arzt  und  Geometer 
und  starb  348  v.  Chr. 

2)  Im  42.  Cap. 

3)  Im  43.  Cap. 


Zweites  Buch.  167 

lung,  die  aber  nicht  so  weit  ist  als  beim  Sturmwinde,  mit 
Krachen  durchbricht,  so  heisst  er  Wirbelwind1),  und  reisst 
dann  alles  nieder,  was  ihm  nahe  steht.  Ist  er  aber  heiss 
und  zündet  er  während  seines  Tobens,  so  nennt  man  ihn 
feurigen  Wirbelwind2);  er  verbrennt  und  vernichtet 
alles,  was  er  berührt.  Niemals  entsteht  aber  bei  Nordost- 
winde der  Typhon,  noch  im  Winter  oder  wenn  Schnee 
liegt,  der  Eknephias.  Wenn  letzterer  beim  Durchbruch  der 
Wolke  sich  entzündet,  das  Feuer  aber  schon  bei  sich  ge- 
habt und  nicht  erst  empfangen  hat,  so  wird  er  zum  Blitze. 
Er  unterscheidet  sich  vom  Prester,  wie  die  Flamme  vom 
Feuer.  Dieser  verbreitet  sich  durch  sein  Blasen  weit  und 
breit,  jener  wird  durch  seine  Heftigkeit  zusammengeballt. 
Der  Dreh  wind3)  unterscheidet  sich  vom  Wirbelwinde  durch 
sein  Wiederkehren,  gleich  wie  ein  prasselndes  Geräusch 
vom  Knalle.  Von  beiden  aber  ist  der  Sturmwind4)  durch 
seine  Breite  verschieden;  er  treibt  die  Wolken  mehr  aus 
einander  als  er  sie  durchbricht.  Es  giebt  auch  schwarze, 
ungeheuren  Thieren  ähnliche  Wolken,  welche  für  den 
Schiffer  Unheil  drohend  sind.  Man  nennt  sie  Säulen,  wenn 
die  verdickte  und  starre  Feuchtigkeit  sich  selbst  aufrecht 
hält.  Zu  derselben  Gattung  gehört  ferner  die  Wolke,  welche 
gleich  einer  Röhre  das  Wasser  an  sich  zieht. 

51. 
Im  Winter  und  Sommer  sind,  aus  entgegengesetzten 
Ursachen,  die  Blitze  selten,  denn  im  Winter  wird  die 
ohnehin  dichte  Luft  durch  die  dickere  Wolkenhülle  noch 
mehr  verdichtet;  alle  Ausdünstung  der  Erde  ist  starr  und 
eisig,  und  was  sie  an  Feuerstoff  empfängt,  erlöscht.  Aus 
diesem  Grunde  ist  Scythien  sammt  den  umliegenden  kalten 
Ländern  frei  von  Blitzen;  dagegen  hat  in  Aegypten  die 
allzugrosse  Hitze  dieselben  Folgen,  denn  die  heissen  und 
trocknen  Dünste  der  Erde  verdichten  sich  nur  selten,  und 

')  Turbo. 

2)  Prester. 

3)  Vortex. 

4)  Procella. 


168  Zweites  Buch. 

dann  nur  zu  dünnen,  lockern  Wolken.  Allein  im  Frühlinge 
und  im  Herbste  entstehen  häufiger  Blitze,  weil  die  Ur- 
sachen, welche  ihrem  Entstehen  im  Winter  und  Sommer 
hinderlich  sind,  in  jenen  beiden  Jahreszeiten  wegfallen. 
Daher  wird  Italien  oft  von  Blitzen  heimgesucht,  denn  die 
bewegliche  Luft  des  mildern  Winters  und  feuchten  Sommers 
gleicht  gewissermaassen  derjenigen  im  Frühlinge  und  Herbste. 
Auch  in  den  mehr  südlich  gelegenen  Gegenden  Italiens, 
wie  um  Rom  und  in  Companien,  blitzt  es  im  Sommer  sowohl 
wie  im  Winter,  was  in  andern  Ländern  nicht  geschieht. 

52. 

Man  giebt  von  den  Blitzen  selbst  mehrere  Arten  an. 
Die  trocknen  zünden  nicht,  sondern  zerschmettern  nur;  die 
feuchten  brennen  nicht,  sondern  sengen  nur.  Eine  dritte 
Art,  der  helle  Blitz  genannt,  ist  von  wunderbarer  Beschaf- 
fenheit; er  leert  die  Fässer  aus,  ohne  sie  im  geringsten  zu 
beschädigen  oder  sonst  eine  Spur  zu  hinterlassen.  Er 
schmelzt  Gold,  Silber  und  Kupfer  in  den  Beuteln,  ohne  die 
letztern  zu  verbrennen,  und  nicht  einmal  das  wächserne 
Siegel  wird  dadurch  verletzt.  Marcia,  eine  vornehme  Rö- 
merin, wurde  während  ihrer  Schwangerschaft  vom  Blitze 
getroffen,  und  blieb  selbst  ohne  ander  weiten  Unfall  am 
Leben,  während  ihre  Leibesfrucht  getödtet  ward.  Unter 
andern  Wunderzeichen  während  der  Catilinarischen  Ver- 
schwörung ereignete  es  sich  auch,  dass  der  Dekurio1) 
M.  Herennius  aus  der  Pompejanischen  Pflanzstadt 2)  an 
einem  heitern  Tage  vom  Blitze  erschlagen  wurde. 

53. 

In  den  Schriften  der  Thuscer3)  wird  angegeben, 
dass  neun  Götter  die  Blitze  entsenden,  und  dass  es  elf 
Arten  derselben  gebe;  Jupiter  allein  schleudere  drei  davon. 
Die  Römer  haben  nur  zwei  behalten,  und  schreiben  die 
am  Tage  erfolgenden  dem  Jupiter,  die  des  Nachts  entste- 


')  Rathsherr  in  einer  Pflanzstadt  (municipium). 

*)  Pompeji. 

3)  Etruscer  oder  Hetrurier. 


Zweites  Buch.  169 

henden  dem  Summanus  a)  zu.  Die  letzteren  sind  wegen 
des  kältein  Himmels  seltener.  In  Etrurien  glaubt  man,  es 
brächen  auch  Blitze  aus  der  Erde  hervor  und  nennt  sie 
unterirdische.  Sie  erfolgen  im  Winter  und  sind  äusserst 
wüthend  und  schrecklich,  denn  sie  haben  alle  einen  irdi- 
schen Ursprung  und  gehören  nicht  zu  den  allgemeinen, 
welche  von  den  Gestirnen  herabkommen,  sondern  erzeugen 
sich  aus  den  nächsten  und  unreinem  Stoffen  der  Natur. 
Der  auffallende  Unterschied  beider  Arten  liegt  darin,  dass 
alle  vom  Himmel  kommenden  Blitze  schräg,  die  sogenann- 
ten irdischen  aber  gerade  einschlagen.  Da  sie  aber  aus 
einem  uns  nähern  Stoffe  fallen,  so  glaubt  man,  sie  kommen 
aus  der  Erde,  weil  sie  keine  Spur  ihres  Zurückprallens 
zeigen;  allein  dieses  Verhalten  spricht  nicht  für  einen  von 
unten  kommenden  Schlag,  sondern  für  einen  diesem  gerade 
entgegengesetzten.  Diejenigen,  welche  die  Sache  genauer 
untersucht  haben,  glauben,  sie  kämen  vom  Saturn  herab, 
sowie  die  zündenden  vom  Mars.  Durch  einen  solchen  Blitz 
ward  Volsinii2),  die  reichste  Stadt  der  Thuscser,  ganz  ver- 
brannt. 

Familienblitze  nennt  man  die  für  das  ganze  Leben 
bedeutungsvollen,  welche  dem,  welcher  eine  Familie  be- 
gründet, zum  ersten  Male  erscheinen.  Uebrigens  glaubt 
man,  dass  die  Vorbedeutungen  der  Blitze  in  Privatange- 
legenheiten sich  nicht  über  zehn  Jahre  hinaus  erstrecken, 
ausgenommen  diejenigen,  welche  am  Geburtstage  und  bei 
der  ersten  Heirath  erscheinen;  in  öffentlichen  Angelegen- 
heiten weissagen  sie  nicht  über  30  JaJire,  ausgenommen 
bei  der  Anlegung  neuer  Städte. 

54. 

In  den  Jahrbüchern3)  findet  man,  dass  durch  gewisse 
Opfer  und  Gebete  die  Blitze  weggebannt  und  herbei- 


*)  Gott  der  Unterwelt  (Summus  manium). 

2)  Volsena. 

3)  Annales,  waren  von  den  Priestern  geführte  Bücher,  über  die 
Hauptereignisse  eines  jeden  Jahres,  aus  welchen  die  spätem  Histo- 
riker ihren  Stoff  schöpften. 


170  Zweites  Buch. 

gerufen  werden  können.  Eine  alte  Sage  in  Etrurien  er- 
zählt, man  habe,  als  einst  ein  Ungeheuer,  Volta  genannt, 
die  Aecker  verwüstete  und  die  Stadt  Volsinii  bedrohete, 
Blitze  herbeigerufen.  Auch  Porsenna1),  der  dortige  Kö- 
nig, erflehete  Blitze;  und  dass  vor  ihm  Numa2)  dasselbe 
gethan,  berichtet  L.  Piso3),  ein  glaubwürdiger  Schriftsteller 
im  ersten  Buche  seiner  Annalen;  T.  Hostilius4)  habe  ihm 
darin,  aber  weniger  glücklich  nachgeahmt,  denn  er  sei 
vom  Blitze  erschlagen.  Wir  haben  zu  diesem  Behufe  Haine, 
Altäre  und  heilige  Gebräuche;  und  neben  dem  Jupiter 
Stator5),  Tonans6)  und  Feretrius7)  haben  wir  auch  einen 
Jupiter  Elicius8)  angenommen.  Im  gemeinen  Leben  hegt 
man  hierüber  verschiedene  Meinungen,  die  sich  nach  den 
Ansichten  eines  Jeden  richten.  Es  ist  ein  kecker  Gedanke, 
die  Natur  beherrschen  zu  wollen,  und  nur  ein  schwacher 
Verstand  wird  behaupten,  dass  man  Naturkräften  durch 
Opfer  ihren  Einfluss  benehmen  könne;  ja  die  Kenntniss  in 
der  Erklärung  der  Blitze  ist  schon  so  weit  gekommen,  dass 
man  durch  Hülfe  ihrer  zukünftige  Blitze  auf  den  Tag  be- 
stimmt vorhersagt,   und   wie   aus   unzähligen  Erfahrungen 


')  König  von  Clusium  in  Etrurien,  im  6.  Jahrh.  v.  Chr.,  zu  dem 
der  aus  Rom  vertriebene  Tarquinius  flüchtete,  Vergl.  XXXIV.  B. 
14.  Cap. 

2)  Numa  Pompilius,  der  zweite  römische  König,  715 — 670  v.  Chr. 

3)  L.  Calpurnius  Piso,  ein  verdienter  Staatsmann,  der  133 
v.  Chr.  das  Consulat  bekleidete. 

4)  Enkel  des  Hostus  Hostilius,  dritter  römischer  König,  670 — 638 
v.  Chr.    Vergleiche  XVIII.  B.  2.  Cap. 

5)  Romulus  gelobte  dem  Jupiter  einen  Tempel,  wenn  er  die 
vor  den  Sabinern  fliehenden  Römer  zum  Stehen  bewegen  würde. 
Liv.  I.  12. 

6)  Der  Donnerer. 

7)  Romulus  weihete  dem  Jupiter  einen  Tempel  und  brachte 
ihm  die  dem  Könige  der  Cänimenser  abgenommene  Beute  dar,  welche 
auf  einer  Bahre  (feretrum)  getragen  wurde. 

8)  Der  herabgelockte.  Numa  soll  nämlich  die  Kunst  verstanden 
haben,  durch  zauberische  Gebräuche  den  Jupiter  vom  Olymp  zu  sich 
herabzulocken. 


Zweites  Buch.  171 

•des  öffentlichen  und  Privatlebens  hervorgeht,  bestimmt,  ob 
sie  das  Schicksal  ändern,  oder  das  Kommen  neuer  Ereig- 
nisse andeuten.  Mögen  diese  Dinge  nun,  wie  es  ihre  Na- 
tur mit  sich  bringt,  Einigen  als  gewiss,  Andern  als  zweifel- 
haft, Andern  als  erwiesen,  Andern  als  verwerflich  erschei- 
nen; wir  wollen  die  übrigen  Erscheinungen,  welche  hiebei 
noch  bemerkenswerth  sind,  nicht  übergehen. 

55. 
Dass  der  Blitz  eher  gesehen  als  der  Donner  gehört 
wird,  obgleich  beide  zu  gleicher  Zeit  entstehen,  ist  gewiss, 
aber  auch  kein  Wunder,  denn  das  Licht  pflanzt  sich  weit 
schneller  fort  als  der  Schall.  Die  Natur  hat  es  zwar  so 
eingerichtet,  dass  Schlag  und  Schall  in  demselben  Momente 
zusammenfallen;  aber  der  Schall  ist  die  Wirkung  des  aus- 
fahrenden, nicht  des  einschlagenden  Blitzes.  Noch  schneller 
als  der  Blitz  ist  die  Luft,  daher  wird  alles  eher  erschüttert 
und  ange wehet  als  vom  Strahle  getroffen,  auch  Niemand 
vom  Blitze  erschlagen,  der  ihn  zuvor  gesehen  oder  den 
Donner  gehört  hat.  Die  Blitze,  welche  von  der  linken  Seite 
herkommen,  werden  für  glücklich  gehalten,  weil  der  Sonnen- 
aufgang uns  zur  Linken  Seite  der  Welt  liegt.  Jedoch  wird 
dabei  nicht  sowohl  auf  seine  Ankunft  als  vielmehr  auf  seine 
Rückkehr  Rücksicht  genommen;  ob  nämlich  sogleich  nach 
dem  Schlage  Feuer  abspringt ,  oder  ob  nach  vollendetem 
Schlage  oder  nach  verlöschtem  Feuer  die  Luft  sogleich  wie- 
derkehrt. Die  Thuscer  haben  zu  diesem  Behufe  den  Him- 
mel in  16  Theile  getheilt.  Der  erste  Theil  erstreckt  sich 
vom  Norden  bis  zum  Aequinoctial- Aufgange;  der  zweite 
von  da  bis  Mittag;  der  dritte  von  hier  bis  zum  Aequinoc- 
tial-Untergange;  der  vierte  enthält  den  übrigen  Raum  von 
da  bis  zum  Norden.  Jeder  dieser  Theile  zerfällt  wiederum 
in  vier,  von  denen  acht  die  dem  Sonnenaufgange  links, 
und  acht  die  demselben  rechts  liegenden  genannt  werden. 
Von  allen  Blitzen  haben  nun  diejenigen  die  schrecklichste 
Bedeutung,  welche  von  West  nach  Nord  sich  zeigen.  Es 
kommt  also  sehr  viel  darauf  an,  von  woher  sie  ziehen  und 
wohin  sie  sich  wenden.    Am   besten  ist  es,  wenn  sie  da, 


172  Zweites  Buch. 

wo  sie  entstanden  sind,  wieder  hineilen.  Kommen  sie  da- 
her vom  ersten  Theile  des  Himmels  her  und  kehren  wie- 
der dahin  zurück,  so  verkünden  sie  das  grösste  Glück,  wie 
dergleichen  dem  Dictator  Sulla *)  widerfahren  sein  soll.  Die 
Blitze,  welche  von  den  übrigen  Theilen  kommen,  sind  we- 
niger Glück  bringend  oder  Unheil  verkündend.  Manche 
Blitze  soll  man  weder  nennen,  noch  nennen  hören  dürfen, 
es  sei  denn,  dass  mau  einem  Gastfreunde  oder  Verwandten 
davon  erzählte.  Wie  unsicher  diese  Beobachtung  ist,  hat 
sich  in  Rom  erwiesen,  als  unter  dem  Konsul  Scaurus2), 
welcher  bald  darauf  der  erste  unter  seinen  Amtsgenossen 
wurde,  der  Blitz  in  den  Tempel  der  Juno  einschlug. 

Blitz  ohne  Donner  bemerkt  man  mehr  bei  Nacht  »als 
bei  Tage.  Das  einzige  lebende  Wesen,  welches  er  nicht 
immer  tödtet,  ist  der  Mensch,  die  übrigen  sterben  auf  der 
Stelle.  Die  Natur  scheint  ihm  diesen  Vorzug  deshalb  ge- 
geben zu  haben,  weil  ihn  so  viele  Thiere  an  Stärke  über- 
treffen. Alle  Thiere  liegen  auf  der  dem  Schlage  entgegen- 
gesetzten Seite;  der  Mensch  stirbt  nicht,  wenn  er  nicht  auf 
die  getroffene  Stelle  geworfen  wird;  die  von  oben  Getrof- 
fenen werden  sitzend,  die  wachend  Getroffenen  mit  geschlos- 
senen Augen,  und  die  schlafend  Getroffenen  mit  offenen 
Augen  gefunden.  Nach  religiösen  Vorschriften  soll  ein  vom 
Blitz  erschlagener  Mensch  nicht  verbrannt,  sondern  beerdigt 
werden.  Kein  Thier  wird,  wenn  es  nicht  schon  todt  war, 
vom  Blitz  angezündet.  Die  vom  Blitze  herrührenden  Wun- 
den sind  kälter  als   der  übrige  Körper. 

56. 

Von  allem,  was  die  Erde  hervorbringt,  wird  der  Lorbeer- 
baum nicht  vom  Blitze  getroffen,  und  nie  dringt  er  über 
fünf  Fuss  tief  in  die  Erde.  Daher  halten  Furchtsame  sich 
in  tiefen  Höhlen,  oder  auch  in  Zelten  aus  den  Fellen  der 
Seekälber  für  sicher,  denn  diess  Thier  ist  das  einzige  unter 
den  Seegeschöpfen,  welches  der  Blitz  nicht  verletzt,  sowie 


')  Geboren  147,  gestorben  78.  v.  Chr. 
2)  115  v.  Chr. 


Zweites  Buch.  173 

unter  den  Vögeln  der  Adler,  daher  derselbe  als  Träger  die- 
ses Geschosses  abgebildet  wird.  In  Italien  zwischen  Ter- 
racina  und  dem  Tempel  der  Feronia1)  werden  in  Kriegs- 
zeiten keine  Thtirme  mehr  erbauet,  weil  keiner  derselben 
vom  Blitze  verschont  blieb. 

57. 

Ausserdem  finden  sich,  was  die  untere  Region  des 
Himmels  betrifft,  Nachrichten,  dass  es  unter  den  Konsuln 
M.  Acilius  und  C.  Porcius2)  und  auch  sonst  noch  Milch 
und  Blut  geregnet  habe;  ferner  Fleisch,  unter  den  Kon- 
suln P.  Volumnius  und  Servius  Sulpitius 3),  und  die  Stücke, 
welche  die  Vögel  nicht  weggeholt  hätten,  sollen  nicht  ver- 
fault sein.  Auch  Eisen  regnete  es  in  Lukanien  ein  Jahr 
zuvor,  ehe  M.  Crassus  nebst  allen  lukauiscben  Soldaten, 
von  denen  sich  eine  grosse  Anzahl  bei  seinem  Heere  be- 
fand, von  den  Parthern  niedergemacht  wurde. 4)  Im  Aeussern 
glich  das  herabgefallene  Eisen  Schwämmen;  die  Harus- 
pices  hatten  auch  schon  vorher  vor  Wunden,  welche  von 
oben  kämen,  gewarnt.  Unter  den  Konsuln  L.  Paulus  und 
E.  Marcellus5)  regnete  es  in  der  Nähe  des  compsanischen 
Kastells6)  Wolle;  ein  Jahr  darnach  wurde  dort  T.  Annius 
Milo  getödtet.  Die  öffentlichen  Urkunden 7)  berichten  auch, 
dass  es,  als  jener  seine  Rechtssache  vertheidigte,  Ziegel- 
steine geregnet  habe. 

58. 

Man  erzählt,  dass  während  des  cimbrischen  Krieges s), 
und  auch   häufig   früher   und   später  Waffengeklirr  und 


')  Göttin  der  Freiheit  und  Beschützerin  der  Wälder  und  Haine. 
Der  Tempel  lag  an  der  Stelle  des  heutigen  Lago  di  Ferona. 
-)  640  n.  R.  E.  114  v.  Chr. 
3)  293  n.  R.  E.  461  v.  Chr. 
«)  701  n.  R.  E.  53  v.  Chr. 

5)  704  n.  R.  E.  50  v.  Chr. 

6)  bei  Compsa  (Conza). 

7)  Acta,  eine    Art   Zeitungen,    welche    unter  Julius    Caesar    auf- 
kamen. 

8)  101  v.  Chr. 


174  Zweites  Buch. 

Hörn  erschall  vom  Himmel  herab  gehört  worden  sei.  Aber 
unter  dem  3.  Konsulate  des  Marius *)  sahen  die  Ameriner 
und  Tuderter  Waffen  am  Himmel,  die  von  Morgen  und  Abend 
her  gekommen  so  lange  mit  einander  kämpfteu,'  bis  die 
letztern  zurückgedrängt  waren.  Dass  selbst  der  ganze  Him- 
mel brennt,  ist  keineswegs  wunderbar  und  schon  oft  ge- 
sehen, wenn  die  Wolken  von  einem  grossen  Feuer  ergriffen 
wurden. 

59. 
Die  Griechen  rühmen  von  Anaxagoras 2)  aus  Klazomenä,. 
dass  derselbe  im  2.  Jahre  der  78.  Olympiade3)  vermöge 
seiner  Kenntniss  in  der  Astronomie  vorhergesagt  habe,  an 
welchem  Tage  ein  Stein  aus  der  Sonne  fallen  würde,  und 
dass  diess  wirklich  in  einer  Gegend  von  Thracien,  am 
Flusse  Aegos4)  bei  Tage  geschehen  sei.  Dieser  Stein,  von 
der  Grösse  eines  beladenen  Wagens  und  von  brandiger 
Farbe,  wird  noch  jetzt  gezeigt.  Um  jene  Zeit  stand  auch 
ein  feuriger  Komet  am  Himmel.  Wer  aber  an  eine  solche 
Vorhersagung  glaubt,  der  muss  noth  wendig  auch  zugeben, 
dass  die  Weissagungskraft  des  Anaxagoras  ein  noch  grös- 
seres Wunder  war;  und  unsere  Einsicht  in  das  Wesen  der 
Dinge  würde  in  Nichts  zerfallen,  und  in  gänzliche  Verwir- 
rung gerathen,  wenn  entweder  die  Sonne  selbst  ein  Stein 
wäre,  oder  man  glaubte,  dass  jemals  ein  Stein  auf  ihr  ge- 
wesen sei.  Dass  aber  dennoch  häufig  Steine  herabfallen, 
wird  darum  keinen  Zweifel  erleiden.  In  der  Fechtschule 
zu  Abydus5)  wird  noch  heutzutage  ein  Stein,  der  zwar  nur 
klein  ist,  dessen  Herabfallen  mitten  auf  das  Land  aber 
Anaxagoras.  ebenfalls  voraus  gesagt  haben  soll,  heilig  ver- 
wahrt.   Auch  zu  Cassandria,  welches  jetzt  Potidäa6)  heisst, 


')  103  v.  Chr. 

-)  Geboren  500  v.  Chr.,  starb  428  zu  Lampsacus. 

3)  4G7  y.  Chr. 

4)  An  der  Strasse  der  Dardanellen. 

5)  Es  gab  mehrere  Orte  dieses  Namens,   einen  in   Troas,   einen 
in  Thebais  und  einen  in  Japygia. 

6)  Auf  der  Landspitze  Pallene  in  Macedonien;  jetzt  heissen  ihre 
Ruinen  Porte  di  Cassandro. 


Zweites  Buch.  175 

wird  ein  solcher  Stein  aus  derselben  Veranlassung  verehrt 
Ich  selbst  habe  im  Gebiete  der  Vocontier x)  einen  gesehen, 
der  erst  kurz  vorher  herabgefallen  war. 

60. 

Was  wir  Kegenbogen  nennen,  ist  eine  häufige,  weder 
mit  Wundern  noch  Deutungen  begleitete  Erscheinung;  denn 
nicht  einmal  Hegen  oder  heiteres  Wetter  zeigt  er  mit  Sicher- 
heit an.  Es  ist  offenbar,  dass  der  in  eine  hohle  Wolke 
einfallende  Sonnenstrahl,  an  der  Spitze  gebrochen  und  ge- 
gen die  Sonne  zurückgeworfen  wird;  und  dass  die  Ver- 
schiedenheit der  Farben  aus  der  Mischung  der  Wolken, 
der  Luft  und  des  Feuers  hervorgeht.  Er  entsteht  in  der 
That  auch  nur  auf  der  der  Sonne  entgegengesetzten  Seite, 
und  niemals  anders,  als  in  der  Gestalt  eines  Halbkreises; 
auch  erscheint  er  nie  des  Nachts,  obgleich  Aristoteles  an- 
giebt,  dass  man  um  diese  Zeit  einst  einen  solchen  gesehen 
habe,  zugleich  gesteht  er  aber,  dass  diess  nur  am  14.  Tage 
nach  dem  Neumonde  möglich  sei.  Die  meisten  Regenbogen 
bilden  sich  im  Winter,  vom  Herbst-Aequinoctium  an,  wenn 
die  Tage  abnehmen.  Wenn  diese  wieder  zunehmen,  also 
vom  Frühlings-Aequinoctium  an,  erscheinen  sie  eben  so 
wenig  wie  zur  Zeit  des  Sommer-Solstitiums,  in  den  läng- 
sten Tagen.  Im  Winter-Solstitium,  an  den  kürzesten  Ta- 
gen, sind  sie  sehr  häufig.  Sie  stehen  hoch,  wenn  die  Sonne 
tief,  und  tief,  wenn  die  Sonne  hoch  steht;  sie  sind  Morgens 
und  Abends  kleiner,  aber  breiter,  Mittags  schmäler,  aber 
von  grösserem  Umfange.  Im  Sommer  sieht  man  sie  des 
Mittags  nicht,  jedoch  nach  dem  Herbst-Aequinoctium  zu 
jeder  Stunde.    Nie  erscheinen  auf  einmal  mehr  als  zwei. 

61. 

Die  übrigen  hieher  gehörigen  Naturerscheinungen  dürf- 
ten wohl  den  Meisten  klar  sein.  Der  Hagel  entsteht  aus 
gefrorenem  Regen,  der  Schnee  aus  derselben,  nur  lockerer 
vereinigten  Feuchtigkeit,  der  Reif  aber  aus  erstarrtem  Thau. 
Im  Winter  fällt  Schnee,  aber  kein  Hagel,  dieser  selbst  am 


')  Jetzt  Vaison  im  südlichen  Frankreich. 


176  Zweites  Buch. 

Tage  öfter  als  in  der  Nacht  und  zergeht  schneller  als  der 
Schnee.  Nebel  entstehen  weder  im  Sommer  noch  bei 
strenger  Kälte;  Thau  fällt  weder  bei  Kälte,  noch  bei  Hitze, 
noch  beim  Winde,  sondern  in  heitern  Nächten.  Durch  den 
Frost  wird  die  Wassermasse  verringert  und  wenn  das  Eis 
aufthauet,  dieselbe  Quantität  nicht  wiedergefunden.  In  den 
Wolken  nimmt  man  verschiedene  Farben  und  Gestalten 
wahr,  je  nachdem  das  beigemischte  Feuer  die  Oberhand 
hat  oder  untergeordnet  ist. 

62. 

Ausserdem  zeigen  einige  Orte  gewisse  Eigenthümlich- 
keiten.  So  hat  man  in  Afrika  im  Sommer  thauige  Nächte. 
In  Italien  zu  Locri1)  und  am  velinischen  See2)  erscheinen 
jeden  Tag  Kegenbögen.  Zu  Rhodus  und  Syrakus  ist  der 
Himmel  nie  so  sehr  mit  Wolken  bedeckt,  dass  man  nicht 
"wenigstens  zu  einer  Stunde  des  Tages  die  Sonne  sehen 
kann.  Alles  dies  werde  ich  jedoch  passender  bei  den  be- 
treffenden Orten  vortragen.    So  viel  von  der  Luft. 

63. 

Nun  folgt  die  Erde,  welcher  wir,  wegen  ihrer  grossen 
Verdienste,  allein  von  allen  Theilen  der  Welt  den  Namen 
und  die  Verehrung  einer  Mutter  verliehen  haben.  Sie  ist 
dem  Menschen  das,  was  der  Gottheit  der  Himmel  ist;  sie 
nimmt  uns  bei  der  Geburt  auf,  ernährt  und  erhält  uns 
fortwährend,  und  zuletzt,  wenn  die  übrige  Natur  sich  von 
uns  lossagt,  empfängt  sie  uns  in  ihrem  Schoos  und  bedeckt 
uns  als  eine  liebende  Mutter.  Durch  kein  Verdienst  ist 
sie  uns  heiliger,  als  dass  sie  uns  selbt  heilig  macht;  auch 
trägt  sie  unsere  Monumente  und  Inschriften,  und  pflanzt  so 
unsere  Namen  und  unser  Andenken  weit  über  das  kurze 
Leben  hinaus  fort.  Im  Zorne  rufen  wir  sogar  ihre  Gottheit 
gegen  die  Todten  an,  als  wenn  wir  nicht  wüssten,  dass  sie 
es  allein  ist,  welehe  nie  einem  Menschen  zürnt. 

Die    Wasser   werden   zu   Regen,    erstarren   zu   Hagel, 


f)  Jetzt  Motta  di  Burzano. 

2)  Jetzt  Rio  de  Luco  oder  Lagodella  Mann. 


Zweites  Buch.  177 

schwellen  zu  Fluthen  an,  und  stürzen  als  reissende  Ströme 
daher;  die  Luft  verdichtet  sich  zu  Wolken  und  wüthet  in 
Stürmen.  Aber  diese  gütige,  milde,  geduldige,  und  dem 
Sterblichen  stete  Dienerin,  was  bringt  sie  nicht  durch  An- 
bau hervor!  Was  spendet  sie  nicht  schon  freiwillig!  Welche 
Gerüche,  Speisen,  Säfte,  dem  Gefühle  angenehme  Dinge, 
welche  Farben!  Mit  welcher  Treue  giebt  sie  das  ihr  an- 
vertraute Gut  verzinst  zurück,  und  was  ernährt  sie  nicht 
um  unsertwillen!  Denn  die  giftigen  Thiere,  an  deren  Da- 
sein ihr  belebender  Geist  schuld  ist,  muss  sie,  durch  diesen 
befruchtet,  aufnehmen  und  nach  der  Geburt  erhalten.  Aber 
die  Schuld  liegt  an  denen,  welche  das  Uebel  erzeugen. 
Sie  nimmt  die  Schlange,  welche  einen  Menschen  tödtete,  nicht 
wieder  auf1),  und  vollführt  die  Strafen  im  Namen  der  Trä- 
gen; sie  spendet  heilsame  Kräuter  und  zeuget  nur  immer 
für  den  Menschen.  Ja  es  ist  wahrscheinlich,  dass  sie  auch 
die  Gifte  aus  Erbarmen  mit  uns  hervorgebracht  hat,  damit 
nicht,  beim  Ueberdruss  des  Lebens,  der  Hunger,  eine  den 
Verdiensten  der  Erde  ganz  fremde  Todesart,  uns  langsam 
verzehrend  aufreibe;  oder  Felsen  den  zerrissenen  Körper 
zerstreuen;  ferner,  damit  nicht  der  Strick  uns  auf  unnatürliche 
Weise  martere  und  den  Geist  einschliesse,  der  einen  Aus- 
weg sucht;  damit  nicht,  wenn  wir  im  Wasser  den  Tod 
suchen,  unsere  Leiche  zum  Frasse  werde;  damit  endlich 
nicht  das  Eisen  unsern  Körper  zertheile.  So  erzeugte  sie 
aus  Erbarmen  etwas,  durch  dessen  leichten  Genuss  wir  mit 
unverletztem  Körper  und  vollem  Blute,  ohne  Mühe,  gleich 
Dürstenden  das  Leben  aushauchen,  damit  die  so  Gestorbe- 
nen kein  Vogel  oder  wildes  Thier  berühre,  und  der  in  der 
Erde  bewahrt  werde,  welcher  sich  selbst  den  Tod  gab. 
Um  die  Wahrheit  zu  gestehen,  so  gab  uns  die  Erde  das 
Mittel  wider  die  Uebel,  wir  machen  es  aber  zum  Gifte  für 
das  Leben.  Denn  bedienen  wir  uns  nicht  des  Eisens,  wel- 
ches wir  nicht  entbehren  können,  auf  ähnliche  Weise?  Und 
dennoch  haben  wir  Unrecht  zu  klagen,  wenn  sie  auch  die 


»)  Siehe  XXIX.  Buch,  23.  Capitel. 

12 


178  Zweites  Buch. 

Ursache  irgend  eines  Uebels  wäre,  und  nur  gegen  diese 
eine  Seite  der  Natur  sind  wir  undankbar.  Zu  welchem 
Vergnügen  und  zu  welchen  Schandthaten  ist  sie  nicht  dem 
Menschen  behilflich?  Sie  wird  ins  Meer  geworfen,  oder, 
um  Kanäle  zu  bauen,  aus  dem  Wasser  hervorgegraben ; 
mit  Eisen,  Holz,  Feuer,  Steinen  und  Früchten  wird  sie  stets 
gequält,  mehr  um  des  Vergnügens  als  der  Nahrung  willen. 
Das  würde  noch  erträglich  erscheinen,  was  man  an  ihrer 
Oberfläche  vornimmt.  Allein  wir  dringen  auch  in  ihr  Inne- 
res, graben  nach  Gold  und  Silber,  Erz  und  Blei;  sogar  edle 
und  andere  kleine  Steine  suchen  wir  in  tief  angelegten 
Schächten.  Wir  reissen  ihre  Eingeweide  heraus,  um  den 
Stein,  welchen  wir  suchen,  am  Finger  zu  tragen.  Wie  viele 
Hände  sind  bemüht,  damit  nur  ein  Glied  glänzen  kann! 
Wenn  es  unterirdische  Menschen  gäbe,  wahrhaftig  durch 
jene  habgierigen  und  schwelgerischen  Gräber  wären  sie 
längst  herausgescharrt.  Sollen  wir  uns  nun  noch  wundern, 
wenn  sie  etwas  zu  unserm  Nachtheil  hervorgebracht  hat! 
Denn  die  wilden  Thiere,  glaube  ich,  schützen  sie  noch  und 
halten  die  räuberischen  Hände  ab.  Graben  wir  nicht  mitten 
unter  Schlangen,  und  suchen  die.  Goldadern  bei  giftigen 
Wurzeln?  Allein  die  Göttin  ist  deshalb  versöhnt,  weil  alle 
diese  Quellen  des  Reickthums  zu  Verbrechen,  Mord  und 
Krieg  führen,  weil  wir  sie  mit  unserm  Blute  benetzen  und 
mit  unsern  unbegrabenen  Gebeinen  bedecken.  Jedoch,  nach- 
dem sie  uns  gleichsam  unsere  Wuth  vorgeworfen  hat,  be- 
deckt sie  endlich  selbst  jene  Gebeine,  und  verbirgt  so  die 
Schlechtigkeiten  der  Menschen.  Unter  die  Verbrechen  der 
Undankbarkeit  möchte  ich  auch  noch  das  zählen,  dass  wir 
mit  ihrer  Natur  noch  nicht  gehörig  vertraut  sind. 

64. 
Ihre  Gestalt  aber  ist  das  erste,  worüber  man  einerlei 
Meinung  hat.  Mit  Recht  nennen  wir  sie  Erdkreis,  und 
geben  zu,  dass  ihre  Kugelform  von  Spitzen  umschlossen  sei. 
Denn  bei  der  ungeheuren  Höhe  der  Berge  und  Fläche  der 
Felder  kann  sie  keine  vollkommene  Kugel  darstellen;  aber, 


Zweites  Buch.  179 

wenn  man  die  äussersten  Endpunkte  durch  eine  Umfangs- 
linie  verbindet,  dann  entsteht  ein  vollkommener  Kreis.  Die 
ganze  Anordnung  der  Natur  erheischt  diess  schon,  nur 
nicht  aus  denselben  Ursachen,  welche  wir  bei  dem  Himmel 
angegeben  haben.  Denn  dieser  bildet  eine  in  sich  selbst 
geneigte  Hohlkugel,  die  allenthalben  in  ihrer  Angel,  d.  i. 
der  Erde  ruht.  Diese  dagegen,  fest  und  voll,  erhebt  sich 
gleichsam  aufschwellend  und  strebt  nach  aussen.  Die  Welt 
neigt  sich  zum  Mittelpunkte,  allein  die  Erde  geht  vom 
Centrum  aus,  indem  ihre  ungeheure  Masse  durch  den  be- 
ständigen Umschwung  der  Welt  um  sie  in  der  Kugelform 
erhalten  wird. 

65. 
Bei  den  Gelehrten  und  dem  gemeinen  Volke  herrscht 
ein  grosser  Streit  darüber,  ob  die  Erde  allenthalben  von 
Menschen  bewohnt  sei,  die  einander  die  Füsse  entgegen- 
kehren, ob  sie  alle  denselben  Scheitelpunkt  am  Himmel 
haben,  und  auf  gleiche  Weise  an  jedem  Orte  in  der  Mitte 
stehen.  Die  Letzteren  dagegen  werfen  die  Frage  auf,  wo- 
Jier  es  denn  käme,  dass  die  Gegenfüssler  nicht  fielen? 
als  ob  die  Gegenfüssler  sich  nicht  eben  so  gut  darüber  wun- 
dern könnten,  dass  wir  nicht  fallen.  Dazu  gesellt  sich  noch 
eine  andere,  wenngleich  nur  dem  dummen  Volke  wahr- 
scheinliche Meinung,  dass  die  Erde,  da  sie  nur  eine  unvoll- 
kommne  Kugel,  etwa  wie  eine  Pinienfrucht  gestaltet  sei, 
doch  allenthalben  bewohnt  werde.  Doch  was  bedeutet  diess 
gegen  ein  anderes  Wunder,  was  sich  uns  darbietet?  Sie 
schwebt  sogar  frei  und  fällt  nicht  mit  uns  herab.  Allein, 
lässt  sich  die  Kraft  der  Luft,  die  ausserdem  noch  von  der 
Welt  eingeschlossen  ist,  bezweifeln;  und  kann  die  Erde 
fallen,  da  die  Natur  ihr  widerstrebt,  und  ihr  keinen  Raum 
lässt,  wohin  sie  falle?  Denn  sowie  der  Sitz  des  Feuers 
nur  im  Feuer,  der  des  Wassers  nur  im  Wasser  und  der 
Luft  nur  in  der  Luft  selbst  ist,  so  hat  die  Erde,  allent- 
halben eingeschlossen,  nur  in  sich  selbst  Platz.  Wunder- 
bar erscheint  es  aber  doch,  dass  sie  bei  der  ungeheuren 
Fläche  des  Meeres  und  der  Ebene  noch  eine  Kugel  bildet. 

12* 


Ig0  Zweites  Buch. 

Dieser  Meinung  pflichtet  auch  Dicsearchus l),  ein  sehr  ge- 
lehrter Mann  bei,  der  auf  Befehl  der  Könige2)  die  Berge 
ausmaass,  unter  denen  er  den  Pelion  3)  als  den  höchsten  zu 
1250  Schritten  nach  der  senkrechten  Höhe  angab  und  sagte, 
dass  diese  Höhe  im  Vergleich  zu  dem  ganzen  Umfange  der 
Erde  ganz  verschwinde.  Mir  scheint  diese  Behauptung  unzu- 
verlässig, denn  ich  kenne  Alpenspitzen,  die  sich  in  langem 
Zuge  bis  zu  50,000  Schritten4)  erheben.  Aber  am  meisten 
widerstreitet  der  Pöbel,  wenn  er  sich  die  , Oberfläche  des 
Meeres  auch  als  gerundet  denken  soll.  Und  doch  giebt  es  iu 
der  ganzen  Natur  nichts,  was  durch  den  blossen  Anblick  be- 
greiflicher wäre;  denn  auch  herabhängende  Tropfen  bilden 
Kugeln,  und  bringt  man  sie  auf  Staub  oder  wollige  Blätter, 
so  erscheinen  sie  ebenfalls  in  vollkommener  Kugelgestalt, 
und  in  gefüllten  Bechern  steht  der  mittlere  Theil  am  höch- 
sten. Alles  diess  lässt  sich  wegen  der  Zartheit  und  Weich- 
heit des  Wassers  leichter  durch  Vernunftsschlüsse  als  durch 
den  blossen  Anblick  einsehen.  Noch  wunderbarer  ist  die 
Erscheinung,  dass,  wenn  man  in  einen  gefüllten  Becher 
nur  das  Geringste  von  Flüssigkeit  noch  hinzugiebt,  der* 
selbe  sogleich  überläuft,  was  hingegen  nicht  geschieht, 
wenn  man  Gewichte,  selbst  bis  zu  20  Denarien  schwer, 
hineinlegt.  Der  Grund  davon  beruht  darauf,  dass  alles, 
was  ins  Innere  der  Flüssigkeit  gelangt,  diese  in  die  Höhe 
treibt,  aber,  was  auf  die  schon  convexe  Fläche  gegossen 
wird,  herabläuft.  Darum  sieht  man  auch  von  den  Schiffen 
aus  das  Land  nicht,  was  man  von  Mastbäumen  aus  er- 
blickt, und  darum  scheint  bei  einem  wegsegelnden  Schiffe 
etwas  Glänzendes,  was  an  der  Spitze  des  Mastbaumes 
befestigt  ist,  allmählig  hinabzusteigen,  und  verschwindet 
zuletzt  ganz.  Unter  welcher  anderen  Gestalt  würde 
endlich  der  Ocean,  den  wir  für  das  Aeusserste  hal- 
ten, zusammen   halten  und   nicht  herabfallen,  da  ihn   kein 


')  Von  Messina  um  330  v.  Chr.;  Schüler  des  Aristoteles. 

a)  Die  Nachfolger  Alexanders  des  Grossen. 

3)  Jetzt  Petras  in  Thessalien. 

*)  Eine  viel  zu   hohe,   offenbar  durch  Abschreiber  entstellte  Zahl. 


Zweites  Buch.  181 

Ufer  einschliesst?  Gleichwohl  bleibt  es  bei  der  Kugelform 
wunderbar,  dass  der  äusserste  Theil  des  Meeres  nicht  ab- 
fliesst.  Dass  diess  aber  nicht  stattfinden  könne,  wenn  auch  das 
Meer  so  flach  wäre,  wie  es  uns  scheint,  beweisen  mehrere 
griechische  Forscher  mit  vieler  Selbstgefälligkeit  und  Ruhm- 
rederei durch  folgende  geometrische  Spitzfindigkeit:  „Da 
nach  der  einstimmigen  Meinung  das  Wasser  von  der  Höhe 
zur  Tiefe  hinabgezogen  würde,  auch  Niemand  daran  zweifle, 
dass  dasselbe  so  weit  sich  zum  Ufer  erstrecke,  als  seine 
Abschüssigkeit  es  nur  immerhin  zugiebt;  da  es  ferner  be- 
kannt sei,  dass,  je  tiefer  etwas  liege,  es  dem  Mittelpunkte 
der  Erde  um  so  näher  sei,  und  alle  Linien,  welche  von 
diesem  Mittelpunkte  aus  zum  nächstliegenden  Wasser  ge- 
zogen würden,  kürzer  wären,  als  diejenigen,  welche  von  da 
bis  zur  äussersten  Wasserfläche  gehen;  also  strebe  die 
ganze  Wassermasse  nach  dem  Mittelpunkte,  und  könne 
nicht  herabfallen,  weil  sie  nach  Innen  drücke." 

66. 
Man  muss  annehmen,  dass  die  kunstreiche  Natur  des- 
halb diese  Einrichtung  getroffen  hat,  damit,  weil  die  trockne 
und  dürre  Erde  für  sich  nicht  ohne  Wasser,  und  wiederum 
das  Wasser  nicht  ohne  die  Stütze  der  Erde  sich  halten 
kann,  beide  Elemente  durch  gegenseitige  Verschlingung 
verbunden  würden.  Die  Erde  breitet  ihren  Schooss  aus, 
das  Wasser  durchströmt  sie  von  innen,  aussen  und  oben, 
und  seine  Adern  kreuzen  sich  wie  Bande  durcheinander, 
ja  selbst  auf  den  höchsten  Bergen  bricht  es  hervor.  Durch 
Dünste  getrieben  und  durch  die  Last  der  Erde  gepresst, 
springt  es  wie  aus  Röhren  hervor,  und  ist  so  weit  entfernt 
von  der  Gefahr  des  Herabfallens,  dass  es  sogar  sehr  weit 
in  die  Höhe  treibt.  Daraus  erklärt  es  sich  denn,  warum 
das  Meer  durch  den  täglichen  Zufluss  so  vieler  Ströme 
nicht  grösser  wird.  Die  Erdkugel  ist  daher  in  ihrem  mitt- 
leren Umfange  ganz  vom  Meere  umgürtet,  Diess  braucht 
nicht  erst  durch  Beweisgründe  erforscht  zu  werden,  sondern 
ist  längst  durch  die  Erfahrung  bekannt. 


182  Zweites  Buch. 

67. 
Von  Gades1)  und  den  Säulen  des  Herkules2)  au  wird 
längs  der  Küste  von  Spanien  und  Gallien  heutzutage  der 
ganze  westliche  Theil  der  Erde  befahren.  Auch  das  Nord- 
meer ist  grösstentheils  beschifft,  denn  unter  der  Regierung 
des  vergötterten  Augustus  fuhr  eine  Flotte  um  Germanien 
herum  bis  zum  cimbrischen  Vorgebirge3);  von  da  gelangte 
man,  nachdem  man  ein  unermessliches  Meer  gesehen  oder 
wenigstens  davon  gehört  hatte,  zum  scythischen  Lande  und 
zu  wasserreichen,  von  Eis  starrenden  Gegenden.  Es  ist  da- 
her gar  nicht  wahrscheinlich,  dass  da,  wo  ein  Ueberfluss 
an  Feuchtigkeit  ist,  das  Meer  fehle.  Ebenso  ist  im  Osten 
vom  indischen  Meere  aus  unter  demselben  Sternbilde  der 
ganze  gegen  das  kaspische  Meer  liegende  Theil  4j  durch 
die  macedonische  Flotte  unter  der  Regierung  des  Seleukus 
und  Antiochus5),  welche  diese  Gewässer  auch  nach  ihren 
Namen  benannt  wissen  wollten,  durchschifft  worden.  Un- 
weit von  dem  kaspischen  Meere  sind  auch  viele  Küsten 
des  Oceans  untersucht,  und  das  ganze  Nordmeer  ist  von 
dieser  sowohl  als  von  jener  Seite  bis  auf  eine  Strecke 
durchrudert.  Dass  aber  dennoch  den  blossen  Vermuthungen 
noch  kein  Ziel  gesteckt  ist,  beweist  der  Mäotische  See6) 
aufs  deutlichste,  von  dem  man  immer  noch  nicht  weiss, 
ob  er,  wie  viele  geglaubt  haben,  einen  Busen  jenes  Oceans, 
oder  ein  stehendes,  nur  durch  eine  Landenge  von  ihm  ge- 
trenntes Gewässer  bildet. 


')  Cadix  in  Spanien. 

2)  So  hiessen  die  beiden  Berge  Abyla  und  Calpe  auf  den  Küsten 
von  Gibraltar,  welche  Herkules  auf  jeder  Seite  der  Meerenge  errich- 
tet haben  soll,  um  dem  Mittelmeere  einen  Durchgang  zu  verschaffen 
und  ein  Denkmal  zu  setzen,  wie  weit  er  auf  seinen  Reisen  gekommen  sei. 

3)  Das  Scagencap  in  Jütland.  Die  hier  gemeinte  Fahrt  unternahm 
Drusus;  s.  Tacitus  Annal.  IL  8. 

4)  Nach  der  damaligen  Ansicht  bildete  das  Caspische  Meer  einen 
Busen  des  nördlichen  Oceans;  s.  im  VI.  Buch  15  und  17  Capitel. 

5)  Zu  Ende  des  dritten  und  zu  Anfang  des  zweiten  Jahrhunderts 
v.  Chr. 

°)  Das  asowische  Meer. 


Zweites  Buch.  183 

Auf  der  andern  Seite  von  Gades  wird  heutzutage  von 
dem  westlichen  Ocean  her  ein  grosser  Theil  des  Südens 
längs  Mauritanien x)  befahren.  Ein  noch  grösserer  Theil 
davon,  sowie  des  Ostmeeres  bis  an  den  arabischen  Meer- 
busen ist  durch  die  Siege  Alexanders  des  Grossen2)  be- 
kannt geworden.  Als  auf  letzterm  C.  Caesar,  der  Sohn  des 
Augustus  Krieg  führte,  soll  man  Ueberbleibsel  von  früher 
daselbst  gestrandeten  spanischen  Schiffen  gefunden  haben. 
Auch  Hanno3)  schiffte,  als  Carthago's  Macht  noch  blühete, 
von  Gades  bis  zur  arabischen  Küste,  und  gab  darüber  eine 
Schrift  heraus.  Zu  derselben  Zeit  wurde  Himilco4)  aus- 
gesandt, um  die  äussersten  Grenzen  Europa's  kennen  zu 
lernen.  Ausserdem  erzählt  Cornelius  Nepos,  dass  zu  seiner 
Zeit  ein  gewisser  Eudoxus  auf  seiner  Flucht  vor  dem  Kö- 
nige Lathurus 5)  vom  arabischen  Meerbusen  aus  nach  Gades 
gesegelt  sei;  und  lange  vor  ihm  berichtet  Caelius  Antipater6), 
er  habe  Einen  gekannt,  welcher  von  Spanien  nach  Aethio- 
pien  in  Handelsangelegenheiten  geschifft  sei.  Derselbe 
Nepos  sagt  von  den  nördlichen  Küsten,  dass  Quintus  Me- 
tellus  Celer,  der  Mitkonsul  des  L.  Africanus,  aber  damals 
noch7)  Prokonsul  in  Gallien,  von  dem  Könige  der  Sueven 
einige  Indier  zum  Geschenk  erhalten  habe,  die  des  Handels 
wegen  von  Indien  gesegelt  und  durch  Stürme  nach  Ger- 
manien verschlagen  worden  wären.  So  entziehen  uns  die 
den  Erdball  allenthalben  umfliessenden  Meere  einen  Theil 
desselben,  zu  dem  es  weder  von  uns,  noch  zu  uns  von  ihm 
her  eine  wegsame  Bahn  giebt.  Diese  Betrachtung,  welche 
besonders   die   Eitelkeit   der    Menschen   ans   Licht   stellen 


')  Fez  und  Marokko. 

2)  Sohn  Philipps  II.  von  Macedonien,  und  der  Olympias,  ge- 
boren zu  Pella  den  6.  August  356  v.  Chr.,  starb  323. 

3)  Karthagischer  Feldherr  aus  dem  6.  Jahrhundert  v.  Chr. 

4)  Ebenfalls  ein  Karthager. 

s)  Diess  war  der  Beiname  des  ägyptischen  Königs  Ptolemaeus  VIII., 
der  von  117 — 81  v.  Chr.  regierte. 

6)  L.  Cselius  Antipater  aus  Kotyseum,  geboren  20  v.  Chr.,  beschrieb 
unter  den  Römern  zuerst  den  2.  punischen  Krieg. 

')  63  v.  Chr. 


184  Zweites  Buch. 

kann,  veranlasst  mich,  den  ganzen  bekannten  Erdkreis,  auf 
welchem  Niemand  seiner  Habsucht  Schranken  setzt,  gleich- 
sam vor  Augen  zu  stellen,  und  zu  zeigen,  wie  gross  er  ist. 

68. 

Schon  frühe  scheint  man  das  feste  Land  als  die  Hälfte 
der  Erde  betrachtet  zu  haben,  als  wenn  dadurch  der  Ocean 
nicht  zu  kurz  käme,  da  er  doch  das  Ganze  rings  umgiebt, 
alle  andern  Gewässer  ausströmt  und  wiederum  in  sich  auf- 
nimmt, indem  alles,  was  in  die  Wolken  steigt,  von  ihm 
ausgeht  und  er  selbst  so  viele  Gestirne  ernährt;  welchen 
ungeheuren  Raum  muss  er  also  einnehmen?  Uebermässig 
und  unendlich  muss  der  Umfang  dieser  ungeheuren  Masse 
sein.  Nun  denke  man  hinzu,  was  von  dem  übriggebliebe- 
nen Theile  der  Himmel  weggenommen  hat.  Die  Erde  wird 
nämlich  in  5  Theile  getheilt,  welche  Zonen  heissen.  Alles 
was  an  den  beiden  äussersten  liegt,  wird  von  heftiger  Kälte 
und  ewigem  Eise  eingeschlossen,  und  grenzt  an  die  bei- 
den Pole,  von  denen  der  eine  Nordpol  und  der  andere  ihm 
entgegengesetzte  Südpol  heisst.  In  beiden  herrscht  ewige 
Finsterniss,  der  Anblick  der  milden  Gestirne  ist  ihnen  fremd, 
und  nur  ein  kärgliches,  durch  den  Reif  weissliches  Licht 
ihnen  verliehen.  Der  mittlere  Erdgürtel  aber,  den  die  Sonne 
umkreist,  ist  von  der  Hitze  verbrannt  und  gänzlich  ausge- 
dörrt. Nur  die  beiden  Zonen,  zwischen  der  heissen  und 
kalten,  sind  gemässigt,  stehen  aber  wegen  des  Brandes  der 
Sonne  nicht  miteinander  in  Verbindung.  So  hat  also  der 
Himmel  der  Erde  drei  Theile  entrissen;  was  der  Ocean 
weggenommen,  ist  unbestimmt. 

Aber  ich  weiss  nicht,  ob  der  uns  noch  übrig  gebliebene 
Theil  sich  nicht  in  grösserer  Gefahr  befindet;  denn  der 
Ocean,  welcher,  (wie  ich  noch  zeigen  werde)  so  viele  Bu- 
sen bildet,  tobt  mit  solcher  Wuth  auf  die  benachbarten 
innern  Meere  ein,  dass  z.  B.  der  arabische  Meerbusen  nur 
noch  115,000  Schritte  vom  ägyptischen,  und  der  kaspische 
See  nur  noch  375,000  Schritte  vom  pontischen  Meere  ent- 
fernt ist.  Ferner  dringt  er  in  so  viele  Meere,  durch  welche 
er  Afrika,  Europa  und  Asien  von  einander  trennt;  wie  viel 


Zweites  Buch.  185 

Land  nimmt  er  also  ein?  Hiezu  rechne  man  die  Grösse 
so  vieler  Flüsse,  so  grosser  Seen,  Sümpfe  und  stehenden 
Gewässer,  und  ziehe  noch  ab  die  zum  Himmel  emporstre- 
benden, steilen  Bergrücken,  jähe  Wälder  und  Schluchten, 
einsame  und  aus  tausend  Ursachen  wüste  Gegenden!  Die- 
ser Theil  der  Erde,  dieser,  wie  Einige  sie  genannt  haben, 
Punkt  der  Welt  (denn  im  Vergleich  mit  dem  Weltall  ist 
die  Erde  nichts  anderes)  ist  der  Gegenstand  und  Sitz  un- 
seres Ruhmes.  Hier  bekleiden  wir  Ehrenstellen,  beherr- 
schen Länder,  streben  nach  Schätzen,  beunruhigen  das 
menschliche  Geschlecht,  erregen  sogar  Bürgerkriege,  und 
machen  uns  durch  gegenseitigen  Mord  die  Erde  geräumi- 
ger. Und,  um  die  öffentlichen  Volksaufstände  zu  übergehen, 
hier  ist  es,  wo  wir  unsere  Grenznachbarn  vertreiben,  ihre 
Raine  stehlen  und  zu  unserm  Acker  pflügen;  allein,  den 
wievielsten  Theil  der  Erde  hat  der  wohl,  welcher  die  Gren- 
zen seiner  Felder  erweiterte,  und  seine  Nachbarn  vertrieb? 
Oder  wenn  er  auch  sein  Besitzthum  nach  Maassgabe  seiner 
Habsucht  vergrössert  hat,  wie  viel  wird  er  bei  seinem  Tode 
davon  behalten? 

69. 

Dass  die  Erde  in  der  Mitte  der  Welt  liegt,  ergiebt 
sich  aus  mehreren  unbezweifelten  Gründen,  am  deutlichsten 
aber  aus  der  Gleichheit  der  Stunden  im  Aequinoctium. 
Denn  dass,  wäre  sie  nicht  in  der  Mitte,  auch  keine  gleichen 
Tage  und  Nächte  stattfinden  könnten,  beweisen  schon  die 
Dioptern *),  nach  welchen  zur  Aequinoctialzeit  Aufgang  und 
Untergang  in  ein  und  derselben  Linie,  sowie  der  Solstitial- 
Aufgang  und  Brumal-Untergang  in  einer  Linie  liegen.  Al- 
les diess  könnte  auf  keine  Weise  stattfinden,  wenn  di& 
Erde  nicht  in  der  Mitte  läge. 

70. 

Drei  über  den  oben  genannten  Zonen  liegende  Kreise 
bestimmen  die  Ungleichheit  der  Zeiten.     Der  Solstitialkreis, 


')  Wörtlich:  Durchsichten,  auch  Sonnenquartanten  genannt,  ein 
Instrument,  an  welchem  die  Sonne  durch  eine  Oefthung  auf  eine 
fläche  fällt,  und  die  Zeit  angiebt. 


186  Zweites  Buch. 

welcher  sich  an  dem  für  uns  höchsten  Theile  des  Thier- 
kreises  befindet,  liegt  nach  Norden;  der  Brumalkreis  nach 
dem  andern  Pole  hin,  mitten  aber  durch  den  Thierkreis 
zieht  sich  der  Aequinoctialkreis. 

71. 

Die  Ursache  der  übrigen  von  uns  bewunderten  Er- 
scheinungen liegt  in  der  Gestalt  der  Erde  selbst;  sowie 
ihre  und  mit  ihr  der  Gewässer  kugelrunde  Form  aus  den- 
selben Gründen  hervorgeht.  Daher  kommt  es  denn  ohne 
Zweifel,  dass  uns  die  Gestirne  am  nördlichen  Himmel  nie- 
mals untergehen,  hingegen  die  südlichen  niemals  aufgehen; 
ferner  werden  unsere  Sterne  von  den  Bewohnern  der  süd- 
lichen Länder  nicht  gesehen,  weil  die  Erdkugel  den  Blicken 
in  den  Weg  tritt.  Im  Lande  der  Troglodyten *)  und  dem 
benachbarten  Aegypten  sieht  man  den  Nordstern  nicht;  den 
Canopus2),  das  sogenannte  Haar  der  Berenice,  sowie  das 
Gestirn,  welches  unter  dem  vergötterten  Augustus  der  Thron 
des  Kaisers  genannt  wurde,  welche  doch  alle  dort  wahr- 
zunehmen sind,  sieht  man  in  Italien  nicht.  Ja  die  Krüm- 
mung der  Erdkugel  ist  so  merklich,  dass  der  Canopus  etwa 
nur  um  den  vierten  Theil  eines  Zeichens  für  Alexandrien 
über  den  Horizont  hervorzuragen  scheint,  während  er  zu 
Rhodus  scheinbar  die  Erde  streift;  im  Pontus,  wo  der  Nord- 
stern am  höchsten  steht,  sieht  man  jenen  gar  nicht.  Da- 
gegen ist  der  Nordstern  auf  Rhodus  und  noch  mehr  in 
Alexandrien  unsichtbar;  im  November  bleibt  er  während 
der  drei  ersten  Nachtstunden3)  verborgen,  in  den  drei  fol- 
genden erscheint  er;  zu  Meroe  erscheint  er  imSolstitium  eine 
kurze  Zeit  des  Abends,  und  wenige  Tage  vor  dem  Aufgange 
des  Bären4)  sieht  man  ihn  gleichfalls  bei  Tagesanbruch. 

Dergleichen  Erscheinungen  bieten  sich  am  häufigsten 


1)  Nubien  und  Abessinien. 

2)  Ein  Stern  erster  Grösse  im  südlichen  Ruder  des  Schiffes  Argo. 

3)  Prima  vigilia.  Die  Römer  theilten  die  Nacht  in  vier  Vigilien, 
jede  von  drei  Stunden;  die  Griechen  aber  hatten  bloss  drei  Vigilien, 
jede  von  vier  Stunden. 

4)  Am  21.  Februar. 


Zweites  Buch.  187 

den  Seefahrern  da,  indem  das  Meer  auf  der  einen  Seite  in 
die  Höhe  steigt,  und  auf  der  andern  sich  wieder  herabsenkt, 
wodurch  dann  die  Sterne,  welche  erst  hinter  dem  Erdballe 
verborgen  waren,  plötzlich  sichtbar  werden,  indem  sie  gleich- 
sam aus  dem  Meere  hervortauchen.  Denn  keineswegs  er- 
hebt sich  (wie  Einige  behaupten)  die  Welt  an  diesem 
(nördlichen)  Pole  so  hoch,  dass  diese  Sterne  allenthalben 
gesehen  werden  könnten,  sondern  sie  scheinen  denjenigen, 
welche  dem  Pole  näher  wohnen,  höher,  den  Entferntem 
dagegen  tiefer  zu  stehen.  Sowie  nun  den  am  üussersten 
Punkte  wohnenden  jener  Pol  sehr  hoch  vorkommt,  so  er- 
heben sich  denen,  welche  noch  darüber  hinaus  gehen,  die 
tiefer  liegenden  Sterne,  und  diejenigen  senken  sich,  welche 
dort  am  höchsten  standen;  was  alles  nicht  stattfinden  könnte, 
wenn  die  Erde  nicht  die  Gestalt  eines  Balls  hätte. 

72. 
Daher  können  die  Bewohner  des  Ostens  die  am  Abend 
«ich  zeigenden  Sonnen-  und  Mondfinsternisse  ebenso- 
wenig, wie  die  Bewohner  des  Westens  die  am  Morgen  ent- 
stehenden, sehen;  öfter  aber  erscheinen  beiden  die  mittägigen 
Finsternisse.  Als  Alexander  der  Grosse  die  grosse  Schlacht 
bei  Arbela1)  gewann,  soll  daselbst  in  der  zweiten  Stunde 
der  Nacht  eine  Mondfinsterniss  stattgefunden  haben,  wäh- 
rend sie  in  Sicilien  zur  selbigen  Zeit  beim  Aufgange  des 
Mondes  eintrat.  Vor  einigen  Jahren,  unter  den  Konsuln 
Vipstanus  und  Fontejus2)  sah  man  in  Kampanien  am  30. 
April  zwischen  der  7.  und  8.  Tagesstunde  eine  Sonnenfinster- 
niss,  welche  Corbulo,  der  damalige  Feldherr  in  Armenien, 
zwischen  der  10.  und  11.  Tagesstunde  bemerkt  haben 
will.  So  zeigt  und  verdeckt  die  Erde  durch  ihre  Ku- 
gelform dem  Ein&n  diess,  dem  Andern  jenes.  Wäre  die 
Erde  flach,  so  würden  alle  Menschen  solche  Erscheinungen 
zugleich  sehen,  auch  würden  die  Nächte  nicht  von  unglei- 
cher Dauer  sein;  denn  sowohl  diejenigen,  welche  in  der 


')  Am  21.  Sept.  331  v.  Chr.  gegen  Darius. 
2)  59  n.  Chr.  unter  Nero. 


188  Zweites  Buch. 

Mitte    wohnten,   als   auch  alle  Andern   würden  Tage   und 
Nächte  von  zwölf  gleichen  Stunden  haben. 

73. 
Deshalb  ist  es  auch  nie  auf  der  ganzen  Erde  zugleich 
Tag  und  Nacht,  denn  auf  der  der  Sonne  entgegengesetzten 
Hälfte  der  Kugel  entsteht  Nacht,  und  durch  ihren  Um- 
schwung bringt  sie  dieser  Hälfte  den  Tag  wieder.  Diess 
beweisen  viele  Erfahrungen.  In  Afrika  und  Spanien  wurden 
von  Hannibal  Thürme,  und  in  Asien  ähnliche  Warten  ge- 
gen die  Ueberfälle  der  Seeräuber  erbauet;  wenn  man  nun 
auf  denselben  das  Signalfeuer  um  die  6.  Tagesstunde  an- 
zündete, so  sahen  es,  wie  mehrere  Fälle  beweisen,  die  dort 
absegelnden  Schiffe  bloss  bis  zur  dritten  Stunde  der  Nacht. 
Philonides,  der  Läufer  Alexanders  des  Grossen,  legte  den 
1200  Stadien  langen  Weg  von  Sicyon  nach  Elis  in  neun 
Stunden  am  Tage  zurück;  von  da  aber,  kehrte  er,  unge- 
achtet es  bergab  ging,  erst  in  der  3.  Stunde  der  Nacht  zu- 
rück. Die  Ursache  war,  dass  er  hinwärts  mit  der  Sonne 
ging,  auf  dem  Eückwege  aber  ihm  die  Sonne  entgegen  kam. 
Aus  gleichen  Gründen  haben  die  nach  Westen  Segelnden, 
selbst  am  kürzesten  Tage,  länger  Tag  als  Nacht,  weil  sie 
gleichsam  die  Sonne  begleiten. 

74. 
Nicht  überall  kann  man  dieselben  Stundenuhren  ge- 
brauchen, weil  sie  sich  alle  300  bis  500  Stadien  mit  dem 
Schatten  der  Sonne  verändern.  So  beträgt  die  Schatten- 
länge des  Zeigers  (welchen  man  Gnomon  nennt)  in  Aegyp- 
ten  am  Tage  des  Aequinoctii  zur  Mittagszeit  etwas  mehr 
als  die  halbe  Länge  des  Zeigers.  Zu  Rom  fehlt  dem  Schat- 
ten Vs  der  Länge  des  Zeigers;  in  Ankona  ist  er  um  V35 
länger;  in  dem  Theile  von  Italien,  welcher  Venetia  heisst, 
gleicht  zu  derselben  Stunde  die  Länge  des  Schattens  der 
des  Zeigers. 

75. 
Auch  erzählt  man,  dass  zu  Syene  *),  einer  Stadt,  welche 


')  Jetzt  Assuan. 


Zweites  Buch.  189 

5000  Stadien  jenseits  Alexandrien  liegt,  die  Sonne  am 
Tage  des  Solstitiums  zu  Mittag  keinen  Schatten  werfe, 
und  dass  sie  einen  Brunnen,  den  man  zu  diesem  Behufe 
gegraben  habe,  erleuchte.  Daraus  geht  hervor,  dass  um 
jene  Zeit  die  Sonne  dort  gerade  im  Scheitelpunkte  steht, 
was  nach  Onesikritus l)  auch  in  Indien  über  dem  Flusse 
Hypasis2)  um  dieselbe  Zeit  der  Fall  sein  soll.  Dasselbe 
erfolgt  zu  Berenice 3),  einer  Stadt  der  Troglodyten,  und  dem 
4820  Stadien  von  da  entfernten,  demselben  Volke  gehören- 
den Ptolemäis4),  welches  an  der  Küste  des  rothen  Meeres 
zum  Behufe  der  ersten  Elephantenjagden  erbauet  wurde; 
hier  zeigt  sich  die  erwähnte  Erscheinung  45  Tage  vor  und 
nach  dem  Solstitium,  und  diese  neunzig  Tage  hindurch  fällt 
der  Schatten  nach  Mittag.  Auch  zu  Meroe5)  (einer  Insel 
und  Hauptstadt  der  Aethiopier,  die  5000  Stadien  von  Syene 
entfernt  im  Nil  liegt)  hat  man  zwei  mal  im  Jahre  keinen 
Schatten,  wenn  nämlich  die  Sonne  im  18.  Grade  des  Stiers, 
und  im  14.  Grade  des  Löwen  steht.  In  Indien,  im  Lande 
der  Oreten,  befindet  sich  ein  Berg  Maleus  genannt  bei 
welchem  die  Schatten  im  Sommer  nach  Mittag  und  im 
Winter  nach  Mitternacht  geworfen  werden.  Dort  ist  der 
grosse  Bär  auch  nur  15  Nächte  lang  sichtbar.  In  dem  be- 
rühmten indischen  Hafen  Patalis  geht  die  So  nne  zur  Rechten 
auf,  und  der  Schatten  fällt  nach  Mittag.  Als  Alexander 
sich  dort  aufhielt,  wurde  der  grosse  Bär  nur  in  den  ersten 
drei  Stunden  der  Nacht  gesehen.  Sein  Feldherr  Onesikri- 
tus berichtet,  dass  an  den  Orten  in  Indien,  wo  es  keinen 
Schatten  gäbe,  der  grosse  Bär  niemals  sichtbar  sei,  dass 
diese  Orte  „schattenlose"  hiessen,  und  dass  man  dort  die 
Stunden  nicht  zähle. 

')  Aus  Aegina,  Schüler  des  Diogenes  von  Sinope,  und  einer  der 
Begleiter  Alexanders  auf  seinen  Zügen. 

-)  Bis  zu  diesem  Flusse  gelangte  Alexander  der  Grosse.  Er  heisst 
jetzt  Beyah. 

3)  Jetzt  Salaca. 

4)  Jetzt  Ras-Ahehas. 

5)  Jetzt  Haschur. 


190  Zweites  Buch. 

76. 

Im  ganzen  Troglody  tenlande  sollen,  nach  Eratosthenes *), 
die  Schatten  zweimal  im  Jahre  45  Tage  hindurch  auf 
die  entgegengesetzte  Seite  fallen. 

77. 

So  kommt  es  auch,  dass  durch  diess  Ab-  und  Zunehmen 
des  Lichts,  in  Meroe  der  längste  Tag  zwölf  Aequinoctial- 
stunden  und  noch  acht  Theile  einer  Stunde2)  beträgt,  in 
Alexandrien  aber  14  Stunden,  in  Italien  15  und  in  Britan- 
nien 17  Stunden,  wo  auch  die  hellen  Nächte  im  Sommer 
das,  was  die  Vernunft  uns  schon  glaublich  macht,  bekräftigen. 
Nämlich  zur  Zeit  des  Sommersolstitiums,  wo  die  Sonne 
dem  Pole  näher  steht  und  der  Umkreis  ihres  Leuchtens 
enger  ist,  haben  jene  Polarländer  sechs  Monate  lang  be- 
ständig Tag,  und,  wenn  sie  sich  zum  Wintersolstitium  hin 
entfernt  hat,  ebenso  lange  Nacht.  Dasselbe  soll,  wie  Py- 
theas  von  Massilien3)  berichtet,  auf  der  Insel  Thule4), 
welche  sechs  Schiflstagereisen  nördlich  von  Britannien  ent- 
fernt ist,  der  Fall  sein;  Einige  behaupten  diess  auch  von 
der  Insel  Mona5),  welche  von  der  britischen  Stadt  Ca- 
maldunum6)  200,000  Schritte  weit  liegt. 

78. 

Diese  Lehre  von  den  Schatten  und  die  sogenannte 
Gnomonik  erfand  Anaximenes  von  Milet7),  ein  Schüler  des 
schon  erwähnten  Anaximander;  er  zeigte  auch  zuerst  zu 
Lacedämon    eine   Stundenuhr,    Sciotherikum 8)    genannt. 


')  Von  Cyrene,  lebte  277—196  v.  Chr. 

2)  Die  Alten  theilten  die  Stunde  in  12  Theile. 

3)  Pytheas  von  Marseille  lebte  im  4.  Jahrh.  v.  Chr. 

4)  Thule  scheint  das  heutige  Island  zu  sein.  Nur  Plinius  und 
Strabo  lassen  den  Pytheas  obige  Behauptung  aufstellen.  In  den  eig- 
nen Worten  des  Pytheas,  die  Geminus  anführt,  ist  nur  von  einem 
22  stündigen  längsten  Tage  die  Rede. 

5)  Das  heutige  Anglesea. 

6)  Jetzt  Colchester. 

:)  Lebte  von  550—500  v.  Chr. 
B)  Scjhattenfänger. 


Zweites  Buch.  191 

79. 

Die  Dauer  des  Tages  selbst  findet  man  von  Einigen 
so,  von  Andern  so  fest  gesetzt.  Die  Babylonier  rechnen  von 
einem  Sonnenaufgange  bis  zum  Andern,  die  Athenienser 
von  einem  Untergange  bis  zum  andern,  die  Umbrier  von 
einem  Mittage  zum  andern,  alle  gemeinen  Leute  von  An- 
bruch des  Tageslichts  bis  zum  Dunkelwerden;  die  römischen 
Priester  und  diejenigen,  welche  den  bürgerlichen  Tag  ein- 
führten, desgleichen  die  Aegypter  und  Hipparchus  rechnen 
von  Mitternacht  zu  Mitternacht.  Es  leuchtet  aber  ein,  dass 
die  Abwesenheit  des  Tageslichts  von  einem  Sonnenaufgange 
zum  andern  zur  Zeit  des  Sommer-Solstitiums  kleiner  sein 
müsse,  als  in  den  Aequinoctien,  denn  die  Lage  des  Thier- 
kreises  ist  in  den  Aequinoctien  schräger,  beim  Solstitium 
aber  senkrechter. 

80. 

Mit  den  bisherigen  Ursachen  der  himmlischen  Erschei- 
nungen wollen  wir  nun  noch  die  davon  abhängigen  ver- 
knüpfen; denn  es  ist  keinem  Zweifel  unterworfen,  dass  die 
Aethiopier  durch  die  Hitze  der  nahen  Sonne  geschwärzt, 
und  Verbrannten  gleich,  mit  krausem  Bart  und  Haupthaar 
geboren  werden.  Dagegen  haben  die  Völker  der  entgegen- 
gesetzten, kalten  Himmelsstriche  eine  weisse  Haut  und 
blondes  herabhängendes  Haar;  diese  macht  die  Keilte  rauh, 
jener  aber  die  Milde  des  Himmels  schlaff.  Selbst  an  den 
Beinen  kann  man  den  Unterschied  wahrnehmen;  denn  bei 
jenen  werden  die  Säfte  durch  die  Hitze  in  die  obern  Theile 
des  Körpers  gezogen,  bei  diesen  senkt  sich  die  Feuchtig- 
keit nach  den  untern  Gliedmaassen  herab.  Hier  bringt  das 
Klima  grosse  wilde  Thiere,  dort  sehr  mannigfache  Thier- 
bildungen,  besonders  unter  den  Vögeln  hervor.  Aber  in 
beiden  Zonen  werden  die  Körper  gross,  dort  durch  die 
Kraft  der  Hitze,  hier  durch  die  nährende  Feuchtigkeit. 
Allein  mitten  zwischen  diesen  Zonen  findet  eine  wohlthätige, 
in  jeder  Hinsicht  fruchtbare  Mischung  aus  beiden  Statt. 
Alles  trägt  hier  das  Gepräge  der  gehörigen  Gleichmässig- 
keit,  selbst  in  den  Farben,  der  Körper  hat  eine  massige 


192  Zweites  Buch. 

Grösse,  die  Sitten  sind  sanft,  die  Sinne  scharf,  der  Geist 
fruchtbar  und  fähig,  die  ganze  Natur  zu  erfassen.  Hier 
giebt  es  auch  Staatseinrichtungen,  die  unter  den  entfern- 
tem Völkern  unbekannt  sind,  daher  diese  wegen  ihrer  Ent- 
fernung, und  ihrer,  durch  die  Strenge  des  Klimas  bedingten 
abgeschiedenen  Lebensweise  jenen  nie  gehorcht  haben. 

81. 
Die  Babylonier  glauben,  dass  Erdbeben,  Erdfälle 
und  alle  übrigen  derartigen  Erscheinungen,  vom  Einflüsse 
der  Gestirne,  und  namentlich  jenen  drei,  denen  man  die 
Erzeugung  der  Blitze  zuschreibt x)  herrühren.  Besonders 
sollen  dergleichen  eintreffen,  wenn  sie  mit  der  Sonne  laufen 
oder  mit  ihr  zusammenkommen,  hauptsächlich  aber,  wenn 
sie  im  Geviertscheine  stehen.  Eine  ausgezeichnete  und, 
wenn  man  es  glauben  will,  göttliche  prophetische  Kraft  in 
Dingen  der  Art  besass  der  Physiker  Anaximander  von 
Milet. 2)  Er  soll  die  Lacedämonier  im  Voraus  gewarnt 
haben,  auf  ihre  Stadt  und  Häuser  Acht  zu  geben,  denn  es 
stehe  ein  Erdbeben  bevor,  und  in  der  That  fiel  auch  die 
ganze  Stadt  in  Trümmer,  wobei  noch  ein  grosser  Theil  des 
Berges  Taygetus3)  in  Gestalt  eines  Schiffshintertheils  ab- 
gerissen wurde,  und  auf  die  zerstörte  Stadt  herabstürzte. 
Auch  Pherecydes4),  dem  Lehrer  des  Pythagoras  schreibt 
man  eine  nicht  minder  göttliche  Weissagung  zu;  er  soll 
nämlich  durch  einen  Trunk  Wasser  aus  einem  Brunnen  ein 
Erdbeben  daselbst5)  vorhergesagt  haben.  Sind  solche  Er- 
zählungen wahr,  wie  wenig  mögen  diese  Männer  schon  bei 
ihren  Lebzeiten  von  den  Göttern  unterschieden  gewesen 
sein!  Ich  überlasse  den  Glauben  an  dergleichen  dem  Er- 
messen eines  Jeden;  dass  aber  die  Winde  Ursache  von 
Erdbeben  sind,  möchte  ich  nicht  bezweifeln,  denn  die  Erde 
wankt  nur  dann,  wenn  das  Meer  still  und  die  Atmosphäre 


')  Saturn,  Jupiter  und  Mars. 

2)  Schüler  des  Thaies,  lebte  im  6.  Jahre,  v.  Chr. 

3)  Monte  di  Maina. 

4)  Von  Scyros  im  6.  Jahrb..  v.  Chr. 

5)  Zu  Samos. 


Zweites  Buch.  193 

so  ruhig  ist,  dass  selbst  die  Vögel  nicht  fliegen  können, 
weil  der  sie  tragende  Luftzug  gänzlich  fehlt;  und  nur  dann, 
wenn  nach  einem  Sturme  der  Wind  sich  in  die  Adern  und 
Höhlen  der  Erde  versteckt  hat.  Das  Beben  der  Erde  ist 
das,  was  der  Donner  in  den  Wolken;  ein  Erdriss  gleicht 
dem  durchbrechenden  Blitze,  indem  die  eingeschlossene 
Luft,  sich  gewaltsam  zu  befreien  sucht. 

82. 

Die  Erde  wird  auf  mannigfaltige  Weise  erschüttert 
und  wunderbar  sind  die  daraus  folgenden  Wirkungen.  Hier 
werden  Mauern  umgestürzt,  dort  verschlungen,  hier  brecheu 
gewaltige  Wasser  hervor,  dort  ganze  Ströme,  zuweilen  auch 
Feuer  und  heisse  Quellen,  dort  wird  der  Lauf  der  Flüsse 
verändert.  Vor  und  während  des  Erdbebens  hört  man  ein 
furchtbares  Getöse,  das  bald  einem  dumpfen  Brüllen,  bald 
einem  menschlichen  Hülferufe,  bald  einem  Waffengeklirre 
gleicht,  je  nach  der  Beschaffenheit  der  die  Luft  einschliessen- 
den  Stoffe,  der  Gestalt  der  Höhlen  oder  Gänge,  durch  den 
sie  geht.  Das  Toben  ist  heller  in  engen  Bäumen,  dumpfer 
in  Krümmungen,  wiederhallend  in  hartem  Gestein,  brausend 
in  feuchten,  wogend  in  sumpfigen  Schluchten,  und  krachend, 
wenn  es  an  harte  Körper  stösst.  Doch  wird  auch  oft  ein 
Getöse  ohne  Erdbeben  vernommen.  —  Die  Erde  wird  nie 
auf  einfache  Weise  erschüttert,  sondern  sie  zittert  und 
schwankt.  Zuweilen  bleibt  der  Kiss  offen,  und  lässt  das, 
was  er  verschlungen  hat,  sehen,  zuweilen  schliesst  er  sich 
und  verbirgt  so  das  Verschlungene,  und  hiebei  ist  der 
Boden  oft  wiederum  so  geebnet,  dass  er  keine  Spuren 
z.  B.  von  versunkenen  Städten  oder  Aeckern  hinterlässt. 

Die  Küstenländer  sind  dem  Erdbeben  am  meisten 
ausgesetzt;  doch  auch  bergige  Gegenden  bleiben  nicht  da- 
von befreiet.  So  ist  mir  unter  andern  bekannt,  dass  die 
Alpen  und  Apenninen  oft  erschüttert  werden.  Im  Herbste 
und  Frühlinge  finden  sie,  gleich  den  Blitzen,  öfter  statt. 
Daher  spüren  sie  Gallien  und  Aegypten  am  wenigsten, 
denn  hier  steht  ihnen  die  Hitze,  dort  die  Kälte  entgegen. 
Häufiger   ereignen   sie   sich   bei  Nacht   als   am   Tage,  am 

13 


194  Zweites  Buch. 

heftigsten  aber  Morgens  und  Abends;  meistentheils  aber 
vor  Tagesanbruch,  und  am  Tage  um  die  Mittagszeit ;  auch 
bei  Sonnen-  und  Mondfinsternissen,  weil  dann  keine  Stürme 
sind;  vorzüglich  aber  dann,  wenn  auf  Kegen  Hitze,  oder 
auf  Hitze  Regen  folgt. 

83. 

Auch  die  Schiffer  können  sicher  auf  ein  bevorstehen- 
des Erdbeben  schliessen,  wenn  die  Wogen  ohne  Wind  an- 
schwellen und  sie  von  der  Erschütterung  Stösse  verspüren. 
Alles,  was  sich  auf  den  Schiffen  befindet,  wankt  ebenso  wie 
in  Gebäuden,  und  verkündet  durch  das  dadurch  entstehende 
Geräusch  das  Erdbeben.  Sogar  die  Vögel  bleiben  furcht- 
sam sitzen.  Es  giebt  auch  am  Himmel  ein  Zeichen,  was 
einem  nahen  Erdbeben  vorhergeht;  dasselbe  erscheint,  ent- 
weder am  Tage  oder  kurz  nach  Sonnenuntergänge  bei 
heiterm  Wetter,  als  ein  langer  schmaler  Wolkenstreif.  Das 
Wasser  in  den  Brunnen  ist  dann  trübe  und  von  widerlichem 
Gerüche. 

84. 

Die  Brunnen  können  aber  ebenso  wie  zahlreiche  Höhlen 
als  Hüifsmittel  gegen  Erdbeben  dienen,  weil  sie  die  auf- 
genommene Luft  wiederum  aushauchen.  Diess  zeigt  sich 
bei  einigen  Städten,  welche,  weil  sie  mit  vielen  unterir- 
dischen Kanälen  zur  Ableitung  der  Unreinigkeiten  versehen 
sind,  weniger  von  Erdbeben  leiden.  Noch  sicherer  sind 
die  Gebäude,  welche  einen  hohlen  Grund  haben,  wovon 
Neapel  in  Italien  den  Beweis  liefert,  dessen  auf  festem 
Grunde  erbaueter  Stadttheil  jenen  Unfällen  weit  mehr  unter- 
worfen ist.  Das  sicherste  Schutzmittel  bieten  die  Gewölbe 
der  Gebäude,  auch  die  Winkel  der  Wände  und  die  Pfosten 
dar,  weil  diese  durch  den  gegenseitigen  Druck  zusammen- 
gehalten werden.  Auch  auf  Wände  von  Backsteinen  wirkt 
die  Erschütterung  weniger  schädlich. 

Ein  grosser  Unterschied  findet  selbst  in  der  Art  der 
Erschütterung  der  Erde  statt,  denn  diese  erfolgt  auf  mehr- 
fache Weise.  Am  besten  ist  es,  wenn  sie  schwingend  auf- 
tritt, wobei  die  Gebäude  ein  wirbelndes  Getöse  von  sich 


Zweites  Buch.  195 

geben;  so  auch  wenn  die  Erde  bei  einem  Stosse  aufschwillt 
und  sich  wieder  senkt.  Auch  dann  ist  noch  keine  Gefahr 
zu  befürchten,  wenn  die  Häuser  gegeneinander  stossen,  weil 
ein  Stoss  die  Wirkung  des  andern  bricht.  Unglück  drohend 
ist  dagegen  ein  wellenförmiges  Neigen  und  Schwanken, 
oder  auch,  wenn  die  ganze  Erschütterung  sich  nach  einer 
Richtung  hindrängt.  Die  Stösse  hören  auf,  sobald  sich  der 
Wind  erhebt,  dauern  sie  aber  dennoch  fort,  so  legen  sie 
sich  nicht  unter  40  Tagen,  währen  aber  häufig  noch  länger, 
so  wie  denn  manche  Erdbeben  ein  bis  zwei  Jahre  lang 
angehalten  haben. 

85. 
Einmal  hat  sich,  wie  ich  in  den  etruskischen  gelehrten 
Werken  gefunden,  unter  den  Consuln  L.  Marcius  und  Sext. 
Julius1)  in  dem  mutinensichen  Gebiete2)  ein  ausserordent- 
liches Erdwunder  ereignet.  Es  liefen  nämlich  zwei  Berge 
mit  ungeheurem  Getöse  gegeneinander  und  wichen  wieder 
zurück,  während  zwischen  ihnen  am  hellen  Tage  Flamme 
und  Rauch  emporstiegen.  Eine  grosse  Anzahl  von  römi- 
schen Rittern,  Familien  und  Reisenden  haben  diess  von  der 
ämilianischen  Strasse 3)  aus  mit  angesehen.  Diess  Ereigniss, 
wodurch  alle  Landhäuser  zerstört  und  die  darin  befindlichen 
Thiere  getödtet  wurden,  geschah  ein  Jahr  vor  dem  Bundes- 
genossenkriege4),  von  dem  ich  nicht  entscheiden  will,  ob 
er  nicht  traurigere  Folgen,  als  die  Bürgerkriege,  für  Italien 
nach  sich  zog.  Eine  nicht  minder  wunderbare  Begebenheit 
hat  sich  zu  unsern  Zeiten,  im  letzten  Jahre  der  Regierung 
Nero's5),  wie  ich  in  dessen  Geschichte  erzählt  habe,  zuge- 


»)  Im  Jahre  Roms  663,  91  v.  Chr. 
-)  bei  Modena. 

3)  Es  gab  zwei  Strassen,  die  den  Namen  via  Aemilia  führten; 
beide  gingen  von  der  via  Flaminia  ab,  die  erste  führte  nach  Arirni- 
num  und  Aquileja,  die  zweite  nach  Pisa  und  Luna.  Die  hier  ge- 
meinte war  die  erste,  von  dem  Konsul  M.  Aemilius  Lepidus  187  v.  Chr. 
angelegt. 

4)  91  v.  Chr. 

5)  68  n.   Chr. 

13* 


196  Zweites  Buch. 

tragen;  im  marrucinischen  Gebiete1),  auf  den  Gütern  des 
römischen  Ritters  Vectius  Marcellus,  der  Nero's  Sachwalter 
war,  wurden  nämlich  Wiesen  und  Oelgärten,  welche  durch 
eine  Landstrasse  getrennt  waren,  auf  die  entgegengesetzten 
Seiten  versetzt. 

86. 

Zugleich  mit  den  Erdbeben  erfolgen  auch  Ueberschwem- 
mungen  des  Meeres,  wenn  dieses  nämlich  durch  dieselbe 
Luft  hereingetrieben  und  von  dem  Schlünde  der  sich  sen- 
kenden Erde  aufgenommen  wird.  Das  stärkste  Erdbeben 
seit  Menschen  Gedenken  ereignete  sich  unter  der  Regierung 
des  Kaisers  Tiberius,  wodurch  zwölf  asiatische  Städte  in 
einer  Nacht  zerstört  wurden. 2)  Die  häufigsten  erfolgten 
im  punischen  Kriege3),  wo  man  in  einem  Jahre  57  der- 
selben nach  Rom  meldete.  In  demselben  Jahre4)  war  die 
Schlacht  am  trasymenischen  See 5),  allein  weder  die  Punier 
noch  die  Römer  merkten  während  des  Kampfes  die  Erd- 
erschütterung. —  Das  Erdbeben  ist  aber  kein  einfaches 
Unglück0),  und  seine  Gefahr  liegt  nicht  bloss  in  der  Er- 
schütterung, sondern  ein  gleich  grosses  und  noch  grösseres 
Uebel  wird  durch  dasselbe  angedeutet.  In  Rom  fand  nie- 
mals ein  Erdbeben  statt,  was  nicht  der  Vorbote  irgend 
eines  Ereignisses  gewesen  wäre. 

87. 

Erdbeben  sind  auch  die  Ursache  neuentstehenden  Landes, 
da  eben  jene  Luft  wohl  fähig  ist,  den  Boden  zu  heben, 
aber  nicht  ihn  zu  durchbrechen.  Denn  neues  Land  ent- 
steht nicht  bloss  durch  das  Anschwemmen  der  Flüsse,  wie 
z.  B.  die  echinadischen  Inseln 7)  durch  den  Fluss  Achelaus 8), 


')  Am  Flusse  Pescara,  in  der  Gegend  von  Chieti. 

2)  18  n.  Chr. 

3j  Im  zweiten  punischen  Kriege. 

4)  217  v.  Chr. 

5)  Jetzt  Lago  di  Perugia. 

ö)  d.  h.  es  kommt  nie  allein. 

7)  Im  ionischen  Meere,  jetzt  Curzolari  genannt. 

8)  Jetzt  Aspro  Potamo. 


Zweites  Buch.  197 

und  ein  grosser  Theil  von  Aegypten  durch  den  Nil,  (der 
nach  Homer1)  eine  Nacht-  und  Tagereise  von  der  Insel 
Pharus  entfernt  war)  entstanden  sind;  wie  auch  nicht  bloss 
durch  den  Rücktritt  des  Meeres,  wie,  ebenfalls  nach 
Homers  Berichte 2),  die  circeischen  Inseln 3)  beweisen.  Letz- 
trer  Fall  soll  sich  auch  im  Hafen  von  Ambracia4)  ereignet 
haben,  wo  das  Meer  10,000  Schritte  zurückwich;  desgleichen 
im  atheniensischen  Hafen  Piräus  auf  eine  Strecke  von  5O0O 
Schritten,  sowie  zu  Ephesus,  wo  es  ehemals  den  Tempel 
der  Diana  bespühlte.  Wenn  wir  dem  Herodot5)  glauben 
wollen,  so  reichte  das  Meer  früher  oberhalb  Memphis  bis 
an  die  äthiopischen  Gebirge,  und  die  Ebenen  Arabiens. 
Auch  die  Gegend  um  Ilium  war  sonst  Meer,  sowie  das 
ganze  Teuthranien 6),  wo  der  Mäander7)  das  ganze  Land 
angeschwemmt  haben  mag. 

88. 

Es  entsteht  auch  noch  auf  andere  Weise  Land,  indem 
es  sich  plötzlich  aus  dem  Meere  erhebt,  gleichsam  als  ob 
die  Natur  sich  wieder  ins  Gleichgewicht  setzen  wollte,  da 
sie  das,  was  hier  ein  Abgrund  verschlang,  dort  wiedergiebt, 

89. 

Die  schon  lange  berühmten  Inseln,  Delos  und  Rho- 
dus,  sollen  auf  eben  diese  Art  entstanden  sein.  Später  ka- 
men noch  kleinere  zum  Vorschein,  wie  Anaphe 8)  hinter  Me- 
los,  Neä 9)  zwischen  Lemnos 10)  und  dem  Hellesponte,  Halone 
zwischen  Lebedus  und  Teos, u)  Thera12)  und  Theräsia13), 
zwei  Cykladen,  im  4.  Jahre  der  135.  Olympiade;  130  Jahre 


*)  Odyssee  IV.  354. 

2)  Odyssee  X.  194. 

3)  Eigentlich  ein  vom  tuskischen  Meere  und  den  pontinischen 
Sümpfen  umgebener  Berg,  wegen  der  Niederungen  rings  umher  einer 
Insel  ähnlich;  jetzt  Circello. 

4)  Jetzt  Arta  in  Epirus. 

5)  Von  Halikarnassus,  berühmter  griechischer  Geschichtsschrei- 
ber, lebte  484—408  v.  Chr. 

6)  Eine  Landschaft  in  Asien  am  Flusse  Caicus  (Girmasti). 

7)  Bojuk  Minder.  8)  Nanfi.  9)  Agiostrati.  ,0)  Stalimene.  »)  Pusor. 
,2)  Santorin.     ,3)  Aspronisi. 


198  Zweites  Buch. 

später  Hiera1)  oder  Automate2),  ebenfalls  Cykladen,  und 
zwei  Stadien  davon  entfernt  entstand  110  Jahre  später, 
noch  zu  unserer  Zeit  unter  den  Konsuln  M.  Junius  Silanus 
und  L.  Baibus 3),  am  8.  Juli  die  Insel  Thia. 4)  Vor  unserer 
Zeit  tauchte  neben  Italien  unter  den  äolischen  Inseln 5)  eine, 
desgleichen  eine  von  2500  Schritten  Länge  und  mit  darauf 
befindlichen  warmen  Quellen  neben  Kreta  aus  dem  Meere 
hervor;  noch  eine  andere,  welche  mit  heftigem  Winde  be- 
gleitet brannte,  zeigte  sich  im  3.  Jahre  der  163.  Olympiade 
im  tuscischen6)  Meerbusen.  Man  erzählt  auch,  alle  Men- 
schen, welche  von  den  um  dieselbe  in  grosser  Anzahl 
schwimmenden  Fischen  gegessen  hätten,  wären  sogleich 
gestorben.  Ferner  sollen  die  pithekusischen  Inseln7)  im 
campanischen  Meerbusen  auf  ähnliche  Art  entstanden  sein. 
Der  Berg  Epopus  auf  einer  dieser  Inseln8)  wurde  bald 
darauf,  nachdem  eine  Flamme  aus  ihm  hervorgebrochen 
war,  der  Ebene  gleich.  Ebendaselbst  wurde  auch  eine  Stadt 
vom  Meere  verschlungen,  durch  ein  anderes  Erdbeben  ent- 
stand ein  See,  und  bei  einem  dritten  durch  zusammenge- 
stürzte Berge  die  Insel  Prochyta. 

90. 

Denn  auch  auf  diese  Weise  hat  die  Natur  Inseln  ge- 
schaffen; sie  riss  Sicilien  von  Italien,  Cypern  von  Syrien, 
Euböa 9)  von  Böotien  10j,  Atalante  u)  und  Makris 12)  von  Eu- 
böa,  Besbykus 13)  von  Bithynien,  Leukosia  u)  vom  Vorgebirge 
der  Sirenen15)  los. 

91. 

Dann  nahm  sie  auch  dem  Meere  wieder  Inseln,  und 


1)  Die  grosse  Kammeni. 

2)  d.  h.  die  von  selbt  entstandene. 

3)  770  nach  Roms  Erbauung,  26  n.  Chr. 
")  Die  kleine  Kammeni. 

5)  Liparische  Inseln. 

6)  toskanischen. 

7)  Aenaria  (Ischia)  und  Prochyta  (Prochila). 

8j  Aenaria.    9)  Negroponte.    10)  Livadien.     ")  Talanda.    l-)  Elena. 
")  Kalolymno.     ,4)  Piana.     ,5)  Licoso. 


Zweites  Buch.  199 

verband  sie  mit  dem  Festlande,  als:  Antissa  mit  Lesbos1), 
Zephyrium2)  mit  Halikarnassus 3),  Aetliusa  mit  Myndus4), 
Dromiskus  und  Perne  mit  Milet5),  Narthekusa  mit  dem 
Vorgebirge  Parthenium. 6)  Die  ebmalige  Insel  Hybanda 
welche  jetzt  200  Stadien  vom  Meere  entfernt  ist,  mit  Jonien. 
Mitten  im  Gebiete  von  Epbesus  liegt  jetzt  Syrie,  sowie  die 
Derasiden  und  Sophonia  in  dem  benachbarten  Magnesia. 
Epidaurus  und  Oricum7)  haben  aufgehört  Inseln  zu   sein. 

92. 

Gänzlich  aber  verschwanden,  wenn  wir  dem  Plato  8) 
glauben,  die  Länder,  da  wo  jetzt  das  erste  aller  Meere, 
das  atlantische,  sich  in  einem  ungeheuren  Räume  erstreckt. 
Im  mittelländischen  Meere  ist,  wie  wir  jetzt  sehen,  ein  Theil 
von  Akarnanien  im  ambracischen  9),  ein  Theil  von  Achaja 
im  corinthischen  Meerbusen,  ferner  ein  Theil  von  Europa 
und  Asien  im  Propontis 10)  und  Pontus n)  versunken.  Zu 
diesem  gelangte  das  Meer,  indem  es  Leukas 12),  Antirrhinum 13), 
den  Hellespont  und  die  beiden  Bosporen  durchbrach. 

93. 

Doch  nicht  zu  reden  von  den  Meerbusen  und  Land- 
seen, muss  man  gestehen,  dass  die  Erde  sich  selbst  verzehrt. 
Sie  verschlang  den  hohen  Berg  Cybotus  mit  der  Stadt 
Kuris,  Sypilus  in  Magnesia,  und  vorher  schon  in  derselben 
Gegend  die  berühmte  Stadt  Tantalis;  ferner  Galenes  und 
Galames,  zwei  Städte  in  Phönicien  mit  ihren  Gebieten; 
endlich  den  Phegius,  den  höchsten  Bergrücken  in  Aethiopien, 
als  wenn  nicht  schon  die  treulosen  Ufer  genug  Schaden 
anrichteten. 

94. 

Pyrrha  und  Antissa,  am  mäotischen  See  belegen,  hat 


')  Metelino.     2)  Zefre.     3)   Bodru.     A)  Mentesche.     5)  Palatschia. 
6)  Eski-Burun.    7)  Orso. 

8)  Im  Timteus.  —  Plato  (dessen  ursprünglicher  Namen  Aristokles 
war),  wurde  zu  Athen  430  v.  Chr.  geboren  und  starb  daselbst  348. 

9)  Golf  von  Arta.    ,0)  Das  Meer  von  Marmora.     ")  Das  schwarze 
Meer.    12)  Santa  Maura.    13)  Castello  di  Romelia. 


200  Zweites  Buch. 

der  Pontus  verschlungen,  Elice  und  Bura  gingen  im  corin- 
thischen  Meerbusen  unter,  und  Spuren  davon  erblickt  man 
noch  auf  der  hohen  See.  Von  der  Insel  Cea  versank  plötz- 
lich ein  abgerissenes  Stück  von  mehr  als  30,000  Schritten 
nebst  vielen  Menschen.  In  Sicilien  ging  die  halbe  Stadt 
Tyndaris  und  das  Stück  Land,  was  Italien  mit  Sicilien 
verband  unter.  Auf  gleiche  Weise  ging  Eleusis  in  Böotien 
zu  Grunde. 

95. 

Doch  genug  von  Erdbeben  und  von  Ereignissen,  welche 
nur  verbrannte  Trümmer  von  Städten  übrig  lassen.  Reden 
wir  lieber  von  den  Wundern  der  Erde,  als  von  den  Gräueln 
der  Natur.  Und  wahrlich,  die  Erscheinungen  des  Himmels 
darzustellen  war  keine  so  schwierige  Aufgabe  als  dieses. 

Der  Schatz  an  Metallen  ist  so  mannigfaltig,  so  reich, 
so  ergiebig,  und  wächst  so  viele  Jahrhunderte  hindurch 
nach,  obgleich  täglich  auf  dem  ganzen  Erdboden  Feuer, 
Zerstörung,  Schiffbruch,  Krieg,  Betrug  so  viel  davon  raubt 
und  die  Ueppigkeit  der  Menschen  so  viel  davon  vernichtet. 
Die  Edelsteine  sind  in  ihrer  Zeichnung  so  verschieden, 
andere  Gesteine  so  bunt,  und  viele  derselben  von  dem 
reinsten  Wasser!  Dazu  noch:  die  Kraft  der  Mineralquellen, 
die  so  viele  Jahrhunderte  hindurch  fortwährend  an  mehreren 
Orten  hervorleuchtenden  Flammen.  Anderwärts  dringen  aus 
Gruben  oder  verpesteten  Gegenden  tödtliche  Dämpfe  hervor, 
die  hier  nur  für  die  Vögel,  wie  Sorakte1)  bei  Rom,  dort 
für  die  übrigen  lebenden  Geschöpfe  ausser  dem  Menschen, 
zuweilen  aber  auch  diesem,  wie  im  sinuessanischen 2)  und 
puteolanischen 3)  Gebiete,  gefährlich  sind.  Man  nennt  die- 
selben Dunsthöhlen,  oder  auch  Charons-Grotten,  weil  sie 
einen  verderblichen  Rauch  aushauchen.  So  giebt  es  ferner 
im   hirpinischen  Gebiete   zu  Amsanktus   beim  Tempel  der 


')  Jetzt  Monte  San  Oreste.' 

2)  Sinuessa,  eine  Kolonie  an  der  Grenze  von  Kaiupanien. 

3)  Puteoli,  jetzt  Puzzuoli  in  Kampanien. 


Zweites  Buch.  201 

Mephitis  *)  einem  Ort,  wo  ein  Jeder,  der  ihn  betritt,  stirbt. 
Ein  ähnlicher  Platz  befindet  sich  zu  Hierapolis2)  in  Asien, 
der  nur  der  Priesterin  der  grossen  Mutter  der  Götter3) 
unschädlich  ist.  An  andern  Orten  hat  man  auch  Wahr- 
sagerhöhlen, aus  deren  betäubendem  Dunste  zukünftige 
Dinge  vorhergesagt  werden,  wie  z.  B.  zu  Delphi,  wo  das 
berühmteste  Orakel  ist.  Welche  andere  Ursache  von  alledem 
vermag  nun  wohl  irgend  ein  Sterblicher  anzugeben,  als 
dass  sich  die  göttliche  Kraft  der  Natur  bald  so  und  bald 
anders  offenbart? 

96. 

Einige  Gegenden  gerathen,  wenn  man  sie  betritt,  in 
eine  zitternde  Bewegung,  wie  z.  B.  auf  dem  gabinischen 
Gebiete,  nahe  bei  Rom,  fast  200  Morgen  Landes  erbeben, 
wenn  man  darüber  reitet;  desgleichen  im  reatinischen 
Gebiete. 

Einige  Inseln  schwimmen  beständig;  solche  giebt 
es  im  cäcubischen,  reatinischen,  mutinensischen  und  stato- 
niensischen  Gebiete.  Im  See  Vadimon4)  und  in  den  cu- 
tilischen  Gewässern5)  befindet  sich  ein  dunkler  Wald, 
welcher  niemals,  weder  bei  Tage  noch  bei  der  Nacht,  an 
einem  und  demselben  Orte  gesehen  wird.  Die  sogenannten 
calaminischen  Inseln  in  Lydien  werden  nicht  nur  vom  Winde 
bewegt,  sondern  können  auch  mittelst  Stangen  nach  Belieben 
fortgetrieben  werden;  sie  dienten  im  mithridatischen  Kriege 
vielen  Bürgern  zum  Zufluchtsorte.  Auch  im  nymphäischen 
Meere  sind  kleine  Inseln,  die  sogenannten  Tänzer,  denn 
sie  bewegen  sich  beim  Absingen  eines  Musikstücks  nach 
dem  mit  dem  Fusse  der  Singenden  getretenen  Taktschlage. 
Auf  dem  grossen  tarquiniensischen  See  e)  in  Italien  schwimmen 


')  Eine  römische  Göttin,   die  gegen   schädliche  Ausdünstungen 
schützte. 

2)  Pampuk  Kalesi. 

3)  Cybele. 

')  See  in  Etrurien,  jetzt  Lago  di  Bassano. 
*)  Vergl.  III.  B.  17.  Cap. 
6)  Lago  di  Bracciano. 


202  Zweites  Buch. 

zwei  Wälder  herum,  welche  vom  Winde  getrieben,  bald 
eine  dreieckige,  bald  eine  runde,  niemals  aber  eine  vier- 
eckige Gestalt  annehmen. 

97. 

Paphos  hat  ein  berühmtes  Heiligthum  der  Venus,  auf 
dessen  einen  Altar  nie  Regen  fällt.  Ebenso  regnet  es 
nicht  zu  Nea1),  einer  Stadt  in  Troas,  um  eine  Bildsäule 
der  Minerva  herum.  Ebendaselbst  verfaulen  auch  die  Ueber- 
bleibsel  der  Opferthiere  nicht. 

98. 

Bei  der  Stadt  Harpasa 2)  in  Asien  steht  ein  ungeheurer 
Felsen,  den  man  mit  einem  Finger  berühren  kann;  stösst 
man  aber  mit  dem  ganzen  Körper  daran,  so  rührt  er  sich 
nicht.  Auf  der  taurischen  Halbinsel3),  in  der  Stadt  Para- 
sinum  gibt  es  eine  Erde,  welche  alle  Wunden  heilt.  Um 
Assus 4)  in  Troas  wächst  ein  Stein,  der  alle  Körper  ver- 
zehrt und  daher  Sarkophagus 5)  genannt  wird.  Am  Flusse 
Indus  stehen  zwei  Berge;  der  eine  hat  die  Eigenschaft, 
alles  Eisen  festzuhalten,  der  andere  aber  stösst  es  ab.  Wer 
daher  Nägel  in  den  Sohlen  hat,  kann  auf  jenem  den 
Fuss  nicht  erheben,  auf  letztern  aber  nicht  auftreten.  Man 
findet  aufgezeichnet,  dass  zu  Locri6)  und  Croton  nie  eine 
ansteckende  Krankheit  oder  ein  Erdbeben  gewesen  sei. 
In  Lycien  folgen  stets  auf  ein  Erdbeben  40  heitere  Tage. 
Im  arpanischen  Gebiete  geht  das  gesäete  Getreide  nicht 
auf.  In  der  Nähe  der  mucischen  Altäre  im  Vejentinischen, 
ferner  bei  Tusculanum7)  und  im  ciminischen  Walde8)  gibt  es 
Plätze,  wo  das,  was  in  die  Erde  gesteckt  ist,  nicht  wieder 


*)  Jenischeer. 

2)  Arpas  Kalesi. 

3)  Die  jetzige  Krimm. 

4)  Bagtsche  Köi. 

5)  Fleischfresser.  Aus  diesem  Steine  wurden  Särge  verfertigt, 
daher  dieses  Wort  später  von  jedem  Sarge  überhaupt  gebraucht 
wurde.     S.  auch  im  XXXVI.  B.  27.  Cap. 

6)  Bruzzano. 

7)  Frascati. 

8)  Monte  Fogliano. 


Zweites  Buch.  203 

herausgezogen  werden  kann.  Heu,  welches  im  Crustu- 
minischen 2)  gewachsen,  ist  dort  schädlich,  anderwärts 
gesund. 

99. 
Auch  über  die  Beschaffenheit  des  Wassers  ist  bereits 
mehreres  gesagt  worden,  aber  das  Wunderbarste  dabei  bleibt, 
dass  die  Fluthen  des  Meeres  anschwellen  und  wie- 
der zurücktreten,  und  zwar  auf  mehrfache  Weise.  Die 
Ursache  davon  liegt  in  der  Sonne  und  dem  Monde.  Zwi- 
schen zwei  Mondaufgängen  oder  innerhalb  24  Stunden 
schwillt  das  Meer  zweimal  an,  und  tritt  zweimal  wieder 
zurück.  Sowie  nämlich  der  Mond  am  Himmel  aufsteigt, 
tritt  die  erste  Fluth  ein,  senkt  er  sich  aber  vom  höchsten 
Mittagspunkte  nieder  nach  dem  Untergange  hin,  so  fällt 
auch  das  Wasser  wieder;  von  seinem  Untergange  an  bis 
zum  tiefsten  Punkte  unter  dem  Horizonte,  dem  Mittags- 
punkte gerade  entgegen,  schwillt  das  Meer  abermals  an, 
und  von  da  an  bis  zu  seinem  Aufgange  ist  wieder  Ebbe. 
Niemals  tritt  zu  derselben  Zeit,  wie  am  Tage  zuvor,  die 
Fluth  ein,  weil  das  sie  beherrschende  und  das  Meer  be- 
gierig nach  sich  ziehende  Gestirn,  stets  an  einem  andern 
Orte  wie  Tags  zuvor  aufgeht;  jedoch  wiederholt  sich  diese 
Erscheinung  in  gleichen  Zeiträumen,  und  zwar  alle  sechs 
Stunden,  unter  welchen  letztern  aber  nicht  die  Stunden  eines 
jeden  Tages  oder  jeder  Nacht  oder  jeden  Ortes,  sondern 
die  Aequinoctialstunden  zu  verstehen  sind.  Daher  wer- 
den nach  der  gewöhnlichen  Stundeneintheilung  diese  Zeit- 
räume ungleich,  weil  nach  derselben  die  Tage  oder  Nächte 
bald  kürzer  bald  länger,  und  nur  im  Aequinoctium  allent- 
halben von  gleicher  Dauer  sind.  Diess  ist  ein  ungemein 
klarer  und  täglich  sprechender  Beweis  von  der  Stumpfheit 
aller  derer,  welche  leugnen,  dass  Gestirne  unter  unserem 
Horizonte  weggehen  und  wieder  aufsteigen,  und  dass,  bei 
demselben  Vor  gange  des  Auf-  und  Untergangs  auf  beiden 
Seiten  die  Erde,  ja  sogar  die  ganze  Welt,  dort  wie  bei  uns 


l)  Monte  Rotondo. 


204  Zweites  Buch. 

die  nämliche  Gestalt  zeige,  da  doch  der  Mond  unter  der 
Erde  offenbar  keinen  andern  Lauf  und  keine  andere 
Wirkung  hat,  als  wenn  er  vor  unsern  Augen  hinläuft. 

Mannigfach  ist  ausserdem  auch  noch  der  Mondwechsel 
und  zwar  hauptsächlich  von  7  zu  7  Tagen.  Vom  Neumonde 
nämlich  bis  zum  ersten  Viertel  ist  die  Fluth  massig,  von 
da  an  nimmt  sie  zu  und  beim  Vollmonde  steigt  sie  am  höch- 
sten. Dann  wird  sie  wieder  schwächer,  am  7.  Tage  gleicht 
sie  der  ersten  wieder,  und  im  letzten  Viertel  wird  sie  aber- 
mals stärker.  Beim  Zusammentritt  des  Mondes  mit  der 
Sonne  ist  sie  ebenso  stark  wie  beim  Vollmonde.  Wenn  er 
im  Nordost  und  von  der  Erde  weiter  entfernt  steht,  ist  die 
Fluth  schwächer,  als  wenn  er  nach  Süden  gewandt  mit 
grösserer  Kraft  auf  die  dann  nähere  Erde  einwirkt.  Nach 
Verlauf  von  acht  Jahren  kehrt  mit  dem  hundertsten  Um- 
laufe des  Mondes,  der  jene  Anschwellung  veranlasst,  die 
anfängliche  Bewegung  und  gleiches  Steigen  des  Meeres 
wieder.  Der  jährliche  Umlauf  der  Sonne  ist  auch  nicht 
ohne  Wirkung  auf  die  Fluth,  denn  diese  nimmt  in  den 
Aequinoctien  bedeutend  zu,  und  zwar  mehr  im  Herbst-  als 
im  Frühlings -Aequinoctium;  am  kürzesten  Tage  ist  sie 
schwach,  und  noch  schwächer  im  Sommer-Solstitium.  Je- 
doch treten  diese  Veränderungen  nicht  genau  in  den  genann- 
ten Zeitpunkten  ein,  sondern  wenige  Tage  später.  Die 
beim  Monde  erwähnten  Veränderungen  erfolgen  auch  nicht 
gerade  beim  Voll-  oder  Neumonde,  sondern  kurz  danach; 
ferner  nicht  sogleich,  beim  Aufgange  oder  Untergange  des 
Mondes  oder,  wenn  er  sich  von  seiner  mittleren  Bahn  ab- 
wärts neigt,  sondern  fast  um  zwei  Aequinoctialstunden 
später.  Ueberhaupt  zeigt  sich  die  Wirkung  eines  jeden 
Ereignisses  am  Himmel  auf  der  Erde  immer  später,  als  wir 
es  erblicken,  wie  z.  B.  Donner  und  Blitz  erweisen. 

Vom  Ocean  gehen  aber  alle  Fluthen  weiter  ins  Land, 
als  von  den  übrigen  Meeren;  sei  es  nun,  weil  ein  grosses 
Ganzes  mächtiger  ist,  als  ein  Theil  davon,  oder  weil  die 
Kraft  des  weit  um  sich  greifenden  Gestirnes  auf  jene  grosse 
Fläche  stärker  einwirkt  als  auf  einen  engen  Raum.    Daher 


Zweites  Buch.  205 

werden  auch  weder  Seen  noch  Flüsse  auf  ähnliche  Art  be- 
wegt. Pytheas  von  Massilien  sagt,  oberhalb  Britannien  steige 
die  Fluth  bis  zu  acht  Ellen  empor.  Die  inneren  Meere  aber 
werden  wie  Häfen  vom  Lande  eingeschlossen.  An  einigen 
Orten  jedoch,  wo  die  Ufer  mehr  von  einander  entfernt  sind, 
gehorcht  das  Meer  doch  dem  Einflüsse  des  Mondes.  So 
gibt  es  mehrere  Beispiele,  dass  Schiffer  ohne  Hülfe  der 
Segel  bei  starker  Fluth  in  drei  Tagen  von  Italien  nach 
Utika *)  übersetzten.  An  den  Küsten  wird  diese  Bewegung 
des  Meeres  mehr  als  auf  hoher  See  wahrgenommen,  gleich- 
wie wir  an  den  äussersten  Theilen  unseres  Körpers  den 
Schlag  der  Adern,  d.  i.  der  Luft  mehr  empfinden.  2)  In 
den  meisten  Buchten  sind  aber  wegen  des  für  jede  Lage 
ungleichen  Aufganges  der  Gestirne  die  Fluthen  der  Zeit, 
nicht  aber  ihrer  Natur  nach  verschieden;  dasselbe  ist  auf 
den  Syrten3)  der  Fall. 

100. 
Einige  Orte  haben  jedoch  hierin  ihre  Eigenthümlich- 
keiten,  wie  z.  B.  im  tauromenitanischen  Strudel4)  die  Fluth 
öfter,  und  in  Euböa  siebenmal  innerhalb  24  Stunden  wie- 
derkehrt. Auch  bleibt  die  Fluth  dreimal  in  jedem  Monate, 
am  7.,  8.  und  9.  Tage  nach  dem  Vollmonde  unverändert 
dieselbe.  Zu  Gades,  nahe  bei  dem  Tempel  des  Hercules, 
befindet  sich  eine,  wie  ein  Brunnen  eingeschlossene  Quelle, 
welche  bald  gleichzeitig  mit  dem  Ocean,  bald  aber  zur  ent- 
gegengesetzten Zeit  steigt  und  fällt.  Eine  zweite  dortige 
Quelle  richtet  sich  nach  den  Bewegungen  des  Oceans.  An 
den  Ufern  des  Bätis5)  liegt  eine  Stadt,  deren  Brunnen  bei 
der  Fluth  fallen,  bei  der  Ebbe  steigen,  in  der  Zwischenzeit 
aber  keine  Veränderung  zeigen.    Von  derselben  Beschaffen- 


l)  Stadt  in  Afrika. 

'-)  Die  Alten  hatten  die  sonderbare  Meinung,  dass  die  Pulsadern 
mit  Luft  erfüllt  wären. 

3)  Die  Buchten  von  Sydra  und  Cabes   an  der  nordafrikanischen 
Küste. 

4)  Bei  Taormina. 

5)  Guadalquivir  in  Spanien. 


206  Zweites  Buch. 

heit  ist  ein  Brunnen  in  der  Stadt  Hispalis1),  während  die 
übrigen  nichts  Ungewöhnliches  haben.  Der  Pontus  fliesst 
beständig  in  den  Propontis,  aber  nie  geht  Wasser  aus 
diesem  in  den  Pontus  zurück. 

101. 
Fast  alle  Meere  reinigen  sich  beim  Vollmonde,  nur 
einige  zu  einer  andern  bestimmten  Zeit.  Bei  Messana  und 
Mylä  wirft  das  Meer  einen  mistähnlichen  Unrath  ans  Ufer, 
woher  die  Sage  entstanden  ist,  die  Rinder  der  Sonne  hät- 
ten daselbst  ihre  Ställe.  Hiezu  fügt  noch  Aristoteles  (da- 
mit ich  nichts,  was  mir  bekannt  ist,  übersehe),  dass  kein 
Thier  zu  einer  andern  Zeit,  als  während  der  Ebbe  sterbe. 
Am  gallischen  Ocean  hat  man  diess  vielfach  beobachtet  und 
wenigstens  am  Menschen  bestätigt  gefunden» 

102. 
Hieraus  geht  die  Wahrscheinlichkeit  hervor,  dass  der 
Mond  nicht  ohne  Grund  für  das  Gestirn  des  Lebens  zu 
halten  sei.  Er  sättigt  die  Erde,  erfüllt  den  Körper  bei 
seinem  Erscheinen,  und  entleert  ihn  bei  seiner  Entfernung. 
Daher  wachsen  auch,  wenn  er  zunimmt,  die  Conchylien, 
und  vornehmlich  empfinden  alle  blutlosen  Thiere  seine  be- 
lebende Kraft.  Aber  auch  sogar  das  Blut  der  Menschen 
mehrt  und  vermindert  sich  mit  dem  Monde,  und  selbst 
Sträucher  und  Kräuter  fühlen  (wie  ich  an  ihrem  Orte  noch 
sagen  werde)  seine  alles  durchdringende  Kraft. 

103. 
Durch  die  Glüht  der  Sonne  aber  wird  die  Feuchtigkeit 
hinweggenommen,  und  da  sie  alles  ausdörrt  und  verzehrt, 
halten  wir  sie  für  ein  männliches  Gestirn. 

104. 
So  wird  dem  weiten  Meere  der  Salzgeschmack 
gleichsam  eingekocht,  oder,  indem  sie  ihm  die  süssen  und 
zarten  Theile,  welche  gerade  die  feurige  Kraft  am  leichte- 
sten an  sich  zieht,  benimmt,  lässt  sie  alle  grobem  und 
dichtem  Stoffe  zurück.    Daher  ist  auch  das  Meerwasser  in 

»)  Sevüla. 


Zweites  Buch.  207 

der  Tiefe  süsser  als  auf  der  Oberfläche.  Diese  Ursache 
des  unangenehmen  Geschmacks  des  Meerwassers  dürfte 
wohl  der  Wahrheit  näher  kommen,  als  die  Behauptung, 
dass  das  Meer  der  beständige  Erdschweiss  sei 1),  oder,  dass 
sich  der  grösste  Theil  der  trocknen  Ausdünstung  mit  ihm 
vermische,  oder  aber,  dass  die  Natur  der  Erde  ihm  gleich- 
wie den  Heilquellen,  den  fremden  Geschmack  ertheile. 
Unter  den  wunderbaren  Ereignissen  verdient  Erwähnung, 
dass,  nach  der  Vertreibung  des  Tyrannen  Dionysius  in 
Sicilien2),  das  Meer  im  Hafen  einen  ganzen  Tag  hindurch 
süss  war. 

Dahingegen  wird  der  Mond  für  ein  weibliches,  mildes 
Gestirn  gehalten,  welches  die  nächtliche  Feuchtigkeit  zwar 
auflöst  und  anzieht,  nicht  aber  wegführt.  Diess  ergibt  sich 
daraus,  dass  er  die  todten  Körper  der  wilden  Thiere  durch 
seinen  Schein  zu  einer  fauligen  Masse  auflöst,  dass  er  den 
eingeschlafenen  die  Mattigkeit  in  dem  Kopfe  zusammen- 
zieht, dass  er  Eis  schmelzt,  und  alles  durch  seinen  befruch- 
tenden Hauch  erweicht.  So  erhält  sich  die  Natur  gegen- 
seitig im  Gleichgewicht,  ohne  einen  Mangel  zu  fühlen,  da 
einige  Gestirne  die  Elemente  verbinden,  andere  sie  ver- 
teilen. Der  Mond  ernährt  sich  also  aus  süssem,  die  Sonne 
aus  Seewasser. 

105. 

Die  grösste  Tiefe  des  Meeres  beträgt  nach  Fabianus8) 
15  Stadien.  Andere  dagegen  sagen,  es  sei  im  Pontus,  dem 
Lande  der  Koraxer 4)  gegenüber,  ungefähr  300  Stadien  vom 
Festlande  entfernt,  so  unermesslich  tief,  dass  man  daselbst 
niemals  Grund  gefunden  habe.  Diese  Stelle  im  Pontus 
heisst  daher:  die  Tiefe.5) 

106. 

Noch  wunderbarer  sind  die  Eigenschaften  des  süssen 


J)  Nach  der  Ansicht  des  Empedocles. 

2)  Im  Jahre  357  v.  Chr. 

3)  Lebte  unter  Tiberius. 

4)  In  Colchis. 

5)  Ba&va. 


208  Zweites  Buch. 

Wassers,  welches  in  der  Nabe  des  Meeres  wie  aus  Röhren 
hervorsprudelt;  denn  auch  dem  Wasser  fehlt  es  nicht  an 
Wundern.  Das  süsse  Wasser  schwimmt  auf  dem  Meere, 
ohne  Zweifel,  weil  es  leichter  ist;  daher  trägt  auch  das 
schwerere  Seewasser  alles,  was  hinein  kommt,  besser. 
Sogar  süsse  Wasser  schwimmen  an  manchen  Orten  auf 
einander,  wie  z.  B.  der  Fluss1),  welcher  sich  in  den  fuci- 
irischen2),  die  Addua,  welche  sich  in  den  larischen3),  der 
Ticinus,  der  sich  in  der  verbanischen4),  der  Mincius,  der 
sich  in  den  benacischen5),  der  Ollius,  der  sich  in  den  sevi- 
nischen6),  derßhodanus7),  der  sich  in  den  lemanischen8)  See 
ergiesst.  Der  letztere  liegt  jenseits  der  Alpen,  die  übrigen 
aber  in  Italien;  sie  alle  strömen  auf  viele  tausend  Schritte 
weit  freundnachbarlich  durch  jene  Seen  hin,  und  nehmen 
nur  ihr  eigenes,  und  nicht  mehr  Wasser,  als  sie  hinein- 
gebracht haben,  wieder  mit  sich  hinaus.  Ein  Gleiches  soll 
auch  beim  Orontes 9),  einem  Flusse  in  Syrien  und  bei  noch 
vielen  andern  stattfinden. 

Einige  Flüsse  verlieren  sich  gleichsam,  als  hassten  sie 
das  Meer,  in  die  Erde,  wie  z.  B.  die  Quelle  Arethusa  bei 
Syrakus;  was  man  in  diese  hineinwirft,  kommt  im  Alpheus10), 
welcher  durch  Olympien  fliesst  und  sich  an  der  peloponne- 
sischen  Küste  ins  Meer  ergiesst,  wieder  zum  Vorschein. 
Der  Lycus  u)  in  Asien,  der  Erasinus 12)  in  Argolis,  der  Tigris 
in  Mesopotamien  gehen  in  die  Erde  und  kommen  wieder 
hervor.  Was  man  in  die  Quelle  des  Aesculaps  bei  Athen 
wirft,  kommt  im  Hafen  Phalerus  wieder  zum  Vorschein. 
In  der  atinatischen  Gegend13)  kommt  ein  in  die  Erde  ge- 
gangener Fluss  u)  erst  20,000  Schritte  weiter  wieder  her- 
vor; dasselbe  ist  der  Fall  mit  dem  Timavus  im  Gebiete 
von  Aquileja. 

In  dem  Asphaltsee15)  inJudäa,  welcher  Erdpech  erzeugt, 


')  Jetzt  Giovenculo.  2)  Lago  di  Celano.  3)  Lago  cli  Conio.  4)  Lago 
maggiore.  5)  Lago  di  Guarda.  6)  Lago  d'Ises.  7)  Der  Rhone.  8)  Der 
Genfer  See.  '')  Asi.  10)  Rufia.  ")  Kulhissar.  12)  Kephalari.  ,3)  Atino 
im  Neapolitanischen.     M)  Der  Tanager  (Negro).     I5)  Das  todte  Meer. 


Zweites  Buch.  209 

sinkt  nichts  unter,  ebenso  im  See  Arethusa1)  in  Gross- Arme- 
nien, in  welchem,  ungeachtet  er  Nitrum  2)  enthält,  doch 
Fische  leben.  Im  Salentinischen,  unweit  der  Stadt  Man- 
duria3),  liegt  ein  bis  zum  Rande  seiner  Ufer  voller  See, 
welcher  weder  durch  Herausschöpfen  vermindert  wird,  noch 
durch  Eingiessen  steigt.  In  dem  Flusse  der  Ciconer4)  und 
im  See  Velinus  in  Picenum  wird  hineingelegtes  Holz  mit 
einer  Steinkruste  überzogen;  dasselbe  geschieht  auch  im 
Sirius,  einem  Flusse  in  Kolchis,  und  zwar  hier  in  dem 
Grade,  dass  noch  eine  den  Stein  härtende  Rinde  sich  dar- 
über legt.  Auf  ähnliche  Weise  versteinern  im  Flusse  Sila- 
rus,  unterhalb  Surrentum,  nicht  nur  eingetauchte  Ruthen, 
sondern  auch  Blätter,  übrigens  ist  sein  Wasser  gesund  zu 
trinken.  Am  Ausflusse  des  reatinischen 5)  Sumpfes  setzt 
sich  ein  Felsen  an,  und  im  rothen  Meere  wachsen  Oel- 
bäume  und  grüne  Sträucher  hervor. 

Viele  Quellen  sind  wegen  ihrer  Hitze  merkwürdig; 
man  findet  deren  sogar  auf  den  höchsten  Alpen,  ja  selbst 
in  dem  Meere,  zwischen  Italien  und  Aenaria6),  sowie  im 
bajanischen  Meerbusen,  im  Flusse  Liris 7)  und  vielen  andern. 
Auch  trifft  man  im  Meere  an  vielen  Stellen  süsses  Wasser, 
wie  bei  den  Chelidonischen  Inseln 8),  bei  Aradus  9)  und  im 
gaditanischen  Meere.  In  den  warmen  Quellen  der  Pata- 
viner 10)  wachsen  grüne  Kräuter,  in  denen  der  Pisaner  leben 
Frösche,  in  denen  der  Vetulonier  in  Etrurien,  unweit  des 
Meeres,  Fische.  Im  casinatischen  Gebiete  fliesst  ein  Strom, 
Scatebra  genannt,  welcher  im  Sommer  kalt  ist  und  das 
meiste  Wasser  hat;  in  ihm  sowie  im  See  Stymphalis u)  in 

')  Nasik.     2)  Soda.     3)  Mandula  in   Apulien.     4)  Ein  thracischer 
'Volksstamni. 

5)  Reate,  jetzt  Rieti,  Stadt  am  See  Velinus  (jetzt  Lago  di  Rieti). 
')  Vergl.  d.  89.  Cap.  dieses  Buches. 

7)  Garigliano  in  Latium. 

8)  Zwei  kleine  Eilande  zwischen  Rhodus  und  Cypern,  jetzt  Kali- 
<loni  genannt. 

9)  Ruad  an  der  phönizischen  Küste. 
,0)  Paduaner. 

u)  Jetzt  See  von  Zaraka. 

14 


210  Zweites  Buch. 

Arkadien,  giebt  es  Wassermäuse.  Die  kalte  Quelle  des 
Jupiter  zu  Dodona  x)  löscht  zwar  hineingetauchte  Fackeln 
aus,  nähert  man  ihr  aber  die  ausgelöschten  wieder,  so  ent- 
zünden sie  sich.  Mittags  bleibt  sie  stets  aus,  daher  heisst 
sie  auch:  die  Aufhörende.2)  Später  fängt  sie  an  zu  wach- 
sen, ist  um  Mitternacht  ganz  voll  und  nimmt  dann  allmählig 
wieder  ab.  In  Illyrien  ist  eine  kalte  Quelle,  welche  dar- 
über ausgebreitete  Kleider  entzündet.  Der  See  des  Jupiter 
Hammon3)  ist  am  Tage  kalt,  bei  Nacht  heiss.  Die  so- 
genannte Sonnenquelle  im  Lande  der  Troglodxten  ist  um 
Mittag  süss  und  sehr  kalt,  dann  fängt  sie  an  warm  zu 
werden  und  ist  um  Mitternacht  heiss  und  bitter. 

Die  Quelle  des  Padus4)  ist  im  Sommer  des  Mittags 
stets  trocken,  gleichsam  als  wenn  sie  unterdessen  Ruhe 
hielte.  Eine  Quelle  auf  der  Insel  Tenedos  tritt  vom  Som- 
mersolstitium  an  stets  von  der  3.  bis  zur  6.  Stunde  der 
Nacht  aus.  Die  Quelle  Inopus  auf  der  Insel  Delos  steigt 
und  fällt  gleichzeitig  mit  dem  Nile.  Dem  Flusse  Timavus 
gegenüber  liegt  im  Meere  eine  kleine  Insel  mit  warmen 
Quellen,  welche  mit  der  Fluth  steigen  und  mit  der  Ebbe 
fallen.  Der  Fluss  Novanus  im  pitinatischen  Gebiete,  jen- 
seits der  Alpen,  wird  jedesmal  im  Solstitium  reissend,  am 
kürzesten  Tage  dagegen  trocknet  er  aus. 

Im  faliscischen  Gebiete  macht  alles  Trinkwasser  die 
Ochsen  weiss,  in  Böotien  der  Fluss  Melas  die  Schafe 
schwarz,  der  Cephissus,  welcher  aus  demselben  See5)  her- 
vorfliesst,  weiss,  derPeneus6)  wiederum  schwarz,  der  Xan- 
thus  bei  Ilium  röthlich,   woher  dieser   Fluss  auch  seinen 


»)  Bonila. 

2)  ÄvaTtavopBvoq. 

3)  In  Afrika. 

4)  Po. 

5)  Diess  ist  der  See  Copais  in  Böotien;  allein  der  Cephissus  ent- 
springt nicht  aus  demselben,  sondern  bildet  ihn  erst,  desshalb  heisst 
der  Copais  auch  bei  Homer  der  cephissische  See  (jetzt  der  See  von 
Livadia).  Der  Melas  aber  verliert  sich  südlich  vom  See  Copais  in 
Sümpfen. 

6)  Jetzt  Salambria  in  Thessalien. 


Zweites  Buch.  211 

Namen  hat.  Der  Astaces  im  Pontus  macht,  dass  die  auf 
den  von  ihm  bewässerten  Fluren  weidenden  Stuten  den 
dortigen  Bewohnern  zu  ihrer  Nahrung  schwarze  Milch  geben. 
Im  Reatinischen  giebt  es  eine  Quelle,  Neminie  genannt, 
die  bald  hier  bald  da  aus  der  Erde  kommt,  und  dadurch 
die  Veränderung  der  Fruchtbarkeit  anzeigt.  Eine  Quelle 
im  Hafen  von  Brundisium  versorgt  die  Seefahrer  mit  gutem 
Wasser.  Das  Wasser  des  Lyncestes1),  welches  Sauerwas- 
ser genannt  wird,  berauscht  wie  Wein.  Aehnliches  Wasser 
findet  sich  in  Paphlagonien  und  im  calenischen  Gebiete. 
Auf  der  Insel  Andrus  soll,  nach  Mucianus,  der  dreimal 
Konsul  war2),  im  Tempel  des  Bacchus  eine  Quelle  hervor- 
sprudeln, die  jedesmal  am  5.  Januar  einen  Weingeschmack 
hat;  sie  führt  den  Namen  Göttergeschenk.3)  Der  Styx4) 
bei  Nonakris  5)  in  Arkadien,  dessen  Wasser  sich  weder 
durch  Geruch  noch  durch  Farbe  besonders  auszeichnet, 
tödtet  sogleich,  wenn  man  davon  trinkt.  Desgleichen  befin- 
den sich  auf  dem  Hügel  Librosus  in  Taurien  drei  Quellen, 
die  ohne  Rettung,  aber  ohne  Schmerzen  tödten.  Im  car- 
ninensischen  Gebiete  von  Spanien  fliessen  zwei  Quellen 
nebeneinander,  von  denen  die  eine  alles  auswirft,  die  andere 
aber  alles  verschlingt,  Ebendaselbst  ist  eine  andere,  in 
welcher  alle  Fische  goldfarbig  erscheinen,  während  sie 
ausserhalb  derselben  nicht  von  den  übrigen  Fischen  ver- 
schieden sind.  Eine  starke  "Quelle  im  comensischen  Ge- 
biete in  der  Nähe  des  Sees  Larius6)  schwillt  alle  Stunden 
an  und  tritt  wieder  zurück.  Eine  warme  Quelle  auf  der 
Insel  Cydonea  vor  Lesbos  fliesst  nur  im  Frühlinge.  Der 
See  Sannaus  in  Asien  hat  den  Geschmack  des  um  ihn 
wachsenden  Wermuths.     Zu   Colophon,   in   der  Höhle  des 


')  Fluss  in  Macedonien. 

'-)  In  den  Jahren  52,  70  und  76  n.  Chr.;  starb  im  J.  77  n.  Chr. 

3)  Jidg  Oeodooia. 

'•)  Mauronero. 

5)  Naukria. 

°)  Lage-  di  Como. 

14* 


212  Zweites  Buch. 

Apollo  Clarius1)  ist  ein  Teich,  dessen  Wasser  den  daraus 
Trinkenden  die  Wahrsagekunst  verleiht,  zugleich  aber  auch 
ihr  Leben  verkürzt  Dass  Flüsse  zuweilen  einen  rück- 
gängigen Lauf  nehmen,  hat  man  auch  zu  unseren  Zeiten, 
in  den  letzten  Jahren  der  Kegierung  Nero's  gesehen,  wie 
ich  in  dessen  Lebensbeschreibung  angeführt  habe. 

Wem  ist  es  wohl  unbekannt,  dass  alle  Quellen  im 
Sommer  kälter  sind  als  im  Winter?  Nicht  minder  wun- 
derbar erscheint  es,  dass  Erz  und  Blei  in  Klumpen  unter- 
sinken, aber  in  dünnen  Platten  schwimmen;  ferner,  dass 
einige  Körper  von  gleichem  Gewicht  theils  sinken,  theils 
schwimmen,  dass  sich  Lasten  im  Wasser  viel  leichter  be- 
wegen lassen.  Der  Stein  Scyrius 2)  schwimmt  in  grossen 
Stücken,  zerkleinert  sinkt  er  aber  unter.  Frische  Leich- 
name sinken  unter,  sobald  sie  aber  angeschwollen  sind, 
kommen  sie  in  die  Höhe.  Leere  Gefässe  lassen  sich  nicht 
leichter  aus  dem  Wasser  ziehen  als  volle.  Eegenwasser 
ist  in  den  Salzgruben  besser  als  anderes;  es  bildet  sich 
auch  kein  Salz,  wenn  kein  süsses  Wasser  hinzukommt. 
Meerwasser  friert  langsamer  als  jedes  andere,  erhitzt  sich 
aber  schneller.  Im  Winter  ist  das  Meer  wärmer,  im  Herbste 
salziger.  Alles  Wasser  wird  durch  hineingegossenes  Oel 
ruhig.  Die  Taucher  spritzen  Oel  aus  dem  Munde,  weil 
dasselbe  die  Schärfe  des  Wassers  mildert  und  ihnen  Hellig- 
keit verschafft.  Auf  hoher  See  fällt  kein  Schnee.  Obgleich 
alles  Wasser  abwärts  fällt,  so  springen  doch  die  Quellen 
von  unten  herauf,  und  diess  geschieht  sogar  am  Fusse  des 
brennenden  Aetna  mit  solcher  Gewalt,  dass  der  Sand  auf 
150,000  Schritte  weit  von  der  Feuermasse  fortgeschleudert 
wird. 

107. 

Nun  müssen  wir  auch  vom  Feuer,  dem  vierten  Ele- 
mente, einige  wunderbare  Eigenschaften  berichten,  und 
zwar  zuerst  von  den  flüssigen  Körpern  mit  feuriger  Natur. 


*)  Von  der  Stadt  Claras  in  Kleinasien,   wo   Apollo  einen  Tem- 
pel und  vier  Orakel  hatte. 
*)  S.  XXXVI.  B.,  26.  Cap. 


Zweites  Buch.  213 

108. 
In  der  Stadt  Samosata  in  Commägene  l)  ist  ein  Sumpf, 
der  einen  brennenden  Schlamm,  Maltha  genannt,  auswirft. 
Wenn  er  an  einen  festen  Körper  kommt,  so  hängt  er  sich 
daran  fest;  berührt  man  ihn,  so  folgt  er  nach,  auch  wenn 
man  flieht.  So  vertheidigten  die  dortigen  Einwohner  ihre 
Stadt,  welche  von  Lucullus  belagert  wurde2),  und  die  Sol- 
daten verbrannten  mit  ihren  Waffen.  Auch  im  Wasser 
brennt  er  fort;  nur  durch  Erde  kann  man  ihn  löschen,  wie 
die  Erfahrung  gelehrt  hat. 

109. 
Von  ähnlicher  Beschaffenheit  ist  die  Naphtha;  so 
heisst  nämlich  eine  bei  Babylon,  im  astacenischen  Gebiete 
in  Partkien  aus  der  Erde  wie  flüssiges  Harz  hervorquel- 
lende Materie.  Sie  hat  grosse  Verwandtschaft  zum  Feuer, 
denn  diess  springt  ihr,  sobald  es  sich  nur  irgendwo  blicken 
lässt,  zu.  So  soll  Medea  ihre  Nebenbuhlerin3),  als  diese, 
um  zu  opfern,  vor  den  Altar  trat,  verbrannt  haben,  indem 
das  Feuer  ihren  Kranz  ergriff. 

110. 
Aber  auch  die  Berge  zeigen  wunderbare  Erscheinungen. 
Der  Aetna  brennt  immer  des  Nachts,  und  sein  Feuerstoff 
reicht  nach  so  unendlicher  Zeit  noch  aus.  Im  Winter  ist 
er  mit  Schnee  bedeckt,  und  seine  ausgeworfene  Asche 
überzieht  sich  mit  Reif.  Aber  nicht  in  ihm  allein  wtithet 
die  Natur,  und  bedroht  die  Erde  mit  Verbrennung.  Auch 
in  Phaseiis4)  brennt  der  Berg  Chimära  Tag  und  Nacht  be- 
ständig fort.  Ctesias  von  Gnidus5)  erzählt,  dass  sein  Feuer 
auch  im  Wasser  fortbrenne,  durch  Erde  oder  Heu  aber 
gelöscht  werden  könne.    In  demselben  Lycien  brennen  die 


')  Eine  an  Cilicien  grenzende  Provinz  von  Syrien. 
»)  68  v.  Chr. 

3)  Kreusa,  die  Tochter  Kreons  von  Korinth,   mit   der  Jason  sich 
vermählen  wollte. 

4)  Eine  Hafenstadt  in  Lycien,  jetzt  Igeder. 

5)  Lehte  im  4.  Jahrh.  v.  Chr.  war  Leibarzt  des  jungem  Cyrus, 
und  dann,  bei  Kunaxa  gefangen,  des  Artaxerxes  Mnemon. 


214  Zweites  Buch. 

vulkanischen  Berge,  wenn  man  sich  ihnen  mit  einer  brennen- 
den Fackel  nähert,  so  heftig,  dass  selbst  Steine  und  Sand  im 
Wasser  glühen;  dieses  Feuer  wird  auch  durch  Regenwasser 
unterhalten.  Wenn  Jemand  einen  Stock  an  diesem  Feuer 
anzündet  und  damit  Furchen  zieht,  so  sollen  ihm  Feuer- 
ströme folgen.  In  Baktrien  brennt  die  Spitze  des  Kophan- 
tus  alle  Nächte,  in  Medien  und  Sittacene,  an  der  Grenze 
von  Persien,  giebt  es  ebenfalls  brennende  Berge.  Zu  Susa, 
beim  weissen  Thurme,  brennen  des  Nachts  15  Krater,  von 
denen  der  grösste  auch  am  Tage  Feuer  speit.  Bei  Babylon 
brennt  eine  Strecke  Landes  von  der  Grösse  eines  Fisch- 
teichs. Auch  in  Aethiopien  in  der  Nähe  des  Berges  Hes- 
perius,  glänzen  die  Felder  des  Nachts  wie  Sterne,  ebenso 
im  megalopolitanischen  Gebiete,  wo  der  leuchtende  Platz 
in  einem  angenehmen  Walde,  dessen  überhängende  Zweige 
jedoch  nicht  entzündet  werden,  verborgen  liegt.  Auch  neben 
einer  kalten  Quelle  brennt  unaufhörlich  der  Krater  des 
Nymphäus,  welcher,  wie  Theopompus x)  berichtet,  den 
Apolloniaten  schreckliche  Ereignisse  vorher  anzeigt.  2) 
Durch  Regen  wird  seine  Glüht  vermehrt,  und  er  wirft  da- 
bei ein  Erdharz  aus,  welches  nur  durch  jene  untrinkbare 
Quelle  gelöscht  werden  kann;  übrigens  ist  es  flüssiger  als 
alles  andere  Harz.  Doch  wen  kann  diess  alles  noch  in 
Verwunderung  setzen?  Brannte  doch  mitten  im  Meere  die 
Insel  Hiera  3)  in  der  Nähe  von  Italien  sammt  dem  Meere 
mehrere  Tage  hindurch  zur  Zeit  des  Bundesgenossenkrie- 
ges 4),  bis  eine  Gesandtschaft  des  Senats  es  versöhnte.  Mit 
der  grössten  Flamme  jedoch  brennt  ein  Bergrücken  in 
Aethiopien,  der  Götterwagen  genannt,  und  speiet  während 


')  Aus  Chios  um  360  v.  Chr. 

-)  Es  gab  im  Alterthume  9  verschiedene  Orte,  die  den  Namen 
Apollonia  führten.  Der,  welchen  PI.  hier  meint,  ist  derselhe,  den  er 
im  III.  B.  26.  Cap.  anführt,  nämlich  eine  Kolonie  der  Korinther  (oder 
Cörcyräer)  am  strymonischen  Meerbusen. 

3)  Vulcano. 

'')  Der  91  v.  Chr.  begann. 


Zweites  Buch.  215 

der  Sonnenhitze  ganze  Ströme  von  Feuer  aus.    An  so  vielen 
Orten  und  mit  so  vielen  Flammen  brennt  die  Erde? 

111. 
Da  nun  dieses  Element  allein  die  Eigenschaft  hat,  sich 
von  selbst  zu  erzeugen  und  zu  vermehren,  indem  es  aus 
dem  kleinsten  Funken  erwächst,  was  wird  am  Ende  bei 
so  vielen  Scheiterhaufen  auf  der  Erde  zu  erwarten  sein? 
Was  ist  die  Natur,  welche  in  der  ganzen  Welt  die  hab- 
gierigste Gehässigkeit  nährt,  ohne  selbst  Schaden  zu  lei- 
den? Hiezu  denke  man  sich  noch  die  unzähligen  Sterne 
und  die  grosse  Sonne;  ferner  das  Feuer,  dessen  sich  die 
Menschen  bedienen,  das  in  den  Steinen  ruht,  das  durch  an- 
einander geriebenes  Holz  erzeugt  wird,  das  aus  den  Wol- 
ken als  Blitze  hervorbricht!  Es  übersteigt  wahrlich  alle 
Wunder,  dass  nur  ein  Tag  vergehen  kann,  an  dem  nicht 
alles  verbrennt,  da  noch  überdiess  Hohlspiegel,  welche  man 
den  Strahlen  der  Sonne  entgegen  hält,  leichter  zünden,  als 
jedes  andere  Feuer.  Und  welche  unzählige  kleine,  aber 
natürliche  Arten  von  Feuer  sind  nicht  überall?  In  Nym- 
phäum  bricht  aus  dem  Felsen  eine  Flamme  hervor,  die 
sich  durch  Regen  entzündet.  Dieses  geschieht  auch  bei 
den  scomtischen  Gewässern1);  allein  letztere  Flamme  ver- 
liert ihre  Kraft,  wenn  sie  auf  andere  Gegenstände  über- 
geht, und  hält  in  einem  anderen  Stoffe  nicht  lange  an. 
Seit  undenklichen  Zeiten  beschattet  eine  lebende  Esche 
diese  feurige  Quelle.  Im  mutinenischen  Gebiete  bricht  an 
bestimmten,  dem  Vulkan  geheiligten  Tagen2)  Feuer  hervor. 
Man  findet  bei  den  Schriftstellern  angeführt,  dass  auf  den 
aricischen 3)  Feldern  die  Erde  in  Brand  gerathe,  wenn  eine 
Kohle  darauf  fällt.  Im  Lande  der  Sabiner  und  Sicidiner4) 
giebt  es  einen  Stein,   der  mit  Fett  bestrichen  zu   brennen 


')  In  Kampanien. 

2)  Im  August. 

3)  Aricia,  eine  alte  Stadt  in  Latium,  vier  Meilen  von  Rom  an  der 
Via  Appia  am  albanischen  Berge. 

4)  Ein  Volk  in  Kampanien;  ihre  Hauptstadt  hiess  Trauma,  jetzt 
Tiano. 


21(5  Zweites  Buch. 

beginnt.  In  der  salentiniscben  Stadt  Egnatia  entsteht,  wenn 
man  Holz  auf  einen  daselbst  für  heilig  gehaltenen  Felsen 
legt,  sogleich  eine  Flamme.  Auf  einem  unter  freiem  Him- 
mel befindlichen  Altare  der  Juno  Lacinia1)  soll  die  Asche 
selbst  durch  die  heftigsten  Stürme  nicht  weggeführt  werden. 

Sogar  im  Wasser  und  am  menschlichen  Körper  ent- 
stehen plötzlich  Flammen.  So  soll  einmal  der  ganze  trasi- 
menische  See  in  Feuer  gestanden  haben.  Dem  Servius 
Tullius  2)  brach  in  seiner  Kindheit  während  des  Schlafes 
eine  Flamme  aus  dem  Kopfe  hervor.  Valerius  Antias 3) 
erzählt  dasselbe  von  L.  Marcius,  als  dieser  nach  dem  Tode 
der  Scipionen 4)  eine  Rede  hielt  und  die  Soldaten  zur  Rache 
aufforderte.  Bald  werde  ich  mehr  und  ausführlicher  davon 
handeln;  gegenwärtig  können  diese  Wunder  nur  vermischt 
mit  den  übrigen  Gegenständen  der  Natur  erwähnt  werden. 
Da  ich  nun  aber  die  Erklärung  der  Natur  beendigt  habe, 
so  beeile  ich  mich,  den  Geist  der  Leser  gleichsam  an  der 
Hand  über  den  ganzen  Erdkreis  zu  führen. 

112. 

Unser  Erdtheil,  von  dem  ich  jetzt  rede,  und  der  (wie 
schon  gesagt)  auf  dem  ihn  umgebenden  Ocean  gleichsam 
schwimmt,  hat  seine  grösste  Ausdehnung  von  Morgen  nach 
Abend,  d.  h.  von  Indien  bis  zu  den  von  den  Gaditanern 
verehrten  Säulen  des  Hercules,  welche  Entfernung  nach 
Artemidorus 5)  8,568,000,  nach  Isidorus 6)  aber  9,818,000 
Schritte  beträgt.  Artemidorus  fügt  noch  891,000  Schritte 
hinzu,   nämlich,  von  Gades   um   das  heilige  Vorgebirge7) 


1)  Unter  diesem  Beinamen  wurde  Juno  in  einem  Tempel  unweit 
Crotona  in  Italien  verehrt.  Dieser  Tempel  soll  vom  König  Lacinus, 
oder  vom  Herkules,  der  den  Strassenräuber  Lacinius  in  dieser  Ge- 
gend erlegte,  erbauet  sein. 

2)  Sechster  röm.  König,  regierte  576 — £34  v.  Chr. 

3)  Lebte  im  letzten  Jahrh.  v.  Chr. 

4)  Im  2.  punischen  Kriege.    Vergl.  Linius  XXV.  B.  32.-36.  Cap. 

6)  Von  Ephesus  im  2.  Jahrh.  v.  Chr. 
°)  Von  Charax  im  1.  Jahrh.  n.  Chr. 

7)  Cap  St.  Vincent. 


Zweites  Buch.  217 

herum  bis  an  das  Vorgebirge  Artabrum  *),  welches  der 
äusserste  Punkt  der  vordem  Seite  von  Spanien  ist.  Dieses 
Maass  erhält  man  auf  doppeltem  Wege.  Die  Entfernung 
vom  Flusse  Ganges  und  seiner  Mündung  im  östlichen 
Ocean,  über  Indien  und  Parthyene  bis  zur  Stadt  Myrian- 
drus  in  Syrien,  am  issischen  Meerbusen 2),  beträgt  nämlich 
5,215,000  Schritte;  von  da,  auf  dem  kürzesten  Seewege, 
über  Cypern,  Patara  in  Lycien,  Rhodus,  Astypaläa3),  die 
Inseln  im  carpathischen  Meere 4),  Tänarum 5)  in  Lakonien 6), 
Lilybäum  7)  in  Sicilien,  Kalaris  8)  in  Sardinien:  2,103,000 
Schritte;  von  hier  bis  Gades  1,250,000  Schritte.  Das  Ge- 
sammtmaass  vom  östlichen  Meere  an  beträgt  also  8,568,000 
Schritte. 

Die  andere,  zuverlässigere  Bestimmung  giebt  der  Land- 
weg, und  zwar  beträgt  die  Entfernung: 

Vom  Ganges  bis  zum  Euphrat       5,169,000  Schritte, 
von  da  bis  Mazaka9)  in  Kappadocien      319,000        „ 
„      „    durch  Phrygien,  Karien  und 

Ephesus 415,000 

„      „    durchs  ägeische  Meer  bis  Delos     200,000        „ 
„      „    bis  zum  Isthmus10)!    ....     212,500 
„      „    erst  zu  Lande,  dann  durchs  le- 
chäische  Meer  u)  und  den  ko- 
rinthischen  Meerbusen    nach 
Patras  im  Peloponnes   .     .     .      90,000        „ 
„      „    bis  Leukas12) 87,500 


')  Cap  Finisterre. 

2)  Scanderum. 

3)  Stampalia. 

4)  Von  der  Insel  Carpathus,  jetzt  Sarpento  benannt. 

5)  Kaino. 

6)  Maina. 

7)  Marsala. 
*)  Cagliari. 
9)  Kaisarie. 

">)  Von  Korinth. 

")  Der  bei  Korinth  liegende  Theil  des  Golfs  von  Lepanto. 

12)  Hauptstadt  der  Insel  Leukadia,  jetzt  St.  Maura. 


218  Zweites  Buch. 

von  da  bis  Korcyra1) 87,500  Schritte 

.,      „     „     Akroceraunia 2)      ....     132,500         „ 

„      „     „     Brundisium 87,500         r 

..      „     „     Korn 360,000 

.,      „    über  die  Alpen  bis  zum  Dorfe 

Scingomagus 3) 519,000 

„      „    durch  Gallien  an  die  Pyrenäen 

bis  Illiberis 4) 927,000 

„      „    bis  zum  Ocean  und  der  Küste 

Spaniens 331,000         „ 

„      „    bis  zur  Ueberfabrt  nach  Gades        7,500         „ 

Alle    diese   Entfernungen    betragen   nach    Artemidorus 
Berechnung  zusammen:  8,945,000  Schritte. 

Die  Breite  der  Erde  von  Mittag  zu  Mitternacht  wird 
etwa  um  die  Hälfte  geringer  angenommen,  oder  zu  4,490,000 
Schritten.  Hieraus  ergiebt  sich  deutlich,  wie  viel  uns  auf 
der  einen  Seite  die  Hitze  und  auf  der  andern  die  Kälte 
entrissen  hat.  Allein  ich  glaube  nicht,  dass  diess  der  Erde 
geradezu  fehlt,  oder  dass  sie  desshalb  keine  Kugelgestalt 
hat,  sondern  nehme  bloss  an,  dass  beide  Theile  unbewohnt 
und  uns  noch  unbekannt  sind.  Die  Entfernung  der  süd- 
lichen Grenze  von  der  nördlichen  beträgt: 
von  der  Küste  des  äthiopischen  Meeres,  soweit  sie  bewohnt 

ist,  bis  Meroe 1,000,000  Schritte 

von  da  bis  Alexandrien 1,250,000         „ 

„      „     n     Rhodus 563,000 

„      „     „     Gnidus5) 87,500 

„      „     „     Kos6) 25,000 

„      „     „     Sainos 100,000 

„      „     „     Chios 94,000 


»)  Corfu. 
2)  Chimera. 


3)  Am  Fusse  der  Alpen  an  der  ital.  Grenze,  jetzt  Sezanne. 

«)  Eine. 

r>)  Messi  am  Cap  Krio. 

6)  Stancho. 


Zweites  Buch.  219 

von  da  bis  Mitylene 65,000  Schritte 

„      „     „     Tenedos 44,000 

„  „  „  zum  Vorgebirge  Sigeum  .  12,500  ,. 
„  r  r  „  Ausfluss  des  Pontus  .  312,500  „ 
„  r  ,,  „  Vorgebirge  Karambis1)  350,000  „ 
„      „     r        „     Ausfluss  des  mäotischen 

Sees2) 312,000 

„      „     „        „     Ausfluss  des  Tanais 3)  .     275,000 

Dieser  letztere  Weg  kann  aber  zu  Wasser  um  89,000 
Schritte  abgekürzt  werden. 

Von  den  Ländern,  welche  über  die  Mündung  des  Ta- 
nais hinaus  liegen,  haben  selbst  die  genauesten  Schriftstel- 
ler nichts  Zuverlässiges  aufgezeichnet.  Artemidorus  hält 
jene  entlegenen  Gegenden  für  unbekannt,  doch  sagt  er,  dass 
am  Tanais  gegen  Norden  die  sarmatischen  Völker  wohnen. 
Isidorus  fügt  zu  dem  angegebenen  Maasse  noch  1,250,000 
Schritte  bis  nach  der  Insel  Thule  hinzu:  doch  diese  Angabe 
gehört  zu  den  Ausgeburten  der  Phantasie.  Ich  wenigstens 
weiss,  dass  die  Grenzen  der  Sarmaten  nicht  weniger  weit, 
als  der  eben  angegebene  Raum  beträgt,  bekannt  sind.  Und 
wie  gross  muss  nicht  das  Land  sein,  welches  so  unzählige 
Völker,  die  noch  obendrein  ihren  Wohnsitz  oft  verändern, 
bewohnen?  Daher  glaube  ich,  dass  jene  unbewohnten 
Länder  einen  viel  grösseren  Raum  einnehmen.  Auch  habe 
ich  erfahren,  dass  unlängst  hinter  Germanien  sehr  viele 
Inseln  entdeckt  worden  sind. 

Diess  ist  es,  was  ich  von  der  Länge  und  Breite  zu 
erwähnen  für  werth  halte.  Den  ganzen  Umfang  der  Erde 
aber  hat  Eratosthenes,  ein  Mann,  der  in  allen  Wissen- 
schaften und  namentlich  in  dieser  alle  andern  an  Scharf- 
sinn und  Kenntniss  übertrifft,  dessen  Meinungen  auch  fast 
von  Allen  angenommen  sind,  zu  252,000  Stadien,  welche 
31,500,000    römischen    Schritten    gleich    sind,    angegeben. 


')  Kerempe. 

*)  Asowsches  Meer. 

3)  Don. 


220  Zweites  Buch. 

Diess  ist  eine  kühne,  aber  so  genau  begründete  Be- 
hauptung, dass  man  sich  schämen  mtisste,  ihr  keinen  Glau- 
ben zu  schenken.  Hipparchus,  der  sowohl  wegen  seiner 
gründlichen  Beurtheilung  des  Eratosthenes,  als  auch  wegen 
seines  übrigen  Fleisses  Bewunderung  verdient,  fügt  noch 
etwas  weniger  als  26,000  Stadien  hinzu.  Anders  verhält 
es  sich  mit  der  Glaubwürdigkeit  des  Dionysiodorus,  und 
ich  will  diess  auffallende  Beispiel  griechischer  Eitelkeit 
dem  Leser  nicht  vorenthalten.  Er  war  aus  Melus x)  und 
zeichnete  sich  in  der  Geometrie  sehr  aus.  Er  starb  als 
Greis  in  seinem  Vaterlande,  und  diejenigen  Verwandten? 
denen  seine  Erbschaft  zufiel,  besorgten  sein  Begräbniss. 
Als  diese  am  folgenden  Tage  die  herkömmlichen  Gebräuche 
verrichteten,  sollen  sie  in  seinem  Grabe  einen  Brief,  von 
Dionysiodorus  an  die  Oberwelt  geschrieben,  gefunden  haben, 
worin  es  heisst:  „er  sei  von  seinem  Grabe  aus  in  das 
Innerste  der  Erde  gelangt,  und  die  Entfernung  bis  dahin 
betrage  42,000  Stadien."  Es  fehlte  nicht  an  Geometern, 
welche  erklärten,  der  Brief  sei  vom  Mittelpunkte  der  Erde 
aus  geschickt,  bis  dahin  sei  von  der  äussersten  Oberfläche 
die  weiteste  Strecke,  und  letztere  also  die  Hälfte  des  Erd- 
durchmessers. Hieraus  hat  man  nun  berechnet,  dass  der 
Umfang  der  Erde  252,000  Stadien  betrage. 

113. 
Eine  harmonische  Berechnung,  welche  eine  gleich- 
förmige Uebereinstimmung   der  Natur  voraussetzt,  fügt  zu 
obengenanntem   Maasse    noch    12,000  Stadien    hinzu,   und 
hiernach  ist  somit  die  Erde  der  96.  Theil  der  ganzen  Welt. 

»)  Milo. 


Drittes  Euch. 


Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte,  Häfen, 

Berge,  Flüsse  und  den  Völkern,  welche  noch  da  sind 

oder  da  waren. 

Bisher  haben  wir  von  der  Lage  und  den  Wundern  der 
Erde,  Gewässer  und  Gestirne,  sowie  von  der  Beschaffenheit 
und  Grösse  des  ganzen  Weltalls  gehandelt.  Nun  wollen  wir 
ihre  einzelnen  Theile  in  Betracht  ziehen,  wenngleich  ein 
solches  Unternehmen  für  unendlich  gehalten,  und  nicht 
leicht  ohne  einigen  Tadel  durchgeführt  werden  kann.  In 
keiner  andern  Sache  verdient  man  wohl  mit  mehr  Recht 
Kachsicht;  denn  es  ist  begreiflich,  wenn  ein  Mensch  nicht 
alles,  was  ihn  überhaupt  betrifft,  weiss.  Ich  werde  daher 
keinem  Schriftsteller  ausschliesslich  folgen,  sondern  in  jedem 
Abschnitte  stets  dem,  welchen  ich  für  den  glaubwürdigsten 
halte;  denn  fast  alle  haben  das  mit  einander  gemein,  dass 
ein  Jeder  von  ihnen  die  Gegend,  wo  er  seine  Schrift  ver- 
fasste,  am  genauesten  beschrieben  hat;  und  desshalb  will 
ich  keinen  tadeln  oder  widerlegen.  Die  blossen  Namen 
der  Orte  sollen  in  möglichster  Kürze  angegeben,  ihre  Merk- 
würdigkeiten und  sonstige  Nachrichten  von  ihnen  aber  für 
eigene  dazu  bestimmte  Kapitel  verspart  werden;  denn  jetzt 
rede  ich  noch  immer  von  dem  Ganzen.  Ich  möchte  daher 
mich  in  der  Weise  verstanden  wissen,  als  wenn  hier  ihre 
Namen,  so  ruhmlos  wie  sie  zur  Zeit  ihrer  Entstehung  und 


222  Drittes  Buch. 

vor  dem  Beginn  ihrer  Geschichte  waren,  aufgezählt  wür- 
den; sie  sollen  also  nur  ein  Namenverzeichniss  von  der 
Welt  und  der  Natur  sein. 

Der  ganze  Erdkreis  wird  in  drei  Theile  getheilt:  Eu- 
ropa, Asien  und  Afrika.  Wir  fangen  im  Westen  bei  der 
Meerenge  von  Gades1)  an,  wo  der  atlantische  Ocean  ein- 
bricht und  sich  in  die  innern  Meere  ergiesst.  Kommt  man 
hier  herein,  so  liegt  Afrika  zur  Rechten,  Europa  zur  Lin- 
ken, und  Asien  zwischen  beiden;  die  Grenzen  zwischen 
diesen  drei  Erdtheilen  bilden  der  Tanais2)  und  Nil.  Die 
oben  genannte  Meerenge  ist  15,000  Schritte  lang,  und  vom 
Flecken  Mellaria 3)  in  Spanien  bis  zum  weissen  Vorge- 
birge4) in  Afrika  5000  Schritte  breit,  wie  Turranius  Graci- 
lis  5),  der  daher  gebürtig  ist,  angiebt.  Nach  T.  Livius  und 
Com.  Nepos  beträgt  die  Breite  an  der  schmälsten  Stelle 
7000  und  an  der  breitesten  10,000  Schritte.  Durch  eine  so 
unbedeutende  Mündung  ergiesst  sich  eine  so  ungeheure 
Wassermasse,  und  keineswegs  erklärt  sich  dieses  Wunder 
durch  eine  sehr  grosse  Tiefe  des  Meeres,  denn  zahlreiche 
weiss  schimmernde  Sandbänke  machen  daselbst  die  Fahrt 
gefährlich.  Daher  haben  Viele  diesen  Ort  die  Schwelle 
des  mittelländischen  Meeres  genannt.  Da,  wo  der  Pass  am 
engsten  ist,  schliessen  ihn  von  beiden  Seiten  Berge  ein, 
nämlich  derAbila6)  in  Afrika  und  derCalpe7)  in  Europa,  die 
letzten  Werke  des  Herkules.  Daher  nennen  die  Eingebor- 
nen  diese  Berge  auch  die  Säulen  dieses  Gottes,  und  glau- 
ben, dass  er  durch  die  Durchstechüng  derselben  dem  vorher 
ausgeschlossenen  Ocean  einen  Zugang  verschafft  und  da- 
durch der  ganzen  Natur  ein  anderes  Ansehn  gegeben  habe. 


*)  Jetzt  Meerenge  von  Gibraltar  genannt. 

2)  Don. 

3)  Fuente  Ovejuna. 

4)  Cap  Spartel,  auch  Ampelusia. 

5)  Ein  nicht  näher  bekannter  Schriftsteller. 
'•)  Dschibbel  el  Zatute. 

7)  Gibraltar. 


Drittes  Buch.  223 

1. 

Wir  wollen  also  zuerst  von  Europa,  der  Ernährerin  des 
alle  Völker  besiegenden  Volkes,  und  dem  schönsten  der 
Erdtheile  reden,  welchen  die  Meisten  mit  Recht  zur  Hälfte 
der  ganzen  Erde  gemacht  haben,  indem  sie  dieselbe  durch 
eine  vom  Flusse  Tanais  an  bis  zur  gaditanischen  Meer- 
enge gezogene  Linie  in  zwei  Theile  theilen.  Der  Ocean, 
welcher  durch  den  genannten  Pass  das  atlantische  Meer 
ergiesst,  und  die  Länder,  welche  seinem  Andringen  furcht- 
sam wichen,  gierig  verschlang,  bespühlte  auch  die  in  viel- 
fachen Krümmungen  ihm  widerstrebenden  Ufer  und  hat  so 
an  Europas  Küsten  viele  Aushöhlungen,  namentlich  vier 
Hauptmeerbusen  gebildet.  Der  erste  derselben  zieht  sich 
von  dem  schon  erwähnten  äussersten  Berge  Calpe  in  Spa- 
nien bis  nach  Locri1)  und  dem  brutischen  Vorgebirge2)  in 
einem  sehr  grossen  Bogen  herum. 

2. 

Das  erste  Land  an  diesem  Busen  ist  das  jenseitige 
Spanien  oder  Bätica.  Daran  grenzt  das  tarraconensische 
oder  diesseitige  Spanien,  welches  von  der  urgitanischen 
Grenze 3)  bis  an  die  Pyrenäen  reicht.  Das  jenseitige  Spa- 
nien wird  der  Länge  nach  in  zwei  Provinzen  getheilt.  An 
der  Nordseite  von  Bätica  breitet  sich  das  durch  den  Fluss 
Anas 4)  getrennte  Lusitanien  aus.  Dieser  entspringt  im 
laminitanischen 5)  Gebiete  des  diesseitigen  Spaniens,  fliesst 
bald  durch  Sümpfe,  bald  durch  enge  Schluchten,  oder  ver- 
birgt sich  gänzlich  in  Höhlen,  als  freue  es  ihn,  öfter  zu 


')  Stadt  im  Lande  der  Brutier  in  Unter-Italien.  Die  Bewohner 
hiessen  vom  benachbarten  Vorgebirge  Zephyrium,  die  epizephyrischen 
Locrer.  Wenige  Ruinen  dieser  Stadt  finden  sich  noch  beim  Torre 
di  Pagliapoli. 

2)  Heisst  im  10.  Cap.  dieses  Buches  Leucopetra;  jetzt  Capo 
deH'Armi. 

3)  Urgi  oder  Urci,  eine  Hafenstadt  am  mittelländischen  Meere, 
jetzt  Abrucena. 

A)  Guadiana. 

5)  Von  der  Stadt  Laminium,  jetzt  Alhambra. 


224  Drittes  Buch. 

entspringen,  und  ergiesst  sich  endlich  in  das  atlantische 
Meer.  Das  hier  angrenzende  tarraconensische  Spanien  zieht 
sich  an  der  ganzen  Seite  der  Pyrenäen  hin,  breitet  sich 
vom  iberischen  Meere1)  ab  bis  zum  gallischen  Ocean2)  aus, 
und  wird  durch  den  Berg  Solorius3)  sowie  durch  die  ore- 
tanischen 4),  carpetanischen 5)  und  asturischen 6)  Gebirge  von 
Bätica  uud  Lusitanien  getrennt. 

3. 
Bätica7),  welches  nach  dem  ihn  mitten  durchschnei- 
denden Flusse8)  benannt  ist,  übertrifft  alle  anderen  Pro- 
vinzen durch  seine  reiche  Kultur,  Fruchtbarkeit  und  beson- 
dere Schönheit.  Es  enthält  vier  Gerichtskreise,  den  gadi- 
tanischen,  cordubensischen ,  astigitanischen  und  hispalen- 
sischen.  9)  Die  Gesammtzahl  seiner  Städte  beträgt  175; 
darunter  befinden  sich  9  Kolonien  10) ,  8  Munieipien  n),  29 
mit  lateinischem  Bürgerrechte12),  6  freie,  3  Bundesstädte 
und  120  zinsbare.  Von  diesen  sind  erwähnenswerth  oder 
wenigstens  im  Lateinischen  leicht  auszusprechen:  Oroba13), 
mit  dem  Beinamen  Aestuaria  an  der  Mündung  des  Anas; 
ferner  die  Zwischenflüsse14)  Luxia  und  Urium15),  die  Maria- 


')  Der  Theil  des  mittelländischen  Meeres,  in  den  sich  der  Ebro 
ergiesst. 

2)  Meerbusen  von  Gascogne. 

3)  Sierra  de  los  Vertientes. 

4)  Sierra  Morena. 

5)  Monte  de  Toledo. 

6)  Sierra  de  las  Asturias. 

7)  Umfasste  Andalusien,  den  grössten  Theil  von  Granada.  Estre- 
madura  und  den  westlichen  Theil  von  la  Mancha. 

8)  Baetis,  jetzt  Guadalquivir. 

9)  Diese  Namen  kommen  noch  weiter  unten  vor. 

,0)  Die  Rechte  der  Colonien  waren  verschieden  nach  den  Rech- 
ten der  Mutterstädte. 

u)  Fremde  Städte,  die  das  römische  Bürgerrecht  hatten. 

,2)  Dieses  gestattete  den  Besitzern  den  Dienst  in  den  Römischen 
Legionen  und  die  Bewerbung  um  alle  militärischen  Aemter  und 
Ehrenstellen. 

I3)  Huelva.    14)  Zwischen  dem  Anas  u.  Baetis.    ,5)  Odiel  u.  Tinto. 


Drittes  Buch.  225 

nischen  Berge;  der  Bätis;  die  corensische  Küste  mit  einem 
Meerbusen,  diesem  gegenüber  Gades,  von  dem  noch  bei  den 
Inseln  die  Rede  sein  wird;  das  Vorgebirge  der  Juno1),  der 
Hafen  Bäsippo2);  die  Städte:  Belon3),  Mellaria4);  die  Meer- 
enge des  atlantischen  Oceans;  Carteja,  von  den  Griechen 
Tartessos  genannt;  der  Berg  Calpe. 5)  Weiter  an  der  innern 
Küste  die  Stadt  Barbesula  am  gleichnamigen  Flusse 6),  dess- 
gleichen  Salduba7),  die  Stadt  Suel8),  Malaca9)  an  dem 
Flusse  gleichen  Namens10),  eine  der  Bundesstädte.  Dann 
folgt  Mänoba  n)  am  gleichnamigen  Flusse 12) ;  Sexi  Firmum 13) 
mit  dem  Beinamen  Julium;  Seiambina14),  Abdara15)  und 
Murgi 16),  welches  an  der  Grenze  von  Bätica  liegt.  M. 
Agrippa17)  glaubt,  die  Bevölkerung  dieser  ganzen  Küste  sei 
punischen  Ursprungs. 

Die  Küste  des  atlantischen  Meeres  vom  Anas  an  be- 
wohnen die  Bastuler  und  Turduler.  M.  Varro  berichtet, 
die  Iberier,  Perser,  Phönizier,  Celten  und  Punier  hätten 
sich  über  ganz  Spanien  verbreitet.  Lusitanien  soll  seinen 
Kamen  von  einem  Spiele  (lusus)  zu  Ehren  des  Vater  Bacchus 
oder  von  Lysas,  seinem  Begleiter,  erhalten  haben,  und  Pan 
soll  der  Schutzgott  des  ganzen  Landes  sein.  Was  aber 
vom  Herkules  und  der  Pyrene  18),  oder  vom  Saturn  erzählt 
wird,  halte  ich  für  eine  Fabel. 

Der  Bätis  entspringt  in  der  tarraconensischen  Provinz 
auf  dem  tugiensischen  Waldgebirge 19)  und  nicht,  wie  Einige 
behauptet  haben,  bei  der  Stadt  Mentisa20);  neben  ihm  fliesst 


*)  Cap  Trafalgar.  2)  Porto  Barbato.  3)  Bolonia.  4)  Fuente 
Ovejuna.  5)  Gibraltar.  6)  Guadiaro,  an  der  Grenze  von  Granada, 
')  Marbella.  8)  Fuengirolo.  9)  Malaga.  ,0)  Jetzt  Guadalmedina. 
")  Velez  Malaga.    '-)  Velez.    ,3)  Almunecar.    M)  Salobrena.    15)  Adra. 

16)  Muxagar. 

")  Verwandter  u.  Freund  des  Augustus,  u.  verdienter  Geograph, 
starb  12  n.  Chr. 

18)  Pyrene,  Tochter  des  Bebryx  und  Geliebte  des  Herkules.  Die 
Pyrenäen  haben  von  ihrem  daselbst  befindlichen  Grabe  den  Namen. 

,9)  Sierra  de  Cazorla. 

2°)  Baeza. 

15 


226  Drittes  Buch. 

der  Tader1),  der  die  Gegend  von  Carthago2)  bewässert; 
jener  entfernt  sich  wieder  von  diesem  beim  Grabmale  des 
Scipio  zu  Ilorcum 3),  wendet  sich  gegen  Abend,  und  ergiesst 
sich,  nachdem  er  der  Provinz  seinen  Namen  gegeben,  in 
den  atlantischen  Ocean.  Anfangs  ist  er  nur  klein,  doch 
bald  wird  er  durch  viele  Flüsse  verstärkt,  denen  er  Namen 
und  Wasser  entzieht.  Aus  dem  Ossigitanischen 4)  Gebiete 
kommt  er  nach  Baetika,  und  seine  reizenden  Ufer  sind  zu 
beiden  Seiten  mit  zahlreichen  Städten  besetzt. 

Die  berühmtesten  Städte  zwischen  dem  Bätis  und  der 
Meeresküste  im  Innern  des  Landes  sind:  Segeda  5),  mit  dem 
Beinamen  Augurina,  Julia  oder  Fidentia  6),  Urgao  oder 
Alba  7),  Ebura  oder  Cerealis  8),  Iliberi  oder  Liberini 9),  III- 
pula10)  oder  Laus,  Astigi11)  oder  Julienses;  Vesci12)  oder 
Faventia,  Singili13),  Attegua14),  Arialdunum,  Klein- Agla15), 
Bäbro,  Castra  vinaria16),  Cisimbrium17),  Neu-Hippo,  Illurco18), 
Osca  19),  Escua20),  Succubo,  Nuditanum,  Tuati  vetus;  alle 
diese  nach  dem  Meere  zu  in  Bastetanien  und  gehören  zum 
cordubensischen  Kreise.  Am  Flusse  Baetis  selbst  liegen: 
Ossigi,  mit  dem  Beinamen  Laconicum,  Illiturgi21)  oder  Fo- 


')  Segura.    2)  Carthagena.    3)  Lorca. 

4)  Von  der  Stadt  Ossigi  der  Turduler  an  der  Grenze  vom  tarra- 
conensischen  Spanien,  jetzt  Maquiz. 

5)  S.  Jago  de  IIa  Higuera. 

6)  Fuente  del  Rey. 

7)  Purchena. 

8)  Alcala  la  Real. 

9)  Ruinen  bei  Granada,  auf  der  Sierra  de  Elvira. 

10)  Loxa. 

11 )  Alameda. 

12)  Archidona. 

13)  Mira  Xenil. 

,4)  Die  wenigen  Ruinen  dieser  Stadt  führen  den  Namen  Teva  veja. 

,5)  Aguilar. 

»)  Castro  el  Rio. 

")  Espeja. 

,8)  Illora. 

19)  Huescar. 

M)  Escuzar.    2I)  Ubeda  la  vieja. 


Drittes  Buch.  227 

rum  Julium,  Ipasturgi  oder  Triumphale,  Setia  und  14,000 
Schritte  weit  im  Lande,  Obulco  *),  oder  Pontificense. 
Nicht  weit  davon  liegt  die  Bundesstadt  Epora2),  Sacili 
Martialium  3),  Onoba  und  zur  Rechten  Corduba  4),  eine 
Pflanzstadt  mit  dem  Beinamen  Patricia,  von  wo  aus  der 
Baetis  schiffbar  wird;  Carbula5),  Detunda;  der  Fluss  Sin- 
gulis 6),  welcher  auf  derselben  Seite  in  den  Bätis  fällt. 

Die  Städte  des  Hispalensischen  Kreises  sind:  Celti 7), 
Arua8),  Camana,  Evia,  Ilipa  9)  oder  lila,  Italica10);  zur  Lin- 
ken die  Pflanzstadt  Hispalis11)  oder  Romulensis.  Gegenüber 
liegt  die  Stadt  Osset 12)  oder  Julia  Konstantia,  Vergentum 13) 
oder  Julii  Genus,  Orippo14),  Caura65),  Siarum16)  und  der 
Fluss  Menoba17),  der  von  der  rechten  Seite  in  den  Bätis 
fällt.  Bei  der  Mündung  des  Bätis  liegt:  Nebrussa18)  oder 
Veneria,  und  Colobona19).  Pflanzstädte  sind:  Asta10),  auch 
Regia  genannt,  und  im  Innern  des  Landes  Asido21)  oder 
Caesariana. 

Der  Fluss  Singulis,  welcher  sich  an  der  oben  bezeich- 


')  Porcuria,  nach  Andern  Bujalance. 

2)  Riopar. 

3)  Alcurruca. 

4)  Cordova. 

5)  Corbul. 

6)  Xenil. 

7)  Guadalkanal. 

8)  Alcolea. 

9)  Niebla. 

,0)  Santiponte. 
»)  Sevilla. 

12)  Castello  de  la  Cuestra. 

13)  Gelves. 

u)  Villa  de  los  Hermannas. 

15)  Coria, 

lü)  Sarrakatin. 

")  Guadalimar. 

,8)  Lebrixa. 

,9)  Tribuxena. 

20)  Xeres  della  Front  era. 

21)  Medina  Sidonia. 

15* 


228  Drittes  Buch. 

neten  Stelle  in  den  Bätis  ergiesst,  fliesst  an  der  astigita- 
nischen  Pflanzstadt  Augusta  Firma  *)  vorbei,  und  wird  von 
da  an  schiffbar.  Zu  diesem  Kreise  gehören  die  übrigen 
von  Abgaben  freien  Pflanzstädte:  Tucci 2)  oder  Augusta 
Gemella,  Itucci  oder  Virtus  Julia,  Attubi 3)  oder  Ciaritas 
Julia,  Urso 4)  oder  Genua  Urbanorum;  zu  diesen  gehörte 
auch  Munda  5),  bei  deren  Einnahme  der  Sohn  des  Pompejus 
gefangen  genommen  wurde.  Freie  Städte  sind:  Astigi  ve- 
tus  6),  Ostippo  7);  zinsbar  sind:  Callet,  Calecula 8),  Castra 
gemina  9),  Uipula  minor10),  Merucra11),  Sacrana,  Obulcula12), 
Oningis.  Unweit  der  Küste  an  dem  ebenfalls  schiffbaren 
Flusse  Menoba  wohnen  die  Alontigiceler  und  Alostiger. 

Der  übrige  noch  nicht  erwähnte  Landstrich  zwischen 
dem  Bätis  und  Anas  heisst  Baeturia,  wird  in  zwei  Theile 
getheilt  und  von  eben  so  vielen  Völkerschaften  bewohnt; 
nämlich  den  Celtikern13),  welche  bis  nach  Lusitanien  reichen, 
und  im  Hispalensischen  Kreise  wohnen,  und  den  Turdulern, 
welche  an  der  lusitanischen  und  terraconensischen  Grenze 
wohnen  und  zum  Gerichtsbezirk  Corduba  gehören.  Dass 
die  Celtiker  von  den  Celtiberiern  in  Lusitanien  abstammen, 
ergiebt  sich  deutlich  aus  ihrer  Religion,  Sprache  und  ihren 
Städtenamen,  welche  man  in  Bätica,  zur  Unterscheidung 
(von  den  gleichnamigen  in  Celtiberien)  mit  besonderen  Bei- 
namen bezeichnet.  So  heisst  Seria14)  auch  Fama  Julia, 
Nertobriga15) :  Concordia  Julia,  Segida:  Restituta  Julia,  Con- 
tributa16):  Julia  Ucultuniacum,  welche  auch  jetzt  Turiga  ge- 
nannt wird,  Laconimurgis17):  Constantia  Julia,  Tereses18): 
Fortunales,  Callenses19):  Emanici.   Ausserdem  liegen  im  Ge- 


')  Eceja.     -)  Martos.     3)  Espejo.     4)  Villa  Ossune. 

5)  Berühmt  durch  eine  Niederlage  der  Karthager  im  pun.  Kriege 
(Liv.  24,  42)  und  durch  die  entscheidende  Schlacht  zwischen  Caesar 
und  den  Söhnen  des  Pompejus  (Caesar  sp.  Kr.  51);  jetzt  steht  ein 
schlechtes  Dorf  Monda  in  Granada  an  der  Stelle  von  Munda. 

«)  Alhameda.  7)  Estepa.  8)  Calabra.  ;')  Campillo.  10)  Olvera. 
")  Mairena.  12)  Monclon.  13)  Ein  Stamm  der  Celten.  ")  Xeres  de 
Cavalleros.  16)  Valera  la  Veja.  ,6)  Medina  de  los  Torres.  ")  Con- 
stantina  in  Andalusien     ,8)  Nicolo  del  Puerto.    I9)  Cacalla, 


Drittes  Buch.  229 

biete  der  Celtiker:  Acinippo,  Arunda  *),  Arunci2),  Turo- 
brica  3),  Lastigi 4),  Salpesa  5),  Saepona  6),  Serippo.  Der  an- 
dere Theil  Bäturiens,  welchen,  wie  wir  gesagt  haben,  die 
Turduler  bewohnen,  und  der  mit  zum  Cordubensischen 
Kreise  gehört,  hat  folgende  nicht  unbedeutende  Städte: 
Arsa  7),  Mellaria  8),  Mirobrica  9)  und,  im  osintiadischen  Land- 
striche, Sisapo.10) 

Im  gaditanischen  Kreise  liegen:  Regina11),  mit  römi- 
schem Bürgerrechte;  mit  lateinischem  Bürgerrechte  Laepia 
Ulia,  Carissa12)  auch  Aurelia  genannt;  Urgia13)  oder  Cast- 
rum  Julium  oder  Cäsaris  Salubai  iensis.  Zinsbare  Städte 
sind:  Besaro,  Belippo,  Barbesula14),  Lacippo15),  Bäsippo16), 
Callet,  Cappagum,  Oleastro  17),  Itucci,  Beana18),  Lacibi,  Sa- 
guntia19),  Andorisä. 

Die  ganze  Länge  dieses  Landes  beträgt  nach  M.  Agrippa 
465,000  Sehritte,  die  Breite  257,000  Schritte;  allein  damals 
erstreckten  sich  dessen  Grenzen  bis  nach  Carthago. 20)  In 
den  Maassbestimmungen  entstehen  überhaupt  dadurch 
grosse  Fehler,  dass  bald  die  Grösse  der  Provinzen  sich 
ändert,  bald  die  Wege  nach  grösseren  oder  kleineren  Schrit- 
ten gemessen  werden.  Dazu  kommt  noch,  dass  das  Meer 
nach  und  nach  an  dieser  Stelle  Land  wegspühlt,  an  jener 
ansetzt,  und  dass  Flüsse  oft  einen  andern  Lauf  nehmen. 
Der  Eine  fängt  seine  Messung  an  diesem,  der  Andere  an 
jenem  Orte  an,  und  jeder  beobachtet  dabei  seinen  besonde- 
ren Gang.  Daher  kommt  es  denn,  dass  niemals  zwei  An- 
gaben übereinstimmen.  Die  jetzige  Länge  von  Bätica  be- 
trägt von  der  Grenzstadt  Castulo21)  bis  nach  Gades 
250,000  Schritte,  und  von  Murci22)  bis  au  die  Meeresküste 
ist  die  Entfernung  um  25,000  Schritte  weiter.  Die  Breite 
beträgt  von  der  Cartejanischen  Küste  an  234,000  Schritte. 

')  Ronda.  2)  Aronches.  3)  Torre  Mexia.  4)  Zahara.  5)  Elvas. 
6)  Ruinen  im  Forste  bei  Ronda.  7)  Aracena.  8)  Fuente  Ovejuna. 
9)  Capilla,  10)  Ahnaden.  ")  Puebla  de  la  Reyna.  «)  Carixa.  >3)  Las 
Cabecas.  14)  Torre  di  Guadiara.  ,5)  Alecippe.  ,6)  Vejer  de  la  Fron- 
tera  oder  Porto  Barbato.  ")  Osmia.  ,8)  Santillana.  iy)  Xigonza. 
2°)  Carthagena.    *')  Cazorle.    22)  Almeria. 


230  Drittes  Buch. 

Wer  sollte  nun  wohl  glauben,  dass  Agrippa  bei  seinem 
grossen  Fleisse  und  der  besonderen  Sorgfalt,  die  er  einer 
Arbeit  widmete,  durch  welche  er  den  ganzen  Erdkreis  der 
Stadt  Rom  zur  Uebersicht  vorzulegen  gesonnen  war,  und  mit 
ihm  der  göttliche  Augustus  sich  geirrt  habe?  Denn  dieser 
vollendete  den  nach  dem  Plane  und  den  Schriften  des  M. 
Agrippa  von  dessen  Schwester  begonnenen  Bau  des  Por- 
ticus,  der  eben  jene  Angaben  enthält. 

4. 

Die  ehemalige  Gestalt  des  diesseitigen  Spaniens1) 
hat  sich,  wie  die  mehrerer  Provinzen,  etwas  verändert; 
denn  Pompejus  der  Grosse  bemerkte  auf  den  Trophäen,  die 
er  in  den  Pyrenäen  errichten  liess,  er  habe  vou  den  Alpen 
an  bis  zu  den  Grenzen  des  jenseitigen  Spaniens  877  Städte 
unter  die  römische  Botmässigkeit  gebracht.  Jetzt  wird  die 
ganze  Provinz  in  7  Kreise  eingetheilt:  in  den  carthaginien- 
sischen,  tarraconensischen,  cäsaraugustinischen,  clunien- 
sischen,  asturischen,  lucensischen  und  bracarischen.  Dazu 
kommen  noch  die  Inseln;  ohne  diese,  welche  besonders  er- 
wähnt werden  sollen,  und  ausser  den  294,  andern  Orten 
zugezählten  Gemeinden  enthält  die  Provinz  179  Städte. 
Von  diesen  sind  12  Colonien,  13  mit  römischem  Bürger- 
rechte, 18  mit  altlateinischem  Bürgerrechte,  1  Bundesstadt 
uud  135  zinsbare. 

Unmittelbar  an  der  Küste  wohnen  die  Bastuler. 2)  Dann 
folgen  der  Reihe  nach,  in  das  Land  hinein  die  Mentesa- 
ner  3),  Oretaner  4)  und  am  Tagus  die  Carpetaner  5);  daneben: 

')  Es  begriff  mit  Ausnahme  der  Bätischen  und  Lusitanischen 
Provinzen  das  ganze  jetzige  Spanien  in  sich. 

2)  PI.  nennt  sie  auch  Bastetaner.  Sie  waren  kein  eigenthümlicher 
Volksstamm,  sondern  bestanden  aus  einer  Mischung  von  Phöniciem, 
Carthagern,  Griechen  und  Römern.  Sie  wohnten  vom  Junovorgebirge 
an  der  Küste  hin  bis  Murgis  in  Granada. 

3)  Eigentlich  bloss  der  südliche  Theil  der  Oretaner,  in  dem  Be- 
zirk von  Chinchilla. 

4)  Diese  bewohnten  einen  Theil  vom  westl.  Toledo,  den  mittleren 
Theil  von  la  Mancha,  die  Ostspitze  von  Jaen  und  die  Nordspitze  von 
Granada.    Ihr  Land  war  der  Hauptschauplatz   im  punischen  Kriege. 

5)  Ein  iberischer  Stamm,  der  den  grössten  Theil  von  Toledo,  die 


Drittes  Buch.  231 

die  Vaccäer  *),  die  Veetoner  2)  und  die  arevacischen  Celti- 
berier. 3)  An  der  Küste  liegen  folgende  Städte :  Urci 4)  und 
Barea  5),  das  auch  zu  Bätica  gerechnet  wird;  das  mavita- 
nische,  deitanische  und  contestanische  Gebiet,  die  Pflanzstadt 
Neu-Carthago  6);  von  dem  dabei  liegenden  Vorgebirge  des 
Saturn  7)  beträgt  die  Ueberfahrt  nach  Cäsarea  8)  in  Mauri- 
tanien  187,000  Schritte.  .  Ausserdem  sind  noch  an  der  Küste 
zu  nennen:  Der  Fluss  Tader  9),  die  freie  Pflanzstadt  Illici10), 
von  welcher  der  dabei  liegende  Meerbusen11)  seinen  Namen 
hat;  ihr  sind  die  Icositaner  untergeordnet.  Dann  folgt  Lu- 
centum12)  mit  lateinischem  Bürgerrechte,  das  zinsbare  Dia- 
nium13),  der  Fluss  Sucro14)  und  früher  eine  Stadt  gleichen 
Namens15),  die  Grenze  von  Contestanien;  das  edetanische16) 
Gebiet  mit  dem  sich  daran  hinziehenden  schönen  See17), 
bis  zu  den  Celtiberiern;  die  3000  Schritte  vom  Meere  ent- 
fernte Pflanzstadt  Valentia,  der  Fluss  Turium18),  und,  in 
gleicher  Entfernung  vom  Meere  Saguntum19)  mit  römischem 


Provinz  Segovia,  Avüa,  und  Guadalaxara  inne  hatte ;  sie  hiessen  auch 
Carpesier  oder  Caracitaner. 

')  In  Zamora  und  Salamanca. 

'-)  In  Estreinadura  und  Leon. 

3)  In  Valladolid. 

4)  Abrucenna. 

5)  Vera. 

6)  Carthagena. 

7)  Capo  di  Palos. 

8)  Vermuthlich  das  heutige  Algier  oder  Tenez. 

9)  Segura. 

10)  Elche. 

»)  Golfo  di  Alikante. 
,2)  Aükante. 
,3)  Denja. 
,4)  Xucar. 
,5)  Sueca. 

16)  Ein  iberischer  Stamm,  woluite  längs  der  Küste  von  Valencia 
an  bis  über  Pennisocola.  Ihr  Gebiet  umfasste  also  den  nördl.  Theil 
von  Valencia  und  die  Südostspitze  Arragoniens. 

17)  Albufera.     ,8)  Guadalaviar. 

t9)  Eine  Colonie  der  Zakynthier  und  Rutuler,    die  reichste  Stadt 


232  Drittes  Buch. 

Bürgerrechte  und  berühmt  durch  ihre  Treue;  der  Fluss 
Uduba  *);  das  Gebiet  der  Uergaonier.  2)  Der  Iberus  3),  ein 
von  vielen  Handelsschiffen  befahrener  Fluss,  entspringt  in 
Cantabrien,  unweit  der  Stadt  Juliobrica  4)  und  durchströmt 
eine  Strecke  von  450,000  Schritten;  260,000  Schritte  lang, 
nämlich  von  der  Stadt  Varia5)  an,  ist  er  schiffbar;  nach  ihm 
haben  die  Griechen  ganz  Spanien  Iberien  genannt.  Das 
cossetanische  Land6),  der  Fluss  Subi7);  die  Pflanzstadt 
Tarraco  8),  von  den  Scipionen  angelegt,  sowie  Carthago  von 
den  Puniern.  Das  Gebiet  der  Ilergeter  9),  die  Stadt  Subur10); 
der  Fluss  Rubricatum11),  jenseits  desselben  die  Laletaner12) 
und  Indigeter.13)  Dann  folgen  der  Reihe  nach,  gegen  das 
Innere  des  Landes  am  Fusse  der  Pyrenäen,  die  Ause- 
taner14),  die  Lacetaner15),  in  den  Pyrenäen  die  Cerretaner16) 
und  die  Vasconer17);  an  der  Küste  aber  liegt  die  Pflanz- 
stadt Barcino18),  mit  dem  Beinamen  Faventia.  Städte  mit 
römischem  Bürgerrechte  sind:  Bätulo19)  und  Iluro20);  der 
Fluss  Lanum21);  Blandä22),  der  Fluss  Alba23),  die  Doppel- 


jenseits   des  Iberus.     Mit  ihrer  Eroberung  durch  Hannibal    begann 
der  zweite  punische  Krieg.    Sie  heisst  jetzt  Murviedro. 
J)  Mijares. 

2)  Zwischen  dem  Mijares  und  Ebro. 

3)  Ebro. 
')  Frias. 

5)  Logrono. 

li)  Die  Vegerias  de  Tarragona  und  de  Tortosa. 

7)  Francoli. 

8)  Tarragona. 

a)  Der  Küstenstrich  zwischen  Tarragona  und  Barcelona. 

10)  Villa  nova. 

")  Llobregat. 

,2)  Vegerias  de  Barcelona  und  de  Mataro. 

,3)  Vegeria  de  Gerono. 

M)  Mit  der  Stadt  Ausa,  jetzt  Vique. 

,5)  Vegerias  de  Cervera  und  de  Manresa. 

,6)  Vegerias  de  Puigcerda. 

")  Provinz  Guipuscoa. 

,8)  Barcelona. 

ly)  Badalona  an  der  catal.  Küste. 

*>)  Pineda.    21)  Tordera.    22)  Blanas.     *>)  Ter. 


Drittes  Buch.  233 

Stadt  Emporiä  *),  von  alten  Eingebornen  und  Griechen, 
Nachkommen  der  Phocäer,  bewohnt;  der  Fluss  Ticher  2); 
von  hier  bis  nach  Venus  Pyrenäa3),  auf  der  andern  Seite 
des  Vorgebirges,  beträgt  die  Entfernung  40,000  Schritte. 

Nun  wollen  wir  von  jedem  Kreise  das  Wichtigste 
ausser  dem  bereits  Mitgetheilten  vorführen: 

Zu  Tarraco  werden  die  Rechtssachen  von  43  Völker- 
schaften entschieden,  unter  denen  folgende  die  berühmtesten 
sind:  die  Dersutaner  4)  und  Bisgargitaner  5)  mit  römischem 
Bürgerrechte;  die  Ausetaner  und  Cerretaner  mit  lateinischem 
Bürgerrechte,  welche  auch  Julianer  oder  Augustaner  heissen; 
die  Edetaner,  Gerundenser  6),  Gessorienser,  die  Tearer  oder 
Julienser.  Unter  den  zinsbaren  verdienen  erwähnt  zu  wer- 
den: die  Aquicaldenser  7),  Onenser  und  Bäculonenser.  8) 

Caesaraugusta  9)  ist  eine  steuerfreie  Colonie  am  Iberus, 
wo  ehemals  die  Stadt  Salduba  stand;  sie  liegt  in  der  ede- 
tanischen  Landschaft  und  umfasst  55  Völkerschaften.  Unter 
diesen  sind  die  vorzüglichsten  mit  römischem  Bürgerrechte: 
die  Balitaner10)  und  Celsenser11);  von  Colonien:  die  Cala- 
guritaner12)  oder  Nassiker,  die  Ilerdenser13),  welche  von 
den  Surdaonen  abstammen  und  am  Flusse  Sicoris14)  woh- 
nen, die  Oscenser15)  in  der  Landschaft  Vescitania,  die 
Turiasonenser16);  mit  lateinischem  Bürgerrechte:  die  Cas- 
cantenser17),  Ergavicenser18),  Graccuritaner19),  Leonicenser20) 
und  Ossicerdenser.21)  Unter  den  Bundesvölkern:  die  Tarra- 
genser22);  unter  den  zinsbaren:  die  Acrobrigenser23),  Ando- 
logenser2*),  Arocelitaner25),  Bursaonenser16),  Calaguritaner27) 


2)  Sie  bestand  aus  zwei  durch  eine  Mauer  getrennten  Theilen,  in 
dem  einen  wohnten  Griechen,  in  dem  andern  Eingeborne.  Zu  Stra- 
bo's  Zeiten  waren  sie  aber  zu  einem  Volke  verschmolzen.  (Jetzt  Ca- 
stello  da  Empurias.) 

-)  Fluvia.  3)  Capo  di  Cruz.  4)  Tortosa,  5)  Berrus.  6)  Girona. 
7)  Caldes.  8)  Baylen.  9)  Saragossa.  ,0)  Belchite.  ")  Xalsa.  >2)  Lo- 
harra.  ,3)  Lerida.  I4)  Segra.  ,5)  Hueskar.  ,6)  Tarracona  jenseits  des 
Ebro.  17)  Cascanta  in  Navarra.  18)  Oreja.  ,9)  Agreda.  -°)  Villar 
Luengo.  21)  Ixar.  22)  Tarrega  in  Catalonien.  23)  Arcos.  24)  Andosilla. 
25)  Miranda.    26)  Burgos.    -1)  Calahorra. 


234  Drittes  Buch. 

oder  Fibularenser,  die  Complutenser  *),  Carenser  2),  Cincen- 
ser  3),  Cartonenser  4),  Damanitaner  5),  Larnenser  6),  Lursen- 
ser  7),  Lumberitaner  8) ,  Lacetaner9),  Lubienser10),  Pompe- 
lonenser11)  und  Segienser.12) 

Zu  Carthago  gehören  65  Völkerschaften,  mit  Ausnahme 
der  Inselbewohner.  Unter  diesen  nennen  wir  die  Gemellen- 
ser  von  der  accitanischen  Colonie 13)  und  Libisosona u) 
oder  Foroaugustana,  welche  beide  das  italische  Bürgerrecht 
erhalten  haben;  von  der  salariensischen  Colonte15)  mit  altlatei- 
nischen Rechten:  die  Castulonenser  oder  Cäsari  Venales16), 
die  Setabitaner17)  oder  Augustaner,  und  die  Valerienser.18) 
Unter  den  zinsbaren  sind  am  berühmtesten:  die  Alabanen- 
ser19),  Bastitaner20),  Consaburenser21),  Dianenser22),  Egele- 
staner23),  Ilorcitaner24),  Laminitaner25),  Mantesaner26)  oder 
Oritaner,  Mentesaner27)  oder  Bastuler,  Oretaner28)  oder  Ger- 
maner;  Segobriga29),  die  Hauptstadt  Celtiberiens,  Toletum30) 
am  Tago,  die  Hauptstadt  von  Carpetanien;  endlich  die 
Viatienser31)  und  Virgilienser.32) 

Zum  cluniensischen33)  Kreise  gehören  14  Völkerschaften 
der  Varduler,  von  denen  ich  nur  die  Albanenser34)  nennen 


')  Alcala  de  Henarez.  -)  Carascosa.  3)  Cisuentes.  4)  Cordona. 
5)  Mediana.  G)  Larna.  7)  Luezas.  8)  Lumberitta.  9)  S.  oben.  10)  Lubia. 
n)  Pampeluna.     12)  Sesnia. 

,3)  Der  vollständige  Name  der  Colonie  war:  Col.  Julia  Genieila 
Accitana,  jetzt  Guadix  in  Granada. 

u)  Deren  Ruinen  liegen  bei  dem  Dorfe  Laguri  unweit  Cuenca. 

15)  Cazorle. 

,6)  Weil  sie  ihr  Gebiet  an  Caesar  verkauft  hatten. 

17)  Daher  die  sudaria  Setaba.  Vergl.  die  Dedication  an  Titus 
Vespasianus;  jetzt  Xativa  in  Valencia. 

18)  Valeria  la  Viega.       ,9)  Abeloda. 

20)  Baza  in  Granada. 

21)  Consunara  in  Neu-Kastilien. 

22)  Denia.  **)  Uniesta.  2i)  Lorca.  25)  Alhambra.  26)  Betanaez. 
™)  Baeza.    2»)  Oreto.    29)  Priego.    30)  Toledo.     3l)  Bae'9a.    32)  Murcia. 

33)  Corunna. 

34)  Alvana  bei  Vittoria.  Die  Varduler  bewohnten  das  mittlere 
Guipuskoa.  die  Ostspitze  von  Alava  und  den  westlichen  Theil  von 
Navarra. 


Drittes  Buch.  235 

will.  4  der  Turmodiger  *),  unter  denen  die  Segisamonen- 
ser  2)  und  Segisamejulienser. 3)  Zu  demselben  Kreise  ge- 
hören auch  die  Carieter  und  Veunenser  4)  mit  5  Stadtge- 
meinden, unter  denen  die  Velienser.  Ferner  die  Pelendo- 
ner  5),  ein  eeltiberiseher  Stamm,  mit  4  Völkerschaften,  unter 
denen  die  Numantiner  6)  berühmt  waren;  sowie  von  den 
18  Stadtgemeinden  der  Vaccäer 7),  die  Intercatienser 8), 
Pallantiner  !1),  Lacobricenser10),  Caucenser.11)  Von  den  7  Völ- 
kerschaften der  Cantabrier  bemerken  wir  nur  die  Julobri- 
censer12),  von  den  10  Städten  der  Autrigoner13),  Tritium14) 
und  Virovesca.15)  Die  Arevacer16),  welche  ihren  Namen 
vom  Flusse  Areva17)  bekommen  haben,  besitzen  6  Städte: 
Saguntia18)  und  Uxama19),  welche  Namen  auch  andere  Orte 
irrigerweise  führen,  ferner  Segovia,  Neu-Augusta20),  Tir- 
mes21)  und  Clunia22)  an  der  Grenze  von  Celtiberien.  Die 
übrigen  hierher  gehörenden  Gemeinden,  sowie  die  bereits 


')  Auch  Murbogier  genannt,  im  nördlichen  Theil  von  Burgos. 

2)  Sasanion. 

3)  Palencia. 
A)  Viana. 

5)  Soria. 

6)  Puente  Garray. 

7)  Sie  bewohnten  den  grössten  Theil  von  Valladolid,  die  Nord- 
spitze von  Salamanca,  die  Südostspitze  von  Leon,  Südpalencia  und 
die  Hälfte  von  Toro. 

8)  Villa  nueva  de  Azuague. 

9)  Ebenfalls  zu  Palencia. 
io)  Lobera. 

»)  Coca. 

12)  Frias. 

i3)  Sie  bewohnten  zu  beiden  Seiten  des  Ebro  die  östliche  Spitze 
von  la  Montana,  die  westliche  von  Biscaya  und  Alava,  und  die 
nördlichen  Theile  von  Burgos. 

'<)  Tricio. 

lä)  Briviesca. 

16)  Sie  wohnten  von  Valladolid  bis  an  die  Quellen  des  Duero 
hinaus. 

")  Arlanzo.  18)  Siguen9a.  19)  El  Borgo  d'Osma.  »)  Muro.  «)  Tier- 
mes.    —)  Corunna  del  Conda,  ein  Dorf. 


236  Drittes  Buch. 

genannten  Vavduler  und  Cantabrier,  liegen  nach  dem 
Meere  hin. 

Hieran  grenzt  der  asturische  Kreis  mit  der  prachtvollen 
Stadt  Asturica  x)  und  22  Völkerschaften,  welche  in  die  Au- 
gustaner  und  Transmontaner  zerfallen.  Unter  ihnen  sind 
zu  erwähnen:  die  Cigurrer  2),  Päsiker  3),  Lancienser  4)  und 
Zöler. 5)  Die  Zahl  sämnitlicher  Bewohner  wird  auf  240,000 
freie  Köpfe  geschätzt. 

Der  lucensische  6)  Kreis  hat  16  Völkerschaften,  die  mit 
Ausnahme  der  Celtiker  und  Lebuner,  unbedeutend  sind  und 
barbarische  Namen  führen;  er  enthält  aber  160,000  freier 
Köpfe. 

Die  24  Gemeinden  des  beakarischen7)  Kreises  enthalten 
175,000  freie  Köpfe;  unter  ihnen  lassen  sich,  ausser  den 
Brakariern,  nur  die  Biballer,  Cölerner,  Galläker;  Hequäsen, 
Limiker,  Querquerner,  ohne  Widerwillen  nennen. 

Die  Länge  des  diesseitigen  Spaniens  beträgt,  von  den 
Pyrenäen  bis  zur  Grenzstadt  Castulo 8)  607,000  Schritte 
und  bis  an  die  Küste  noch  etwas  weiter;  die  Breite  von 
Tarraco  bis  zu  der  Küste  bei  Olarso  9)  307,000  Schritte. 
Vom  Fusse  der  Pyrenäen  an,  wo  es  zwischen  zwei  Meeren 
eingeengt,  spitzig  zuläuft,  breitet  es  sich  allmälig  aus,  und 
wo  es  mit  dem  jenseitigen  Spanien  zusammentrifft,  wird  es 
mehr  als  noch  einmal  so  breit.  An  Metallen,  namentlich 
Blei,  Eisen,  Kupfer,  Silber,  Gold  hat  fast  ganz  Spanien 
Ueberfluss;  im  diesseitigen  giebt  es  auch  Frauenglas,  in 
Bätica  Zinnober. 10)     Auch  Marmorbrüche   sind  dort.     Der 


')  Astorza. 

2)  Cigurri. 

*)  Am  Capo  de  Penas. 

4)  Sollanca.    5)  Vivero. 

*'•)  Die  Hauptstadt  hiess  Lucus  Asturum,  jetzt  Lugo  in  Gallicien. 

7)  Die  Hauptstadt  hiess  Bracaria  Augusta,  jetzt  Braga. 

8)  Cazorla. 

")  Auch  Oeaso,  Eason,  Jarsoni,  ein  Vorgebirge  zwischen  Gallien 
und  Spanien  auf  der  Nordküste,  jetzt  Sierra  de  Jasquivel.  Etwas 
tiefer  lag  auch  eine  Stadt  gleichen  Namens,  jetzt  Ojarko. 

">)  minium,  siehe  XXXIII.  B.,  36.  Cap. 


Drittes  Buch.  237 

Kaiser  Vespasianus  Augustus  verlieh,  während  der  Drang- 
sale des  Staates  *),  ganz  Spanien  das  lateinische  Bürger- 
recht. Die  Pyrenäen  trennen  Spanien  von  Gallien,  denn 
ihre  Vorgebirge  erstrecken  sich  in  zwei  verschiedene  Meere. 

5. 
Die  narbonensische  Provinz  2)  wird  derjenige  Theil 
von  Gallien  genannt,  welcher  das  mittelländische  Meer  be- 
spiihlt,  und  früher  Braccata  3)  hiess.  Sie  wird  durch  den 
Fluss  Varus  4)  und  die  der  römischen  Macht  so  heilsame 
Kette  der  Alpen  von  Italien,  sowie  auf  der  Nordseite  durch 
das  Gebenna- 5)  und  Jura-Gebirge  von  dem  übrigen  Gallien 
geschieden.  Sie  steht  am  Ertrag  der  Aecker,  Bildung  der 
Männer  und  Sitten  und  Hülfsquellen  aller  Art  keiner  Pro- 
vinz nach,  und  verdient  daher  mehr  ein  Italien,  als  eine 
Provinz  genannt  zu  werden.  An  der  Küste  liegt  das  Ge- 
biet der  Sordoner  6)  und  im  Innern  das  der  Consuaraner. 7) 
Flüsse  sind:  der  Tecum  9),  und  Vernodubrum. 9)  Städte:  Illi- 
beris10),  ein  geringer  TIeberrest  einer  ehemals  bedeutenden 
Stadt;  Ruscino11)  mit  lateinischem  Bürgerrechte.  Der  Fluss 
Atax12),  welcher  auf  den  Pyrenäen  entspringt  und  durch 
den  rubrensischen13)  See  geht;  Narbo  Martius14),  eine  Co- 
lonie  der  zehnten  Legion,  12,000  Schritte  vom  Meere.    Die 


»)  Der  Krieg  mit  .seinem  Vorgänger  Vitellius  69  n.  Chr. 

2)  V.  d.  Hauptstadt  Narbo  (Narbonne).  Sie  umfasste  d.  jetz.  Depts. 
Arriege,  Pyrenees-Orientales,  Haute- Gar onne,  Tarn,  Aude,  Herault, 
Gard,  Ardeche,  Ain,  Isere,  Drome,  Hautes- Alpes ,  Vaucluse,  Basses- 
Alpes,  Bouches  du  Rhone,   Var,  ferner  Savoyen,  Genf  und  Wallis. 

3)  Gallia  braccata  wurde  diese  Provinz  wegen  der  Beinkleider 
(Braccae)  genannt,  deren  sich  die  Einwohner  bedienten. 

4)  Var. 

5)  Die  Sevennen. 

6)  Am  Vorgebirge  der  Venus,  jetzt  die  Gegend  von  Roussillon; 
Departement  Pyrenees-Orientales. 

')  Dep.  Arriege.    8)  Tee.    9)  la  Gly.     10)  Eine. 

n)  Ein  Schloss,  eine  Meile  von  Perpignan,  la  tour  de  Roussillon. 

'-)  Aude  in  Languedoc. 

,3)  Etang  de  Sigean,  n.  And.  Etang  de  la  Rubine. 

M)  Narbonne. 


238  Drittes  Buch. 

Flüsse:  Arauris  *)  und  Liria. 2)  Städte  giebt  es  übrigens 
wegen  der  grossen  stehenden  Gewässer,  nur  wenige;  zu  be- 
merken sind  Agatha  3),  das  früher  den  Massiliensern  ge- 
hörte, die  Landschaft  der  Volcae  Tectosages  4),  und  die 
Stelle,  wo  einst  das  von  den  Rhodiern  erbaute  Rhoda 5) 
stand;  von  letzterer  hat  der  ergiebigste  Fluss  Galliens,  der 
Rhodanus6),  seinen  Namen.  Dieser  stürzt  sich  von  den 
Alpen  herab,  fliesst  durch  den  Lemanischen  See  7),  nimmt 
den  trägen  Arar  8),  und  die  ihm  an  Wildheit  gleichenden 
Ströme  Isara  9)  und  Druentia10)  auf.  Zwei  seiner  Mündun- 
gen sind  von  massiger  Breite  und  heissen  die  lybischen, 
und  von  diesen  wieder  die  eine  die  spanische,  die  andere 
die  metapinische;  die  dritte  und  weiteste  heisst  die  massa- 
liotische.  Einige  Schriftsteller  geben  an,  an  der  Mündung 
des  Rhodanus  habe  ehemals  eine  Stadt  Heraclea  gelegen. 

Jenseits  befinden  sich  die  vom  Rhodanus  ausgehenden 
Kanäle  des  C.  Marius11),  gleich  berühmt  durch  ihre  Aus- 
führung und  durch  ihren  Namen;  der  Sumpf  Mastramela12), 
die  Stadt  Maritima  Avaticorum13),  darüber  die  Steinfelder14), 
ein  Denkmal  der  Kämpfe  des  Herkules,  das  Land  der  Arna- 
tilier15),  und  im  Innern  das  der  Desuviater16)  und  Cavarer17). 
Wiederum   vom  Meere   an   liegt   das   Gebiet   der  Tricorer, 


J)  Herault.    2)  Lez.     3)  Agde. 

4)  Dep.  Arriege,  Haute-Garonne,  Aude,  Tarn  und  Herault, 

5)  Soll  das  spätere  Arelate  sein. 

6)  Rhone.    7)  Genfer  See.     8)  Saone.     9)  Isere.     10)  Durence. 

")  Im  Clmbrischen  Kriege  (102  v.  Chr.)  angelegt;  wahrscheinlich 
der  jetzige  Canal  de  navigation  d'Arles  au  port  de  Bouc. 

12)  Etang  de  Berre  ou  de  Martiguez. 

13)  Martigues. 

14)  La  Grau.  Herkules  soll  hier  mit  den  Albion  und  Geryon,  Söh- 
nen des  Neptun,  gekämpft  haben,  and  als  ihm  keine  Pfeile  mehr  zu 
Gebote  standen,  von  Jupiter  durch  einen  Steinregen  unterstützt  wor- 
den sein.    Pompon.  Mela  II.  5. 

15  Arles. 

16)  Tarascon. 

")  Zwischen  Isere  und  Durance. 


Drittes  Buch.  2391 

und  im  Innern  das  der  Tricoller  *),  Vocontier  2)  und  Sego- 
vellauner3),  dann  der  Allobroger. 4)  An  der  Küste  folgt 
die  von  den  phocäensischen  Griechen  gegründete  Bun- 
desstadt Massilia  5);  das  Vorgebirge  Zao  e),  der  Hafen  Ci- 
tharista  7),  das  Gebiet  der  Camatulliker  8j;  dann  folgen  die 
Suelterer 9)  und  weiter  oben  die  Verruciner.10)  An  der 
Küste:  Athenopolis11),  den  Massiliern  gehörig,  Forum  Julii12), 
eine  Colonie  der  achten  Legion,  auch  Pacensis  und  Classi- 
ca  genannt;  dabei  der  Fluss  Argenteus13);  das  Gebiet 
der  Axubier14)  und  Ligauner15),  dahinter  die  Suetrer16),  Ona- 
riater17)  und  Adunicater. 18)  An  der  Küste  liegt  die  Stadt 
Antipolis19)  mit  lateinischem  Bürgerrechte,  das  Gebiet  der 
Deciater20),  der  Fluss  Varus,  welcher  in  den  Alpen  auf 
dem  Berge  Cema21)  entspringt. 

Mitten  im  Lande  befinden  sich  folgende  Colonien:  Are- 
late22)  von  der  sechsten,  Beterrä23)  von  der  siebenten  und 
Arausio24)  von  der  zweiten  Legion.  Im  Gebiete  der  Ca- 
varer  liegt  Valentia25)  und  in  dem  der  Allobroger  Vienna.26) 


')  Sisteron. 

-)  Ihre  Städte  waren  Dea  (jetzt  Die)  und  Vasio  (jetzt  Vaison). 

3)  Le  Valentinois. 

4)  Zwischen  dem  Isara  und  Rhodanus. 

5)  Marseille. 

6)  Cap  de  la  Croisette. 

7)  Port  de  la  Ciotat. 

8)  Das  Gebiet  von  Toulon. 
)  Brignole. 

°)  Verignon  und  Baryol. 
*)  Grimaud  oder  Napoule. 

2)  Frejus. 

3)  Argens. 

4)  Deren  Hauptstadt  Forum  Julii  war. 

5)  Beide  im  südöstlichen  Theile  des  Dep.  Var. 

6)  Scillaus  im  Dep.  Basses-Alpes. 

7)  Denez  im  Dep.  Hautes-Alpes. 

B)  Im  Dep.  Basses-Alpes.     ,9)  Antibes. 
w)  Im  nordöstlichen  Theile  des  Dep.  Var. 

2»)  Cemelione.    22)  Arles.     23)  Bessiers.    **)  Orange.    25)  Valence. 
26)  Vienne. 


240  Drittes  Buch. 

Städte  von  lateinischem  Bürgerrechte  sind:  Aqua  Sextiä  l) 
der  Salmvier,  Avenio  2)  der  Cavarer,  Apta  Julia  3)  der  Vul- 
gientier,  Alebaca  4)  der  apollinarischen  Rejer,  Alba5)  der 
Helver,  Augusta 6)  der  Tricastiner,  Anatilia7),  Aeria  8), 
die  Bormanner  9),  Comacina,  Cabellio  10),  Carcasum  der  Vol- 
cischen  Tectosagen11),  Cessero,  Carpentoracte12)  der  Me- 
miner;  die  Cenicenser13),  Cambolectrer14),  welche  auch 
Atlantiker  genannt  werden,  Forum  Voconii15),  Glanum 
Livii16),  die  Lutevaner 17),  welche  auch  ForoDeronienser 
heissen;  Nemausum18)  der  Arecomiker,  Piscenä1-'),  Ruteni20), 
die  Samnagenser21),  die  zu  den  Tectosagen  gehörenden  To- 
losaner22),  welche  an  Aquitanien  grenzen;  die  Tasconer23), 
Tarusconienser24),  Umbrauiker25),  zwei  Hauptstädte  des  mit 
Rom  verbündeten  Staats  der  Vocontier,  Vasio26)  und  Lu- 
cus  Augusti.27)  Ausserdem  giebt  es  noch  19  unwichtige, 
sowie  24  den  Nemausiensern  gehörige  Städte.  Der  Kaiser 
Galba28)  hat  noch  von  den  Alpenbewolmern  die  Avantiker29) 
und  Bodiontiker,  deren  Stadt  Dinia30)  heisst,  in  das  Ver- 
zeichniss  eintragen  lassen.  Die  Länge  der  narbonensischen 
Provinz  giebt  M.  Agrippa  zu  370,000,  und  die  Breite  zu 
248,000  Schritten  an. 

6. 
Von  hier  kommen  wir  nach  Italien,  und  zwar  zuerst 
nach  Ligurien;  dann  folgt  Etrurien,  Umbrien,  Latium,  wo 
die  Mündungen  der  Tiber  sind,  und  Rom,  die  Hauptstadt 
der  Erde,  16,000  Schritte  vom  Meere  entfernt.  Darauf:  die 
Küste  der  Volscer  und  Campaniens,  der  Picentiner,  Lucaner 
und  Bruter,  wohin  sich  Italien  von  den  mondförmigen  Ge- 


')  Aix.  2)  Avignon.  3)  Apt.  4)  Riez  in  der  Provence.  5)  Alps, 
Dorf  am  Scontay.  6)  St.  Paul  de  trois  chateaux,  nach  Andern  Aouste. 
7)  Atais.  8)  Mont  Ventoux.  9)  Um  Bormes.  t0)  Cavaillon.  »')  Car- 
cassonne.  I2)  Cai-pentras.  13)  Am  Flusse  Ai-c.  u)  Cambo-Haut  und 
Cambo-Bas  de  Clarence.  15)  Le  Canet.  I6)  St.  Remy.  ,7)  Lodeve. 
,8)  Nismes.  ,9)  Pezenas.  20)  Rhodez.  •il)  Senez.  «^  Toulouse.  23)  Mon- 
tauban.     24)  Tarascon  an  der  Rhone.    25)  Lombes.    26)  Vaison. 

51 )  Luc  in  der  Dauphine.  28)  Regierte  kaum  ein  Jahr  und  ward 
69  n.  Chr.  ermordet.    29)  Avancon.     30)  Digne. 


Drittes  Buch.  241 

birgsriicken  der  Alpen  an  am  weitesten  nach  Mittag  ins 
Meer  erstreckt.  Auf  diese  folgt  die  Küste  von  Gross-Grie- 
chenland, dann  die  Küste  der  Salentiner,  Pediculer,  Apuler, 
Peligner,  Frentaner,  Marruciner,  Vestiner,  Sabiner,  Picenter, 
Galler,  Umbrer,  Etrusker,  Veneter,  Carner,  Japider,  Istrier 
und  Liburner. l) 

Ich  weiss  wohl,  dass  man  es  leicht  für  ein  Zeichen 
eines  undankbaren  und  trägen  Geistes  halten  könne, 
wenn  ich  nur  kurz  und  wie  bisher  im  Vorbeigehen  von 
einem  Lande  spräche,  das  die  Ernährerin  und  Beherrscherin 
aller  übrigen  ist,  das  von  den  Göttern  ausersehen,  selbst 
den  Himmel  berühmter  zu  machen  2),  zerstreuete  Reiche  zu 
vereinigen,  Sitten  zu  mildern,  die  verschiedenen  rauhen 
Zungen  so  vieler  Völker  durch  seine  Sprache  zu  verbinden, 
Geselligkeit  und  Humanität  unter  den  Menschen  zu  ver- 
breiten, kurz,  das  einzige  Vaterland  aller  Völker  der  Erde 
zu  werden.  Aber  wie  soll  ich  es  anfangen,  da  der  Ruhm 
aller  Orte,  auf  welche  man  trifft,  und  der  Glanz  aller  ein- 
zelnen Gegenstände  und  Völker  so  gross  ist?  Schon  die 
Stadt  Rom  allein,  dieses  würdige  Antlitz  auf  so  prächtigem 
Haupte,  in  welcher  Weise  soll  man  sie  schildern?  Wie  soll  man 
Campaniens  Küste,  jene  glückselige  und  anmuthige  Gegend, 
preisen,  um  Jedem  klar  zu  machen,  sie  sei  ein  Werk,  das 
die  Natur  nur  zu  ihrer  Freude  geschaffen  hat?  Welch  eine 
belebende  und  heilsame  Temperatur  ist  dort,  welche  frucht- 
baren Gefilde,  sonnigen  Hügel,  sanften  Abhänge,  schattigen 
Haine  und  herrlichen  Waldungen!  wie  wohlthuend  die  Berg- 
luft, wie  gross  die  Ergiebigkeit  an  Feldfrüchten,  Wein  und 
Oel!  welche  edle  Wolle,  welche  fetten  Stiere  werden  da 
erzeugt!  wie  viele  Seen,  Flüsse  und  Quellen  bewässern 
und  durchströmen  das  Land!  wie  viele  Meere  und  Häfen 
stehen  dort,  gleich  wie  der  Schooss  der  Erde,  allenthalben 
dem  Handel  offen,  indem  es,  gleichsam  zum  Nutzen  der 
Menschen,   sich   tief  ins  Meer  hinein  erstreckt!     Ich  will 


')  Das  Nähere  darüber  folgt  weiter  unten. 

-)  Durch  die  unter  die  Götter  versetzten  Kaiser. 

16 


242  Drittes  Buch. 

hier  nicht  einmal  die  geistigen  Fähigkeiten,  die  Sitten,  die 
Menschen,  noch  die  durch  Wort  und  That  von  ihm  über- 
wundenen Völker  erwähnen.  Selbst  die  Griechen,  dieses 
im  Selbstlobe  unerschöpfliche  Volk,  haben  ihr  Urtheil  dar- 
über ausgesprochen,  und  wie  gross  ist  denn  der  Theil  von 
Italien,  den  sie  Grossgriechenland  nennen?  Wir  müssen 
daher  denselben  Grundsatz,  den  wir  bei  der  Betrachtung 
des  Himmels  befolgten,  auch  hier  anwenden,  und  sowie 
dort  nur  einige  Gestirne,  hier  nur  einige  Merkmale  anfüh- 
ren. Die  Leser  aber  bitte  ich  zu  bedenken,  dass  wir,  um 
alle  einzelnen  Gegenstände  der  Erde  berühren  zu  können, 
uns  beeilen  müssen. 

Italiens  Gestalt  hat  grosse  Aehnlichkeit  mit  einem 
Eichenblatt,  denn  es  ist  viel  länger  als  breit;  auf  der  linken 
Seite  macht  es  eine  hervorspringende  Biegung x),  und  endigt 
dann  in  der  Form  eines  Amazonenschildes 2),  indem  es  von 
dem  mittlem  Vorsprunge  aus,  welcher  Cocinthus3)  heisst, 
zwei  mondförmige  Busen  bildet  und  zwei  Spitzen,  deren 
rechte  Leucopetra 4),  deren  linke  aber  Lacinium  5)  heisst, 
hervorstreckt.  Von  der  Grenze  der  Alpen,  bei  Prätoria  Au- 
gusta6)  an,  über  Rom  und  Capua  bis  Rhegium7),  wel- 
ches gleichsam  auf  der  Schulter  von  Italien  ruht,  und 
von  wo  dann  die  Biegung  des  Nackens  beginnt,  beträgt 
1,020,000  Schritte.  Viel  grösser  würde  diess  Maass  seinr 
wenn  man  Lacinium  als  äussersten  Punkt  annähme,  allein 
die  Richtung  dieser  Linie  wird  zu  schief  und  scheint  zu 
sehr  in  die  Breite  auszuweichen.  Die  Breite  Italiens  ist 
verschieden;  sie  beträgt  zwischen  dem  untern8)  und  obern9) 
Meere  und  den  Flüssen  Varus10)  und  Arsia11)  410,000 
Schritte.  In  der  Mitte  des  Landes,  etwa  da  wo  Rom  liegt, 
misst  die  Breite  von  der  Mündung  des  Flusses  Aternus12), 
der  sich  in  das  adriatische  Meer  ergiesst,  bis  zum  Ausfluss 
des  Tiber  136,000  Schritte,  und  etwas  weniger  von  Castrum 


*)  Provinz  Otranto.  2)  Dem  Halbmonde  ähnlich.  3)  Capo  di 
Stilo.  4)  Capo  deir  Armi.  B)  Capo  della  Colonne.  6)  Aosta.  7)  Reggio. 
8)  Tyrrhenischen.     9)  Adriatischen.     10)  Var.     ")  Arsa.    I2)  Pescara. 


Drittes  Buch.  243 

novum *)  am  adriatischen  Meere  an  bis  nach  Alsium 2)  am 
tuscischen  Meere,  und  von  da  überschreitet  sie  nirgends 
300,000  Schritte.  Der  Umfang  des  ganzen  Landes  vom 
Varus  bis  zum  Arsia  beträgt  3,059,000  Schritte. 

Unter  den  umliegenden  Ländern  ist  Italien  von  Istrien 
und  Liburnien  an  einigen  Punkten  100,000,  von  Epirus  und 
Illyricum  50,000,  von  Afrika,  nach  M.  Varro,  etwas  weniger 
als  200,000,  von  Sardinien  120,000,  von  Sicilien  1500,  von 
Corsika  fast  30,000,  von  Issa 8)  50,000  Schritte  entfernt.  Es 
zieht  sich  zwar,  rücksichtlich  der  Himmelsgegend  gegen 
Mittag  durch  das  Meer  hin,  allein  bei  genauerer  Unter- 
suchung ergiebt  sich,  dass  es  zwischen  der  sechsten  und 
ersten  Wintersolstitialstunde  liegt.4)  Nun  wollen  wir  seinen 
Umfang  und  seine  Städte  aufführen,  müssen  aber  zum  vor- 
aus erinnern,  dass  wir  dabei  dem  göttlichen  Augustus  und 
seiner  Eintheilung  von  ganz  Italien  in  11  Bezirke  folgen 
werden,  jedoch  in  der  Ordnung,  wie  sie  die  Lage  der 
Küsten  darbietet.  Wir  können  aber  bei  unserer  so  eiligen 
Behandlung  nicht  berücksichtigen,  wie  sich  die  Städte  an- 
einander reihen,  müssen  daher  im  Innern  des  Landes  Au- 
gustus' alphabetische  Eintheilung  festhalten,  und  die  Colo- 
nien,  welche  er  bei  dieser  Aufzählung  namhaft  macht,  gleich- 
falls mit  anführen.  Auch  lässt  sich  ihre  Lage  und  ihr  Ur- 
sprung nicht  leicht  angeben;  denn  nur  allein  den  ingonu- 
nischen  Liguriern5),  der  andern  gar  nicht  zu  gedenken, 
wurden  dreissigmal  neue  Ländereien  angewiesen. 

7.     ' 

Vom  Flusse  Varus  an  folgen  also:  die  von  den  Mas- 
siliern  erbaute  Stadt  Nicäa6),  der  Fluss  Paulo7),  die  Alpen  mit 
ihren  Bewohnern,  welche  viele  Namen  führen,  grösstentheils 
aber  Capillater8)  heissen,  die  zum  Gebiete  der  Vediantiner 
gehörige  Stadt  Cemelion9),  der  Hafen  des  Herkules  Monö- 


')  Giulia  Nova.    2)  Palo.    3)  Lissa,     ')  D.  h.   zwischen  Süd  und 
Südost.     5)  Um  Albenga.    c)  Nizza.    7)  Poglion. 

8)  Mit  langem  über  die  Schultern  fallendem  Haupthaar. 

9)  Cimiez. 

16* 


244  Drittes  Buch. 

cus1),  die  ligustische2)  Küste.    Unter  den  Liguriern,  welche 

jenseit  der  Alpen  wohnen,  sind  am  berühmtesten:  die  Sal- 

tuvier,  Deciater,  Oxubier;  diesseits  der  Alpen:  die  Venener3), 

die    von    den  Caturigern  abstammenden  Vagienner 4),    die 

Statieller5),  die  Vibeller6),  Mageller,  Euburiater,  Casmona- 

ter,   Veliater  und  andere,   deren  Städte  bei   der  zunächst 

liegenden  Küste  genannt  werden  sollen.   Der  Fluss  Retuba7), 

die   Stadt  Albium  Intemelium  8),   der  Fluss  Merula9),   die 

Stadt  Albium  Ingaunum10),  der  Hafen  Vadum  Sabatium11), 

der  Fluss  Porcifera12),  die  Stadt  Genua,  der  Fluss  Feritor13), 

der  Hafen  Delphini14),  Tigullia15),  im  Innern  des  Landes: 

Segesta  Tigulliorum  16),  der  Fluss  Macra 17),  die  Grenze  von 

Ligurien.    Im  Rücken  aller  dieser  genannten  Städte  liegt 

der  Apenninus,  das  grösste  Gebirge  Italiens,  welches  sich 

von  den  Alpen  ununterbrochen  bis  zur  Meerenge  von  Sici- 

lien   hinzieht.     Auf  der   andern  Seite   desselben   bis   zum 

Padus 18),  dem  wichtigsten  Strome  Italiens,  prangen  überall 

die  herrlichsten  Städte:   Libarna19),  die  Coloniestadt  Der- 

lona20),  Jria21),  Barderate 22),  Industria 23),  Pollentia24),  Car- 

rea 25)  oder  Potentia,  Forofulvi  oder  Valentinum  2,;),  Augusta 

Vagiennorum 27),  Alba  Pompeja 28),  Asta 29),  Aquis  Statiello- 

rum. 30)     Diess  ist  nach  August's  Eintheilung  der  neunte 

Bezirk.     Die   ligurische  Küste  dehnt    sich   zwischen    den 

Flüssen  Varus  und  Macra  211,000  Schritte  lang  aus. 

8. 
An  diesen  Bezirk  grenzt  der  siebente,  welcher  Etru- 
rien  umfasst  und  vom  Flusse  Macra  anfängt.  Er  hat  oft 
seinen  Namen  gewechselt.  Vor  langer  Zeit  wurden  daraus 
die  Umbrer  von  den  Pelasgern  vertrieben,  diese  aber  wie- 
derum von   den  Lydiern,  welche  nach  ihrem   Könige  den 


*)  Monaco.  2)  Genuesiche.  3)  Um  Vinadio.  "')  Im  westl.  Theile 
der  Provinz  Saluzzo.  5)  In  der  Provinz  Acqui.  B)  In  d.  Prov.  Biella. 
7)  Roya.  8)  "Vintimiglia.  9)  Arocia.  ,0)  Albenga.  »)  Vado.  ,2)  Pol- 
covera.  ,3)  Bisagno.  ,4)  Porto  Fino.  ,5)  Trigoso.  16)  Sestri  di  Le- 
vante. ")  Magra.  18)  Po.  19)  Monte  Chiaro.  20)  Tortona.  S1)  Vog- 
hiera.  --)  Barde.  23)  Verrua.  **)  Polenza.  -5)  Carro.  26)  Valenza. 
27)  Vasco.    28)  Alba,     29)  Asti.    *»)  Acqui. 


Drittes  Buch.  245 

Namen  Tyrrhener,  und  bald  nachher  von  ihren  heiligen 
Opfergebräuchen  den  griechischen  Namen  Thuscer  *)  erhiel- 
ten. Die  erste  Stadt  Etruriens  ist  Luna2),  berühmt  durch 
ihren  Hafen;  die  Colonie  Luca3)  etwas  vom  Meere  entfernt; 
die  näher  daran  liegende  Colonie  Pisae,  zwischen  den  Flüs- 
sen Auser4)  und  Arnus5),  welche  von  Pelops  und  den  Pi- 
sern 6)  oder  von  den  Teutanen 7),  einem  griechischen  Volke, 
angelegt  ist.  Dann  folgt:  Vada  Volaterrana8),  der  Fluss 
Cecinna 9),  Populonium  10),  einst  die  einzige  Stadt  der  Etrus- 
ker  an  dieser  Küste.  Der  Fluss  Prille  n),  nicht  weit  da- 
von der  schiffbare  Umbro  12),  und  der  nach  ihm  benannte 
Landstrich  Umbrien,  der  Hafen  Telamon  18),  Cossa  Volcien- 
tiurn14),  von  den  Römern  angelegt,  Graviscä15),  Castrum  no- 
vum16),  Pyrgi17);  der  Fluss  Cäretanus18)  und  die  Stadt 
Cäre 19),  4000  Schritte  weit  im  Lande  und  von  ihren  Grün- 
dern, den  Pelasgern,  Agylla  genannt;  Alsium20),  Fregenä21), 
der  Tiber  284,000  Schritte  vom  Macra  entfernt.  Im  Innern 
des  Landes  liegen  die  Colonien:  Faliska22),  nach  Cato  von 
den  Argivern  angelegt,  mit  dem  Beinamen  die  etrurische, 
Lucus  Feroniä23),  Rusellana24),  Senensis25),  Sutrina.26)  Ausser- 
dem noch  die  Aretini  veteres27),  A.  Fidentes28),  A.  Julien- 
ses29),  Amitinenser,  taurinischen  Aquenser30),  Boleraner 31), 
Cortonenser32),  Capenater33),  die  alten  und  neuen  Clusiner34), 
die  Fluentiner 35)  am  Arnus,  Fesulä36),  Ferentini 37),  Fescen- 


')  Ovoxrj  Opfergefäss. 

2)  Die  Ruinen  dieser  Stadt  liegen  am  Macra;  die  Gegend  führt 
den  Namen  il  Lunegiano. 

3)  Lucca.    4)  Serchio.    5)  Arno.    G)  Bürger  der  Stadt  Pisa  in  Elis. 

7)  Ein  griechischer  Stamm,  der  in  der  Gegend  von  Sicyon  im 
Peloponnes  wohnte. 

8)  Vadi  im  Pisanischen. 

9)  Cecina.  10)  Piombino.  u)  Briunna.  yi)  Ombrone.  ,3)  Tala- 
mona.  u)  Ruinen  bei  Orbitello.  ,5)  Nördlich  von  Civita  vecchia.  ,6)  St 
Marinello.  ")  St.  Severa.  I8)  Vaccina.  ,9j  Cerveteri.  *>)  Palo.  21)  Torre. 
Macarese,  22)  Falari.  23)  SerofanO.  24)  Rosello.  25)  Siena.  26)  Sutri. 
27)  Giovi.  28)  Castiglione  d'Aretino.  29)  Arezzo.  *)  Bagni  di  Vica- 
rello.  31)  Bieda.  32j  Cortona.  33)  Morluppo.  3i)  Chiusi.  35j  Florenz. 
3f>)  Fiesole.    37)  Zwischen  Viterbo  und  Montefiascone. 


246  Drittes  Buch. 

nia1),  Hortanum2),  Herbarium3),  Nepeta4),  Novem  Pagi5), 
die  claudische  Präfectur  Foroclodium6),  Pistorium7),  Peru- 
*sia8),  die  Suanenser9),  Saturniner  10j  früher  Aurininer  ge- 
nannt, Subertaner  n),  Statoner,  Tarquinienser 12),  Tuscanien- 
ser13),  Vetulanienser 14),  Vejentaner 15),  Vesentiner le),  Vola- 
terraner17),  etruscischen  Volcentiner 18)  und  die  Volsinien- 
ser. 19)  In  diesem  Bezirke  haben  einige  Strecken  den  Na- 
men der  vormals  daselbst  befindlichen  Städte  behalten,  so 
das  Crustuminiscbe  und  das  Caletranische  Gebiet. 

9. 
Der  Tiberis  sonst  Tybris,  und  noch  früher  Albula 
genannt,  entspringt  ungefähr  in  der  Mitte  des  Apenninus 
an  der  Grenze  der  Aretiner.  Anfangs  ist  er  unbedeutend, 
und  kann  nur,  gleichwie  die  in  ihn  mündenden  Flüsse  Tinia 
und  Glanis20),  dadurch  schiffbar  gemacht  werden,  dass  man 
sein  Wasser  in  Teichen  sammelt  und  dann  wieder  auslässt, 
zu  welchem  Einsammeln,  wenn  nicht  Regengüsse  kommen, 
neun  Tage  erforderlich  sind.  Allein  kann  der  Tiber  wegen 
seines  unebenen  und  felsigen  Bettes  nur  mit  Flössen  oder 
richtiger  gesagt,  nur  mit  einzelnen  Balken  befahren  werden. 
Er  durchfliesst  in  grossen  Umwegen  eine  Strecke  von  150,000 
Schritten  bei  Tifernum 21),  Perusia  22),  und  Ocriculum 23)  vor- 
bei und  trennt  Etrurien  von  den  Umbriern  und  Sabinern. 
Dann  scheidet  er  nicht  ganz  16,000  Schritte  oberhalb  Rom 
das  vejentinische  Gebiet  von  den  crustuminischen  und  da- 
rauf das  fidenatische  und  lateinische  vom  vaticanischen. 
Aber  unterhalb  des  aretinischen  Glanis  nimmt  er  42  Flüsse 
auf,  worunter  der  Nar24)  und  Anien25),  die  bedeutendsten 
sind;  der  letztere  ist  selbst  schiffbar  und  schliesst  Latium 
von  hinten  ein.     Da  er  nun  durch  die  vielen   in  die  Stadt 


')  Galese.  '-)  Orta.  3)  Viterbo.  4)  Nepi.  5)  Bracciano.  6)  Orio- 
lo.  7)  Pistqja.  8)  Perugia.  9)  Soano.  10)  Sitergua.  ")  Sovretto. 
,2)  Deren  Ruinen  b.  Dorfe  Tarquinia  im  ehem.  Kirchenstaate.  u)  Tos- 
conella.  I4)  Vetuüa.  I5)  Valentano.  16)  Bisontia.  ,7)  Volterra. 
18)  Grosseto.  19)  Bolsena.  20)  Timia  und  Chiana;  letzterer  scheidet 
Etrurien  vom  Kirchenstaate.  21)  Tifi.  *•)  Perugia.  M)  Ostricolo.  '-4)  Nera. 
-6)  Teverone. 


Drittes  Buch.  247 

Rom  selbst  geleiteten  Gewässer  und  Quellen  keinen  ge- 
ringern Zufluss  erhält,  so  wird  er  fähig  jedes  grosse  Schiff 
aus  dem  Italischen  Meere  zu  tragen  und  wie  ein  emsiger 
Kaufmann  alle  Erzeugnisse  der  Erde  herbeizuschaffen. 
Seine  Ufer  sind  mehr  bewohnt  und  mit  Landhäusern  be- 
setzt, als  die  der  übrigen  Flüsse  aller  Länder.  Keinem 
andern  Flusse  wird  weniger  Freiheit  gestattet,  denn  er  ist 
von  beiden  Seiten  eingedämmt;  und  obgleich  er  oft  und 
plötzlich  anschwillt,  und  nirgends  mehr  als  in  Rom  austritt1), 
so  tobt  er  doch  nicht.  Ja,  man  kann  ihn  eher  als  einen 
Propheten  und  Warner  betrachten,  da  er  durch  sein  An- 
wachsen mehr  der  Religion  aushilft2)  als  Zerstörungen  an- 
richtet. 

Das  alte  Latium  hat  seine  Grenzen  behalten ;  es  reicht 
von  dem  Tiber  bis  nach  Circeji 3)  und  ist  50,000  Schritte 
lang.  So  schwach  war  anfangs  die  Macht  des  römischen 
Reiches.  Die  Besitzer  des  Landes  haben  oft  gewechselt 
und  zu  verschiedenen  Zeiten  wohnten  darin  die  Aboriginer4), 
Pelasger  5),  Arcadier6),  Siculer7),  Aurunker8),  Rutuler9); 
jenseits  Circeji  wohnten  die  Volscer10),  Oscer11),  Ausoner12), 

')  189  v.  Chr.  wurden  das  Marsfeld  und  die  untern  Theile  der 
Stadt  zwölfmal  von  dem  Tiber  überschwemmt. 

2)  Man  betrachtete  das  Anschwellen  des  Tiber  als  eine  Mah- 
nung, den  erzürnten  Göttern  Sühnopfer  zu  bringen.  Siehe  Horat. 
Oden.  I.  2. 

3)  Eine  der  ältesten  Städte  Italiens,  stand  auf  dem  Monte  Cir- 
cello  an  der  Küste  von  Latium;  jetzt  St,  Felicita,  ein  Dorf. 

*)  Ein  allgemeiner  Name  der  ursprünglichen  Bewohner  von  Italien, 
im  Gegensatz  der  späteren  Einwandrer. 

5)  Sie  kamen  aus  Griechenland  nach  Italien,  unter  Oenotrius  uud 
Peucetius  ums  J.  1570  v.  Chr. 

6)  Auch  ein  griechischer  Stamm. 

7)  Wurden  später  nach  Sicilien  gedrängt  und  gaben  der  Insel  ihren 
Namen. 

8)  Ursprünglich  in  Campanien,  wurden  von  dem  Pelasgern  nach 
Latium  getrieben. 

9)  In  der  Gegend  von  Ardia. 

,0)  Am  Garigliano.  »)  In  Samnium  und  Campanien.  ,2)  In  Cam- 
panien. 


248  Drittes  Buch. 

wesshalb  sich  der  Name  Latium  bis  an  den  Fluss  Liris1) 
erstreckte.  An  der  Grenze  liegt  Ostia,  eine  von  einem  rö- 
mischen Könige 2)  gegründete  Colonie;  dann  kommt  die 
Stadt  Laurentum3),  der  Hain  des  Jupiter  Indiges4),  der 
Fluss  Numicius  5),  Ardea,  welches  von  Danae,  der  Mutter 
des  Perseus  erbaut  ist.  Ferner:  das  ehemalige  Aphrodi- 
sium  6),  die  Colonie  Antium  7),  der  Fluss  und  die  Insel  Astura, 
der  Fluss  Nymphäus 8),  Clostra  romana 9).  Circeji  war 
nach  Homer10)  ehemals  eine  von  einem  unermesslichen  Meere 
umgebene  Insel,  liegt  aber  jetzt  in  einer  Ebene11).  Hier- 
über können  wir  aus  altern  Angaben  noch  etwas  sehr  Merk- 
würdiges mittheilen.  Theophrastus  nämlich,  der  erste  unter 
den  Ausländern,  welcher  über  die  Römer  schrieb,  (denn 
Theopompus,  vor  welchem  Niemand  ihrer  erwähnte,  sagt 
bloss,  dass  Rom  von  den  Galliern  eingenommen  sei,  und 
Clitarchus12)  zunächst  nach  ihm  nur,  dass  sie  eine  Gesandt- 
schaft zu  Alexander  geschickt  habe)  giebt  in  dem  Buche13), 
welches  er  im  Jahre  440  unserer  Stadt  (314  v.  Chr.)  dem 
Nicodorus,  einer  atheniensischen  Magistratsperson,  widmete, 
mit  mehr  Sicherheit  als  ein  blosses  Gerücht  darbietet,  die 
Grösse  der  Insel  Circeji  zu  80  Stadien  an.  Alles  Land 
also,  was  sich  über  diese  fast  10,000  Schritte  Umfang  hal- 
tende Insel  ansetzte,  hat  sich  nachher  mit  Italien  vereinigt. 
Eine  andere  Merkwürdigkeit  ist  folgende:  Bei   Circeji 


')  Garigliano. 

2)  Ancus  Martius,  der  vierte  König  von  Rom,  regierte  638—618 
v.  Chr. 

3)  Torre  Vajanico. 

4)  Aeneas.  Dii  indigetes  waren  die  vergötterten  Vorfahren,  die 
als  Schutzheilige  des  Landes  verehrt  wurden. 

5)  Wahrscheinlich  der  Rivo  di  Nemi.  In  ihm  kam  Aeneas  im 
Kampfe  mit  den  Rutulern  ums  Leben.  Daher  wurde  ihm  der  eben 
erwähnte  Hain  am  Ufer  dieses  Flusses  geweihet. 

6)  Ein  Tempel  der  Venus.  7)  Antio.  8)  la  Nympa.  9)  Torre  di 
Fogliano.     ,0)   Odyssee  X.  194     ")  Siehe   oben. 

12)  Aus  Aeolis,  begleitete  Alexander  den  grossen  auf  seinen  Feld- 
zügen und  beschrieb  dessen  Thaten. 

13)  Historia  plant.  V.  B.,  9  C. 


Drittes  Buch.  249 

befindet  sich  der  pontinische  Sumpf,  an  dessen  Stelle1)  nach 
Mucianus  der  drei  mal  Consul  war,  einst  33  Städte  gestan- 
den haben.  Nun  folgt  der  Fluss  Ufens2),  dahinter  die  Stadt 
Terracina,  in  der  Sprache  der  Volscer  Anxur  genannt;  hier 
lag  auch  Amyclä3),  welches  von  Schlangen  verödet  wurde. 
Dann:  die  Stelle  einer  Höhle,  der  See  Fundanus4),  der 
Hafen  Cateja5),  die  Stadt  Formiä6),  früher  Hormiä  genannt, 
und,  wie  man  glaubt,  der  alte  Sitz  der  Lästrygoner.7)  Weiter 
die  ehemalige  Stadt  Pyrä,  die  Colonie  Minturnä8),  durch 
welche  der  Fluss  Liris,  auch  Glanis  genannt,  fliesst;  die 
Stadt  Sinuessa9)  am  äussersten  Punkte  des  neuen  Latii, 
die  früher  Sinope  geheissen  haben  soll. 

Nun  folgt  das  glückliche  Campanien.  An  diesem  Busen 
erheben  sich  die  rebentragenden  Hügel,  hier  beginnt  durch 
den  in  allen  Ländern  berühmten  Saft  die  edle  Trunkenheit, 
und,  wie  die  Alten  sagten,  der  mächtigste  Streit  des  Vaters 
Liber  mit  der  Ceres.  Von  hier  breiten  sich  die  setinischen10) 
und  cäcubischen11)  Aecker  aus,  an  sie  schliessen  sich  die 
falernischen 12)  und  calenischen13),  dann  erheben  sich  die 
massischen14),  gauranischen15)  und  surrentinischen 16)  Berge. 
Hier  liegen  die  labormischen17)  Felder,  welche  zum  Genüsse 
der  Graupen  gemähet  werden18).  Diese  Küsten  sind  reich 
an  warmen  Quellen,  und  das  Meer  liefert  zu  den  übrigen 
Erzeugnissen  vortreffliche  Muscheln   und  Fische.    Nirgends 


')  Mit  dem  Worte  locus  bezeichnet  PI.  in  der  Regel  einen  wüsten 
Ort,  wo  ehemals  eine  Stadt  stand. 

2)  Utfente. 

3)  Oder  Amuclä,  früher  Hauptstadt  der  Ausonier,  war  anfänglich 
eine  griechische  Colonie.  Sie  lag  am  Meere  bei  der  heutigen  Stadt 
Gaeta. 

4)  Lago  di  Fondi.  5)  Gaeta.  c)  Mola.  7)  Ein  wildes  Volk  an 
der  Küste  von  Italien  oder  Sicilien.    Vgl.  Homers  Odyssee  X.  B.  82.  V. 

8)  Von  ihr  sind  noch  prachtvolle  Ruinen  bei  Scaftä  am  Liris, 
(Garigliano)  vorhanden. 

9)  Ihre  Ruinen  sind  in  der  Nähe  von  Rocca  del  Mondragone. 

10)  Sezza.  n)  Castro  vetere.  ,2)  Von  Ceppano  bis  Alil'e.  ,3)  Bei 
Calvi.  ")  Massico.  ,5)  Gauro.  16)  Sorrento.  «)  Lavoro.  18)  XVIII  B., 
29  Cap. 


250  Drittes  Buch 

findet  man  besseres  Oel.  Auch  diesen  Tummelplatz  mensch- 
licher Wollust  besassen  die  Oscer,  Griechen,  Umbrier,  Thus- 
cer,  und  Campaner. 

An  der  Küste  ist  der  Fluss  Savo  I),  die  Stadt  und  der 
Fluss  Vulturnum  2),  Liternum  3),  Cumä  4)  der  Chalcidenser  5), 
Misenum  6),  der  Hafen  Bajä  "),  Bauli 8)  der  See  Lucrinus  9) 
und  Averaus10),  dabei  die  vormalige  Stadt  Cimmerinum11). 
Dann  folgt:  Puteoli12),  die  dicäarchische  Coionie  genannt; 
die  phlegräischen  Gefilde13),  der  Sumpf  Acherusia14)  in  der 
Nähe  von  Cumä.  An  der  Küste  liegt  das  ebenfalls  von  den 
Chalcidensern  gegründete  Neapolis,  von  dem  daselbst  be- 
findlichen Grabe  einer  Sirene  Parthenope  benannt,  Hercu- 
lanum,  Pompeji,  unweit  des  Vesuvs  am  Flusse  Sarnus15); 
das  nucerinische  Gebiet,  und  9000  Schritte  vom  Meere  Nu- 
ceria16)  selbst;  Surrentum17)  mit  dem  Vorgebirge  der  Mi- 
nerva18), der  frühere  Sitz  der  Sirenen19).  Der  Weg  von 
Circeji  bis  hierher  beträgt  zu  Wasser  78,000  Schritte.  Dieser 
ganze  Landstrich  von  dem  Tiber  an,  bildet  nach  Augustus 
Eintheilung  den  ersten  Bezirk  Italiens. 

Im  Innern  des  Landes  liegen  folgende  Colonien:  Ca- 
pua,  von  dem  Worte  Campus20)  so  genannt,  Aquinum21), 
Suessa22),    Venafrum 23),   Sora,   Teanum    der    Sidiciner  24), 


l)  Saona.     2)  Voltorno. 

3)  Torre  di  Patria.      4)  Bei  Baja. 

5)  Von  Chalcis  auf  Euböa. 

6)  Capo  di  Miseno.     7)  Castel  di  Baja.    8)  Bacolo. 

9)  Wurde  im  Jahre  1638  durch  ein  Erdbeben  in  einen  stinkenden 
Sumpf  verwandelt. 

10)  Averno.     n)  Vergleiche  Homers  Odyssee,  XL  B.,  1.  4.  V. 
12)  Puzzuolo. 

,3)  Campo  Quarto;  hier  fiel  der  Kampf  der  Giganten  mit  den 
Göttern  vor. 

")  Fusaro.  15)  Sarno.  16)  Nocera.  n)  Sorrento.  ,8)  Capo  della  cam- 
panella.     ,9)  Homers  Odyssee  XIV.  B.,  44.  V. 

'-20)  Nach  Andern  hatte  es  seinen  Namen  von  Capys,  dem  Gründer 
dieser  Stadt.    Jetzt  S.  Maria  Maggiore.    M)  Aquino. 

22)  Zum  Unterschiede  vom  volscischen  Suessa  Pometia.  Suessa 
Aurunca  genannt;  jetzt  Sessa.    23)  Venafro. 

24)  Teano.     Ein  anderes  Teanum  lag  in  Apulien. 


Drittes  Buch.  251 

Nola.  Städte:  Abellinum  *),  Aricia  2),  Alba  longa  3),  die  Acer- 
raner  4),  Allifaner  5),  Atinater,  Aletrinater  6),  Anagniner  7), 
Atellaner  8),  Affilaner  9),  Arpinater10),  Auxiinater,  Avella- 
ner11),  Alfaterner;  ferner  die  von  dem  lateinischen,  herni- 
cischen  und  labikanischen  Gebiete  benannten  Völker;  Bo- 
villa12),  Calatiä13),  Casinum14),  Calenum15),  Capitulum  her- 
nicum16),  die  Cereatiner  oder  Marianer,  die  vom  Trojaner 
Dardanus  abstammenden  Coraner17),  die  Cubulteriner18), 
Castrimonienser19),  Cingulaner20),  Fabienser  auf  dem  Berge 
Albanus,  die  Foropopulienser21)  im  falernischen  Gebiete, 
die  Frusinater22),  Ferentinater,  Freginater,  die  alten  und 
neuen  Fabraterner23),  Ficolenser,  Foroappier24),  Forentaner, 
Gabiner,  die  succasinischen  Interamnater25),  auch  Lirinater 
genannt,  die  Ilionenser26),  Lavinier27),  Norbaner28),  Nomen- 
taner29),  Pränestiner30)  mit  der  frtiherhin  Stephane  genann- 
ten Stadt,  die  Privernater31),  Setiner32),  Signiner33),  Suessu- 
laner34),  Teliner,  Trebulaner  oder  Balinienser,  Trebaner85), 
Tusculaner36),  Verulaner37),  Veliterner38),  Ulubrenser,  Ul- 
vernater39),  und  endlich  Rom  selbst,  dessen  andern  Namen 
man  gewisser  geheimnissvoller  Religionsgebräuche  wegen 
nicht  nennen  darf.40)     Valerius  Soranus  sprach  einst  diesen 


')  Avellino.    Ein  anderes  A.  lag  in  Hirpinischen.  Vergleiche  16  C. 

2)  Riccia.  3)  Albano.  4)  Acerra.  ■"•)  Allifi.  6)  Alatri.  7)  Anagni. 
8)  Aversa.  9)  Affile.  I0)  Arpino.  ")  Avella.  12)  Bei  Fratochio  u.  Capo 
di  Leva.  ,3)  Cajasso.  »)  Monte  Casino.  15)  Calri.  ,6)  Caspoli.  ")  Core. 
,8)  S.  Marie  di  Covultere.  19)  Castro  Pignano.  20)  Cicoli.  2I)  Rocca 
di  Papa.     -1)  Frosinone.     23)  Falvaten-a.     24)  Casarillo  di  S.  Maria. 

25)     Torre  di  Termino. 

**)  Magliano.  27)  Civita  Lavinia.  28)  Norma  rovinata.  29)  La  Men- 
tana.  3°)  Palestrina.  3t)  Piperno.  31)  Sezza.  33)  Segni.  34)  Castel  di  Ses- 
sola.    35)  Tervi.     36)  Frascati.    37)  Veroli.    38)  Velletri.    39)  Tulivema. 

40)  Nach  der  gewöhnlichen  Meinung  erhielt  die  Stadt  Rom  ihren 
Namen  von  ihrem  Erbauer;  allein  nach  der  richtigem  Ansicht  erhielt 
vielmehr  Romulus  den  seinigen  erst  von  der  Stadt,  die  nach  einem 
alten  Namen  des  Tiber  „Rumon"  benannt  wurde.  In  der  Folge  lei- 
tete man  Roma  aus  dem  Griechischen  her,  wo  Qatfxr]  Stärke,  Gewalt 
bedeutet.  Diess  gab  man  im  Lateinischen  durch  das  Wort  Valentia 
Wvieder,  und  das  soll  jener  heilige,  geheime  Name  gewesen  sein. 


252  Drittes  Buch. 

in  der  besten  und  heilsamsten  Absicht  abgeschafften  Na- 
men aus  und  musste  bald  dafür  büssen  l).  Es  scheint  mir 
nicht  unpassend,  hier  eines  alten  religiösen  Gebrauchs  zu 
erwähnen,  der  hauptsächlich  wegen  dieses  Verschweigens 
eingeführt  ist.  Die  Göttin  Angerona,  deren  Fest  am  19. 
Decbr.  gefeiert  wird,  hat  nämlich  an  ihrem  Standbilde  einen 
verbundenen  und  versiegelten  Mund. 

Bei  Romulus  Tode  hatte  die  Stadt  drei  oder  (nach  an- 
deren Angaben)  vier  Thore  2).  Ihre  Mauern  maassen,  zur 
Zeit  als  die  Vespasianen  die  Kaiser-  und  Censorwürde  be- 
kleideten, im  Jahre  der  Stadt  826  (74  u.  Chr.)  13,200  Schritte 
im  Umfange.  Sie  liegt  auf  7  Hügeln  3),  ist  in  14  Districte 
eingetheilt,  und  enthält  265  D  urchkreuzuugspunkte  der 
Strassen. 4)  Die  geraden  Entfernungen  von  dem  auf  dem 
höchsten  Punkte  des  Forum  stehenden  Meilenzeiger  5)  bis 
zu  den  einzelnen  Thoren,  deren  jetzt  37  sind,  betragen  zu- 
sammen 20,765  Schritte,  wobei  jedoch  12  nur  einmal  ge- 
rechnet, und  7,  welche  nicht  mehr  benutzt  werden,  über- 
gangen sind.  Das  Gesammtmaass  aber  aller  Wege  von 
jenem  Meilenzeiger  an  durch  die  Strassen  bis  zu  den  letz- 
ten Häusern  und  dem  Lager  der,  Prätorianer  6)  beträgt 
etwas  mehr  als  70,000  Schritte.  Bringt  man  nun  noch  die 
Höhe  der  Häuser  dabei  in  Anschlag,  so  wird  man  ein  wahr- 
haft würdiges  Bild  der  Stadt  bekommen  und  eingestehen 
müssen,  dass  ihr  keine  andere  auf  der  ganzen  Erde  gleich- 
gestellt werden  kann.     Im  Osten  wird  sie  durch  den  Wall 


'•)  Seine  Unvorsichtigkeit  hatte  den  Tod  zur  Folge. 

2)  Nämlich  das  carmentalische ,  pandanische  (saturnische)  roma- 
nische und  muganische;  nur  letzteres  erhielt  sich. 

3)  Der  Palatinus,  Capitolinus,  Cälius,  (Querquetulanus,  wo  jetzt  der 
Lateran  steht),  der  Esquilinus  mit  dem  Viminaüs  (jetzt  S.  Maria  und 
Nives),  der  Quirinalis  (jetzt  Monte  Cavallo),  der  Aventinus  und  über 
den  Tiber  der  Janiculus. 

4)  Compita  Larium.     5)  Milliarium. 

e)  Die  befestigten  Kasernen  der  prätorianischen  Cohorten  wur- 
den von  Tiberius  angelegt,  und  befanden  sich  am  viminalischen 
Thore. 


Drittes  Buch.  253 

des  Tarquinius Superbus  x)  geschlossen;  dieses  ist  ein  höchst 
wunderbares  Werk,  denn  er  liess  ihn  auf  der  Seite,  wo 
der  Zugang  zur  Stadt  von  der  Ebene  aus  am  meisten  offen 
stand,  bis  zur  Höhe  der  Mauern  aufführen.  An  allen  übrigen 
Punkten  war  sie  durch  sehr  hohe  Mauern  oder  steile  Berge 
geschützt,  bis  durch  den  fortwährenden  Anbau  neuer  Häu- 
ser noch  mehrere  Vorstädte  um  sie  entstanden. 

In  dem  ersten  Bezirke  lagen  vormals  in  Latium  noch 
folgende  berühmte  Städte:  Satricum  2),  Pometia  3),  Scaptia, 
Pitulum,  Politorium 4),  Tellene,  Tifata,  Cänina5),  Ficana, 
Crustumerium  6),  Ameriola  7),  Medullia  8),  Comiculum,  Sa- 
turnia,  an  deren  Stelle  jetzt  Rom  liegt;  Antipolis,  bildet 
jetzt  unter  dem  Namen  Janiculum  einen  Theil  von  Rom, 
Antemnä  fl),  Camerium,  Collatia,  Amitinum,  Norbe,  Sulmo, 
und  die  albensischen  Völker,  welche  mit  diesen  auf  dem 
albanischen  Berge  Fleisch  zu  bekommen  pflegten;  die  Al- 
baner, Aesolaner10),  Acienser,  Abolaner11),  Bubetaner,  Bo- 
laner12),  Cusuntaner,  Coriolaner13),  Fidenater,  Foretier,  Hor- 
tenser,  Latinienser,  Longulaner,  Manater,  Macraler,  Mutu- 
cumenser,  Munienser,  Numinienser,  Olliculaner,  Octulaner, 
Pedaner,  Pollusciner,  Querquetulaner,  Sicaner,  Sisolenser, 
Tolerienser,  Tutienser,  Vimitellarier,  Velienser,  Venetulaner, 
Vitellenser.  So  sind  aus  dem  alten  Latium  53  Völker  spur- 
los verschwunden.  Im  campanischen  Gebiete  war  vormals 
eine  Stadt,  Stabiä14)  bis  zum  30.  April,  zur  Zeit  der  Con- 
suln  Cn.  Pompejus15)  und  L.  Cato,  an  welchem  Tage  sie 
der  Legat  L.  Sulla  im  Bundesgenossenkriege  so  zerstörte16), 
dass  nur  noch  ein  Meierhof  vorhanden  ist.     Eben  daselbst 


')  Der  letzte  römische  König,  regierte  von  534 — 509  und  starb 
497  zu  Cumae:  der  erwähnte  Wall  lag  zwischen  dem  esquilinischen 
und  collinischen  Thore. 

2)  Pratica.  3)  Torre  Petrara.  4)  Pocigliano.  5)  Monte  Gentile. 
6)  Monte  Rotondo.     7)  Marigliano.     8)  S.  Giubileo. 

°)  Am  Zusammenfluss  des  Tiber  und  Teverone. 

'»)  Quarto  della  Fajola.  »)  Aula  antica.   I2)  Poli.   ••')  Carocello. 
u)  Casteir  a  mare  di  Stabia. 

,5)  Der  Vater  des  grossen  Pompejus.     ,fi)  89  v.  Chr. 


254  Drittes  Buch. 

ist  auch  Taurania  1)  verschwunden.  Dort  liegen  auch  die 
Ueberreste  des  verfallenen  Casilinum 2).  Ferner  erzählt 
Antias,  der  König  L.  Tarqunius  habe  die  lateinische  Stadt 
Apiolae 3)  eingenommen,  und  von  der  dabei  gemachten 
Beute  den  Bau  des  Capitols  begonnen.  Vom  Surrmatum 
bis  zum  Flusse  Silarus 4)  erstreckte  sich  30,000  Schritte 
weit  das  den  Tuscern  gehörige  picentinische  Gebiet,  be- 
rühmt durch  den  von  Jason  erbaueten  Tempel  der  Juno 
Argiva  5).  Im  Innern  des  Landes  liegen  die  Städte  Salerni 
und  Picentia. 

10. 
Vom  Silarus  an  beginnt  der  dritte  Bezirk,  und  mit 
ihm  das  lucanische  und  brutische  Gebiet.  Auch  hier  haben 
die  Bewohner  oft  gewechselt.  Dieses  Land  besassen  die 
Pelasger,  Oenotrier  6),  Italer,  Morgeter  7),  Siculer,  meist 
griechische  Völker;  zuletzt  liessen  sich  die  Lucaner,  ein 
samnitischer  Stamm  unter  ihrem  Anführer  Lucius  dort  nie- 
der. Die  Stadt  Pästum 8),  von  den  Griechen  Posidonia 
genannt,  der  pästonische  Meerbusen  9),  die  Stadt  Helia,  jetzt 
Velia10),  das  Vorgebirge  Palinurum11);  hier  weicht  der  Meer- 
busen 12)  mehr  zurück  und  die  Ueberfahrt  nach  Columna 
Ehegia13)  beträgt  100,000  Schritte.  Ihm  zunächst  folgen: 
der  Fluss  Melpes14),  die  Stadt  Buxentum15),  von  den  Grie- 
chen Pyxus  genannt,  der  Fluss  Lais16);  früher  gab  es  auch 
eine  Stadt  dieses  Namens. 17)  Nun  kommt  die  brutische 
Küste,  die  Stadt  Blanda18),   der  Fluss  Batuni19),    der  den 


1)     Toretto.     2)  Capua.    3)  Apelosa.    4)  Silaro. 

5)  Derselbe  lag  bei  dem  heutigen  Dorfe  St.  Varra,  etwas  süd- 
lich vom  Silaro. 

6)  Ebenfalls  ein  pelasgischer  Stamm,,  der  unter  Oenotrius  nach 
Italien  kam. 

~)  So  genannt  nach  dem  König  Morges,  welcher  vor  uralten  Zei- 
ten in  Calabrien  herrschte.     8)  Pesti.    9)  Golfo  di  Salemo. 

10)  Castel'  a  mare  della  Brucca. 

")  Panta  della  Spartimento. 

12)  Golfo  di  Policastro.  '3)  Calanna.  *♦)  Melpa.  15)  Policastro 
»6)  Lao.  »)  Laghino.   18)  St.  Biasio.  ">)  Della  Noce. 


Drittes  Buch.  255 

Phocensern  gehörige  Hafen  Parthenius J),  der  vibonensische 
Meerbusen  2),  die  Stelle,  wo  Clampetia  3)  stand,  die  Stadt 
Temsa4),  von  den  Griechen  Temese  genannt,  die  von  den 
Crotaniensern  gegründete  Stadt  Terina  5)  und  der  grosse 
Terinaische  Meerbusen  6);  im  Innern  liegt  die  Stadt  Con- 
fentia. 7)  Auf  der  Halbinsel 8)  befindet  sich  der  Fluss  Ache- 
ron  9),  von  welchem  die  dortigen  Bewohner  Acherontiner10) 
heissen;  Hippo,  jetzt  Vibo  Valentia11)  genannt,  der  Hafen  des 
Herkules12),  der  Fluss  Metaurus13),  die  Stadt  Tauroentum14), 
der  Hafen  des  Orestes15),  und  Medina.16)  Die  Stadt  Scyl- 
läum  17),  der  Fluss  Cratäis18),  wie  man  sagt,  die  Mutter  der 
Scylla.19)  Dann  kommt:  Columna  Rhegia,  die  sicilische 
Meerenge  und  zwei  einander  gegenüber  liegende  Vorgebirge, 
in  Italien  Cänys20),  in  Sicilien  Pelorum21),  12  Stadien  von 
einander  entfernt.  Von  hier  bis  Rhegium22)  beträgt  die 
Entfernung  12,500  Schritte.  Ferner:  der  Wald  Sila23)  auf 
dem  Apenninus,  15,000  Schritte  weiter  das  Vorgebirge  Leu- 
copetra.21)  Die  dann  folgenden,  von  dem  Vorgebirge  Ze- 
phyrium25)  benannten  Locrer26),  sind  vom  Silarus  303,000 
Schritte  entfernt. 

So  wird  der  erste  Busen  von  Europa  begrenzt  und  die 
Meere,  welche  ihn  bilden,  haben  folgende  Namen.  Das 
Meer,  aus  welchem  die  Gewässer  herausströmen,  heisst  das 
atlantische  oder  auch  das  grosse;  die  Stelle,  wo  dieses  ein- 
tritt, nennen  die  Griechen  Porthmos,  wir  aber  die  gadi- 
tanische  Meerenge;  nach  dem  Eintritte  heisst  es,  soweit  es 
Spaniens  Küste  bespühlt,  das  spanische  oder  iberische,  oder 
balearische  Meer;  dann  an  der  narbonensischen  Provinz  das 


>)  Cetraro.   2)  Golfo  di  St,  Eufemia.   3)  Torre  di  Mezzo.    4)  Torre 
di  Lupo.    5)  Terrati.    6)  Ebenfalls  Golfo  di  S.   Eufemia.     7)  Cosenza.. 
8  Der  unterste  Theil  von  Calabrien. 
9)  Mucone.     ,0)  In  Acri.     «>)  Vibona.     12)  Briatico.     ,3)  Marro. 

14)  Ruinen  davon  findet  man  in  der  Nähe  des  Fleckens  Palma. 

15)  Gioja.  I6)  Melia.  ")  Scilla.  ,8)  Fallace.  ,9)  Siehe  Homers  Odysee- 
XII  B.,  124.  V.  2°)  Cenide.  2l)  Capo  di  Faro.  22)  Reggio.  23)  Monte- 
delle  Pece.    24)  Pellara.    25)  Capo  di  Brussano. 

M)  Die  epizephyrischen  Locrer. 


256  Drittes  Buch. 

gallische  und  weiterhin  das  ligustische  Meer;  von  diesem 
bis  zur  Insel  Sicilien:  das  tuscische,  welches  einige  Grie- 
chen das  notische,  andere  das  tyrrhenische,  die  meisten 
von  uns  aber  das  untere  Meer  nennen.  Von  Sicilien  an 
bis  zu  den  Solentinern  nennt  es  Polybius  *)  das  ausonische, 
dagegen  bezeichnet  Eratosthenes  den  zwischen  der  Mündung 
des  Oceans  und  Sardinien  belegenen  Theil  mit  dem  Namen 
des  sardoischen,  den  Theil  aber  von  Sardinien  bis  Sicilien 
nennt  er  das  tyrrhenische,  von  Sicilien  bis  Creta  das  sici- 
lische,  und  von  da  an  das  cretische  Meer. 

11. 
Die  ersten  Inseln  in  diesen  Meeren  führen  bei  den 
Griechen,  von  einem  fichtenartigen  Strauche  den  Namen 
Pityusen,  jetzt  heissen  sie  beide  Ebusus  2),  bilden  einen 
mit  uns  verbündeten  Staat  und  sind  nur  durch  eine  schmale 
Meerenge  von  einander  getrennt.  Ihre  Länge  beträgt  46,000 
Schritte.  Von  Dianium 3)  sind  sie  700  Stadien  entfernt,  und 
ebenso  weit  liegt  Dianium  auf  dem  Festlande  von  Neu- 
Carthago.  In  gleicher  Entfernung  von  den  Pityusen  liegen 
in  hohem  Meere  die  beiden  Balearen,  und  gegen  Sucro4) 
hin  Colubraria. 5)  Die  Balearen,  deren  Bewohner  sich 
durch  die  Schleuder  im  Kriege  auszeichnen,  nennen  die 
Griechen  auch  die  gymnasiscben  Inseln. 6)  Die  grössere  7) 
hat  eine  Länge  von  100,000  Schritten  und  einen  Umfang 
von  475,000  Schritten.  Die  darauf  befindlichen  Städte  mit 
römischem  Bürgerrechte  sind:  Palma8)  und  Pollentia;  mit 
lateinischem:  Cinium  9)  und  Cunici10);  Bocchorum  ist  eine 
Bundesstadt.  30,000  Schritte  davon  entfernt  liegt  die  klei- 
nere Insel11),  deren  Länge  40,000  und  Umfang  150,000 
Schritte  beträgt,  Sie  enthält  die  Stadtgemeinden  Jamno12), 
Sanisera13)  und  Mago.14)  Von  der  grössern  liegt  Capra- 
ria15),  in  deren  Nähe  die  Schiffe  häufig  scheitern,  12,000 


l)  Von  Megalopolis  in  Arcadien,  lebte  205—122  v.  Chr.  " 
-)  Ivica  und  Forcnentera.    3)  Denia  in  Spanien.    4)  Xucur  in  Spa- 
nien.   5)  Columbretes.    6)  Weil  die  Bewohner  nackt  {yvfivoq)  gingen. 
7)  Mallorka.     8)  Palma.    9)  Sineu.     ,0)  Alcudia.     ")  Minorka.     '-)  Ciu- 
dadela.     13)  Fornells.     14)  Mahon.     '•"')  Cabrera. 


Drittes  Buch.  257 

Schritte  über  dem  Meere  hin  entfernt;  der  Stadt  Palma 
gegenüber  liegen  die  Maenarien x),  Tiquadra 2)  und  die 
kleine  Insel  des  Hannibal. 3)  Die  Erde  auf  Ebusus  vertreibt 
die  Schlangen,  die  von  Colubraria  erzeugt  sie,  daher  diese 
Insel  Allen  gefährlich  ist,  welche  keine  Erde  von  Ebusus 
mitbringen;  die  Griechen  gaben  ihr  den  Namen  Ophiusa. 
Auf  Ebusus  kommen  auch  keine  Kaninchen  vor,  welche 
auf  den  Balearen  die  Saaten  verwüsten.  Ausserdem  giebt 
es  noch  gegen  20  kleinere  Inseln  in  diesem  seichten  Meere. 

An  der  gallischen  Küste,  bei  der  Mündung  des  Rhoda- 
nus  liegt  Metina4),  unweit  davon  Blascon5);  ferner  drei 
Inseln,  welche  von  den  benachbarten  Massiliensern  wegen 
ihrer  Lage  in  einer  Reihe  die  Stöchaden6)  genannt  sind,  die 
eine  heisst  Prote7),  die  zweite  Mese8)  oder  Pomponiaua 
und  die  dritte  Hypäa.9)  Dann  folgen:  Sturium10),  Phönice11) 
Phila12),  Antipolis13)  gegenüber  Lero14)  und  Lerina15),  wo 
sich  noch  das  Andenken  an  die  früher  vorhandene  Stadt 
Vergoanum  erhalten  hat. 

12. 

Im  ligustischen  Meere,  jedoch  näher  nach  dem  tus- 
cischen  hin  liegt  Corsica,  welches  die  Griechen  Cyrnos 
genannt  haben.  Ihre  Länge  von  Norden  nach  Süden  be- 
trägt 150,000  Schritte,  ihre  Breite  an  den  meisten  Stellen 
50,000  und  ihr  Umfang  325,000.  Sie  ist  von  den  volaterra- 
nischen  Untiefen  62,000  Schritte  entfernt,  hat  32  Stadt- 
gemeinden und  die  Colonien  Mariana16)  von  C.  Marius,  und 
Aleria17)  vom  Dictator  Sulla  angelegt.  Diesseits  liegt  Ogla- 
sa18),  und  nicht  ganz  60,000  Schritte  von  Corsica:  Plana- 
ria19),  so  genannt  von  ihrem  ebenem  Boden,  wodurch  sie 
dem  Meere  ähnlich   sieht   und  daher   die  Schiffer  täuscht. 


')  Malgrates.  2)  Dragonera.  3)  Toro.  4)  Jamatan.  5)  Brescou. 
«)  Hyeren.  7)  Poquerolles.  «)  Port  Cros.  9)  Levant  oder  Titan.  ,0)  Ri- 
bauclas.  ")  Langaustier.  ,2)  Bagneau.  13)  Antibes  in  Frankreich. 
,4)  St.  Marguerite.  I5)  St.  Honore  de  Lerin.  ,6)  und  ")  Von  beiden 
finden  sich  noch  Ruinen  auf  der  nach  Italien  zu  gerichteten  Seite 
der  Insel.  Aleria  wurde  erst  1730  zerstört,  ,8)  Monte  Christo. 
w)  Formicole. 

17 


258  Drittes  Buch. 

Von  grösserem  Umfange  sind  Urgo  *)  und  Capraria2),  von 
den  Griechen  Aegilon  genannt;  ferner  Aegilium3),  Dianium4) 
oder  Artemisia,  beide  der  cosanischen  Küste5)  gegenüber; 
Barpana 6),  Manaria 7),  Columbaria 8)  und  Venaria. 9)  Uya  e) 
bei  den  Griechen  Aethalia,  mit  Eisengruben,  hat  im  Umfange 
100,000  und  ist  von  Popularium  n)  10,000  Schritte  entfernt; 
Planasia 12)  liegt  28,000  Schritte  davon.  Nach  diesen  liegen 
enseits  der  Mündung  des  Tiber  im  antianischen  Meere 
Astura13),  dann  Palmaria14),  Sinonia15)  und  Formiä16)  gegen- 
über Pontiä.17)  Im  puteolanischen  Busen  liegt  Pandataria18) 
und  Prochy ta 19),  die  nicht  von  der  Amme  des  Aeneas,  son- 
dern weil  sie  von  der  Insel  Aenaria  fortgeschleudert  sein 
soll,  diesen  Namen  hat.  Aenaria20)  führt  ihren  Namen  vom 
Aeneas,  der  hier  mit  seinen  Schiffen  landete.  Homer21)  nennt 
sie  Inarime,  die  Griechen  Pithecusa,  aber  nicht  von  einer 
Menge  dort  befindlicher  Affen,  wie  Einige  geglaubt  haben, 
sondern  von  den  daselbst  verfertigten  fassförmigen 2'2)  Töpfer- 
waaren.  Zwischen  Pausilipus 23)  und  Neapel  liegt  Mega- 
ris 24);  ferner  8000  Schritte  von  Surrentum  entfernt,  die 
durch  das  Schloss  des  Tiberius  berühmte  Insel  Capreä25)r 
welche  11,000  Schritte  im  Umfange  hat. 

13. 
Nicht  weit  davon  liegt  Leucothea26),  und  ausser  dem 
Gesichtskreise  an  der  Grenze  des  afrikanischen  Meeres: 
Sardinien,  kaum  8000  Schritte  von  den  äussersten Punkten 
Corsica's  entfernt,  und  dieser  enge  Kaum  wird  noch  durch 
einige  kleine  Inseln,  welche  Cuniculariae  oder  Hundsinseln27) 
heissen,  ferner  durch  die  Inseln  Phintoni28)  und  Fossä29), 


')  Gorgona.  2)  Caprara.  3)  Giglio.  4)  Gianuti.  5)  Halbinsel  Argen- 
taro. fi)  Forniiche  di  Grosseto.  7)  Meleora.  8)  Palmajola.  9)  Cervoli. 
10)  Elba.  >')  Piombino.  ,2)  Pianosa.  ,3)  Noch  jetzt  Astura.  M)  Pal- 
maruola.  ,5)  Sennone.  16)  Mola.  ")  Ponza.  ,8)  Ventotiene.  19)  Pro- 
eida.  20)  Ischia.  21)  Iliade  IL,  290.  22)  Tti&oq:  Fass.  23)  Posilippo. 
2<i)  Castello  dell'Ovo.     25)  Capri.     26)  Lungo. 

27)  Sind  eigentlich  blosse  Klippen,  10  an  der  Zahl  und  heissen 
jetzt  die  Bucinarischen  Inseln. 

28)  Figo.    --9)  Lovossi. 


Drittes  Buch.  25i* 

von  welcherietzteren  die  Meerenge  selbst  den  Namen  Taphros1), 
bekommen  hat,  beschränkt.  Sardinien  misst  an  der  Ostseite 
188,000,  an  der  Westseite  175,000,  gegen  Mittag  77,000, 
gegen  Mitternacht  125,000  Schritte;  der  Umfang  beläuft  sich 
also  auf  565,000  Schritte.  Vom  caralitanischen2)  Vorgebirge 
aus  beträgt  ihre  Entfernung  von  Afrika  200,000  und  von 
Gades  1,400,000  Schritte.  Auch  auf  der  Seite  des  gordi- 
tanischen  3)  Vorgebirges  liegen  zwei  Inseln,  welche  Herku  - 
lesinseln  4)  genannt  werden;  ferner  Enosis  5)  beim  sulcen- 
sischen 6)  und  Ficaria  7)  beim  caralitanischen  Vorgebirge. 
Einige  setzen  auch  in  ihre  Nähe  die  Bereliden  8),  Collodes  9) 
und  die  sogenannte  Heras  Lutra. 10)  Die  berühmtesten  Völ- 
ker Sardiniens  sind:  die  Ilienser,  Balarer  und  Corsen. 
Unter  den  18  Städten  haben  folgende  das  römische  Bür- 
gerrecht: die  Sulcitaner11),  Valentiner12),  Neapolitaner13), 
Bosenser14),  Caralitaner 15)  und  Norenser16);  ihre  einzige 
Colonie  heisst  „Zum  Thurme  des  Libyso". 17)  Timäus  18) 
nennt  Sardinien  wegen  ihrer  Aehnlichkeit  mit  einer  Fuss- 
sohle  Sandaliotis,  Myrsilus19)  wegen  ihrer  Aehnlichkeit  mit 
einem  Fussstapfen  Ichnusa.  Dem  pästanischen  Meerbusen 
gegenüber  liegt  Leucasia20)  von  einer  daselbst  begrabenen 
Sirene  so  genannt.  Gegen  Velia 21)  hin  liegen  Pontia 22)  und 
Iscia  23),  die  auch  den  gemeinsamen  Namen  Oenotriden  füh- 
ren, ein  Beweis,  dass  die  Oenotrier  einst  Italien  im  Besitz 


')  Tu<fQoc  =  fossa,  Graben. 

2)  Capo  Ferrato  und  Capo  di  Carbonara. 

3)  Capo  di  monte  Falcone  und  Capo  di  Argentera. 
')  Asinaro  (Zavara)  und  Piana. 

5)  S.  Antioco.  6)  Punta  dell'Ulga.  ~)  Cortelazo.  8)  Toro,  Vacca 
und  Vitello.  9)  Maldivente.  ,0)  S.  Pietro.  »)  Palma  di  Solo.  12)  Igle- 
sias.    ,3)  Oristano.    M)  Bosa. 

,s)  Calaris,  jetzt  Cagliari,  die  Hauptstadt  der  Insel. 

,,!)  Fanura.     1T)  Porto  di  Torre. 

,8)  Von  Tauromeniurn  in  Sicilien,  um  260  v.  Chr.,  lebte,  von  sei- 
nem Vaterlande  verbannt,  in  Athen. 

,9)  Oder  Myrtdias,  ein  griechischer  Schriftsteller  aus  Lesbos,  über 
dessen  Lebensverhältnisse  aber  nichts  weiter  bekannt  ist. 

20)  Piana.     2I)  Castell'amare.     22)  IJonza.     -3)  Isca. 

17* 


2(50  Drittes  Buch. 

hatten.  Vibo  l)  gegenüber  liegen  einige  kleine  Inseln, 
welche  von  der  auf  ihr  befindlichen  Warte  des  Ulysses  die 
ithacesischen  -)  genannt  werden. 

14. 
Alle  andern  Inseln  aber  übertrifft  Sicilien  an  Ruhm; 
sie  wird  von  Thucydides  3)  Sicania,  von  Mehreren  wegen 
ihrer  dreieckigen  Gestalt  Trinacria  oder  Triquetra  genannt. 
Ihr  Umfang  beträgt  618,000  Schritte.  Früher  hing  sie  mit 
dem  brutischen  Gebiete  zusammen,  später  aber  riss  sie  das 
zwischenströmende  Meer  von  ihm  los  und  bildete  eine 
15,000  Schritte  lange  und  bei  der  Columna  Rhegia  1500 
Schritte  breite  Meerenge.  Wegen  dieses  Abreissens  gaben 
die  Griechen  der  an  dem  Endpunkte  Italiens  belegenen 
Stadt  den  Namen  Rhegium. 4)  In  dieser  Meerenge  befindet 
sich  die  Klippe  Scylla  und  der  Meerstrudel  Charybdis,  beide 
durch  ihre  Verheerungen  berüchtigt.  Das  Vorgebirge  dieser 
dreieckigen  Insel,  welches  der  Scylla  gegenüber  nach  Italien 
zu  liegt,  heisst  Pelorum  5),  das  nach  Griechenland  zu  lie- 
gende Pachynum  6)  und  ist  440,000  Schritte  vom  Pelopon- 
nes,  gegen  Afrika  hin  das  lilybaische 7)  180,000  Schritte 
vom  Vorgebirge  des  Merkur 8)  und  190,000  Schritte  vom 
caralitanischen  in  Sardinien  entfernt.  Unter  sich  aber  sind 
diese  Vorgebirge  und  Seiten  durch  folgende  Zwischenräume 
von  einander  geschieden  Der  Landweg  vom  Pelorum  zum 
Pachynum  beträgt  191,000  Schritte,  von  da  zum  Lilybäum 
200,000  und  von  da  zum  Pelorum  170,000  Schritte.  Colo- 
nien    sind    5,    Städte    und    Stadtgemeinden    63   vorhanden. 

Beim  Pelorum   an   der  Küste   des  jonischen  Meeres  liegt 

> 

')  Bibona. 

2)  Toricella,  Brace,  Praca  und  andere  Klippen  ohne  Namen. 

3)  Der  grösste  griech.  Geschichtsschreiber,  Sohn  des  Oloros  und 
der  Hegesipyle,  geb.  zu  Athen  471  v.  Chr.,  403  auf  einer  Reise  nach 
Thracien  von  Räubern  ermordet. 

*)  Von  (jTjyvifii:  reisseil. 

5)  Capo  di  Faro. 

6)  Capo  di  Passaro. 

7)  Capo  di  Boco.     x)  Cap  Ron. 


Drittes  Buch.  261 

Messana  1),  deren  Bewohner  das  römische  Bürgerrecht  haben 
und  Mamertiner  genannt  werden.  Das  Vorgebirge  Drepa- 
num  2),  die  Colonie  Tauromenium  3),  früher  Naxos  genannt, 
der  Fluss  Asines 4),  der  Berg  Aetna,  merkwürdig  wegen 
seiner  nächtlichen  Flammenausbrüche.  Sein  Krater  hat  26 
Stadien  im  Umfange,  die  heisse  Asche  fliegt  bis  nach  Tau- 
romenium und  Catina 5),  das  Getöse  aber  hört  man  bis 
nach  Maro  6)  und  den  Zwillingshügeln. 7)  Die  drei  Klippen 
der  Cyclopen  8),  der  Hafen  des  Ulysses9),  die  Colonie  Ca- 
tina 10),  die  Flüsse  Symäthum  n)  und  Terias. 12)  Im  Innern 
liegen  die  lästryganischen  Gefilde,  die  Städte  Leontini 13), 
Megaris14),  der  Fluss  Pantagies 15),  die  Colonie  Syrakusä 
mit  der  Quelle  Arethusa.  Ausserdem  trinkt  man  im  syra- 
kusanischen  Gebiete  auch  aus  den  Quellen  Temenitis 16), 
Archidemia17),  Magäa18),  Cyane 19)  und  Milichie.20)  Der 
Hafen  Naustathmus21),  der  Fluss  Elorum22),  das  Vor- 
gebirge Pachynum,  ihm  zur  Seite  der  Fluss  Hirminium 23), 
die  Stadt  Caramina24),  der  Fluss  Gelas25),  die  Stadt  Acra- 
gas 26),  bei  uns  Agrigentum  genannt,  die  Colonie  Thermä 27), 
die  Flüsse  Achates28),  Mazara29)  und  Hypsa30),  die  Stadt 
Selinus 31),  dann  das  Vorgebirge  Lilybäum,  Drepana 32),  der 
Berg  Eryx33),  die  Städte  Panchornum  u),  Solus35),  Himera  36) 
mit  dem  Flusse  gleichen  Namens37),  Cephalödis38),  Alun- 
tium39),  Agathyrnum 40),  die  Colonie  Tyndaris41),  die  Stadt 
Mylä 42),  und  endlich  das  Vorgebirge  Pelorum,  von  wo  wir 
ausgingen. 


l)  Messina.  2)  Grosso.  3)  Taormina  4)  Cantara.  5)  Catania. 
')  Maretto.  7)  Monte  cli  Mele.  8)  GH  Farigliom.  9)  S.  Alessio.  ,0)  Ca- 
bauia.  ")  Giaretta.  ,'-)  Guaralunga.  ,3)  Lentini.  y>)  Ruinen  bei  Mili- 
tello.  15)  Porcaro.  ,6)  Fontedi  Canali.  17)  Cefalino.  ,8)  Fönte  dellaMa- 
•lalena.  ,9)  Fönte  Ciane.  20)  Lampismotta.  iX)  Asparanetto.  '--;  Abisso. 
-3)  Fiume  di  Ragusa.  2i)  Camerina.  25)  Fiume  di  terra  nova.  26)  Gir- 
genti.  27)  Termini.  -*)  Dirillo.  29J  Fiume  di  Mazzara.  i0)  Beiice 
sinistre.  3M  Ruinen  bei  Castelvetrano.  32)  Trapani.  3aj  Monte  St. 
Giuliano.  3i)  Palermo.  3S)  Solanto.  3C)  Trümmer  davon  bei  Termini. 
;;T)  Fiume  Salso.  38)  Cefalu.  39)  AJonzo.  /,0j  S.  Agata.  4I)  Tindaro. 
'-)  Milazzo. 


262  Drittes  Buch. 

Im  Innern  der  Insel  wohnen  folgende  Völker  mit  latei- 
nischen Hechten:  die  Centuripiner  *) ,  Netiner  2)  und  Sege- 
staner.  Zinsbar  sind:  die  Assoriner  3),  Aetnenser 4),  Agy- 
riner  5),  Acestäer  6),  Acrenser  7),  Bidiner  8),  Cetariner  9),  Ca- 
cyriner10),  Drepanitaner11),  Ergetiner12),  Echetlienser13),  Ery- 
ciner14),  Entelliner15),  Eniner16),  Enguiner17),  Gelomer1-), 
Galatiner19),  Halesiner20),  Hennenser21),  Hyblenser22),  Herbi- 
tenser  23);  Herbessenser 24),  Herbulenser,  Halicyenser25),  Ha- 
dranitaner26),  Imacarenser27),  Ipauenser28),  Ietenser29)/ Myti- 
stratiner  30),  Magelliner31)  Murgentiner32),  Mutycenser  33), 
Menaniner34),  Naxier35),  Noäer36),  Petriner37),  Paropiner 38), 
Phtinthienser,  Semellitaner,  Scheriner39),  Selinuntier,  Syniü- 
thier,  Talarenser 40),  Tissinenser41),  Triocaliner42),  Tiracinen- 
ser43)  und  die  messenischen  Zancläer44)  an  der  sicilischen 
Meerenge. 

Gegen  Afrika  zu  liegen  folgende  Inseln:  Gaulos45), 
Melita46),  von  Camerina47)  87,000,  von  Lilybäum  113,000 
Schritte  entfernt,  Cosyra48),  Hieronesos49),  Cäne50),  Galata51), 


*)  Centorbi.  -)  Noto.  3)  Asano.  4)  Nicolosi.  5)  San  Filippo 
d'Argyrone.  6)  Agosta.  7)  Palazzuola.  8)  S.  Giovanni  di  Bidini. 
9)  Catarra.  10)  Cassaro.  n)  Trapani.  ,2)  Artesina.  ,3)  Granmichele. 
14)  Trapano  del  Monte.  15)  Enteila.  16)  Aidone.  1T)  Gangi  vetere. 
18)  Torre  nova.  19)  Galati.  20)  Torre  di  Petineo.  21)  Castro  Giovanni. 
«)  Paterno.  23)  Erba.  24)  Li  Grutti.  -5)  Rocalcale.  26)  Aderno.  27)  Mac- 
cara.  -8)  Icana.  29)  Jato.  30)  Mistretta.  31)  Macellaro.  32)  Mandri 
Bianchi,  33)  Modica.  3i)  Mineo.  35)  Schisso.  36)  Noara,  37)  Petralia 
Soprana.  38)  Parco.  39)  Calogero.  A0)  Tatria.  41)  Randa/.za.  -12)  Co- 
lotrasi  Castello.    43)  Torcisi. 

44)  Zankle  wurde  lange  vor  dem  Anfange  der  Olympiaden  (77H 
v.  Chr.)  von  ausgewanderten  Cumanern  gegründet.  Nach  der  Ein- 
nahme von  Ira  zog  ein  Theil  der  Messenier  unter  Gorgus  dahin,  und 
der  Name  Zankle  wurde  nach  und  nach  mit  „Messene"  vertauscht, 
bis  letzterer  allgemein  wurde,  und  der  Tyrann  von  Rhegium,  Anaxe- 
las  (von  messenischer  Abkunft),  sich  um  die  Zeit  der  marathonischen 
Schlacht  (990  v.  Chr.)  derselben  bemächtigte.  Späterhin  wurde 
Messena  von  den  Mamertinern  (Miethstruppen  des  Agatkocles  von 
Syrakus)  erobert.  Diese  ermordeten  alle  männlichen  Einwohnei 
Diess  war  die  nächste  Veranlassung  des  ersten  punischen  Krieges. 

45)  Gozzo.  46)  Malta.  '")  Auf  Sicilien.  48)  Pantalaria.  49)  Mare- 
timo.    ™)  Limosa.     *•)  Galita. 


Drittes  Buch.  263 

Lopadusa1),  Aethusa2),  auch  Aegusa  geschrieben,  Buci- 
ma  3),  Osteodes  4) ,  75,000  Schritte  vom  Solus  5)  entfernt, 
und  Ustica,  Paropini  e)  gegenüber.  Diesseits  Sicilien  aber, 
dem  Flusse  Metaurus  7 )  gegenüber,  liegen  in  einer  Entfernung 
von  beinahe  25,000  Schritten  von  Italien  die  äolischen 
Inseln,  sie  heissen  auch  die  liparäischen,  bei  den  Griechen 
die  hephästiadischen ,  bei  uns  die  vulkanischen.  Die  äoli- 
schen heissen  sie  deshalb,  weil  Aeolus  zur  Zeit  des  tro- 
janischen Krieges  dort  regierte.  Lipara  8),  mit  der  gleich- 
namigen Stadt  welche  das  römische  Bürgerrecht  hat,  ver- 
dankt ihren  Kamen  dem  Könige  Liparus,  dem  Nachfolger 
des  Aeolus;  sie  hiess  früher  Melogonis  oder  Meligunis,  ist  von 
Italien  25,000  Schritte  entfernt,  und  hat  einen  fast  eben  so 
grossen  Umfang.  Zwischen  ihr  und  Sicilien  liegt  eine  an- 
dere Insel,  welche  ehemals  Therasia  hiess,  jetzt  aber  den 
Namen  Hiera  9)  hat,  weil  sich  auf  ihr  ein  alle  Nächte  Feuer- 
speiender Hügel  befindet,  der  dem  Vulkan  geweihet  ist. 
Die  dritte,  Strongyle 10),  liegt  von  Lipara  1000  Schritte  ent- 
fernt gegen  Osten;  auf  ihr  regierte  Aeolus;  sie  unterschei- 
det sich  von  Lipara  nur  durch  die  hellere  Flamme  des 
Berges,  aus  dessen  Rauche  die  Einwohner  schon  auf  drei 
Tage  im  Voraus  sollen  bestimmen  können,  welche  Winde 
wehen  werden;  daher  hat  man  geglaubt,  die  Winde  gehorch- 
ten dem  Aeolus.  Die  vierte  Insel  heisst  Didyme11)  und  ist 
kleiner  als  Lipara;  die  fünfte  Ericusa12);  die  sechste  Phö- 
nicusa13),  dient  den  zunächst  liegenden  nur  als  Weide;  die 
letzte  und  kleinste  heisst  Evonymos. 14)  So  viel  von  dem 
•ersten  Hauptbusen  Europa's. 

15. 
Von  Locri  fängt  die  Seite  Italiens  an,  welche  Gross- 
Griechenland   genannt   wird   und  drei  Busen   des  auso- 
nischen  Meees  bildet;  dieses  Meer  hat  den  Namen  von  den 
Ausoniern,   welche   zuerst   seine  Küste   bewohnten.     Nach 


')  Larnpedosa.  2)  Favignana.  3)  Levanzo.  4)  Alicur.  5)  Solanto. 
6)  Parco.  7)  Marro.  8)  Lipari.  9)  Volcano.  10)  Stromboli.  »)  Sa- 
line.    12)  Alicudi.     13)  Felicudi.     14)  Eisca  Bianca. 


264  Drittes  Buch. 

Vai-ro  x)  dehnt  es  sich  auf  86,000  Schritte  aus ,  nach  Än- 
dern nur  auf  75,000.  Unzählige  Flüsse  befinden  sich  an 
seiner  Küste';  aber  besonders  merkwürdig  sind,  bei  Locri: 
(die)  Sagra2),  Spuren  der  Stadt  Caulo3),  Mystia4),  Castrum 
Consilinum 5),  Cocinthum 6),  welches  Einige  für  das  längste 
Vorgebirge  Italiens  halten;  dann  der  scylacische  7)  Meer- 
busen mit  der  Stadt  Scylacium,  welche  von  ihren  Gründern, 
den  Atheniensern,  Scylletium  genannt  ist.  Die  diesem  Orte 
gegenüberliegende  terinäische 8)  Bucht  bildet  eine  HalbinseL 
auf  welcher  ein  Hafen,  Castra  Hannibalis9)  genannt,  liegt. 
Nirgends  ist  Italien  schmäler  als  hier,  denn  seine  Breite  be- 
trägt nur  20,000  Schritte.  Deshalb  wollte  der  ältere  Dio- 
nisius  an  diesem  Orte  Italien  durchschneiden  lassen,  und 
das  getrennte  Stück  mit  Sicilien  vereinigen.  Schiffbare 
Flüsse  dieses  Landes  sind:  der  Carcines10),  Crotalus n), 
Seminus 12),  Aroas 13)  und  Targines. 14)  Im  Innern  liegt  die 
Stadt  Petilia15),  der  Berg  Clibanus,  das  Vorgebirge  Laci- 
nium 16),  vor  welchem  in  einer  Entfernung  von  10,000  Schrit- 
ten die  Insel  Dioscoron  liegt,  eine  andere  heisst  Calypsus, 
welche  für  die  Ogygia  des  Homer17)  gehalten  wird;  ferner 
Tiris,  Eranusa  und  Meloessa. 18)  Das  Vorgebirge19)  selbst 
ist  nach  Agrippa  70,000  Schritte  von  Caulo  entfernt. 

An  dem  Vorgebirge  Lacinium  fängt  der  zweite  Haupt- 
busen von  Europa  an;  er  macht  einen  sehr  grossen  Bogen  und 
endigt  mit  dem  in  Epirus  belegenen  Vorgebirge  Acrocerau- 
nium20),  welches  von  jenem  75,000  Schritte  entfernt  ist. 
Hier  liegen:  die  Stadt  Croto21),  der  Fluss  Neathus22),  die 


')  Von  Atace  im  narbonensischen  Gallien,  ein  röm.  Dichter  aus 
dem  1.  Jahr.  v.  Chr. 

2)  Sagriano.  3)  Bei  Pietra  Percia.  4)  Maida.  a)  Consignano. 
fc)  Stilo.  ')  Golfo  di  Squillace.  8)  Golfo  di  S.  Eufemia.  9)  Torre  di 
Cuntazaro.  10)  Corace.  n)  Alli.  •*)  Simmari.  13)  Crocha.  u)  Tacina. 
15)  Strongoli.     1G)  Capo  della  Colonne. 

«)  Odyssee  VII.  244.    XII.  245. 

18)  Fast  keine  dieser  Inseln  existirt  jetzt  mehr. 

10)  Lacinium.     ao)  Capo  Linguetta. 

2l)  Crotone,  an  der  Mündung  des  Flusses  Essaro.    -)  Nieto. 


Drittes  Buch.  265 

Stadt  Thurii  zwischen  den  beiden  Flüssen  Crathis1)  und 
Sybaris2),  wo  ehemals  eine  Stadt  gleichen  Namens3)  war. 
Auf  gleiche  Weise  liegt  zwischen  dem  Siris 4)  und  Aciris 5) 
Heraclea6),  früher  Siris  genannt.  Die  Flüsse  Acalandrum  7), 
Casuentum8),  die  Stadt  Metapontum9),  mit  der  sich  der 
dritte  Bezirk  von  Italien  endigt.  Von  den  Brutiern  wohnen 
nur  die  Aprustaner 10)  mitten  im  Lande,  von  den  Lucanern 
aber  die  Atenater11),  Bantiner12),  Eburiner13),  Grumentiner14), 
Potentiner15),  Sontiner16),  Siriner,  Tergilaner17),  Ursentiner18) 
und  Volcentaner 19) ,  an  welche  sich  die  Numestraner 20) 
schliessen.  Ausserdem  ist  nach  Cato  die  lucanische  Stadt 
Thebä  untergegangen,  und  nach  Theopompus  auch  Pando- 
sia,  ebenfalls  eine  Stadt  der  Lucaner,  in  welcher  Alexander 
von  Epirus21)  starb. 

16. 
Hieran  schliesst  sich  der  zweite  Bezirk  von  Italien, 
welcher  die  Hirpiner,  Calabrien,  Apulien  und  die  Salentiner 
umfasst.  Er  liegt  an  dem  250,000  Schritte  grossen  Meer- 
busen, welcher  von  der  an  seiner  innersten  Seite  liegenden 
laconischen  Stadt  Tarentum,  zu  der  auch  eine  früher  dort 
befindliche  See-Colonie  gehört,  seinen  Namen  hat.  Tarent 
ist  von  dem  Vorgebirge  Lacinium  136,000  Schritte  entfernt, 
und  von  hier  an  geht  Calabrien  in  eine  Halbinsel  aus.    Die 


')  Crati.     2)  Misofato. 

3)  Diess  war  eine  ungefähr  720  v.  Chr.  von  Achäern  und  Tröze- 
nern  gegründete  Colonie,  und  um  die  Zeit  der  50.  Olympiade  eine 
der  reichsten  und  üppigsten  Städte  Italiens.  510  v.  Chr.  wurde  sie 
aber  von  den  Crotoniaten  gänzlich  zerstört.  Die  entflohenen  Syba- 
riten  legten  am  Flusse  Laus  ein  neues  Sybaris  an,  wurden  aber 
nach  6  Jahren  wiederum  von  den  Crotoniaten  vertrieben,  die  nun 
Thurii  daselbst  erbauten. 

')  Sinno.  5)  Agri.  6)  Torre  di  S.  Basilio.  7)  Scanzana.  8)  Basiento. 
9)  Torre  dimare.  ,0)  Castrovillari.  ")  Atena.  12)  S.  Maria  di  Vanze. 
lJ)  Eboli.  ")  Agromento.  15)  Potenza.  ™)  Sanza.  17)  La  Terza. 
18)  Tursi.     19)  Buccino.     20)  Nusco. 

-')  König  von  Epirus,  Bruder  der  Olympias,  der  Mutter  Alexan- 
ders des  Grossen.  Er  blieb  in  Italien,  als  er  den  Tarentinern  gegen 
die  Lucaner  und  Brutier  beistand,  326  v.  Chr. 


2(56  Drittes  Buch. 

Griechen  nannten  diess  Land  nach  ihrem  Feldherrn  Messa- 
pia,  vorher  nach  Peucetius,  dem  Bruder  des  Onotrius,  im 
salentini sehen  Gebiete ,  Peucetia.  Die  beiden  Vorgebirge 
sind  100000  Schritte  von  einander  entfernt.  Die  Breite  der 
Halbinsel  beträgt  von  Tarent  bis  Brundisium  zu  Lande 
35,000  Schritte,  viel  weniger  aber  vom  Hafen  Sasina1)  aus 
gemessen.  Städte  im  Lande,  von  Tarent  an,  sind:  Varia2) 
mit  dem  Beinamen  Apula,  Messopia3)  und  Alatium4);  an 
der  Küste:  Senum,  Callipolis 5),  jetzt  Anxa,  75,000  Schritte 
von  Tarent.  32,000  Schritte  weiter  liegt  das  Vorgebirge 
Acra  Japygia6),  woselbst  Italien  sich  am  weitesten  ins 
Meer  erstreckt.  Dann  folgt  10,000  Schritte  weiter  die  Stadt 
Basta7)  und  noch  9000  Schritte  weiter  Hydruntum.8)  Hier 
scheidet  sich  das  adriatische  Meer  von  dem  jonischen;  auch 
ist  hier  die  kürzeste  Ueberfahrt  nach  Griechenland  zu  dem 
gegenüberliegenden  Apollonia9),  da  die  Breite  der  dazwischen 
befindlichen  Meerenge  nicht  über  50,000  Schritte  beträgt.10) 
Pyrrhus,  König  von  Epirus,  fasste  zuerst  den  Plan,  auf 
Schiffbrücken  den  Fussmarsch  über  diese  Meerenge  fortzu- 
setzen, und  nach  ihm  hatte  M.  Varro,  der  im  Kriege  mit 
den  Seeräubern  die  Flotte  des  Pompejus  befehligte,  dieselbe 
Absicht.  Beide  wurden  aber  durch  andere  Umstände  an 
ihrem  Vorhaben  verhindert.  Von  Hydruutum  gelangt  man 
zu  dem  jetzt  wüsten  Soletum  n),  dann  folgt  Fratuertium  12), 
der  tarentinische  Hafen,  die  Schiffsstation  Miltopä,  Lupia13), 
Balesium14),  Cölia15),  das  von  Hydruntum  50,000  Schritte 
entfernte  Brundisium16),  mit  einem  der  besten  Häfen  Italiens, 
von  wo  aus  die  sicherste,  wenngleich  längste  Ueberfahrt 
nach  der  225,000  Schritte  entfernten  illyrischen  Stadt  Dyr- 
rhachium 17)  stattfindet.     An  Brundisium  grenzt  das  Gebiet 


I)  Porto  Ce.sareo.  2)  S.  |Maria  di  Varietto.  3)  Misagna.  4)  Latiana. 
s)  Gallipoli.    6)   Capo   di  S.   Maria  di  Leuca.    7)  Vaste.     8)  Otranto. 

9)  Pelina. 

,0)  Diese  Meerenge  scheint  also  in  jener  Zeit  nicht  so  breit  ge- 
wesen zu  sein,  wie  jetzt. 

II)  Solito.     ,2)    Copertino.      ,3)    Lecce.     u)  S.  Maria   delle  Lizza 
1S)  Ceglia.     lG)  Brindisi.     I7)  Durazza. 


Drittes  Buch.  267 

der  Pediculer.  Neun  Jünglinge  und  ebenso  viele  Jung- 
frauen von  illyrischer  Abkunft  sind  die  Stammeltern  von 
16  Völkerschaften.  Die  Städte  der  Pediculer  heissen:  Ru- 
diä1),  Egnatia2)  und  Barium3);  die  Flüsse:  Japyx,  welcher 
seinen  Namen  von  einem  Könige,  dem  Sohne  des  Dädalus 
hat,  nach  welchem  auch  Japygia  benannt  ist;  Pactius4)  und 
der  Aufidus5),  welcher  auf  den  hirpiuischen  Bergen  ent- 
springt und  bei  Canusium6)  vorbeifliesst. 

Hierauf  folgt  Apulien 7),  auch  das  Land  der  Daunier 8) 
genannt,  von  ihrem  Heerführer,  dem  Schwiegervater  des 
Diomedes.  In  demselben  liegen  die  Städte:  Salapia9),  be- 
kannt durch  Hannibal's  Ausschweifungen,  Sipontum10),  Uria11); 
der  Fluss  Cerbalus 12),  an  der  Grenze  der  Daunier,  der  Ha- 
fen Agasus13),  das  Vorgebirge14)  des  Berges  Garganus,  des- 
sen Entfernung  vom  salentinischen  oder  japygischen  Ge- 
biete, um  den  Garganus  herum  234,000  Schritte  beträgt; 
der  Hafen  Garnä15),  der  See  Pantanus16),  der  hafenreiche 
Fluss  Frento17),  das  apulische  Teanum18),  ferner  das  lari- 
nische  Cliternia19),  der  Fluss  Tifernus20),  dann  das  fren- 
tanische  Gebiet.21)  Es  giebt  also  3  Stämme  der  Apulier: 
nämlich  die  Teaner,  so  genannt  von  einem  Feldherrn  der 
Griechen;  die  Lucaner,  welche  von  Calchas  überwunden 
sind,  und  deren  Wohnsitze  jetzt  die  Atinater  inne  haben; 
die  Daunier,   wozu  ausser  den  oben  angeführten,  noch  die 


')  Rotigliano.  2)  Torre  di  Anazzo.  3)  Bari  4)  Patrica.  5)  Ofanto. 
<■)  Canosa    7)  Capitanata. 

8)  Daunus,  ein  angesehener  Illyrier,  der  wegen  Unruhen  aus  seinem 
Vaterlande  wanderte  und  sich  hier  niederliess.  Diomedes  flüchtete 
zu  ihm,  als  er  nach  seiner  Rückkehr  von  Troja  Argos  verlassen  musste. 
Ein  anderer  Daunus  war  ein  Sohn  des  Lycaon  von  Arkadien,  der 
mit  seinen  Brüdern  Japyx  und  Peucetius  nach  Italien  ging  und  sich 
in  dem  nach  ihm  benannten  Daunien  niederliess.  Plinius  scheint 
hier  beide  als  eine  Person  zu  betrachten. 

9)  Salpe.  ,0)  Manfredonia.  ll)  Ururi.  **)  Cervaro.  13)  Porto  greco. 
**)  Capo  Viestice.  ,D)  Rodi.  ,6)  Capo  di  Lesina.  ")  Fortore.  li)  Chiati 
Vecchio.     ,9)  Antica  Cliternia.     20)  Biferno. 

21)  Provinz  Abruzzo  citeriore. 


268  Drittes  Buch. 

Colonien  Luceria  *)  und  Venusia 2) ;  die  Städte:  Canu- 
sium  8),  Arpi  4),  welches  früher  von  seinem  Gründer,  dem 
Diomedes,  Argos  Hippium  genannt  wurde,  nachher  aber 
Argyrippa  hiess.  Diomedes  vertilgte  daselbst  die  Monader 
und  Darder,  sowie  zwei  Städte,  Apina  und  Trica5),  deren 
Namen  zum  scherzhaften  Sprichworte  geworden  sind. 

Im  Innern  des  zweiten  Bezirkes  liegen  ausser  der  ein- 
zigen Colonie  der  Hirpiner,  welche  ihren  frühem  Namen 
Maleventum,  mit  einem  von  besserer  Vorbedeutung,  nämlich 
Beneventum6)  gewechselt  hat,  die  Aeculaner7),  Aquilaner8), 
Abellinater 9)  mit  dem  Beinamen  Protroper,  Campsaner 10), 
Caudiner11),  Ligurer12),  mit  dem  Beinamen  Cornelianer,  oder 
auch  Bebianer,  die  Vescellaner,  Aeclaner,  Aletriner 13), 
Abellinater14)  mit  dem  Beinamen  Marser,  Atraner15),  Aca- 
ner16),  Alfellaner17),  Attinater 18),  Arpaner19),  Borcaner20), 
Collatiner21),  Corinenser22),  Cannenser23),  bekannt  durch 
die  bei  ihrer  Stadt  erfolgte  Niederlage  der  Römer,  Dinner, 
Focentaner24),  Genusiner25),  Herdonienser26),  Hyriner27) 
Larinater 28)  mit  dem  Beinamen  Frentaner,  Merinater 29)  am 


')  Luccra. 

-)  Venosa,  der  Geburtsort  des  Dichters  Horaz.  Vergl.  Horaz 
Satyr.  Bd.  II.  Sat.  1.  v.  34. 

3)  Canosa.     4)  Arpino. 

•"')  Ganz  unbedeutende,  nichtige  Dinge  nannten  die  Römer  Tricas 
et  Apinas. 

°)  Benevento.  7)  Ruinen  bei  Mirabella.  8)  Monte  Chilone.  9)  Avig- 
liano.     ,0)  Conza. 

u)  Forchia.  In  der  Nähe  von  Gaudium  befinden  sich  die  cau- 
dinischen  Engpässe  (furculae  Caudinae),  wo  einst  die  ganze  römische 
Armee  unter  den  Consuln  T.  Veturius  Calvinus  und  Spurius  Postu- 
mius  Albanus  von  den  Samnitern  gefangen  und  gezwungen  wurde, 
durch  das  Joch  zu  gehen.     Vergl.  Livius  IX.  2. 

'"-)  Taurasia.  ,3)  Alatri.  M)  Marsico  vetere.  15)  Atripella.  lü)  Troja. 
,7)  Guarda  Alfiera.     ,8)  Atena.     >9)  Arpaja.     20)   Citta    Borella. 

2I)  Coglionisi.     22)  Cornito  vecchio. 

23)  Canne.  Im  zweiten  punischen  Kriege  siegte  Hannibal  liier 
über  die  Römer,  216  v.  Chr. 

M)  Forenza.  w)  Ginosa.  26)  Ordona.  27)  Oria.  2S)  Larina.  29)  Vieste. 


Drittes  Buch.  269 

Garganus,  Mateolaner 1),  Netiner2),  Rubustiner 3),  Silvi- 
ner  4),  Strabelliner  5),  Turnientiner  6),  Vibinater7);  Venu- 
siner 8),  Ulurtiner. 9)  Mitten  im  Lande  wohnen  folgende 
calabrische  Völker:  die  Agetiner10),  Apamestiner  n),  Argen- 
tiner,  Butuntinenser 12),  Decianer,  Grumbestiner,  Norbanen- 
ser,  Palionenser13),  Sturniner 14),  Tutiner. 15)  Salentinische 
Völker  sind:  die  Aletiner16),  Basterbiner H),  Neretiner 18), 
Uxentiner19)  und  Veretiner. 20) 

17. 
Nun  folgt  der  vierte  Bezirk,  den  die  tapfersten  Völker 
Italiens  bewohnen.  An  der  Küste  liegt  vom  Tifernus21)  an 
das  Gebiet  der  Frentaner22),  der  hafenreiche  Fluss  Trinium23), 
die  Städte  Histonium24) ,  Buca25)  und  Ortona26),  der  Fluss 
Aternus.27)  Im  Innern  wohnen  die  frentanischen  Anxaner28), 
die  obern  Carentiner29),  die  untern  Carentiner 30) ,  und  La- 
nuenser;im  Marrucinischen  die  Teatiner31);  im  Pelignischen32) 
die  Corfinienser33),  Superäquaner34),  Sulmanenser35);  im  Mar- 
sischen36) die  Anxantiner37),  Atinater38),  Fucenter,  Lucen- 
ser 39),  Maruviner,  das  den  Albensern  gehörende  Alba 40)  am 
See  Fucinus41);  die  äquiculanischen  Cliterniner  und  Carseo- 
laner42);  die  vestinischen  Augulaner43),  jPinnenser44),  Pel- 
tuinater45),  an  welche  die  cismontanischen 46)  Aufinater47) 
grenzen;  im  Gebiete  der  Sommiter,  welche  die  Römer  Sabel- 
ler,  die  Griechen  Sauniter  nennen:  die  Colonien  Alt-Bovia- 

-  ')  Motta  della  Regina.  "-)  Noja.  3)  Ruvo.  4)  Savigliano.  5)  Ra- 
polla.  ß)  Due  Torre.  7)  Bovino.  8)  Venosa.  9)  Gurigliano.  10)  Ajeta, 
'•)  Vieste.  12)  Bitonto.  «)  Palo.  M)  Torchiarolo.  15)  Tutiano.  ,G)  Alez- 
zano.  ,7)  Paravita.  ,8)  Nardo.  10)  ügento.  20)  Verato.  2l)  Biferno. 
-2)  Abruzzo  citeriore.  23)  Trigno.  -*)  Guasto  d'Ammone.  -5)  Termoli. 
26)  Ortona  a  niare.  27)  Pescara.  28)  Loniciana.  29)  Civita  Burella. 
3°)  Carlentino.    31)  Chieti.    32)  Campi  di  S.  Pelino.     33)  Pentinia. 

M)  Castel  vecchio  Subegno. 

33)  Sulmona,  die  Vaterstadt  des  Dichters  Ovid.  Vergl.  Ovids 
Tristi  B.  IV.  Eleg.  9. 

36)  Ducato  di  Marsi.  87)  Avezzana.  38)  Civita  dAntino.  w)  Luco. 
")  Albi,  41)  Lago  di  Celano.  42)  Carsoli.  *3)  Civita  S.  Angelo.  ■»)  Ci- 
vita di  Penna.     45)  Monte  bello.     K)  Diesseits  des  Apennin. 

•")  Ofena  la  Pagliana. 


270  Drittes  Buch. 

nuni  *)  und  Bovianum  Undecumanorum. 2)  Die  Aufidena- 
ter  3),  Eseminer  4),  Fagifulaner  5) ,  Ficolenser,  Säpinater  6), 
Tereventinater  7);  im  Lande  der  Sabiner  die  Amiterniner  8), 
Curenser9),  Forum  Decii10)  Forum  novum11),  die  Fidena- 
ter12),  Interamnater13),  Nursiner14),  Nomentaner 15),  Reati- 
ner16),  Trebulaner  mit  dem  Beinamen  Mutuscer17)  und  Suffe- 
nater18),  Tiburter 19) ,  Tarinater. 20)  In  diesem  Lande  sind 
von  den  Aequiculern  untergegangen:  die  Cominer,  Tadiater, 
Cädicer  und  Alfaterner.  Gellianus21)  berichtet,  dass  die  mar- 
sische Stadt  Archippa,  welche  von  Marsyas,  einem  Anfüh- 
rer der  Lydier  erbauet  war,  vom  See  Fucinus  Verseilungen 
sei22);  desgleichen  schreibt  Valerianus 23),  dass  die  Kömer 
die  Stadt  der  Viticiner  im  Picenischen  zerstört  hätten.  Die 
Sabiner,  welche,  wie  Einige  glauben,  wegen  ihrer  Frömmig- 
keit und  ihrer  heiligen  Gebräuche  Seviner u)  heissen,  woh- 
nen an  den  velinischen  Seen25)  auf  thauigen  Hügeln.  Der 
Fluss  Nar  verdirbt  durch  seinen  Schwefelgehalt  ihr  Wasser; 
er  kommt  vom  Berge  Fiscellus 26),  stürzt  sich  bei  den  Hai- 
nen der   Vacuna 27)    und  neben  Reate  in  jene   Seen,   und 


')  Bojano. 

-)  Von  der  11.  Legion,  aus  welcher  Soldaten  hieher  zur  Gründung 
der  Colonie  geschickt  wurden. 

3)  Alfidena.  4)  Isemia.  5)  Tojana.  6)  Sepino.  '•)  Trivento.  8)  Ama- 
trice.  9)  Correze.  10)  Fara.  ")  Fornano.  12)  Castel  Giubileo.  !3)  Te- 
ramo.     14)  Norcia.     ,5)  La  Mentana.     16)  Rieti. 

1T)  Monte  Leone  della  Sabina. 

»»)  Trivigliano.  19)  Tivoli.  20)  Tarano.  21)  Ein  nicht  weiter  be- 
kannter Schriftsteller.  « 

22)  Spuren  dieser  Stadt  finden  sich  noch  in  der  Nähe  des  Ufers 
des  Sees  bei  Trasacco.  Man  bemerkt  sie  bei  niedrigem  Wasserstande. 

23)  Ebenfalls  unbekannt. 

-A)  Von  GsßtG&ai:  verehren. 

25)  Es  gab  deren  zwei;  der  eine  im  Herzogthum  Spoleto  heisst 
jetzt  Lago  di  Pie  de  Lugo,  der  andere  im  Reatinischen  Lago  di  S. 
Susanna. 

26)  Monte  Fiscello  bei  der  Stadt  Civita  reale.  Der  Fluss  Nar 
heisst  jetzt  Velino  bis  nach  Rieti,  von  da  aber,  wo  er  über  den  Seen 
hinaus  ist,  Nera. 

-7)  Die  Göttin  der  Ruhe  nach  der  Ernte;   daher  feierten   ihr  die 


Drittes  Buch.  271 

führt,  nach  dem  er  sie  verlassen  hat,  sein  Wasser  dem 
Tiber  zu.  Von  der  andern  Seite  her  leitet  der  Anio  *),  wel- 
cher auf  dem  trebanischen  Berge2)  entspringt,  drei  reizende 
Seen,  von  denen  Sublaqueum8)  den  Namen  hat,  in  den  Tiber. 
M.  Varro  sagt,  dass  der  cutilische  See4)  im  reatinischen 
Gebiete,  auf  welchem  eine  Insel  schwimmt,  die  Mitte  von 
Italien  sei.  Unterhalb  dem  Lande  der  Sabiner  liegt  Latium, 
zur  Seite  Picenum  und  im  Rücken  Umbrien,  indem  die 
Bergrücken  des  Apenninus  das  Sabinerland  auf  beiden  Sei- 
ten einschliessen. 

18. 
Der  fünfte  Besirk  ist  Picenum5),  einst  ein  sehr  volk- 
reiches Land,  denn  360,000  Picentiner  schlössen  mit  den  Rö- 
mern ein  Bündniss. 6)  Sie  stammen  von  den  Sabinern,  in 
Folge  eines  angelobten  heiligen  Frühlings7)  ab.  Sie  wohnten 
am  Flusse  Aternus8),  da  wo  jetzt  das  adrianische  Gebiet 
und  die  6000  Schritte  vom  Meere  entfernte  Colonie  Adria  9) 
liegt.  Zu  bemerken  sind:  der  Fluss  Vomanum10),  das  prä- 
tutianische  u)  und  palmensische  Gebiet;  ferner  Castrum  no- 
vum  12j,  der  Fluss  Batinum 13),  Truentum  w)  mit  dem  Flusse 
gleichen  Namens15),  der  einzige  Ort  der  Liburner,  welcher 
in  Italien  noch  übrig  geblieben  ist.     Der  Fluss  Albula16), 


Landleute  im  December  ein  Fest ,  das  Vacunalia  hiess.  Sie  hatte 
auch  zu  Rom  einen  Tempel.  Die  Römer  erhielten  ihren  Dienst  von 
den  Sabinern.    Ovids  Fast.  IV.  307. 

•)  Teverone. 

2)  Die  Berge  bei  Trevi. 

-)  Subiaco. 

'•)  Lago  di  Contigliano. 

5)  Abruzzo  ulteriore  und  ein  Theil  der  Mark  Ancona. 

6)  Nach  ihrer  Niederlage  durch  den  Consul  Publ.  Sempronius 
268  v.  Chr. 

7)  Ein  solches  Gelübde  gebot  nicht  nur,  alle  Erzeugnisse  des 
Frühlings  den  Göttern  zu  weihen,  sondern  auch  die  mannbare  Jugend, 
welche  das  Mutterland  nicht  ernähren  konnte,  zur  Anlegung  einer 
Colonie  fortzuschicken. 

8)  Pescara.     9)  Atri.     ,0)  Vomano.     u)  Teramo.     n)  Giulia  nova. 
13)  Salinello.     14)  Civitella  del  Tronto.     ,s)  Tronto.     16)  Aso. 


272  Drittes  Buch. 

Tervium 1),  mit  dem  das  prätutianische  Gebiet  sich  schliesst, 
und  das  picentische  beginnt.  Weiterhin  folgt:  die  Stadt 
Cupra2),  Castellum  Firmanorum3)  und  darüber  die  Colonie 
Asculum  4),  die  berühmteste  in  Picenum.  Im  Innern  des 
Landes  liegt  Novana5);  an  der  Küste  Cluana6),  Potantia7), 
Numanas),  welches  von  den  Siculern  erbauet  ist.  Eben- 
dieselben legten  auch  die  Colonie  Ancona  an,  die  am  Vor- 
gebirge Cunerum9)  da  liegt,  wo  die  Küste  einen  Ellbogen 
bildet,  183,000  Schritte  vom  Garganus  entfernt.  Im  Innern 
des  Landes  wohnen  die  Auximater 10),  Beregraner n),  Cin- 
gulaner12),  Cuprenser13)  mit  dem  Beinamen  Montaner,  Fa- 
larienser14),  Pausulaner16),  Planinenser16),  Ricinenser17),  Sep- 
tempedaner 1S),  Tollentinater 19),  Trejenser20),  Urbesalvier21) 
und  Pollentiner. 

19. 
Hieran  schliesst  sich  der  sechste  Bezirk,  welcher 
Umbrien,  nebst  dem  'um  Ariminum  22)  belegenen  gallischen 
Gebiete  umfasst.  Bei  Ancona  beginnt  die  gallische  Küste, 
auch  Gallia  togata23)  genannt.  Die  Siculer  und  Liburner 
hatten  den  grössten  Theil  dieses  Landstriches  im  Besitz, 
namentlich  das  palmensische,  prätutianische  und  adrianische 
Gebiet.  Sie  wurden  aber  von  den  Umbrern,  diese  von  den 
Etruriern  und  letztere  wieder  von  den  Galliern  vertrieben. 
Die  Umbrer  werden  für  das  älteste  Volk  Italiens  gehal- 
ten, und  man  glaubt,  dass  sie  deshalb  von  den  Griechen 
Ombrier  genannt  sein,  weil  sie  eine  durch  Regengüsse  ver- 
ursachte Ueberschwemmung  der  Erde  erlebt  hätten.  Die 
Thuscer  sollen   300   ihrer  Städte    erobert  haben.     An  der 


')  Grotte  a  inare. 

2)  Ruinen  bei  dem  Dorfe  Marano. 

3)  Fermo.    4)  Ascoli.    5)  Monte  di  Nove. 

G)  An  der  Mündung  des  Chiento,  wo  jetzt  Piano  di  S.  Giacomo. 
7)  Monte  Santo.  8)  Umana  distrutta.  9)  Monte  Comero.  I0)  Osimo. 
u)  Monte  Filatrano.  ,2J  Cingoli.  ,3)  Ripatransone.  14)  Falleroni. 
,ä)  Grotta  Azzolino.  i6)  S.  Ginesio.  ,7)  Ruinen  bei  Recanati.  ,8)  S. 
Severino.  ,9)  Tollentino.  20)  Treja.  -')  Urbisaglia.  2-)  Rimini.  23)  Oder 
cisalpina. 


Drittes  Buch.  273 

Küste  befindet  sich  der  Fluss  Aesis1),  Senagallia 2) ,  der 
Fluss  Metaurus3),  die  Colonien  Fanum  Fortuna4),  und  Pi- 
saurum5)  mit  einem  Flusse6)  gleichen  Namens.  Im  Innern 
liegen  Hispellum7)  und  Tuder.8)  Ausserdem  wohnen  dort: 
die  Ameriner9),  Attidiater 10) ,  Asisinater  n),  Arnater12),  Ar- 
sinater 1S),  Camerter  14),  Casuentillaner 15),  Carsulaner 16),  Do- 
later  mit  dem  Beinamen  Salentiner,  Fulginater17),  Foro- 
flaminienser18),  Forojulienser 19)  mit  dem  Beinamen  Concu- 
bienser,  Forobrentaner20),  Forosompronienser 21),  Iguviner22), 
Interamnater  oder  Narter23),  Mevanater24),  Mevanionenser25), 
Matilicater 26),  Narnienser 27) ,  deren  Stadt  früher  Nequinum 
hiess,  Nuceriner 28)  oder  Favonienser  oder  Camelaner,  Ocri- 
culaner 2!)),  Ostraner 30),  Pitulaner 31),  die  zum  Theil  Pisuer- 
ter,  zum  Theil  Mergantiner  heissen,  Pelestiner32),  Sentina- 
ter33),  Sarsinater34),  Spoletiner35),  Suasaner,  Sestinater 36), 
Suillater37),  Tadinater 38),  Trebiater 39),  Tuficaner40),  Tifer- 
nater,  welche  in  die  Tiberiner41)  und  Metaurenser 42)  zer- 
fallen, Vessinicater43),  Urbinater,  welche  theils  Metauren- 
ser44), theils  Hortenser45)  heissen,  Vettonenser46),  Vindina- 
ter 47),  Viventaner. 4S) 

In  dieser  Gegend  sind  untergegangen:  die  Feliginater 
und  die  Völker,  welche  Clusiolum  oberhalb  Interamma  inne 
hatten;  auch  die  Sarranater  mit  den  Städten  Acerrä 49)  oder 
Vafriä  und  Turocalum  oder  Vettiolum.  Ferner  die  Solina- 
ter,  Curiater,  Fallienater  und  Apiennater.  Auch  die  Arie- 
nater  mit  Crinovolum,  die  Usidicaner,  Plangenser,  Pisinater 


')  Esio.  2)  Sinigaglia.  3)  Metaro  oder  Mitro.  *)  Fano.  5)  Pesaro. 
*)  Foglia.  7)  Ispello  oder  Spello.  »)  Todi.  9)  Amelia  in  Spoleto. 
,0)  Attigio.  ")  Assisi.  ,!i>  Civitella  d'Arno.  13)  Jesi.  !i)  Camerino. 
,5)  Valle  Casentino.  ,6)  Monte  Castrilli.  ,7)  Foligno.  18)  Forfiamma,. 
,9)  Zugliano.  *»)  Formigine.  2!)  Fossombrone.  22)  Gubbio.  23)  Terni. 
24)  Bevagna.  25)  Galeata.  26)  Matelica.  21)  Narni.  28)  Nocera.  29)  Otri- 
colo.  30)  Orziano.  3»)  Pitigliano.  32)  Piobbico.  33)  Beim  heutigen 
Sasso  Ferrato.  3i)  Sarcina.  35)  Spoleto.  36)  Sestino.  37)  Sigello. 
3*)  Gualdo.  39)  Trevi.  *>)  Ficano.  ")  Tifi.  42)  S.  Angelo  in  Vado. 
a)  Badia  del  Vescova.  4i)  Urbaria.  «)  Urbino.  4i)  Bettona.  47)  S. 
Venzano.    48)  Cattolico. 

49)  Lag  an  der  Stelle  des  heutigen  Anzola. 

18 


274  Drittes  Buch. 

und  Cälestiner.  Nach  Cato's  Bericht  ist  das  oben  erwähnte 
Ameria  964   Jahre  vor  dem  Kriege  mit  Perseus1)  erbauet. 

20. 

Der  achte  Bezirk  wird  von  dem  Ariminus2),  dem 
Padus  und  dem  Apenninus  begrenzt.  An  der  Küste  befin- 
det sich  der  Fluss  Crustumium3),  die  Colonie  Ariminum4) 
nebst  den  Flüssen  Ariminus  und  Aprusa. 5)  Hier  ist  auch 
der  Fluss  Rubico6),  der  einst  die  Grenze  von  Italien  bil- 
dete. Auf  ihn  folgen  der  Sapis7),  Vitis8)  und  Anemo9); 
Ravenna,  eine  Stadt  der  Sabiner,  mit  dem  Flusse  Bedesis10) 
105,000  Schritte  von  Ancona  entfernt.  Unweit  des  Meeres 
liegt  die  umbrische  Stadt  Brutium. n)  Im  Innern  liegen  die 
Colonien  Bononia12),  Felsina  genannt  als  sie  noch  Haupt- 
stadt von  Etrurien  war,  Brixillum 13),  Mutina14),  Parma, 
Placentia15);  die  Städte  Cäsena16),  Claterna17),  Farum  Clo- 
dii18),  Forum  Livii19),  Forum  Popilii20),  Forum  Truentinorum21), 
Forum  Cornelii s2) ;  die  Faventiner23),  Fidentiner 24) ,  Otesi- 
ner,  Padinater  2'°),  Regienser26)  von  Lepidus  gegründet,  So- 
lonater27)  und  die  gallianischen  Salter,  welche  auch  Aqui- 
nater  heissen,  die  Tanetaner28),  Veleiater29)  oder  alten  Re- 
giater30)  und  die  Urbanater. 31)  In  diesem  Lande  sind  die 
Bojer,  welche  nach  Cato  aus  112  Stämmen  bestanden,  und 
die  Senoner,  welche  Rom  erobert  hatten32),  untergegangen. 

Der  Padus 33)  fliesst  aus  dem  Schoosse  des  Berges  Ve- 
sulus  34),  einem  der  höchsten  Gipfel  der  Alpen,  an  der 
Grenze  der  vagiennischen  Ligurer,  aus  einer  sehenswerthen 
Quelle 35)  hervor,  verbirgt  sich  dann  in  einem  unterirdischen 


!)  Der  Krieg  mit  Perseus  begann  171  v.  Chr.;  er  wurde  168  bei 
Pyclna  geschlagen. 

2)  Marcachia.  3)  Conca.  4)  Riniini.  5)  Ausa.  6)  Luso,  nach  An- 
dern der  Pisatello.  7)  Savio,  auch  Rio  di  Cesena  genannt.  8)  Mon- 
tone.  9)  Lamone.  10)  Renco.  ")  Bei  Palazzuolo?  I2)  Bologna.  13)  Bre- 
telo.  w)  Modena.  ,5)  Piacenza.  ,6)  Cesena.  n)  Maggio.  18)  Fornochia. 
,9)  Forli.  20)  Forlimpopoli.  21)  Bertinoro  oder  Brittonoro.  -2)  Imola. 
23)  Farenza,  24)  Borgo  S.  Domino.  25)  Schloss  Bohdeno.  26)  Reggio 
in  Modena.  27)  Citta  del  Sole.  28)  Taneto.  «•)  Monte  Veglio.  »)  Reg- 
giola.  31)  Sapigno.  32)  390  v.  Chr.  33)  Po.  34)  Viso.  35)  Sie  heisst 
"Visenda.    8.  auch  II.  B.  106.  Cap. 


Drittes  Buch.  275 

Gange,  und  kommt  im  forovibiensischen  Gebiete *)  wiederum 
zum  Vorschein.  Er  steht  keinem  andern  Flusse  an  Be- 
rühmtheit nach.  Bei  den  Griechen  heisst  er  Eridanus  und 
ist  durch  die  Strafe  des  Phaeton 2)  bekannt.  Beim  Aufgange 
des  Hundssternes  schwillt  er  vom  Schneewasser  an,  allein7 
obgleich  er  dann  für  Schiffe  zu  reissend  ist,  so  nimmt  er 
doch  von  den  Aeckern  nichts  mit  sich  fort,  sondern  be- 
wässert sie  nur  und  macht  sie  dadurch  fruchtbarer.  Er 
durchfliesst  eine  Strecke  von  388,000  Schritten,  nimmt 
nicht  nur  schiffbare  Apennin-  und  Alpenflüsse,  sondern 
auch  ungeheure  Seen  in  sich  auf,  und  führt  überhaupt  30 
Flüsse  ins  adriatische  Meer.  Die  berühmtesten  von  diesen 
sind,  auf  der  Seite  des  Apenninus:  der  Tanarus3),  Trebia4) 
im  Placentinischen,  Tarus5),  Incias6),  Gabellus7),  Sculten- 
na8)  und  Rhenus9);  von  den  Alpen  her:  der  Stura,  Orgus10), 
die  beiden  Duria11),  der  Sessites12),  Ticinus13),  Lambrus14), 
Addua15),  Ollius 16)  und  Mincius. 17)  Kein  anderer  Fluss 
erhält  auf  so  kurzer  Strecke  einen  grössern  Zuwachs.  Da- 
her presst  sich  seine  Wassermasse  stets  vorwärts,  wühlt  in 
die  Tiefe  und  wird  dem  Lande  furchtbar,  denn  obgleich  er 
zwischen  Ravenna  und  Altinum18)  in  mehrere  Kanäle  und 
Gräben  auf  eine  Strecke  von  120,000  Schritten  abgeleitet 
ist,  so  soll  er  doch,  wo  er  am  weitesten  austritt,  7  Meere19) 
bilden. 

Ein  schmaler  Arm  von  ihm  zieht  sich  nach  Ravenna 
hin,  der  Padusa20)  heisst,  früher  aber  Messanikus  genannt 
wurde.    Die  nächste  Mündung  von  da  an  bildet  einen  ge- 


')  Pignerolo. 

-)  Vergl.  Ovid's  Metamorph.  II.  Bd.  304. 
3)  Tanaro. 

■)  Trebbia.     Hier  fiel    die   berühmte   Schlacht,    218  v.  Chr.,  im 
zweiten  punischen  Kriege  vor. 

5)  Taro.    °)  Lenza.    7)  Gavecello.     8)  Panaro.    9)  Reno.    ,0)  Orco. 

n)  Dora  Baltea  und  Dora  Ripera. 

,2)  Sesia.    !3)  Tesino.    M)  Lambro.  ,5)  Adda.   ,ß)  Oglio.    I7)  Mincio 

,8)  Altino.     I9)  Septem  maria;  siehe  weiter  unten. 

,2°)  Portp  nuovo  della  Bajona. 

18* 


276  Drittes  Buch. 

räumigen  Hafen  l),  der  Vatreni 2)  heisst,  aus  dem  der  Kai- 
ser Claudius,  als  er  siegreich  aus  Britannien  zurückkehrte 3), 
in  einem  sehr  grossen  Schiffe,  das  mehr  einem  Hause 
glich,  ins  adriatische  Meer  auslief.  Ehemals  hiess  sie  die 
eridanische  Mündung,  nach  Andern  die  spinetische  von  der 
Stadt  Spina,  welche  daneben  lag,  von  Diomedes  erbauet 
war,  und,  wie  man  aus  den  zu  Delphi  befindlichen  Schätzen4) 
schliesst,  viel  Keichthum  besass.  Hier  erhält  der  Padus 
durch  den  Fluss  Vatrenus,  welcher  aus  dem  forocornelien- 
sischen  Gebiete5)  kommt,  neuen  Zuwachs. 

Die  dann  kommende  Mündung  heisst  Caprasiä6),  die 
folgende  Sagis,  und  endlich  Volane 7),  früher  Olane  genannt. 
Alle  diese  Kanäle  und  Gräben  haben,  von  Sagis  aus,  die 
Thuscer  zuerst  gemacht,  indem  sie  den  heftigeu  Strom  quer 
durch  die  atrianischen  Sümpfe,  welche  die  7  Meere  genannt 
werden,  nach  dem  berühmten  Hafen  der  thuscischen  Stadt 
Atria8)  leiteten.  Von  dieser  Stadt  hiess  das  Meer,  welches 
wir  jetzt  das  adriatische  nennen,  vormals  das  atriatische. 

Nun  folgen9)  die  wasserreichen  Mündungen  Carbo- 
naria10)  und  die  philistinischen  Teiche11),  die  auch  der 
Tartarus  genannt  werden.  Sie  entstehen  sämmtlich  durch 
den  Austritt  des  philistinischen  Kanals12),  wozu  noch  die 
Flüsse  Athesus 13)  von  den  trideutinischen  Alpen  und  Togi- 
sonus 14)  aus  dem  patavinischen  Gebiete  kommen.  Ein  Theil 
dieser  Gewässer  bildet   den  nächsten  Hafen  Brundulum15), 


')  Porto  di  Primaro. 

"-)  Vom  Flusse  Vatrenus  (Santerno),  welcher  in  diesen  Arm  des 
Po  fallt. 

3)  44  v.  Chr. 

4)  Die  von  den  Spinetern  dorthin  geschenkt  waren. 

5)  Imola. 

6)  Die  Stelle  von  dieser  und  der  jetzigen  Mündung  nehmen  jetzt 
die  stagni  di  Comachio  ein.  Nur  eine  Mündung  findet  sich  noch  da- 
selbst, welche  Porto  di  magnavacca  heisst,  die  andere  ist  versandet. 

7)  Porto  di  Volano.     8)  Adria.    »)  Nördlich. 

,0)  Bocca  detta  la  Maestra.  »)  Porto  di  Pozzatini.  '*-)  Polosella. 
»»)  Et  seh.    •<)  Concone  Togna.     ,s)  Brondolo. 


Drittes  Buch.  277 

sowie  die  beiden  Medoacischen  Flüsse  *)  und  der  clodiscbe 
Kanal  den  Edro2)  bilden.  Mit  diesem  vereinigt  sieb  der 
Padus  und  dureb  diese  Mündungen  ergiesst  er  sich.  Die 
Meisten  glauben,  er  bilde,  gleichwie  der  Nil  in  Egypten 
das  Delta,  ein  Dreieck  von  2000  Stadien  im  Umfange.  So 
sehr  ich  mich  schäme,  bei  der  Beschreibung  Italiens  von 
den  Griechen  etwas  zu  entlehnen,  so  muss  ich  doch  anfüh- 
ren, dass  Metrodorus  von  Scepsis3)  behauptet,  der  Padus 
habe  seinen  Namen  von  den  Fichten,  welche  in  grosser 
Menge  an  seiner  Quelle  wachsen,  und  in  der  gallischen 
Sprache  Padi  heissen,  erhalten.  In  der  Sprache  der  Li- 
gurer  heisst  er  Bodincus,  was  seine  fast  grundlose  Tiefe 
andeutet.  Diess  erweist  sich  durch  die  dort  liegende  Stadt 
Industria4),  welche  vormals  Bodincomagum  hiess,  und  in 
deren  Nähe  der  Padus  sehr  tief  zu  werden  beginnt. 

21. 
Der  jetzt  folgende  elfte  Bezirk  heisst  der  transpa- 
d an i sehe5);  er  liegt  ganz  im  Innern  des  Landes  und  vom 
Meere  wird  ihm  alles  durch  diesen  fruchtbaren  Strom  zu- 
geführt. Städte  darin  sind:  Vibi  Forum6)  und  Segusio.7)  Co- 
lonien  am  Fusse  der  Alpen:  Augusta  Taurinorum8),  von 
einem  alten  Stamme  der  Ligurer  gegründet;  hier  wird  der 
Po  schiffbar.  Dann  Augusta  Prätoria9)  im  Lande  der  Sa- 
lasser,  neben  den  Alpenpässen  Grejä10)  und  Peniä.11)  Durch 
letztern  sollen  die  Carthaginienser,  durch  erstem  aber  Her- 
kules gegangen  sein.  Die  Stadt  Eporedia12),  vom  römischen 
Volke  durch  einen  Befehl  der  sibyllinischen  Bücher  erbauet. 
Die  Gallier  halten  die  Eporedier  für  gute  Reiter.  Vercella 
Libicorum13)  ist  von  den  Salluviern  erbauet,  Novaria14) 
von  den  Vertacanacoren  und  gehört  jetzt  zum  Distrikte  der 

*)   Die  Brenta  und  Bacchiglione.     -)  Porto  di  Chioggia. 
:1)  Lebte  im  zweiten  Jahrh.  v.  Ohr. 

Yerrua.    5)  Jenseits  des  Po.    8)  Castel  Fiori.   ")  Suse. 
8)  Turin.     9)  Aosta. 

,0)  Zwischen  dem  Mont  Iseran  und  Mont  Blanc. 
n)  Zwischen  dem  Mont  Blanc  und  dem  grossen  St.  Bernhard. 
vi)  Ivrea.     I3)  Vercelli.     14)  Novara. 


278  Drittes  Buch. 

Vocontier,  nicht,  wie  Cato  glaubt,  zu  dem  der  Ligurer. 
Die  Lavier  und  Maricier  aus  dem  Stamme  der  Ligurier 
haben  in  der  Nähe  des  Padus  Ticinum1)  erbauet,  sowie 
die  Bojer,  welche  über  die  Alpen  gereist  waren,  Laus  Pom- 
peja2),  und  die  Insubrer  Mediolanum 3)  baueten.  Cato  giebt 
an,  dass  die  Bewohner  vonComum4),  Bergamum5)  und  Li- 
ciniforum  6)  und  andere  Völker  jener  Gegend  von  den 
Orobiern  herstammten,  gesteht  aber,  dass  er  den  Ursprung 
dieses  Volkes  nicht  kenne,  wogegen  Cornelius  Alexander7) 
sie  aus  Griechenland  abstammen  lässt,  weil  ihr  Name  so- 
viel als  Bergbewohner  bedeute. 

In  dieser  Gegend  sind  verschwunden:  Die  orobische 
Stadt  Barra,  woher  nach  Cato  die  Bergomater  abstammen, 
doch  soll  nach  ihm  Barra  eine  höhere  und  glücklichere 
Lage  gehabt  haben;  ferner  die  Caturiger,  ein  verbannter 
Stamm  der  Insubrier,  das  oben  genannte  Spina,  auch  das 
reiche  Melpum,  welches  nach  Cornelius  Nepos  von  den 
Insubriern,  Bojern  und  Senonen  an  demselben  Tage  zerstört 
ist,  an  welchem  Camillus8)  Veji  einnahm. 

22. 

Nun  folgt  der  zehnte,  am  adriatischen  Meere  belegene 
Bezirk.  Zu  ihm  gehört:  Venetia,  der  von  dentarvisonischen9) 
Bergen  kommende  Fluss  Silis 10),  die  Stadt  Altinum,  der  auf 
den  opiterginischen  Bergen  entspringende  Fluss  Liquentia11), 
mit  einem  Hafen  desselben  Namens,  die  Colonie   Concor- 


!)  Pavia.  8)  Lodi.   3)  Mailand.  '')  Como. 
B)  Bergamo.    6)  Barlasina. 

7)  Von  Kotyaeum  in  Phrygien  oder  (nach  Suidas)  von  Milet, 
griechischer  Schriftsteller  um  84  v.  Chr.,  war  Sclave  des  Cornelius 
Leutulus,  der  ihm  die  Freiheit  schenkte.  Er  nannte  sich  deshalb 
auch  Cornelius,  und  seiner  ausgebreiteten  Kenntnisse  wegen  hiess  er 
Polyhistor.     Kam  im  Brande  seines  Hauses  um. 

8)  395  v.  Chr.  S.  Livius  V.  19.  Die  Stadt  wurde  später  wieder 
aufgebauet  und  heisst  jetzt  Melzo. 

»)  Bei  Treviso. 

,0)  Sile,  an  dessen  Ufern  die  Ruinen  von  Altinum  liegen. 

")  Liven/.a. 


Drittes  Buch.  279 

dia  *),  die  Flüsse  und  der  Hafen  Romatinum  2),  die  Flüsse 
Tilaventum  majus  3)  und  minus4),  Anaxum  5),  in  welchen 
der  Varranus6)  fliesst,  der  Alsa7),  Natiso8),  der  nebst 
dem  Turms9)  vor  der  15,000  Sehritte  vom  Meere  entfern- 
ten Colonie  Aquileja  vorbeifliesst.  Diesen  Landstrich  be- 
wohnen die  Carner,  und  den  angrenzenden  die  Japyder; 
hier  ist  zu  bemerken :  der  Fluss  Timavus 10),  das  durch  sei- 
nen Wein  berühmte  Castell  Pucinum11),  der  tergistinische 
Busen 12),  die  Colonie  Tergeste  13),  23,000  Schritte  von  Aqui- 
leja entfernt.  Ueber  6000  Schritte  weiter  und  189,000 
Schritte  von  Ravenna  fiiesst  der  Formio u),  die  ehemalige15) 
Grenze  des  vergrösserten  Italiens,  jetzt  aber  die  von  Istrien. 
Istrien  hat  seinen  Namen  von  dem  Flusse  Ister16),  von 
welchem  Mehrere,  unter  andern  auch  Nepos,  der  doch  am 
Padus  wohnte,  behaupten,  dass  er  aus  dem  Danubius,  der 
auch  Ister  heisst,  den  Mündungen  des  Padus  gegenüber,  ins 
adriatische  Meer  fliesse,  und  dass  durch  den  von  beiden 
entgegengesetzten  Seiten  kommenden  Andrang  dieser  Flüsse 
das  dazwischen  liegende  Meer  süss  sei;  allein  sie  irren 
hierin,  denn  kein  Arm  ergiesst  sich  aus  dem  Danubius  ins 
adriatische  Meer.  Ich  glaube,  sie  haben  sich  dadurch  täu- 
schen lassen,  dass  das  Schiff  Argo  auf  einem  Flusse  unweit 
Tergeste,  dessen  Namen  man  aber  nicht  weiss,  ins  adria- 
tische Meer  fuhr.  Genaueren  Nachrichten  zufolge  wurde  es 
auf  den  Schultern  über  die  Alpen  getragen,  dann  auf  dem 
Ister,  dem  Savus17)  und  Nauportus18),  der  davon  seinen 
Namen  hat  und  zwischen  Aemona19)  und  den  Alpen  ent- 
springt, weiter  gefahren. 


1)  Oderzo  am  Livenza. 

2)  Die  Flüsse  heissen  jetzt:    Lemene  und  Regene.     Der  Hafen: 
Oruaro. 

3)  Taglianiento.     4)  Tajamento.    5)  Stella.    6)  Muzonela.    7)  Ansa. 
«)  Natisone.    9)  Torre.     10)  Timuvo.     »)  Duina,     ,2)  Golfo   de  Trieste. 

,3)  Triest.     M)  Risano. 
a)  Vor  Augusts  Eintheilung. 

,G)  Ister    war    der   griechische.    Danubius    der   römische    Name 
der  Donau. 

'7)  Die  Sau.     '»)  Laybach.     ,9)  Laybach. 


280  Drittes  Buch. 

■       23. 

Istrien  läuft  in  eine  Halbinsel  aus.  Seine  Breite  beträgt 
40,000,  sein  Umfang  aber,  wie  Einige  angeben,  125,000  Schritte. 
Ebenso  verhält  es  sich  mit  dem  angrenzenden  liburnischen 
und  dem  flanatischen  Meerbusen1),  während  Andere  deren 
Grösse  zu  225,000  Schritten  angeben.  Nach  Einigen  soll  die 
Grösse  Liburniens  180,000  Schritte  betragen;  noch  Andere 
sagen,  Japydien  ziehe  sich  hinter  Istrien  bis  zum  flanatischen 
Meerbusen  auf  130,000  Schritte  hin.  Tuditanus2),  der  die 
Istrier  unterjochte,  schrieb  aufseine  dort  aufgestellte  Bildsule: 
„Von  Aquileja  bis  zum  Flusse  Titius3)  siud  1000  Stadien." 
Istrische  Städte  mit  römischem  Bürgerrechte  sind  Aegida4) 
und  Parentium5);  die  Colonie  Pola6),  welche  jetzt  Pietas 
Julia  heisst,  wurde  von  den  Colchiern  gegründet;  von  Ter- 
geste  ist  sie  100,000  Schritte  entfernt.  Nicht  weit  davon 
liegt  die  Stadt  Nesautium 7),  und  dann  folgt  als  Grenze  von 
Italien  der  Fluss  Arsia. 8)  Der  Seeweg  von  Ancona  nach 
Pola  beträgt  120,000  Schritte. 

Im  Innern  des  zehnten  Bezirkes  liegen  die  Colonien: 
Cremona  und  Brixia9)  im  Gebiete  der  Cenomaner;  in  dem 
der  Venetier  aber  Ataste 10)  und  die  Städte  Acelum  n),  Pa- 
tavium12),  Opitergium 13),  Belunum14)  und  Vicetia. 15)  Man- 
tua  ist  noch  die  einzige  den  Thuscern  gebliebene  Stadt  jen- 
seits des  Padus.  Nach  Cato  stammen  die  Veneter  von 
einem  trojanischen  Stamme,  ferner  haben,  nach  ihm,  die 
Cenomaner  früher  bei  Massilien  im  Volcischen  gewohnt. 
Nun  folgen  die  Fertiner16),  Tridentiner 17)  und  Beruenser, 
welche  in  rhätischen  Städten  wohnen.  Verona  gehört  den 
Rhätiern  und  Euganeern,  sowie  die  Julienser  zu  den  Carnern. 
Andere  Völker,  von  denen  wir  indessen  keine  nähere  Be- 


')  Golfo  di  Quarnero. 

2)  Sempronius  Tuditanus,  ein  römischer  Feldherr  im  zweiten  pu- 
nischen  Kriege,  triumphirte  im  Jahre  228  v.  Chr.  über  die  Istrier. 

3)  Kerka.  4)  Capo  d'Istria.  5)  Parenzo.  6)  Pola.  7)  Refonzi.  8)  Arsa. 
»)  Brescia.  10)  Este.  ")  Asolo.  12)  Padua.  13)  Oderzo.  ")  Belluno. 
,s)  Vicenza,     ,6)  Feltre.    »)  Triente. 


Drittes  Buch.  281 

Schreibung  beizufügen  brauchen,  sind:  die  Alutenser1),  Asse- 
riater  8),  Flamonienser,  von  denen  ein  Theil  Vanienser 3),  ein 
anderer  Culicer4)  heisst,  die  Forojulienser5)  mit  dem  Bei- 
namen Transpadaner,  die  Foretaner6),  Nedinater7),  Quar- 
quener8),  Taurisamer,  Togienser  und  Vervarer.  Unterge- 
gangen sind  in  diesem  Distrikte  längs  der  Küste:  Iramina, 
Pellaon,  Palsatium;  bei  den  Venetern  Atina  und  Cälina, 
bei  den  Carnern  Segeste9)  und  Ocra,  und  bei  den  Tauris- 
cern  Noreja. 10)  12  Meilen11)  von  Aquileja  ist,  wie  L.  Piso 
berichtet,  eine  Stadt  von  Claudius  Marcellus,  wider  den 
Willen  des  Senats,  zerstört  worden.  Es  giebt  hier  auch  11 
berühmte  Seen,  aus  denen  entweder  Flüsse  entspringen, 
oder  die  von  Flüssen  durchströmt  werden,  wie  der  See 
Larius  12)  von  der  Addua13),  der  Verbanus14)  von  dem  Tici- 
nus15),  der  Benacus16)  von  dem  Mincius17),  der  Sebinus18) 
von  dem  Ollius  19),  der  Eupilis 20)  von  dem  Lambrus21);  alle 
diese  Flüsse  aber  ergiessen  sich  in  den  Padus. 

Die  Alpen  sollen  sich,  nach  Cälius,22),  der  Länge  nach 
vom  obern23)  bis  zum  untern24)  Meere  auf  eine  Million  Schritte 
erstrecken.  Timagenes25)  nimmt  22,000  Schritte  weniger 
an;  ihre  Breite  beträgt  nach  Cornelius  Nepos  100,000 
Schritte,  nach  T.  Livius  3000  Stadien.     Beide  gehen  aber 


')  Lodrone.     -i  Ruinen  bei  Benkovac.     3)  Venzona. 

4)  Flagogna.     5)  Friaul.    6)  Fortino. 

7)  Nadin.    8)  Görz. 

9)  An  dessen  Stelle  jetzt  Alt-Sissek. 

,0)  An  dessen  Stelle  jetzt  Friesach. 

n)  lapides.     I2)  Lago  di  Como. 

I3)  Adda.     M)  Lago  maggiore.     ,5)  Tessin.     16)  Lago  di  Garda. 

")  Mincio.     I8)  Lago  d'Iseo.     ,9)  Oglio. 

M)  Lago  di  Pusiano.    -')  Lambro. 

-2)  L.  Caelius  Antipater,  gegen  20  v.  Chr.,  beschrieb  unter  den 
Römern  zuerst  den  zweiten  punischen  Krieg. 

w)  Adriatischen.     M)  Etrurischen. 

")  Von  Alexandrien,  verlor  bei  der  Eroberung  seiner  Vaterstadt 
durch  die  Römer  (55  v.  Chr.)  seine  Freiheit,  und  kam  durch  Kauf  an 
Faustus,  Sulla's  Sohn,  der  ihn  freigab.  Seine  Schriften  sind  nicht 
mehr  vorhanden. 


282  Drittes  Buch. 

von  verschiedenen  Orten  aus;  denn  da,  wo  die  Alpen 
Deutsehland  von  Italien  trennen,  übersteigt  ihre  Breite  mit- 
unter 100,000  Schritte,  während  sie  an  ihren  schmalen 
Stellen,  gleichsam  durch  eine  Vorsorge  der  Natur,  niemals 
70,000  Schritte  breit  sind.  Die  Breite  Italiens  am  Fusse 
der  Alpen  vom  Varus  an  über  Vada  Sabatia,  Taurinum, 
Comum,  Brixia,  Verona,  Vicetia,  Opitergium,  Aquileja,  Ter- 
geste  und  Pola  bis  zur  Arsia  beträgt  745,000  Schritte. 

.  24. 
In  den  Alpen  wohnen  viele  Völker,  die  berühmtesten 
aber  von  Pola  bis  zum  Gebiete  von  Teigeste  sind :  die  Se- 
cusser x),  Subocriner,  Cataler,  Merocalener,  und  in  der  Nähe 
der  Carner  die  Noricer2),  welche  früher  Tauriscer  hiesseu. 
An  diese  grenzen  die  Rhätier3)  und  Vindelicier4),  welche 
alle  in  viele  Gemeinden  getheilt  sind.  Man  hält  die  Rhä- 
tier für  Abkömmlinge  der  Thuscer,  welche  mit  ihrem  An- 
führer Rhätus  von  den  Galliern  vertrieben  sind.  Auf  der 
andern  gegen  Italien  gerichteten  Seite  der  Alpen  wohnen 
die  euganeischen  Völker  mit  lateinischen  Rechten,  deren 
Städte  Cato  zu  34  angiebt.  Darunter:  die  Triumpiliner 5), 
welche  sich  sammt  ihrem  Gebiete  (an  die  Römer)  verkauft 
haben,  die  Camuner 6),  die  nebst  mehreren  ähnlichen  Stäm- 
men zu  den  angrenzenden  Municipal-Städten  gehören.  Cato 
hält  die  Lepontier7)  und  Salasser8)  für  tauriscischen  Ur- 
sprungs. Die  übrigen  Schriftsteller  halten,  in  Folge  ihres 
griechischen  Namens9),  die  Lepontier  für  Begleiter  des 
Herkules,  welche  beim  Uebergange  über  die  Alpen  die  Glie- 
der erfroren  hätten  und  zurückgeblieben  wären;  bei  dem- 
selben Zuge  sollen  auch  die  Grajer  gewesen  sein,  welche 
die  grajischen  Alpen  bewohnen,  und  die  Euganeer,  welche 
wegen  ihrer  edlen  Abkunft  diesen  Namen 10)  erhielten.  Ihr 
Hauptort  heisst  Stoenos. n)    Von  den  Rhätiern  wohnen  die 


*)  Auf  dem  Berge  Cocusso.    -)  S.  im  27.  Cap.  3)  In  Graubündten. 
4)  Vom  Bodensee  bis   zum  Inn.     5)  Val  Trompio.    6)  Val  Camo- 
nico.    7)  Val  Leventina.     8)  La  Sala.     9)  Von  ksineiv :  zurücklassen. 
,0)  Evyfvsig;  Wohlgeboren.     ")  Storo. 


Drittes  Buch.  283 

Vennoneter  und  Saruneter  an  den  Quellen  des  Rheines, 
und  diejenigen  von  den  Lepontiern,  welche  Viberer  heissen, 
auf  demselben  Alpenzuge  an  der  Quelle  des  Rhodanus. 
Ausserdem  haben  noch  folgende  Völker  lateinische  Rechte: 
die  Octodurenser  *),  die  benachbarten  Centronen2),  die 
cottianischen  3)  Gemeinden,  die  Caturiger  4)  und  deren  Ab- 
kömmlinge die  ligurischen  Vagienner5)  die  auch  Montaner 
heissen;  ferner  mehrere  Stämme  der  Capillater,  welche  am 
ligustischen  Meere  wohnen. 

Es  scheint  mir  nicht  unpassend  zu  sein,  hier  eine  In- 
schrift beizufügen,  welches  auf  einem  Siegesdenkmal  in  den 
Alpen  steht;  sie  lautet  folgendermaassen : 

Dem  Imperator  Caesar,  dem  Sohne  des  gött- 
lichen Augustus,  dem  Pontifex  maximus,  dem 
vierzehnmaligen  Tribun]  der  Senat  und  das  rö- 
mische Volk,  weil  unter  seiner  Anführung  alle 
Alpenvölker  vom  obern  bis  zum  untern  Meere 
unter  die  Herrschaft  des  römischeu  Volkes  ge- 
bracht sind.  Die  besiegten  Alpenvölker  sind: 
die  Triumpiliner  6),  Camuner  7),  Vennonenser8), 
Venoster9),  Isarcer10),  Breuner11),  Genauner12),  Fo- 
runater13),  4  Stämme  der  Vindelicier,  die  Con- 
suaneter14),  Rucinater16),  Licater  16),  Catenater 17), 
Ambisonter18),  Ruguscer19),  Suaneter20),  Caluco- 
ner21),  Brixenter22),  Lepontier23),  Viberer24),  Nan- 


')  Martinacli.    '-)  Centron. 

3)  Sie  hatten  ihren  Namen  vom  König  Cottus,  einem  Freunde 
August's,  und  wohnten  an  den  Quellen  des  Var  und  der  Stura  bis 
zum  Mont  Iseran. 

4)  Um  Chorges. 

5)  An  der  Ostseite  der  Alpen,  am  ersten  Laufe  des  Po. 

6)  Val  Trompio.     7)  Val  Camonico. 
8)  Wangen.    9)  Vinstgau. 

,0)  An  der  Eisach.      ")  Brunecken.      12)  Val   Non.     ,3)  Vocogna. 
")  Venzingen.     ,5)  Rusi.     16)  Am  Lech.     n)  Kettenacker. 
,8)  Sontrio.     19)  Rüsseck.    *»)  Sanen.    2l)  Catankathal.    *2)  Brixen. 
23)  Val  Laventina.    -4)  Vispach. 


284  Drittes  Buch. 

tuater  x),  Seduner2),  Varagrer3),  Salasser4),  Aci- 
tavoner5),  Meduller  6),  Ucener  7),  Caturiger  8),  Bri- 
gianer  9),  Sagiontier10),  Brodiontier,  Nemaloner11), 
Edenater12),  Esubianer 13),  Veaminer  u),  Galliter15), 
Triulatter  16),  Ectiner17),  Vergunner  18),  Eguitu- 
rer19),  Nementurer,  Orateller20),  Neruser21),  Ve- 
launer22),  Suetrer23). 

Die  zwölf  cottianisclien  Gemeinden,  welche  nicht  fried- 
lich gesinnt  waren,  sind  darin  nicht  aufgeführt,  ebensowenig 
die,  welche  nach  dem  pompejischen  Gesetze 24)  zu  den  Muni- 
cipial-Städten  gerechnet  werden. 

Diess  ist  das  den  Göttern  heilige  Italien.  Diess  sind 
seine  Völker  und  Städte!  Und  eben  diess  Italien  hat,  als 
unter  den  Consuln  L.  Aemilius  Paulus  und  C.  Attilius  Re- 
gulus 25),  die  Kunde  von  einem  Aufstande  der  Gallier  an- 
langte, ohne  alle  auswärtigen  Mittel,  ja  sogar  ohne  die 
transpadanischen,  80,000  Reiter  und  700000  Mann  zu  Fuss 
bewaffnet.  An  Reichthum  von  Metallen  aller  Art  steht  es 
keinem  andern  Lande  nach;  allein  durch  einen  alten  Se- 
natsbeschluss  ist  befohlen,  Italiens  in  dieser  Beziehung  zu 
schonen. 

25. 
Von  der  Arsia  bis  zum  Titius86)  wohnt  das  Volk  der 
Liburnier.    Ein  Theil  desselben  waren  die  Mentoren,  Hy- 
maner,  Encheleer,  Bunier  und  die,  welche  Callimachus27)  Peu- 

')  Am  obern  Laufe  des  Rheins. 

2)  Sitten.     3)  Vernayes.     4)  La  Sala.     5)  St.  Jean  de  Maurienne. 

6)  Die   ehemalige    Baronie  Menouillon ,   in  dem   jetzigen  Bezirk 
Montelimart. 

7)  Bourgs  d'Oisans.     8)  Um  Charges.     9)  Briancon.     ,0)  Sauze. 
")  Meolan.     ,2)  Ville  de  Seyne.     ,3)  Ubaye.     14)  Senez. 

15)  Guillitres.    ,6)  Alloz.    ,7)  Estene.    ,8)  Vergons.    ,9)  Guillaumes. 
-°)  Le  Puget  de  Thenieres.     2t)  Vence. 
*«)  Valdahon.     23)  Serres. 

24)  Vom  Jahre  89  v.  Chr.;   es  ertheilte  den  Italiern  und  cispada- 
nisehen  Galliern  das  römische  Bürgerrecht. 

25)  225  v.  Chr.     26)  Kerka. 

27)  Battiades    aus    Cyrene,    um    280    v.    Chr.,    Grammatiker    zu 
Alexandrien. 


Drittes  Buch.  285 

ceter  nennt;  jetzt  fasst  man  das  Ganze  mit  dem  Namen 
Illyrien  zusammen,  von  deren  Völkern  nur  wenig  bemer- 
kenswerthes  zu  sagen  ist,  oder  deren  Namen  nicht  leicht 
auszusprechen  sind.  In  dem  scardonitanischen  Kreise  woh- 
nen die  Japyder  und  14  Gemeinden  der  Liburner,  unter 
denen  man  allenfalls  die  Lacinienser  *),  Stulpiner2),  Bur- 
nister 3)  und  Olbanenser  anführen  kann.  Zu  demselben 
Kreise  gehören  auch  die  Aluter4)  und  Flanater5),  mit  ita- 
lischem Bürgerrechte,  nach  denen  auch  der  Meerbusen 6) 
benannt  ist;  dieLopser7),  Varvariner 8) ,  und  die  abgaben- 
freien Assesiater  9),  und  auf  den  Inseln  die  Fertinater  10) 
und  Curicter.11) 

Ausserdem  liegen  längs  der  Küste  von  Nesactium 12) 
an:  Alvona13),  Fianona14),  Tarsatica 15),  Senia16),  Lopsica17), 
Ortopula18),  Vegium19),  Argyruntum 20),  Corinium  21),  Aeno- 
na22),  Pasinum,  der  Fluss  Tedanium23),  an  der  Grenze  von 
Japydien.  Inseln  in  diesem  Busen  mit  ihren  Städten  sind 
ausser  den  obengenannten24):  Absyrtium25),  Arba26),  Crexa27), 
Gissa28),  Portunata. 29)  Wiederum  auf  dem  Festlande:  die 
Colonie  Jadera30),  von  Pola  160,000  Schritte  weit;  von  da 
bis  zur  Insel  Colantum  31)  sind  30,000,  und  bis  zur  Mündung 
des  Titius  18,000  Schritte  weiter. 

26. 

An  der  Stelle,  wo  Liburnien  aufhört  und  Dalmatien 
beginnt,  liegt  12,000  Schritte  vom  Meere  entfernt  an  dem- 
selben Flusse32)  Scardona.  Dann  folgen:  das  alte  Gebiet 
der  Autarieter  und  das  Castell  Tariona33);  das  Vorgebirge 


')  Lakza.     -)  Sluin. 

3)  Ruinen  in  der  Nähe  des  Eerka. 

*)  Um  Albona.  5)  Fianona.  6)  Golfo  di  Quarnero.  7)  Um  Gospich. 

8)  Verbovsko.     9)  Ruinen  bei  Benkovacz.     10)  Parwich. 

»)  Karek.     >2)  Refonzi.     »)  All>ona.     ■*)  Fianona.     ,5)  Tersact. 

,6)  Zengg.     17)  Gospich.     I8)  Stangrad.     19)  Vezzo. 

-°)  Ruinen  bei  Obrivacz.     2l)  Karin.     --)  Nona.     23)  Zermanja. 

24)  Fertinater  und  Curicter.    25)  Osero.     2G)  Arbe.     -')  Grossa. 

'28)  Gisto.    29)  Puntadura.     30j  Zara  vecchia.     3t)  Mortera. 

32)  Titius.    33)  Alt-Sebenico. 


286  Drittes  Buch. 

des  Diomedes1),  oder,  wie  andere  wollen,  die  Halbinsel 
Hyllis  genannt,  100,000  Schritte  im  Umfange;  Tragurium  2), 
mit  römischem  Bürgerrechte,  berühmt  durch  seinen  Marmor ; 
Sicum  3),  wohin  der  Kaiser  Claudius  die  Veteranen  schickte; 
die  Colonie  Salona  4),  112,000  Schritte  von  Jadera  entfernt. 
Zu  ihrem  Gerichtsbezirke  gehören  die  Dalmatier  mit  342 
Decurien,  die  Deuricer  mit  32,  die  Ditioner  mit  239,  die 
Mazäer  mit  69  und  die  Sardiater  mit  82  Decurien.  Auch 
liegen  in  diesem  Landstriche:  Burnum,  Andetrium  und  Tri- 
bulum,  drei  durch  die  Schlachten  des  römischen  Volkes  5) 
berühmt  gewordene  Castelle.  Von  den  Inselbewohnern  ge- 
hören die  Issäer6),  Colentiner 7),  Separer  und  Epetiner 
ebenfalls  zu  diesem  Gerichtshofe.  Dann  folgen  die  Castelle 
Piguntiä  8)  und  Rataneum. 9)  Die  Colonie  Naroua10)  gehört 
zum  dritten  Gerichtsbezirke  und  liegt  an  dem  gleichnamigen 
Flusse11),  32,000  Schritte  von  Salona  und  20,000  Schritte 
vom  Meere  entfernt.  Nach  M.  Varro  haben  früher  89  Ge- 
meinden dort  ihre  Rechtssachen  verhandelt.  Jetzt  kennt 
man  fast  nur  noch  die  Ceraunier  mit  24,  die  Daorizer 12) 
mit  17,  die  Däsitiater  mit  103,  die  Docleater 13)  mit  33,  die 
die  Deratiner  mit  14,  die  Deremister14)  mit  30,  die  Dinda- 
rer  mit  33,  die  Glinditioner 15)  mit  44,  die  Malcomaner  mit 
24,  die  Naresier16)  mit  102,  die  Scirtarer  mit  72,  die  Sicu- 
loter  mit  24  und  die  Vardäer17),  die  ehemaligen  Verwüster 
Italiens,  mit  nicht  mehr  als  20  Decurien.  Ausser  diesen 
wohnten  noch  in  demselben  Landstriche:  die  Ozuäer,  Par- 
thener,  Hemasiner,  Arthiter  uud  Armister.  Die  Colonie 
Epidaurus  18)  liegt  100,000  Schritte  vom  Flusse  Naro 19)  ent- 
fernt.    Von  Epidaurus  an  folgen  die  Städte  mit  römischem 


')  Trau  Vecchio.    2)  Trau.    3)  Sebenigo.    *)  Spalatro. 

5)  In  dem  Kriege  gegen  die  Dalmatier  und  Pannonier  unter  Au- 
gust's  Regierung,  7  n.  Chr.  Die  römischen  Feldherrn  waren  Tiberius 
und  Germanikus. 

6)  Lissa.     7)  Mortera.     8)  Pogosnitza.     °)  Rudunich. 

'°)  Ruinen  bei  Vido.     n)  Narenta.     ,2)  Dobor.     13)  Dognidalaz. 

14)  Dernich.     15)  Glinbigne.     1C)  Narentoa. 

,:  I  Am  Berge  Verdovacz.     18)  Ragusi  vecchio.     ,9)  Narenta. 


Drittes  Buch.  287 

Bürgerrechte:  Rhizinium1),  Ascrivium2),  Butua1),  Olchinium4), 
welches  von  den  Colchern  erbauet  ist  und  früher  Colchi- 
nium  hiess;  der  Fluss  Drilo  5)  und  an  ihm  die  Stadt  Scodra6) 
mit  römischem  Bürgerrechte,  17,000  Schritte  vom  Meere. 
Von  vielen  griechischen  Städten  und  mächtigen  Ortschaften 
ist  kaum  das  Andenken  noch  vorhanden;  denn  hier  wohn- 
ten meist  die  Labrater7),  Enderoduner8),  Sassäer9),  Gra- 
bäer10),  die  eigentlichen  Illyrier11),  die  Taulantier 12)  und 
Pyräer.  Das  an  der  Küste  belegene  Vorgebirge  Nym- 
phäum 13)  hat  seinen  Namen  behalten.  Die  Stadt  Lästus  14) 
mit  römischem  Bürgerrechte  liegt  von  Epidaurus  100,000 
Schritte  entfernt. 

Bei  Lissus  beginnt  die  Provinz  Macedonien,  worin:  die 
parthinischen  Völker 15),  und  hinter  diesen  die  Dassareter  16) ; 
die  candavischen  Berge  17),  78,000  Schritte  von  Dyrrachium. 
An  der  Küste  aber  liegt  Denda  mit  römischem  Bürgerrechte, 
die  Colonie  Epidamnum 18),  wegen  ihres  unglücklichen  Na- 
mens19) von  den  Römern  Dyrrachium  genannt;  der  Fluss 
Aous 20),  von  Einigen  Aeas  genannt,  Apollonia 21),  eine  ehe- 
malige Colonie  der  Corinther,  4000  Schritte  vom  Meere. 
Den  berühmten  Berg  Nymphäum  22)  an  der  Grenze  des  Ge- 
biets bewohnen  die  rohen  Amanter 23)  und  Bulioner. 24)  An 
der  Küste  liegt  noch  die  von  den  Colchern  erbauete  Stadt 
Oricum.25)  Hier  fängt  Epirus  an  und  die  acroceraunischen 
Berge26),  welche  wir  als  die  Grenze    dieses  Hauptbusens 

')  Pisano.    2)  Andricz.    3)  Buclua.     4)  Dulcigno. 
5)  Drino.     6)  Skutari. 

7)  Uiu  Scodra.    Einen  König  dieses  Stammes,   Namens  Gentiusr 
erwähnt  Livius  im  XLIII.  B.  20.  Cap. 

8)  Um  C.  Roduni.     9)  Um  Vassoewitz.     10)  Um  Grabovo. 
n)  Zwischen  den  Flüssen  Narenta  und  Drino. 

'*)  Diesen  gehörten  die  Städte  Apollonia  und  Dyrrachium. 

13)  Nimfio.     u)  Alessio,  die  Residenz  des  Gentius. 

1J)  Im  Sandshak  Ochri.     ,6)  Am  See  von  Ochri. 

17)  Im  Sandshak  Ilbessan.     18)  Durazzo. 

I0)  Abgeleitet  von  damnum:  Schaden.    20)  Vojuza.    21)  Polina. 

--)  Im  Sandshak  Avlona.    S.  auch  II.  B.  110.  Cap.    23)  Avostma.- 

21)  Boklin.    25)  Ericho.    26)  Monte  Chimaera, 


288  Drittes  Buch. 

von  Europa  bezeichnet  haben.   Oricum  ist  vom  salentinischen 
Vorgebirge1)  in  Italien  80,000  Schritte  entfernt. 

27. 
Hinter  den  Carnern  und  Japyden,  da,  wo  der  grosse 
Ister  fliesst,  grenzen  an  die  Rhätier  die  Noricer. 2)  Die 
Städte  der  letzteren  sind:  Virunum3),  Celeja4),  Teurnia5), 
Aguntum  6),  Vianiomina 7) ,  Claudia8)  und  Flaviuni  Sol- 
vense 9)  An  Noricum  grenzt  der  See  Peiso 10)  und  die 
Wüste  der  Bojer,  die  jedoch  jetzt  durch  die  Colonie  Saba- 
ria11)  des  Kaisers  Claudius,  und  die  Stadt  Scarabantia 
Julia12)  bevölkert  ist. 

28. 
Nun  folgt  das  Eicheln  erzeugende  Pannonien13),  wo  die 
wilder  werdenden  Zweige  der  Alpen,  welche  Illyrien  von 
Norden  nach  Süden  mitten  durchschneiden,  sich  links  und 
rechts  sanft  abdachend  in  die  Ebene  übergehen.  Der  nach 
dem  adriatischen  Meere  zu  liegende  Theil  bildet  Dalmatien 
und  das  oben  beschriebene  Illyrien.  Nach  Norden  zu  liegt 
Pannonien  und  wird  daselbst  vom  Danubius  begrenzt.  Die 
darin  befindlichen  Colonien  heissen  Aemonia14)  und  Siscia.15) 
Berühmte  schiffbare  Flüsse,  welche  in  den  Danubius  fallen, 
sind:  der  wilde  Dravus16)  aus  Noricum  und  der  sanfte 
Savus 17),  von  den  carnischen  Alpen  kommend,  beide  120,000 
Schritte  von  einander  entfernt.  Der  Dravus  fliesst  durch 
die  Länder  der  Serreter18),  Serrapiller 19) ,  Iaser20),  Andi- 
zeter21),  der  Savus  durch  die  der  Colapianer22)  und  Breucer.25) 


')  Capo  di  Leuca. 

'-)  In  Kärnthen  und  Steiermark.    3)  Klagenfurt.     4)  Cilly. 

5)  Lurnfeld.    6)  Iniching.    7)  Wien.     8)  Klana.     9)  Lavamünde. 

,0)  Neusidlersee.     n)  Stein  am  Anger.     12)  Oedenburg. 

,3)  Es  umfasste  das  auf  der  rechten  Seite  der  Donau  liegende 
Ungarn,  einen  östlichen  Strich  von  Oesterreich  und  Steiermark,  den 
grössten  Theil  von  Krain,  den  nördlich  von  der  Sau  liegenden  Theil 
von  Kroatien,  Slavonien  und  einen  schmalen  Streifen  von  Bosnien 
an  der  Sau. 

u)  Laybach.     ,5)  Siszek.     M)  Drau.     ,7)  Sau.     ,8)  Veröcze. 

I9)  Um  Pilisch.    2°)  Um  Jascza.    21)  Sauritsch. 

-)  Am  Flusse  Kulpa.     23)  In  Slavonien. 


Drittes  Buch.  289 

Diess  sind  die  Hauptvölker.  Ausserdem  wohnen  daselbst: 
die  Arivater1),  Azaler2),  Amanter3),  Belgiter4),  Catarer5), 
Cornacater6),  Eraviscer7),  Hercuniater 8) ,  Latovicer9),  Ose- 
riaten0),  Varcianer11).  Der  Berg  Claudius 12),  vor  welchem 
die  Scordiscer  und  hinter  welchem  die  Tauriscer  wohnen. 
Im  Savus  liegt  Metubarris,  die  grösste  aller  Flussinseln. 
Von  Flüssen  sind  noch  zu  erwähnen:  der  Colapis13),  wel- 
cher sich  bei  Siscia  in  den  Savus  ergiesst  und  durch  seine 
Theilung  die  Insel  Segestica,  bildet;  der  Bacuntius  14)  fliesst 
bei  der  Stadt  Sirmium 15)  in  den  Savus,  daselbst  wohnen  die 
Sirmienser  und  Ammatiner.  Von  da  sind  es  45,000  Schritte 
bis  nach  Taurunum 16),  wo  die  Donau  den  Savus  aufnimmt. 
Weiter  oben  fliessen  die  ebenfalls  nicht  unbedeutenden 
Flüsse  Valdasus17)  und  Urpanus18)  in  die  Donau. 

29. 
An  Pannonien  grenzt  eine  Provinz,  welche  Mösien19) 
heisst  und  längs  der  Donau  bis  an  den  Pontus  sich  erstreckt. 
Sie  fängt  bei  dem  oben  erwähnten  Zusammenflusse  ^  an. 
In  ihr  wohnen  die  Dardaner 21),  Celegerer,  Triballer 22), 
Timacher,  Mösier,  Thracier  und  die  an  den  Pontus  gren- 
zenden Scythen.  Bemerkenswerthe  Flüsse  sind:  im  Ge- 
biete der  Dardaner  der  Margis23),  Pingus24)  undTimachus25); 
vom  Berge  Rhodope 26)  kommt  der  Oescus 27)  und  vom  Ha- 
naus28) der  Utus29),  Asamus30)  und  Jeterus. 31) 

Die  grösste  Breite  von  Illyrien  beträgt  325,000  Schritte. 
Die  Länge  vom  Flusse  Arsia  bis  zum  Drinius  530,000 
Schritte.  Der  Drinius  liegt  vom  Vorgebirge  Acroceraunium 
175,000  Schritte  entfernt.    M.  Agrippa  giebt  den  Gesammt- 


*)  Ariaviza.    2)  Ozaly.    3)  Mancluszebes.    4)  Bellecz.    5)  Kottori. 
6)  Vulkovar.    7)  Agrara.     8)  Kersko.    9)  Litay.     ,0)  Ostercz. 
")  Varasdin.     ,2)  Bacher  Gebirge.     '3)  Kulpa.     ")  Bossuth. 
,5)  Ruinen  bei  Mitrowitz.     ,6)  Semlin.     ")  Bosna.     ,8)  Verbasz. 
,9)  Servien  und  Bulgarien.     -°)  Der  Donau  und  Sau. 
-')  Im  südlichsten  Theile  von  Servien. 

22)  Im  westlichen  Bulgarien.    23)  Morawa.    M)  Ipek.     25)  Timok. 
26)  Rhodope.    27)  Isker.    28)  Balkan.    29)  Vid. 
3°)  Osme.     31)  Jantra. 

19 


290  Drittes  Buch. 

umfang  des  Meerbusens  von  Italien  und  Illyrien  zu  1,700,000 
Schritten  an.  Darin  befinden  sich,  wie  schon  früher  er- 
wähnt, zwei  Meere,  vorn  beim  Anfange  des  Busens  das 
jonische,  und  im  Innern  des  Busens  das  adriatische,  auch 
das  obere  genannt. 

30. 

Ausser  den  schon  genannten  Inseln  giebt  es  im  au- 
sonischen  Meer  weiter  keine  bemerkenswerthen  mehr,  im 
Jonischen  nur  wenige;  an  der  calabrischen  Küste  vor  Brun- 
dusium  liegen  einige,  welche  den  Hafen  bilden.  Der  apu- 
lischen  Küste  gegenüber  liegt  die  Insel  Diomedea  x),  be- 
rühmt durch  das  Denkmal  des  Diomedes,  eine  andere  des- 
selben Namens  nennen  Einige  Teutria. 2) 

An  der  Küste  von  Illyrien  liegen  über  1000  Inseln, 
weil  das  Meer  dort  seicht  und  das  Wasser  in  flache  Betten 
vertheilt  ist.  Zu  bemerken  sind:  vor  der  Mündung  des 
Timavus  die,  deren  warme  Quellen  mit  der  Fluth  des  Mee- 
res anwachsen3);  neben  dem  istrischen  Gebiete  Lissa  und 
Pullaria,  von  den  Griechen  auch  die  Absyrtiden  genannt, 
weil  dort  Absyrtus,  der  Bruder  der  Medea  getödtet  wurde. 
Neben  diesen  liegen  die  sogenannten  Electriden,  auf  wel- 
chen Bernstein  vorkommen  soll,  den  die  Griechen  Electrum 
nennen  —  ein  klarer  Beweis  griechischer  Lügenhaftigkeit, 
denn  Niemand  hat  noch  ausmitteln  können,  welche  Inseln 
diess  sind.  Jader4)  gegenüber  liegt  Lissa5)  und  einige 
schon  genannte;  Liburnien  gegenüber  die  crateischen 6),  die 
ebenso  zahlreichen  liburnischen  und  die  celadussischen 7) 
Inseln;  Surium8)  gegenüber  Bavo9),  die  durch  ihre  Ziegen 
berühmte  Insel  Brattia10);  Issa11)  mit  römischem  Bürger- 
rechte und  der  Stadt  Pharia.12)     Von  Issa  ist  Corcyra13), 


')  S.  Domenico.    2)  Pianosa. 

3)  Vergl.  im  II.  B.  106.  Cap. 

4)  Zara  vecchia.    5)  Uglian. 

6)  Dervenich,  Zirona,  Oratch,  Krato,  Kludi. 

7)  Kakagne,  Kapri,  Esat,  Provichio. 

8)  Zuri.     9)  Bua.      ,0)  Brazza.     ")  Lesina.     I2)  Citta  vecchia. 

,3)  Curzola.    Auch  Korfu  hiess  früher  Corcyra;  siehe  IV.  B.  19.  C. 


Drittes  Buch.  291 

genannt  Melana1),  mit  einer  Stadt  der  Gnidier2),  25,000 
Schritte  entfernt;  zwischen  ihr  und  Illyrien  liegt  Melite3), 
woher,  nach  Callimachus,  die  melitäischen  Hündchen  ihren 
Namen  haben;  von  da  bis  zu  den  drei  Elaphiten4)  sind 
15,000  Schritte  Im  jonischen  Meere,  12,000  Schritte  von 
Oricum  liegt  Sasonis5),  bekannt  als  Aufenthaltsort  der 
Seeräuber. 


!)  Die  schwarze.    2)  Curzola.    3)  Meleda. 

4)  Giupana,  di  Mezzo  und  Kalamata;  ihren  gemeinschaftlichen 
Namen  hatten  sie  von  den  vielen  daselbst  vorkommenden  Hirschen 
(§Xa<poi).    5)  Saseno. 


19* 


Viertes  Buch. 


Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte,  Häfen, 

Berge,  Flüsse  und  den  Völkern,  welche  noch  da  sind 

oder  da  waren. 

1. 

Der  dritte  Hauptbusen  von  Europa  beginnt  beim  Vor- 
gebirge Acroceraunium1),  endigt  am  Hellesponte,  und  hat, 
19  kleinere  Buchten  abgerechnet,  eine  Weite  von  2,500,000 
Schritten.  Er  begreift  in  sich:  Epirus,  Acarnanien,  Aetolien, 
Phöeis,  Locris,  Achaja,  Messenien,  Laconien,  Argolis,  Mega- 
ris,  Attica,  Böotien;  an  dem  andern  2)  Meere  liegen,  ausser 
^hocis  und  Locris,  noch:  Dori  Phthiotis,  Thessalien,  Mag- 
nesien, Macedonien  und  Thracien.  Alle  Fabelhaftigkeit 
Griechenlands,  sowie  alle  Künste  und  Wissenschaften  sind 
von  diesem  Busen  zuerst  ausgegangen.  Wir  wollen  uns 
daher  ein  wenig  bei  demselben  aufhalten. 

Epirus3)  im  weitem  Sinne  oder  Epiros,  fängt  bei  den 
acroceraunischen  Bergen  an.    Die  ersten  Völker  darin  sind 


')  Monti  clella  Chiniera. 

*)  Ägeischen. 

3)  Jetzt  das  von  den  Arnauten  bewohnte  Paschalik  von  Janina. 
Früher  hatte  es  seine  eigenen  Könige,  unter  denen  Pyrrhus  der  be- 
rühmteste war,  der  278  v.  Chr.  Rom  bekriegte.  Aemilius  Paullus  machte 
es  167  zur  röm.  Provinz  und  1432  kam  es  durch  Amurat  II.  unter 
türkische  Botmässiffkeit. 


Viertes  Buch.  293 

die  Chaoner1),  von  welchen  der  Name  Chaonien  herrührt, 
dann  folgen  die  Thesproter2)  und  Antigonenser3);  der  Ort, 
wo  sonst  Aornos4)  lag,  mit  seiner  den  Vögeln  tödtlichen 
Ausdünstung;  die  Cestriner5),  Perrhäber,  in  deren  Gebiete 
der  BergPindus6)  liegt;  die  Cassiopäer7),  Dryoper8),  Seiler9)» 
Helloper10),  Molosser11),  mit  einem  durch  sein  Orakel  be- 
rühmten Tempel  des  Jupiter  Dodonaeus,  der  Berg  Tomarus, 
an  dessen  Fusse,  wie  Theopompus  erzählt,  hundert  Quellen 
entspringen. 

Das  eigentliche  Epirus  zieht  sich  nach  Magnesien  und 
Macedonien  hin.  In  seinem  Rücken  wohnen  die  schon  oben 
genannten  Dassareter,  ein  freies  Volk,  und  die  wilden  Dar- 
daner.  Den  Dardanern  zur  Linken12),  wohnen  die  Triballer 
und  mösischen  Völkerschaften;  an  der  vordem  Seite  grenzen 
die  Meder13)  und  Denselater14)  daran,  und  an  diese  die 
Thracier,  welche  bis  zum  Pontus  hin  wohnen.  So  sind 
die  hohen  Berge  Rhodope 15)  und  Hämus 16)  von  diesen 
Völkern  wie  mit  einem  Walle  umgürtet. 

An  der  Küste  von  Epirus,  am  acroceiaunischen  Gebirge, 
liegt  das  Kastell  Chimera17),  unter  welchem  sich  die  Quelle 
Aquae  regiae18)  befindet.  Feiner  sind  zu  bemerken:  die 
Städte  Mäandria  und  Cestria19),  der  thesprotische  Fluss 
Thyamis20),  die   Colonie  Buthrotum21);  der  sehr  berühmte 


')  Sie  bewohnten  den  schmalen  Küstenstrich  vom  Vorgebirge 
Chimera  bis  zur  Meerenge,  welche  den  nördlichen  Theil  ,der  Insel 
Corfu  vom  Festlande  trennt. 

2)  Sie  reichten  von  den  Chaonem  bis  zum  Meerbusen  von  Arta. 

3)  Im  Paschalik  Avlona  südlich  von  Depedelen.     4)  Aorna. 
5)  Am  nördlichen  Ufer  des  Kalamas. 

(1)  Mezzovo.  7)  Um  Agio  Saranta.  8)  Auf  der  Corfu  gegenüber- 
liegenden Küste.    9)  Sulioten.     10)  In  Saracovizas. 

")  Vom  nördlichen  Ufer  des  Sees  von  Janina  bis  nach  Arta. 

,2)  Gegen  Osten.  Bei  solchen  Bestimmungen  dachten  sich  die 
Alten  stets  den  Blick  nach  Süden  gerichtet. 

,3)  Oder  Mäder,  zum  Unterschiede  von  den  Medern  in  Asien. 

,4)  Wohnten,  gleichwie  die  Meder,  westlich  vom  Flusse  Karäsu. 

1S)  Despoto.  ,6)  Balkan.  17)  Kimara.  ")  Existirt  nicht  mehr. 
,9)  Palaeo-Kistes.    20)  Kalamas.    2»)  Butrinto. 


294  Viertes  Buch. 

ambracische  Meerbusen  *),  welcher  durch  einen  500  Schritte 
weiten  Raum  das  Meer  aufnimmt,  37,000  Schritte  lang  und 
15,000  Schritte  breit  ist.  In  ihn  ergiesst  sich  der  Fluss 
Acheron  2),  der  36,000  Schritte  von  seiner  Mündung  entfernt, 
aus  dem  See  Acherusia  3)  in  Thesprotien  kommt,  und  den 
Griechen,  welche  alles,  was  ihnen  angehört,  bewundern, 
wegen  seiner  1000  Fuss  langen  Brücke  merkwürdig  er- 
scheint. In  dem  Busen  selbst  liegt  die  Stadt  Ambracia.  4) 
Im  Lande  der  Molosser  findet  man  die  Flüsse  Aphas  5)  und 
Arathus  6),  die  Gemeinde  Anactoria  7)  und  die  Stelle,  wo 
ehedem  Pandosia  8)  stand. 

2. 
In  Acarnanien,  das  früher  Curetis  hiess,  liegen  die 
Städte  Heraclia  9),  Echinus 10),  an  der  Küste  August's 
Colonie  Actium11)  mit  dem  berühmten  Tempel  des  Apollo 
und  der  freien  Gemeinde  Nicopolis.12)  Wenn  man  aus  dem 
ambracischen  Busen  ins  jonische  Meer  fährt,  so  gelangt 
man  zur  leukadischen  Küste  und  an  das  Vorgebirge  Leu- 
kates.13)  Dann  folgt  der  Busen  und  die  Halbinsel  Leu- 
cadia14),  früher  Neritis  genannt.  Die  Einwohner  trennten 
sie  vom  Festlande,  allein  der  Wind  trieb  so  viel  Sand  zu- 
sammen, dass  sie  wieder  damit  vereinigt  wurde;  die  Stelle 
wo  diess  geschah,  heisst  Dioryctos15),  und  ist  3  Stadien 
lang.  Auf  dieser  Halbinsel  liegt  die  Stadt  Leucas16),  einst 
Neritum  genannt,  die  übrigen  acarnanischen  Städte  sind: 
Alyzea17),  Stratos18),  Argos19),  mit  dem  Beinamen  Aniphi- 
lochicum.     Der  Fluss  Achelous20),  kommt  vom  Pindus,  schei- 


!)  Golf  von  Arta.  2)  Fauar.  3)  Janina.  *)  Arta.  5)  Lurkha. 
«)  Arta.  7)  Vunidscha.  8)  Ruinen  bei  Turko-Palaki.  9)  Lutraki. 
w)  Kokino  Vuni. 

n)  Hier  wurde  30  v.  Chr.  die  berühmte  Seeschlacht  zwischen  Au- 
gustus  und  Antonius  geliefert. 

Vi)  Prevesa.  ,3)  Capo  Ducato.  M)  Die  Insel  St.  Maura.  ,5)  Durch- 
stich. w)  Trümmer  davon  findet  man  noch  bei  dem  Flecken  Ama- 
xihi.  ")  Candili.  ,8)  Ruinen  bei  Lepenon.  19)  Vlicha.  w)  Aspro 
Potamo. 


Viertes  Buch.  295 

det  Acarnanien  von  Aetolien,  und  verbindet  die  Insel  Ar- 
temita  x)  durch  beständiges  Anschwemmen  von  Erde  mit 
dem  festen  Lande. 

3. 
Die  ätolischen  2)  Völker  sind:  die  Athamonier,  Tym- 
pbäer,  Ephyrer,  Aenienser,  Perrhäber,  Doloper,  Maracer 
und  Atracer,  aus  deren  Lande  der  ins  jonische  Meer  sich 
ergiessende  Fluss  Atrax  3)  kommt.  Die  ätolische  Stadt 
Calydon  4)  ist  7500  Schritte  vom  Meere  entfernt  und 
liegt  am  Flusse  Evenus.  5)  Dann  folgt  Macynia  6),  Moly- 
cria  und  dahinter  der  Berg  Chalcis  7)  und  Taphiassus.  8) 
An  der  Küste  liegt  das  Vorgebirge  Antirrhium,  da  wo  der 
corinthische  Meerbusen  in  einer  Breite  von  weniger  als 
1000  Schritten  ausmündet,  und  Aetolien  vom  Peloponnes 
trennt.  Das  gegenüberliegende  Vorgebirge  heisst  Rhion  9). 
Am  corinthischen  Meerbusen10)  liegen  die  ätolischen  Städte 
Naupactum11)  und  Pylene12)  und  mitten  im  Lande  Pleuron 
und  Halicyrna.13)  Bemerkens werthe  Berge  sind:  in  Dodona 
der  Tomarus,  in  Ambracia  der  Crania14),  in  Acarnanien 
der  Aracynthus15),  in  Aetolien  der  Acanthon16),  Panätolium17) 
und  Macynium.18) 


')  Existirt  jetzt  nicht  mehr. 

2)  Diese  waren  meistens  nicht  griechischen  Ursprungs.  Sie  bil- 
deten einen  Bund;  ihre  Abgeordneten  versammelten  sich  alljährlich 
zu  Thernum.    Uebrigens  waren  sie  treulos  und  räuberisch. 

3)  Janninah?  dieser  ergiesst  sich  aber  nicht  unmittelbar  ins  jonische 
Meer,  sondern  bei  der  Stadt  Janninah  (sonst  Atrax)  in  den  Peneus. 

*)  Ruinen  beim  Doife  Mauromati. 

5)  Früher  Lycormas  genannt;  jetzt  Fidaris.  6)  Am  Berge  Vara- 
sova.    7)  Clocovo.    8)  Varasova. 

9)  Diese  beiden  Vorgebirge  sind  jetzt  mit  festen  Schlössern  ver- 
sehen, welche  die  Dardanellen  von  Lepanto,  oder  Rumeli  Kavak  und 
Morah  Kavak  heissen. 

,0)  Meerbusen  von  Lepanto.  ")  Lepanto.  12)  Kukio  Kastro. 
,3)  Kavuro  Limni.     ")  Gribovo. 

15)  Dieser  Name  findet  sich  in  vielen  Gegenden,  da  die  Alten 
durch  dieses  Wort  überhaupt  einen  Berg  bezeichneten. 

")  Dsjumarka.     ")  Kuduni.     ,8)  Rhigani. 


296  Viertes  Buch. 

4. 
Zunächst  den  Aetoliern  wohnen  die  Locrer,  x)  welche 
den  Beinamen  Ozoler  führen,  und  frei  von  Abgaben  sind. 
Darin:  die  Stadt  Oeanthe  2),  der  Hafen  des  Apollo  Phä- 
stius 3) ,  der  crissäische  Busen.  4)  Im  Innern  liegen  die 
Städte  Argyna,  Eupalia,  Phästum,  Calamissus.  Weiterhin 
folgen:  das  zu  Phocis  gehörige  cirrhäische  Gebiet,  die 
Stadt  Cirrha  5),  der  Hafen  Chaläon  6),  und  von  diesem  7000 
Schritte  landeinwärts  die  Stadt  Delphi  7)  am  Fusse  des 
Berges  Parnassus,  mit  dem  weltberühmten  Orakel  des 
Apollo.  Die  castalische  Quelle,  der  bei  Delphi  vorbeiflies- 
sende  Cephissus  8),  welcher  bei  der  ehemaligen  Stadt  Li- 
läa  seinen  Ursprung  nimmt.  Ferner:  die  Stadt  Crissa  9), 
die  Bulenser 10),  Anticyra11),  Naulochum12),  Pyrrha,  das  steuer- 
freie Amphissa,  Tithrone13),  Tritea14),  Ambrysus15),  das  dry- 
mäische  Gebiet,  welches  Daulis16)  genannt  wird.  Ganz  am 
Ende  des  Meerbusens  wird  eine  Spitze  Böotiens  vom  Meere 
bespült,  worauf  sich  die  Städte  Siphä17)  und  Theben18)  be- 
finden; letztere  heisst  auch  das  corsische  Theben,  beide 
liegen  aber  in  der  Nähe  des  Helicon.19)  Die  dritte  Stadt 
in  Böotien  von  diesem  Meere  an  ist  Pagä20);  von  wo  aus 
der  Nacken  des  Peloponnes  hervorspringt. 

5. 
Der  Peloponnes21),  früher  Apia,  auch  Pelasgia,  ge- 
nannt, bildet  eine  Halbinsel,  die  keinem  Lande  der  Erde 
an  Berühmtheit  nachsteht.  Er  liegt  zwischen  zwei  Meeren, 
dem  ägeischen  und  jonischen,  gleicht  wegen  der  eckigen 
Buchten   einem  Platanenblatte,   und   misst,    nach  Isidorus, 


')  Die  Locrer,  ein  altes  griechisches  Volk,  theilten  sich  in  3  Haupt- 
stämme, in  die  epicnemidischen,  opuntischen  nnd  ozolischen  Locrer. 

2)  Galaxidi.  3)  Golf  von  Janaki.  4)  Golf  von  Salona.  5)  Salona. 
6)  Anemokampi.    7)  Kastri.    8)  Mauropotamo. 

9)  Salona,  das  ebengenannte  Cirrha,  war  eigentlich  bloss  der  Ha- 
fen von  Crissa  (Krisso). 

,0)  Beim  Kloster  Dobo.  ")  Aspro  Spiti.  >*)  Agio  Sideri.  ,3)  Mul- 
chi.  u)  Turcochori.  15)  Distomo.  ,6)  Daulia.  n)  Bathy.  ,s)  Agiani. 
19)     Palaeovuni.    20)    Psato.    21)     Morea. 


Viertes  Buch.  297 

563,000  Schritte  im  Umfange.  Rechnet  man  aber  alle  Buch- 
ten hinzu,  so  kommt  fast  noch  einmal  soviel  heraus.  Die 
Landenge,  wo  er  ausgeht,  beisst  der  Isthmus.  An  dieser 
Stelle  verschlangen  die  beiden  genannten,  aus  verschiedenen 
Richtungen,  von  Norden  und  Osten  einbrechenden  Meere 
seine  ganze  Breite,  bis  durch  den  entgegengesetzten  Andrang 
so  grosser  Wassermassen  beide  Seiten  auf  einen  Zwischen- 
raum von  5000  Schritten  ausgespült  waren,  so  dass  Hellas 
mit  dem  Peloponnes  wie  durch  einen  schmalen  Hals  zu- 
sammenhängt. Der  eine  Busen  heisst  der  corinthische,  der 
andere  der  saronische  *);  auf  der  einen  Seite  ist  Lecheä  2), 
auf  der  andern  Cenchreä  3)  die  Grenze  der  Landenge.  Die 
Schiffe,  welche  wegen  ihrer  Grösse  nicht  auf  Wägen  hin- 
übergeschafft werden  können,  haben  von  einem  Orte  zum 
andern  einen  langen  und  gefährlichen  Umweg  zu  machen. 
Deshalb  versuchten  der  König  Demetrius  4),  der  Dictator 
Cäsar  3),  der  Kaiser  Cajus  6),  und  Domitius  Nero  7)  auf 
der  Landenge  einen  schiffbaren  Kanal  anzulegen,  doch 
brachte  diess  Unternehmen  (wie  das  Ende  Aller  bewies) 
kein  Glück.  8) 

Mitten  auf  diesem  Isthmus  liegt  die  auf  einen  Hügel 
gebauete  Colonie  Corinth  9),  früher  Ephyra  genannt,  60 
Stadien  von  jedem  der  beiden  Ufer  entfernt.  Von  ihrer 
hochgelegenen  Burg  Acrocorinth,  in  welcher  die  Quelle  Pi- 
rene  entspringt,  kann  man  beide  Meere  sehen.  Der  Seeweg 
von  Leucas10)  bis  Paträ11)  am  corinthischen  Meerbusen  be- 
trägt 88,000  Schritte.  Paträ  ist  eine  an  dem  äussersten 
Vorgebirge  des  Peloponnes  angelegte  Colonie,  Aetolien   und 


')  Meerbusen  von  Engia.  2)  Lecheo.  3)  Kenkri.  4)  Demetrius 
Polyorcetes.  5)  Vergl.  Suetons  Jul.  Cäsar  Cap.  44.  6)  Vergl. 
Suetons  Caligula.  Cap.  21.    7)  Vergl.  Suetons  Nero  Cap.  10. 

8)  Sie  starben  nämlich  keines  guten  Todes. 

9)  Sie  wurde  146  v.  Chr.  G.  durch  den  Consul  Mummius  erobert 
und  verbrannt,  von  Cäsar  aber  wieder  aufgebauet,  und  sie  hatte  an 
jedem  der  zwei  Meere  einen  Hafen,  Lecheä  und  Cenchreä. 

10)  Auf  der  Insel  Santa  Maura.     n)  Patras. 


298  Viertes  Buch. 

dem  Flusse  Evenus  gegenüber;  der  Raum  dazwischen  ist, 
wie  schon  bemerkt,  nicht  ganz  1000  Schritte  breit,  die  Länge 
des  corinthischen  Meerbusens  aber  von  hier  bis  zum  Isthmus 
beträgt  85000  Schritte. 

6. 

Die  Provinz  Achaja  *)  nimmt  beim  Isthmus  ihren  An- 
fang; früher  hiess  sie,  wegen  der  an  der  Küste  in  einer 
Reihe  liegenden  Städte,  Aegialos.  2)  Die  erste  Stadt  ist 
das  bereits  genannte  Lecheä,  ein  Hafen  der  Corinther;  dann 
folgt  Olyros  3),  ein  Castell  der  Pellenäer;  die  Städte  Heii- 
ce; Bura  4),  wohin  die  Bewohner  flohen,  als  die  erstere 
untergegangen  war  5),  ferner  Sicyon  6),  Aegira  7),  Aegion  8), 
Erineos.  9)  Im  Innern  liegen  Cleonä10),  Hysiä11);  der  Hafen 
Panhormus12)  und  das  schon  angezeigte  Rhium.  Von  letzte- 
rem Vorgebirge  liegt  Paträ  5000  Schritte  entfernt;  die  Ruinen 
von  Pherä.13).  In  Achaja  ist  unter  9  Bergen  der  Scioessa 
der  bekannteste;  die  Quelle  Cymothoe.  Hinter  Paträ  die 
Stadt  Olenum,  die  Colonie  Dyme,  die  Stellen,  wo  Bupra- 
sium14)  und  Hyrmine15)  standen,  das  Vorgebirge  Araxum16), 
der  Busen  von  Cyllene17),  das  Vorgebirge  Chelonates18), 
von  wo  aus  man  nach  Cyllene  5000  Schritte  hat;  das 
Schloss  Phlius.  Dieser  Bezirk  ist  von  Homer19)  Aräthyrea, 
später  aber  Asopis  genannt  worden. 

Darauf  folgt  das  Land  der  Elier,  welche  früher  Epeer 


')  Die  nördlichste  Landschaft  des  Peloponnes  am  corinthischen 
Meerbusen.  Sie  war  in  12  Districte  getheilt,  deren  jeder  eine  beson- 
dere Stadt  hatte.  Nach  der  Unterjochung  Griechenlands  durch  die 
Römer  erhielt  der  Name  Achaja  einen  viel  weitern  Sinn,  denn  die 
Römer  theilten  ganz  Griechenland  in  2  Provinzen,  Macedonien  und 
Achaja,  welches  letztere  den  ganzen  Peloponnes  und  Hellas  umfasste. 

2)  Küstenland.    3)  Ulogoca.    4)  Perritza. 

5)  Durch  ein  Erdbeben  373  v.  Chr. 

e)  Basilico.    7)  Paläo-Castron. 

8)   Vostiza.     9)  Artotina.     10)  Klenje.     ll)  Bromo-Limni.     ,2)  Teket. 

,a)  Bei  Kato-Achaja.     14)  Am  Flusse  Verga. 

,D)  Beim  Cap  Clarentza. 

,a)  Cap  Papas.     ")  Cap  Clarenza. 

18)  Cap  Tornesa.     «»)  lliade  IL  78. 


Viertes  Buch.  299 

hiessen;  Elis  *)  selbst  liegt  mitten  im  Lande,  und  von  Pylus 
12,000  Schritte  nach  dem  Innern  zu  befindet  sich  das  Hei- 
ligthum  des  olympischen  Jupiters,  nach  dessen  berühmten 
Spielen  die  griechische  Zeitrechnung  bestimmt  wurde. 2) 
Ferner:  Die  ehemalige  Stadt  der  Pisäer,  am  Flusse  Alpheus. 3) 
An  der  Küste  aber  liegt  das  Vorgebirge  Ichthys. 4)  Der 
Alpheus  wird  6000  Schritte  aufwärts  bei  den  Städten  Aulon5) 
und  Leprion 6)  schiffbar.  Weiterhin  kommt  das  Vorgebirge 
Platanodes. 7)    Alle  diese  Orte  liegen  gegen  Abend. 

7. 
Gegen  Mittag  aber  liegt  der  cyparissische  Meerbusen8) 
mit  der  Stadt  Cyparissu 9);  sein  Umfang  beträgt  72,000 
Schritte.  Fernere  Städte  sind  Pylos10),  Methone11);  die 
Stelle,  wo  Helos  stand,  das  Vorgebirge  Acritas12),  der  von 
der  Stadt  Asine13)  benannte  asinäische14),  und  von  der  Stadt 
Corone15)  benannte  covonäische16)  Meerbusen.  Das  Vorge- 
birge Tänarum17)  bildet  die  Grenze.  Das  alles  gehört  zu 
der  Landschaft  Messenien,  in  welcher  18  Berge  liegen. 
Ferner  der  Fluss  Pamisus18).    Im  Innern  liegen:  Messene19), 


')  Palaeopoli. 

*)  Die  Zeit  der  ersten  Einführung  dieser  Spiele  verliert  sich  ins 
graue  Alterthum.  Sie  wurden  mehre  Male  unterbrochen  und  zuletzt 
von  Iphitus,  dem  König  von  Elis,  im  Jahre  776  v.  Ghr.  G.  wieder  her- 
gestellt, von  welchem  Jahre  auch  die  bekannte  Zeitrechnung  ihren 
Anfang  nimmt.  Sie  wurden  alle  4  Jahre,  oder  bestimmter,  stets  im 
zweiten  Monate  des  fünften  Jahres,  also  abwechselnd  nach  49  und 
51  Monaten  gefeiert.  Ueber  das  endliche  Erlöschen  derselben  findet 
sich  keine  genaue  Nachweisung,  jedoch  dauerten  sie  in  den  ersten 
Jahrhunderten  nach  Chr.  noch  fort. 

3)  Ryfo.     4)  Catacolo.    5)  Avlon. 

u)  Ruinen  beim  Städtchen  Strobitza.    7)  Konello. 

8)  Busen  von  Arcadia. 

9)  Arcadia.     ,0)  Alt  Navarino.     ll)  Modon. 

'-)  Gallo  —  Ein  anderes  Vorgebirge  Acritas  lag  in  Bithynien  am 
Propontis.     13)  Jaratcha. 

")  Golf  von  Modon.    ,5)  Koron. 

16)  Busen  von  Koron. 

")  Cap  Matapan.     ,8)  Pimazza.     ,9)  Mauromatia. 


300  Viertes  Buch. 

Ithome  *),  Oechalia,  Arene  2),  Pteleon,  Thryon,  Dorion  3), 
Zancle,  die  zu  verschiedenen  Zeiten  berühmt  waren.  Der 
Umfang  dieses  Busens  4)  beträgt  80,000,  die  Ueberfahrt 
aber  30,000  Schritte. 

8. 

Bei  Tänarum  beginnt  das  Gebiet  der  Laconier  5), 
eines  freien  Volkes;  der  daselbst  befindliche  Meerbusen  6) 
hat  106,000  Schritte  im  Umfange  und  38,000  Schritte  im 
Durchmesser.  Die  Städte  heissen:  Tänarum  7),  Amyclä  8), 
Pherä  9),  Leuctra10),  im  Innern  des  Landes  Sparta11),  The- 
ramne;  die  Stellen,  wo  Cardamyle,  Pithane  und  Anthane 
lagen,  die  Ruinen  von  Thyrea  und  Gerania;  der  Berg  Tay- 
getus12);  der  Fluss  Eurotas13),  der  Busen  Egilodes14),  die 
Stadt  Psammathus15);  der  nach  der  Stadt  Gytheum16)  be- 
nannte gytheische  Busen,  von  wo  aus  die  sicherste  Ueber- 
fahrt nach  der  Insel  Creta17)  ist.  Diese  ganze  Gegend 
wird  von  dem  Vorgebirge  Malea18)  eingeschlossen. 

9. 

Der  nun  folgende  Meerbusen  bis  zum  scylläischen  Vor- 
gebirge19) hin  heisst  der  argolische,  dessen  Breite  50,000, 
dessen  Umfang  aber  162,000  Schritte  beträgt.     Städte  da- 


')  Burkano. 

2)  Es  gab  zwei  Städte  dieses  Namens  im  Peloponnes.  Diese 
war  die  Residenz  der  alten  mythischen  Könige  von  Messene  und 
heisst  jetzt  Sareni,  die  andere  lag  in  Triphylia. 

3)  Lag  nach  Homer  und  Pausanias  in  Argolis  nördlich  von  Elec- 
tra.     '')  Von  Koron. 

5)  Wahrscheinlich  sind  die  jetzigen  Mainoten  die  Abkömmlinge 
der  alten  Lacedämonier. 

6)  Bai  von  Kolokythia.    7)  Maina. 
8)  Sklavochorion.     9)  Chidri. 

,0)  Istechia.     Ist  wohl  zu  unterscheiden  von  Leuctra  in  Böotien, 
wo  die  Spartaner  von  Epaminondas  geschlagen  wurden. 
H)  Paläochori,  in  der  Gegend  von  Misita. 
,2)  Pentadactylon.    ,3)  Basilipotamo. 
M)  Pulithra.     ,B)  Porto  delle  Quaglie. 
,6)  Kolochina.     17)  Candia.     18)  Spathi.     »»)  Capo  Scyllo. 


Viertes  Buch.  301 

rin  sind:  Böa  1),  Epidaurus  2)  mit  dem  Beinamen  Limera, 
Zarax3),  der  Hafen  Cyphanta. 4)  Flüsse:  der  Inachus 5) 
und  Erasinus6),  zwischen  denen  Argos  mit  dem  Beinamen 
Hippium  7),  oberhalb  der  Ruinen  von  Lerne,  2000 Schritte  vom 
Meere  entfernt  liegt;  9000  Schritte  weiter  liegt  Mycenä8); 
dann  die  Gegend,  wo  Tiryetha  gelegen  haben  soll,  und  das 
ehemalige  Mantinea.9)  Berge:  der  Artemius  10),  Apesantes, 
Asterion,  Parparus  und  11  andere.  Quellen:  Niobe,  Amy- 
mone  und  Psamathe.  Vom  Vorgebirge  Scylläum  bis  zum 
Isthmus  beträgt  die  Entfernung  177,000  Schritte.  Hier  die 
Städte:  Hermione11),  Trözen12),  Coryphasium13),  und  das 
bald  Inachium,  bald  Dipsium  genannte  Argos.  u)  Der  Ha- 
fen Schönitas15),  der  saronische  Busen16),  der  einst  mit  einem 
Eichenwalde  umgeben  war,  und  daher  seinen  Namen  hat, 
denn  so17)  hiess  im  alten  Griechenland  die  Eiche.  An  demsel- 
ben liegt  die  Stadt  Epidaurus18)  mit  einem  berühmten  Tempel 
des  Aesculap;  das  Vorgebirge  Spiräum19),  der  Hafen  An- 
thedus  und  Bucephalus,  endlich  das  obengenannte  Cenchreä, 
die  andere  Hälfte  des  Isthmus  mit  dem  durch  die  fünfjäh- 
rigen Spiele20)  berühmten  Tempel  des  Neptun.  So  viele 
Busen  bildet  die  Küste  des  Peloponnes,  so  viele  Meere  be- 
spülen dieselbe;  denn  von  Norden  her  stürmt  das  jonische 
Meer  an,  von  Westen  das  sicilische,  von  Süden  das  cretische, 
von  Nordosten  das  ägeische,  und  von  Südosten  her  das 
myrthoische,  welches  am  megarischen  Meerbusen  beginnt 
und  ganz  Attica  umgiebt. 


*)  Paleo  Castron.    2)  Paleo  Malvasia. 

3)  Porto  Kari.     4)  Stilo.     5)  Planitza. 

6)  Kephalari.    7)  Argos  oder  Arpi. 

*)  Karia.    9)  Goridsja. 

,0)  Megavuni.     »)  Kastri.     12)  Terfidsje.     ,3)  Karvathi. 

M)  Siehe  ohen,  der  vorbeiflies  sende  Inachus  trocknete  im  Som- 
mer ein.     15)  Porto  Estremo.    16)  Golf  von  Egina. 

")  ouQOiviq.     ,8)  Pidavri. 

,9)  Capo  Franco. 

'•*>)  Nach  Pindar  wurden  diese  Spiele  allemal  zu  Anfang  des 
dritten  Jahres  gefeiert. 


302  Viertes  Buch 

10. 

Arcadien  nimmt  hauptsächlich  den  mittleren  Theil 
des  Peloponnes  ein,  und  wird  daher  auf  keiner  Seite  vom 
Meere  berührt;  anfänglich  hiess  dasselbe  Drymodes,  nach- 
her aber  Pelasgis.  Städte  in  demselben  sind:  Psophis  *), 
Mantinea  2),  Stymphalum  3),  Tegea,  Antigonea  4),  Orchome- 
num5),  Pheneum 6),  Palantium 7),  von  welcher  Stadt  das 
Palatium  in  Rom  seinen  Namen  hat8),  Megalopolis 9), 
Gortyna10),  Bucolium11),  Carnion,  Parrhasie12),  Thelpusa13), 
Melänä14),  Heräa15)  Pyle,  Pallene,  Agrä,  Epium,  Cyrätha  6), 
das  arcadische  Lepreon,  Partheniam,  Alea17),  Methydrium18), 
Enispe,  Macistum,  Lampe,  Clitorium19),  Cleonä20);  zwischen 
letztern  beiden  Städten  liegt  die  nemeische21)  oder  bembi- 
nadische  Gegend.  Berge  in  Arcadien  sind  der  Pholoe22), 
mit  einer  Stadt  gleichen  Namens,  ferner  der  Cyllene23), 
Lycäus 24)  mit  einem  Tempel  des  Jupiter  Lycäus,  der 
Mänalus,  Artemisius25),  Parthenius26),  Lampeus27),  Nouacris28) 
und  ausserdem  noch  acht  minder  wichtige.  Flüsse  sind: 
der  Ladon29),  der  aus  den  Sümpfen  um  Pheneum30),  und 
der  Erymanthus31),  welcher  aus  dem  Berge32)  gleichen  Na- 
mens entspringt;  beide  ergiessen  sich  in  den  Alpheus33) 

Die  noch  übrigen  Gemeinden  in  Achaja  sind  folgende: 
die   Aliphiräer34),   Abeater35),   Pyrgenser36j,   Paroreater37); 


*)  Jakovo.    2)  Goridsja.    3)  Sarke. 

4)  Ruinen  dieser  beiden  Städte  bei  Tripolizza.     5)  Kalpaki. 

6)  Phonje.    7)  Thana. 

8)  Evander  soll  nämlich  aus  Palantium  herstammen,  weshalb  die 
alte  Stadt,  die  er  auf  dem  palatinischen  Berge  (wo  später  Rom  ge- 
gründet wurde)  anlegte,  Palatium  genannt  worden  sei. 

9)  Sinano.     ,0)  Kartine.     »*)  Trupiais.     12)  Firina.     ,3)  Telfusa. 
,4)  Rhavli.     15)  Iri.     *6)  Kerpeni.     ")  Lavea.     ,8)  Methaga. 

>9)  Gardiki.    20)  Klenje. 

21)  Ebene  um  Tristena.  Herkules  erwürgte  hier  den  nemeischen 
Löwen;  alle  drei  Jahre  im  Herbste  wurden  daselbst  die  nemeischen 
Spiele  gefeiert. 

22)  Vodi.    23)  Chelmos.     24)  Tetragi.    25)  Gymnovuni. 

26)  Megavuni.    27)  Zambi.    28)  Bei  Naukria.    29)  Landona. 
»)  Phonje.    3I)  Azikol.     32)  Xiria.    33)  Karbon.    34)  Palatia. 
36)  Zarnata.    36)  Bei  Derwisch-Aga.     37)  Pararia. 


Viertes  Buch.  303 

Parageniter,  Tortuner,  Typaneer,  Thriusier,  Trilienser. 
Domitius  Nero  schenkte  ganz  Achaja  die  Freiheit.  Die 
Breite  des  ganzen  Peloponnes  vom  Vorgebirge  Malea  bis 
zur  Stadt  Aegium  am  corinthischen  Meerbusen  beträgt 
190,000  Schritte;  allein  quer  hindurch  von  Elis  nach  Epi- 
daurus  125,000,  und  von  Olympia  nach  Argos  durch  Arca- 
dien  68,000  Schritte.  Von  eben  diesem  Orte  bis  nach 
Phlius  haben  wir  die  Entfernung  schon  angegeben. r)  Auf 
der  ganzen  Halbinsel  erheben  sich  76  Berge,  und  hierdurch 
ersetzt  die  Natur  gleichsam  dasjenige  wieder,  was  durch 
das  Meer  entrissen  wurde. 

11. 
An  der  Landenge  des  Isthmus  fängt  Hellas  2)  an,  was 
die  Römer  Gräcia  nennen.  Das  erste  Gebiet  darin  ist 
Attica,  vormals  Acte  genannt.  Es  hängt  mit  dem  Isthmus 
durch  einen  Landstrich  zusammen,  welcher  von  der  Pagä 3) 
gegenüber  liegenden  Colonie  Megara,  Megaris  genannt  wird. 
Diese  beiden  Städte  liegen  da,  wo  der  Peloponnes  ausgeht, 
zu  beiden  Seiten  gleichsam  auf  den  Schultern  von  Hellas. 
Die  Pagäer  und  die  Aegosthenienser 4)  gehören  noch  zu 
den  Megarensern.  An  der  Küste  aber  liegt  der  Hafen 
Schönus. 5)  Städte  sind:  Sidus 6)  Cremmyon  7),  die  6000 
Schritte  langen  scironischen  8)  Felsen,  Gerania  9),  Megara 
und  Eleusis.10)  Früher  lagen  hier  Oenoa11)  und  Probalin- 
thos12),  jetzt  aber  sind  sie  vom  Isthmus  55,000  Schritte 
entfernt;  die  Häfen  Piräus  und  Phalera,  welche  durch  eine 
5000  Schritte  lange  Mauer  mit  Athen  verbunden  sind.  Diese 
Stadt  ist  frei,  und  bedarf  keiner  Lobrede,  so  gross  ist  ihr 
Ruhm.  Quellen  in  Attica  sind:  Cephissia,  Larine,  Callirrhoe, 
Enneacrunos.  Berge:  der  Brilessus,  Aegialeus,  Icarius,  Hy- 
mettus,  Lycabettus;  die  Ruinen  von  Ilisos.  45,000  Schritte 
vom  Piräus  liegt  das  Vorgebirge  Sunium13)  und  Thoricos.14) 


«)  Im  6.  Cap.    2)  Livadien.    3)  Psato.     *)  S.  Basilio. 

5)  Porto  Cocosi.    6)  Kassidi.    T)  Kenella.     8)  Derveni  Bouno. 

9)  Porto  Germano.     I0)  Lefsina.     ")  Bei  Oenoe. 

,2)  Bei  Vasileopyrgos.     l3)  Colonna.     I4)  Mandri. 


304  Viertes  Buch. 

Potamos  *),  Steria  2)  und  Beauron  3)  waren  vormals  Städte. 
Der  Flecken  Rhamnus4),  die  Ruinen  von  Marathon5),  die 
thriasische  Ebene  6),  die  Stadt  Melita  und  Oropus  7)  an  der 
Grenze  von  Böotien. 

12. 
In  Böotien8)  liegen  Anthedon9),  Onchestos 10),  die  freie 
Stadt  Thespiä  u),  Lebadea 12),  und  das  Athen  an  Ruhm  nicht 
nachstehende  böotische  Theben  13),  angeblich  die  Vaterstadt 
zweier  Götter,  des  Bacchus  und  Herkules.  Auch  die  Musen 
sollen  in  einem  Haine  des  Helicon  geboren  sein.  Zu  The- 
ben rechnet  man  noch  das  Waldgebirge  Cithäron  14)  und  den 
Fluss  Ismenus.  Ausserdem  hat  Böotien  folgende  Quellen: 
Oedipodia,  Psamathe,  Dirce,  Epicrane,  Arethusa,  Hippocrene, 
Aganippe,  Gargaphia.  Ausser  den  schon  genannten  Bergen 
sind  noch  zu  erwähnen:  der  Mycalessus,  Hadylius  und  Acon- 
tius.  Die  übrigen  Städte  zwischen  Megara  und  Theben 
sind:  Eleutherä 15),  Haliartus 16),  Platää17),  Pherä18),  Asple- 
don19),  Hyle20),  Thisbe21),  Erythrä,  Glissas,  Copä;  Larym- 
na22)  und  Anchoa23)  am  Flusse  Cephissus24);  Medeon,  Phly- 
gone25),  Acräphia26),  Coronea27),  Chäronea.28)  An  der  Küste 
aber,  unterhalb  Theben,  liegen:  Ocolee,  Heieon29),  Scolos30), 
Schönos,  Peteon,  Hyrie,  Mycalessus,  Iresion,  Pteleon,  Oly- 


')  Porto  de  Rafti.    -)  Siteri.    3)  Braona. 

4)  Taurocastro  oder  Abriocastro. 

5)  Hier  schlug  Miltiades  die  Perser,  490  y.  Chr. 

6)  Zwischen  Athen  und  Eleusis.    7)  Ropo. 
8)  Stramaüpa.     9)  Luchisi. 

w)  Ruinen  von  San  Topoglia  (Copais). 

")  Ruinen  bei  Rirnacastro.     ,2)  Livadia.     ,3)  Thiva.     ")  Elatea. 

,5)  Contura.     16)  Ruinen  bei  Maci. 

")  Kokla.  Hier  wurde  Mardonius,  der  Feldherr  des  Xerxes,  von 
Pausanias  479  v.  Chi\  geschlagen. 

,8)  Bei  Skimitari.     19)  Bei  Scripu.     20)  Bei  Senjena.    2l)  Cacosi. 

22)  Lamas.    M)  Putzomadi.     24)  Mauronero.     25)  Bei  Dadi. 

26)  Kartitza.     ^  Korunies. 

28)  Capourna.  Hier  siegte  Philipp  von  Macedonien  über  die 
Griechen,  333  v.  Chr. 

2i>)  Ela.    *»)  Sialesi. 


Viertes  Buch.  305 

ros,  Tanagra  *),  deren  Bewohner  frei  sind,  und  am  Eingange 
der  Bai  Euripus2),  welche  durch  die  vorliegende  Insel 
Euböa 3)  entsteht,  das  durch  seinen  geräumigen  Hafen 
berühmte  Aulis. 4)  Die  Böotier  hiessen  in  alten  Zeiten 
Hyanter. 

Nun  folgen  die  epicnemidischen  Locrer5),  welche  früher 
Leleger  hiessen;  durch  ihr  Gebiet  ergiesst  sich  der  Cephis- 
sus  ins  Meer.  Städte  sind:  Opus6),  woher  der  opuntische 
Meerbusen  seinen  Namen  hat,  Cynos. 7)  An  der  Küste  von 
Phocis  liegt  die  einzige  Stadt  Daphnus.8)  Im  Innern  von 
Locris  liegt  Elatea9),  und  am  Ufer  des  Cephissus  (wie  be- 
reits gesagt  wurde)10)  Liläa;  gegen  Delphi  hin:  Cnemis  und 
Hyampolis. n)  Wiederum  an  der  locrischen  Küste  Larym- 
na 12)  und  Thronium 13)  bei  welcher  der  Fluss  Boagrius  sich 
ins  Meer  ergiesst.  Die  Städte  Narycion u),  Alope,  Scarphia. 
Dann  folgt  der  von  den  Einwohnern  sogenannte  maliacische15) 
Meerbusen,  an  welchem  die  Städte  Halcyone,  Econia  und 
Phalara  liegen. 

13. 

Hierauf  folgt  Doris  mit  den  Städten  Spanthos,  Eri- 
neon  16),  Bojon 1T),  Pindus  und  Cytinum.  Hinter  Doris  liegt 
der  Berg  Oeta. u) 

14. 

An  Doris  grenzt  Aemonien,  welches  seinen  Namen  oft 
geändert  hat,  denn  es  hiess  Argos  pelasgicum,  Hellas, 
Thessalien  und  Drypis,  und  zwar  immer  nach  seinen  Kö- 
nigen.    Ein  eingeborner  König  dieses  Landes  hiess  Gräcus; 


')  Skimitari.    2)  Euripo.    3)  Negroponte. 

4)  In  diesem  Hafen  versammelte  Agamemnon  die  Flotte  der 
Griechen  zum  Zuge  nach  Troja.  Der  Hafen  heisst  jetzt  Bathy.  Von 
Aulis  existirt  keine  Spur  mehr. 

5)  So  genannt,  weil  sie  am  Berge  Cnemis  (Talento)  wohnten. 

6)  Talante.     7)  Ruinen  beim  Dorfe  Livanitis. 

8)  Ruinen  bei  Neschorio.    9)  Levta.     ,0)  Im  4.  Cap.     ")  Bogdana. 

,2)  Das  untere  nämUch;  Ruinen  bei  Putzomadi. 

13)  Chilikous.     M)  Ruinen  bei  Tornitza.     15j  Golf  Isdin. 

16)  Erinei.     17)  Bralo.    ,8)  Kumayta. 

20 


306  Viertes  Buch. 

von  ihm  erhielt  Griechenland  seinen  Namen;  vom  Hellen 
bekamen  die  Griechen  den  Namen  Hellenen.  Homer1)  be- 
zeichnet eben  diese  Völker  mit  drei  Namen,  Myrmidonen, 
Hellenen  und  Achäer. 

Von  ihnen  heissen  diejenigen,  welche  an  Doris  gren- 
zen, Phthioten.  Ihre  Städte  sind:  Echinus2)  am  Ausflüsse 
des  Flusses  Sperchius3),  der  Engpass  von  Thermopylä 4), 
von  dem  das  4000  Schritte  davon  gelegene  Heraclea5)  den 
Namen  Trachys6)  führt.  Daselbst  befindet  sich  auch  der 
Berg  Callidranus  7);  berühmte  Städte  sind:  Hellas,  Halos, 
Lamia. 8),  Phthia,  Arne. 

15. 

In  Thessalien  aber  liegen:  Orchomenus 9),  früher  Mi- 
nyeus  genannt,  die  Stadt  Almon  oder  Salmon,  Atrax  10),  Pe- 
linna11);  die  Quelle  Hyperia;  die  Städte:  Pherä13),  hinter 
welcher  sich  der  Pieria13)  bis  nach  Macedonien  hinzieht, 
Larissa14),  Gomphi15),  das  thessalische  Theben,  der  Wald 
Pteleon,  der  pagasische  Meerbusen. 16)  Die  Stadt  Pagasa 17), 
welche  nachher  Demetrias  genannt  wurde/  Tricca18),  die 
pharsalischen  Gefilde  mit  einer  freien  Stadt 19),  Crannon, 
Iletia.  Berge  in  Phthiotis  sind:  der  Nymphäus,  ehedem 
sehenswerth  wegen  seiner  natürlichen  Gartenanlagen.  Der 
Buzygäus,  Donacesa,  Bromius,  Daphusa,  Chimerion,  Atha- 

')  Iliade  II.  191.     -)  Echina.     3)  Ellada. 

')  Pass  Elafu;  bekannt  durch  die  heldenmüthige  Verteidigung 
der  300  Spartaner  unter  Leonidas  gegen  Xerxes.  —  Der  Pass  wird 
gebildet  durch  die  Felsenwand  des  Öta  und  den  malischen  Meerbusen. 

5)  Ruinen  am  Asopo.     6)  Von  tqu^vq  rauh,  unwegsam. 

■>)  Ein  Theil  des  Öta.     8)  Zeitun.    9)  Scripu.     ,0)  Zarko. 

»»)  Balaklen.     ,2)  Velsin. 

13)  Ein  Seitenast  des  Lacha,  der  sich  bis  an  den  Golf  von  Volo 
herabzieht. 

14)  Larisse  bei  den  Neu-Griechen,  Jenischehr  bei  den  Türken. 
,:')  Klinovo. 

16)  Golf  von  Volo,  wo  sich  die  Argonauten  einschifften. 
")  Volo.     ,8)  Tricala. 

19)  Pale  Farselus.  Hier  wurde  45  v.  Chr.  Pompejus  von  Cäsar 
geschlagen. 


Viertes  Buch.  307 

raas,  Stephane.  In  Thessalien  giebt  es  überhaupt  34  Berge, 
von  denen  die  merkwürdigsten  sind:  der  Cercetii x),  Olym- 
pus 2),  Pierus,  Ossa.  3)  Diesem  gegenüber  liegen  der  Pin- 
dus 4)  und  Othrys5),  die  Wohnsitze  der  Lapithen;  diese 
Berge  liegen  gegen  Abend.  Gegen  Morgen  der  Pelios6); 
alle  aber  bilden  einen  theaterförmigen  Bogen,  in  welchem 
sich  75  Städte  befinden.  Flüsse  Thessaliens  sind:  der  Api- 
danus 7),  Phönix,  Epineus 8),  Onochonus  9),  Pamisus;  die 
Quelle  Messa'is;  der  See  Böbr'is. 10)  Am  berühmtesten  aber 
ist  der  Peneus11),  welcher  in  der  Nähe  von  Gomphi  ent- 
springt, zwischen  dem  Ossa  und  Olympus  in  einem  wal- 
digen Thale  von  500  Stadien  hinabfliesst,  und  von  der 
Hälfte  dieser  Strecke  an  schiffbar  ist.  Ein  Theil  dieses 
Thaies,  welcher  Tempe 12)  heisst,  ist  5000  Schritte  lang 
und  beinahe  anderthalb  Joch  Landes  breit;  links  und  rechts 
erheben  sich,  soweit  das  menschliche  Auge  reicht,  sanfte 
Bergrücken.  Mitten  hindurch  zieht  sich  der  wegen  seines 
grünen  Sandes  ins  grünlich  spielende  Peneus,  seine  Ufer 
sind  mit  dem  schönsten  Grase  bedeckt  und  vom  Gesänge  der 
Vögel  erfüllt.  Er  nimmt  den  Orcos  auf,  vereinigt  sich  aber 
nicht  mit  ihm,  sondern  stösst  ihn,  nachdem  er  ihn  (wie 
Homer  sagt) 13)  gleich  wie  aufschwimmendes  Oel  eine  kurze 
Strecke  getragen,  wieder  von  sich,  und  verschmähet  es, 
seine  silbernen  Wogen  mit  einem  verdammten,  von  Ver- 
wünschungen erzeugten  Wasser14)  zu  vermischen. 

16. 
An  Thessalien  grenzt  Magnesien15),  mit  der  Quelle 
Libethra. 16)     Städte   darin   sind:   Jolcus17),   Hormenium 18), 
Pyrrha19),  Methone20),  Olizoa21);  das  Vorgebirge  Sepias22): 


^)  Ein  Zweig  des  Pindus.    -)  Lacha.     3)  Kissavo,     4)  Mezzovo. 
5)  Veloutzi.    6)  Petras.    7)  Epideno.     8j  Vlachojanni.     9)  Rejani. 
10)  Carlas.     ")  Salambria.     12)  Bogazo.     ,3)  llliade  II.  262. 
")  Die.  Götter  pflegten  nämlich  beim  Orcos  zu  schwören. 
*6)  Die  jetzigen  Landschaften  Zagora  und  Macrinizza. 
16)  Bei  Goritza.     17)  Goritza.     t8)  Milias.     ,9)  Korakai  Pyrgo*. 
20)  Neochori.     21)  Kortos  bei  Argalasti.    22)  Giorgio. 

20* 


308  Viertes  Buch. 

die  Städte  Castfeanäa  *),  Sphalatra  2);  das  Vorgebirge  Aean- 
tium3);  die  Städte  Meliböa4),  Rhizus 5),  Erymnä6);  die 
Mündung  des  Peneus  7);  die  Städte  Homolion,  Orthe,  Thes- 
piä,  Pbalanna  8),  Tbaumacia  9),  Gyrton 10),  Cranon  n),  Acharne, 
Dotion,  Melitäa,  Phylace,  Potniae.  Die  Länge  von  Epirus, 
Achaja,  Attica  und  Thessalien  in  einer  Richtung  soll 
480,000  und  die  Breite  287,000  Schritte  betragen. 

17. 
Hierauf  folgt  Macedonien  mit  150  Völkerschaften,  be- 
rühmt durch  zwei  Könige 12)  und  seine  ehemalige  Weltherr- 
schaft; vormals  hiess  es  Emathia.  Es  zieht  sich  hinter 
Magnesien  und  Thessalien  westlich  bis  zu  den  epirotischen 
Völkern  hin,  und  wird  von  den  Dardanern  oft  beunruhigt. 
Päonien  und  Pelagonien  schützen  den  nördlichen  Theil 
gegen  die  Triballer.  Städte:  Aegiä,  wo  man  die  Könige 
begräbt,  Beröa13),  und  in  dem  Gebiete,  welches  von  einem 
Walde  den  Namen  Pieria  führt,  Aeginium. 14)  An  der  Küste 
liegt  Heraclea 15)  und  der  Fluss  Apilas. 16)  Die  Städte  Pyd- 
na  17j,  Aloros,  der  Fluss  Aliacmon. 18)  Im  Innern  des  Lan- 
des wohnen  die  Aloriter,  Valläer,  Phylacäer,  Cyrrhester11') 
Tyrissäer.  Die  Colonie  Pella20);  die  Stadt  Stobi 21)  mit 
römischem   Bürgerrechte.     Dann   folgt  Antigonea22),   Euro- 


*)  Bei  Tzankarada.    -)  Hagia  Eutimia.    3)  Monastir. 
A)  Bei  Mintzeles.     5)  Bei  Pesi-Dendra.     fi)  Bei  Conomio. 
7)  In  den  thermaischen  Busen.     8)  Baba.     •')  Taimak. 
10)  Kirsali.     ")  Crania. 
,2)  Philipp  und  Alexander  der  (.{rosse. 

13)  Wurde   nach  ihrer  Zerstörung  von  der  Kaiserin  Irene  wieder 
autgebaut  und.  erhielt  den  Namen  Irenopolis.    Jetzt  Beria. 
,4)  Ainovo.     ,5)  Monastir.     ,r>)  Sphetili. 

17)  Chitro  oder  Kitro.  In  der  Nähe  dieser  Stadt  wurde  der  letzte 
König  von  Macedonien,  Perses,  von  Aemilius  Paullus  168  v.  Chr.  ge- 
schlagen. 

18)  Indsche-Karasu.     ,9)  Kastranitza. 

-°)  Palatitza.  Sie  war  der  Geburtsort  Alexanders  und  die  Residenz 
seiner  Nachfolger  bis  auf  Perses. 
-')  Istib.     --)  Nigothenio. 


Viertes  Buch.  309 

pus  *)  am  Flusse  Axius  2)  und  noch  eine  Stadt  gleichen 
Namens  3),  durch  welche  der  Rhödias  fliesst.  Eordeä  4), 
Scydra  5),  Mieza,  Gordyniä.  An  der  Küste:  Ichnä,  der  Fluss 
Axius.  An  dieser  Grenze  von  Macedonien  wohnen  die  Dar- 
daner,  Trerer  und  Pierer.  Am  Flusse  Axius  wohnen  die  päo- 
nischen  Völker  6),  als:  die  Paroräer,  Eordenser,  Almopier, 
Pelagoner,  Mygdoner.  Berge  sind:  der  Rhodope  7):  Scopius 
und  Orbelus.  8)  In  der  davor  liegenden  Ebene  wohnen  die 
Arethusier,  Antiochienser,  Idomenenser  9),  Doberer10),  Ae- 
sträenser11),  Allantenser,  Audaristenser,  Moryller,  Garescer, 
Lyncester,  Othryoneer,  die  freien  Amantiner12)  und  Orester; 
die  bullidensische13)  und  diensische14)  Colonie;  die  Xylopo- 
liter,  die  freien  Scotussäer,  Heraclea  Sintica15),  die  Tym- 
phäer  und  Toronäer. 

Vorn  am  macedonischen  Meerbusen16)  liegt  die  Stadt 
Chalastra17),  an  seiner  innersten  Seite  Pileros  und  Lete18), 
und  an  der  mittleren  Einbiegung  des  Ufers  Thessalonica19), 
eine  freie  Stadt.  Von  Dyrrachium  bis  hierher  beträgt  die 
Entfernung  240,000  Schritte.  Nun  folgt  Therme20),  und  im 
thermaischen21)  Meerbusen  die  Städte  Dicäa22)  Pydna,  Der- 
rha,  Scione.  Das  Vorgebirge  Canasträum23);  die  Städte 
Phallene  und  Phlegra.  In  dieser  Gegend  befinden  sich  die 
Berge  Hypsizorus,  Epitus,  Halcyone  und  Levomne;  die  Städ- 
te: Nyssos,  Phryxelon,  Mendä  und  auf  dem  pallanensischen 
Isthmus24)  das  ehemalige  Potidäa,  jetzt  die  Colonie  Cassan- 
dria;  Anthemus,   Olophyxus;  der   mecybernische  Busen25); 


')  Köprili.     2)  Vardar.     3)  Orhissar.     4)  Filorina. 

'')  Sidero-Kapsa.     °)  Die  jetzigen  Bulgaren.    7)  Despoto. 

8)  Argentaro.     9)  Kuuili-Kiöi.     10)  Avrethissar.     n)  Tikwesch. 

'-)  Avostina.     ,3)  Poklin.     «)  Platamona.     ,5)  Rasluk. 

,6)  Golfo  di  Salonichi. 

")  Wurde  von  Cassander  zerstört,  um  die  Einwohner  nach  Thes- 
salonich zu  versetzen. 

18)  Litta.     ,9)  Salonichi. 

-°)  Thenna  ist  keine  eigentliche  Stadt,  sondern  bloss  der  alte 
Name  von  Thessalonica. 

'-')  d.  i.  macedonischen.    22)  Buraiu.     23)  Piajuri. 

M)  Calandro.     ")  Golf  Kassandra, 


310  Viertes  Buch. 

die  Städte  Miscella,  Ampelos  l),  Torone,  Singos. 2)  Die 
1500  Schritte  lange  Meerenge,  welche  dadurch  entstand, 
dass  der  persische  König  Xerxes  den  Berg  Athos 3)  vom 
Festlande  trennte.  Der  Berg  selbst  läuft  von  der  Ebene 
an  75,000  Schritte  weit  ins  Meer,  und  sein  Umfang  beträgt 
am  Fusse  150,000  Schritte.  Auf  seinem  Gipfel  lag  vormals 
die  Stadt  Acroathon;  jetzt  findet  man  daselbst  Uranopolis, 
Paläorium,  Thyssus,  Cleonä,  Apollonia  4),  deren  Einwohner 
den  Beinamen  Macrobier  führen.  Die  Stadt  Cassera  5), 
der  Busen  auf  der  andern  Seite  des  Isthmus  6),  Acanthus  7), 
Stagira  8),  Sithone,  Heraclea  und  die  darunter  liegende  Land- 
schaft Mygdonien,  in  welcher  in  einiger  Entfernung  vom 
Meere  Apollonia  9)  und  Arethusa  liegen.  Wiederum  an  der 
Küste  Posidium,  der  Meerbusen10)  und  die  Stadt  Cermorum, 
das  freie  Amphipolis11),  und  die  Bisalter.  Dann  folgt  an 
der  Grenze  von  Macedonien  der  Fluss  Strymo12),  welcher 
auf  dem  Hämus  entspringt  und  —  was  bemerkenswerth  ist 
—  erst  durch  7  Seen  geht,  bevor  er  eine  bestimmte  Rich- 
tung nimmt. 

Diess  ist  das  Macedonien,  das  sich  einst  der  Weltherr- 
schaft bemächtigt  hatte,  das  sich  über  Asien,  Armenien, 
Iberien,  Albanien,  Cappadocien,  Syrien,  Aegypten,  den  Tau- 
rus  und  Caucasus  ausdehnte,  Bactrien,  Medien  und  Persien 
beherrschte,  also  den  ganzen  Orient  besass,  sogar  Indien 
besiegte  und  in  die  Fusstapfen  des  Bacchus  und  Herkules 
trat;  diess  ist  dasselbe  Macedonien,  von  dem  unser  Feld- 


')  Am  Ausflusse  des  Axius  lag  auch  ein  Vorgebirge  dieses 
Namens. 

2)  Der  Busen  bei  dieser  8tadt  heisst  jetzt  Golf  Kontessa. 

3)  Monte  Santo  oder  Agios  oros.    A)  Pollina. 
5)  Kareis.    6)  Golf  Kontessa.     7)  Hierisos. 

8)  Libanova  oder  Stauros,  der  Geburtsort  des  Aristoteles. 

9)  Beschik.     10)  Golf  Kontessa. 

u)  Emboli.  Von  den  Atheniensern  unter  Cimon  gegründet;  Phi- 
lipp nahm  sie  ein.  Sie  war  der  Geburtsort  des  berüchtigten  Kri- 
tikers Zoilos. 

12)  Struma.    Er  ergiesst  sich  in  den  Meerbusen  von  Kontessa. 


Viertes  Buch.  311 

lierr  Paulus  Aemilius1)  an  einem  Tage  72  eroberte  Städte 
verkaufte.  Solch  eine  Verschiedenheit  des  Schicksals  ging 
von  2  Menschen2)  aus. 

18. 
Wir  kommen  nun  nach  Thracien  3),  dessen  Bewohner 
unter  die  kräftigsten  Völker  Europas  gehören.  Es  wird  in 
50  Strategien  4)  eingetheilt.  Von  den  nennenswerthen  Völ- 
kern wohnen  auf  dem  rechten  Ufer  5)  des  Strymon  die  Den- 
selater  und  Meder,  bis  zu  den  obengenannten  Bisaltern; 
auf  dem  linken  Ufer  die  Digerer  und  viele  Stämme  der 
Besser  bis  zum  Flusse  Nestus  6)  hin,  welcher  am  Fusse 
des  Berges  Pangäus  7)  herum  durch  die  Wohnsitze  der  Ele- 
ther,  Diobesser,  Carbileser,  Bryser,  Sapäer  und  Odomanter 
fliesst.  Aus  dem  Gebiete  der  Odryser  kommt  der  Hebrus  8), 
an  welchem  die  Cabyleter,  Py rogerer,  Drugerer,  Cänicer, 
Hypsalter,  Bener,  Corpiller,  Edoner  wohnen.  In  demselben 
Distrikte  wohnen  auch  die  Selleter,  Prianter,  Doloncer, 
Thyner,  die  altern  Cöleter  am  Hämus  und  die  jüngeren 
am  Rhodope.  Auch  ihre  Gebiete  durchfliesst  der  He- 
brus. Die  am  Fusse  des  Ehodope  liegende  Stadt  hiess 
früher  Poneropolis,  bald  darauf  nach  ihrem  Erbauer  Phi- 
lippopolis  9),  und  wird  jetzt  ihrer  Lage  (auf  drei  Bergen) 
wegen  Trimontium  genannt.  Die  Höhe  des  Hämus  beträgt 
6000  Schritte.  Auf  seiner  hintern  Seite,  die  sich  gegen 
den  Ister  hin  abdacht,  wohnen  die  Mösier,  Geter,  Aorser, 


*)  Der  Besieger  des  Königs  Perses ;  nach  der  Schlacht  bei  Pydna, 
168  v.  Chr. 

2)  Paulus  Aemilius  und  Alexander  der  Grosse. 

3)  Romanien,  Rumili.     4)  Militärbezirke. 
5)  D.  i.  gegen  Westen.    6)  Karasu. 

7)  Castagnatz;  eigenthch  nur  ein  Theil  des  Gebirges  Rhodope. 
Er  war  berühmt  durch  seine  Gold-  und  Silberbergwerke. 

8)  Maritza.  Er  ergiesst  sich  der  Insel  Samothrace  gegenüber  in<s 
ägeische  Meer. 

9)  Philippopoli  oder  Phelibe.  Poneropolis,  die  Stadt  der  Ver- 
brecher, hiess  sie,  weil  von  ihrem  Erbauer,  dem  König  Philipp,  Ver- 
brecher als  Kolonisten  dahin  geführt  wurden. 


312  Viertes  Buch. 

Gauder,  Ciavier;  weiter  hin  die  arräischen  Sarmater,  auch 
Areater  genannt,  und  die  Scythen,  und  an  den  Küsten  des 
Pontus  die  Morisener  und  Sithonier,  von  denen  der  Dichter 
Orpheus  abstammte. 

Der  Ister  begrenzt  also  Thracien  im  Norden,  der  Pon- 
tus und  Propontis  im  Osten,  und  das  ägeische  Meer  im  Sü- 
den, an  dessen  Küste  vom  Strymon  an  Apollonia  l),  Oesy- 
ma,  Neapolis  2)  und  Datos  3)  liegen.  Im  Innern  des  Landes 
liegt  die  Colonie  Philippi,  325,000  Schritte  von  Dyrrachium 
entfernt.  Scotusa,  die  Gemeinde  Topiris4),  die  Mündung 
des  Flusses  Mestus,  der  Berg  Pangäus,  Heraclea  5),  Olyn- 
thos6);  die  freie  Stadt  Abdera 7)  der  See8)  und  das  Volk 
der  Bistoner.  Hier  lag  die  Stadt  Tirida,  berüchtigt  durch 
die  Pferdeställe  des  Diomedes9);  jetzt  steht  daselbst  Di- 
cäa10)  und  Ismaron. u)  Die  Ruinen  von  Parthenion,  Pha- 
sina und  Maronea  12),  welches  früher  Ortagurea  hiess.  Der 
Berg  Serrium  13)  und  Zone.  Der  Ort  Doriscus 14),  der  gerade 
10,000  Menschen  fasst,  wesshalb  Xerxes  ihn  zur  Zählung 
seines  Heeres  benutzte.  Die  Mündung  des  Hebrus;  der 
Hafen  des  Stentor15);  die  freie  Stadt  Aenos  mit  dem  Grabe 


')  Später  hiess  sie  Sozopolis,  woraus  ihr  jetziger  Namen  Size- 
poli  verstanden  ist.    2)  Kavela. 

3)  Eine  durch  die  Goldbergwerke  in  ihrer  Nähe  sehr  reiche  Stadt, 
früher  Crenides  genannt.  Später  gab  ihr  Philipp  von  Macedonien  den 
Namen  Philippi.  In  ihrer  Umgebung  wurden  Brutus  und  Cassius  von 
Octavian  und  Antonius  geschlagen.  Ihr  jetziger  Name  ist  Philippi- 
Ghi  (4>i\i7Ctcov  yr\). 

4)  Cavalla.     r')  Rasluk.    °)  Agio  Mama. 

7)  Der  Geburtsort  des  Democrit  und  Protagoras.  Noch  jetzt  fin- 
det man  Ruinen  von  ihr  bei  Jenidsche-Karasu,  am  Karasu. 

8)  Lago  di  Bistogna. 

9)  Ein  thracischer  König,  der  nach  der  Fabel  alle  Fremde  seinen 
teuerschnaubenden  Rossen  zum  Futter  vorwarf.  Hercules  besiegte  ihn 
und  Hess  ihn  zur  Strafe  für  seine  Grausamkeit  von  seinen  eigenen 
Pferden  fressen. 

,0)  Burun.     n)  Imahan.     12)  Marogna.     ,3)  Cap  Makri. 
l4)  Ebene  von  Rumigick;  Xerxes  füllte  den  Ort  hundertundsie- 
benzigmal,  sein  Heer  war  also  1,700,000  Mann  stark.    HerodotVH.  59. 
,B)  Bojis  Korfusi. 


Viertes  Buch.  313 

des  Polydorus  *),  ehemals  das  Gebiet  der  Ciconer.  Von  Do- 
riscus  an  macht  die  Küste  eine  Krümmung  von  122,000 
Schritten  bis  nach  Macron  Tichos.  Bei  letzterm  Orte  mün- 
det der  Fluss  Melas 2),  von  dem  der  Meerbusen  seinen  Na- 
men hat.  Hier  die  Städte:  Cypsella  3),  Bisanthe  4)  und 
Macron  Tichos5),  so  genannt,  weil  vom  Propontis  bis  zum 
melanischen  Meerbusen  sich  eine  Mauer  zwischen  den  bei- 
den Meeren  hinzieht  und  den  vorlaufenden  Chersones  absperrt. 
Thracien  hat  aber  auf  der  andern  Seite,  da  wo  es  an 
der  pontischen  Küste,  in  der  Nähe  der  Mündung  des  Ister 
seinen  Anfang  nimmt,  die  schönsten  Städte,  als:  Istropo- 
lis 6),  von  den  Milesiern  erbauet,  Tomi 7)  und  Calatis  8), 
welches  früher  Acervetis  hiess.  Hier  lag  auch  Heraclea 
und  Bizone,  was  von  der  Erde  verschlungen  wurde;  jetzt 
steht  daselbst  Dionysopolis9),  früher  Cruni  genannt,  und 
der  Fluss  Ziras  fliesst  an  ihr  vorbei.  Diesen  ganzen  Land- 
strich haben  die  sogenannten  aroterischen  Scythen  inne  ge- 
habt. Ihre  Städte  waren:  Aphrodisias,  Libistos l0),  Zigene, 
Rocobe11),  Eumenia12),  Parthenopolis 13),  Gerania14),  wo  die 
Pygmäer  gewohnt  haben  sollen;  die  Barbaren  nennen  diese 
Cattuzer  und  glauben,  sie  seien  von  den  Kranichen  ver- 
jagt worden.  An  der  Küste  bei  Dionysopolis  liegt  das  von 
den  Milesiern  gegründete  Odessus15);  der  Fluss  Panysus16); 
die  Stadt  Tetranaulochus 17);  das  Gebirge  Hämus18),  wel- 
ches mit  seinem  breiten  Rücken19)  in  den  Pontus  reicht, 
und  auf  dessen  Gipfel  früher  die  Stadt  Aristäum  lag.  Jetzt 
befinden  sich  an  der  Küste:  Mesembria  20),  Anchialum  21),  wo 


')  Sohn  des  Priamus,  Königs  von  Troja. 

*)  Salduti.    Er  entspringt  bei  Adrianopel;  der  Meerbusen,  in  den 
er  sich  ergiesst,  heisst  jetzt  der  Meerbusen  von  Saros. 
3)  Ipsala.    4)  Rodosto.     °)  Magar. 
,;)  Karahirman. 

7)  Tomismar  oder  Baba,  der  Verbannungsort  Ovids. 

8)  Schablefer.    9)  Baltschik.     ,0)  Oliben.     «)  Takfurgköl. 
,2)  Gojemlik.     13)  Hadsji-Oglu-Bazardsjik.     u)  Karaagatsch. 

15)  Varna.     I6)  Varna.     ,7)  Emineh.    '*)  Balkan.     ,9)  Cap  Emineh. 
20)  Misevira.    2l)  Ahioli. 


314  Viertes  Buch. 

früher  Messa  stand.  In  der  Landschaft  Astico  lag  sonst 
die  Stadt  Anthium,  jetzt  Apollonia. x)  Flüsse  sind:  der  Pa- 
nisus,  Rira  2),  Teams3)  und  Orosines.  Städte:  Thynias  4), 
Halmydessos  5) ,  Develton  6)  mit  einem  See,  jetzt  Deultum 
genannt  und  von  den  Veteranen  angelegt;  Phinopolis  7)  am 
Bosporus.  Vom  Ausflusse  des  Ister  bis  zur  Mündung  des 
Pontus  rechnen  Einige  555,000  Schritte;  Agrippa  fügt 
noch  60,000  hinzu.  Von  hier  aus  bis  zu  der  oben  erwähn- 
ten Mauer  beträgt  die  Entfernung  150,000  und  von  der 
Mauer  bis  zum  Chersones  126,000  Schritte. 

Am  Bosporus  liegen:  der  Meerbusen  Casthenes  8),  der 
Hafen  der  Greise  9),  und  noch  ein  anderer,  welcher  Weiber- 
hafen10) heisst.  Das  Vorgebirge  Chrysoceras,  an  welchem 
die  freie,  früher  Lygos  genannte  Stadt  Byzanz  n)  liegt.  Von 
Dyrrachium  ist  sie  711,000  Schritte  entfernt;  eine  solche 
Ausdehnung  hat  das  feste  Land  zwischen  dem  adriatischen 
Meere  und  dem  Propontis.  12j  Flüsse:  der  Bathynias,  Py- 
daras  oder  Athyras.  Städte:  Selymbria13),  Perinthus 14), 
welches  durch  eine  200  Fuss  breite  Landenge  mit  dem 
Festlande  zusammenhängt.  Im  Innern  liegt  Bizya15),  ein 
Schloss  der  thracischen  Könige,  welches  seit  dem  schänd- 
lichen  Verbrechen   des  Tereus16)  von  den  Schwalben  ge- 


')  Sizepoli.     -)  Kamczik. 

3)  Deare  =  Dere.    4)  Inada.     5)  Midje.    6)  Zagora. 

7)  Iniinahaie.     8)  Bujukdere.     9)  Stenia.     I0)  Balta  Liman. 

n)  Konstantinopel.     12)  Meer  von  Mannora. 

13)  Selivria.     ")  Erekli.     15)  Visaolla. 

16)  Tereus,  ein  Sohn  des  Mars  und  der  Nymphe  Bistonis  König 
in  Thracien,  schändete  Philomele,  die  Schwester  seiner  Gemahlin 
Procne,  schnitt  ihr,  um  nicht  verrathen  zu  werden,  die  Zunge  aus, 
sperrte  sie  ein  und  gab  sie  für  todt  aus.  Allein  Philomele  fand  Ge- 
legenheit, die  Geschichte  ihres  Unglücks  in  ein  Tuch  zu  sticken, 
und  dieses  der  Procne  zu  senden,  die  dann  aus  Rache  ihren  eigenen 
Sohn  Itys  schlachtete,  ihrem  Gemale  zum  Essen  vorsetzte,  und  als 
dieser  nach  seinem  Sohne  fragte,  ihm  es  entdeckte,  worauf  in  dem- 
selben Augenblicke  die  hereintretende  Philomele  ihm  das  Haupt  ins 
Gesicht  schleuderte.  Tereus  wollte  beide  mit  dem  Schwerte  ermor- 
den, allein  in  dem  Augenblicke  wurde  Procne  in  eine  Schwalbe,  Phi- 
lomele in  eine  Nachtigall  und  Tereus  in  einen  Wiedehopf  verwandelt. 


Viertes  Buch.  315 

mieden  wird.  Der  cänische  District,  die  Colonie  Flavio- 
polis,  wo  früher  die  Stadt  Zela  stand.  50,000  Schritte  von 
Bizya  entfernt  liegt  die  Colonie  Apros  x),  welche  von  Phi- 
lippi  189,000  Schritte  entfernt  ist.  An  der  Küste  fliesst 
der  Erginus;  früher  lag  hier  die  Stadt  Ganos;  auch  Lysi- 
machia  2)  auf  dem  Chersones  wird  immer  öder.  Es  giebt 
hier  noch  eine  andere  Landenge,  die  mit  jener  (der  corin- 
thischen)  den  Namen  Isthmus  führt,  und  ihr  auch  an  Breite 
gleich  kommt.  Auch  steht  auf  jedem  der  beiden  Ufer  eine 
berühmte  Stadt,  welche  die  Landenge  auf  ähnliche  Weise  3) 
begrenzen,  nämlich  Pactye  am  Propontis  und  Cardia  am 
melanischen  Meerbusen;  letztere  Stadt  hat  den  Namen  von 
der  Gestalt  des  Terrains  erhalten.  4)  Beide  wurden  nach- 
her mit  dem  5000  Schritte  von  der  langen  Mauer  entfernten 
Lysimachia  vereinigt.  Vormals  lagen  auf  der  dem  Propon- 
tis zugekehrten  Seite  des  Chersonesos  die  Städte:  Tiristasis, 
Chrithote  und  Cista  am  Flusse  Aegos  5);  jetzt  befindet  sich 
daselbst  nur  noch  Resistos,  22,000  Schritte  von  der  Colonie 
Apros  entfernt  und  der  parianischen  6)  Colonie  gegenüber. 
Auch  am  Hellesponte  7),  der,  wie  wir  gesagt  haben  8), 
Asien  von  Europa  durch  einen  Zwischenraum  von  7  Sta- 
dien trennt,  liegen  4  Städte  einander  gegenüber,  nämlich 
in  Europa  Callipolis  9)  und  Sestos 10),  und  in  Asien  Lamp- 
sacus u)  und  Abydos . 12)  Dann  folgt  auf  dem  Chersones 
das  Vorgebirge  Mastusia13)  dem  Vorgebirge  Sigeum14)  ge- 
genüber, auf  dessen  schräger  Vorderseite  Cynossama,  oder 
das   Grabmal  der  Hecuba15),  ein  Ankerplatz   der  Achäer. 


l)  Arhun.     -)  Esemü. 

3)  Wie  Lecheae  und  Cenchreae.     4)  "Von  xagöiu  Herz. 

5)  Argos  Potamos,  d.  i.  Ziegenfluss ,  Jugdir  Hinan.  Hier  besiegte 
Lysander,  der  Feldherr  der  Spartaner,  406  v.  Chr.,  die  Athenienser, 
und  machte  ihrer  Freiheit  und  dem  peloponnesischen  Kriege  ein  Ende. 

6)  Kemares.    7)  Strasse  der  Dardanellen. 

8)  II.  B.  92.  C.    9)  Gallipoli.    10)  Jalova.    »)  Lapsak.     «)  Nagara  . 
13)  Cap  Greco.     ")  Jenischehr. 

15)  Gemalin  des  Priamus,  die  nach  ihrem  Tode  in  eine  Hündin 
verwandelt  wurde,  daher  xvvoq  oijfiv.. 


316  Viertes  Buch. 

Dev  Thurm  und  Tempel  des  Protesilaus  l);  und  auf  der 
äussersten  Spitze  des  Chersones,  welche  Aeolium  heisst, 
die  Stadt  Eläus. 2)  Am  melanischen  Meerbusen  liegen  die 
Häfen  Cölos  3),  Panhormus  und  das  oben  genannte  Cardin. 
Hiermit  scbliesst  sich  der  dritte  Hauptbusen  von  Europa. 
Ausser  den  schon  genannten  Bergen  4)  sind  noch  folgende 
in  Thracien  zu  bemerken:  der  Edonus,  Gigemoros,  Meritus, 
Melamphyllos.  Flüsse,  welche  sich  in  den  Hebrus  ergiessen, 
sind:  der  Bargus  und  Syrmus. 5)  Die  Länge  von  Macedo- 
nien, Thracien  und  dem  Hellespont  ist  schon  oben  angege- 
ben. Andere  berechnen  sie  auf  720,000  Schritte.  Die 
Breite  beträgt  384,000  Schritte. 

Das  ägeische  Meer6)  hat  seinen  Namen  von  Aex  7), 
einem  zwischen  Teuus 8)  und  Chios  f»)  gelegenen  Stück 
Landes,  welches  aber  eher  ein  Felsen  als  eine  Insel  ge- 
nannt zu  werden  verdient;  es  springt  steil  aus  dem  Meere 
hervor  und  ist  nach  seiner  ziegenähnlichen  Gestalt  (all; 
heisst  im  Griechischen  die  Ziege)  benannt.  Die  Schiffer, 
welche  von  Achaja  nach  Andros 10)  zusegeln,  haben  ihn 
zur  Rechten,  und  halten  ihn  für  gefährlich  und  Unheil  brin- 
gend. Ein  Theil  des  ägeischen  Meeres  heisst  das  myr- 
toische,  nach  einer  kleinen  Insel,  die  denen,  welche  von 
Gerästus n)  nach  Macedonien  fahren,  unweit  Carystus  in 
Euböa  zu  Gesicht  kommt.  Die  Römer  bezeichnen  alle  die- 
se Meere  mit  nur  2  Namen;  sie  nennen  nämlich  das,  was 
Macedonien  und  Thracien  berührt,  das  macedonische,  und 
das,  was  an  Grichenland  grenzt,  das  griechische  Meer. 
Die  Griechen  theilten  auch  das  jonische  Meer  nach  den 
darin  liegenden  Inseln  in  das  sicilische  und  cretische,  das 
icarische   nennen  sie   das   zwischen   Samos    und  Myconus. 


')  War  der  erste,  welcher  bei  der  Landung  der  Griechen  vor 
Troja  ans  Land  sprang.  (Homers  Iliade  II.  695.)  Er  wurde  von  den 
Griechen  göttlich  verehrt. 

2)  Von  ihr  sind  noch  Ruinen  vorhanden. 

3)  Kilidbahr.     4)  Hämus,  Pangäus  und  Rhodope.     "')  Usunuv.a. 
«)  Archipel.    7)  Calviero.    ,8)  Tino.    9)  Skio.     10)  Andro. 

")  Karysto. 


Viertes  Buch.  317 

Die  übrigen  Namen  sind  von  den  Meerbusen  entlehnt,  welche 
wir  angeführt  haben.  —  So  verhält  es  sich  mit  den  Meeren 
und  Völkern  des  dritten  Hauptbusens  von  Europa. 

19. 

Es  folgen  nun  die  Inseln,  und  zwar  zuerst  Thespro  - 
tien  gegenüber,  12,000  Schritte  von  Buthrotum  und  50,000 
Schritte  von  den  acroceraunischen  Gebirge,  Corcyra  J)  mit 
einer  freien  Stadt  gleichen  Namens,  der  Stadt  Casslope  2) 
und  einem  Tempel  des  Jupiter  Cassius.  Ihre  Länge  be- 
trägt 97,000  Schritte;  bei  Homer3)  heisst  sie  Scheria  und 
Phäacia,  bei  Callimachus  auch  Drepane.  Um  sie  herum 
liegen  noch  einige  andere  Inseln ,  als  Thoronos 4)  gegen 
Italien,  die  beiden  Paxoe  B)  gegen  Leucadien  zu  und  5000 
Schritte  von  Corcyra.  Nicht  weit  von  diesen  liegen  vor 
Corcyra:  Ericusa6),  Marathe,  Elaphusa,  Malthace,  Trachie, 
Pythionia,  Ptychia  7),  Tarachie.  Bei  dem  auf  Corcyra  be- 
findlichen Vorgebirge  Phalacrum8)  befindet  sich  eine  Klippe, 
die  einem  Schiffe  ähnlich  sieht,  woher  die  Fabel  entstand, 
dass  das  Schiff  des  Ulysses  in  sie  verwandelt  worden  sei. 
Vor  Leucimena  9)  liegt  Sibota. 10)  Zwischen  Leucadien  u) 
und  Achaja  aber  liegen  noch  sehr  viele  Inseln,  unter  ihnen 
die  Teleboiden  oder  von  ihren  Bewohnern  die  taphischen 
genannt,  als:  Taphias12),  Axiä13)  und  Prinoessa;  und  vor 
Aetolien  dieEchiuaden:  Aegialia,  Cotonis,  Thyatira,  Geoaris, 
Dionysia,  Cyrnus,  Chalcis,  Pinara,  Mystus. 

Vor  diesen  auf  dem  hohen  Meere  liegen  Cephalania  u), 
Zacynthus  15),  beide  frei,  Ithaka16),  Dulichium17),  Same18), 


»)  Korfu.     2)  Cassopo.     ;i;  Odyssee  IV.  34.  XIII.  160. 

*)  Fano.     5)  Paxo  und  Antipaxo.     6)  Varcusa.    7)  Scoglio  di  Vido. 

8)  Cap  Sidari,  auf  dem  nördlichen  Theile  von  Korfu. 

'•')  Cap  Lechino.     10)  S.  Nicolo.     ")  Santa  Maura. 

a)  Meganisi.     ,a)  Cursolari.     14)  Cefälonia.     ,5)  Zante. 

")  Thiaki  —  das  Vaterland  des  Ulysses. 

17)  Jetzt  mit  dem  festen  Lande  vereinigt. 

18)  So  nennt  Homer  (IV.  671.  845)  die  Insel  Cephalonia.  was  PI. 
übersehen  zu  haben  scheint,  weil  er  Same  als  besondere  Insel  anführt 
Auch  eine  Stadt  auf  Cephalonia  hiess  Same. 


318  Viertes  Buch. 

Crocylea. x)  Von  Paxos  ist  Cephalania,  welches  früher 
Meläna  hiess,  103,000  Schritte  entfernt,  ihr  Umfang  beträgt 
44,000.  Same  ist  von  den  Römern  2)  verwüstet,  hat  aber 
doch  noch  3  Städte.  Zwischen  Cephalania  und  Achaja  liegt, 
berühmt  durch  eine  prächtige  Stadt  und  grosse  Fruchtbarkeit, 
^acyuthus,  ehemals  Hyrie  genannt,  von  der  südlichen  Küste 
Cephalaniens  25,000  Schritte  entfernt.  Auf  ihr  befindet 
sich  der  bekannte  Berg  Elatus.  3)  Ihr  Umfang  misst 
36,000  Schritte.  Ithaka  mit  dem  Berge  Neritus  liegt  15,000 
Schritte  weit  von  ihr,  und  hat  im  Umfange  25,000  Schritte. 
Von  Ithaka  bis  zum  Vorgebirge  Araxus  4)  auf  dem  Pelo- 
ponnes  sind  12,000  Schritte.  Vor  Ithaka  liegen  auf  dem 
hohen  Meere  Asteris  5)  und  Prote  6);  vor  Zacynthus,  35,000 
Schritte  weit  gegen  Südost  die  beiden  Strophaden  7),  von 
andern  Plotae  genannt.  Vor  Cephalania  liegt  Letoia8); 
vor  Pylus  die  3  sphagischen 9)  und  vor  Messene  die  3 
önussischen10)  Inseln. 

Im  asinäischen  Meerbusen n)  liegen  die  3  Thyriden 12), 
im  lacedämonischen  Teganusa13),  Cothon,  Cythera14),  früher 
Porphyris  genannt,  mit  einer  Stadt.  Sie  liegt  5000  Schritte 
vom  Vorgebirge  Malea  entfernt,  der  Zwischenraum  ist  aber 
wegen  einiger  engen  Stellen  für  die  Schiffe  gefährlich.  Im 
argolischen  Busen  liegen  Pityusa15),  Irine16),  Ephyre17); 
dem  hermionischen  Gebiete  gegenüber:  Tiparenus18),  Ape- 
ropia19),  Colonis20)  und  Aristera21);  Trözenium  gegenüber 
in  einer  Entfernung  von  500  Schritten:  Calauria22),  ferner 
Plateis,  Belbina,  Lasia,   Baucidias.    Epidaurus  gegenüber 


»)  Calamota.    -)  189  v.  Chr.    3)  Scopo.    4)  Papas. 

5)  Diesen  Namen  führten  in   der  ältesten  Zeit   auch  die  Inseln 
Delos,  Rhodos  und  Creta. 

6)  Prodano.     7)  Strofadi  und  Strivali.     8)  Guardiani. 
9)  Sphagia.     10)  Sapienza,  Santa  Maria  und  Caprera. 
»)  Golf  von  Modon. 

,2)  Sie  heissen  alle  drei  Venetico. 

,3)  Cervi.     u)  Cerigo.     15)  Falconefa.     16)  Kavuri.     ")  Hypsili. 

18)  Spezia.    19)  Doko.    *>)  Spezia  Pulo. 

21)  Hydron.     22)  Porös. 


Viertes  Buch.  319 

liegen:  Cecryphalos  *)  und  Pityonesos  2),  6000  Schritte  vom 
Festlande.  15,000  Schritte  von  dieser  liegt  Aegina  3),  eine 
freie  Insel;  die  Fahrt  längs  derselben  beträgt  18,000  Schritte ; 
von  dem  athenieDsischen  Hafen  Piräus  ist  sie  20,000  Schritte 
entfernt,  und  ihr  früherer  Name  war  Oenone.  Dem  Vorge- 
birge Spiräus 4)  gegenüber  liegen:  Eleusa,  Dendros,  die 
beiden  Craugiä,  die  beiden  Caeciä,  Seiachusa,  Cenchreis  und 
Aspis.  Im  megarischen  Meerbusen  sind  die  4  Mathuriden. 5) 
Aegila  6)  aber  ist  von  Cythera  15,000,  und  von  Phalasarna, 
einer  Stadt  auf  Creta,  25,000  Schritte  entfernt. 

20. 
Die  Insel  Creta  7),  welche  mit  der  einen  Seite  gegen 
Süden,  mit  der  andern  gegen  Norden  liegt,  also  ihre  läng- 
ste Ausdehnung  von  Osten  nach  Westen  hat,  ist  durch  100 
Städte  berühmt.  Dosiades  8)  leitet  ihren  Namen  von  der 
Nymphe  Creta,  Anaximander 9)  von  einer  Tochter  der 
Hesperis,  Philistides  aus  Mallos  von  einem  Könige  der 
Cureten  ab.  Nach  Crates10)  hiess  sie  anfangs  Aeria,  dann 
Curetis,  und  Macaron11)  soll  sie,  nach  der  Meinung  Einiger, 
wegen  ihres  Klimas  genannt  worden  sein.  Sie  ist  nirgends 
über  50,000  Schritte  breit,  in  der  Mitte  am  breitesten,  ihre 
Länge  beträgt  270,000  und  ihr  Umfang  589,000  Schritte. 
Sie  wendet  sich  in  das  nach  ihr  benannte  cretische  Meer 
und  streckt  da,  wo  sie  am  längsten  ist,  gegen  Morgen  das 
Vorgebirge  Sammonium1'2)  nach  Rhodus,  gegen  Abend  aber 
das  Vorgebirge  Criumetopon13)  nach  Cyrenae  aus.  Ihre 
bemerkenswerthesten  Städte  sind:  Phalasarne,  Elaea,  Cisa- 
mum14),  Pergamum,  Cydon15),  Minoum16),  Apteron17),  Pan- 
tomatrium 18),  Amphimalla 19),  Rhithymna  20),  Panhormum 21), 

')  Kerates.     -)  Anchistri.     3)  Engia  oder  Egina.     4)  Capo  Franco. 
•"')  Revitiuza.    6)  Cerigotto.    7)  Candia. 

8)  Ein  griechischer  Dichter  aus  Rhodos  im  3.  oder  4.  Jahrh.  v.  Chr. 

9)  Von  Milet,  geb.  610  v.  Chr.,  t  548. 

,0)  Von  Mallos,  lebte  im  2.  Jahrh.  v.  Chr. 
n)  Nämlich  vTjooq  xäiv  /xaxaQatv,  Insel  der  Glückseligen. 
'-)  Cap  Salomon.     ,3)  Cap  Crio.     M)  Kissamo.     ,5)  Kanea. 
,6)  Gnim.     ,7)  Paleocastro.     18)  Porpatumeno.    ,9)  Suda. 
*°)  Retimo.     -')  Panormo. 


320  Viertes  Buch. 

Cytäum1),  Apollonia,  Matium,  Heraclea  2),  Miletos  3),  Am- 
pelos4),  Hierapytna 5),  Lebena6),  Hierapolis. 7)  Mitten 
auf  der  Insel:  Gortyna  8),  Phästum,  Gnossus  9),  Polyrrhe- 
num10),  Myrina,  Lycastus,  Rhammus,  Lyctus11),  Dium12), 
Asum,  Pyloros,  Rhytion,  Elatos,  Pharä,  Holopyxos,  Lasos, 
Eleuthernä 13),  Therapnä,  Marathusa,  Cylissos,  und  noch  etwa 
60  andere.  Berge:  der  Cadistus14),  Idäus  15),  Dictynnäus  16) 
und  Corycus. 17)  Von  ihrem  Vorgebirge  Criumetopon  bis 
zum  eyrenischen  Vorgebirge  Phycus 18)  beträgt  die  Ent- 
fernung nach  Agrippa  125,000  Schritte.  Ebensoweit  ist  es 
vom  Cadistus  an;  von  dem  peloponnesischen  Vorgebirge 
Malea  80,000  Schritte;  von  der  Insel  Carpathus 19)  bis  zum 
Vorgebirge Sammonium,  in  westlicher  Richtung60,000 Schritte. 
Letztere  Insel  liegt  zwischen  Creta  und  Rhodus. 

Die  übrigen  um  Creta  liegenden  Inseln  sind:  vor  dem 
Peloponnes  die  beiden  Corcyrae  und  die  beiden  Mylae;  nörd- 
lich, also  der  Insel  Creta  zur  Rechten,  gegen  Cydonia  hin 
liegt  Leuce20)  und  die  beiden  Budroä. 21)  Gegen  Matium: 
Dia22);  gegen  das  Vorgebirge  Itanum23):  Onisia24)  und 
Leuce;  gegen  Hierapytna:  Chrysa25)  und  Gaudos26),  ferner 
Ophiussa,  Buton  und  Aradus,  und  wenn  man  Criumetopon 
umsegelt  hat,  gelangt  man  zu  den  drei  Musagoren.  Vor 
dem  Vorgebirge  Sammonium  liegen:  Phoce,  Platiä,  Sirnidis, 
Naulochos,  Armedon,  Zephyre. 27) 

Im  helladischen  und  ägeischen  Meere  liegen  die  Licha- 
den,  Scarphia,  Coresa,  Phocaria,  und  noch  mehrere  andere 


')  Sittia.    2)  Candia.     3)  Milipotamo.     ')  Ambellas.    5)  Girapetni. 

6)  Lionda.     ')  Xacro.     8)  Ajusdeka.     9)  Ginosa.     19)  Versanachia. 

")  Ligortino. 

,2)  Nach  Ptolemäus  lag  auf  Creta  auch  ein  Vorgebirge  dieses 
Namens.     ,3)  Televerna.     ,4)  Lemi. 

,5)  Der  Ida,  jetzt  Psilorito.     '6)  Lassiti.     ")  Cap  Buso. 

!8)  Ras-al-Sem.     »)  Scarpanto.     20)  S.  Teodoro.     21)  Turluru. 

22)  Standia.     23)  Cap  Sacro.     24)  Kufonisi.     25)  Gaidurognissa. 

-6)  Gadelonis.  Plinius  scheint  hier  Ciaudos  mit  Gaudos  verwech- 
selt zu  haben.  Jenes  lag  allerdings  Hierapytna  gegenüber;  Gaudos 
aber,  jetzt  Gozzo,  liegt  nach  dem  Vorgebirge  Criumetopon  hin. 

27)  Alle  diese  sind  mehr  Klippen. 


Viertes  Buch.  321 

im  Angesicht  von  Attica,  aber  ohne  Städte  und  daher  un- 
bedeutend. Allein  gegen  Eleusis  hin  liegen  das  berühmte 
Salamis1),  vor  dieser  Psytalia2);  ferner  Helene3),  welche 
von  Sunium  5000  Schritte  entfernt  ist.  Ceos4)  oder  Hy- 
drussa  von  den  Griechen,  Cea  von  den  Römern  genannt, 
liegt  ebensoweit  davon  entfernt;  sie  ist  von  Euböa  abge- 
rissen und  war  früher  500  Stadien  lang;  später  wurden  fast 
vier  Fünftheile  davon  auf  der  nach  Böotien  zugekehrten 
Seite  vom  Meere  verschlungen.  Die  auf  ihr  noch  übrig 
gebliebenen  Städte  sind  Julis  und  Carthäa 5),  untergegangen 
sind:  Coresus  und  Pöeessa.  Auf  dieser  Insel  wurden  nach 
M.  Varro  zuerst  feinere  Frauengewänder  verfertigt. 

21. 
Euböa6)  ist  von  Böotien  losgerissen;  der  dazwischen 
fliessende  Kanal  Euripus 7)  ist  aber  so  schmal,  dass  sie  mit 
dem  Festlande  durch  eine  Brücke  zusammenhängt.  Im 
Süden  hat  sie  zwei  Vorgebirge,  Gerästum8)  gegen  Attica 
und  Caphereum9)  gegen  den  Hellespont  zu;  im  Norden  liegt 
Cenäum10).  Nirgends  ist  sie  breiter  als  40,000  und  nir- 
gends schmäler  als  2000  Schritte.  In  der  Länge  aber  er- 
streckt sie  sich  ganz  an  Böotien,  von  Attica  bis  nach  Thes- 
salien, in  einer  Ausdehnung  von  150,000  Schritten  hin;  ihr 
Umfang  beträgt  365,000  Schritte.  Ihr  Vorgebirge  Caphereum 
ist  vom  Hellesponte  225,000  Schritte  entfernt.  Ehemals 
hatte  sie  folgende  berühmte  Städte:  Pyrrha,  Porthmus,  Ne- 
sus11),  Cerinthus,  Oreum  12),  Dium 13),  Ardepsus  u),  Ocha15), 
Orchalia16).  Jetzt  sind  noch  bemerkenswerth:  Chalcis17), 
welcher  Aulis  auf  dem  Festlande  gegenüber  liegt,  Ge- 
rästum18), Eretria19),  Carystus20),  Oritanum,  Artemisium; 

')  Coluri;  berühmt  durch  den  Sieg  der  Griechen  unter  Themi- 
socles  über  die  persische  Flotte,  480  v.  Chr.  Auf  ihr  wurde  Euri- 
pides  am  Tage  jenes  Sieges  geboren. 

2)  Lipso  Contaüa.    3)  Macranisi.     4)  Zea.     5)  Zea. 

6)  Negroponte.    7)  Euripo.    8)  Karysto.     9)  Doro. 

»o)  Cap  Heüenico.     ")  Neso.     ,2)  Orio.     ,3)  Litada.     u)  Dipso. 

I5)  Auf  Euböa  lag  auch  ein  Berg  dieses  Namens.     ,6)  Kapo. 

")  Negroponte.     ,8)  Karysto.     ,9)  Trocco.     -°)  Castell  Rosso. 

21 


322  Viertes  Buch. 

ferner  die  Quelle  Arethusa,  der  Fluss  Lelauthus  und  die 
warmen  Quellen,  Ellopia  genannt.  Noch  berühmter  aber 
ist  die  Insel  durch  den  carystischen  Marmor.  Ehemals  hiess 
sie  Chalcodontis  oder  Macris,  wie  Dionysius  *)  und  Epho- 
rus  2)  berichten;  Macra  nach  Aristides 3);  Chalcis  wegen 
des  dort  zuerst  gefundenen  Erzes,  nach  Callidemus  4),  Aban- 
tias  nach  Menächmus  5);  Asopis  aber  heisst  sie  gewöhnlich 
bei  den  Dichtern. 

22. 
Ausser  Euböa  liegen  noch  viele  Inseln  im  myrtoischen 
Meere,  von  denen  Glauconesos  6)  und  Aegila  7)  die  bemer- 
kenswert!] esten  sind.  Beim  Vorgebirge  Gerästum  liegen  um 
Delos  in  einem  Kreise  herum,  die  daher  so  benannten  Cy- 
c  laden8).  Die  erste  derselben  ist  Andros 9)  mit  einer 
Stadt 10),  10,000  Schritte  von  Gerästum  und  39,000  von  Ceos 
entfernt.  Nach  Myrsilus  Berichte  soll  sie  zuerst  den  Bei- 
namen Cauros,  dann  Antandros  erhalten  haben.  Callima- 
chus  n)  nennt  sie  Lasia,  Andere  nennen  sie  Nonagriä,  Hy- 
drussa,  Epagris ;  ihr  Umfang  beträgt  93,000  Schritte.  Von  die- 
ser Insel  Andros  sind  es  1000,  und  von  Delos  15,000  Schritte 
bis  nach  Tenos12),  auf  welcher  sich  eine  Stadt u)  befindet. 
Tenos,  welche  15,000  Schritte  lang  ist,  wird  nach  Aristo- 
teles wegen  ihres  Reichthums  au  Wasser  Hydrussa,  von 
Andern  aber  Ophiussa  genannt.  Die  übrigen  sind:  Myco- 
nos14)  mit  dem  Berge  Dimastus,  15,000  Schritte  von  Delos 


')  Von  Byzanz? 

2)  Von  Cumae  in  Kleinasien,  lebte  im  4.  Jahrb..  v.  Chr. 

3)  Von  Milet.    4)  Unbekannt. 

5)  Von  Sicyon,  Bildhauer  und  Schriftsteller. 

6)  Pondico.     7)  Spitilus. 

8)  Der  Zahl  nach  waren  es  ausser  Delos  22,  die  man  unter  die- 
ser Benennung  begriff;  nämlich:  Rhenäa,  Myconos,  Tenos,  Andro  s, 
Gyarus,  Ceos,  Syrus,  Cythnus,  Seriphos,  Siphnos,  Cimolis ,  Melos 
Anaphe,  Astopaläa,  Amorgos,  Lebinthus,  los,  Naxos,  Paros,  Oliarus, 
Prepesinthus. 

9)  Andro.     ,0)  Arna.     ")  Von  Cyrene,  um  280  v.  Chr. 
'-)  Tino.     13j  S.  Nikolo.     u)  Myconi. 


Viertes  Buch.  323 

entfernt;  Siphnue x),  früher  Meropia,  auch  Acis  genannt, 
28,000  Schritte  im  Umfange;  Seriphus  2)  12,000  Schritte  im 
Umfange,  Prepeshithus  3)  und  Cythnus  4).  Die  berühmteste 
von  allen  aber  ist  Delos5),  welche  in  der  Mitte  liegt,  we- 
gen des  Tempels  des  Apollo  und  ihres  Handels;  sie  schwamm, 
wie  man  erzählt,  lange  auf  dem  Meere  umher  und  wurde 
nie  von  einem  Erdbeben  betroffen.  Bis  zum  Zeitalter  des 
M.  Varro  ist  sie  jedoch,  wie  Mucian  berichtet,  zweimal  er- 
schüttert wurden.  Nach  Aristoteles  soll  sie  ihren  Namen 
daher  erhalten  haben,  weil  sie  plötzlich  aus  dem  Meere  em- 
por stieg  6).  Aeglosthenes  7)  nennt  sie  Cynthia,  Andere  ge- 
ben ihr  die  Namen  Ortygia,  Asteria,  Lagia,  Chlamydia, 
Cynthus,  Pyrpile  aber,  weil  daselbst  das  Feuer  zuerst  erfun- 
den sein  soll.  Ihr  Umfang  beträgt  5000  Schritte;  auf  ihr 
erhebt  sich  der  Berg  Cynthus  8).  Ihr  zunächst  liegt  Rhene  9), 
welche  Anticlides 10)  Celadussa,  Callidomus n)  aber  Arte- 
mis nennt.  Syros12)  soll  nach  dem  Berichte  der  Alten 
20,000,  nach  Mucian  aber  160,000  Schritte  im  Umfange 
haben.  Olearos13);  Paros14)  mit  einer  Stadt15),  38,000 
Schritte  von  Delos  entfernt  und  berühmt  durch  seinen  Mar- 
mor, hiess  zuerst  Platea,  dann  Minois.  7500  Schritte  da- 
von liegt  Naxos16)  mit  einer  Stadt17),  18,000  Schritte  von 
Delos;  sie  hiess  erst  Strongyle,  dann  Dia,  nachher  Diony- 
sias  wegen  ihres  reichen  Ertrages  an  Wein;  Andere  nann- 
ten sie  Kleinsicilien  oder  Callipolis.  Ihr  Umfang  beträgt 
45,000  Schritte,  sie  ist  also  um  die  Hälfte  grösser  als  Paros. 

23. 
Soviel   von   den  Cycladen;   die  nun   folgenden  Inseln 
heissen  Sporaden.    Es  sind:  Helene18),  Phacussa19),  Nica- 


•)  Sifanto;  sie  war  wegen  ihrer  Gold-  und  Silberbergwerke  be- 
rühmt.   -)  Serfo.    3)  Strongylo.    4)  Thermia.     5)  Delo. 
6)  Von  ÖTJkog  sichtbar,  offenbar.    7)  Unbekannt. 
8)  Cintio.    9)  Sdili  oder  Gross-Delo.    I0)  Unbekannt. 
M)  Gleichfalls  unbekannt.     M)  Syra.     ,3)  Antiparo.     ")  Paro. 
15)  Parichia.     16)  Nakscha.     ")  Nakscha. 
»•)  Pira.     '»)  Gofinissa. 

21* 


324  Viertes  Buch. 

sia  *),  Scbinussa 2),  Pholegandros 3)  und  die  von  Naxos 
38,000  Schritte  entfernte  Icaros  4),  von  welcher  das 
Meer  den  Namen  hat;  sie  ist  ebenso  lang  und  hat  zwei 
Städte,  eine  dritte  ist  untergegangen.  Früher  führte 
sie  den  Namen  Doliche,  Macris,  Ichthyoessa.  Von  Delos 
liegt  sie  50,000  Schritte  weit  gegen  Morgen  zu,  von  Samos 
35,000.  Zwischen  Euböa  und  Andros  befindet  sich  eine 
10,000  Schritte  breite  Meerenge.  Von  Icaros  nach  Gerästum 
sind  es  112,500  Schritte.  Bei  den  übrigen  Inseln  können 
wir  uns  an  keine  bestimmte  Ordnung  halten,  wir  wollen 
sie  daher  gruppenweise  vornehmen.  Scyros5) ;  J  o  s6)  von  Naxos 
18,000  Schritte  entfernt  und  durch  das  Grabmal  Homer's 
verehrungswürdig,  hiess  ehedem  Phönice  und  hat  eine  Länge 
von  25,000  Schritten.  Odia,  Oletandros  7),  Gyaros  8)  mit 
einer  Stadt;  letztere  hat  12,000  Schritte  im  Umfange  und 
ist  von  Andros  62,000  Schritte  entfernt,  von  Scyros  aber 
80,000  Schritte.  Cynäthus,  Telos9),  berühmt  durch  seine 
Salben,  heisst  bei  Callimachus  Agathussa.  Donusa10), 
Patmos n)  mit  einem  Umfange  von  30,000  Schritten;  Co- 
rasiä12),  Leblnthus13),  Leros  14),  Cinara,  Sicinus15),  früher 
Oenoe,  Hieraca  oder  Onus,  Casus 16)  oder  Astraba,  Cimo- 
lus17)  oder  Echinussa;  Melos18)  mit  einer  Stadt,  bei  Aristi- 
des  Memblis,  bei  Aristoteles  Zephyria,  bei  Callimachus 
Mimallis  und  bei  Heraclides 19)  Siphis  und  Acytos.  Sie  ist 
die  rundeste  von  allen  Inseln.  Dann  folgt  Machia20),  Hy- 
pere,  welche  früher  Patage  oder  nach  Andern  Piatage,  jetzt 
aber  Amorgos21)  heisst;  Palyägos22),  Phyle23),  Thera24),  die, 


')  Rachia.    2)  Skinossa. 

3)  Policandro.    4)  Nicaria. 

5)  S.  Georgio  cli  Skyro.     6)  Nio.     7)  Acariez. 

8)  Jura;  ein  unwirthbarer  Felsen,    wohin    unter    den  römischen 
Kaisern  die  Missethäter  verwiesen  wurden. 

9)  Piscopia.    10)  Stenosa.    ")  Palmosa.    ,2)  Dragonisi.   13)  Levitho. 
u)  Lero.     ,5)  Sicino.     16)  Casso.     ")  Cimolo.     18)  Milo. 

,9)  Welcher?  ist  nicht  zu  bestimmen. 
20)  Paximadi.  ";  Amorgo.  —)  Polino. 
a3)  Antimilo.     24)  Santorin. 


Viertes  Buch.  325 

als  sie  eben  aus  dem  Meere  hervorgetreten  war,  Calliste 
hiess.  Von  dieser  wurde  nachher  Therasia  J)  abgerissen; 
später  entstieg  zwischen  diesen  beiden  Automate,  auch 
Hiera  2)  genannt,  und  neben  diesen  ist  zu  unsern  Zeiten 
noch  die  Insel  Thia 3)  entstanden.  los  liegt  von  Thera 
25,000  Schritte  entfernt. 

Nun  folgen:  Lea  4),  Ascama  5),  Anaphe  6),  Hippuris;  die 
freie  Insel  Astypaläa 7)  mit  einem  Umfange  von  88,000 
Schritten  ist  von  Cadistus  auf  Creta  125,000  Schritte  ent- 
fernt. Platea  liegt  60,000  von  ihr  und  von  da  Caminia 
38,000  Schritte  weit.  Azibintha,  Lanise,  Tragäa,  Pharma- 
cussa  8),  Techedia,  Chalcia  9),  Calydna  mit  der  Stadt  Coos, 
Calymna10),  welche  von  Carpathus,  von  der  das  carpathische 
Meer  seinen  Namen  hat,  25,000  Schritte  entfernt  ist.  Von 
da  beträgt  in  südlicher  Richtung  bis  Rhodus  die  Entfernung 
50,000  Schritte;  von  Carpathus  nach  Casos  7000,  von  Casos 
nach  dem  Vorgebirge  Samoninm  auf  Creta  30,000  Schritte. 
Im  euböischen  Euripus,  fast  am  Eingange,  liegen  die  vier 
petalischen  Inseln11),  und  beim  Ausflusse  Atalante 12).  Die 
Cycladen  und  Sporaden  sind  gegen  Osten  von  den  icarischen 
Küsten  in  Asien,  gegen  Abend  von  den  myrtoischen  i» 
Attica,  gegen  Norden  vom  ägeischen  und  gegen  Süden  vom 
cretischen  und  carpathischen  Meere  eingeschlossen.  Sie 
dehnen  sich  in  einer  Länge  von  700,000  und  in  einer  Breite 
von  200,000  Schritten  aus. 

Vor  dem  pagasischen  Meerbusen  13)  liegen  Euthia w), 
Cicynethus 15)  und  die  oben  erwähnte  Scyrus,  die  äusserste 
der  Cycladen  und  Sporaden;  Gerontia16),  Scandila17),  vor 
dem  thermäischen18):  Irrhesia,  Solimnia,  Eudemia19),  Nea20), 


')  Tiresia.    2)  Aspronisi. 

3)  Nea  -  Kaimeni.     4)  Piana,  auch  Pianoso.    5)  Christiana. 

6)  Nanfi.    7)  Stampalia. 

»)  Fernaco.    9)  Charki  (bei  Rhodus).    10)  Calamine. 

'»)  Spili.     '2)  Talanta.     13)  Golf  von  Volo. 

,4)  Agios  Nicolaos.     ,5)   Trikeri.     ,6)  Jura. 

")  Skangero.     ,8)  Golf  von  Salonichi. 

'»)  Sarakin.     »)  Agio  Strati. 


326  Viertes  Buch. 

welche  der  Minerva  geweihet  ist.  Vor  dem  Berge  Athos 
liegen  vier:  Peparathus  *)  mit  einer  Stadt,  früher  Evoenus 
genannt,  9000  Schritte  gross;  Sciathus  2),  15,000  Schritte 
gross;  Imbrus  3)  mit  einer  Stadt,  88,000  Schritte  gross,  von 
Mastusia  auf  dem  Chersones  25,000  Schritte  entfernt,  hat 
einen  Umfang  von  62,000  Schritten  und  wird  vom  Flusse 
Ilissus  durchströmt.  Lemnos  4)  ist  von  ihr  22,000  und  vom 
Athus  87,000  Schritte  entfernt,  hat  einen  Umfang  von 
112,500  Schritten,  und  die  Städte  Hephästia 5)  und  My- 
rina 6),  auf  deren  Forum  der  Athos  zur  Zeit  der  Sonnen- 
wende seinen  Schatten  wirft.  Von  Lemnos  liegt  Thasos  7) 
eine  freie  Insel,  welche  ehemals  Aeria  oder  Aethria  genannt 
wurde,  6000  Schritte  entfernt;  von  da  bis  Abdera  auf  dem 
Festlande  sind  22,000  Schritte,  nach  dem  Athos  62,900, 
und  ebenso  weit  bis  zur  freien  Insel  Samothrace  8),  die  vor 
dem  Hebrus  liegt,  32,000  vom  Imbrus,  22,500  von  Lemnos, 
38,000  von  der  thracischen  Küste  entfernt  ist,  und  einen 
Umfang  von  32,000  Schritten  hat.  Auf  ihr  erhebt  sich  der 
Berg  Saoce  9)  bis  zu  einer  Höhe  von  10,000  Schritten;  sie  hat 
unter  allen  die  wenigsten  Landungsplätze.  Callimachus 
giebt  ihr  den  alten  Namen  Dardania.  Zwischen  dem  Cher- 
sones und  Samothrace,  und  zwar  von  beiden  beinahe  15,000 
Schritte  entfernt,  liegt  Halonesos  10),  weiterhin  Gethone,  Lam- 
ponia,  Alopeconnesus11),  nicht  weit  von  Cölus12),  einem 
Hafen  des  Chersones,  und  noch  einige  andere  unbedeutende. 


'■)  Piperi.     -)  Skiatho.    3)  Imbro  oder  Lambro. 
4)  Stalimene.    5)  Kochino.    6)  Lernno.    7)  Thaso. 

8)  Samotraki;  berühmt  im  Alterthume  wegen  der  Mysterien. 

9)  Nettuno. 

,0)  Diese,  vermuthlich  ein  unbedeutender  Felsen,  darf  nicht  mit 
der  zwischen  Scopelos  und  Peparethos  (Piperi),  dem  toranäischen 
Meerbusen  gegenüber  liegenden  Insel  Halonesos  (jetzt  Dromi)  ver- 
wechselt worden,  welche  die  Veranlassung  zu  einem  Kriege  zwischen 
Philipp  und  den  Atheniensern  gab,  und  von  der  Strabo  im  IX.  Buche 
spricht. 

n)  Jetzt  Kalafatli;  es  giebt  auch  eine  Stadt  an  der  Westküste 
des  thracischen  Chersones,  welche  so  hiess. 

,2)  Kilidbahr. 


Viertes  Buch.  327 

Die  übrigen  unbewohnten  Inseln  in  diesem  Meerbusen,  von 
denen  die  Namen  zu  ermitteln  waren,  sind:  Desticos,  Lar- 
nos,  Cystirus,  Carbrusa,  Calathusa,  Scylla,  Draconon,  Ar- 
conesus,  Dirthusa,  Scapos,  Capheris,  Mesate,  Aeantion,  Pa- 
teroünesos,  Pateria,  Calate,  Neriphus,  Polendos. 

24. 
Der  vierte  unter  den  grossen  Meerbusen  Europas  geht 
vom  Helles pont  bis  zur  Mündung  des  Mao tis  1).  Wir  wollen 
aber  zuerst  die  Gestalt  des  gauzen  Pontus  anschaulich 
machen,  damit  man  dann  die  einzelnen  Theile  leichter  zu 
erkennen  vermöge.  Das  grosse,  vor  Asien  liegende  und 
durch  die  von  Europa  her  sich  vorlehnende  Küste  des 
Chersones  zurückgedrängte  Meer  bricht,  wie  schon  erwähnt, 
durch  einen  engen  Pass  in  das  Land  und  scheidet  Europa 
von  Asien  durch  einen  7  Stadien  breiten  Zwischenraum. 
Die  erste  Meerenge  heisst  der  Hellespont.  Der  persische 
König  Xerxes  führte  auf  einer  darüber  geschlagenen  Schiff- 
brücke sein  Heer  hinüber.  Von  da  zieht  sich  der  schmale 
Euripus  in  einer  Länge  von  86,000  Schritten  bis  zur  asia- 
tischen Stadt  Priapus2),  woselbst  Alexander  der  Grosse 
übersetzte.  Dann  breitet  sich  das  Meer  aus  und  zieht  sich 
wiederum  eng  zusammen.  Die  Erweiterung  wird  Propon- 
tis  3)  genannt,  die  enge  Strecke  aber  der  thracische 
Bosporus4),  der  500  Schritte  breit  ist  und  den  Darius, 
der  Vater  des  Xerxes,  und  sein  Heer  auf  einer  Brücke 
passirte.  Die  ganze  Länge  vom  Hellesponte  an  beträgt 
239,000  Schritte.  Dann  folgt  ein  grosses  Meer,  der  Pontus 
Euxinus  5),  früher  Axenus  genannt,  der  weit  entlegene  Länder 
berührt  und,  nachdem  seine  Ufer  einen  grossen  Bogen  ge- 
macht haben,  sich  rückwärts  gekrümmt  in  zwei  Hörner  zu 
beiden  Seiten  fortzieht,  so  dass  er  dadurch  die  Gestalt  eines 
scythischen  Bogens  erhält.  An  seiner  mittleren  Krümmung 
vereinigt  er  sich  mit  der  Mündung  des  Mäotis.    Diese  Mün- 


»)  Das  asowische  Meer.    -)  Kara  Burga.     3)  Meer  von  Marmora. 
4)  Meerenge  von  Constantinopel.     5)  Das  schwarze  Meer. 


328  Viertes  Buch. 

dung    heisst    der    cimmersche    Bosporus *)    und    ist    2500 
Schritte  breit. 

Zwischen  dem  thracischen  und  cimmerschen  Bosporus 
beträgt  nach  Polybius  2)  die  Entfernung  in  gerader  Linie 
500,000  Schritte.  Den  Umfang  des  ganzen  Pontus  aber 
geben  M.  Varro  und  fast  alle  älteren  Schriftsteller  zu 
2,150,000  Schritten  an.  Cornelius  Nepos  fügt  noch  300,050 
hinzu.  Nach  Artemidorus  beträgt  der  Umfang  2,919,000r 
nach  Agrippa  2,360,000,  nach  Mucianus  2,425,000  Schritte. 
Ebenso  diiferiren  die  Angaben  der  Länge  auf  der  euro- 
päischen Seite,  welche  Einige  zu  1,478,500,  Andere  zu 
1,172,000  Schritten  annehmen.  M.  Varro  bestimmt  das 
Maass  auf  folgende  Weise: 

Von  der  Mündung  des  Pontus  bis  Apollonia3)  187,500  Schritte 
von  da  bis  Calatis 4)  ebenso  viel      .    .     .  187,500       „ 
„      „     „    zur  Mündung  des  Ister  .     .     .  125,000       „ 
„       „      „    zum  Borysthenes 5)      ....  250,000 
„      „      „    Chersonesus 6),  einer  Stadt  der 

Heracleoten 375,000 

„  „  „  Panticapäum 7),  das  Einige  Bos- 
porus nennen,  dem  äusser- 
sten  Punkte  an  der  euro- 
päischen Küste 212,500       „ 

Zusammen  1,337,500  Schritte. 

Agrippa  giebt  die  Entfernung  von  Byzanz  bis  an  den  Ister 

zu  560,000  und  von  da  bis  Panticapäum  zu  635,000  Schritten  an. 

Der  Mäotis  selbst,  welcher  den  von  den  riphäischen  Bergen 

kommenden  und  die  äusserste  Grenze  zwischen  Europa  und 


')  Die  Meerenge  von  Kaffa  und  Theodosia. 

2)  Aus  Megalopolis  in  Arkadien,  f  122  v.  Chr. 

3)  Sizeboli  in  Thracien. 

*)  Schablefer,  in  Niedermösien  an  der  Westküste  des  schwarzen 
Meeres,  südlich  von  der  Mündung  der  Donau.    5)  Dnieper. 

6)  Cherson,  auf  dem  westlichen  Theile  des  taurischen  Chersones 
(Krim). 

7)  Kertsch,  lag  auf  der  Halbinsel  Krim    an    der  Meerenge    von 
Kafl'a  und  war,  wie  Calatis,  eine  Colonie  der  Milesier. 


Viertes  Buch.  329 

AsieD  bildenden  Fluss  Tanais *)  aufnimmt,  soll  1,406,000 
Schritte  im  Umfang  haben;  nach  Andern  aber  nur  1,125,000. 
Von  seiner  Mündung  bis  zum  Ausfluss  des  Tanais  soll  die 
gerade  Entfernung  375,000  Schritte  betragen.  —  Die  Be- 
wohner an  diesem  Busen  bis  nach  Istropolis 2)  hin  sind 
schon  bei  Thracien  genannt  worden. 

Wir  kommen  nun  zur  Mündung  des  Ister.  Dieser  Fluss 
entspringt  auf  dem  Rücken  des  Berges  Abnoba  3)  in  Ger- 
manien, der  gallischen  Stadt  Rauricum  4)  gegenüber,  viele 
tausend  Schritte  hinter  den  Alpen,  fliesst  unter  dem  Namen 
Danubius  durch  viele  Länder  und  nimmt  ausserordentlich 
an  Wassermasse  zu.  Bei  seinem  Eintritte  in  Illyrien  heisst 
er  Ister.  Nachdem  er  60  Flüsse,  von  denen  fast  die  Hälfte 
schiffbar  ist,  aufgenommen,  ergiesst  er  sich  in  6  Armen  in 
den  Pontus.  Die  erste5)  Mündung,  Peuces6),  welche  von 
der  naheliegenden  Insel  Peuce  7)  ihren  Namen  erhalten  hat, 
wird  von  einem  19,000  Schritte  grossen  Sumpfe  verschlungen. 
In  demselben  Bette  bildet  sich  oberhalb  Istropolis  ein  See 
von  63,000  Schritten  Umfang ,  Halmyris 8)  genannt.  Die 
zweite  heisst  Naracustoma  9);  die  dritte  Calonstoma10)  in 
der  Nähe  der  Insel  Sarmatica;  die  vierte  Pseudostomon n), 
auf  der  von  ihr  gebildeten  Insel  ist  der  Conopon  Diabasis12); 
dann  folgt  Boreostoma 13)  und  Psilonstoma14).  Diese  ein- 
zelnen Arme  sind  aber  so  gross,  dass  das  Meer  auf  eine 
Weite  von  40,000  Schritte  von  ihnen  zurückgedrängt  werden 
und  einen  süssen  Geschmack  annehmen  soll. 

25. 
Vom  Ister  an  gehören  zwar  alle  Völker   zu  den  Sey- 
then;  jedoch  haben  verschiedene  die  Küstenländer  bewohnt; 


')  Don.    2)  Kara-Kerman. 

3)  Die  rauhe  Alp  in  Schwaben  und  ein  Theil  des  Schwarzwaldes. 

4)  Augusta  Rauracorum,  jetzt  Äugst,  2  Stunden  oberhalb  Basel. 
Noch  jetzt  finden  sich  Trümmer  der  alten  Stadt. 

5)  Die  südlichste.    6)  Portescza.    7)  Piczina.     8)  Ramsin. 

9)  Kutschuk.     10)  Kedrille.    ")  Salvoa.    12)  D.  h.  Mückenübergang. 
,3)  Suline.     ,4)  Kili. 


330  Viertes  Buch. 

bald  waren  es  die  Geter1),  bei  den  Römern  Dacier  ge- 
nannt; bald  die  Sarmater,  bei  den  Griechen  Sauromater, 
und  die  dazugehörigen  Hamaxobier  2)  oder  Aorser  3);  bald 
die  unechten  und  von  Sclaven  abstammenden  Scythen  oder 
Troglody  teil ;  bald  darauf  die  Alaner  und  Rhoxalaner,  die 
sich  dort  niederliessen.  Die  obern  zwischen  dem  Danubius 
und  dem  hercynischen  Waldgebirge  4)  belegenen  Länder  bis 
zu  den  panuonischen  Winterquartieren  haben  die  Carnun- 
ter,  die  daselbst  an  Germanien  grenzenden  Felder  und 
Ebenen  die  jazygischen  Sarmater,  die  Berge  und  Wälder 
aber  bis  zum  Flusse  Pathissus  5)  die  von  letztern  vertriebe- 
nen Dacier  inne.  Die  dem  Marus 6)  oder  dem  Duria 7), 
welcher  diese  Völker  von  den  Sueven  und  dem  vannia- 
nischen  Reiche  s)  trennt,  gegenüber  liegenden  Distrikte  wer- 
den von  den  Basternen  und  weiter  hin  von  andern  germa- 
nischen Stämmen  bewohnt.  Agrippa  giebt  die  Länge  aller 
dieser  Länder  vom  Ister  bis  zum  Ocean  auf  1,200,000  und 
die  Breite  von  den  sarmatischen  Wüsten  bis  zum  Flusse 
Vistula  9)  auf  440,000  Schritte  an.  Der  Käme  Scythen  ist 
durchgängig  auf  die  Sarmaten  und  Germanen  übergegangen, 
und  nur  diejenigen  Völker  haben  ihren  alten  Namen  be- 
halten ,  welche  am  entferntesten  wohnen  und  der  übrigen 
Menschheit  fast  ganz  unbekannt  sind. 


*)  Ein  thracisches  Volk,  das  anfangs  zwischen  dem  Hämus  und 
Ister  wohnte.  Sie  hatten  mit  den  Daciern  Sprache  und  Verfassung 
gemein.  Ihr  Gesetzgeber  hiess  Zamolxis.  Erst  unter  Trajan  kamen 
sie  unter  römische  Botmässigkeit. 

2)  Wagenbewohner. 

3)  Ein  allgemeiner  Name  aller  im  europäischen  Sarrn'atien  (von 
der  Weichsel  bis  nach  Dacien)  wohnenden  Völker. 

4)  Unter  dieser  Benennung  begreift  Plinius  die  ganze  Strecke 
von  Wäldern  und  Gebirgen  vom  Thüringer  Walde  bis  an  die  Car- 
pathen  in  Ungarn. 

5)  Der  Theis;  er  hiess  auch  Tibissus,  Tisianus,  Parthissus. 

6)  Morava.     7)  Tyrna. 

8)  Das  Reich  des  Vannius,  eines  von  den  Römern  vertriebenen 
Fürsten  (Tacit.  Annal.  II.  63  XII.  29),  begriff  das  heutige  Mähren  in  sich. 

9)  Auch  Visula.  Vistillus ;  jetzt  Weichsel. 


Viertes  Buch.  331 

26. 
Vom  Ister  an  folgen  nun  die  Städte  Creminscos  x)  und 
Aepolium;  die  macrocremnischen  Berge,  der  berühmte  Fluss 
Tyra  2),  mit  einer  Stadt  gleichen  Namens,  die  früher  Ophiusa  3) 
hiess.  Eine  bedeutend  grosse  Insel  auf  dem  letztern  be- 
wohnen die  Tyrageter,  sie  ist  von  der  Ister-Mündung  Pseudo- 
stomon  130,000  Schritte  entfernt.  Dann  folgen  die  nach  dem 
Flusse4)  benannten  Axiacer,  dahinter  die  Crobyzer;  der 
Fluss  Rhode  5),  der  Busen  Sagjarius  6),  der  Hafen  Ordesus  7). 
Vom  Tyra  ist  der  Fluss  Borysthenes 8)  120,000  Schritte 
weit;  dann  folgt  ein  gleichnamiger  See  und  Volk,  sowie 
eine  15,000  Schritte  vom  Meere  entfernte  Stadt.  Die  alten 
Namen  dieser  Stadt  sind  Olbiopolis  und  Miletopolis  9).  Wie- 
derum an  der  Küste  liegt  ein  Hafen  der  Achäer.  Die  Insel 
des  Achilles10),  berühmt  durch  das  Grab  dieses  Mannes. 
125,000  Schritte  davon  liegt  eine  in  Form  eines  Schwerdtes 
quer  vorlaufende  Halbinsel,  welche  wegen  der  daselbst  statt- 
gehabten Uebungen  Dromos  Achilleos  genannt  wird.  Agrippa 
giebt  ihre  Länge  zu  80,000  Schritten  an.  Diesen  ganzen 
Landstrich  bewohnen  die  taurischen  und  siracischen  Scythen. 
Von  der  angrenzenden  waldigen  Gegend u)  hat  das  daran- 
stossende  Meer  den  Namen  des  hyläischen  erhalten;  die 
Einwohner  derselben  hiessen  Enäcadloer.  Weiterhin  fliesst 
der  Panticapes 12) ,  der  die  Nomaden  von  den  Georgen 
trennt.  Dann  kommt  der  Acesinus13).  Einige  geben  an, 
der  Panticapes  flösse  unterhalb  Olbia  mit  dem  Borysthenes 


')  Lag  auf  der  Norctwestküste  des  schwarzen  Meeres,  6  Meilen 
südlich  von  der  Mündung  des  Dniester  im  Busen  bei  Islama. 
2)  Dniester.    3)  Ovidiopel.    4)  Janlaltrak?    5)  Deligiol. 
6)  Golf  Deligiol.    7)  Okzakow.    8)  Dnieper. 
9)  Kasi  Kirman  oberhalb  der  Mündung  des  Dnieper.     10)  Tendra. 

11)  Diese  Gegend,  Hyläa,  reichte  vom  heutigen  Kinburn  bis  an 
den  Hals  der  taurischen  Halbinsel.  Nördlich  davon  wohnten  die 
ackerbautreibenden  Scythen. 

12)  Samara. 

,3)  Jetzt  fliessen  dort  nur  einige  im  Sande  sich  verlaufende 
Waldbäche. 


332  Viertes  Buch. 

zusammen,  allein  genauere  Schriftsteller  sagen  diess  von 
dem  Hypanis1);  in  noch  grösserem  Irrthume  befinden  sich 
diejenigen,  welche  ihn  nach  Asien  versetzen. 

Das  Meer  tritt  nun  weit  zurück  und  umfliesst,  bis  es 
nur  noch  durch  einen  Zwischenraum  von  5000  Schritten  vom 
Mäotis  getrennt  ist,  weite  Strecken  Landes  mit  vielen  Völ- 
kern. Dieser  Busen  heisst  Carcinites  2) ,  der  Fluss  Paey- 
mis  3).  Städte  sind:  Naubarum,  Carcine,  in  deren  Rücken 
sich  ein  durch  einen  Kanal  ins  Meer  ergiessender  See  be- 
findet. Er  heisst  Buges4),  wird  vom  Coretus 5) ,  einem 
Busen  des  Mäotis,  durch  eine  Felsenwand6)  getrennt  und 
nimmt  die  Flüsse  Buges  7),  Gerrhus  8)  und  Hypacaris,  die 
aus  verschiedenen  Gegenden  kommen,  auf.  Denn  der  Ger- 
rhus bildet  die  Grenze  zwischen  den  Basiliden  und  Noma- 
den; der  Hypacaris  fliesst  durch  das  Gebiet  der  Nomaden 
und  Hyläer  und  ergiesst  sich  in  einem  künstlichen  Bette 
in  den  Buges,  in  dem  natürlichen  aber  in  den  Busen  Core- 
tus.   Dieser  Landstrich  heisst  das  sendische  Scythien. 

Bei  dem  Busen  Carcinites  beginnt  Taurien  9),  welches 
vormals  allenthalben,  wo  jetzt  Land  liegt,  vom  Meere  um- 
flossen wurde.  Weiterhin  erheben  sich  breite  Bergrücken. 
Das  Land  wird  von  30  Völkern  bewohnt,  von  denen  23  den 
mittlem  Theil  inne  haben ,  und  hat  6  Städte ,  deren  Ein- 
wohner Orgocyner,   Characener,   Lagyraner10),   Traetarer, 


')  Der  Bug.  Dieser  ist  von  einem  anderen  Hypanis,  auch  Bar- 
danias  (jetzt  Kuban)  genannt,  wohl  zu  unterscheiden.  Letzterer 
fliesst  im  asiatischen  Sarmatien  und  ergiesst  sich  in  mehreren  Mün- 
dungen in  den  cimmerschen  Bosporus.  Ein  dritter  Fluss  dieses 
Namens  fliesst  in  Indien. 

2)  Golf  von  Perekop. 

3)  Kanikschack.  Er  heisst  bei  Ptolemäus  Carcinis,  weil  er 
sich  bei   der  Stadt  Carcine  in  den  carcinischen  Meerbusen  ergiesst. 

!)  Siwasch.    Bei  Ptolemäus  heisst  er  Byce. 
5)  Gulloe  More,  der  westliche  Theil  des  asowischen  Meeres. 
,;)  Landzunge  von  Arabat.     7)  Salgir.    8)  Karasu. 
9)  Die  Halbinsel  Krim. 

,0)  Lagyra,  jetzt  Belbek,  nordöstlich  vom  Vorgebirge  Charax 
(Cara  Caja). 


Viertes  Buch.  333 

0 

Arsilachiter  und  Caliorder  heissen.  Im  hohen  Gebirge 
halten  sich  die  Scythotaurier  auf;  sie  werden  im  Westen 
von  dem  Chersones,  im  Osten  von  den  satarchischen  Scythen 
begrenzt.  An  der  Küste  vom  Carcinites  an  liegen  die  Städte 
Taphrä  *),  auf  der  Landenge  der  Halbinsel,  und  Heraclea 
Chersonesos ,  welcher  die  Römer  die  Freiheit  schenkten. 
Sie  hiess  früher  Megarice  und  zeichnet  sich  im  ganzen 
Lande  dadurch  aus,  dass  sie  den  griechischen  Sitten  treu 
geblieben  ist;  die  sie  umgebende  Mauer  ist  5000  Schritte 
lang.  Dann  folgt  das  Vorgebirge  Parthenium 2) ,  Piacia, 
eine  Stadt  der  Taillier ,  der  Hafen  Symbolon  3) ,  das  Vor- 
gebirge Criumetopon  4) ,  das  dem  Vorgebirge  Carambis  5) 
#  in  Asien  gegenüberliegt  und  170,000  Schritte  weit  in  den 
Pontus  hinausläuft,  wodurch  die  grosse  Aehnlichkeit  mit 
der  Gestalt  eines  scythischen  Bogens  entsteht.  Von  da  an  kom- 
men viele  taurische  Häfen  und  Seen.  Die  Stadt  Theodosia  6) 
ist  vom  Criumetopon  125,000  und  vom  Chersones  165,000 
Schritte  entfernt.  Weiterhin  lagen  die  Städte:  Cytä,  Ze- 
phyrium,  Acrä,  Nymphäum  und  Dia.  Eine  sehr  mächtige 
Stadt  am  Eingange  in  den  Bosporus  selbst  ist  das  von  den 
Milesiern  gegründete  Panticapäum  7),  welches  von  Theodo- 
sia 87,500,  von  der  jenseits  der  Meerenge  belegenen  Stadt 
Cimmerium 8)  2500  Schritte  (wie  bereits  erwähnt  wurde) 
weit  liegt.  Sowenig  beträgt  die  Breite,  welche  Asien  von 
Europa  an  dieser  Stelle  trennt,  und  wenn  die  Meerenge 
zugefroren  ist,  so  kann  man  meistens  zu  Fuss  hinüber- 
gehen. Die  Breite  des  cimmerschen  Bosporus  beträgt 
12,500  Schritte.  Die  daselbst  liegenden  Städte  heissen 
Hermisium  und  Myrmecium  9),  und  in  ihm  selbst  die  Insel 
Alopece.     Vom  äussersten  Punkte  des  Isthmus  an,  welcher 


»)  Perekop. 

2)  Die    südwestlichste  Landspitze    der   Krim,    auf  der  jetzt  das 
Kloster  St.  Georgii  liegt. 

3)  Balaclava.    *)  Ajadagh.    5)  Karempe.    •)  Kaft'a.    7)  Kertsch. 

*)  Eski  Koiru,  nordwestlich    von  Theodosia.     Man    findet   noch 
Trümmer  der  alten  Stadt. 

9)  Etwas  westlich  von  der  Festung  Jenikale. 


334  Viertes  Buch. 

Taphrä  heisst,  über  den  Mäotis  hin  bis  zur  Mündung  des 
Bosporus  wird  die  Entfernung  auf  260,000  Schritte  an- 
gegeben. 

Von  Taphrä  an  wohnen  nach  dem  Innern  zu  die  Au- 
cheter  *),  in  deren  Gebiete  der  Hypanis,  die  Neurer  2),  wo 
der  Borysthenes  entspringt,  ferner  die  Geloner  3),  Thussa- 
geter,  Budiner,  Basilider  und  die  von  ihren  bläulichen  Haa- 
ren sogenannten  Agathyrser.  Weiterhin  sind  die  Nomaden 
und  Anthropopbagen.  Vom  Buges  an  ober  dem  Mäotis  die 
Sauromater  und  Essedoner.  Aber  an  der  Küste  bis  zum 
Tanais  hin  wohnen  die  Mäoter,  von  welchen  der  See  seinen 
Namen  erhalten  hat;  hinter  diesen  folgen  zuletzt  die  Ari- 
masper.  Dann  gelangt  man  zu  den  riphäischen  Bergen  4) 
und  in  die  wegen  des  beständig  herabfallenden  federähn- 
lichen Schnees  Pterophoros  genannte  Gegend.  Dieser  Theil 
der  Welt  ist  von  der  Natur  verflucht  und  in  dichte  Finsterniss 
gehüllt;  er  dient  zur  Erzeugung  der  Kälte  und  zu  den 
eisigen  Behältern  des  Aquilo. 

Neben  diesen  Gebirgen  und  zwar  jenseits  des  Aquilo 
wohnt  (wenn  wir  es  glauben  wollen)  seit  undenklichen  Zei- 
ten ein  glückliches,  durch  viele  an  das  Fabelhafte  gren- 
zende Wunderdinge  berühmtes  Volk,  die  Hyperboräer. 
Dort  sollen  sich  die  Angeln  der  Welt  befinden,  die  Gestirne 
ihren  äussersten  Umlauf  halten,  dort  soll  die  Sonne  ein 
halbes  Jahr  lang  scheinen  und  nur  einen  Tag  verborgen 
sein,  aber  nicht,  wie  Unwissende  behauptet  haben,  vom 
Frühlings-Aequinoctium  bis  zum  Herbste.  Einmal  im  Jahre, 
am  Sommer-Solstitium  geht  ihnen  die  Sonne  auf,  und  ein- 
mal, am  Winter-Solstitium,  unter.  Es  ist  ein  sonniges 
Land,  hat  ein  glückliches  Klima  und  ist  frei  von  allen 
schädlichen  Winden.  Wälder  und  Haine  sind  ihre  Woh- 
nungen;  sie  verehren  die   Gottheit  einzeln  und  in  Gesell- 


1)  Die  Ukräne. 

2)  In  der  Gegend  von  Lemberg  nach  der  Weichsel  hin. 

3)  Zwischen  dem  Don  und  der  Wolga. 

4)  Das  uralische  und  werechoturische  Gebirge. 


Viertes  Buch.  335 

schaft,  alle  Zwietracht  und  Bekümrnerniss  ist  ihnen  unbe- 
kannt. Sie  sterben  nur,  wenn  sie  des  Lebens  müde  sind, 
und  die  Alten  stürzen  sich,  wenn  sie  geschmaust  und  in 
Luxus  geschwelgt  haben,  von  einem  Felsen  vergnügt  in 
das  Meer.  Diess  ist  wohl  die  glücklichste  Art  des  Begräb- 
nisses. Einige  haben  dieses  Volk  an  den  äussersten  Theil 
der  Küste  von  Asien  und  nicht  nach  Europa  versetzt,  weil 
dort  die  ihnen  an  Sitten  und  Lage  ähnlichen  Attacer  woh- 
nen. Andere  setzen  sie  in  die  Mitte  zwischen  beide  Son- 
nen, nämlich  die  untergehende  der  Gegenfüssler  und  unsere 
aufgehende,  was  aber  nicht  sein  kann,  da  der  Ocean  da- 
zwischen liegt.  Diejenigen,  welche  ihre  Wohnplätze  da  be- 
zeichnen, wo  die  Sonne  ein  halbes  Jahr  lang  scheint,  erzäh- 
len, dass  sie  des  Morgens  säen,  Mittags  ernten,  Abends 
die  Früchte  der  Bäume  abpflücken  und  die  Nacht  in  Höh- 
len zubringen.  Die  Existenz  dieses  Volkes  ist  nicht  zu 
bezweifeln,  da  so  viele  Schriftsteller  berichten,  dass  es  die 
Erstlinge  der  Früchte  dem  Apollo,  den  sie  vorzüglich  ver- 
ehren, nach  Delos  zu  schicken  pflegt.  Zuerst  brachten 
Jungfrauen  dieselben  und  wurden  mehrere  Jahre  hindurch 
durch  die  Gastfreundschaft  der  Völker  ehrerbietig  aufge- 
nommen. Als  man  ihnen  aber  einst  die  Gasttreue  gebrochen 
hatte,  Hessen  sie  ihre  Opfergaben  an  den  Grenzen  des 
ihnen  zunächst  wohnenden  Volkes  niederlegen,  dieses  schaffte 
sie  weiter  zu  seinen  Grenznachbarn,  und  so  gelangten  sie 
nach  Delos.     Nachmals  hörte  auch  dieser  Gebrauch  auf. 

Die  Länge  von  Sarmatien,  Scythien,  Taurien  und  dem 
ganzen  Länderstriche  vom  Flusse  Borysthenes  an  wird  von 
Agrippa  auf  980,000,  die  Breite  aber  auf  717,000  Schritte 
angegeben.  Ich  halte  jedoch  die  Maassbestimmung  in  die- 
sem Theile  der  Erde  für  unzuverlässig. 

27. 

Wir  wollen  nun  der  einmal  angenommenen  Ordnung 
gemäss  das,  was  von  diesem  Busen  noch  zu  sagen  übrig 
ist,  berichten;  die  dazu  gehörigen  Meere  haben  wir  bereits 
genannt.  Im  Hellesponte  befinden  sich  keine  Inseln,  die 
sich  bei  Europa  anführen  Hessen.     Im  Pontus  liegen  die 


336  Viertes  Buch. 

beiden,  von  Europa  1500,  von  der  Mündung  des  Pontus 
aber  14,000  Schritte  entfernten  cyaneisehen  Inseln  1),  von 
Andern  die  Symplegaden  2)  genannt,  denn  sie  sollen,  nach 
der  Sage,  zusammen  gelaufen  sein;  sie  sind  nämlich  nur 
durch  einen  kleinen  Zwischenraum  geschieden  und  erschei- 
nen denen,  welche  quer  zu  ihnen  hinfahren,  als  zwei,  wen- 
det man  aber  das  Gesicht  ein  wenig,  so  glaubt  man,  sie 
nähern  sich  einander.  Diesseits  der  Ister  liegt  eine  Insel 
der  Apolloniater  3),  80,000  Schritte  vom  thracischen  Bospo- 
rus entfernt,  von  welcher  M.  Lucullus  den  capitolinischen  4) 
Apollo  gebracht  hat.  s)  Die,  welche  zwischen  den  Mündun- 
gen des  Ister  liegen,  haben  wir  bereits  angeführt.  Vor  dem 
Borysthenes  liegt  die  oben  genannte  Achillea,  welche  auch 
Leuce  und  Macaron  6)  heisst.  Nach  einer  zu  unsern  Zeiten 
angestellten  Messung  ist  sie  vom  Borysthenes  140,000,  von 
Tyras  120,000,  von  der  Insel  Peuce  50,000  Schritte  entfernt. 
Ihr  Umfang  beträgt  gegen  10,000  Schritte.  Die  übrigen  im 
Busen  Carcinites  befindlichen  Inseln  sind:  Cephalonneses  7), 
Rhosphodusa  und  Macra.  Bevor  wir  den  Pontus  verlassen, 
dürfen  wir  auch  die  von  Vielen  angenommene  Meinung 
nicht  übergehen,  dass  alle  innern  Meere  im  Pontus  selbst 
ihren  Ursprung  haben  und  nicht  von  der  gaditanischen 
Meerenge  ausgeheD,  und  zwar  aus  dem  nicht  unwahrschein- 
lichen Grunde,  weil  die  Strömung  stets  vom  Pontus  her- 
kommt, niemals  aber  dahin  zurückkehrt. 

Wir  wollen  jetzt  die  äussern  Theile  von  Europa  ken- 
nen lernen,  und  wenden  uns,  nachdem  wir  die  riphäischen 
Gebirge  überstiegen  haben,  zu  der  Küste  des  nördlichen 
Oceans  links  herum,  bis  wir  wieder  nach  Gades  gelangen. 
Auf  dieser  Strecke  werden  mehrere  Inseln  ohne  Namen  an- 


')  Zwei   Klippen  am   Ausgange    des    thracischen    Bosporus   ins 
schwarze  Meer. 

2)  Zusammenschlagenden.    3)  Beschik  Adasi. 

4)  D.  h.  den  auf  dem  Capitale  zu  Rom  aufgestellten. 

5)  Vergl.  Plin.  XXXIV.  B.  18  C. 

6)  D.  h.  Insel  der  Seligen,  weil  man  glaubte,  sie  sei  der  Aufent- 
halt der  Seelen  der  Heroen.     7)  Tenczel. 


Viertes  Buch.  337 

geführt.  Unter  ihnen  liegt  eine  vor  Scythien,  welche  auch 
Raunonia  heisst,  eine  Tagereise  von  der  Küste  entfernt, 
a,uf  welche,  nach  Timäus  Berichte,  die  Fluthen  zur  Früh- 
lingszeit Bernstein  auswerfen  1).  Die  übrigen  Küsten  kennt 
man  nur  aus  zweifelhaften  Gerüchten.  Hier  befindet  sich 
der  nördliche  Ocean;  Hecatäus  2)  nennt  ihn  von  dem  Flusse 
Paropamisus  3)  an,  soweit  er  Scythien  bespühlt,  den  amal- 
«hischen,  welches  Wort  in  der  dortigen  Volkssprache  „zu- 
gefroren" bedeutet.  Philemon  4)  sagt,  es  werde  bis  zum 
Vorgebirge  Rubeas  5)  von  den  Cimbern  6)  Morimarusa,  d.  h. 
todtes  Meer,  genannt;  weiterhin  heisse  es  Cronium.  Nach 
Xenophon  von  Lampsacus  liegt  in  einer  Entfernung 
dreier  Seetagereisen  von  der  scythischen  Küste  eine  Insel 
Baltia  7),  von  ungeheurer  Grösse;  Pytheas  nennt  sie  Basilia. 
Auch  ist  von  oonischen  Inseln  die  Rede,  deren  Bewohner 
von  Vogeleiern  und  Hafer  leben.  Andere,  auf  denen  die 
Menschen  mit  Pferdefüssen  geboren  werden  sollen,  heissen 
die  Hippopoden;  noch  andere,  die  panotischen  Inseln8),  wo 
die  Menschen  nackend  geheu  und  ihren  Körper  mit  ihren 
eigenen  sehr  grossen  Ohren  ganz  bedecken. 

Bestimmtere  Nachrichten  haben  wir  von  den  Ingävo- 
nen  9),  dem  ersten  Volke  in  diesem  Theile  von  Germanien. 
Hier  erhebt  sich  das  ungeheuere  Gebirge  Sevo  10),  das  den 


*)  Wohl  nichts  anderes,  als  die  Nehrungen  des  frischen  und 
curischen  Haffs  an  den  Küsten  von  Preussen. 

2)  Von  Müet  im  6.  Jahrh.  v.  Chr.    3j  Die  Oder? 
4)  Welcher?  lässt  sich  nicht  bestimmen. 

8)  Nach  Einigen  die  nördliche  Spitze  von  Curland,  wahrschein- 
licher ein  Vorgebirge  ein  Schweden. 

6)  Sie  bewohnten  Jütland,  Schleswig  und  Holstein. 

7)  Skandinavien.     8)  Soll  Wollin  an  der  Mündung  der  Oder  sein. 

9)  Dieser  Name  begreift  fast  alle  in  Norddeutschland  von  den 
Rheinmündungen  bis  nach  Preussen  hin,  und  zum  Theil  in  Skandi- 
navien wohnenden  Völker,  als :  die  Friesen,  Sturier,  Marsacier  zwischen 
der  Scheide  und  Eider;  die  Cauchen,  Angivarier  an  der  Nordsee, 
die  Saxen  mit  den  Nord-Albingern  (oder  Dänen),  die  Esthen  und 
Wenden  in  Preussen,  die  Schweden  und  Finnen  etc. 

,0)  Höchst  wahrscheinlich  der  Kjölen   zwischen  Norwegen  und 

22 


338  Viertes  Buch. 

Riphäen  nichts  nachgiebt  und  bis  zum  cimbrischen  Vorge- 
birge *)  bin  einen  inselreichen  Busen,  Codanus 2)  bildet. 
Die  berühmteste  dieser  Inseln  ist  Scandinavien  3),  deren 
Grösse  man  nicht  kennt;  nur  einen  Theil  davon  bewohnt, 
soviel  man  weiss,  in  500  Gauen  das  Volk  der  Hillevionen, 
welche  ihr  Land  den  andern  Erdkreis  nennen.  Für  nicht 
kleiner  hält  man  Eningia4),  welches  Land  nach  der  Be- 
hauptung Mancher  bis  zum  Flusse  Vistula  5)  von  den  Sar- 
maten,  Venedern,  Sciren  und  Hirren  bewohnt  wird.  Dieser 
Busen  heisst  Cylipenus  6)  und  die  an  seiner  Mündung  lie- 
gende Insel  Latris. 7)  Nicht  weit  davon  ist  ein  zweiter 
Busen,  Lagnus  8),  der  an  Cimbrien  grenzt.  Das  weit  ins 
Meer  auslaufende  cimbrische  Vorgebirge  bildet  die  Halb- 
insel Cartris  9).  Dann  folgen  23  Inseln,  welche  durch  die 
Kriege  der  Römer  bekannt  geworden  sind.  Unter  diesen  ver- 
dienen bemerkt  zu  werden:  Burchana10),  wegen  einer  daselbst 
wildwachsenden  bohnenartigen  Frucht  von  den  Römern  Fa- 
baria  genannt;  ferner  Glessaria n),  welchen  Namen  ihr  die 
Soldaten  wegen  des  Bernsteins  (Glessum)  gaben;  bei  den 
Barbaren  heisst  sie  Austrantia,  ausserdem  auch  Actania. 

28. 
An  diesem  ganzen  Meere  hin  aber  bis  zum  Flusse 
Scaldis12)  wohnen  die  germanischen  Völker.  Die  Grösse 
dieser  Länder  lässt  sich  jedoch,  wegen  der  so  ausserordent- 
lich widersprechenden  Angaben,  nicht  wohl  feststellen.  Die 
Griechen  und  einige  Römer  bestimmen  die  Länge  der  ger- 


Schweden.    Plinius  scheint  also  zu  irren,  wenn  er  dieses  Gebirge  an 
die  Grenzen  Germaniens  versetzt. 

*)  Cap  Skagen  in  Jütland.    *)  Die  Südwestseite  der  Ostsee. 

3)  Das  südliche  Schweden. 

A)  Auch  Epigia,  wahrscheinlich  Finnland.     5)  Weichsel. 

6)  Die  ganze  Südseite  der  Ostsee. 

7)  Wahrscheinlich  Seeland.     Andere   halten  den  Meerbusen  Cy- 
ipenus  für  den  rigaischen  und  Latris  für  die  Insel  Oesel. 

*)  Vermuthlich  das  Cattegat.     9)  Jütland. 

,0)  Borkum  am  Ausflusse  der  Ems. 

")  Ameland  über  Westfriesland.     12)  Scheide. 


Viertes  Buch.  339 

manischen  Küste  zu  2,500,000  Schritten.  Agrippa  giebt 
die  Länge  mit  Rhätien  und  Noricum  zu  686,000,  die  Breite 
zu  148,000  Schritten  an.  Aber  die  Breite  von  Rhätien  allein 
betrug  schon  mehr,  als  es  um  die  Zeit  seines  Todes  x)  unter- 
jocht wurde,  und  Germanien  wurde  erst  viele  Jahre  später 
und  da  noch  nicht  völlig  bekannt.  Wenn  hier  eine  Ver- 
muthung  erlaubt  ist,  so  dürfte  die  Küste  nicht  viel  kürzer 
sein,  als  die  Griechen  sie  annehmen,  und  nicht  viel  länger, 
als  Agrippa  angiebt.  Die  Germanen  bilden  5  Hauptstämme : 
Die  Vandiler  2),  zu  denen  die  Burgundionen  3),  die  Variner  4), 
Cariner  5)  und  Guttoner  6)  gehören.  Einen  andern  Haupt- 
stamm bilden  die  Ingävonen  7),  deren  Zweige  die  Cimbern  8)r 
Teutonen9)    und   Chaucer10)   sind.      Zunächst   am    Rheine 


»)  12  Jahre  n.  Chr. 

2)  Vandalen,  der  Name  mehrerer  engverbundener  Völker,  die 
anfänglich  zwischen  der  Elbe,  Oder  und  Weichsel  wohnten,  sich  dann 
nach  Böhmen,  Dacien,  Pannonien,  und  endlich  zur  Zeit  der  Völker- 
wanderung nach  Frankreich,  Spanien  und  Afrika  wandten. 

3)  Ihr  erster  Wohnsitz  war  an  der  Weichsel.  Um  275  n.  Chr. 
kamen  sie  nach  Frankreich,  wo  sie  sich  aber  erst  im  5.  Jahrhunderte 
festsetzten  und  ein  grosses  Reich  stifteten. 

A)  An  der  Warne. 

5)  Am  rechten  Oderufer. 

6)  Gutä,  Gythones,  Gothones.  Sie  scheinen  scythischen  Ursprungs 
und  mit  den  Geten  verwandt  zu  sein.  Sie  wohnten  anfänglich  an 
der  Weichsel,  gingen  im  4.  Jahrh.  nach  Dacien,  wo  sie  von  der 
Theis  bis  zur  Donau  ein  Reich  stifteten.  Sie  theilten  sich  in  2  grosse 
Abtheilungen,  die  Ostgothen  am  schwarzen  Meere  und  die  West- 
gothen  in  Dacien.  Jene  wurden  den  Hunnen  unterwürfig,  diese 
drangen  ins  römische  Reich  und  setzten  sich  in  Thracien  und  Mösien 
fest.  Unter  Alarich  und  Athaulf  zogen  sie  durch  Griechenland  nach 
Italien  und  Spanien.  Nach  Attila's  Tode  drangen  die  Ostgothen 
unter  Theodorich  in  Italien  ein  und  stifteten  ein  mächtiges  Reich, 
das  unter  Justinian  zerstört  wurde. 

7)  und  8)    Siehe  das  vorige  Kapitel. 

9)  Eigentlich  der  gemeinsame  Name  aller  deutschen  Stämme ; 
hier  besonders  die  in  Lauenburg  und  Mecklenburg. 

10)  Am  Meere  von  der  Ems  bis  zur  Elbe,  also  in  Ostfriesland, 
Oldenburg  und  Bremen. 

22* 


340  Viertes  Buch. 

wohnen  die  Istävoner  x),  wozu  die  Cimbern  2);  ferner  die 
mitten  im  Lande  wohnenden  Hermionen  3),  wozu  die  Sue- 
ven  4) ,  Hermundurer 5),  Chatter 6)  und  Cherusker  7).  Der 
fünfte  Hauptstamm  endlich  enthält  die  Peuciner  und  Bas- 
teiner 8),  welche  an  die  oben  9)  genannten  Dacier  grenzen. 
Bedeutende,  in  den  Ocean  sich  ergiessende  Flüsse  sind: 
der  Guttalus 10),  Vistillus  oder  Vistula,  Albis ll),  Visurgis 12), 
Amisius  13),  Rhenus  u)  und  Mosa 15).  Im  Innern  des  Landes 
aber  breitet  sich  das,  keinem  andern  an  Grösse  nachstehende 
hercynische  Gebirge16)  aus. 

29. 
Im  Rheine  selbst  liegt  die  fast  100,000  Schritte  lange 
hochberühmte  Insel  der  Bataver17)  und  Commenefatier 18), 
sowie  die  übrigen  Inseln  der  Frisen,  Chaucer,  Frisiaboner, 
Sturier  und  Marsacier,  welche  zwischen  demHelius19)  und 
Flevus20)  zerstreut  sind.  So  heissen  nämlich  die  Mündungen, 
durch  welche  sich  der  Rhein  nördlich  in  Seen21)  und  öst- 
lich in  die  Mosa  ergiesst,  indem  nur  ein  massiger  Arm 
zwischen  diesen  beiden  seinen  Namen  behält. 


')  Von  der  östl.  Mündung  des  Rheins  rückwärts  bis  zum  Main. 

*2)  In  den  Provinzen  Cleve,  Berg  und  Niederrhein. 

3)  Einer  der  5  Hauptstämme,  die  zwischen  der  Weichsel  und 
Elbe  wohnten.  Nach  Mannert  waren  sie  das  eigentliche  Stammvolk 
der  Deutschen,  von  dem  alle  übrigen  auswanderten. 

'•)  Anfangs  an  der  Elbe,  zuletzt  in  Schwaben,  nördlich  vom 
Schwarzwalde. 

5)  Im  Meissnerlande  bis  an  die  Quellen  der  Elbe;  später  breite- 
ten sie  sich  vom  Main  bis  zur  Donau  aus. 

6)  Gatten,  von  der  Vereinigung  der  Werra  und  Fulda  bis  zum 
Spessart,  westlich  bis  zur  fränkischen  Saale. 

7)  Im  jetzigen  Lüneburg,  Braunschweig,  Magdeburg,  Halberstadt 
und  Thüringen.  Sie  standen  lange  Zeit  an  der  Spitze  eines  mäch- 
tigen Völkerbundes. 

8)  Sie  wohnten  im  östlichen  Theile  der  Karpathen,  in  Galizien 
und  Podolien.     Die  Peuciner  waren  nur  ein  Theil  von  ihnen. 

9)  Cap.  25.     10)  Pregel.     ")  Elbe.     ,2)  Weser.     ,3)  Ems.    •'•)  Rhein. 
15)  Maas.      I6j  Vom  Thüringer  Walde  bis  nach  Ungarn. 

17)  Ein  Theil  von  Holland.     '■;  In  Westfriesland.     ,9)  Waal. 
20)  Flie.    21)  Zuydersee. 


Viertes  Buch.  341 

30. 
Dieser  Gegend  gegenüber  liegt  zwischen  Norden  und 
Westen  die  durch  die  Werke  der  Griechen  und  Römer  be- 
rühmte Insel  Britannien,  welche  von  Germanien,  Gallien 
und  Spanien ,  den  grössten  Ländern  Europas,  durch  einen 
grossen  Zwischenraum  getrennt  ist.  Sie  selbst  hiess  sonst 
Albion,  denn  unter  dem  Namen  Britannien  begriff  man  alle 
übrigen  Inseln,  von  denen  wir  bald  sprechen  werden.  Von 
Gessoriacus  *),  an  der  Küste  der  Moriner  bis  zu  ihr  beträgt 
die  kürzeste  Entfernung  50,000  Schritte,  und  ihren  Umfang 
geben  Pytheas  und  Isidorus  auf  4,875,000  Schritte  an. 
Innerhalb  30  Jahren  ist  sie  durch  die  römischen  Waffen 
noch  nicht  bis  über  den  caledonischen  Wald  2)  bekannt  ge- 
worden. Agrippa  schätzt  ihre  Länge  auf  800,000,  ihre  Breite 
aber  auf  300,000  Schritte.  Dieselbe  Breite  soll  Hibernien  3) 
haben,  aber  dessen  Länge  um  200,000  Schritte  weniger  be- 
tragen. Letztere  Insel  liegt  über  jener,  und  zwar  auf  dem 
kürzesten  Wege  von  dem  Distrikte  der  Silurer 4)  an ,  in 
einer  Entfernung  von  30,000  Schritten.  Keine  der  übrigen 
Inseln  soll  mehr  als  125,000  Schritte  im  Umfange  haben. 
Es  giebt  40  orcadische  5),  in  massiger  Entfernung  von  ein- 
ander liegende  Inseln;  7  Acmoden 6)  und  30  Häbuden  7). 
Zwischen  Hibernien  und  Britannien  liegen:  Mona  8),  Mona- 
pia9), Ricina,  Vectis10),  Limnus11)  und  Andros12);  unter- 
halb derselben  aber:  Samnis  und  Axantos.  Gegenüber 
nach  dem  germanischen  Meere  hin  sind  die  glessarischen 
Inseln  13)  zerstreut,  welche  von  den  neueren  Griechen  Elec- 


')  Boulogne-sur-mer. 

2)  Grampiangebirge  in  Schottland.    3)  Irland. 

4)  Diese  wohnten  im  südlichen  Theile  von  Wales,  in  Herford - 
shire  und  Worcestershire. 

5)  Die  Orkney-Inseln;   es  sind   ihrer  67,  aber  bloss  29   davon  be- 
wohnt. 

c)  Die    Shetlandsinseln ,  86   an  der  Zahl,  aber  nur   17   bewohnt. 

7)  Die  Hebriden,  über  200,  aber  nur  87  bewohnt. 

*)  Anglesea.     »)  Man.     ,0)  Wight.     ")  Dalkey.     12j  Arran. 

,3)  Siehe  im  27.  Cap. 


342  "Viertes  Buch. 

triden  genannt  werden,  weil  auf  ihnen  Bernstein  vorkommen 
soll.  Die  letzte  aller  bekannten  Inseln  heisst  Thule  *),  auf 
welcher,  wie  schon  erwähnt  wurde  2),  zur  Zeit  des  Sommer- 
solstitii,  wenn  die  Sonne  in  das  Zeichen  des  Krebses  tritt, 
keine  Nacht,  dagegen  im  Wintersolstitium  kein  Tag  ist, 
und  zwar  soll  diess  abwechselnd  6  Monate  lang  dauern. 
Der  Geschichtschreiber  Timäus  sagt,  dass  man  innerhalb 
6  Seetagereisen  von  Britannien  nach  der  Insel  Mictis  3)  ge- 
lange, auf  welcher  sich  weisses  Blei  vorfinde,  und  dass  die 
Britannier  in  aus  Ruthen  geflochtenen  und  mit  Leder  be- 
schlagenen Schiffen  dahin  führen.  Einige  Schriftsteller  er- 
wähnen noch  andere  Inseln,  als:  Scandia  4),  Dumna  5), 
Bergi 6)  und  Nerigos7),  die  grösste  unter  ihnen,  von  wo 
aus  man  nach  Thule  schifft.  Eine  Seetagereise  von  Thule 
liegt  ein  starres  Meer,  welches  von  Einigen  Cronium  ge- 
nannt wird. 

Ol. 

Ganz  Gallien,  das  man  unter  dem  Namen  Comata  8) 
begreift,  wird  in  drei  Hauptvölkerschaften  eingetheilt,  welche 
vorzüglich  durch  Flüsse  von  einander  geschieden  sind.  Vom 
Scaldis  bis  zur  Sequana  9)  reicht  das  belgische,  von  da 
bis  zur  Garunna10)  das  celtische  oder  lugdunensische  und 
von  da  bis  zum  Ausgange  der  Pyrenäen  das  aquitanische, 
vormals  aremorische  genannt.  Die  gesammte  Küste  ist 
nach  Agrippa  1,800,000  Schritte  lang.     Die  Länge  von  Gal- 


>)  Island?    2)  Vergl.  II.  B.,  77.  Cap. 

3)  Ist  bisher  nicht  ermittelt  worden. 

4)  Vermuthlich  ein  Theil  der  scandinavischen  Küste. 

5)  Hay;  sie  gehört  zu  den  shetlandischen  Inseln. 

6)  Wahrscheinlich  ein  Theil  der  norwegischen  Küste,  etwa  da, 
wo  Bergen  liegt? 

7)  Norwegen.  Man  sieht  aus  diesen  und  anderen  Angaben,  dass 
Plinius  manche  Länder  für  Inseln  ausgiebt,  welche  entweder  nur 
Halbinseln  oder  auch  diess  nicht  einmal  sind. 

8)  Oder  Celtica;  es  hatte  jenen  Namen  daher,  weil  seine  Be- 
wohner lange  Haare  trugen. 

9)  Seine.     10)  Garonne. 


Viertes  Buch.  343 

lien  zwischen  dem  Rhenus,  den  Pyrenäen,  dem  Ocean,  dem 
■Cebenna- l)  und  Juragebirge,  durch  welche  es  von  dem  nar- 
bonensischen  Gallien  geschieden  ist,  giebt  er  auf  420,000, 
die  Breite  auf  318,000  Schritte  an.  Die  äussersten  Di- 
strikte vom  Scaldis  an  bewohnen  die  unter  mehreren  Namen 
vorkommenden  Taxandrer  2).  Dann  folgen  die  Menapier  8), 
Moriner 4),  die  Oromarsacer,  welche  an  einen  Ort,  Namens 
Gessoriacus,  grenzen,  die  Britannier  5),  Ambianer  6),  Bello- 
vacer  7)  und  Hasser.  Im  Innern  wohnen  die  Castologer  8), 
Atrebater  9) ,  die  freien  Neivier10),  Veromanduer  u) ,  Sue- 
coner12),  die  freien  Suessioner13),  die  freien  Ulraaneter 14), 
Tungrer15),  Sunucer16),  Frisiaboner17),  Betaser18),  die  freien 
Leucer  19) ,  die  vormals  freien  Treverer 20),  die  verbündeten 
Lingoner 21)  und  Remer 22) ,  Mediomatricer 23) ,  Sequaner 24), 
Rauricer 25)  und  Helvetier26).  Die  Colonien  Equestris 27)  und 
Rauriaca.  Von  den  germanischen  Völkern,  welche  an  den 
Rhein  grenzen,  wohnen  in  dieser  Provinz:  die  Nemeter28), 
Tribocer29),  Vangioner 30),  dann  die  Ubier,  dabei  die  Colo- 
nie  der  Agrippina 31),  die  Cugerner 32),  Bataver  und  die  bei 
den  Rhein-Inseln  genannten33). 

32. 
Im  lugdunensischen Gallien  wohnen:  die  Lexovier34) 
Vellocasser35),  Galleter36),  Veneter37),  Abrincatuer38)  und  Osis- 
mer.39)  Daselbst  ist  der  berühmte  Fluss  Ligeris40).  Aber 
eine  bedeutende  Halbinsel  läuft  in  den  Ocean  hinaus,  deren 
Umfang   von  der  Grenze  der  Osismer  an  625,000  Schritte, 


')  Die  Cevennen.    2)  Tessenderloo. 

3)  Gemappe.    4)  Dept.  Pas  de  Calais.     5)  Ebendaselbst. 

6)  Amiens.    7)  Beauvais.     8)  Le  Chatelet.     9)  Arras.     I0)  Bavay. 

ll)  Vermandois.     ,2)  Chauny.     ,3)  Soissons.     ,4)  Senlis. 

,5)  Tongres,  sonst  Aduaca.     ,6)  Luxemburg.     ")  Limburg. 

18)  Bethunes.     19)  Lüttich.     20)  Trier.    21)  Langres.    22)  Rheims. 

M)  Metz.    **)  Besancon.    26)  Im  Dept.  Haut-Rhin. 

26)  Westliche  Schweiz.    27)  Nyon.    2«)  Speier.    29)  Strassburg. 

x)  Worms.    31)  Köln.    32)  Goch.    33)  Im  29.  Cap.    3i)  Lisieux. 

35)  Rouen.    x)  L'Iskebonne.    37)  Vannes.    38)  Avranches. 

39)  St.  Pol  de  Lion.    40)  Loire. 


344  Viertes  Buch. 

deren  Breite  da,  wo  sie  mit  dem  Festlande  verbunden  ist, 
125,000  Schritte  beträgt.  Jenseits  derselben  wohnen  die 
Namneter  ');  im  Innern  aber  die  verbündeten  Aeduer  2)  und 
Carnuter  3),  die  Bojer  4),  Senoner  5),  Aulercer  mit  dem  Bei- 
namen Eburovicer6)  oder  Cenomanner7),  die  freien  Melder8), 
Parisier  9),  Tricasser 10),  Andegaver11),  Viducasser 12),  Bodio- 
casser13),  Veneller14),  Cariosveliter15),  Diablinder16),  Rhe- 
doner17),  Turoner18),  Atesuer19)  und  die  freien  Secusianer, 
in  deren  Gebiete  die  Colonie  Lugdunum20)  liegt. 

33. 
Im  aquitanischen  Gallien  wohnen  die  Ambilatrer21), 
Anagnuter22) ,  Pictoner23),  die  freien  Santoner24),  die  freien 
Bituriger25)  mit  dem  Beinamen  Viviscer,  die  Aquitaner26), 
von  denen  die  Provinz  ihren  Namen  hat,  und  die  Sedibo- 
viater.  Dann  folgen  die  in  eine  Stadt  vereinigten  Con- 
vener27),  die  Begerrer28),  quatuorsignanischen  (4  Feldzeichen 
führenden)  Tarbeller29),  sexsignanischen  Cocossater30),  Ve- 
namer31),  Onobrisater 32) ,  Belender33)  und  das  pyrenäische 
Gebirge.  Weiter  unten:  die  Moneser34),  Berg-Oscidater &), 
Sibyllater 36) ,  Camponer 37) ,  Bercorcater 38) ,  Pindedunner, 
Lassunner 39) ,  Vellater 40) ,  Tornater 41) ,  Consoranner  42) ,  Aus- 
cer 43),  Elusater 44),  Sottiater 45),  Oscidater  in  den  Ebenen 46), 


J)  Nantes.    2)  Autin. 

3)  Chartres.    4)  Moulins.     5)  Sens.    6)  Evreux.    '•)  Le  Mans. 

8)  Meaux.     9)  Lutetia  (Paris).     ,0)  Troyes.     ")  Angers. 

12)  Vieux.     ,3)  Vez.     M)  Im  Dept.  Manche.     15)  Corseuil. 

,6)  Mayenne.     ,7)  Rennes.     ,8)  Tours.     ,9)  Issoudun.    20)  Lyon. 

21)  Ambialet.    22)  St.  Aignan.    »)  Poitiers.    24)  Saintes. 

25)  Bordeaux.  26)  Aire.  27)  St.  Bertrand  de  Cominges.  Sie  hat- 
ten ihren  Namen  von  convenire  (zusammenkommen);  früher  hielten 
sie  sich  nämlich  in  Wäldern  auf  und  machten  die  Umgegend  un- 
sicher, auf  Befehl  des  Pompejus  mussten  sie  sich  aber  in  einer  Stadt- 
vereinigen. 

28)  Tarbes.    29)  Dax.     30)  Marensin.     31)  Veynes.     32)  Lebret. 

33)  Belin.    3i)  Monein.    3&)  Houcilles.    36)  Sobusse.    37)    Campon. 

38)  Biscarosse.    39)  Im  Dept.  Dordogne.     40)  Rieumes. 

4I)  Tournay.     ,8)  Couserones.    43)  Auch.    44)  Ense. 

45)  Soz.    46)  Ossun. 


Viertes  Buch.  345 

Succasser  J),  Tarusater  2),  Basabocater  3),  Vasseer,  Sennater, 
Cambolectrer  4),  Agesinater  5);  an  die  Pictoner  grenzen  die 
freien  Bituriger  6)  oder  Cuber ;  ferner,  die  Lemovicer  7),  die 
freien  Arverner  8)  und  Gabaler  9).  Wiederum  an  die  nar- 
bonensische  Provinz  grenzen  die  Rutener10),  Cadurcer11), 
Nitiobriger 12)  und  die  von  den  Tolosanern 13)  durch  den 
Fluss  Tarnos14)  getrennten  Petrocorer 15).  Die  Meere  an 
den  Küsten  sind:  an  der  Mündung  des  Rhenus  der  nörd- 
liche Ocean,  zwischen  dem  Rhein  und  der  Sequana  der  bri- 
tannische und  zwischen  diesem  und  den  Pyrenäen  der  gal- 
lische. Ferner  sind  noch  sehr  viele  den  Venetern  gehörende 
Inseln,  welche  daher  auch  die  venetischen16)  heissen,  sowie 
Uliarus17)  im  aquitanischen  Meerbusen18)  anzuführen. 

34. 
An  dem  Vorgebirge  der  Pyrenäen19)  beginnt  Spanien, 
welches  nicht  nur  schmäler  als  Gallien,  sondern  auch  als 
es  selbst20)  ist,  indem,  wie  wir  bereits  gesagt  haben21),  von 
der  einen  Seite  der  Ocean  und  von  der  andern  das  iberische 
Meer  die  ungeheuere  Ländermasse  zusammen  drücken. 
Selbst  die  Kette  der  Pyrenäen ,  welche  sich  vom  Aequi- 
noctialaufgange  bis  zum  Brumaluntergange22)  ausdehnt,  macht 
Spanien  an  der  Nordseite  kürzer  als  an  der  Südseite.  Die 
nächste  Küste23)  ist  die  des  diesseitigen  Spaniens  oder 
der  tarraconensischen  Provinz24).  Von  den  Pyrenäen 
an   liegen   längs  dem  Ocean:   das   vasconische25)   Gebirge, 


')  Cestas.    2)  le  Tursan.    3)  Bazas. 

4)  Cambo-bas-de-Clarence.     5)  Lusignan.     6)  Bourges. 

7)  Limoges.    8)  Clermont.    9)  Javoulx.     19)  Rhodez.     n)  Cahors. 

I2)  Agen.     13)  Toulouse.     u)  Tarn.     ,5)  Perigueux. 

,6)  Die  grösste  derselben  heisst  Belle-Isle.     n)  Oleron. 

18)  Busen  von  Gascogne.     ,9)  Cabo  de  la  Higuera. 

20)  Nämlich  an  andern  Stellen,  weiter  nach  Süden  zu. 

21)  III.  B.  4.  Cap.     22)  Von  Ost  nach  Südwest. 

23)  Nämlich  von  Aquitanien  aus. 

24)  Umfasste  Navarra,    Arragonien,  Catalonien  und   einen  Theil 
von  Castilien  und  Valencia. 

25)  Guipuzcoa. 


^$46  Viertes  Buch. 

Olarso  x),  die  Städte  der  Varduler  als:  Morisgi 2),  Menosca  3), 
Vesperies4),  der  Hafen  der  Amanen,  wo  jetzt  die  Colonie 
Flaviobriga  5)  liegt.  Das  Gebiet  der  Cantabrer  6)  mit  9  Ge- 
meinden ,  der  Fluss  Sauga 7) ,  der  Hafen  Victoria  Julio- 
brigensium  8).  40,000  Schritte  davon  entspringt  der  Iberus  9). 
Der  Hafen  Blendium10).  Die  Orgenomescer,  ein  Stamm  der 
Cantabrer,  mit  ihrem  Hafen  Vereasueca. n)  Das  Gebiet  der 
Asturer12),  die  Stadt  Noega13);  auf  einer  Halbinsel  die  Pä- 
sicer  u).  Dann  folgt  der  Lucensische  15)  Kreis  vom  Flusse 
Navibulio 16)  an ,  worin  die  Cibarcer 17) ,  Egovarrer 18)  mit 
dem  Beinamen  Nonnariner,  die  Jadoner,  Arrotreber,  das 
celtische  Vorgebirge19).  Die  Flüsse  Florius20)  undNelo21). 
Die  Celticer  mit  dem  Beinamen  Nerier22)  und  über  diesen 
die  Tamaricer 23),  auf  deren  Halbinsel 24)  die  drei  von  Sestius 
dem  Augustus  geweihten  Altäre  sich  befinden25).  Die  Co- 
porer26),  die  Stadt  Noela27);  die  präsonnarcischen  Celticer 
und  Cilener 28).  Von  den  Inseln  verdienen  Corticata 29)  und 
Aunios30)  genannt  zu  werden.  An  die  Cilener  grenzt  der 
Kreis  der  Bracarer31),  die  Helener32),  Gravier,  das  Schloss 
Tyde33),  sämmtlich  griechischen  Ursprungs.  Die  Inseln 
Cicä34),  die  berühmte  Stadt  Abobrica 35),  der  Fluss  Minius36), 
welcher  bei  seiner  Mündung  4000  Schritte  breit  ist.  Die 
Leuner  und  Seurber37),   die   bracarische  Stadt  Augusta38), 


')  Ojarsun.     -)  Motrico.     3)  St.  Sebastian? 

4)  Bermes.     5)  Bilbao.    6)  Asturias  de  Santillana.     7)  Saja. 

8)  Santander.     9)  Ebro.     ,0)  Blencia.     »>)  Laredo. 

B)  Asturias  de  Oviedo.     ,3)  Navia. 

,4)  Am  Cabo  de  Pennas  in  Asturien.     ,6)  Lugo  in  Gallicien. 

,6)  Nalon.     17)  Luarca.     ,8)  Alvare.     19)  Cap  Finisterre. 

»)  De  Oro.    21)  Allonos.     22)  Am  Cap  Finisterre. 

23)  Trestamara.    24)  Cabo  Villano. 

25)  Diese  Altäre  wurden  nach  dem  Feldzuge  gegen  die  Cantabrer 
(24—18  vor  Chr.)  errichtet. 

26)  Compostella.    2T)  Noalla.    28)  Caldas  de  Rey.    29)  Salvora. 
30)  Ons.     3l)  Braga.    32)  Pontevedra.    M)  Tuy.    34)  Cies. 

35)  Bayona.    36)  Minho. 

37)  In  der  Provinz  Entre  Duecro  y  Minho.    38)  Braga. 


Viertes  Buch.  347 

ttber  welcher  Galläcia *)  liegt  Der  Fluss  Limia 2) :  der 
Fluss  Durius  3) ,  einer  der  grössten  Spaniens ,  der  im  Pe- 
lendonischen  4)  entspringt,  bei  Numantia 5)  vorüber  fliesst, 
dann  seinen  Lauf  durch  die  Länder  der  Arevacer  und  Vac- 
cäer  nimmt,  Asturien  von  den  Vettonen,  Lusitanien  von  den 
Galläcern,  und  die  Turduler  von  den  Bracaren  trennt  Dieser 
ganze  von  den  Pyrenäen  beginnende  Länderstrich  ist  reich 
an  Gold-,  Silber-,  Eisen-,  weissem  und  schwarzem  Blei- 
Bergwerken. 

35. 
Am  Durius  beginnt  Lusitanien6);  darin:  die  alten 
Turduler  7),  die  Päsurer  8),  der  Fluss  Vagä  9),  die  Stadt  Ta- 
labrica10),  die  Stadt  und  der  Fluss  Aeminium11),  die  Städte 
Conimbrica12),  Collippo13),  Eburobritium.14)  Von  hier  aus  läuft, 
gleich  einem  grossen  Home,  ein  Vorgebirge15)  ins  hohe 
Meer,  welches  Einige  das  artabrische,  Andere  das  grosse, 
Viele  aber  nach  einer  Stadt 16)  das  olisiponensische  nennen, 
und  das  die  Länder,  Meere  und  die  Klimate  trennt;  denn 
hier  endigt  sich  eine  Seite  Spaniens  und  bei  ihm  nimmt 
der  vordere  Theil  seinen  Anfang.  Auf  dieser  Seite  ist  Nor- 
den und  der  gallische  Ocean,  auf  der  anderen  Westen 
und  der  atlantische  Ocean.  Nach  Einigen  beträgt  der 
Vorsprung  dieses  Vorgebirges  60,000,  nach  Andern  90,000 
Schritte.  Die  Entfernung  von  hier  bis  zu  den  Pyrenäen 
geben  nicht  Wenige  auf  1,250,000  Schritte  an,  und  ver- 
setzen durch  einen  offenbaren  Irrthum  das  Volk  der  Ar- 
tabrer,   welches  nie  hier  wohnte,   dahin;   denn  durch  eine 


')  Dieses  Land  begriff,  mit  Ausnahme  einiger  kleiner  Küsten- 
striche, Galizien,  Asturien,  Theile  von  Leon  und  Valladolid  und  die 
portugiesischen  Provinzen  Entre  Duero  y  Minho  und  Tras  los  Mon- 
tes  in  sich. 

2)  Lima.    3)  Duero.    4)  Provinz  Burgos. 

s)  Siehe  über  diesen  und  die  folgenden  Namen  in  diesem  Cap. 
das  III.  B.  3.  und  4.  Cap. 

6)  Portugal.    7)  Auf  der  Südseite  des  Duero. 

8)  L.  Joao  de  Pesqueira.    9)  Vouga.     ,0)  Talavera  de  la  Reyna. 

")  Dorf  Minho  und  Fluss  Quadalete.     I2)  Coimbra.     ,3)  Covilho. 

M)  Aveiro.     ,5)  Ortegal.     16)  Olisipo  (Lissabon^. 


348  Viertes  Buch. 

Verwechselung  der  Buchstaben  lassen  sie  die  Arrotreber, 
von  denen  wir  schon  sagten  *),  dass  sie  vor  dem  celtischen 
Vorgebirge  wohnen,  an  diesem  Orte  leben. 

Auch  selbst  bei  bedeutenden  Flüssen  hat  man  sich  ge- 
irrt, Von  dem  bereits  erwähnten  Minius  ist,  wie  Varro 
berichtet,  der  Aeminius  200,000  Schritte  entfernt;  letztern 
verlegen  aber  Einige  wo  anders  hin  und  nennen  ihn  Limäa; 
bei  den  Alten  hiess  er  der  Fluss  der  Vergessenheit,  und 
viel  wurde  über  ihn  gefabelt 2).  Vom  Durius  liegt  der  Ta- 
gus  3)  200,000  Sehritte  entfernt,  und  zwischen  ihnen  fliesst 
der  Munda4).  Der  Tagus  ist  durch  seinen  Goldsand  be- 
kannt. 160,000  Schritte  von  ihm  springt  das  heilige  Vor- 
gebirge 5)  fast  in  der  Mitte  von  Spaniens  Vorderseite  her- 
vor. Nach  Varro  beträgt  die  Entfernung  bis  zur  Mitte  der 
Pyrenäen  1,400,000  Schritte;  bis  zum  Anas6),  den  wir  als 
Grenze  zwischen  Lusitanien  und  Bätica  bezeichnet  haben, 
126,000  Schritte,  und  bis  nach  Gades  noch  102,000  Schritte 
mehr.  Dortige  Völker  sind:  die  Celticer,  Turduler  und 
am  Tagus  die  Vettoner.  Vom  Anas  bis  zum  heiligen  Vor- 
gebirge wohnen  die  Lusitaner  7).  Bemerkenswerthe  Städte 
an  der  Mündung  des  Tagus  sind:  Olisipo8),  berühmt  da- 
durch ,  dass  dort  die  Stuten  durch  den  Westwind  trächtig 
werden;  Salacia  9)  mit  dem  Beinamen  die  Kaiserstadt,  Me- 
robrica10),  Ossonoba11),  Balso12)  und  Myrtili13);  das  heilige 
Vorgebirge  und  ein  anderes  Cuneus u)  genannt. 

Die  ganze  Provinz  wird  in  drei  Kreisbezirke  einge- 
theilt,  in  den  emeritensischen,  pacensischen  und  scalabita- 


■)  Im  34.  Cap. 

*)  Nach  der  Sage  vergassen  die  Turduler  und  Celten,  welche 
auf  einem  Zuge  begriffen  waren,  an  seinen  Ufern  ihr  Vorhaben  und 
die  Heimkehr.  Man  schrieb  es  der  Wirkung  des  Flusses  zu,  und 
Brutus  hatte  grosse  Mühe,  seine  Soldaten  zum  Uebergange  über  den- 
selben zu  bewegen.    S.  Florus  II.  17. 

3)  Tago.    4)  Mondego.     5)  Cap  St,  Vincent.     6)  Guadiana. 

7)  In  Algarvien.     8)  Lissabon.    9)  Alcacer  do  Sal. 

,0)  Santjago  de  Cacem.    Il)  Estomba.    ,2)  Apalhao.     ,3)  Mertola. 

u)  Cap  S.  Maria. 


Viertes  Buch.  349 

nischen.  Im  Ganzen  enthält  sie  46  Völkerschaften,  worun- 
ter 5  Colonien,  1  Municipalstadt  mit  römischem  Bürger- 
rechte, 3  mit  alt  lateinischen  Rechten  und  36  zinsbare.  Die 
Colonien  heissen:  Augusta  Emerita  *)  am  Flusse  Anas,  Me- 
tallinensis  2),  Pacensis  3),  Norbensis  4)  mit  dem  Beinamen 
Cäsariana.  Zu  letzterer  gehören  Castra  Servilia  5)  und  Cas- 
tra  Cäcilia  6).  Die  fünfte  Colonie,  Sealabis  7),  heisst  auch 
Präsidium  Julium.  Die  Municipalstadt  mit  römischem  Bürger- 
rechte heisst  Olisipo  mit  dem  Beinamen  Felicitas  Julia. 
Die  Städte  mit  altlateinischen  Rechten  sind:  Ebora  8)  oder 
Liberalitas  Julia,  Myrtili  und  Salacia,  die  bereits  genannt 
sind.  Von  den  zinsbaren  Völkern  verdienen,  ausser  den 
unter  den  Beinamen  bei  Bätica  schon  erwähnten,  noch  an- 
geführt zu  werden:  die  Augustobrigenser  9),  Ammienser 10), 
Aranditaner11),  Arabricenser 12),  Balsenser 13),  Cäsarobricen- 
ser14),  Caperenser 13),  Caurenser 16),  Colarner17),  Cibilitaner, 
Concordienser 18),  Elbocorier19),  Interamnienser,  Lancienser20), 
die  celtischen  Mirobrigenser 21) ,  Medubrigenser  oder  Plum- 
barier,  Ocelenser 22)  oder  Lancienser,  Turduler 23)  oder  Bar- 
duler  oder  auch  Taporer24).  Agrippa  giebt  die  Länge  Lu- 
sitaniens  nebst  Asturien  und  Galläcien  auf  540,000 ,  die 
Breite  auf  536,000  Schritte  an.  Der  Umfaug  der  ganzen 
Seeküste  Spaniens  aber  von  einem  pyrenäischen  Vorgebirge 
bis  zum  andern  beträgt  nach  Einigen  3,922,000,  nach  An- 
dern 2,600,000  Schritte. 

36. 
Celtiberien   gegenüber   liegen    mehrere  Inseln,   unter 


J)  Merida.    '-)  Medellin.     3)  Beja. 

*)  Alcantara.    5)  Truxillo.    6)  Caceres. 

7)  Santarem.     8)  Evora. 

°)  Muro.     ,0)  Almeida.     •»)  Abrantes.     ,2)  Brega. 

'3)  Apalhao.     ,4)  Ciudad  Rodrigo. 

,5)  Las  Ventas  de  Capara. 

,6)  Coria.     ")  Villa  Cova  a  Coelheira.     I8)  La  Guarda. 

I9)  Celorico.    20)  Sollahco.    2I)  Miranda.    22)  Fermoselle. 

'a)  Bei  Badajoz.    2<)  Tavova. 


350  Viertes  Buch. 

denen  die  von  Griechen  sogenannten  Cassiteriden  x)  ihren 
Namen  wegen  ihrer  Ergiebigkeit  an  Blei  haben.  In  der 
Gegend  des  arrotrebarischen  Vorgebirges 2)  liegen  die  6 
Götterinseln  3),  von  Einigen  auch  die  glücklichen  genannt. 
An  der  Spitze  von  Bätica  aber,  25,000  Schritte  von  der 
Mündung  der  Meerenge,  liegt  Gadis  4),  nach  Polybius  12,000 
Schritte  lang  und  3000  breit,  Ihre  Entfernung  vom  näch- 
sten Theile  des  Festlandes  beträgt  nicht  ganz  700  Fuss, 
an  den  übrigen  Stellen  aber  mehr  als  7000  Schritte.  Ihr 
Flächenraum  beläuft  sich  auf  15,000  Schritte;  auch  hat  sie 
eine  Stadt  mit  römischem  Bürgerrechte,  welche  Augusta 
Julia  Gaditana  5)  heisst.  Nach  Spanien  zu  liegt  in  einer 
Entfernung  von  100  Schritten  noch  eine  andere  Insel 6), 
1000  Schritte  lang  uud  breit,  auf  der  vormals  eine  Stadt 
Gades  stand.  Ephorus  und  Philistides  nennen  diese  Insel 
Erythia,  Timäus  und  Silenus  7)  Aphrodisias,  die  Eingebo- 
renen aber  Junoinsel.  Nach  Timäus  heisst  die  grössere  8) 
Potimusa;  die  Kömer  nennen  sie  Tartessos,  die  Punier  Gadir, 
was  in  ihrer  Sprache  einen  Zaun  bedeutet.  Erythia  heisst 
sie  9)  deshalb,  weil  die  Tyrier,  die  Stammeltern  der  Punier, 
vom  erythräischen 10)  Meere  gekommen  sein  sollen.  Einige 
sind  der  Meinung,  die  Geryonen  u),  deren  Rinder  Herkules 
weg  führte,  hätten  daselbst  gewohnt;  Andere  aber  glauben, 
diess  sei  eine  andere  Insel  gleichen  Namens  gewesen,  die 
nach  Lusitanien  zu  läge. 

37. 
Nachdem  wir  nun  Europa  in  seinem  ganzen  Umfange 
abgehandelt  haben,   wollen  wir  der  Vollständigkeit  wegen 
den  Wissbegierigen  eine  kurze  Berechnung  des  Ganzen 


l)  Dies  sind  die  sorlingischen  oder  Scilly-Inseln,  die  aber  nicht 
bei  Spanien,  sondern  an  der  Südküste  Englands,  unweit  des  Cap 
Landsend  (der  Spitze  von  Cornwallis)  liegen.  Die  Phönicier  waren  die 
ersten  Entdecker  derselben  und  bezogen  viel  Zinn  (weisses  Blei)  daher. 

8)  Finisterre.     3)  Die  Azoren.    4)  Leon.     5)  Cadiz.    c)  S.  Petri. 

7)  Unbekannt.     8)  Leon.    9)  Die  kleinere.     ,0)  rothen. 

u)  Es  waren  nämlich  3  Brüder,  welche  diesen  Namen  führten, 
woraus  die  Sage  den  dreiköpfigen  Geryon  machte. 


Viertes  Buch.  351 

vorlegen.  Artemidorus  und  Isidorus  geben  die  Länge  dieses 
Erdtheils  vom  Tanais  bis  nach  Gades  auf  8,214,000  Schritte 
an.  Nach  Polybius  beträgt  die  Breite  von  Italien  bis  zum 
Ocean  1,150,000  Schritte;  allein  damals  war  die  wahre 
Grösse  von  Europa  noch  unbekannt,  denn  Italien  allein  ist 
bis  zu  den  Alpen,  wie  bereits  angezeigt,  1,120,000  Schritte 
lang.  Von  da  aber  über  Lugdunum  bis  zum  britannischen 
Hafen  der  Moriner  x)  sind  es  1,169,000  Schritte,  und  hier- 
auf mag  sich  Polybius'  Angabe  beziehen.  Ein  sichereres 
und  längeres  Maass  giebt  jedoch  eine  von  den  Alpen  gegen 
den  Sommersonnenuntergang  2)  und  die  Rheinmündung  hin 
über  das  Lager  der  deutschen  Legionen  gezogene  Linier 
welche  1,543,000  Schritte  lang  ist. 

Jetzt    gehen    wir    zur   Beschreibung  von   Afrika    und 
Asien  über. 


')  Das  schon  erwähnte  Gessoriacus  (Boulogne). 
2)  Nordwesten. 


Fünftes  Euch. 


Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte,  Häfen, 

Berge,  Flüsse  und  den  Völkern,  welche  noch  da  sind 

oder  da  waren. 

Die  Griechen  nannten  Afrika  Libyen  und  das  vor 
ihm  liegende  Meer  das  libysche.  Dieser  Erdtbeil  endigt 
mit  Aegypten,  und  kein  anderer  hat  weniger  Busen,  denn 
seine  Küste  zieht  sich  von  Westen  her  in  einer  schiefen 
Linie  hin.  Die  Namen  seiner  Völker  und  Städte  sind 
grösstentheils  nur  in  den  dortigen  Sprachen  auszudrücken 
und  jene  wohnen  fast  nur  in  festen  Burgen. 

1. 

Das  erste  unter  den  Ländern  Afrikas  heisst  Mauri- 
tanien  *);  es  war  bis  zum  Kaiser  Cajus,  dem  Sohne  des 
Germanicus,  ein  eigenes  Reich ,  wurde  aber  unter  dessen 
grausamer  Regierung  in  2  (römische)  Provinzen  getbeilt 2). 
Das  äusserste  am  Ocean  gelegene  Vorgebirge   nennen   die 


1)  Es  umfasste  Fez  und  Marocco  und  den  grössten  Theil  von 
Algier. 

2)  Nicht  unter  Cajus  (Caligula),  der  41  nach  Chr.  starb,  sondern 
im  folgenden  Jahre  unter  Claudius  wurde  Mauritanien  römische 
Provinz.  Jedoch  bahnte  Caligula  durch  die  Ermordung  des  letzten 
Prinzen  dieses  Reiches,  Ptolemäus,  dazu  den  Weg.  —  Die  westlich 
gelegene  Provinz  hiess  M.  Tingitana,  die  östliche  M.  Cäsariensis. 


Fünftes  Buch.  353 

Griechen  Anipelusia.  v)     Vormalige  Städte  waren  Lissa  und 
€otta  jenseits  der   Säulen   des   Hercules;  jetzt  heisst   die 
dort   befindliche  Stadt  Tingi 2).    Sie   wurde  von  Antäus  3) 
gebauet,  Kaiser  Claudius  aber  machte  sie  hernach  zur  Co- 
lonie   und   nannte  sie  Traducta  Julia.    Von  Belo  4) ,   einer 
Stadt  in  Bätica,   ist   sie  auf  dem  kürzesten  Wege  30,000 
Schritte  entfernt.     25,000  Schritte  davon  liegt  an  der  Küste 
des  Oceans  die  Colonie  des  Augustus,  Julia  Constantia  Zu- 
lil 5),  welche  der  Herrschaft  der  Könige  entnommen  ist  und 
unter  der  Gerichtsbarkeit  von  Bätica  steht.    Von  ihr  liegt 
Lixos  6) ,   eine  Colonie  des  Kaiser  Claudius ,   von  der  viele 
alte   Sagen   erzählt   werden,   32,000  Schritte   entfernt.    In 
dieser  Gegend  lag  die  Burg  des  Antäus,  hier  kämpfte   er 
mit  dem  Hercules,   hier  waren  die  Gärten  der  Hesperiden. 
Aus  dem  Meere  tritt  hier  das  Wasser  in  gewundnem  Gange 
ins  Laud,  wodurch,  nach  jetziger  Auslegung,  das  Bild  eines 
wachehaltenden  Drachen  entstanden  ist.   Jenes  eindringende 
Wasser  umschiiesst  eine  Insel,   welche  in  der  ganzen  be- 
nachbarten und  noch  höher  liegenden  Gegend  der  einzige 
Punkt   ist,  der  nicht  überfluthet  wird.    Auf  ihr  steht  auch 
noch    ein  Altar   des  Hercules,   allein  von  jenem,   goldene 
Früchte   tragenden  Haine   ist   ausser   einigeu    wilden  Oel- 
bäumen  nichts  mehr  vorhanden.     Man  wird  sich  über  die 
abenteuerlichen   Lügen   der   Griechen   rücksichtlich  dieser 
Gegenden   und   des  Flusses  Lixus  7)   weniger  verwundern, 
wenn  man  bedenkt,   dass  selbst  einige  von  unsern  Schrift- 
stellern noch  neuerlich  fast  ebenso  wunderliche  Dinge  da- 
von erzählt  haben.    Es  soll  nämlich  dort  eine  sehr  mäch- 
tige Stadt  und  grösser  als  Gross-Carthago  sein,  dieser  gegen- 


')  Cap    Spartel.    -)   Tanger. 

3)  Ein  Riese,  der  von  Hercules  erdrückt  wurde. 

1)  Bolonia.    5)  Arzilla  in  Fez. 

6)  In  Marocco,  jetzt  Larais  oder  El-Araisch.      Sie  war  ursprüng- 
lich eine  Colonie  der  Phönicier. 

7)  Lucos,   Linx,  Lix;  er  ergiesst  sich  bei  einer  Stadt  gleichen 
Namens  ins  Meer. 

•23 


354  Fünftes  Buch. 

über  liegen  und  von  Tingi  ausserordentlich  weit  entfernt 
sein.  Dergleichen  und  noch  andere  Märchen  hat  Corne- 
lius Nepos  mit  der  grössten  Leichtgläubigkeit  aufgegriffen. 

40,000  Schritte  von  Lixus  liegt  im  Innern  eine  zweite 
Colonie  des  Augustus,  Babba  1),  auch  Julia  Campestris  ge- 
nannt, und  75,000  Schritte  weiter  eine  dritte,  Banasa  2),  mit 
dem  Beinamen  Valentia.  35,000  Schritte  davon,  und  ebenso 
weit  von  beiden  Meeren  entfernt,  liegt  die  Stadt  Volubile  3). 
50,000  Schritte  von  Lixus  fliesst  an  der  Küste  der  Subur  4),. 
ein  stattlicher  und  schiffbarer  Strom,  neben  der  Colonie  Ba- 
nasa hin.  Ebenso  viele  tausend  Schritte  von  ihm  und  schon 
in  der  Nähe  der  Wüsten  liegt  die  Stadt  Sala  5),  am  gleich- 
namigen Flusse  6);  sie  wird  von  ganzen  Heerden  Elephanten, 
noch  weit  mehr  aber  von  den  Autololern  7) ,  durch  deren 
Land  der  Weg  zum  Atlas,  dem  fabelreichsten  Berge  Afrikas,, 
geht,  beunruhigt. 

Dieser  Berg  soll  sich  mitten  aus  den  Sandwüsten  zum 
Himmel  erheben,  auf  der  nach  der  Küste  des  von  ihm  be- 
nannten Oceans  gerichteten  Seite  rauh  und  unwirthlich,  hin- 
gegen nach  der  Landseite  zu  schattig,  waldig  und  von 
Quellen  bewässert  sein,  und  Früchte  aller  Art  von  selbst 
in  solcher  Menge  hervorbringen,  dass  es  jeder  Begierde  nie 
an  Befriedigung  fehlt.  Am  Tage  sehe  man  keinen  von  den 
Einwohnern,  überall  herrsche  tiefe  Ruhe  und  schauerliche 
Einsamkeit;  stille  Ehrfurcht  bemächtige  sich  der  Ge- 
müther der  Näherkommenden,  und  ein  Schauder  überfalle 
sie  beim  Anblick  des  über  die  Wolken  sich  erhebenden 
und  die  Sphäre  des  Mondes  fast  berührenden  Berges.  Des 
Nachts  glänze  er  von  zahlreichen  Feuern,  die  Aegipane  und 
Satyren  trieben  dort  ihre  muthwilligen  Scherze,  und  von 
dem  Klange  ihrer  Flöten  und  Pfeifen,  sowie  vom  Schalle 
ihrer  Pauken  und  Cymbeln  halle  er  wieder.  Alles  diess 
und  ausserdem  noch  die  daselbst  von  Hercules  und  Perseus 


')  Naranja  in  Marocco. 

2)  Alt-Mamore  am  Flusse  Subur  (jetzt  Seboun). 

3)  Gualili.     4)  Seboun.     5)  Salle.    6)  Buregreg.    7)  Bei  Fez. 


Fünftes  Buch.  355 

vollbrachten  Thaten  erzählen  berühmte  Schriftsteller.  Die 
Entfernung  bis  dahin  ist  ungeheuer  gross  und  noch  nicht 
sicher  bekannt. 

Es  existirten  auch  schriftliche  Notizen  des  carthagi- 
niensischen  Feldherrn  Hanno  J),  welcher  zur  Zeit  der  Blüthe 
des  punischen  Reichs  beauftragt  war,  den  Umfang  von 
Afrika  zu  ermitteln.  Diesem  sind  viele  griechische  nnd  rö- 
mische Schriftsteller  gefolgt;  sie  erzählen  aber  auch  manches 
Fabelhafte  und  sprechen  von  vielen  von  Hanno  dort  ange- 
legten Städten,  welche  weder  in  der  Erinnerung  noch  in 
der  Wirklichkeit  mehr  vorhanden  sind. 

Als  Scipio  Aemilianus  in  Afrika  den  Oberbefehl  hatte, 
tibergab  er  dem  Polybius,  dem  Verfasser  der  Annalen,  eine 
Flotte,  um  damit  diesen  Erdtheil  untersuchend  zu  um- 
schiffen 2).  Dieser  berichtete  nun,  dass  die  Entfernung  von 
jenem  Gebirge  3)  an  westlich,  wo  sich  Walduügen  voll  wil- 
der Thiere,  wie  sie  Afrika  erzeugt,  befänden,  bis  zum  Flusse 
Anatis  4)  485,000  Schritte  betrage.  Von  da  bis  nach  Lixus 
seien  es  205,000,  und  Lixus  sei  von  der  gaditanischen  Meer- 
enge 112,000  Schritte  entfernt.  Sodann  gelange  man  zu 
einem  Meerbusen,  Saguti 5)  genannt.  Weiterhin  folge  die 
Stadt  Mulelacha  6)  auf  einem  Vorgebirge ;  die  Flüsse :  Su- 
bur  und  Sala.  Der  Hafen  Rutubis  7),  213,000  Schritte  von 
Lixus  entfernt.  Hierauf  das  Vorgebirge  der  Sonne  8),  der 
Hafen  Risardir9),   die    gätulischen  Autololer 10),   der   Fluss 


')  Er  scheint  auf  dieser  Reise,  wie  sich  aus  seinen  Berichten 
ergiebt,  bis  Guinea  gekommen  zu  sein.  Die  Zeit,  wann  er  lebte, 
lässt  sich  nicht  mit  Gewissheit  angeben;  wahrscheinlich  fällt  sie  in 
das  sechste  Jahrhundert  vor  Chr.  G.  Nach  Heeren  war  der  Periplus 
(oder  Reisebericht,  der  sehr  früh  aus  dem  Punischen  ins  Griechische 
übersetzt  wurde)  eine  Inschrift,  die  Hanno  als  Denkmal  seiner  Reise, 
nach  der  Sitte  der  carthaginiensischen  Feldherren  und  Admirale,  im 
Tempel  des  Saturnus  zu  Carthago  aufstellte.  Ein  Fragment  dieses 
Periplus  besitzen  wir  noch  jetzt. 

*)  Im  Jahre  146  v.  Chi-. 

3)  Atlas.    4)  Ommirabih  in  Marocco.    6)  Alcassar.    G)  Malebata. 

")  Mazagan.     8)  Cap   Cantin. 

9)  Safty.     l0)  Zwischen  Risardir  und  dem  Sala. 

23* 


356  Fünftes  Buch. 

Cosenus  *),  die  Scelatiter  und  Masater2),  der  Fluss  Masa- 
tat3),  der  Fluss  Darat  4) ,  in  welchem  Krokodile  leben. 
Dann  komme  man  an  einen  Meerbusen,  der  eine  Ausdeh- 
nung von  616,000  Schritten  habe  und  von  einem  gegen 
Westen  auslaufenden  Vorgebirge  des  Berges  Barce  5) ,  Na- 
mens Surrentium 6) ,  eingeschlossen  werde.  Sodann  der 
Fluss   Salsus 7) ,   hinter    diesem    die    äthiopischen  Perorser, 

und  noch  weiter  hin  die  Pharusier  8) ,  an  welche  letztere, 
^egen  das  Innere  des  Landes  zu  die  darischen  Gätuler  9) 
grenzen.  An  der  Küste  aber  die  äthiopischen  Daratiter 10). 
der  mit  Krokodilen  und  Flusspferden  augefüllte  Bam- 
botus  u).  Von  hier  an  zögen  sich  die  Berge  ununterbrochen 
bis  zu  demjenigen  fort,  welchen  wir  später  unter  dem  Na- 
men Theon  ochema12)  (Götterwagen)  beschreiben  werden13). 
Von  da  soll  man  in  10  Tagen  und  Nächten  zum  hespe- 
rischen  Vorgebirge14)  hinüberschiffen;  mitten  in  diesen 
District  versetzte  er  den  Atlas,  der  nach  allen  andern  Schrift- 
stellern an  der  Grenze  von  Mauritanien  liegt. 

Zuerst  haben  die  Römer  unter  dem  Kaiser  Claudius  in 
Mauritanien  gekämpft,  als  der  freigelassene  Aedemon  den 
Tod  des  vom  Kaiser  Cajus  ermordeten  Königs  Ptolemäus 15) 
rächen  wollte;  da  aber  die  Barbaren  flohen,  gelangte  man 
bekanntlich  bis  zum  Berge  Atlas.  Und  nicht  allein  die  aus 
den  Consularen  und  dem  Senate  gewählten  Feldherren,  welche 
damals  dort  Krieg  führten,  sondern  auch  die  römischen 
Ritter,  welche  daselbst  im  Dienste  waren,  hatten  den  Ruhm, 
bis  zum  Atlas  vorgedrungen  zu  sein.  Fünf  römische  Colo- 
nien  befinden  sich,  wie  wir  bereits  gesagt  haben,  in  dieser 
Provinz,   und   es  möchte   daher  scheinen,   dass  wir  leicht 

')  Tensift.     2)  In  den  Ebenen  von  Akkeermute. 

:1)  Mogador.     4)  Suse.     5)  Daran.    6)  Geer.     7)  Messa. 

8)  Beide   Völker  wohnten   zwischen   dem    Cap    Geer    und    dem 
•Cap  Nun. 

9)  Vielleicht  in  der  marokkanischen  Provinz  Draha. 
,0)  Um  das  Cap  Nun.     ")  Nun. 

'-)  Ist  wohl  das  weisse  Vorgebirge.     ,:t)  VI.  B.  35.  Cap. 
M)  Cap  Bojador.     ,r,j  Der  letzte  König  von  Mauritanien. 


Fünftes  Buch.  357 

Nachrichten  von  dort  her  bekommen  könnten.  Allein  darin 
täuscht  man  sich,  wie  die  Erfahrung  lehrt,  oft  gar  sehr; 
denn  vornehme  Personen,  welche  gewöhnlich  zu  bequem 
sind,  um  die  Wahrheit  zu  erforschen,  entblöden  sich  aus 
Schaam  der  Unwissenheit  nicht,  zu  lügen,  und  man  lässt 
sich  nie  leichter  irre  führen,  als  wenn  ein  bewährter  Schrift- 
steller eine  Unwahrheit  behauptet.  Doch  darüber,  dass  so 
Manches  von  den  Rittern  und  selbst  von  denen,  welche  aus 
diesem  Stande  in  den  Senat  getreten  sind,  unerforscht  ge- 
blieben ist,  wundere  ich  mich  weit  weniger,  als  dass  es 
selbst  dem  Luxus  nicht  bekannt  wurde ,  dessen  Allgewalt 
sich  dadurch  schon  deutlich  erweist,  dass  die  Wälder  nach 
Elfenbein  und  Citrus  *),  alle  gätulischen  Felsen  aber  nach 
Muscheln  und  Purpurschnecken  durchsucht  werden. 

Nach  dem  Berichte  der  Eingeborenen  fliesst  in  der 
Nähe  der  Küste,  150,000  Schritte  vom  Sala  entfernt,  der 
Fluss  Asana  2),  welcher  salzig  schmecke,  aber  einen  ansehn- 
lichen Hafen  habe;  dann  folge  der  Fluss  Fut 3);  von  diesem 
bis  zum  Dyris  (denn  so  heisst  in  ihrer  Sprache  der  Atlas) 
sei  es  200,000  Schritte  und  dazwischen  liege  der  Fluss 
Vior  4).  Hier  sollen  sich  auch  noch  Spuren  eines  früherhin 
bewohnten  Landes  und  Ueberreste  von  Weinbergen  und 
Palmwäldern  befinden. 

Suetonius  Paulinus 5)  (den  wir  als  Consul  gesehen 
haben)  ist  der  erste  römische  Feldherr,  welcher  sogar  um 
einige  tausend  Schritte  über  den  Atlas  hinauskam;  seine 
Angabe  rücksichtlich  der  Höhe  dieses  Gebirges  stimmt  mit 
denen  der  Uebrigen  überein.  Den  Fuss  desselben  fand  er 
bedeckt  mit  dichten,  hohen  Wäldern,  die  aus  unbekannten 
Bäumen  bestanden;  sie  zeichneten  sich  aus  durch  hohe, 
glatte  und  glänzende  Stämme,  hatten  den  Cypressen  ähn- 
liche Blätter,  welche  einen  starken  Geruch  besassen  und 
mit  dünner  Wolle  bedeckt  waren,  aus  der  sich,  wie  aus  der 


')  S.  XIII.  B.  29.  C.    a)  Ommirabih?    3)  Tensift?    4)  Sus. 
5)  Er   war   Consul  mit  L.  Pontius   Telesinus    im   12.   Jahre  der 
Regierung  des  Nero,  66  n.  Chr. 


358  Fünftes  Buch. 

Baumwolle,  durch  künstliche  Behandlung  Kleider  anfertigen 
Hessen.  Der  Gipfel  des  Berges  war  selbst  im  Sommer  mit 
Schnee  bedeckt.  Nach  10  Tagemärschen  war  er  dahin  ge- 
gelangt, und  nachdem  er  durch  Wüsten  voll  schwarzen  San- 
des, aus  denen  sich  hie  Und  da  gleichsam  ausgebrannte 
Felsen  erhoben  und  durch  Gegenden,  die  der  Hitze  wegen 
unbewohnt  waren,  obgleich  er  zur  Zeit  des  Winters  dort 
eintraf,  gezogen  war,  kam  er  an  einen  Fluss  Namens  Ger  *). 
Die  Bewohner  der  benachbarten,  mit  Elephanten,  wilden 
Thieren  und  Schlangen  aller  Art  erfüllten  Bergwälder  wür- 
den Canarier  genannt;  ihre  gewöhnlichen  Nahrungsmittel  seien 
nämlich  die  Eingeweide  der  Hunde  und  anderer  wilder  Thiere. 
Dass  an  diese  ein  äthiopisches  Volk,  die  Perorser,  grenzt, 
ist  bekannt.  Juba2),  der  Vater  des  Ptolemäus,  der  zuerst  über 
beide  Mauritanien  herrschte,  durch  seinen  wissenschaftlichen 
Ruhm  aber  noch  merkwürdiger  war  als  durch  seine  Regie- 
rung, hat  ähnliches  vom  Atlas  berichtet  und  sagt  ausser- 
dem noch,  es  wachse  dort  ein  Kraut,  das  nach  seinem  Arzte, 
der  es  zuerst  fand,  Euphorbia  3)  genannt  werde.  Den  milch- 
artigen  Saft  desselben  rühmt  er  in  einem  eigenen  Buche 
wegen  der  vortrefflichen  Wirkung  auf  die  Sehkraft,  gegen 
Schlangen  und  alle  Gifte.  Doch  hiermit  sei  es  mehr  als 
genug  vom  Atlas. 

Die  Länge  der  tingitanischen  Provinz4)  beträgt 
170,000  Schritte.  Das  Hauptvolk  darin  war  vormals  das  der 
Mauren,  welche  meistens  Maurusier  genannt  werden  und 
wovon  auch  das  Land  seinen  Namen  hat.  Durch  Kriege 
geschwächt,  ist  es  bis  auf  einige  Familien  verschwunden. 


')  Sifelmel. 

2)  Sohn  des  von  Csesar  47  v.  Chr.  besiegten  Königs  Juba  von 
Numidien,  wurde  nach  Rom  gebracht  und  erhielt  daselbst  eine  so 
sorgfältige  wissenschaftliche  Ausbildung,  dass  man  ihn  als  einen 
der  gelehrtesten  Männer  seiner  Zeit  betrachtet.  Augustus  gab  ihm, 
nachdem  er  sich  mit  Cleopatra  Selene,  einer  Tochter  der  Cleopatra 
und  des  Antonius,  vermählt  hatte,  das  väterliche  Reich  zurück. 

3)  XXV.  B.  38.  Cap. 

4)  Sie  erstreckte  sich  vom  atlantischen  Meere  bis  zum  Flusse 
Molochhah. 


Fünftes  Buch.  359 

Ihnen  zunächst  wohnten  die  Massäsyler ,  welche  aber 
-auch  vertilgt  sind.  Jetzt  wohnen  daselbst  die  Gätuler,  Ban- 
jurer  und  die  sehr  mächtigen  Äutololer;  ein  Stamm  der 
Letztern,  die  Vesuner,  riss  sich  einst  von  ihnen  los,  bildete 
ein  eignes  Volk  und  siedelte  sich  an  den  Grenzen  der 
Aethiopier  an.  Der  östliche  Theil  der  Provinz  ist  gebirgig 
und  wird  von  Elephänten  bewohnt.  Diese  finden  sich  auch 
auf  dem  Abila *)  und  den  Bergen ,  welche  wegen  ihrer 
gleichen  Höhe  die  sieben  Brüder2)  heissen;  sie  sind  mit 
dem  Abila  verbunden  und  erstrecken  sich  bis  zu  der  Meer- 
enge 3).  Bei  ihnen  fängt  die  Küste  des  inneren  4)  Meeres 
an.  Es  folgt  nun  der  schiffbare  Fluss  Tamuda  5)  und  ehe- 
mals eine  Stadt  gleichen  Namens;  der  Fluss  Laud6),  der 
selbst  Seeschiffe  trägt.  Die  Stadt  und  der  Hafen  Ryhadir  7) ; 
der  schiffbare  Fluss  Malvana 8).  Die  Stadt  Siga 9) ,  Ma- 
laca 10)  in  Spanien  gegenüber,  der  Königssitz  des  Svphax  u) 
liegt  schon  im  andern 12)  Mauretanien.  Diese  Länder  haben 
lange  die  Namen  ihrer  Könige  geführt;  so  hiess  das  äusser- 
ste  (tingitanische)  Mauritanien  das  Bogudische  und  das 
cäsariensische  das  Land  des  Bocchus 13).  Dann  folgt  ein 
Hafen,  der  von  seinem  Umfange  der  Grosse14)  genannt 
wird,  und  eine  Stadt  mit  römischem  Bürgerrechte.  Der 
Fluss  Mulucha15),  welcher  das  Land  des  Bocchus  von  dem 
der  Massäsyler  scheidet.  Quiza  Xenitana16),  eine  Stadt 
der  Fremden;  Arsennaria 17)  mit  lateinischen  Rechten  und 
3600  Schritte  vom  Meere.  Cartenna18),  eine  Colonie  des 
Augustus,  von  der  zweiten  Legion  angelegt;  Gunugum19) 
eine  andere  Colonie  des  Augustus,  von  der  prätorianischen 


»)  Jibbel  el  Zatute.     -)  Sebat  Jibbel.    3)  Von  Gibraltar. 

4)  mittelländischen.     5)  Busega.    6)  Gomera.    7)  Melilla. 

8)  Mulvia.    9)  Nad-Ronia.     I0)  Malaga. 

")  König  der  Massäsyler  zur  Zeit  des  zweiten  punischen  Krieges. 

12)  Cäsariensischen,  grösstentheils  Algier. 

13)  Der  Schwiegervater  des  Jugurtha. 
,4)  Heisst  noch  jetzt  so:  Mersel  Kibir. 

,5)  Mulvia.     ,6)  Giza  bei  Oran.     ")  Arzew.     I8)  Tenez. 
t9)  Mostagan. 


360  Fünftes  Buch. 

Cohorte  gegründet.  Das  Vorgebirge  des  Apollo  x);  daselbst 
die  überaus  berühmte  Stadt  Cäsarea  2),  früher  Jol  genannt, 
die  Residenz  des  Juba,  vom  Kaiser  Claudius  mit  den  Rech- 
ten einer  Colonie  beschenkt;  Oppidum  novum  3),  auf  Befehl 
desselben  Kaisers  von  Veteranen  erbauet,  und  Tipasa 4) 
mit  lateinischem  Bürgerrecht.  Icosion  5)  wurde  vom  Kaiser 
Vespasianus  mit  demselben  Rechte  beschenkt.  Rusconiä  6), 
eine  Colonie  des  Augustus;  desgleichen  Rusazus  7),  Saide  8) 
und  Igilgili 9) ,  das  von  Claudius  mit  dem  Bürgerrechte 
belohnte  Rusucurium  10);  die  am  Meere  und  am  Flusse 
Ampsaga u)  belegene  Stadt  Tucca.  Im  Innern  des  Landes 
liegen  die  Colonien  des  Augustus.  Succabar12)  und  Tubu- 
suptus13).  Die  Städte  Timici  und  Tigavä14),  die  Flüsse 
Sardabal 15),  Aves 16),  Nabar 17)  und  Usar 18) ;  die  Macureber 
und  Nabader.  Der  Fluss  Ampsaga  ist  von  Cäsarea  322,000 
Schritte  entfernt.  Die  Länge  beider  Mauritanien  beträgt 
1,038,000,  die  Breite  467,000  Schritte. 

2. 
Am  Ampsaga  beginnt  Numidien19),  welches  durch  den 
Namen  des  Massinissa  berühmt  geworden  ist.  Die  Griechen 
nennen  es  das  Land  Metagonites,  die  Numidier  aber  heissen 
bei  ihnen  Nomaden,  von  der  Veränderung  ihrer  Weideplätze, 
wobei  sie  ihre  Zelte,  welche  die  Stelle  ihrer  Häuser  ver- 
treten, auf  Wagen  mit  sich  führen.  Städte  darin  sind: 
Cullu 20)  Rusicade 21),  und  48,000  Schritte  weit  davon  nach 
dem  Innern  des  Landes  zu  die  Colonie  Cirta22),  oder  der 


>)  Cap  Mostagan. 

2)  Scherschell,  nach  Andern:  Daraus,  Tenez  oder  Algier. 

3)  El  Cadara.    4)  Bei  Damus.    5)  Algier?    6)  Tadeies. 

7)  Acor.     8)  Dellys.     9)  Gigil.     ,0)  Coleah.     ")  Wad-el-Kibir. 

,2)  Zuckar.    ,3)  Burgh  am  Fusse  des  Berges  Jurgura.   ,4)  Lezzoute_ 

,5)  Shellif.     16)  Hasham.     ")  Teft'ert.     18)  Ajebbi. 

19)  Das  östliche  Algier.  Zur  Zeit  des  zweiten  punischen  Krieges 
war  es  in  2  Reiche  getheilt,  welche  Massinissa  202  v.  Chr.  vereinigte ; 
47  aber  machte  es  Cäsar  zu  einer  römischen  Provinz.  Siehe  die  An- 
merkung über  Juba  im  vorigen  Cap. 

«0  Cullo.    ")  Stora.    ö)  Constantine. 


Fünftes  Buch.  361 

Sittianer  1),  die  Colonie  Sicca  2)  und  die  freie  Stadt  Bulla 
Regia  3).  An  der  Küste  liegen  Tacatua  4),  Hippo  Regius  5), 
der  Fluss  Armua  6).  Die  Stadt  Tabraca  7)  mit  römischem 
Bürgerrechte;  der  Fluss  Tusca  8)  an  der  Grenze  von  Nu- 
midien.  Ausser  dem  numidischen  Marmor  und  wilden  Thie- 
ren  bringt  dieses  Land  nichts  ausgezeichnetes  hervor. 

3. 
Vom  Tusca  geht  das  zeugitanische  Gebiet 9),  welches 
auch  Afrika  im  engem  Sinne  genannt  wird,  an.  Drei 
ins  Meer  laufende  Vorgebirge,  das  weisse 10),  das  des  Apol- 
lo n),  Sardinien  gegenüber,  und  das  des  Mercur 12),  Sicilien 
gegenüber,  bilden  2  Meerbusen;  der  eine  ist  der  Hipponen- 
sische 13),  zunächst  der  Stadt,  welche  das  zerstörte  Hippo14), 
bei  den  Griechen  aber  wegen  des  durchströmenden  Was- 
sers Diarrhytus  heisst.  Ihm  zunächst,  nur  etwas  weiter 
von  der  Küste  entfernt,  liegt  die  steuerfreie  Stadt  Theuda- 
lis.  Dann  folgt  das  Vorgebirge  des  Apollo,  und  an  dem 
andern  Busen15)  die  Stadt  Utica16)  mit  römischem  Bürger- 
rechte, berühmt  durch  Cato's  Tod,  der  Fluss  Bagrada17). 
Die  Ruinen  von  Castra  Cornelia18),  die  Colonie  Carthago, 
auf  den  Trümmern  des  grossen  Carthago19);  die  Colonie 
Maxulla20).  Die  Städte  Carpi21),  Misua22)  und  das  freie 
Clupea23)  am  Vorgebirge  des  Mercur.  Ferner  das  freie 
Curubis 24)  und  Neapolis 25).    Nun  folgt  ein  anderer  Theil 


')  Von  Caesar  dem  römischen  Feldherrn  Sittius  geschenkt. 

2)  Kaff.    3)  Badja.     4)  Tamseh.     5)  Bona.    6)  Mafragg. 

7)  Tabarca.    8)  Zaine.    9)  Tnnis  und    Tripolis.  10)  Bas-el-Abeadh. 

,J)  Cap  Farina.     I2)  Cap  Bon.     >3)  Golf  von  Ben-Zert  (Biserta). 

")  Ben-Zert.     ,5)  Golf  von  Tunis.     16)  Booshatter. 

")  Megarada.     18)  Porto  Farina. 

19)  Schon  30  Jahre  nach  Carthago's  Zerstörung  schickte  Gracchus 
eine  Colonie  dorthin.  Augustus  befolgte  Caesar's  Plan  und  erbaute 
sie  wieder,  und  bald  ward  sie  eine  der  blühendsten  Städte  in  Afrika. 
439  n.  Chr.  wurde  sie  durch  die  Vandalen,  100  Jahre  nachher  aber 
durch  Belisar  eingenommen,  bis  endlich  697  die  Araber  sie  zerstör- 
ten.    Aus  ihren  Trümmern  stieg  Junis  hervor. 

20)  Rhades.    2«)  Gurta.    22)  Sidi  Doude.    23)  Calibia. 
24)  Hamman  Gurbos.    26)  Nobal. 


362  Fünftes  Buch. 

vom  engein  Afrika,  Byziacum,  dessen  Bewohner  Libyphö- 
nicier  heissen.  Byzacium  heisst  ein  Gebiet  von  250,000 
Schritten  im  Umfange,  von  so  ausserordentlicher  Frucht- 
barkeit, dass  der  Boden  den  Landleuten  hundertfältigen 
Ertrag  giebt.  Hier  liegen  die  freien  Städte  Leptis  x)  Ad- 
rumetum  2),  Ruspina  3),  Thapsus  4);  Thenä  5),  Macomades  6) 
und  Täcape 7).  Sabrata 8)  grenzt  an  die  kleinere  Syrte, 
bis  zu  welcher  die  Länge  Numidiens  und  Afrika's  vom 
Ampsaga  an  580,000  und  die  Breite,  soweit  sie  ermittelt 
ist,  200,000  Schritte  beträgt.  Dieser  Landstrich,  welchen 
wir  Afrika  (im  engern  Sinne)  genannt  haben,  wird  in  2 
Provinzen  eingetheilt,  in  das  neue  und  alte;  beide  sind 
durch  einen  Canal  geschieden,  der  nach  der  Uebereinkunft 
zwischen  dem  zweiten  Afrikanus 9)  und  den  Königen 10) 
bis  zur  Stadt  Thenä,  welche  216,000  Schritte  von  Carthago 
entfernt  ist,  geführt  wurde. 

4. 
Der  dritte  Busen  theilt  sich  wieder  in  zwei,  die  an 
den  beiden  Sy  rten11)  wegen  des  seichten  und  minder  über- 
fluthenden  Meeres  gefährlich  zu  befahren  sind.  Bis  zur 
nächsten  Syrte12),  welche  die  kleinere  ist,  beträgt  nach 
Polybius  die  Entfernung  von  Carthago  300,000  Schritte. 
Der  Seeweg  zu  ihr  selbst  ist  100,000  Schritte  lang,  und  im 
Umfange  hat  sie  300,000  Schritte.  Der  Landweg  zu  ihr 
aber,  den  man  nur  durch  Beobachtung  der  Gestirne  finden 
kann,  führt  durch  wüste  Gegenden  voll  Sandes  und  Schlan- 
gen. Nächstdem  folgen  waldige  Berge13)  voll  wilder  Thiere, 
weiter  nach  dem  Innern    öde  Gegenden,  welche  von   Ele- 


')  Leptisparva,  jetzt  Lempta ,  eine  phönicische  Colonie;  nicht 
weit  davon  lag  Leptisniagna,  jetzt  Lebda. 

2)  Mahometa.    3)  Bei  Monastiho.    4)  Damoss.     5)  Thainae. 

6)  Maharass.    7)  Cabes.     8)  Alttripolis.    9)  Der  jüngere  Scipio. 

,0)  Plinius  meint  hier  die  Söhne  des  Massinissa,  unter  welche 
Scipio  Africanus  das  väterliche  Reich  theilte. 

n)  Sandbänke  im  Meere. 

,2)  Meerbusen  von  Cabes. 

u)  Der  nördliche  Theil  von  Biledulgerid  (Dattelland). 


Fünftes  Buch.  363 

phanten  bewohnt  sind,  dann  ungeheuere  Wüsten  *);  und 
noch  weiter  hin  die  Garamanter  2),  welche  von  den  Augy- 
lern  3)  12  Tagereisen  entfernt  sind.  Hinter  jenen  wohnten 
vormals  die  Psyller,  an  welche  der  von  Wüsten  umgebene 
See  Lycomedes  grenzt.  Die  Augyler  wohnen  fast  in  der  Mitte 
und  sind  von  dem  nach  Westen  gelegenen  Theile  Aethio- 
piens  und  dem  zwischen  beiden  Syrten  liegenden  Land- 
striche 4)  gleichweit  entfernt.  Die  Küste  zwischen  den  bei- 
den Syrten  ist  250,000  Schritte  lang.  Hier  befindet  sich 
die  Stadt  Oea  5),  der  Fluss  und  das  Gebiet  Cinyps  6) ;  die 
Städte  Neapolis  7),  Graphara 8),  Abrotonum  9),  das  andere 
oder  sogenannte  grosse  Leptis.  Dann  folgt  die  grosse 
Syrte10),  mit  einem  Umfange  von  625,000  Schritten;  von  der 
Küste  ist  sie  312,000  Schritte  entfernt.  An  derselben  woh- 
nen die  Cisipader.  Die  Küste  am  innersten  Theile  des 
Meerbusens  hiess  Lotophagon u),  auch  Alachroas,  und  ging 
bis  zu  den  aus  Sand  bestehenden  Altären  der  Philäner12). 
Nicht  weit  davon  auf  dem  Festlande  befindet  sich  ein  grosser 
Sumpf13),  der  den  Fluss  Triton14)  aufnimmt  und  auch  nach 
ihm  benannt  wird;  Callimachus  nennt  ihn  Pallantias  und 
setzt  ihn  diesseits  der  kleinern  Syrte;  nach  Andern  liegt 
er  zwischen  beiden  Syrten.  Das  Vorgebirge,  welches  die 
grössern  einschliesst,  heisst  Borion15).  Weiterhin  folgt  die 
cyrenaische  Provinz 16). 

Bis  hierher  zählt  Afrika  vom  Flusse  Ampsaga  an  516 


')  Die  Wüste  Sahara. 

2)  Diese  scheinen  demnach  zwischen  dem  Nil  und  Niger  im  süd- 
-östlichen  Theile  von  Libyen  gewohnt  zu  haben. 

3)  Oase  Augila  (Udschila).    4)  Staat  von  Tripolis. 

5)  Tripoli  vecchia.     6)  Wadi-Quaam.    7)  Tripolis?    8)  Tezura. 
9)  Identisch  mit  Sabrata.     ,0)  Busen  von  Sidra. 

11)  Das  Gebiet  der  Lotusesser,  welche  sich  vorzüglich  von  der 
Frucht  des  Rhamnus  Lotus  nährten. 

12)  Zwei  Brüder  aus  Carthago,  die  durch  ihre  heldenmüthige 
Aufopferung  die  Grenzen  ihres  Vaterlandes  bedeutend  erweiterten. 
Vergl.  Sallust  im  jugurth.  Kriege  C.  79.  Valer.  Max.  V.  6  und  Pom- 
pon.  Mela  I  7. 

,3)  Ludeah.     M)  El-Hamniah.     15)  Tajuni.     ,6)  Wüste  Barca. 


364  Fünftes  Buch. 

Völker,  welche  den  Römern  unterthan  sind.  Darunter  be- 
finden sich  6  Colonien,  Dämlich,  ausser  den  schon  genannten  *), 
Uthina 2)  und  Tuburbis3);  15  Gemeinden  mit  römischem 
Bürgerrechte,  von  denen  folgende,  im  Innern  belegen,  zu 
merken  sind:  die  assuritanische  4) ,  abutucensische ,  aberi- 
nasische,  canopische  5),  chilmanensische  6),  simittuensische  7), 
thunusidensische,  tuburnicensische,  tynidrumensische,  tibig- 
mesische ,  gross-  und  klein-ucitanische  und  vagensische. 
Eine  lateinische  Stadt:  Uzalitanum.  Eine  zinsbare  Stadt: 
Castra  Cornelia.  30  freie  Gemeinden,  von  denen  folgende 
nach  dem  Innern  zu  liegende  zu  nennen  sind:  die  acholi- 
tanische  8),  aggaritanische ,  arinensische,  abziritanische,  ca- 
nopitanische ,  melizitanische,  materensische,  salaphita- 
nische,  tusdritanische  9),  tiphicensische,  tunicensische, 
theudensische,  tagastensische,  tigensische,  ulusubritanische, 
andere  vagensische,  visensische  und  zamensische 10).  Von 
den  übrigen  sind  die  meisten  nicht  bloss  Stadtgemeinden, 
sondern  sie  können  mit  Recht  Völker  genannt  werden,  als: 
die  Natabuder,  Capsitaner n),  Musulamer,  Sabarbarer,  Mas- 
syler,  Nisiver,  Vamacurer,  Cinither,  Mussuner,  Marchubier 
und  ganz  Gätulien  bis  an  den  Fluss  Nigris12),  der  Afrika 
von  Aethiopien  scheidet. 

5. 
Die  cy renaische  oder  pentapolitanische13)  Landschaft 
ist  durch  das  Orakel  des  Hammon14),  welches  von  Cyrene 
400,000   Schritte   entfernt   liegt,   ferner   durch  die  Sonnen- 


')  Cirta,  Sicca,  Carthago  und  Maxulla.     -)  Udine.     3)  Tuburbo. 

4)  Keff.     5)  Zwischen  Tabarca  und  dem  Fluss  Medsjerda. 

°)  Südlich  von  Rhades.    7)  Oestlich  von  Bugia. 

8)  Ruinen  von  Acholla  beim  tunesischen  Flecken  Elalia. 

M)  Jemma. 

10)  Zama,  jetzt  Zowarin,  lag  5  Tagereisen  von  Carthago  im  innern 
Lande,  und  ist  bemerkenwerth  durch  die  Niederlage,  welche  Hanni- 
bal  hier  von  Scipio  erlitt. 

")  Gafia.    12)  Niger. 

,3)  Barka,  der  zweite  Name  deutet  auf  ihre  5  Hauptstädte. 

,4)  In  der  Oase  Siwah. 


Fünftes  Buch.  365 

Quelle  x),  vorzüglich  aber  durch  die  fünf  Städte,  Berenice  2), 
Arsinoe  3),  Ptolemais  4),  Apollonia  5)  und  Cyrene  6)  berühmt. 
Berenice,  an  der  äussersten  Spitze  der  Syrte,  hiess  früher, 
nach  den  fabelhaften  griechischen  Berichten,  die  Stadt  der 
(obengenannten)  Hesperiden.  Nahe  bei  der  Stadt  ist  der 
Fluss  Lethon  7),  auch  ein  heiliger  Hain,  wo  die  Gärten  der 
Hesperiden  gewesen  sein  sollen.  Sie  ist  von  Leptis  375,000 
Schritte  entfernt,  von  Arsinoe,  das  auch  Teuchira  genannt 
wird,  43,000  Schritte.  Dann  folgt  in  einer  Entfernung  von 
22,000  Schritten  Ptolemais,  vormals  Barce.  Nicht  weit,  da- 
von läuft  das  Vorgebirge  Phycus 8)  40,000  Schritte  weit 
ins  cretische  Meer  hinein;  von  dem  lacedämonischen  Vor- 
gebirge Tänarum 9)  ist  es  350,000  Schritte ,  von  Creta 
selbst  aber  225,000  Schritte  entfernt.  Hinter  ihm  liegt 
Cyrene,  11,000  Schritte  vom  Meere.  Vom  Vorgebirge  Phy- 
cus Apollonia  sind  24,000,  bis  zum  Cherronesus 10)  88,000 
und  von  da  bis  Catabathmus u)  216,000  Schritte.  In  der 
Nähe  wohnen  die  Marmariden,  welche  das  Land  vom  pa- 
rätanischen  Gebiete12)  bis  zur  grössern  Syrte  inne  haben. 
Dann  folgen  die  Ararauceler  und  an  der  Küste  der  Syrte 
selbst  die  Nasamoner,  welche,  wegen  ihrer  mitten  im  Sande 
belegenen  Wohnsitze,  von  den  Griechen  Mesammoner  ge- 
nannt worden  sind.  Das  cyrenaische  Gebiet  soll  in  einer 
Breite  von  15,000  Schritten  von  der  Küste  an  fruchtbar  an 
Bäumen  sein,  in  einer  gleichen  Breite  weiter  nach  dem 
Innern  zu  bloss  Feldfrüchte,  und  auf  dem  folgenden  30,000 
Schritte  breiten  und  250,000  Schritte  langen  Landstriche 
nichts  als  Laser13)  hervorbringen. 

Hinter    den   Nasamonen   wohnen   die   Asbister14)   und 
Macer15)   und   noch   weiter   die  Ammanter,   11  Tagereisen 



»)  Om-el-Abid.    -)  Bengaz.    3)  Teukna. 

')  Tolometa.     5)  Marza  Suza.     6)  Grenne  oder  Kurin. 

7)  Der  schmale  Kanal,  durch  welchen  ein  bei  Bengasi  liegender 
See  mit  dem  Meere  in  Verbindung  steht. 

8)  Ras  Sem.    '■>)  Matapan.     10)  Cap  Razat.     ")  Luccu. 
'-i  El  Baretoun.     13)  Vergl.  XIX.  B.  15.  Cap. 

M)  Südlich  von  Cyrene.     15j  Am  Wadi-Quaam. 


366  Fünftes  Buch. 

von  der  grösseren  Syrte  gegen  Westen  hin  und  ganz  von 
Sandwüsten  umgeben.  Sie  finden  jedoch  schon  leicht  in 
einer  Tiefe  von  etwa  2  Ellen  Wasser,  weil  die  maurita- 
nischen  Gewässer  sich  hier  sammeln.  Zum  Bau  ihrer 
Häuser  bedienen  sie  sich  statt  der  Steine  des  Salzes,  wel- 
ches sie  aus  ihren  Bergen  hauen.  7  Tagereisen  von  ihnen 
südwestlich  wohnen  die  Troglodyten,  mit  welchen  sie  nur 
wegen  des  Handels  mit  einem  Edelsteine,  dem  sogenannten 
Carbunkel *),  welcher  aus  Aethiopien  kommt,  in  Verbindung 
stehen.  Dazwischen  liegt,  nach  den  bei  der  kleinen  Syrte 
genannten  Wüsten  Afrika's  hin ,  Phazania  2) ,  wo  wir  das 
Volk  der  Phazanier  und  die  Städte  Alele  3)  und  Cilliba  4) 
unterworfen  haben;  ebenso  Cydamus 5)  in  der  Richtung 
von  Sabrata.  Von  hier  aus  zieht  sich  ein  langes  Gebirge 
von  Osten  nach  Westen,  welches  von  unsern  Schriftstellern 
das  schwarze  6)  genannt  wird,  entweder  weil  es  von  Natur 
wie  verbrannt  aussieht,  oder  weil  es  durch  die  Glüht  der 
Sonne  ausgebrannt  ist*  Dahinter  liegt  eine  Wüste;  dann 
Talgae,  eine  Stadt  der  Garamanter,  desgleichen  Debris,  an 
einer  Quelle,  deren  Wasser  von  Mittag  bis  Mitternacht  heiss 
und  von  Mitternacht  bis  Mittag  kalt  ist;  ferner  die  weltbe- 
rühmte Hauptstadt  der  Garamanter  Garama  7).  Ueber  alle 
diese  Städte  und  Länder  siegten  die  Römer  und  triumphirte 
Carnelius  Baibus  8) ,  der  einzige  Ausländer,  welchem  man 
einen  Triumph  halten  Hess  und  mit  den  Rechten  der  Qui- 
nten beschenkte;  er  war  nämlich  aus  Gades  gebürtig  und 
erhielt  mit  dem  älteren  Baibus,  seines  Vaters  Bruder,  das 
römische  Bürgerrecht.  Ein  merkwürdiger  Umstand,  den 
unsere  Schriftsteller,  neben  den  oben  genannten  von  ihm 
eroberten  Städten,  noch  berichtet  haben,  ist,  dass  er  die 
Namen  und  Bilder  aller  Völker  und  Städte,  ausser  Cida- 
mus  und  Garama,   in  folgender  Ordnung  im  Triumph  auf- 


')  Vergl.  XXXVII.  B.  25.  Cap.    2)  Fezzan.    3)  Mellulen. 

4)  Zuila.     5)  Gadamez. 

6)  Es  heisst  noch  jetzt  das  schwarze  (Soudah). 

7)  Gherma,  zu  Fez  gehörig.     8)  44  v.  Chr. 


Fünftes  Buch.  3(57 

führte:  die  Stadt  Tabudium  l),  das  Volk  Niteris,  die  Stadt 
Negligamella ,  das  Volk  oder  die  Stadt  der  Bubejer,  das 
Volk  der  Eniper,  die  Stadt  Thuba,  der  Berg  Niger,  die 
Städte  Nitibrum  und  Rapsa,  das  Volk  Discera,  die  Stadt 
Debris,  den  Fluss  Nathabur,  die  Stadt  Thapsagum,  das  Volk 
der  Nanniger,  die  Stadt  Bois  und  Pege,  den  Fluss  Dasi- 
bari 2).  Dann  folgten  ohne  Unterbrechung  die  Städte  Ba- 
racum,  Buluba,  Alasi,  Balla,  Galia,  Maxala  3),  Zizama  und 
endlich  der  Berg  Gyri 4),  in  welchem  der  vorangetragenen 
Aufschrift  zufolge  Edelsteine  vorkommen  sollen.  Den  Weg 
zu  den  Garamanten  hat  man  bis  jetzt  noch  nicht  ermitteln 
können,  da  räuberische  Züge  dieses  Volkes  die  Brunnen 
(nach  denen  man  nicht  tief  zu  graben  braucht,  wenn  man 
die  rechten  Stellen  weiss)  mit  Sand  verschütteten.  In  dem 
letzten  Kriege,  welchen  die  Römer  im  Anfange  der  Regie- 
rung des  Kaisers  Vespasian  mit  den  Orensern  führten,  ist 
ein  kurzer,  bloss  viertägiger  Weg  entdeckt  worden,  welcher 
„der  Weg  an  der  Felsenspitze  vorbei"  heisst.  Die  Grenze 
des  cyrenaischen  Gebietes  führt  den  Namen  Catabathmos  5); 
hier  liegt  eine  Stadt  gleichen  Namens  und  ein  von  steilen 
Höhen  umschlossenes  Thal.  Bis  hierher  misst  das  eyre- 
naische  Afrika  von  der  kleinen  Syrte  an  1,060,000  Schritte 
in  der  Länge  und,  so  viel  man  weiss,  800,000  Schritte  in 
der  Breite. 

6. 
Das  nun  folgende  Gebiet  heisst  das  libysche  Mareo- 
tis  6)  und  grenzt  an  Aegypten.  Darin  wohnen  die  Marma- 
riden,  Adyrmachiden  und  Mareoten.  Von  Catabathmos  bis 
Parätonium  7)  beträgt  die  Entfernung  86,000  Schritte.  Auch 
diese  Strecke  liegt  im  Innern  Apis  8),  wegen  der  Religions- 


»)  Tibesty.     2)  Azawan. 

3)  Missolat.     ')  Goriano.     5)  Lucco. 

6)  Die  ganze  Küstenstrecke  von  Lucco  bis  Alexandrien. 

7)  Al-Baretum. 

8)  Ist  mit  der  Stadt  Apis  auf  einer  Insel  im  See  Mareotis  nicht 
zu  verwechseln. 


368  Fünftes  Buch. 

Gebräuche  der  Aegypter  von  Interesse.  Von  da  ist  Parä- 
tonium  62,000  und  von  hier  Alexandrien  200,000  Schritte 
entfernt,  die  Breite  x)  beträgt  169,000  Schritte.  Eratosthenes 
giebt  den  Landweg  von  Cyrene  nach  Alexandrien  auf 
525,000  Schritte  an.  Nach  Agrippa  ist  ganz  Afrika  mit 
Einschluss  von  Unter-Aegypten,  vom  atlantischen  Meere  an 
3,040,000  Schritte  lang.  Polybius  und  Eratosthenes,  deren 
Angaben  man  für  die  richtigsten  hält,  bestimmen  die  Länge 
vom  Ocean  bis  Gross-Carthago  auf  1,100,000  Schritte,  von 
da  bis  Canopicunn,  der  nächsten  Mündung  des  Nils,  auf 
1,628,000  Schritte.  Isidorus  sagt,  von  Tingis  bis  Canopus 
sei  es  3,599,000  Schritte;  Artemidorus  nimmt  40,000  weniger 
als  Isidorus  an. 

7. 
Inseln  liegen  in  diesem  Meere  nicht  sehr  viele.  Die 
berühmteste  ist  Meninx  2),  25,000  Schritte  lang  und  12,000 
breit  und  von  Eratosthenes  Lotophagitis  genannt.  Sie  hat 
2  Städte,  Meninx  auf  der  afrikanischen  und  Troar  auf  der 
andern  Seite;  von  dem  rechts  liegenden  Vorgebirge 3)  der 
kleinen  Syrte  ist  sie  150,000  Schritte  entfernt.  100,000 
Schritte  von  ihr  zur  Linken  liegt  Cercina  4),  mit  einer  freien 
Stadt  gleichen  Namens;  sie  ist  25,000  Schritte  lang,  an  der 
breitesten  Stelle  halb  so ,  aber  am  äussersten  Ende  nicht 
über  5000  Schritte  breit.  Mit  ihr  steht  auf  der  nach  Car- 
thago  gerichteten  Seite  die  kleine  Insel  Ceremibis  5)  mit- 
telst einer  Brücke  in  Verbindung.  Lopadusa  G) ,  eine  6000 
Schritte  lange  Insel,  liegt  beinahe  50,000  Schritte  von  ihnen 
entfernt.  Dann  folgt  Gaulos  7)  und  Galata 8) ,  deren  Erde 
den  Scorpion,  ein  für  Afrika  gefährliches  Thier,  tödtet. 
Sie  sollen  auch  auf  Clypea  9),  welcher  Cosyra10)  mit  einer 
Stadt  gegenüber  liegt,  umkommen.  Dem  Busen  von  Car- 
thago  gegenüber,  zwischen  Sicilien  und  Sardinien,  liegen 
die  beiden  Altäre  des  Aegimuron n),  welche  aber  eher  den 


')  Nämlich  des  libyschen  Mareotis.     '-)  Dsjerbi.     3)  Cap  Dsjerbi. 
')  Kcrkeni.    5)  Oeto.    6)  Lampadosa.    7)  Gozzo.     8)  Galita. 
9)  Calibia.     ,0)  Pantalaria.     »)  Vergl.  Virgils  Aeneide  I.  113. 


Fünftes  Buch.  369 

Namen  Felsen  als  Inseln  verdienen.  Einige  Schriftsteller 
berichten,  sie  wären  vormals  bewohnte  Inseln  gewesen, 
aber  grösstenteils  versunken. 

8. 
Im  Innern  von  Afrika,  gegen  Süden,  nach  den  Gä- 
tulern  hin  und  hinter  denselben,  wohnen,  durch  Wüsten  ab- 
geschieden, zuerst  die  Libyägypter  *)  und  dann  die  Leuc- 
äthiopier 2).  Hinter  diesen  die  Nigritier,  Stämme  der 
Aethiopier,  an  dem  oben  genannten  Flusse3);  ferner  die 
nackten  Pharusier  4),  welche  bis  an  den  Ocean  reichen,  und 
die  schon  bei  den  Grenzen  von  Mauritanien  erwähnten  Pe- 
rorser.  Von  allen  diesen  Völkern  an  ziehen  sich  nach 
Osten  unermessliche  Wüsten  bis  zu  den  Garamanten,  Au- 
gylen  und  Troglodyten  hin.  Sehr  wahr  ist  die  Meinung 
derer ,  welche  zwei  Aethiopien  hinter  den  afrikanischen 
Wüsten  annehmen,  und  vor  allen  hat  Homer  5)  Recht,  der 
die  Aethiopier  in  die  östlichen  und  westlichen  theilt.  Der 
Fluss  Tigris  hat  dieselbe  Beschaffenheit  wie  der  Nil,  denn 
in  ihm  kommen  dasselbe  Schilf,  Papyrus  und  dieselben 
Thiere  vor,  und  er  schwillt  zu  derselben  Zeit  an.  Er  ent- 
springt zwischen  den  Gebieten  der  tareleischen  und  oeca- 
lischen  Aethiopier.  Die  Stadt  der  letztern,  Magium,  haben 
Einige  in  die  Wüsten  versetzt  und  sagen,  daneben  wohn- 
ten die  Atlauter,  die  halbwilden  Aegypaner,  die  Blemmyer, 
Ganphasanter,  Satyrer  und  Himantopoder.  Wenn  wir  ihnen 
glauben  wollen,  so  sind  die  Atlanter  den  menschlichen 
Sitten  und  Gebräuchen  fremd,  denn  unter  ihnen  findet 
keine  Namens-Bezeichnung  statt,  sie  sehen  die  auf-  und 
untergehende  Sonne  als  ein  ihnen  und  ihren  Aeckern  ver- 
derbliches Wesen  unter  schrecklichen  Verwünschungen  an; 
auch  träumen  sie  nicht  wie  andere  Menschen.  Die  Troglo- 
dyten graben  sich  Höhlen  ß),  welche  zu  ihren  Wohnungen 


')  Westlich  von  Thebais,  wo  jetzt  die  libysche  Wüste  ist. 

2)  In  der  Wüste  Sahara.     3)  Niger. 

4)  In  der  Gegend  das  Cap  Nun.     5)  Odyssee  I.  23. 

6)  Daher  ihr  Name,  von  TQOjy'/.r]  Höhle. 

24 


370  Fünftes  Buch. 

dienen,  nähren  sich  vom  Fleische  der  Schlangen,  ihre 
Stimme  ist  nur  ein  Schnarren,  und  desshalb  können  sie 
keine  ordentliche  Unterredung  halten.  Die  Garamanten 
haben  keine  Ehen,  sondern  vermischen  sich  mit  den 
Weibern  ohne  Unterschied.  Die  Augyler  verehren  nur 
die  Götter  der  Unterwelt.  Die  Gamphasanter  gehen  nacktr 
verstehen  nichts  von  Kriegführung  und  haben  keine  Ge- 
meinschaft mit  andern  Völkern.  Den  BlemmyerD  sollen  die 
Köpfe  fehlen,  Mund  und  Augen  aber  auf  der  Brust  stehen. 
Die  Satyren  haben  ausser  ihrer  Gestalt  nichts  Menschliches 
an  sich;  die  Aegipanen  sind  so  gestaltet,  wie  man  sie  ge- 
wöhnlich abbildet l).  Die  Himantopoden  haben  krumme 
Füsse  und  können  sich  nur  durch  Kriechen  fortbewegen. 
Die  Pharusier,  ehemals  Perser,  sollen  den  Herkules,  als  er 
zu  den  Hesperiden  reiste,  begleitet  haben.  Weiter  finde 
ich  von  Afrika  nichts,  was  erwähnenswerth  wäre. 

9. 

Mit  Afrika  hängt  Asien  zusammen,  welches  sich  nach 
Timosthenes  2)  von  der  eanopischen  Nilmündung  bis  zu  der 
Mündung  des  Pontus  2,639,000  Schritte,  und  nach  Eratho- 
sthenes  von  der  Mündung  des  Pontus  bis  zur  Mündung  des 
Mäotis  1,645,000  Schritte  weit  ausdehnt.  Die  Grösse  von 
ganz  Asien  mit  Aegypten  bis  zum  Tanais  geben  Artemidorus 
und  Isidorus  auf  5,375,000  Schritte  an.  Die  es  umspülenden 
Meere  haben  von  den  umwohnenden  Völkern  verschiedene 
Namen  erhalten,  weshalb  sie  zugleich  mit  diesen  genannt 
werden  sollen. 

Afrika  zunächst  liegt  Aegypten,  das  sich  in  südlicher 
Richtung  nach  dem  Innern  zurückzieht  und  bis  zu  den 
Aethiopiern,  welche  dahinter  wohnen,  reicht.  Den  unteren 
Theil  desselben  umschliesst  und  begrenzt  der  in  einen 
linken  und  rechten  Arm  getheilte  Nil,  dessen  canopische 
Mündung  auf  der  afrikanischen  Seite  von  der  pelusiacischen 
auf  der  asiatischen  Seite  170,000  Schritte  entfernt  ist.  Dieser- 


')  Nämlich  mit  rauhen  Bocksbeinen. 

a)  Admiral  der  Flotte  von  Ptolemäus  II.  Philadelphus. 


Fünftes  Buch.  371 

halb  haben  Einige  Aegypten  zu  den  Inseln  gerechnet,  und 
da  der  Nil  sich  so  theilt,  dass  er  dem  Lande  eine  dreieckige 
Gestalt  giebt,  so  haben  Viele  dasselbe  mit  dem  Namen  des 
griechischen  Buchstaben  Delta  bezeichnet.  Die  Länge  von 
dem  Punkte,  wo  der  Nil  sich  zuerst  theilt,  bis  zur  cano- 
pischen  Mündung  beträgt  146,000,  bis  zur  pelusiacischen 
aber  166,000  Schritte.  Der  oberste,  an  Aethiopien  grenzende 
Theil  heisst  Thebais.  Er  wird  in  Stadtbezirke  eingetheilt, 
welche  Nomen  heissen ;  sie  sind :  der  ombitische  x),  apollo- 
politische 2),  hermonthitische  3),  thinitische  4),  phaturitische5), 
coptitische  6),  ten tyri tische  7),  diospolitische  8),  antäopoli- 
tische  9),  aphroditopolitische10)  und  lycopolitische n).  Der 
an  Pelusium  grenzende  Distrikt  hat  folgende  Nomen:  den 
pharbatischen 12),  bubastitischen 13),  sethratischen  u)  und  tani- 
tischen15).  Das  übrige  Aegypten  aber  enthält  den  ara- 
bischen16), den  hammoniacischen,  welcher  sich  bis  zum 
Orakel  des  Jupiter  Hammon17)  ausdehnt,  den  oxyrynchi- 
tischen18),  leontopoli tischen 19),  athribitischen 20),  cynopoliti- 
schen21),  hermopolitischen 22),  xoitischen 23),  mendesischen 24), 
sebenny tischen25),  cabasitischen 26),  latopolitischen 27),  helio- 
politischen28),  prosopolitischen 29),  paropolitischen 30),  busiri- 
tischen31),  onuphitischen 32),  saitischen33),  ptenethuischen34), 


»)  Koum-Omboe.    2)  Edfu.    3)  Ermend. 

4)  Nach  dem  Städtchen  This    in   der  Nähe   von   Scheik-Abadu, 
dem  alten  Abydus. 

5)  Wahrscheinlich  der  von  Thebae.    6)  Kuft.    7)  Dendera. 
8)  How.    9)  Qua-ou-el-Kharab.     10)  Ed  Sof.     ")  Siut. 

12)  Belbeis.    ,3)  Basta. 

14)  An  der  Stelle  von  Heracleum,  dem  Hauptorte  dieses  Nomos, 
findet  man  jetzt  den  See  Menzaleh.     ,5)  Aschmun-Tanah. 
16)  Zwischen  dem  Delta  und  dem  arabischen  Meerbusen. 
,7)  Oase  Siwah.     18)  Beneseh.     ,9)  Tel-Essabe.     '■»)  Trieb. 
21)  Samalout.    22)  Aschmunein.     23)  Mehallet-el-Kebir. 
w)  Menzaleh.  25)  Semenhud.   26)  Dsjabas.  2T)  Esneh.    28)  Matareh. 

29)  Nach  der  Insel  Prosopitis,  welche  durch  2  Nilarme  (den  ca- 
nopischen  und  sebennytischen)  und  den  Kanal  Farauni  gebildet  wird. 

30)  Akmin.     31)  Abusir.     32)  Banub.    M)  Sah-el-Hadschar. 
M)  Bembeaw. 

24* 


372  Fünftes  Buch. 

phthempuischen  *),  naucratitischen  2),  inetelitischen  3) ,  gy- 
näcopolitischen 4)  und  nienelaitischen  in  der  Gegend  von 
Alexandrien.  In  Libyen  liegt  der  mareotische  Nomos  5)  und 
der  heracleopolitische  auf  einer  50,000  Schritte  langen  Nil- 
insel, auf  der  man  auch  die  Stadt  des  Herkules  6)  findet. 
Es  giebt  auch  zwei  arsinoitische  Nomen  7),  welche,  nebst 
dem  memphitischen  8),  den  obersten  Theil  des  Delta  bilden. 
An  diesen  grenzen  auf  der  Seite  nach  Afrika  hin  die  beiden 
oasitischeu  Nomen 9).  Einige  verändern  manche  dieser 
Nomen  und  führen  noch  andre  Nomen  an,  wie  den  heroo- 
politischen 10)  und  crocodilopolitischen u).  Zwischen  dem 
arsinoitischen  und  dem  memphitischen  Nomus  lag  ein  künst- 
licher See,  der  250,000  oder,  wie  Mucianus  berichtet, 
450,000  Schritte  im  Umfange  hatte  und  50  Schritte  tief 
war,  und  nach  dem  Könige,  welcher  ihn  angelegt,  der  See 
des  Moeiis12)  genannt  wurde.  62,000  Schritte  davon  liegt 
Memphis13),  die  ehemalige  Residenz  der  ägyptischen  Könige, 
von  welcher  der  Weg  bis  zum  Orakel  des  Hammou  12  Tage- 
reisen beträgt.  Bis  zur  Theilung  des  Nils  aber,  die  wir 
Delta  genannt  haben,  sind  es  15,000  Schritte. 

10. 
Der  Nil,  dessen  Quellen  man  noch  nicht  genau  anzu- 
geben weiss,  fliesst  zuerst  durch  wüste  und  brennend  heisse 
Gegenden,  und  ist  auf  dieser  Ungeheuern  Strecke  seiner 
Länge  nur  durch  Gerüchte  und  friedliche  Forschung,  nicht 
aber  durch  Kriege,  welche  die  Entdeckung  aller  übrigen 
Länder  veranlasst  haben,  bekannt,  Er  entspringt  (in  so 
weit  diess  der  König  Juba  hat  ermitteln  können)  auf  einem 
Berge  des  unteren  Mauritaniens,  nicht  weit  vom  Ocean,  und 


»)  Tafa. 

2)  Neucratis  lag  3  St.  südlich  vom  heutigen  Orte  Schabur. 

3)  Mentubes.    4)  Auf  der  Westseite  des  canopischen  Armes. 
s)  Mairiut.     6)  Anas- el-Wodj out.     7)  Adsjerut  und  Fejum. 

s)  Minieh.     9)  El  Wah  und  Charje. 

10)  Entspricht  dem  arabischen. 

n)  Entspricht  dem  einen  arsinoitischen  (Pejturi). 

n)  Birket-Kerum.     Ia)  Minieh. 


Fünftes  Buch.  373 

bildet  bald  darauf  einen  See,  welcher  Nilis  beisst.  In  dem- 
selben leben  die  Fiscbgattungen  Alabetä1),  Coracini2)  und 
Siluri3),  auch  Crocodile,  und  zum  Beweise  davon  hat  er 
einen  solchen  zu  Cäsarea4)  in  den  Tempel  der  Isis  ge- 
weihet, welcher  noch  heutzutage  daselbst  gezeigt  wird. 
Ausserdem  hat  man  beobachtet,  dass  das  Wasser  des  Nils 
sich  nach  der  Menge  des  in  Mauretanien  fallenden  Schnees 
und  Regens  richtet.  Aus  jenem  See  getreten  verbirgt  er 
sich,  als  verschmähe  er  es,  durch  sandige  und  schmutzige 
Gegenden  zu  fliessen,  auf  eine  Strecke  von  mehreren  Tage- 
reisen unter  der  Erde.  Hierauf  bricht  er  im  cäsariensischen 
Mauritanien,  da  wo  die  Massäsyler  wohnen,  unter  Bildung 
eines  andern,  noch  grössern  See's  hervor  (dessen  gleiche 
Fischarten  beweisen,  dass  es  der  Nil  ist),  gleichsam  als  ob 
er  sich  nach  den  Menschen  umsähe.  Wiederum  rinnt  er  in 
den  Sand  ein  und  versteckt  sich  20  Tagereisen  weit  bis 
an  die  Grenze  der  Aethiopier,  springt  aber,  sobald  er  die 
Nähe  von  Menschen  merkt,  wahrscheinlich  in  derjenigen 
Quelle,  welche  wir  Nigris  genannt  haben,  hervor.  Von  hier 
an  scheidet  er  Afrika  von  Aethiopien,  wird,  wenn  auch 
nicht  sogleich  von  Völkern,  doch  von  wilden  und  ungeheuren 
Thieren  umwohnt,  bringt  Wälder  hervor  und  zieht  sich 
unter  dem  Namen  Astapus5),  welches  in  der  Sprache  jener 
Völker  ein  aus  der  Finsterniss  kommendes  Wasser  bedeutet, 
mitten  durch  Aethiopien.  Er  bildet  unzählige  Inseln,  und 
einige  von  solcher  Grösse,  dass  er,  trotz  seiner  reissenden 
Schnelligkeit,  doch  nicht  weniger  als  fünf  Tagereisen  braucht, 
um  an  ihnen  vorbei  zu  fliessen.  Da,  wo  er  die  berühmteste 
derselben,  Meroe6),  umfliesst,  heisst  sein  linker  Arm  Asto- 
bores,  d.  h.  der  Arm  des  aus  der  Finsterniss  kommenden 
Wassers;   der   rechte   aber  Astosapes,   was   ihm  noch  die 


')  Gadus  Lota  L.  oder  Petromyzon  fluviatilis  L. 

2)  Labrus  nüoticas  L.     3)  Silurus  anguillaris  L. 

A)  Tenez.    5)  Der  Nilarm  Bahar-el-Azreck  (blauer  Strom). 

6)  Es  ist  eigentlich  eine  Halbinsel  (im  Innern  Aethiopiens),  die 
durch  den  Zusammenfluss  des  Astobores  (jetzt  Tagazze)  mit  dem 
Astosapes  (jetzt  Rahad)  entsteht. 


374  Fünftes  Buch. 

Bedeutung  des  verborgenen  giebt.  Den  Namen  Nil  erhält 
er  nicht  eher,  bis  sich  alle  seine  Gewässer  wieder  in  einem 
Bette  vereinigt  haben ;  doch  auch  dann  heisst  er  noch  einige 
Meilen  weit,  wie  auch  etwas  stromaufwärts,  Siris;  Homer1) 
nennt  ihn  auf  seinem  ganzen  Laufe  nicht  anders  als  Aegyp- 
tus,  Andere  nennen  ihn  Triton.  Weiterhin  stösst  er  auf 
Inseln  und  wird  durch  eben  diese  Hindernisse  angetrieben; 
zuletzt  eilt  er,  von  Bergen  eingeschlossen,  reissender  als 
irgendwo  anders,  einer  Gegend  Aethiopiens,  wo  die  Cata- 
puder  wohnen,  zu,  und  scheint  bei  seinem  letzten  Wasser- 
falle, zwischen  den  entgegenstrebenden  Felsen  mit  unge- 
heurem Getöse  eher  herabzustürzen  als  zu  fliessen.  Dann 
ergiesst  er  sich,  nachdem  seine  Wogen  gebrochen,  seine 
Heftigkeit  gezähmt  und  er  durch  den  langen  Weg  ermüdet 
ist,  obgleich  in  vielen  Mündungen,  doch  sanft  ins  ägyptische 
Meer.  Zu  gewissen  Zeiten  jedoch  schwillt  er  sehr  an,  über- 
schwemmt ganz  Aegypten  und  befruchtet  dadurch  das  Land. 
Man  giebt  verschiedene  Ursachen  dieses  Anwachsens 
an,  die  wahrscheinlichsten  aber  sind  folgende:  Entweder 
wird  er  durch  die  um  jene  Zeit  gerade  entgegenwehenden 
Passatwinde  2),  die  das  Meer  in  seine  Mündungen  drängen, 
zurückgetrieben,  oder,  es  sind  die  Sommerregen  Aethiopiens, 
indem  durch  dieselben  Winde  die  Wolken  aus  allen  Theilen 
der  Welt  dorthin  getrieben  werden.  Der  Mathematiker 
Timäus  hat  einen  etwas  dunkeln  Grund  angegeben ;  er 
sagt  nämlich:  der  Nil,  dessen  Quelle  Phiala  heisse,  ver- 
sinke in  unterirdische  Gänge  und  dampfe  zwischen  den 
rauchenden  Felsen,  welche  ihn  verbergen,  vor  Hitze.  Wenn 
nun  die  Sonne  um  jene  Zeit3)  in  seine  Nähe  komme,  so 
werde  er  durch  die  Gewalt  ihrer  Glüht  emporgehoben  und 
fliesse  über,  verberge  sich  dann  aber  wieder,  damit  er  nicht 
ganz  verzehrt  werde.  Diess  erfolge  beim  Aufgange  des 
Hundssternes,  wenn  die  Sonne  in  das  Zeichen  des  Löwen 
tritt,  also  senkrecht  über  der  Quelle  stehe,  wo  dann  in  jener 


>)  Odyssee  IV.  477.    2)  Etesiae. 
3)  Wo  nämlich  der  Nil  anschwillt. 


Fünftes  Buch.  375 

hegend  kein  Schatten  stattfindet.  Dagegen  sind  die  Meisten 
der  Meinung,  dass  der  Fluss  anschwelle,  wenn  die  Sonne 
nach  Norden  abweiche,  was  im  Zeichen  des  Krebses  und 
Löwen  geschieht,  und  daher  sei  er  dann  weniger  arm  an 
Wasser.  Sobald  aber  die  Sonne  wieder  in  das  Zeichen  des 
Steinbocks  und  nach  dem  Südpole  zurückkehrt,  werde  er 
aufgezehrt  und  fliesse  daher  wieder  spärlicher.  Wer  aber 
dem  Timäus  glaubt,  der  Fluss  könne  in  die  Höhe  gezogen 
werden,  der  bedeuke,  dass  daselbst  um  jene  Zeit  nirgends 
Schatten  ist 1 ). 

Der  Nil  beginnt  mit  dem  ersten  Neumonde  nach  dem 
Sommer-Solstitium  zu  wachsen  2),  jedoch  nur  laugsam  und 
massig,  wenn  die  Sonne  durch  das  Zeichen  des  Krebses, 
sehr  rasch  aber,  wenn  sie  durch  das  Zeichen  des  Löwen 
geht,  und  fällt  wieder  in  der  Jungfrau  auf  dieselbe  Weise, 
wie  er  gewachsen  ist.  In  seine  Ufer  tritt  er  zurück  in  der 
Waage,  und  zwar,  wie  Herodot  angiebt,  am  hundertsten 
Tage  3).  Während  seines  Wachsens  dürfen  die  Könige 
und  Präfecten  ihn  nicht  befahren.  Den  Grad  des  Wachs- 
thums  beobachtet  man  an  Zeichen,  die  in  den  Brunnen 
angebracht  sind.  Die  rechte  Höhe  ist  16  Ellen;  bei  niedri- 
gerem Stande  bewässert  er  nicht  alle  Gegenden,  bei  höherem 
bleibt  er  zu  lange  stehen,  weil  sein  Abfluss  mehr  Zeit  erfor- 
dert. In  letzterem  Falle  wird  wegen  des  feuchten  Bodens 
die  Saatzeit  verzögert,  in  jenem  fehlt  es  an  hinreichender 
Feuchtigkeit.  Beides  ist  von  bedeutendem  Einflüsse  für  das 
ganze  Land.  Bei  12  Ellen  Wasserstand  entsteht  Hungers- 
noth,  bei  13  Ellen  ist  noch  Mangel,  14  Ellen  verschaffen 
Heiterkeit,  15  Wohlstand,  16  Ueberfluss.  Der  höchste  Stand 
bis  auf  die  jetzige  Zeit  fand  unter  dem  Kaiser  Claudius 
statt  und  betrug  18  Ellen,  der  niedrigste  von  5  Ellen  wäh- 


')  Dass  also  der  Nil,  so  lange  die  Sonne  in  dieser  Gegend  ihre 
Strahlen  senkrecht  herabsendet,  wachsen  müsste,  was  doch  nicht 
der  Fall  ist. 

2)  Diess  wäre  im  Julius ,  allein  er  fängt  schon  Ende  April  zu 
steigen  an. 

3)  Nämlich  vom  Anfange  seines  Steigens  an  gerechnet. 


376  Fünftes  Buch. 

rend  des  pharsalischen  Krieges,  als  habe  der  Fluss  durch 
ein  Wunderzeichen  seinen  Abscheu  vor  dem  Morde  des 
grossen  Mannes  *)  darthun  wollen.  Wenn  das  Wasser  seinen 
höchsten  Standpunkt  erreicht  hat,  wird  es  durch  geöffnete 
Dämme  auf  das  Land  gelassen,  und  sobald  eine  Strecke 
vom  Wasser  wieder  frei  ist,  wird  sie  besäet.  Dieser  Fluss 
ist  auch  der  einzige,  welcher  keinen  Nebel  erzeugt. 

An  der  Grenze  von  Aethiopien,  bei  Syene, 2)  tritt  der 
Nil  in  Aegypten  ein.  Syene  heisst  eine  Halbinsel  von 
10C0  Schritten  im  Umfange,  auf  welcher  sich  nach  Arabien 
zu  ein  befestigtes  Lager,  an  der  entgegengesetzten  Seite 
aber  die  vier  philäischen  Inseln  befinden,  und  von  wo  die 
Theilung  des  Nils,  von  der,  wie  wir  gesagt  haben,  das  Land 
den  Namen  Delta  hat,  bOO,000  Schritte  entfernt  ist.  Dies 
Maass  hat  Artemidorus  angegeben,  und  bemerkt,  dass  auf 
dieser  Strecke  250  Städte  gelegen  hätten.  Juba  nimmt 
400,000  Schritte  an.  Aristcocreon  3)  bestimmt  die  Entfernung 
der  Insel  Elephantis 4)  vom  Meere  zu  750,000  Schritten. 
Diese  Insel  liegt  4000  Schritte  unter  dem  letzten  Nilfalle 
und  16,000  Schritte  über  Syene,  und  bis  dahin,  oder 
585,000  Schritte  von  Alexancliien  geht  die  Schifffahrt  der 
Aegypter.  So  sehr  haben  sich  die  eben  genannten  Schrift- 
steller geirrt.  Dort  sammeln  sich  die  äthiopischen  Fahr- 
zeuge, denn  diese  können  zusammengelegt  werden,  und  man 
trägt  sie  auf  den  Schultern  weiter,  so  oft  man  an  einen 
Wasserfall  kommt. 

11. 

Aegypten  rühmt  sich,  ausser  seiner  im  hohen  Alter- 
thume  erlangten  Celebrität,  zur  Zeit  der  Herrschaft  des 
Amasis  5)  20,000  Städte  gehabt  zu  haben,  und  auch  jetzt 
ist  es  noch  reich  daran,  wenngleich  sie  meist  unbedeutend 
sind.  Bemerkenswertli  sind  indessen:  die  Stadt  des  Apollo6),. 


')  Des  Pompejus,   der  nach  der   pharsalischen  Schlacht  bei  Pe- 
lusium  705  n.  R.  E.  oder  49  v.  Chr.  ermordet  wurde. 
2)  Assuan.     3)  Unbekannter  Schriftsteller. 
4)  Dsjesiret-el-Sag.     5)  Von  563—515  v.  Chr.    6)  Edfou. 


Fünftes  Buch.  377 

dann  die  der  Leucothea  *),  Gross-Diospolis  oder  Theben2), 
bekannt  wegen  seiner  100  Thore;  Coptos  3),  nahe  am  Nil, 
der  Stapelplatz  der  indischen  und  arabischen  Waaren.  Dann 
die  Stadt  der  Venus4),  noch  eine  des  Jupiter5)  und  Tentyris6) ; 
unterhalb  derselben  Abydus  7),  7500  Schritte  nach  Libyen 
zu  vom  Nil  entfernt  und  berühmt  als  die  Residenz  des 
Memnon  und  durch  den  Osiristempel.  Ferner  Ptolemais  8), 
Panopolis 9)  und  eine  zweite  Stadt  der  Venus10).  Nach 
Libyen  zu,  wo  die  Gebirge  die  Provinz  Thebais  begrenzen, 
liegt  Lycon11).  Bei  diesem  Gebirge  die  Stadt  des  Mer- 
cur1'2),  Alabastron,  die  Stadt  der  Hunde13)  und  die  schon14) 
genannte  des  Hercules.  Arsinoe  15)  und .  das  obengenannte 
Memphis;  zwischen  letzterer  Stadt  und  dem  arsinoitischen 
Nomos  liegen  auf  der  libyschen  Seite  die  Thiirme,  welche 
Pyramiden16)  genannt  werden,  das  Labyrinth17)  am  See 
Moeris  18),  welches  ohne  alles  Holz  erbauet  ist,  und  die 
Stadt  Crialon19).  Ausserdem  liegt  noch  im  Innern  auf  der 
arabischen  Seite  eine  sehr  berühmte  Stadt,  nämlich  die  der 
Sonne20.) 

Aber  mit  Recht  ist  das  an  der  Küste  des  ägyptischen 
Meeres,  auf  der  afrikanischen  Seile  liegende,  von  Alexander 
dem  Grossen  erbauete  Alexandrien  zu  rühmen.  Es  liegt 
12,000  Schritte  von  der  canopischen  Mündung  (des  Nils) 
entfernt  am  See  Mareotis21)  und  zwar  da,  wo  früher  Rha- 
cotes   stand.    Den  Plan   dazu  entwarf  der  Baumeister  Di- 


')  Wahrscheinlich  Ele-Kab. 

2)  Prachtvolle  Ruinen  bei  den  Dörfern  Luxor,  Carnak,   Medinet- 
Abu  und  Gurnu. 

3)  Kuft.     «)  Ed-Soph.     5)  How.    6)  Denderah. 

7)  Scheik-Abadu. 

8)  Trümmer  dieser  von  Ptolemäus  Philadelphus  erbaueten  Stadt 
finden  sich  bei  Menschieh. 

9)  Akmim.     ,0)  Atfieh.     ,l)  Syouth.     12)  Aschmunein. 
13)  El-Gis.     m)  Im  9.  Cap.     ,5)  Adsjerut. 

>6)  Beim  Dorfe  Gizeh.     l7)  S.  XXXVI.  B.  19.  Cap. 

I8)  Birket-Kerun.     19)  Soll  wohl  Crocodilopolis  heissen. 

*>)  Mattarieh.    21)  Birket  Mariut. 


378  Fünftes  Buch. 

nochares,  dessen  ausgezeichnetes  Talent  sich  dabei  auf 
mehrfache  Weise  zeigte;  er  gab  ihr  15000  Schritte  im  Durch- 
messer und  die  Gestalt  eines  macedonischen ,  am  Rande 
mit  Zipfeln  versehenen  Kleides  x) ,  indem  zur  rechten  und 
linken  Seite  Spitzen  ausliefen.  Schon  damals  wurde  der 
fünfte  Theil  ihrer  ganzen  Grösse  zur  königlichen  Residenz 
bestimmt. 

Der  See  Mareotis  auf  der  südlichen  Seite  der  Stadt  er- 
hält sein  Wasser  durch  einen  Kanal  aus  der  canopischen 
Mündung,  dient  zur  Beförderung  des  Handels  mit  dem  In- 
nern des  Landes  und  fasst  mehrere  Inseln  in  sich.  Die 
Ueberfahrt  über  denselben  beträgt  nach  Kaiser  Claudius 
30,000  und  sein  Umfang  150,000  Schritte.  Nach  Andern  ist 
er  40  Schönus,  den  Schönus  zu  30  Stadien  gerechnet,  lang, 
mithin  macht  die  Länge  150,000  Schritte  und  die  Breite 
ebensoviel  aus. 

Auch  zwischen  den  Ausflüssen  des  Nils  liegen  viele 
bedeutende  Städte,  besonders  die,  welche  den  Mündungen 
ihre  Namen  gegeben  haben,  jedoch  gilt  diess  nicht  von  allen 
(denn  es  sind  ihrer  12  und  ausserdem  noch  4,  welche 
falsche  Mündungen  heissen),  sondern  nur  von  den  7  wich- 
tigsten, nämlich  von  der  in  der  Nähe  von  Alerandrien  lie- 
genden canopischen  2) ,  dann  von  der  bolbitinischen  3),  se- 
bennytischen  4) ,  phatnitischen  5) ,  mendesischen  6) ,  taniti- 
schen  7)  und  endlich  der  pelusiacischen  8).  Ausserdem 
nenne  ich  noch  die  Städte:  Butos9),  Pharbäthos10),  Leon- 
topolis11),  Athribis12),  die  Stadt  des  Isis13),  Busiris14),  Cy- 
nopolis15),  Aphrodites16),  Sais17)  und  Nauceatis,  von  der 
Einige  eine  Mündung  die  naucratische  nennen,  welche  bei 
Andern  die  heracleotische  heisst  und  die  sie  der  ihr  zu- 
nächst liegenden  canopischen  vorziehen. 


»)  Chlamys.    2)  Bei  Abukir. 

3)  Bei  Rosette.     4)  Bei  Semenhud.     5)  Bei  Damiette. 
°)  Bei  Menzaleh.    7)  Bei  Aschrnun-Tanah.     8)  Bei  Tineh. 
9)  Bembeaw.    10)  Belbeis.    »)  Tel-Essabe.     ,2)  Trieb. 
•3)  Zaöygeh.     14)  Abusir.     >5)  El-Gis.     16)  Ed-Soph. 
")  Ssa-al-Hadjar. 


Fünftes  Buch.  379 

12. 

Jenseits  der  pelusiacischen  Mündimg  liegt  Arabien, 
•welches  an  das  rothe  Meer  und  an  jenes  gewürzerzeugende, 
reiche  und  unter  dem  Beinamen  des  glücklichen x)  be- 
kannte Land  grenzt.  Das  in  Rede  stehende  Arabien  aber, 
•welches  auch  das  Land  der  catabanischen ,  esbonitischen 
und  scenitischen  Araber 2)  heisst ,  ist  ausser  dem  Theile, 
welcher  an  Syrien  grenzt,  unfruchtbar  und  enthält  ausser 
dem  Berge  Casius  3)  nichts  Merkwürdiges.  Hieran  grenzen 
gegen  Osten  die  canchleischen,  gegen  Süden  die  oedrai- 
schen  Araber  und  an  diese  beiden  die  Nabatäer.  Der  eine 
nach  Aegypten  hin  liegende  Busen  des  rothen  Meeres  heisst 
der  heroopolitische  4),  der  andere  der  aelanitische  5).  Die 
beiden  Städte  Aelana  6)  und  Gaza  7) ,  welches  an  unserm  8) 
Meere  liegt,  sind  150,000  Schritte  von  einander  entfernt. 
Agrippa  giebt  die  Entfernung  von  Pelusium  bis  Arsinoe  9), 
einer  Stadt  am  rothen  Meere,  welche  beide  durch  Wüsten 
von  einander  getrennt  sind,  auf  125,000  Schritte  an.  Eine 
so  geringe  Entfernung  trennt  dort  so  verschiedene  Distrikte. 

13. 

Syrien,  vormals  ein  sehr  ausgedehntes  und  durch  viele 
Namen  unterschiedenes  Land,  nimmt  die  nun  folgende  Küste 
ein.  Da,  wo  es  an  Arabien  grenzt,  hiess  es  Palästina,  auch 
Judäa  und  Coele10),  dann  Phönicien,  der  nach  dem  Innern 
liegende  Theil  Damascena  und  weiter  südlich  Babylonien. 
Ferner  Mesopotamien  zwischen  dem  Euphrat  und  Tigris, 
Sophene  jenseits  des  Taurus,  Commagene  diesseits  desselben. 
Hinter  Armenien  liegt  das  früher  Assyrien  genannte  Adia- 
bene  und  der  an  Cilicien  grenzende  Theil  ist  Antiochien. 
Die  Länge  Syriens  zwischen  Cilicien  und  Arabien  beträgt 


')  Der  südliche  zwischen  dem  arabischen  und  persischen  Meer- 
busen liegende  Theil. 

2)  Die  Beduinen.    3)  Dsjebbl  Okrab.    4)  Busen  von  Suez. 

5)  Busen  von  Akaba.     6)  Akaba.    7)  Gazeh.     8)  mittelländischen. 

9)  Suez. 

t0)  Eigentlich  Svgia  xotkr/,  das  hohle  Syrien;  so  hiess  das  Thal 
zwischen  dem  Libanon  und  dem  Antilibanon. 


380  Fünftes  Buch. 

470,000 ,  die  Breite  aber  von  Pieria  l)  in  Seleucis  bis  zur 
Stadt  Zeugma  2)  am  Eupbrat  175,000  Schritte.  Diejenigen, 
welche  noch  genauer  eintbeilen,  sagen,  Phönicien  werde 
von  Syrien  eingeschlossen  und  die  syrische  Seeküste  be- 
greife Idumäa,  Judäa,  Phönicien  und  das  eigentliche  Syrien 
in  sich.  Das  ganze  davor  liegende  Meer  wird  das  phöni- 
cische  genannt.  Das  Volk  der  Phönicier  hat  sich  durch  die 
Erfindung  der  Buchstaben ,  Sternknnde ,  Schifffahrt  und 
Kriegskunst  grossen  Ruhm  erworben. 

14. 
Von  Pelusium  an  liegen:  das  Lager  des  Chabrias  3)r 
der  Berg  Casius  4) ,  der  Tempel  des  Jupiter  Casius ,  das 
Grabmal  des  grossen  Pompejus 5).  Ostracine 6) ,  65,000 
Schritte  von  Pelusium  entfernt,  grenzt  an  Arabien.  Unweit 
davon  fängt  Idumäa  an,  ferner  Palästina,  da  wo  der 
See  Sirbon  7)  hervorbricht,  dessen  Umfang  Einige  auf  150,000 
Schritte  angegeben  haben.  Herodot  sagt,  er  liege  am  Berge 
Casius,  und  gegenwärtig  ist  es  nur  ein  massiger  Sumpf. 
Von  Städten  sind  anzuführen:  Rhinocolura  8)  und  im  Innern 
Rhaphäa9),  Gaza10)  und  im  Innern  Anthedon11),  der  Berg 
Argaris12).  Der  Küstenstrich  Sa maria;  die  freie  Stadt  As- 
calo  13),  Azotus14),  die  beiden  Städte  Janneia15),  von  denen 
eine  im  Innern  des  Landes  liegt.  Joppe16),  eine  Stadt  der 
Phönicier,  die  älter  als  die  grosse  Erdüberschwemnmng  sein 
soll.  Sie  liegt  auf  einem  Hügel,  vor  welchem  sich  ein 
Felsen  befindet,  an  dem  man  noch  Spuren  der  Fesseln  der 


')  Kapse.    2)  Tscheschme. 

3)  Welches  dieser  atheniensische  Feldherr  gegen  den  vordrin- 
genden Artaxerxes  an  den  östlich  von  Pelusium  hinziehenden  Mo- 
rästen angelegt  hatte. 

/')  El-Katieh.    5)  Am  Berge  Casius,  wo  er  ermordet  wurde. 

6)  Steaki  in  Unterägypten.    ~)   Sebaket-Bardonil.     8)  El-Arisch. 

9)  Refa.     ,0)  Ghase.     ")  Daran.     12)  Garizin.     13)  Ascalan. 

,4)  Ezdud.  Sie  wurde  von  Psammetich ,  König  von  Aegyptem 
nach  einer  Belagerung  von  29  Jahren  erobert. 

15)  Nämlich  die  eigentliche  Stadt  und  die  Hafenstadt;  jetzt  Ibne. 

,6)  Jaffa. 


Fünftes  Buch.  381 

Andromeda  x)  zeigt.  Hier  wird  auch  die  fabelhafte  Ceto  2) 
verehrt.  Nun  folgt  Apolloma 3) ,  der  vom  Köuig  Herodes 
erbauete  Thurm  des  Strato,  auch  Cäsarea  4)  genannt;  ferner 
die  erste  flavische ,  vom  Kaiser  Vespasian  angelegte  Colo- 
nie.  Die  Grenze  Palästina's  ist  von  der  arabischen  189,000 
Schritte  entfernt;  dann  kommt  Phönicien.  Im  Innern  liegen 
die  samarischen  Städte  Neapolis5),  früher  Mamortha  ge- 
nannt ,  Sebaste 6)  auf  einem  Berge  und  Gamala 7)  auf 
einem  noch  höheren  Berge. 

15. 

Hinter  Idumäa  und  Samaria  breitet  sich  Judäa  der 
Länge  und  Breite  nach  aus.  Der  an  Syrien  grenzende 
Theil  desselben  heisst  Galiläa,  der  Arabien  und  Aegypten 
zunächst  liegende  aber  Peräa;  dieser  ist  von  rauhen  Ge- 
birgen durchschnitten  und  vom  übrigen  Judäa  durch  den 
Jordan  getrennt.  Das  übrige  Judäa  wird  in  10  Toparchien 
eingetheilt,  welche  wir  der  Keine  nach  nennen  wollen:  die 
an  Palmen  und  Quellen  reiche  hiericuntische 8) ,  die  em- 
maische 9),  lyddische10),  joppische11),  acrabatenische12),  goph- 
nitische13),  thamnitische14),  bethleptephenische ,  orineische, 
in  welcher  Hierosolyma 15) ,  eine  der  berühmtesten  Städte 
nicht  bloss  Judäa's ,  sondern  des  ganzen  Orients  lag ,  und 
endlich  die  herodische  mit  einer  bedeutenden  Stadt  gleiches 
Samens. 

Der  Jordan  entspringt  aus  einer  Quelle  des  Paneas16), 
die   der  Stadt  Cäsarea,   von   der  wir  noch  reden  werden, 


1)  Sie  wurde  von  ihrer  Mutter  einem  Seeungeheuer  ausgesetzt, 
aber  durch  Perseus  befreiet.     (Ovid-Metam  IV.  670.) 

2)  Oder  Derceto ,  eine  Göttin ,  die  man  halb  als  Weib  und  halb 
als  Fisch  abbildete,  und  der  man  besonders  goldene  und  silberne 
Fische  opferte.     (Herodot  I.  105). 

3)  Arsuf.    4)  Kaisarieh.     5)  Nablos.     6)  Schemrun. 

7)  Santorri. 

8)  Jericho.     9)  Kubeib.     ,0)  Ludd.     ")  Jaffa. 

12)  Von  Nablos  nach  Südost  bis  Jericho  und  zum  Jordan. 

13)  Gofna.     ")  Oestlich  von  Antipatris  nach  Lydda. 

,r>)  Jerusalem.     16)  Der  höchste  Rücken  des  Antilibanon. 


382  Fünftes  Buch. 

den  Beinamen  *)  gegeben  hat.  Es  ist  ein  anmuthiger  Fluss, 
der,  soweit  es  die  Beschaffenheit  der  Gegend  gestattet ,  in 
schlängelndem  Laufe  zum  Nutzen  der  anwohnenden  Völker 
sich  fortbewegt,  gleichsam  als  nahe  er  sich  nur  mit  Wider- 
willen dem  verderblichen  Asphaltsee  2) ,  welcher  ihn  end- 
lich verschlingt  und  sein  vortreffliches  Wasser  durch  die 
Vermischung  mit  dem  stinkenden  des  Sees  verdirbt.  Da 
wo  die  Lage  des  Thaies  es  zuerst  möglich  macht,  ergiesst 
er  sieb  in  einen  See ,  den  Mehrere  Genesara 3)  nennen. 
Dieser  ist  16,000  Schritte  lang,  6000  Schritte  breit  und  von 
freundlichen  Städten  umgeben;  östlich  davon  Julias4)  und 
Hippo,  südlich  Tarichea,  mit  welchem  Namen  Einige  auch 
den  See  bezeichnen,  und  westlich  Tiberias  5)  mit  warmen 
Heilquellen. 

Der  Asphaltsee  enthält  nichts  als  Erdpech ,  wovon  er 
auch  seinen  Namen  hat.  Er  nimmt  keinen  thierischen  Körper 
auf,  selbst  Stiere  und  Kameele  schwimmen  auf  ihm.  Dabei- 
ist die  Sage  entstanden ,  dass  nichts  in  ihm  untersinke. 
Seine  Länge  beträgt  über  100,000  Schritte,  die  grösste 
Breite  25,000,  die  geringste  6000.  Oestlich  von  ihm  liegt 
der  von  Nomaden  bewohnte  Theil  Arabiens,  südlich  Machä- 
rus  6),  ehemals  nächst  Jerusalem  die  zweite  Hauptstadt  von 
Judäa.  Auf  derselben  Seite  befindet  sich  die  warme  Heil- 
quelle Callirhoe,  deren  Name  schon  den  Ruhm  ihres  Was- 
sers anzeigt.  Westlich  wohnen,  so  nahe  die  Ausdünstungen 
des  Sees  es  gestatten,  die  Essener,  ein  einsames  und  vor 
allen  übrigen  Bewohnern  der  Erde  wunderliches  Volk 7), 
das  ohne  Weiber,  überhaupt  ohne  alle  Gemeinschaft  mit 
dem  weiblichen  Geschlechte,  ohne  Geld,  und  nur  in  Ge- 
sellschaft seiner  Palmen  lebt.  Ihre  Anzahl  erneuert  sich 
immer  wieder  durch  Ankömmlinge,  denn  viele  wandern  da- 


')  Caesarea  Paneas,  jetzt  Banias.    2)  Das  todte  Meer. 
3)  See  Tiberias  (Taberia).    4)  Kassr  el  Bedauih.    5)  Taberia. 
e)  Mkaur. 

7)  Eine  jüdische  Secte,  über  welche  man  mehr  findet  in  Jose- 
phus'  Geschichte  des  jüdischen  Krieges,  B.  II.  Cap.  7. 


Fünftes  Buch.  333 

hin,  welche  lebensmüde  sind  und  von  den  Wogen  des  Schick- 
sals sich  zur  Annahme  ihrer  Sitten  gedrungen  fühlen.  So 
besteht  (was  unglaublich  scheint)  ein  Volk,  bei  dem  Nie- 
mand geboren  wird,  tausende  von  Jahrhunderten  fort.  So 
fruchtbar  ist  für  sie  der  Lebensüberdruss  Anderer!  Unter- 
halb ihres  Gebiets  lag  früher  die  Stadt  Engadda  *),  welche 
nach  Hierosolyma  wegen  ihres  fruchtbaren  Bodens  und  ihrer 
Palmenwälder  den  zweiten  Rang  behauptete;  jetzt  ist  sie 
gleichfalls  ein  Schutthaufen.  Hierauf  folgt  Masada,  ein 
Schloss  mit  einem  Felsen,  nicht  weit  vom  Asphaltsee.  So- 
weit reicht  Judäa. 

16. 

An  dasselbe  stösst  auf  der  syrischen  Seite  das  deca- 
politanische  Gebiet,  so  genannt  von  der  Zahl  seiner 
Städte,  in  deren  Angabe  aber  nicht  alle  übereinstimmen. 
Die  Meisten  nennen  jedoch  Damascus,  welches  durch  die  Be- 
wässerung ,  die  mit  dem  Flusse  Chrysorrhoas  2)  hergeleitet 
wird  und  diesen  fast  ganz  erschöpft,  sehr  fruchtbar  ist; 
Philadelphia  3),  Rhaphana,  welche  Städte  alle  nach  Arabien 
hin  liegen.  Ferner  Scythopolis  4),  welches  seinen  Namen 
von  einer  dahin  geführten  scythischen  Colanie  erhielt  und 
früher  nach  dem  Bachus,  dessen  Amme  hier  begraben  liegt? 
Nysa  hiess.  Gadara  5)  am  Flusse  Hieromiax  6);  das  schon 
genannte  Hippos,  Dion,  das  wasserreiche  Pella  7),  Galasa  8) 
und  Canatha  9).  Zwischen  und  um  diese  Städte  ziehen  sich 
die  Tetrarchien  hin,  welche  gleichsam  für  sich  einzelne  Be- 
zirke bilden  und  als  Reiche  gelten,  nämlich:  Trachonitis, 
Paneas,  in  welcher  Cäsarea10)  mit  der  obenerwähnten  Quelle 
liegt,  Abila11),  Area12)  Ampeloessa  und  Gabe. 

17. 

Nun  müssen  wir  wieder  zur  Küste  und  zwar  nach 
Phönicien  zurückkehren.    Hier  war  die  Stadt  Crocodilon, 


*)  Aiu-Dsjiddy.    2)  Barradi.    3)  Amman.     4)  El  Bissan. 
5)  Mkesi.    6)  Scherriat-Mandur.    7)  Bellue. 
8)  Eigentlich  Gerasa  (Dsjerrasch).    9)  Khaunat.     ,0)  Banias. 
")  Abil.     12)  Geburtsort  des  Kaisers  Alexander  Severus. 


384  Fünftes  Buch. 

jetzt  führt  nur  noch  ein  Fluss  x)  diesen  Namen.  Im' blossen 
Andenken  stehen  noch  die  Städte  Dorum 2)  und  Sycami- 
num  3),  das  Vorgebirge  Carmelum  und  auf  dem  Berge  selbst 
eine  Stadt  gleiches  Namens ,  welche  vormals  Ecbatana 4) 
hiess.  In  der  Nähe  liegen  Getta  und  Jebba;  der  Bach  Pa- 
gida oder  Belus  5) ,  an  dessen  kleinem  Ufer  sich  Sand  fin- 
det, der  zur  Bereitung  des  Glases  tauglich  ist.  Er  selbst 
kommt  aus  dem  See  Cendevia  am  Fusse  des  Carmel.  Nicht 
weit  davon  die  Colonie  des  Kaiser  Claudius,  Ptolemais, 
früher  Ace e)  genannt.  Die  Stadt  Ecdippa 7) ,  das  weisse 
Vorbebirge  8).  Tyrus 9),  vormals  eine  700  Schritte  weit 
im  Meere  liegende  Insel,  hängt  jetzt  durch  die  Belagerungs- 
werke Alexanders  mit  dem  Festlande  zusammen.  Sie  war 
einst  berühmt  als  Gründerinn  anderer  Städte ,  wie  Leptis, 
Utica  und  jene  nach  der  Weltherrschaft  strebende  Neben- 
buhlerin des  römischen  Reichs,  Carthago;  auch  Gades, 
ausserhalb  dieses  Erdkreises ,  ist  durch  sie  entstanden. 
Jetzt  besteht  noch  ihr  ganzer  Ruhm  in  Muscheln  und  Pur- 
pur. Diese  Insel,  auf  welcher  die  Stadt  Palätyrus  liegt, 
hält  19,000  Schritte  im  Umfange;  die  Stadt  selbst  nimmt 
einen  Raum  v©n  22  Stadien  ein.  Nun  folgen  die  Städte 
Sarepta 10),  Ornithon  ")  und  Sidon 12),  deren  Bewohner  Glas 
machen ,  und  welche  die  Mutterstadt  von  Theben  in 
Böotien  ist.  Hinter  ihr  liegt  das  Gebirge  Libanüs,  das  sich 
1500  Stadien  weit  bis  Simyra13)  erstreckt,  wo  Syrien  den 
Namen  Coele  bekommt.  Ihm  gegenüber,  durch  ein  Thal 
getrennt,  vormals  aber  durch  eine  Mauer  verbunden,  liegt 
der  gleich  grosse  Antilibanus.  Hinter  demselben  die  deca- 
politanische  Landschaft  mit  den  bereits  angeführten 
Tetrarchien,  und  die  ganze  Breite  von  Palästina."  An  der 
Küste,  unter  dem  Libanus  der  Fluss  Magoras14),  die  Colo- 


»)  Zirka.     2)  Tartuva.     3)  Keisa. 

4)  Kaiffa.    Hier    starb   nach  Herodot  Cambyses,  König  von  Per- 
sien, auf  der  Rückkehr  aus  Aegypten. 

5)  Nähr  Abu.    c)  St.  Jean  d'Acre.    7)  Zib.     8)  C.  Blanco. 

9)  Tsor.     10)  Sarphond.     »)  El  Urbi.     v-)  Saida,     13)  Sumre. 
u)  Nahr-el-Damur. 


Fünftes  Buch.  385 

nie  Berytus  x),  auch  Felix  Julia  genannt,  die  Stadt  Leon- 
tos ,  der  Fluss  Lycos  2) ,  Paläbyblos ,  der  Fluss  Adonis  3), 
die  Städte  Byblos  4) ,  Botrys  5) ,  Gigarta  6) ,  Trieris ,  Cala- 
mos  7),  Tripolis  8),  welche  letztere  die  Tyrier,  Sidonier  und 
Araber  bewohnen ,  Orthosia 9) ,  der  Fluss  Eleutheros  10), 
die  Städte  Sinigra,  Marathos11)  und  dieser  gegenüber  Ara- 
dus12),  eine  Stadt  und  Insel  von  7  Stadien  Länge  und  200 
Schritte  vom  Festlande  entfernt.  Sodann  der  Distrikt,  in 
welchen  sich  die  obengenannten  Gebirge  abdachen  und  der 
durch  zwischen  liegende  Ebenen  davon  getrennte  Berg  Bar- 
bylus  anfängt. 

18. 
Hier  verlassen  wir  Phönicien  und  kehren  wieder  nach 
Syrien  zurück.  Darin  die  Städte:  Garne13),  Balanea14), 
Paltos15) ,'  Gabale10);  das  Vorgebirge  auf  welchem  das  freie 
Laodicea17)  liegt,  Diospolis,  Heraclea,  Charodrus,  Posi- 
diune18);  dann  folgt  das  Vorgebirge  des  antiochischen 
Syriens.  Im  Innern  die  freie  Stadt  Antiochia19)  selbst, 
mit  dem  Beinamen  Epidaphnes20);  sie  wird  vom 
Flusse  Orontes21)  durchschnitten.  Auf  dem  Vorgebirge  das 
freie  Seleucia 22) ,  Pieria  genannt.  Hinter  derselben  liegt 
ein  Berg,  der,  wie  der  oben23)  erwähnte,  auch  den  Namen 
Casius2,1)  führt.  Seine  Höhe  ist  so  bedeutend,  dass  schon 
um  die  vierte  Nachtwache 25)  die  aufgehende  Sonne  ihn  be- 
scheint, so  dass  man  durch  eine  geringe  Wendung  des  Kör- 
pers Tag  und  Nacht  zugleich  sehen  kann.  Der  Weg  von 
seinem  Fusse  bis  zum  Gipfel  beträgt  19,000,  die  senkrechte 
Höhe  4000  Schritte.  An  der  Küste  fliesst  der  Orontes, 
welcher  zwischen  dem  Libanus  und  Antilibanus  in  der  Nähe 


l)  Beirut.    2)  Bahr-el-Kelp. 

3)  Nahr-el-lbrahim.    4)  Dsjebail.    5)  Patrone.    6)  Gazir. 

7)  Kallemon.    8)  Trablo.    9)  Ortosa.     I0)  Nahr-el-Quibir. 

u)  Rhede  von  Tortosa.     12)  Ruad.     ,3)  Tortosa.     ,4)  Baneas. 

15)  Boldo.     16)  Dsjebail.     t7)  Latakia.    18)  Posseda.     19)  Antakia. 

20)  Neben  dem  Lorbeerhaine.    21)  Asi.    22)  Kebse.   23)  Im  14.  Cap. 

24)  Dsjebbl  Okrab.    25)  Früh  um  3  Uhr. 

25 


386  Fünftes  Buch. 

von  Heliopolis *)  entspringt.  Die  Stadt  Rhosos  und  da- 
hinter die  sogenannten  syrischen  Thore 2)  zwischen  den 
rhosischen  Gebirgen  und  dem  Taurus.  An  der  Küste  die 
Stadt  Myriandros ,  der  Berg  Amanus  3)  mit  der  Stadt  Bo- 
mytä,  welcher  Cilicien  von  Syrien  trennt. 

19. 

Jetzt  wollen  wir  von  dem  Innern  Syriens  reden.  In 
Coele  liegt  Apamia  4),  das  durch  den  Fluss  Marsyas  5)  von 
der  Tetrarchie  der  Nazeriner  6)  geschieden  ist;  ferner  Bam- 
byce  7),  welches  auch  Hierapolis,  bei  den  Syrern  aber  Ma- 
bog  heisst,  und  wo  man  die  abenteuerliche  Ataropatis,  von 
den  Griechen  Derceto  8)  genannt ,  verehrt.  Chalcis  9) ,  mit 
dem  Beinamen  „am  Belus"10),  von  der  Chalcidine,  die  frucht- 
barste Gegend  Syriens,  ihren  Namen  hat.  Dann  folgen: 
das  cyrrhestische  Cyrrhus11),  die  Gazater,  Gindarener12), 
Gabener;  die  beiden  granucomatischen  Tetrarchien,  die  Eme- 
sener,  Hylater,  Ituräer  und  ein  Stamm  derselben,  die  Bä- 
tarrener;  die  Mariammitaner ,  die  Tetrarchie  Mammisea; 
Parodisus,  Pagrä13),  die  Pinariter,  ausser  den  schon  ge- 
nannten noch  2  Städte  Namens  Seleucia,  von  denen  die 
eine  am  Eupbrat14),  die  andere  am  Belus15)  liegt,  und  die 
Cardytenser.  Im  übrigen  Syrien  wohnen  (mit  Ausnahme 
derer,  welche  beim  Euphrat  genannt  werden  solleu)  die 
Arethusier 16),  Beröenser 17),  Epiphaneenser18);  gegen  Osten 
die  Laodicener,  mit  dem  Beinamen  „am  Libanus",  die  Leu- 
cadier,  Larissäer 19)  und  ausserdem  noch  17  in  Regierungs- 
bezirke getheilte  Tetrarchien  mit  barbarischen  Namen. 

20. 

Bei   dieser  Gelegenheit  wird  es  am  passendsten  sein, 
auch   vom  Euphrat   zu  reden.    Er  entspringt    nach   dem 


»)  Balbek.    2)  Sakal-Doutan.     3)  Alma-Dagh. 

4)  Heisst  jetzt  Famirh.     5)  Ochiense,     6)  Nosairis. 

7)  Boinbädsch.     8)  S.  im  14.  Cap.     9)  Kimisrini. 

10)  Dschebel-el-Semraak.     ")  Korus.     **)  Daina.     13)  Bagras. 

u)  Bachadmosal.     ,5)  Schoghr.     ,ü)  Restun.     ")  Halep  (Aleppo). 

,8)  Hama.    ,9)  Dsjesar. 


Fünftes  Buch.  387 

Berichte  derer,  welche  selbst  dort  waren,  in  der  Statthalter- 
schaft Carantis  *)  in  Gross-Armenien ,  nach  Domitius  Cor- 
bulo  2)  auf  dem  Berge  Aba  3) ,  nach  Licinius  Mucianus  am 
Fusse  des  Berges  Capotes4),  12,000  Schritte  oberhalb  Zi- 
mara,  und  heisst  anfangs  Pyxurates.  Er  fliesst  zuerst  durch 
Derxene  5) ,  dann  durch  Anaitica  6)  und  trennt  Armenien 
von  Cappadocien.  Dascusa  7)  ist  von  Zimara  75,000  Schritte 
entfernt.  Von  da  beträgt  die  Reise  zu  Schiffe  bis  Sartona  8) 
50,000  Schritte,  bis  Militene  9)  in  Cappadocien  74,000,  bis 
Elegia10)  in  Armenien  10,000.  Auf  dieser  Strecke  nimmt 
er  die  Flüsse  Lycus  n),  Arsanias 13)  und  Arsanus 13)  auf.  Bei 
Elegia  tritt  ihm  der  Berg  Taurus  entgegen,  vermag  ihn 
aber  trotz  seiner  Breite  von  12,000  Schritten  nicht  aufzu- 
halten. Da  wo  er  an  das  Gebirge  stösst,  heisst  er  Omma, 
nachdem  er  es  durchbrochen  Euphrat,  und  auch  dann  noch 
ist  er  voll  Felsen  und  reissend.  Weiterhin  liegt  ihm  Ara- 
bien, und  zwar  das  3  Schönus  breite  Gebiet  Oreon  zur 
Linken,  zur  Rechten  grenzt  er  an  Commagene14),  doch  dul- 
det er,  selbst  da  wo  er  den  Taurus  durchbricht,  eine  Brücke 
über  sich.  Bei  Claudiopolis 15)  in  Cappadocien  lenkt  er 
seinen  Lauf  gegen  Westen;  hier  aber  tritt  ihm  der  Taurus 
abermals  entgegen,  siegt,  früher  von  ihm  überwunden  und 
durh schnitten,  jetzt  auf  andere  Weise  über  ihn  und  treibt 
ihn  nach  Süden.  So  gleicht  sich  dieser  Streit  der  Natur 
aus,  indem  der  Fluss  geht,  wohin  er  will,  und  der  Berg  ihn 
in  seinem  willkürlichen  Laufe  hindert16).  Von  den  Wasser- 
fällen an  wird  er  wieder  schiffbar,  und  40,000  Schritte  wei- 
ter liegt  Samosata17),  die  Hauptstadt  von  Commagene. 


«)  Erzerum.     2)  War  39  n.  Chr.  Consul. 
3)  Alatagh.     4)  Bingöltagh.     5)  Tordsjan.     6)  Momacottom. 
')  Dengizlu.    8)  Pastek.    9)  Malatya.     10)  Ilidsje.     ")  Bingöl. 
12)  Murad.     13)  Arslan. 

u)  Die  Paschaliks  Merasch,  Aintab  und  Simasat. 
,5)  Ra-Claudie. 

16)  D.  h.  der  Euphrat  kommt  zum  Meere,   wohin  er  will,  aber 
durch  den  Widerstand  des  Taurus  nicht  in  das  mittelländische. 
")  Simasat. 

25* 


388  Fünftes  Buch. 

21. 

In  dem  oben  genannten  Arabien  liegen  folgende  Städte  : 
Edessa  l),  vormals  Antiochia  genannt,  das  nach  einer  Quelle 
benannte  Callirrhon,  Carrhä2),  bekannt  durch  die  Nieder- 
lage des  Crassus 3).  Hieran  grenzt  die  Statthalterschaft 
Mesopotamien  4) ,  welche  von  den  Assyriern  gegründet  ist 
und  die  Städte  Anthemusia  und  Nicephorium  5)  enthält.  Nun 
folgen  die  prätavischen  Araber  mit  der  Hauptstadt  Singara  6). 
Hinter  Samosata  auf  der  syrischen  Seite  fällt  der  Marsyas 
in  den  Euphrat.  Cingilla  7)  liegt  an  der  Grenze  von  Com- 
magene  und  dann  beginnt  der  Bezirk  der  Immeer  8).  Die 
Städte  Epiphania  und  Antiochia,  „am  Euphrat"  benannt; 
desgleichen  Zeugma9),  72,000  Schritte  von  Samosata,  be- 
rühmt durch  den  Uebergang  über  den  Euphrat.  Das  gegen- 
über liegende  Apamea10)  hat  Seleucus,  der  Gründer  beider 
Städte,  durch  eine  Brücke  mit  jener  verbunden.  Die  Grenz- 
nachbaren  von  Mesopotamien  sind  die  Rhoaler.  Aber  in 
Syrien  liegen 11)  die  Städte  Europum 12)  und  das  vormalige 
Thapsacum,  jetzt  Amphipolis 13) ;  endlich  die  scenitischen 
Araber  u).  So  fliesst  er  bis  zu  dem  ehemaligen  Ura 15),  wo 
er  sich  gegen  Osten  wendet  und  die  palmyrenischen  Wüsten 
Syriens,  welche  sich  bis  zur  Stadt  Petra 16)  und  dem  glück- 
lichen Arabien  erstrecken,  verlässt. 

Die  Stadt  Palmyra17)  ist  berühmt  durch  ihre  Lage, 
durch  die  Ergiebigkeit  des  Bodens  und  anmuthige  Wässer; 
im  weiten  Umkreise  sind  ihre  Aecker  von  Sandwüsten  um- 
schlossen; durch  die  Natur  gleichsam  von  allen  übrigen 
Ländern  abgeschieden,  liegt  sie  unabhängig  zwischen  zwei 
mächtigen  Reichen,   dem  römischen  und  parthischen,    und 


J)  Orfa  im  nördlichen  Mesopotamien.     In  der  spätem  Zeit  nahm 
sie  den  Namen  Justinopolis  an. 

-)  Harran.     3)  53  v.  Chr.     4)  Diarbekr. 

5)  Von  Alexander  dem  Grossen  erbauet,  jetzt  Racca. 

,!)  Sindrjar.     7)  Kuph.     8)  Armana.     9)  Tscheschme. 

,0)  Rum.     u)  Nämlich  längs  des  Euphrat.     12)  Jerabolos. 

u)  El-Der.     w)  In  der  Nähe  der  palmyrensischen  Wüste. 

,s)  Gorur.     lfi)  Ar-Rakim.     17)  Tadinor. 


Fünftes  Buch.  389 

wird  bei  jedem  Zwiste  auf  beiden  Seiten  zu  gewinnen  ge- 
sucht. Von  der  parthischen  Stadt  Seleucia  x)  am  Tigris  ist 
sie  337,000  Schritte  entfernt,  von  der  nächsten  Küste  Sy- 
riens aber  203,000;  Damascus  liegt  27,000  Schritte  näher. 

Vor  den  Wüsten  Palmyra's  liegt  der  stelendenische  Be- 
zirk und  die  schon  2)  genannten  Städte  Hierapolis ,  Beröa 
und  Chalcis.  Hinter  Palmyra  in  derselben  Wüste  Emesa  3), 
ferner  Elatium,  welches  der  Stadt  Petra  am  die  Hälfte  näher 
ist  als  Damascus.  Von  Sura  4)  aus  kommt  man  zunächst 
nach  Philiscum 5) ,  einer  parthischen  Stadt  am  Euphrat. 
Von  da  schifft  man  in  10  Tagen  nach  Seleucia  und  fast  in 
derselben  Zeit  nach  Babylon.  94,000  Schritte  von  Zeugma, 
beim  Flecken  Massice  theilt  sich  der  Euphrat;  sein  linker 
Arm  geht  nach  Mesopotamien  durch  Seleucia  selbst  und  er- 
giesst  sich  hier  in  den  vorüberfliessenden  Tigris.  Der  rechte 
Arm  aber  fliesst  nach  Babylon,  der  ehemaligen  Hauptstadt 
von  Chaldäa,  die  er,  sowie  die  Stadt  Otris  mitten  durch- 
strömt und  verliert  sich  in  Sümpfe.  Er  schwillt  auch  gleich 
wie  der  Nilstrom  an  bestimmten  Tagen,  die  aber  mit  denen 
beim  Nil  nicht  ganz  zusammentreffen,  an  und  überschwemmt 
Mesopotamien.  Dies  geschieht,  wenn  die  Sonne  im  20.  Grade 
des  Krebses  steht;  er  fängt  wieder  an  zu  fallen,  wenn  die 
Sonne  aus  dem  Löwen  in  die  Jungfrau  übergeht  und  tritt 
ganz  in  sein  Bett  zurück,  wenn  sie  im  29.  Grade  der  Jung- 
frau steht. 

22. 

Wir  kehren  zu  derjenigen  Küste  von  Syrien  zurück, 
an  die  zunächst  Cilicien6)  grenzt.  Darin:  der  Fluss  Dia- 
phanes,  der  Berg  Crocodilus  7),  die  Pässe  des  Berges  Ama- 
nus  8),  die  Flüsse  Androcus  9),  Pinarus10),  Lycus,  der  Busen 
von  Issos11).    Die  Stadt  Issos12),  Alexandria13),  der  Fluss 


»)  AI  Modain.     2)  Im  19.  Cap. 

3)  Hems.    *)  Beled-Surieh.    5)  Blis. 

6)  Ejalet  Itschil.     7)  Ein  Vorsprung  des  Taurus. 

8)  Thor  von  Beilan.    9)  Kermes.     ,0)  Deli-Su. 

")  Golf  von  Ayas.     ,2)  Oeseler.     '*)  Eskiendrun. 


390  Fünftes  Buch. 

Chlorus,  die  freie  Stadt  Aegä  *),  der  Fluss  Pyramus  2),  die 
cilicischen  Engpässe3);  die  Städte  Mellos  4),  Magarsos  und 
im  Innern  Tarsos  5J.  die  alejische  Ebene,  die  Städte  Cas- 
sipolis ,  das  freie  Mopsos  G)  am  Pyramus ,  Thynos ,  Zephy- 
rium ,  Anchiale.  Die  Flüsse  Saros  7) ,  Cydnus  8) ,  der  die 
unweit  vom  Meere  gelegene  freie  Stadt  Tarsus  durch- 
schneidet. Der  celenderitische  Bezirk  mit  einer  Stadt9); 
das  ehemalige  Nymphäum ,  Solo  Cilicii 10) ,  jetzt  Pompejo- 
polis,  Adana11),  Cibyra12),  Pinara,  Pedalie,  Ale,  Selinus13), 
Arsinoe,  Jotape,  Doron.  Am  Muere  liegt  Corycos  u),  welchen 
Namen  die  Stadt,  ihr  Hafen  und  eine  Höhle  führen.  Dann 
folgt  der  Fluss  Calycadnus 15),  das  Vorgebirge  Sarpedon16), 
die  Städte  Holmö,  Myle;  das  Vorgebirge  und  die  Stadt  der 
Venus17),  welche  der  Insel  Cypern  am  nächsten  liegt.  Auf 
dem  Festlande  ferner  die  Städte  Myanda,  Anemurium 18), 
Coracesium 19)  und  der  Fluss  Melas 20),  die  alte  Grenze  von 
Cilicien.  Im  Innern  des  Landes  aber  sind  zu  nennen  Ana- 
zarbus21), welches  jetzt  Cäsarea  heisst,  Augusta,  Casta- 
bala22),  Epiphania  vormals  Oeniandos,  Eleusa23),  Iconium, 
Seleucia24)  oberhalb  des  Flusses  Calycadnus,  welche  den 
Beinamen  Tracheotis  hat;  sie  lag  früher  näher  am  Meere 
und  hiess  Lolmia.  Ausserdem  sind  im  Innern  des  Landes 
die  Flüsse  Liparis,  Bombos  und  Paradisus,  sowie  das  Ge- 
birge Jmbarus25). 

23. 
Alle  Schriftsteller  lassen  Pamphylien  an  Cilicien  gren- 
zen, wobei  sie  das  Volk  der  Isaurer26)  nicht  berücksich- 
tigen.    Die  Städte  desselben  im  Innern  sind:  Isaura27),  Cli- 
banus,  Lelasis.    Das  Land  dacht  sich  in  der  Richtung  der 


')  Ajascala.     2)  Dsjihhan. 

3)  Thor  von  Sakaltutan.    4)  Malo.    5)  Tarso. 

«■)  Mysis.    7)  Seihhan.     8)  Karasu.    9)  TscheHndre. 

,0)  Mezetlu.     »)  Adene.     12)  Iburar.     ,3)  Selenti.     14)  Burku. 

15)  Selefkieh.     16)  Cap  Cavaliere.     17)  Port  Pinus.     18)  Anemur. 

19)  Alajah.    20)  Manavgat.    21)  Ainzarbeh.    22)  Dsjakel. 

23)  Ajasch.    24)  Selefkeh.    25)  Ein  Zweig  des  Ararat. 

2C)  Paschalik  Begscheer.    21)  Serki-Seroj. 


Fünftes  Buch.  391 

oben  genannten  Gegend  von  Anemurium  nach  dem  Meere 
zu  ab.  Ebenso  ist  allen,  die  über  diese  Länder  geschrieben 
haben,  das  an  jenes  grenzende  Volk  der  Homanader  un- 
bekannt, in  deren  innern  Gebiete  die  Stadt  Homana  *)  liegt. 
Ausserdem  sind  noch  44  Burgen  in  rauhen  Thälern  ver- 
borgen. 

24. 

Das  Hochland  bewohnen  die  Pisider2),  welche  vor- 
mals Solymer  Messen.  Ihre  Colonie  Cäsarea  3)  hat  auch 
den  Namen  Antiochia.  Ihre  Städte  sind  Oroanda4)  und 
Sagalessos  5). 

25. 

Die  Pisider  werden  von  Lycaonien6)  eingeschlossen, 
welches  nebst  den  Philomeliensern  7),  Tymbrianern,  Leuco- 
lithern ,  Peltenern  und  Tyriensern 8)  zum  asiatischen  Ge- 
richtsbezirk gehören.  Der  Theil  von  Lycaonien,  der  an 
Galatia  grenzt  und  aus  14  Gemeinden  mit  der  sehr  berühm- 
ten Stadt  Iconium  9)  besteht ,  bildet  eine  Tetrarchie.  Im 
eigentlichen  Lycaonien  sind  berühmt:  Thebasa  am  Taurus, 
Hyde  an  der  Grenze  von  Galatien  und  Cappadocien.  Zur 
Seite  aber  hinter  Pamphylien  wohnen  die  Milyer,  Nach- 
kommen der  Thracier,  deren  Stadt  Arycanda  heisst. 

26. 

Pamphylien10)  hiess  sonst  Mopsopia11).  Das  pam- 
phylische  Meer  grenzt  an  das  cilicische.  Städte  sind:  Side1'2), 
Aspendum 13)  auf  einem  Berge ,  Pletemissum  und  Perga 14). 
Das  Vorgebirge  Leucolla;  der  Berg  Sardemisus.  Flüsse: 
der  Eurymedon15),  der  an  Aspendum  vorbeifliesst,  der  Catar- 


')  Erminak.    2)  Paschalik  Hamid. 

3)  Akscheer.    4)  lgricli.    5)  Aglason-Bey.    6)  Paschalik  Konia. 

7)  Bulawadin.     8)  Altyn-Khan.     9)  Konia. 

10)  Paschalik  Tekke  z.  Th. 

")  Von  Mopsus,  welcher  nach  dem  trojanischen  Kriege  diese 
Küste  beherrschte. 

12)  Side.     13)  Minugat.     ")  Karahissar. 

15)  Zacuth;  berühmt  durch  den  Doppelsieg  des  Cimon  über  die 
Perser. 


392  Fünftes  Buch 

ractes  *) ,   an  welchem  Lyrnessus  und  Olbia  2)  liegen.     Die 
letzte  Stadt  an  dieser  Küste  heisst  Phaseiis  3). 

27. 
Hieran  stösst  das  lycische  Meer,  an  dem  die  Lycier 
wohnen.  Von  da  an  beschreibt  der  von  den  östlichen  Küsten 
sich  herabziehende  Taurus  durch  das  chelidonische  Vor- 
gebirge 4)  einen  bedeutenden  Meerbusen  5).  Er 6)  ist  un- 
ermesslich  gross  und  beherbergt  zahlreiche  Völker;  mit  der 
rechten  Seite,  wo  er  vom  indischen  Meere  aufsteigt,  ist  er 
nach  Norden,  mit  der  linken  nach  Süden  gerichtet,  wendet 
sich  dann  nach  Westen  und  würde  ganz  Asien  durchschnei- 
den, wenn  diesem  Unterdrücker  der  Länder  nicht  die  Meere 
Widerstand  leisteten.  Er  springt  also  nach  Norden  ab  und 
sucht  bei  seiner  Wendung  einen  unermesslichen  Weg  ein- 
zuschlagen; da  setzt  ihm  aber  die  Natur  gleichsam  mit 
Fleiss  plötzlich  die  Meere  entgegen,  hier  das  phönicische, 
dort  das  pontische,  da  das  caspische  und  hyrcanische  und 
gegenüber  den  mäotischen  See.  So  windet  er  sich  zwischen 
diese  hemmenden  Elemente  gepresst  dennoch  siegend  durch, 
gelangt  in  Krümmungen  zu  der  ihm  verwandten  riphäischen 
Bergkette  und  hat  sich  auf  seinem  Wege  durch  viele  und 
neue  Namen  berühmt  gemacht.  Zuerst  heisst  er  Imaus  7), 
dann  Emodus  s) ,  Paropamisus  9) ,  Circius ,  Chambades ,  Pa- 
ryadres  10),  Choatras11),  Oreges,  Oroandes,  Niphates12),  Tau- 


2)  Duden.    2)  Antalia. 

3)  Fianda.  Die  Einwohner  waren  Erfinder  gewisser  schnell- 
segelnder Schifte,  die  daher  den  Namen  Phaseli  hatten. 

4)  Cap  Kalidoni.     5)  Den  pamphylischen  Golf  von  Atalia. 

6)  Nämlich  der  Taurus.     7)  Erhebt  sich  7°  östlich  vom   Ganges, 
geht  durch  Tibet  und  die  Wüste  nach  Norden  hin. 

8)  Bildet  mit  dem  Imaus  das  Himalayahgebirge. 

9)  Hendu-Khos  in  Candahar. 

10)  In  Armenien;  ein  Arm  des  Antitaurus. 

n)  Auch  Zagros  genannt,  jetzt  Tag-Riaghi,  an  der  Grenze  von 
Medien  und  Assyrien. 

12)  Im  südlichen  Armenien,  wo  der  Tigris  entspringt;  heisst 
jetzt  Tschudy. 


Fünftes  Buch.  393 

rus  l);  da  wo  er  am  höchsten  ist  Caucasus2);  wo  er  sich 
in  Arme  theilt,  als  ob  er  die  Meere  angreifen  wollte,  Sar- 
pedon3),  Caracesius  4) ,  Cragus  5)  und  wiederum  Taurus; 
und  selbst  wo  er  sich  öffnet  und  den  Völkern  den  Zutritt 
verschafft,  behauptet  er  dennoch  seine  Einheit,  denn  diese 
Zugänge  führen  bloss  den  Namen  Pforten  (Engpässe)  und 
heissen  auf  einer  Seite  die  armenischen,  auf  einer  andern 
die  caspischen,  auf  einer  dritten  die  cilicischen.  Sogar  da, 
wo  er  gebrochen  den  Meeren  ausweicht,  wird  er  noch  nach 
den  anwohnenden  Völkern  mit  vielen  Namen  belegt;  so 
heisst  er  rechts  der  hyrcanische,  caspische,  links  der  par- 
yedrische  6) ,  moschische  7) ,  amazonische ,  coraxische  und 
scythische.  Das  ganze  Gebirge  nennen  aber  die  Griechen 
das  ceraunische. 

28. 
In  Lycien8)  liegen  vom  Vorgebirge  des  Taurus  an 
die  Stadt  Simena,  der  des  Nachts  feuerspeiende  Berg  Chi- 
inära,  die  Gemeinde  Hephästium,  in  deren  Bezirke  sich  eben- 
falls Berge  befinden,  die  oft  brennen.  Früher  lag  daselbst 
die  Stadt  Olympus,  jetzt  aber  die  Bergstädte  Gagä,  Cary- 
dalla  und  Rhodiopolis.  In  der  Nähe  des  Meeres:  Limyra  mit 
einem  gleichnamigen  Flusse  9) ,  in  welchen  sich  der  Ary- 
candus  ergiesst,  der  Berg  Massycites,  die  Gemeinde  An- 
driaca10)  und  Myra11).  Die  Städte  Apyre12),  Antiphellos13), 
welche  vormals  Habessus  hiess,  und  weiter  im  Lande: 
Phellus.  Sodann  Pyrrha  und  Xanthus14),  beide  15,000 
Schritte  vom  Meere  entfernt  und  der  Fluss  Xanthus.  Pa- 
tara15),  früher  Pataros,  Sidyma  auf  einem  Berge;  das  Vor- 
gebirge Cragus16).    Weiterhin   ein   dem  vorigen17)  gleicher 


1)  Die  Kette  im  Norden  von  Pamphylien  und  Cilicien. 

2)  Zwischen  dem  schwarzen  und  caspischen  Meere. 

3)  Cap  Cavaliere.    4)  Kurko.    5)  Monte  di  Goronte. 
8)  Agatsch-Baschi.    7)  Bingol. 

8)  Theile  der  Paschaliks  Muntescha  und  Tekke. 

9)  Arakli.     «>)  Sevedo.     »)  Mira.     ,2)  Fineka.     ,3)  Antifello. 
M)  Essenide.     15)  Patira.     ,6)  Cap  Serdeni? 

»)  Golf  von  Chelidoni. 


394  Fünftes  Buch. 

Busen  x),  an  welchem  Pinara  und  Telmessus  2),  die  Grenz- 
stadt von  Lycien,  liegen.  Lycien  hatte  einst  70  Städte, 
jetzt  hat  es  nur  noch  36.  Von  diesen  sind,  ausser  den  oben 
genannten,  noch  bemerkenswerth:  Canas,  Condyba,  berühmt 
durch  den  önischen  Wald,  Podalia,  Choma  am  Flusse 
Adesa,  Cyaneä,  Ascandalis,  Amelas,  Noscopium,  Tlos  und 
Telandrus.  In  der  Mitte  des  Landes  liegt  Cabalia  mit  den 
3  Städten  Oenoanda,  Balbura  und  Bubon.  Bei  Telmessus 
fängt  das  asiatische  oder  carpathische  Meer,  sowie  Asien 
im  engern  Sinne  3)  an.  Letzteres  hat  Agrippa  in  2  Theile 
getheilt.  Den  einen  Theil  schliesst  im  Osten  Phrygien  und 
Lycaonien,  im  Westen  das  ägeischeMeer,  im  Süden  Aegypten 
und  im  Norden  Paphlagonien  ein.  Seine  Länge  beträgt 
470,000,  seine  Breite  320,000  Schritte.  Die  Grenzen  des 
andern  Theiles  bestimmt  er  folgendermaassen:  gegen  Osten 
Klein-Armenien ,  gegen  Westen  Phrygien ,  Lycaonien  und 
Paniplfylien,  gegen  Norden  die  pontische  Provinz  und  gegen 
Süden  das  pamphylische  Meer.  Er  ist  575,000  Schritte 
lang  und  325,000  Schritte  breit. 

29. 
Das  nächste  Küstenland  ist  Carien,  dann  folgt  Jonien 
und  hinter  diesen  Aeolien.  Carien4)  schliesst  das  in  der 
Mitte  liegende  Doris  ein  und  stösst  zu  beiden  Seiten  bis 
ans  Meer.  In  ihm  sind  zu  merken:  das  Vorgebirge  Peda- 
lium  5),  der  Fluss  Glaucus,  der  nach  Telmedium  führt;  die 
Städte  Dädala  6)  und  Crya7),  von  Flüchtlingen  gegründet. 
Der  Fluss  Axon ,  die  Stadt  Calynda.  Der  Fluss  Indus  8) 
entspringt  auf  den  cibyratischen  Gebirgen  9),  nimmt  60  be- 
ständig strömende  Flüsse  und  noch  100  Giessbäche  auf 
Die  freie  Stadt  Caunos10),  dann  Pyrnos,  der  Hafen  Cressa11), 
20,000   Schritte   von   der   Insel   Rhodus.     Die   Ruinen   von 


')  Golf  von  Magri.     -)  Magri. 

3)  Anatoli  oder  Natolien. 

4)  Mit  Doris  das  Paschalik  Muntescha  z.  Th.     5)  Ginakri. 
6)  Doleman.    ')  Messi.     8)  Kabbeh.    9)  Horssulu. 

lü)  Kaiguez.     ")  Krissa. 


Fünftes  Buch.  395 

Lorynia1);  die  Städte  Tisanusa,  Paridion  und  Larymna. 
Der  Busen  Thymnias;  das  Vorgebirge  Aphrodisias;  die 
Stadt  Hyda;  der  Busen  Schönus;  der  Bezirk  Bubassus.  Auf 
dem  Vorgebirge  liegt  die  freie  Stadt  Gnidos  2),  welche  erst 
Triopia,  dann  Pegusa  und  Stadia  hiess.  Hier  fängt  Doris  an. 
Vorher  aber  müssen  wir  die  hintern  Länder  und  die  in 
der  Mitte  liegenden  Gerichtskreise  anführen.  Der  eine  von 
ihnen  heisst  der  cibyratische.  Die  Stadt  Cibyra 3)  selbst 
gehört  zu  Phrygien.  25  Gemeinden  und  die  berühmte  Stadt 
Laodicea  4)  sind  ihr  einverleibt.  Letztere  liegt  am  Flusse 
Lycus  5),  und  der  Asopus  und  Caprus  bespülen  sie  zu  bei 
den  Seiten.  Sie  hiess  erst  Diospolis,  dann  Rhoas.  Die 
übrigen  nennenswerthen  Gemeinden  in  diesem  Kreise  sind 
die  Hydreliter,  Themisoner  6)  und  Hierapoliter  7).  Der  an- 
dere Gerichtskreis  hat  seinen  Namen  von  der  Stadt  Synnas  8) 
bekommen.  Zu  ihm  gehören  die  Lycaoner,  Appianer,  Eu- 
carponer,  Doryläer  9),  Midäer,  Julienser  und  noch  15  unbe- 
deutende Völker.  Der  Hauptort  des  dritten  Kreises  ist 
Apamea10),  welches  früher  Celänä,  dann  Cibotos  hiess.  Es 
liegt  am  Fusse  des  Berges  Signiä11),  und  wird  von  den 
Flüssen  Marsyas,  Obrimas  und  Orgas 12),  welche  sich  in  den 
Mäander13)  ergiessen,  umflossen.  Hier  kommt  der  Marsyas 
wieder  zum  Vorschein,  denn  unweit  seines  Ursprunges  ver- 
birgt er  sich  an  der  Stelle,  wo  des  Marsyas  Wettstreit  auf 
der  Flöte  mit  dem  Apollo  vorgefallen  war14),  nämlich  zu 
Aulocrenä 15) ,  einem  10,000  Schritte  von  Apamea,  nach 
Phrygien  zu  liegenden  Thale.  Aus  diesem  Kreise  verdienen 
genannt  zu  werden:  die  Metvopoliter16),  Dionysopoliter,  Eu- 
phorbener,  Acmonenser,  Peltener17)  und  Silbianer.  Die 
übrigen  9  Völker  sind  unbedeutend. 

Am  Busen  von  Doris18)  liegen  Leucopolis,  Hamaxitos, 

')  Cap  Volno.    2)  Guido.    3)  Burun. 

<)  Eski-Hissar.     5)  Diokbunar.    6)  Denislei.    7)  Bambuk-Kalesi. 

8)  Said-Gazelle.     9)  Eskischeher.     10)  Afiuni-Karahissar. 

»)  Kaldes  Tagh.     12)  Burbascha.     I3)  Bojuk-Minder. 

,4)  Ovids  Metam.  VI.  383.     ,5)  Flötenbrunnen. 

•6)  Surmina.     ,7)  Peletis.     18)  Golf  von  Simie.     • 


396  Fünftes  Buch. 

Elans  und  Eutbeue.  Dann  folgen  die  carischen  Städte  Pi- 
taium,  Eutane  und  Halicarnassus  1).  Letzterer  sind  folgende 
6  Städte  von  Alexander  dem  Grossen  einverleibt:  Thean- 
gela  2) ,  Sibde ,  Medmassa ,  Euralium ,  Pedasus  3)  und  Tel- 
messus.  Sie  liegt  zwischen  zwei  Meerbusen ,  dem  cera- 
mischen  4)  und  dem  jasischen  5).  Dann  folgt  Myndos  6),  die 
Trümmer  von  Palämyndus,  Nariendus,  Neapolis,  Caryanda  7), 
das  freie  Termera,  Bargyla  8)  und  Jasus  9),  von  der  der  ja- 
sisclie  Busen  seinen  Namen  hat. 

Carien  steht  noch  sehr  im  Rufe  seiner  vormaligen  im 
Innern  belegenen  Städte;  denn  wo  jetzt  das  freie  Mylasa10) 
und  Antiochia11)  liegen,  da  standen  früher  Symmäthos  und 
Cranaos;  jetzt  wird  diese  Gegend  vom  Mäander12)  und  Or- 
sinus 13)  umflossen.  Daselbst  lag  auch  ehemals  Mäandro- 
polis  14).  Jetzt  findet  man  Eumenia,  am  Flusse  Cludrus; 
der  Fluss  Glaucus,  die  Stadt  Lysias,  Orthosia,  die  berecyn- 
tische  Gegend,  Nysa15);  Trallis16),  welches  auch  Evanthia, 
Seleucia  und  Antiochia  heisst,  liegt  am  Flusse  Eudon  und 
wird  vom  Thebais  durchschnitten.  Nach  Einigen  sollen  da- 
selbst die  Pygmäer  gewohnt  haben.  Ausserdem  liegen  hier: 
Thydonos,  Pyrrha,  Eurane,  Heraclea 17),  Amyzon 1S),  das  freie 
Alabanda 19),  von  dem  der  Kreis  seinen  Namen  hat,  das  freie 
Stratonicea 20) ,  Hynidos ,  Ceramus 21) ,  Trözene ,  Phorontis. 
Entlegenere  Völker,  welche  zu  diesem  Gerichtsbezirke  ge- 
hören, sind:  die  Orthronienser,  Halydienser  oder  Hippiner, 
die  Xystianer,  Hydissenser,  Apolloniater,  Trapezopoliter22) 
und  die  freien  Aphrodisienser 23).  Noch  sind  zu  merken: 
Coscinus,  Harpasa24)  am  Flusse  Harpasus25),  der  auch  bei 
der  ehemaligen  Stadt  Trallicon  vorbeifloss. 


')  Budru;  Vaterstadt  des  Herodot  und  Dionysius. 

"-)  Karabaglar.   3)  Paitschin.    4)  Golf  Stanka.    5)  Askeni-Kalesi 

6)  Mentesche.     7)  Karracion.     8)  Barghili.    9)  Askem-Kalesi. 

,0)  Myllesch.     »)  Jenischeer.     12)  Bujuk-Minder.     ,3)  Jenscher. 

M)  Guzel-Hissar.     15)  Nasli.     16)  Sultanhissar. 

,7)  Am  Berge  Latmos.     18)  Ruinen  bei  Baffo.     ,9)  Karpusoli. 

-°)  Eskihissar.     21)  Keramo.    22)  Karads-je-su.    23)  Dsjera. 

'■")  Arpas-Kalesi.     25)  Tschina. 


Fünftes  Buch.  397 

30. 

Lydien1),  welches  der  vielfach  gewundene  Mäander 
durchfliesst  und  das  früher  Mäonien  hiess,  geht  über  Jonien 
hinaus,  grenzt  gegen  Osten  an  Phrygien,  gegen  Norden  an 
Mysien  und  gegen  Mittag  an  Carien.  Seinen  grössten  Ruhm 
verdankt  es  Sardes 2) ,  einer  Stadt  am  Berge  Tmolus 3), 
welcher  früher  Tinolus  hiess,  mit  Weinreben  bepflanzt  ist 
und  auf  dem  der  Pactolus,  Chrysorrhoas  und  die  Quelle 
Tarne  entspringen.  Von  den  Mäoniern  ist  die  Stadt  selbst 
Hyde  genannt  und  bemerkenswerth  durch  den  gygäischen  4) 
See.  Jetzt  heisst  dieser  Gerichtsbezirk  der  sardianische. 
Ausser  den  schon  genannten  gehören  dazu:  die  macedo- 
nischen  Caduener ,  die  Lorener ,  die  Philadelphener  5) ,  die 
die  am  Fusse  des  Tmolus,  am  Flusse  Cogamus  wohnenden 
Mäonier,  die  Tripolitaner,  welche,  sowie  die  Antoniopoliter 
am  Mäander  wohnen,  die  Apollonoshieriter ,  Mesotimoliter 
und  noch  einige  unbedeutende. 

31. 

Jonien  6)  fängt  am  jasischen  Meerbusen  an  und  dehnt 
sich  einer  noch  buchtenreichem  Küste  entlang  aus.  Ihr 
erster  Busen  heisst  der  basilische  7);  dann  folgt  das  Vor- 
gebirge Posideum  8)  nebst  einer  Stadt 9)  gleichen  Namens, 
das  Orakel,  welches  früher  das  der  Brauchiden10),  jetzt  aber 
das  des  Apollo  Didymäus  heisst  und  20  Stadien  von  der 
Küste  entfernt  ist.  180  Stadien  weiter  liegt  Milet11),  die 
Hauptstadt  von  Jonien,  vormals  Lelege'is,  Pityusa  und  Anac- 
toria genannt,  die  Gründerin  von  mehr  als  90  an  allen 
Meeren  gelegenen  Städten;  auch  dürfen  wir  ihren  Bürger 
Cadmus  nicht  übergehen,  der  zuerst  eine  prosaische  Rede 
aufzusetzen  lehrte.   Der  Fluss  Mäander  entspringt  aus  einem 


*)  Paschalik  Szarnkhan.     -)  Sart.     3)  Bergi. 

4)  Innlighol;  in  dessen  Nähe  befanden  sich  die  Gräber  der  alten 
Könige  von  Lydien. 

5)  Allascheher.     6)  Paschalik  Sighla. 

7)  Meerbusen  von  Melasso.    8)  Cap  Melasso.    »)  Melasso. 
10)  Die  Nachfolger  des  Branchos,  eines  Priesters  des  Apollo. 
")  Palatschia. 


398  Fünftes  Buch. 

See  am  Berge  Aulocrene,  fliesst  an  mehreren  Städten  vor- 
bei, nimmt  viele  Flüsse  auf  und  macht  so  viele  Krüm- 
mungen, dass  man  oft  glauben  könnte,  er  kehre  wieder  um. 
Zuerst  durchzieht  er  die  apamenische  Gegend,  dann  die 
eumenetische,  hierauf  die  bargyletischen  Ebenen  und  zuletzt 
fliesst  er  sanft  durch  Carien,  düngt  deren  Aecker  mit  frucht- 
barem Schlamme  und  ergiesst  sich  10  Stadien  von  Milet 
ruhig  ins  Meer.  Nun  folgt  der  Berg  Latmos,  die  Stadt 
Heraclea  1),  welche  von  diesem  Berge  einen  Beinamen  führt, 
Caryca,  Myus  2),  was  die  von  Athen  zuerst  eingewanderten 
Jonier  gegründet  haben  sollen,  Naulochum,  Priene  3);  der 
Fluss  Gessus  an  der  sogenannten  trogilischen  Küste  4);  die 
allen  Joniern  heilige  Gegend,  welche  daher  auch  Panjonia  5) 
heisst.  Daneben  lag  die  (wie  schon  der  Name  sagt)  von 
Flüchtlingen  gebauete  Stadt  Phygela  6),  sowie  Marathesium. 
Dahinter  Magnesia7),  bekannt  durch  ihren  vom  Mäander 
entlehnten  Beinamen  und  Tochterstadt  des  thessalischen 
Magnesia.  Ihre  Entfernung  von  Ephesus  beträgt  15,000 
Schritte,  von  Tralles  noch  3000  mehr.  Früher  hiess  sie 
Thessalocce  und  Androlitia,  und  da  sie  dicht  au  der  Küste 
liegt,  so  hat  sie  die  derasidischen  Inseln  mit  sich  vereinigt 
und  dem  Meere  entzogen.  Im  Innern  des  Landes  liegt  am 
Lycus  8)  Thyatira  9),  früher  unter  den  Namen  Pelopia  und 
Euhippia. 

An  der  Küste  aber  folgen:  Mantium,  Ephesus10),  ein 
Werk  der  Amazonen.  Diese  Stadt  hat  oft  ihren  Namen 
gewechselt.  Zur  Zeit  des  trojanischen  Krieges  hiess  sie 
Alopes,  dann  Ortygia,  Morges,  Smyrna  mit  dem  Beinamen 


')  Jotan.  2)  Wurde  schon  früh  zerstört  und  die  Einwohner 
nach   Milet  versetzt. 

3)  Samsun-Kalessi.     4)  Cap  St.  Maria. 

5)  Tshängli.  Hier  versammelten  sich  alljährlich  die  Abgeordneten 
der  12  jonischen  verbündeten  Städte. 

6)  Figela.    7)  Guzelhissar.     8)  Kodos.    9)  Akhissar. 

10)  Aja-Saluk;  sonst  eine  der  prächtigsten  Städte  in  Asien,  be- 
rühmt durch  den  Tempel  der  Diana  und  als  die  Geburtsstadt  des 
Heraclit  und  des  Malers  Parrhasias. 


Fünftes  Buch.  399 

Trachea,  Samornion  und  Ptelea.  Sie  erliebt  sich  am  Berge 
Pion  und  wird  vom  Cayster  J)  bespült,  der  auf  dem  cil- 
bianischen  Gebirge  entspringt  und  viele  Flüsse  nebst  dem 
pegaseischen  Sumpfe,  den  der  Fluss  Phyrites  zum  Abfluss 
nöthigt,  aufnimmt.  Diese  Flüsse  führen  viel  Schlamm  mit 
sich,  wodurch  sich  in  dem  Maasse  Land  ansetzt,  dass  die 
Insel  Syrie  bereits  mitten  in  den  Feldern  liegt.  In  der 
Stadt  befindet  sich  die  Quelle  Callipia  und  die  beiden  Seen 
Selinus,  welche  von  verschiedenen  Seiten  den  Tempel  der 
Diana  einschliessen.  Von  Ephesus  gelangt  man  zu  einem 
zweiten  Mantium,  im  Gebiete  der  Colophonier  und  im  Innern, 
am  Flusse  Heiasus,  liegt  Colophon  2)  selbst.  Dann  folgt 
der  Tempel  des  clarischen  Apollo  3),  ferner  Lebedos  4) ;  auch 
die  Stadt  Notium  lag  hier.  Das  Vorgebirge  Coryceon  5), 
der  150,000  Schritte  weit  ins  Meer  auslaufende  und  nach 
dem  festen  Lande  hin  in  eine  weite  Ebene  sich  verlierende 
Berg  Mimas  6).  An  dieser  Stelle  liess  Alexander  der  Grosse 
eine  7500  Schritte  lange  Strecke  durchstechen,  um  zwei 
Busen  7)  mit  einander  zu  verbinden  und  Erythrä  8)  nebst 
dem  Mimas  mit  Wasser  zu  umgeben.  Nicht  weit  davon 
lagen  die  Städte  Pteleon,  Helos  und  Dorion;  jetzt  fliesst 
daselbst  der  Aleon.  Corynäum,  das  Vorgebirge  des  Mimas, 
Clazomenä  9),  Parthenie  und  Hippi,  Chytrophoria  genannt, 
als  sie  noch  Inseln  waren,  und  die  Alexander  durch  einen 
2  Stadien  langen  Damm  mit  dem  Festlande  vereinigt  hat. 
Im  Innern  sind  untergegangen:  Daphnus,  Hermesia  und  das 
früher  Tantalis  genannte  Sipylum,  die  ehemalige  Haupt- 
stadt von  Mäonien;  jetzt  befindet  sich  der  See  Säle  an 
ihrer  Stelle.  Auch  Archäopolis,  welches  Sipylum  im  Range 
folgte,  ist  nicht  mehr,  dann  folgte  Colpe  und  nach  dieser 
Lebade. 

Kehrt  man  von  da  wieder  zurück,  so  erreicht  man  nach 
einem  Wege  von  12,000  Schritten   an   der  Küste  die  von 


»)  Kutschuk-Minder  oder  der  kleine  Mäander.    2)  Dsjili. 

3)  Zille.     4)  Lebedizi  Hissar.    5)  Kurku.    6)  Karaburun. 

7)  Den  von  Ephesus  und  von  Snryrna.     8)  Ritre.     9)  Kelismen. 


400  Fünftes  Buch. 

Amazonen  erbaute  und  von  Alexander  wiederhergestellte 
Stadt  Smyrna  1),  an  dem  nicht  weit  davon  entspringenden 
Flusse  Meles.  In  dieser  Gegend  breiten  sich  die  vorzüg- 
lichsten Berge  Asiens  aus,  wie  der  Mastusia  im  Rücken 
von  Smyrna  und  der  Termitis,  welcher  bis  zu  dem  Fusse 
des  Olympus  2)  reicht.  Dieser  stösst  an  den  Draco ,  der 
Draco  an  den  Tmolus,  der  Tmolus  an  den  Cadmus  3)  und 
dieser  an  den  Taurus.  Bei  Smyrna  schwemmt  der  Her- 
mus 4)  Land  heran  und  giebt  ihm  seinen  Namen.  Er  ent- 
springt bei  Doryleum  5),  einer  Stadt  in  Phrygien,  und  nimmt 
viele  Flüsse  auf,  unter  andern  auch  den  Phryx,  der  dem 
anwohnenden  Volke  den  Namen  gegeben  hat  und  dessen 
Gebiet  von  Carien  scheidet;  ferner  den  Hyllus  und  Cryos, 
die  selbst  durch  andere  Flüsse  Phrygiens,  Mysiens  und  In- 
diens verstärkt  werden.  An  der  Mündung  des  Hermus  lag 
vormals  die  Stadt  Temnos  6);  jetzt  sieht  man  am  äussersten 
Ende  des  7)  Meerbusens  die  myrmecischen  Felsen;  die  Stadt 
Leuce,  an  einem  Vorgebirge,  welches  früher  eine  Insel  war, 
und  Pbocäa  s)  bilden  den  Grenzpunkt  von  Jonien. 

Zum  smyrnaischen  Gerichtsbezirke  gehört  ein  grosser 
Theil  Aeoliens,  von  dem  bald  die  Rede  sein  wird,  ausser- 
dem noch  die  hyrcanischen  Macedonier  und  die  Magneter  9) 
am  Sipylus.  Nach  Ephesus  aber,  dem  andern  berühmten 
Gerichtsbezirke  Asiens,  gehören  die  entfernten  Cäsarienser, 
Metropoliter 10) ,  untern  und  obern  Cilbianer  u) ,  Mysomace- 
donier,  Mastaurenser,  Briulliter,  Hypäpener12)  und  Dios- 
hieriter. 

32. 

Nun  folgt  zunächst  Aeolien13),  welches  früher  Mysien 
hiess,  und  das  am  Hellesponte  liegende  Troas.  Von  Pbocäa 
ab  gelangt  man  zuerst  zum  Hafen  Ascanius.  Weiterhin  lag 
ehemals   Larissa14),  jetzt  sind  dort   Cyme15)   und  Myrina, 


»)  Ismir.    -)  Keschisch-Dagh.    3)  Baba-Dagh.     '')  Sarabat. 
5)  Eskischeber.     6)  Memmen.     7)  smyrnaischen.     8)  Fokia. 
»)  Manissa.     >°)  Tireh.     »)  Durgut.     l2)  Tappui. 
,3)  Paschalik  Aidin.     ")  Larusar.     ,5)  Nemourt. 


Fünftes  Buch.  401 

welche  letztere  sich  auch  Sebastopolis  nennt.  Im  Innern: 
Aegä  *),  Attalia  2),  Posidea,  Neontichos,  Temnos  3).  An  der 
Küste  ist  der  Fluss  Titanus  und  ein  nach  ihm  benanntes 
Städtchen.  Statt  der  frühem  Stadt  Grynia  sind  nur  noch 
zwei  Häfen  auf  einer  mit  dem  Festlande  verbundenen  Insel 
vorhanden.  Die  Stadt  Eläa 4)  und  der  aus  Mysien  kom- 
mende Fluss  Caicus  5).  Die  Stadt  Pitane  6)  und  der  Fluss 
Ganaius.  Nicht  mehr  vorhanden  sind:  Canä  7),  Lysimachia, 
Atarnea8),  Carene,  Cisthene  9),  Cilla10),  Cocylium,  Thebe, 
Astyre,  Chrysa,  Paläscepsis,  Gergithos,  Neandros;  jetzt  liegt 
daselbst  der  Flecken  Pefperene,  die  Landschaft  Heracleot.es, 
die  Stadt  Coryphas.  Die  Flüsse  Geylios  und  Ollius;  der 
Bezirk  Aphrodisias,  der  früher  Politice  Orgas  hiess,  der  Be- 
zirk Scepsis;  der  Fluss  Evenus,  an  dessen  Ufern  die  jetzt 
verschwundenen  Städte  Lyrnessos  und  Miletos  lagen.  Hier 
erhebt  sich  auch  der  Berg  Ida.  An  der  Küste  liegt  die 
ehemals  Pedasus  genannte  Stadt  Adramytteos11),  nach  (lei- 
der Busen  und  Kreis  benannt  ist.  Flüsse:  der  Astron,  Cor- 
nialos,  Criamos,  Alabastros  und  der  vom  Ida  kommende 
Hieros.  Im  Innern  liegt  der  Berg  Gargara  und  eine  Stadt 
gleichen  Namens.  Wiederum  an  der  Küste:  Antandros 12), 
früher  Edonis ,  dann  Cimmeris  genannt  und  Asses 13)  oder 
Apollonia.  Hier  lag  auch  die  Stadt  Palamedium.  Das  Vor- 
gebirge Lecton  M),  welches  Aeolis  von  Troas  scheidet.  Auch 
der  Flecken  Polymediä,  Chrysa  und  noch  ein  anderes  La- 
rissa  standen  hier.  Der  smintheische  Tempel 15)  ist  noch 
vorhanden.  Colone  im  Innern  ist  untergegangen.  Zu  Adra- 
mytteos führen  ihre  Rechtshändel:  die  am  Flusse  Rhynda- 
cus16)  wohnenden  Apolloniater 17),  dieErizier,  Miletopoliter13), 
Pämaneuer,  asculacischen  Macedonier,  Polichnäer,  Piouiter, 


*)  Guzel-Hissar.     2)  Italieh.    3)  Menimen.    4)  Jalea. 

3)  Girmaki.     «)  Sanclarlik.    7)  Kanot-Köi.     *)  Dikeli-Köi. 

»)  Kidonia.     ,0)  Zeizeli-Küi.     ")  Adramiti. 

n)  Antandro.     13)  Asso.     '*)  Cap  Baba. 

,5)  Des  Apollo.     ,6)  Lubad. 

")  Abellionte.     ,8)  Bali-Kesri. 

26 


402 


Fünftes  Buch. 


mandacadenischen  Cilicier  und  in  Mysien  die  Abrettiner, 
die  auch  Hellespontier  heissen,  und  andere  unbedeutende 
Völker. 

33. 
Der  erste  Ort  in  Troas  *)  heisst  Hamaxitos  2) ,  dann 
folgt  Cebrenia,  Troas  3)  selbst,  das  Antigonia  genannt  wurde, 
jetzt  aber  unter  dem  Namen  Alexandria  eine  römische  Co- 
lonie  ist.  Die  Stadt  Nee.  Der  schiffbare  Fluss  Scaman- 
der 4) ,  und  an  einem  Vorgebirge 5)  die  ehemalige  Stadt 
Sigeum.  Dann  der  Hafen  der  Achäer,  in  den  sich  der  mit 
dem  Simois 6)  vereinigte  Xanthus  7)  ergiesst ,  sowie  auch 
der  Paläscamander ,  der  vorher  einen  See8)  bildet.  Von 
den  übrigen  von  Homer  9)  angeführten  Städten  Rhesus,  Hep- 
taporus,  Caresus  und  Rhodius  ist  keine  Spur  mehr  vorhan- 
den. Der  Granicus 10)  fliesst  in  einer  andern  Richtung  in 
den  Propontis.  Doch  besteht  noch  jetzt  der  kleine  Flecken 
Scamandria  und  1500  Schritte  vom  Hafen  entfernt  das  steuer- 
freie Ilium n) ,  von  dem  der  ganze  Ruhm  jener  Begeben- 
heiten ausging.  Ausserhalb  des  Busens  liegt  die  rhöteische 
Küste  mit  den  Städten  Rböteum,  Dardanium12)  und  Arisbe. 
Auch  existirte  eine  Stadt  Achilleon,  welche  neben  dem  Grabe 
des  Achilles  von  den  Mityleniern  und  nachmals  von  den 
Atheniensern  am  Vorgebirge  Sigeum 13),  wo  Achill's  Flotte 
gestanden  hatte,  erbauet  war.  Aeantium,  von  den  Rhodiern 
erbauet,  lag  auf  der  andern  Landspitze,  beim  Grabmale 
des  Ajax,  30  Stadien  von  Sigeum,  da  wo  dessen  Flotte  vor 
Anker  lag. 


»)  PaschaUk  Bigha.    2)  Messi.    3)  Eski  Stambul. 

4)  Skamandro.     5)  Cap  Jenischeher.     6)  Mendre-Su. 

')  Ist  mit  dem  Scamander  ein  und  derselbe  Fluss. 

8)  Stomalimne.     9)  Iliade  XII.  20. 

10)  Uetwola,  berühmt  durch  Alexanders  ersten  Sieg  über  die 
Perser. 

")  Wurde  1184  v.  Chr.  von  den  Griechen  zerstört.  Die  bei  dem 
Dorie  Bunar-Baschi  liegenden  Ruinen  sind  von  dem  spätem,  von 
Alexander  dem  Grossen  erbaueten  llium. 

'-)  Gallipoli.     13)  Cap  Jenischeher. 


Fünftes  Buch.  4Q3 

Ueber  Aeolieu  und  Troas,  mitten  im  Lande,  liegt  der 
Bezirk  Teutbrania,  welchen  die  Mysier  vormals  in  Besitz 
hatten.  Dort  entspringt  der  schon  genannte  Fluss  Caicus. 
Das  dortige  Volk  war  schon  sehr  mächtig,  als  noch  das 
ganze  Land  Mysien  genannt  wurde;  und  ich  bemerke  da- 
von: Pioniä,  Andera,  Cale,  Stabulum,  Conisium,  Tegium, 
Balcea,  Tiare,  Teuthranie,  Sarnaca,  Haliserne,  Lycide,  Par- 
thenium,  Thymbre,  Oxyopum,  Lygdamum,  Apollonia  l)  und 
Pergamum  2) ,  eine  der  berühmtesten  Städte  Asiens ,  durch 
welche  der  Selinus  fliesst,  und  wo  der  vom  Berge  Pinda- 
sus  kommende  Cetius  vorbeifliesst.  Nicht  weit  davon  liegt 
Eläa,  die  wir  bereits  bei  der  Küste  genannt  haben.  Der 
Gerichtsbezirk  dieser  Gegend  heisst  der  pergamenische  und 
zu  ihm  gehören:  die  Thyatirener,  Mygdoner,  Mosyner,  Breg- 
menter,  Hieracometer,  Perperener,  Tiarener,  Hierolophienser, 
Hermocapeliter ,  Attalenser,  Pantänser,  Apollonidienser 3) 
und  andere  unbedeutende.  Von  Rhoeteum  liegt  die  kleine 
Stadt  Dardanium  70  Stadien  entfernt.  Von  hier  bis  zum 
Vorgebirge  Trapeza,  wo  der  Hellespont  anfängt,  sind  es 
18,000  Schritte. 

Nach  Eratosthenes  sind  folgende  Völker  untergegangen; 
die  Solymer,  Leleger,  Bebrycer,  Colycantie\  Tripseder: 
nach  Isidorus  die  Arimer  und  Capreter,  welche  da  wohnten, 
wo  Apamea  4)  vom  König  Seleucus  zwischen  Cilicien,  Cappa- 
docien,  Cataonien  und  Armenien  erbauet  ist,  und  diese  Stadt 
soll,  weil  sie  die  wildesten  Völker  bezwungen  hatte,  anfangs 
Damea  genannt  worden  sein. 

34. 

Die  erste  unter  den  Inseln  vor  Asien  liegt  in  der 
canopischen  Mündung  des  Nils  und  hat  (wie  man  sagt)  ihren 
Namen  vom  Canopus,  dem  Steuermanne  des  Menelaus.  Eine 
andere,  durch  eine  Brücke  mit  Alexandrien  verbunden,  ist 


')  Bairam.     2)  Bergainah.     s)  Balamonte.. 

4)  Fanrieh,  auf  einer  Insel  des  Orontes  (Nähr  el  Asi)   13  Meilen 
südlich  von  Antiochia. 

26* 


404 


Fünftes  Buch. 


eine  Colonie  des  Dictators  Cäsar  und  heisst  Pharos 1). 
Früher  war  sie  eine  Seetagereise  von  Aegypten  entfernt; 
jetzt  befindet  sich  auf  ihr  ein  Leuchtturm,  der  des  Nachts 
die  Fahrt  der  Schiffe  leitet,  denn  wegen  der  gefährlichen 
Untiefen  kann  man  überhaupt  nur  auf  3  Wegen,  dem  stega- 
nischen,  posideischen  und  taurischen,  nach  Alexandrien  ge- 
langen. 

Dann  folgt  im  phönicischen  Meere  vor  Joppe  die  Insel 
Paria,  die  eigentlich  nur  eine  Stadt  bildet  und  auf  welcher 
Andromeda  dem  Seeungeheuer  vorgeworfen  sein  soll 2). 
Ferner  die  schon 3)  genannte  Insel  Arados ,  zwischen  der 
und  dem  Festlande,  aus  einer  Tiefe  von  50  Ellen  (wie 
Mucian  erzählt)  süsses  Wasser  aus  einer  Quelle  "mittelst 
einer  ledernen  Röhre  heraufgezogen  wird4). 

35. 

Das  pamphylische  Meer  enthält  nur  unbedeutende  In- 
seln. Im  cilicischen  liegt  Cyprus5),  eine  der  5  grössten 
Inseln6);  sie  ist  mit  ihrer  Ost-  und  Westseite  nach  Cilicien 
und  Syrien  gerichtet  und  war  einst  der  Sitz  von  9  König- 
reichen. Ihr  Umfang  beträgt  nach  Timosthenes  427,500, 
nach  Isidorus  375,000  Schritte.  Die  Länge  zwischen  den 
beiden  Vorgebirgen  Dinä  7)  und  Acamas  8),  welches  letztere 
das  westliche  ist,  giebt  Artemidorus  auf  162,500,  Timosthe- 
auf  200,000  Schritte  an.  Nach  Philonides  9)  hiess  sie  früher 
Acamantis;  nach  Xenagoras  Cerastis10),  Aspelia,  Ainathusia 
und  Macaria11);  nach  Astynomus12)  Cryptos  und  Colinia. 
Folgende  15  Städte  liegen  auf  ihr:   Nea  Paphos13),   Palä- 


*)  Die    Inseln    Canopus  und    Pharus   sind  jetzt   mit    dem  festen 
Lande  verbunden. 

2)  S.  im  14.  Cap.     3)  Im  19.  Cap. 

4)  Darüber  im  XXXI.  B.  37.  Cap.    5)  Cypern. 

6)  Im  mittelländischen  Meere.     8)  S.  Andreas.     8)  S.  Epiphani. 

9)  Unbekannter  Schriftsteller. 

,0)  D.  h.  die  Gehörnte,  wegen  der  vielen  Landspitzen. 

")  Wegen  ihrer  Fr  achtbarkeit:   Die  Gesegnete. 

'-)  Unbekannt.    '»)  Baffa. 


Fünftes  Buch.  405 

paphos  x) ,  Curias  8) ,  Citium  3) ,  Corineum  4) ,  Salamis  5), 
Amathos6),  Lapethos7),  Solo8),  Tamaseus,  Epidarum 9), 
Chytri10),  Arsinoe11),  Carpasium 12)  und  Golgi.  Cinyria, 
Marium  und  Idaliuni  existiren  nicht  mehr.  Von  Anemurium 
in  Cilicien  ist  sie  50,000  Schritte  entfernt  uud  das  dazwischen 
liegende  Meer  heisst  Aulon  cilicium13).  Hier  befindet  sich 
auch  die  Insel  Eleusa  und  vor  dem  Syrien  gegenüber  lie- 
genden Vorgebirge14)  die  4  clidischen  Inseln;  vor  der  andern 
Landspitze15)  aber  Stiria;  Neapaphos  gegenüber  Hierocepia 
und  nach  Salamis  hin  die  salaminischen  Inseln. 

Im  lycischen  Meere  liegen:  Illyris,  Telendos ,  Attele- 
bussa,  die  3  unfruchtbaren  cyprischen  und  Dionysia,  welche 
früher  Caretha  hiess.  Dann  folgen,  dem  Vorgebirge  16)  des 
Taurus  gegenüber,  die  den  Seefahrern  gefährlichen  3  che- 
lidonischen 17).  Hierauf:  Leucolla  mit  einer  Stadt,  die  Pac- 
tyen,  Lasia,  Nymphais,  Macris,  Megista18),  deren  Stadt 
untergegangen  ist  und  noch  viele  unbedeutende.  Chimäia 
gegenüber  liegen  Dolichiste19),  Chirogylium,  Crambussa 20), 
Rhoge21),  Enagora,  8000  Schritte  gross,  die  beiden  däda- 
lischen,  die  3  crye'ischen,  Strongyle,  Sidyma22)  gegenüber 
die  Insel  des  Antiochus,  dem  Flusse  Glaucus  gegenüber 
Lagussa,  Macris,  die  Didymen,  Helbo,  Scope,  Aspis  und  Te- 


J)  Eski-Baffa.    2)  Piscopia.    3)  Chiti.    4)  Cerines. 

5)  Porto  Constanza.  Sie  wurde  von  Teucer  erbauet,  als  ihn  nach 
der  Rückkehr  von  Troja  der  Schwur  seines  Vaters  aus  dem  Vater- 
lande verbannte. 

6)  Limesol.    7)  Lapta. 

8)  SoHa.  Hier  hatten  sich  viele  Athener  angesiedelt,  deren 
Sprache  durch  den  Umgang  mit  den  Eingebornen  verdorben  wurde; 
daher  heisst  jeder  schlechte,  verdorbene  Dialect  Solöcismus. 

9)  Pitarenü.     ,0)  Cherkes. 

n)  Mehrere  Städte  auf  Cypern  führten  diesen  Namen;  an  der 
Stelle  der  einen  steht  jetzt  Alessandretta,  und  an  der  einer  andern 
Aryes. 

12)  Karpas.     I3)  Die  cilicische  Strasse.     I4)  Dinaretum. 

,s)  Acamas.     ,6)  Cap  Chehdoni.     ")  Icole  Correnti. 

'*)  Kastelorizo.     ,9)  Kakava.     20)  Grambusa.    21)  Kastei  Rosso. 

22)  In  Lycien. 


406  Fünftes  Buch. 

landria,   deren  Stadt  untergegangen  ist.     Dem  Caunus  zu- 
nächst liegt  Rbodussa. 

36. 

Aber  am  schönsten  ist  die  freie  Insel  Rhodus,  welche 
125,000,  oder  wenn  wir  lieber  dem  Isidorus  Glauben  schenken 
wollen,  103,000  Schritte  im  Umfange  hat.  Auf  ihr  liegen 
die  Städte  Lindus  *),  Camirus  2)  und  Jalysus,  die  jetzt  Rho- 
dus 3)  heisst.  Nach  Isidorus  beträgt  ihre  Entfernung  von 
Alexandrien  in  Aegypten  583,000  Schritte,  nach  Eratosthe- 
nes  469,000,  nach  Mucianus  500,000,  von  Cypern  aber 
166,000.  Vormals  hiess  sie  Ophiusa,  Asteria,  Aethräa,  Tri- 
nacria,  Corymbia,  Pöressa,  Atabyria  nach  einem  Könige, 
Macaria  und  Aloessa.  Inseln,  die  dem  Rhodern  gehören, 
sind:  Carpathus  4),  von  der  das  Meer  den  Namen  hat,  Ca- 
sos  5)  ehemals  Achne,  Nisyros  6),  welche  von  Gnidus  12,500 
Schritte  entfernt  ist  und  früher  Porphyris  hiess.  Mitten 
zwischen  Rhodus  und  Gnidus  liegt  Syme  7),  mit  einem  Um- 
fange von  37,500  Schritten  und  8  bequemen  Häfen.  Ausser- 
dem liegen  um  Rhodus:  Cyclopis,  Steganos,  Cordylussa  8), 
die  4  Diabeten,  Hymos ,  Chalce  9)  mit  einer  Stadt,  Seut- 
lussa,  Narthecussa,  Dimastos,  Progne;  hinter  Gnidus:  Cisse- 
russa,  Therionarce,  Calydne10)  mit  den  3  Städten  Notium, 
Nisyrum  und  Mendeterum ,  und  auf  Arconnesus  die  Stadt 
Ceramus.  An  der  Küste  von  Carien  liegen  die  sogenannten 
argischen  Inseln,  20  an  der  Zahl,  ferner  Hyrtussa,  Lepsia11) 
und  Leros12). 

Die  berühmteste  in  diesem  Meerbusen  ist  Cos 13)  15,000 
Schritte  von  Halicarnassus  entfernt  und  100,000  Schritte 
im  Umfange.  Wie  die  Meisten  glauben,  hat  sie  früher  Me- 
rope  geheissen,  nach  Staphylus 14)  aber  Cea,  nach  Dionysius 
Meropis,  später  Nymphäa.  Auf  ihr  liegt  der  Berg  Prion. 
Nisyros ,    die   vorhin    auch    unter    dem    Namen    Porphyris 


')  Lindo.     2)  Camiro.     3)  Rhodes.     4)  Scarpanto.     5)  Caso. 
6)  Nisari.     Sie  wurde  mit  zu  den  Sporaden  gezählt.     7)  Synii. 
8)  S.  Catharina.     9j  Chalki.     I0)  Calamine.     ")  Lipso. 
'*)  Lero.     I3)  Ko,    auch    Stanko.     M)  Arzt    aus    Naucratis,    über 
dessen  Lebensverhältnisse   nichts  weiter  bekannt  ist. 


Fünftes  Buch.  407 

aufgeführt  ist,  soll  von  Cos  abgerissen  sein.  Dann  folgt 
Caryanda  *)  mit  einer  Stadt,  Pidosus,  nicht  weit  von  Hali- 
carnassus.  Im  ceramisehen  Busen 2)  aber:  Priaponnesos, 
Hipponnesos,  Psyra3),  Mya,  Lampsa,  Aemindus,  Passala, 
Crusa,  Pyrrhe,  Sepiussa,  Melano  und  in  geringer  Entfer- 
nung vom  Festlande:  Cinädopolis  4),  weil  der  König  Alexan- 
der dergleichen  lasterhafte  Menschen  hier  zurückliess. 

37. 

An  der  jonischen  Küste  liegen  Tragiä,  die  Corseen  und 
Icaros,  von  der  schon  die  Rede  war5),  Lade,  früher  Late 
genannt,  und  unter  den  unbedeutendem  die  beiden  Came- 
liden  nahe  bei  Milet;  bei  Mycale  die  3  trogilischen  Inseln 
Philion,  Argennos  und  Sandalios;  die  freie  Insel  Samos  6) 
87,000  Schritte,  oder  nach  Isidorus  100,000  im  Umfange. 
Nach  Aristoteles  hiess  sie  zuerst  Parthenia,  dann  Dryussa 
und  darauf  Anthemussa.  Aristocritus  7)  fügt  noch  die  Na- 
men Melamphyllus  und  Cyparissia  hinzu;  Andere  nennen 
sie  Parthenoarussa  und  Stephane.  Die  Flüsse  auf  derselben 
sind  Imbrasus,  Chesius,  Ibettes;  Quellen:  Gigartho  und  Leu- 
cothea.  Der  Berg  Cercetius  8).  In  der  Nähe  liegen  die  In- 
seln Rhypara,  Nymphäa  und  Achilläa. 

38. 

Gleiche  Berühmtheit  mit  Samos  hat  die  94,000  Schritte 
davon  entfernte  freie  Insel  Chios  9)  mit  einer  Stadt.  Ephö- 
rus  nennt  sie  mit  ihrem  alten  Namen  Aethalia;  nach  Me- 
trod  orusund  Cleobulus10)  heisst  sie  Chia,  entweder  von  der 
Nymphe  Chione  oder  vom  Schnee,  sonst  auch  Macris  und 
Pityusa.  Der  auf  ihr  befindliche  Berg  Pellinäus  liefert  den 
bekannten  chiischen  Marmor.  Nach  den  älteren  Schrift- 
stellern hat  sie  einen  Umfang  von  125,000  Schritten,  nach 
Isidorus  noch  9000  mehr.  Sie  liegt  zwischen  Samos  und 
Lesbos,  Erythrä  gerade  gegenüber. 


*)  Coracöion.    2)  Golf  von  Castel  Marniora.    3)  Ipsera. 

4)  Knabenschänderstadt.     5)  Im  IV.  B.  23.  Cap. 

6)  Susam-Adasi.    7)  Unbekannt.     8)  Kertlis.    9)  Skio. 

10)  Einer  der  7  Weisen,  aus  Lindus  auf  Rhodus,  st.  um  560  v.  Chr. 


Fünftes  Buch. 


Ganz  in  der  Nähe  liegen:  Thaliusa,  welche  Eiuige  auch 
Daphnusa  schreiben ,  Oenussa  x) ,  Elaphitis ,  Euryanassa, 
Arginusa  mit  einer  Stadt;  diese  und  die  sogenannten  Pisi- 
straten  Antbinä,  Myonnesos  2)  Diarrheusa  liegen  um  Ephe- 
sus;  auf  den  beiden  letztern  sind  keine  Städte  mehr  vor- 
handen. Peroselene  mit  einer  Stadt,  Cerciä,  Halone  3),  Com- 
moue,  Illetia;  Lepria,  Rbesperia,  die  Procusä,  Balbulä,  Phanä, 
Priapos ,  Syce,  Melane,  Aenare,  Sidusa,  Pela,  Drymusa, 
Anhydros,  Scopelos,  Sycussa,  Marathussa,  Psile,  Perirrheusa 
und  viele  andere  unbedeutende.  Berühmt  aber  ist  die  im 
hohen  Meere  liegende  Insel  Teos  4)  mit  einer  Stadt,  71,500 
Schritte  von  Chios  und  ebensoweit  von  Erythrä  entfernt. 

Bei  Smyrna  liegen  die  Peristeriden:  Carteria,  Alopece, 
Eliiusa,  Bachina,  Pystira,  Crommyonesos,  Megale.  Vor  Troas 
die  ascanisclien  und  die  3  plateischen  Inseln;  feiner  die 
Lamien,  die  2  plitanischen,  Plate,  Scopelos,  Getone,  Artlie- 
don,  die  Cola,  Lagussä  und  Didymä. 

39. 

Sehr  berühmt  ist  ferner  die  65,000  Schritte  von  Chios 
entfernte  Insel  Lesbos5),  früher  Himerte,  Lasia,  Pelasgia, 
Aegira,  Aethiope,  Macaria  genannt.  Sie  hatte  9  berühmte 
Städte,  von  denen  aber  Pyrrha  6)  vom  Meere  verschlungen, 
Arisbe  durch  ein  Erdbeben  zerstört  und  Antissa  mit  Me- 
thymna  7)  vereinigt  ist;  letztere  liegt  von  9  Städten  Asiens 
37,000  Schritte  entfernt.  Auch  Agamede  und  Hiera  sind 
nicht  mehr.  Nur  Eresos  8) ,  Pyrrha  9)  und  das  freie  Myti- 
lene10),  was  bereits  1500  Jahre  lang  blühet,  existiren  noch. 
Die  ganze  Insel  hat  nach  Isidorus  einen  Umfang  von  168,000, 
nach  altern  Schriftstellern  aber  von  195,000  Schritten.  Die 
auf  ihr  befindlichen  Berge  heissen:  Lepethymnus11),  Ordym- 
nus  ,   Macistus ,   Creon  und  Olympus.    Vom  nächsten  Fest- 

')  Spalmadori.     s)  Jalanghi-Liman.     3)  Aloni. 
')  Diese  giebt  Strabo    als  Halbinsel  an.     Jetst  hängt  sie   auch 
i.i it  dem  Festlande  zusammen.    Die  Stadt  heisst  Bodrun. 
')  Metelino.    ,;)  Cop,  bei  dem  jetzigen  Hafen  Caloni. 
~\  Molivo. 
8)  Eresso.    »)  Kaloni.     ><>)  Castros.     1!)  Leptimo. 


Fünftes  Buch.  409 

lande  ist  sie  7500  Schritte  entfernt.  In  der  Nähe  liegen 
die  Inseln  Sandaleon  und  die  5  leucischen,  von  denen 
Cydonea  warme  Quellen  hat.  Die  Argenussen  liegen  von 
Aege  4000  Schritte  weit.  Dann  Phellusa  und  Pedna.  Noch 
ausserhalb  des  Hellespontes,  dem  sigeischen  Ufer  gegen- 
über, liegt  Tenedus  x),  auch  Leucophrys,  Phönice  und  Lyr- 
nessos  genannt.  Ihre  Entfernung  von  Lesbos  beträgt  56,000, 
von  Sigeum  12,500  Schritte. 

40. 
Nun  nimmt  der  Hellespont  seinen  Anfang,  das  Meer 
stemmt  sich  gegen  das  Land,  wühlt  mit  seinen  Wogen  einen 
Weg  aus,  und  trennt  so  Asien  von  Europa.  Das  hier  lie- 
gende Vorgebirge  haben  wir  Trapeza 2)  genannt;  10,000 
Schritte  davon  liegt  die  Stadt  Abydus  3),  wo  die  Meerenge 
7  Stadien  breit  ist.  Dann  folgt  die  Stadt  Percote  4)  und 
Lampsacus  5) ,  vormals  Pityusa  genannt.  Die  Colonie  Pa- 
rium  6),  welche  Homer  7)  Adrastia  nennt.  Die  Stadt  Pria- 
pus  8),  der  Fluss  Aesopus  9),  Zelia 10),  Propontis  n)  (nämlich 
die  Gegend,  wo  sich  das  Meer  wieder  erweitert);  der  Fluss 
Granicus 12),  der  Hafen  Artace 13),  wo  früher  eine  Stadt  war. 
Weiterhin  eine  Insel,  die  Alexander  mit  dem  Festlande  ver- 
bunden hat,  und  auf  welcher  die  milesiche  Stadt  Cyzicum14) 
liegt;  vormals  hiess  die  Insel  Arctonnesos,  Dolionis  und  von 
ihrer  höchsten  Bergspitze  Dindymus  auch  Dindymis.  Dann 
kommen  die  Städte:  Piacia15),  Ariace,  Scylace16),  in  deren 
Rücken  der  Berg  Olympus17),  genannt  der  mysische,  sich 
erhebt;  das  Städtchen  Olympena,  die  Flüsse  Horisius18) 
und    der   vormals   Lycus    geuannte    Rhyndacus 19).     Dieser 


')  Bokdsja-Adasi.    2)  Ras-Abydos. 

3)  Bei  Nagara,  an  der  Stelle  der  asiatischen  Dardanellen. 
*)  Bergas.     5)  Lanipsak.     6)  Kemares.     7)  Illiade  II.  335. 
*)  Karaboa.     9)  Sataldere.     ,0)  Kileh.     ")  Mannora-Meer. 
12)  Ustwola.     13)  Artaköi. 

")  War  eine  der  schönsten  Städte  Asiens,  Ruinen  davon  findet 
man  in  der  Nähe  von  Artaki. 

1S)  Panerino.     ,6)  Siki.     I7)  Kesahisch-Dagh. 
18)  Lartacho.     19)  Lubad. 


4X0  Fünftes  Bucb. 

entspringt  aus  dem  See  Artynia  bei  Miletopolis  1),  nimmt 
den  Macestos  2)  und  mehrere  andere  Flüsse  auf  und  schei- 
det (Klein-)  Asien  von  Bithynien.  Letzteres  Land  hatte 
auch  die  Namen  Cronia,  dann  Thessalis,  Maliande  und  Stry- 
monis.  Die  Bewohner  dieses  Küstenlandes  nennt  Homer  3) 
Halizonä,  weil  sie  vom  Meere  umgürtet  sind.  Auch  eine 
sehr  bedeutende  Stadt  Namens  Attusa  lag  hier;  jetzt  trifft 
man  12  Flecken,  von  denen  Gordiucome  4)  oder  Juliopolis, 
und  Dascylos  5)  an  der  Küste  zu  bemerken  sind.  Sodann 
der  Fluss  Gelbes  und  im  Innern  die  Stadt  Helgas,  die  auch 
Germanicopolis  und  Booscoete  heisst;  Apamea  heisst  jetzt 
das  colophanische  Myriea6);  der  Fluss  Etheleus,  die  alte 
Grenze  zwischen  Troas  und  Mysien.  Hierauf  ein  Busen, 
in  den  der  Fluss  Ascanius  fällt;  die  Stadt  Bryllion;  die 
Flüsse  Hylas  und  Cios  mit  einer  Stadt  gleichen  Namens  7), 
welche  einen  Stapelplatz  des  nahen  Phrygiens  bildete.  Sie 
wurde  zwar  von  Milesiern  angelegt,  allein  in  einer  Gegend, 
welche  das  phrygische  Ascanien  hiess;  daher  konnte  sie 
nicht  wohl  anderswo  aufgeführt  werden. 

41. 
Phrygien8)  liegt  hinter  Troas  und  den  vom  Vorge- 
birge Lectum 9)  an  bis  zum  Flusse  Etheleus  vorher  ge- 
nannten Völkern,  und  wird  nördlich  von  Galatien,  südlich 
von  Lycaonien,  Pisidien  und  Mygdonien  und  östlich  von 
Cappadocien  begrenzt,  Ausser  den  schon 10)  genannten 
Städten  befinden  sich  darin  noch  folgende  bemerkenswerthe: 
Ancyra11),  Andria,  Celänä12),  Colossä13),  Carina,  Cotya'ion14), 
Ceranä15),  Conium16),  Midaion.  Nach  einigen  Schriftstellern 
sollen  die  Moser,  Bryger  und  Thyner  aus  Europa  hier  ein- 
gewandert sein,  und  die  Veranlassung  zu  den  Namen  Mysier, 
Phrygier  und  Bithynier  gegeben  haben. 


')  Bali  Kessri.    2)  Susugherli.     3)  Iliade  II.  856. 

4)  Kiostebe.    5)  Eskil.    6)  Mundania.    7)  Dscheinlok. 

8)  Die  Paschaliks  Kutahia  und  Sultan  Oegm.     9)  Baba. 

,0)  Im  29.  und  30.  Cap.     1J)  Enghir.     12)  Ischekleh.     ,3)  Konus. 

")  Kiuta'i'e.     •*)  Sandakleb.     16)  Chonas. 


Fünftes  Buch.  411 

42. 

Es  wird  passend  sein,  hier  gleich  auch  Galatien1) 
abzuhandeln,  welches  oberhalb  Phrygien  liegt,  und  den 
grössten  Theil  des  flachen  Landes  von  Phrygien  ausmacht. 
Gordium 2)  war  einst  die  Hauptstadt  darin.  Die  Gallier, 
welche  sich  einst  hier  niedergelassen  hatten,  wurden  Tolisto- 
boger,  Voturer  und  Ambituer,  die  aber  in  Mäonien  und  Pa- 
phlagonien  wohnten,  Trocmer  genannt.  Gegen  Norden  und 
Osten  breitet  sich  Cappadocien  aus,  dessen  fruchtbarsten 
Theil  die  Tectosager  und  Teutobodiacer  inne  haben.  Diess 
sind  die  Völkerstämme;  die  Zahl  aller  Gemeinden  und  Te- 
trarchien  beläuft  sich  auf  195.  Städte:  der  Tectosagen, 
Ancyra  3);  der  Trocmer,  Tavium  4);  der  Tolistoboger,  Pesi- 
nus  5).  Ausserdem  verdienen  noch  genannt  zu  werden:  die 
Attalenser,  Arasenser,  Comenser,  Didienser,  Hierorenser, 
Lysterner,  Neapolitaner,  Oeandenser,  Seleucenser,  Sebaste- 
ner,  Timoniacenser,  Thebasener.  Galatien  grenzt  auch  an 
Cabalien  in  Pamphylien,  sowie  an  die  um  Baris  6)  wohnen- 
den Milyer,  ferner  an  den  cy  Nautischen  und  oroandischen 
Distrikt  in  Pisidien;  und  an  Obizene,  einen  Theil  von  Ly- 
caonien.  Flüsse  dieses  Landes  sind  ausser  den  schon  ge- 
nannten 7):  der  Sangarius  8)  und  Gallus  9),  von  welchem  die 
Priester  der  Mutter  der  Götter10)  ihren  Namen  haben. 

43. 

Nun  wollen  wir  den  Rest  der  Küstenstrecke  besprechen. 
Vom  Cius  an  folgt  im  Innern  Bithyniens  Prusa u)  am 
Fusse  des  Olympus,  von  Hannibal  erbauet.  Von  da  bis 
Nicäa12)  sind  25,000  Schritte,  und  dazwischen  liegt  der  See 
Ascanius 13).  Dann  folgt  Nicäa  am  äussersten  Endedes  asca- 
nischen  Busens,  früher  Olbia  genannt;   hierauf  ein  zweites 


')  Die  Paschaliks  Anguri  und  Kanghri. 

2)  Hier  löste  Alexander  den  bekannten  gordischen  Knoten. 

3)  Anguri.     4)  Gukurthoi.     5)  Bosan.    6)  Is  Barteh. 

7)  Caystrus,  Rhyndacus,  Cios  etc.    8)  Sacarja.    9)  Gatipo. 
,0)  Cybele,  die  besonders  in  Phrygien  verehrt  wurde. 
»)  Bursa.     12)  Isnik.     ,3)  Isnik. 


412 


Fünftes  Buch. 


Prusa  *)  am  Fusse  des  Berges  Hypius.  Untergegangen  sind: 
Pythopolis,  Parthenopolis  und  Coryphanta.  An  der  Küste 
die  Flüsse:  Aesius,  Bryazon,  Plataneus,  Areus,  Aesyros  und 
Geodos  oder  Cbrysorrhoas.  Das  Vorgebirge  2),  auf  welchem 
die  Stadt  Megarice  lag;  der  dann  folgende  Busen  wurde 
Craspeditos  3)  genannt,  weil  jene  Stadt  gleichsam  an  seinem 
Saume  lag.  Auch  lag  hier  Astacum  4),  wovon  dieser  Busen 
auch  der  astacenische  heisst.  Da  wo  die  Stadt  Libyssa 
stand,  befindet  sich  jetzt  nur  noch  das  Grabmal  Hannibals. 
An  der  innersten  Seite  des  Busens  liegt  die  berühmte  bi- 
thynische  Stadt  Nicomedia  5).  Das  Vorgebirge  Leucatas  c), 
welches  den  astacenischen  Busen  einschliesst ,  ist  37,500 
Schritte  von  Nicomedia  entfernt.  Nun  nähern  sich  die 
Küsten  wieder  einander  und  bilden  bis  zum  thracischen 
Bosporus  eine  Meerenge.  An  ihr  liegen:  das  freie  Chal- 
cedon  7),  62,500  Schritte  von  Nicomedien,  vormals  Proce- 
rastis  genannt;  sodann  Colpusa,  ferner  die  Stadt  der  Blin- 
den, weil  ihre  Einwohner  einen  so  schlechten  Platz  wählten, 
denn  Byzanz,  welches  doch  eine  in  jeder  Hinsicht  glück- 
liche Lage  hat,  ist  nur  7  Stadien  davon  entfernt.  Ausser- 
dem liegen  im  Innern  von  Bithynien:  die  Colonie  Apamena, 
das  Gebiet  der  Agrippenser  und  Juliopoliter,  Bithynion  8); 
die  Flüsse  Syrium,  Lophias,  Pharnacias,  Alces,  Serinis,  Sco- 
pius  und  Hieras,  der  Bithynien  von  Galatien  scheidet.  Hin- 
ter Chalcedon  lag  Chrysopolis  9)  und  Nicopolis,  von  welcher 
der  Busen  noch  den  Namen  behalten  hat.  In  dem  Busen 
ist  der  Hafen  Amyci;  hierauf  kommt  das  Vorgebirge  Nau- 
lochum,  der  Tempel  des  Neptun  zu  Estia10).  Der  Bospo- 
rus, welcher  hier  wieder  Asien  von  Europa  durch  einen 
500  Schritte  breiten  Zwischenraum  trennt,  ist  12,500  Schritte 
von  Chalcedon  entfernt.  Dann  folgt  die  erste  8750  Schritte 
breite  Enge,  wo  die  Stadt  Spiropolis  war.  Die  ganze  Küste 
bewohnen  die  Thyner,  das  innere  Land  die  Bithyner.    Hier 


')  Uskubi.    2)  Capo  Fagona. 

3)  xQuonaöov,  der  Saum.    4)  Olvadsjik.     *)  Isnikmid. 

')  Akrita.    7)  Kadiköi.    8)  Boli.    3)  Scutari.     ,0)  Algiro. 


Fünftes  Buch.  413 

ist  die  Grenze  von  Asien,  und  vom  lycischen  Meerbusen  an 
bis  hierher  zählt  man  282  Völker.  Die  Länge  des  Hel- 
lespontes und  des  Propontis  bis  zum  thracischen  Bosporus 
haben  wir *)  auf  239,000  Fuss  angegeben.  Sigeum  ist  von 
Chalcedon  nach  Isidorus  322,500  Schritte  entfernt. 

44. 
Die  Inseln  im  Propontis  sind:  vor  Cyzicus  Elaphon- 
nesus  2) ,  woher  der  cyzicanische  Marmor  kommt ,  und  die 
auchNeuris  und  Proconnesus  heisst.  Dann  folgen:  Ophiusa3) 
Acanthus,  Phöbe,  Scopelos,  Porphyrione,  Halone  4)  mit  einer 
Stadt,  Desphacie,  Polydora  und  Artacäon  mit  einer  Stadt. 
Nicomedia  gegenüber  liegt|  Demonnesos  5),  ferner  hinter  He- 
raclea  nach  Bithynien  zu  Thynias  6) ,  welche  die  Barbaren 
Bithynia  nennen.  Ferner:  Antiochia,  Bosbicos7),  der  Mün- 
dung des  Rhyndacus  gegenüber  und  18,000  Schritte  im  Um- 
fange; Eläa,  die  beiden  Rhodussen,  die  Erebinthus,  Megale, 
Chalcitis  8)  und  Pityodes. 


»)  Im  IV.  B.  24.  Cap. 

2)  Mannora.  Früher  waren  Elaphonnesos  und  Proconnesos  zwei 
einander  nahe  liegende  Inseln.  Später  wurde  der  sie  trennende 
Kanal  verstopft. 

3)  Aphsia.    4)  Aloni.     5)  Papas  Adasi  (Prinzeninseln). 
6)  Kirpe.     7)  Kalolymno.     8)  Barki. 


Sechstes  Buch. 


Von  der  Lage  und  Grösse  der  Länder,  Meere,  Städte,  Häfen, 

Berge,  Flüsse  und  den  Völkern,  welche  noch  da  sind 

oder  da  waren. 

1. 
Auch  der  Pontus  Euxinus1),  der  früher  wegen  sei- 
ner unwirthlichen  Rauheit  Axenos  genannt  wurde,  ergiesst 
sich,  weil  die  Natur  aus  besonderm  Hasse  dem  raubgierigen 
Wasser  unaufhörlich  nachgab,  zwischen  Europa  und  Asien 
hindurch.  Es  war  dem  Ocean  nicht  genug,  die  Länder 
umflossen  und  einen  Theil  derselben  ausgehöhlt  und  ent- 
rissen zu  haben;  nicht  genug,  durch  zerrissene  Berge  ein- 
gedrungen zu  sein,  Calpe2)  von  Afrika  getrennt,  und  da- 
durch einen  noch  grössern  Raum,  als  er  unberührt  gelassen, 
verschlungen  zu  haben;  nicht  genug,  sich  durch  den  Hel- 
lespont  gedrängt  und  nach  abermaliger  Wegnahme  von 
Ländern  in  den  Propontis  ergossen  zu  haben;  selbst  am 
Bosporus  dehnt  er  sich  wieder  zu  einer  ungeheuren  Fläche 
aus  und  wird  nicht  eher  gesättigt,  bis  der  mäotische  See 
ihm  auch  seinen  Raub  zubringt.  Dass  die  Erde  alles  diess 
nicht  gern  hergab,  beweisen  die  vielen  Meerengen  und  die 
wegen  des  natürlichen  Widerstandes  so  schmalen  Zwischen- 
räume; so  ist  der  Hellespont  nur  815  Schritte,  die  beiden 


')  Das  schwarze  Meer.    -)  Gibraltar. 


Sechstes  Buch.  415 

Bosporus  aber  nur  so  breit,  dass  Ochsen  hintiberschwiinmen 
können,  woher  sie  denn  auch  ihre  Namen1)  haben.  Und 
selbst  bei  dieser  Trennung  findet  noch  eine  gewisse  Ver- 
bindung statt,  denn  man  hört  auf  jedem  der  beiden  Ufer 
den  Gesang  der  Vögel  und  das  Bellen  der  Hunde  vom  ent- 
gegengesetzten her;  auch  können  die  Bewohner  beider  Welt- 
theile  Unterredungen  mit  einander  halten,  wenn  der  Wind 
nicht  hinderlich  ist. 

Die  Länge  des  Pontus  vom  Bosporus  bis  zum  Mäotis 
haben  Einige  auf  1,438,000  Schritte  angegeben;  Eratosthe- 
nes  nimmt  100,000  weniger  an.  Nach  Agrippa  beträgt  die 
Entfernung  von  Chalcedon  2)  nach  Phasis  3)  1,000,000,  und 
von  hier  bis  zum  cimmerschen  Bosporus  4)  360,000  Schritte. 
Wir  wollen  im  Allgemeinen  die  Entfernungen  angeben, 
welche  zu  unserer  Zeit,  wo  selbst  an  der  cimmerschen  Mün- 
dung Krieg  geführt  wurde  5) ,  ermittelt  worden  sind.  Am 
Ausfluss  des  Bosporus  befindet  sich  der  Fluss  Khebas 6), 
den  Einige  Rhesus  genannt  haben.  Dann  folgt  Psillis  und 
der  Hafen  Calpas  7).  Der  Fluss  Songaris  8),  einer  von  den 
bedeutendem,  entspringt  in  Phrygien  und  nimmt  mehrere 
grosse  Flüsse ,  unter  andern  den  Tembrogius  9)  und  Gal- 
lus10)  auf.  Meistenteils  wird  er  Sangarius  genannt.  An 
seiner  Mündung  beginnt  der  mariandynische  Busen11). 
Die  Stadt  Heraclea12)  am  Flusse  Lycus,  200,000  Schritte 
von  der  Mündung  des  Pontus  entfernt;  der  Hafen  Acone, 
berüchtigt  durch  das  Gift  Aconitum13),  die  Höhle  Ache- 
rusia14).  Die  Flüsse:  Pädopides,  Callichorus,  Sonautes  und 
Billis 15).    Die  Stadt  Tium 16),  38,000  Schritte  von  Heraclea. 


*)  Von  ßovg  Ochse  und  noQoq  Uebergang.     2)  Kadiköi. 
3)  Fax  in  Georgien.    4)  Strasse  von  Kaffa. 

5)  In  Folge  des    Krieges    gegen  Mithridates   kam    das   bosporo- 
nische  Reich  unter  die  Herrschaft  der  Römer.     6)  Rheba. 

7)  Kerbeh  oder  Busadsche;    hier  sollen  die  Argonauten    gelan- 
det sein. 

8)  Sakarja.     9)  Ko'ismir.     10)  Gatipo.     ")  Golf  von  Sakarja. 
«)  Erekli.     13)  XXVII.  B.  2.  Cap. 

,4)  Auf  dem  Vorgebirge  bei  Heraclea;  der  Eingang  zur  Unterwelt 
,5)  Falios.    16)  Tilios. 


Ä-tß  Sechstes  Buch. 

2. 
Hinter  dem  Flusse  Billis  wohnen  die  Paphlagonier  l), 
von  Einigen  auch  Pylämenier  genannt;  ihr  Gebiet  ist  im 
Rücken  von  Galatien  eingeschlossen.  Darin  die  Stadt  Mas- 
tya,  von  den  Milesiern  erbauet,  dann  Cromna.  In  dieser 
Gegend  lässt  Cornelius  Nepos  die  Heneter  wohnen,  von 
denen  nach  seiner  Behauptung  die  namensverwandten  Ve- 
neter  in  Italien  abstammen  sollen.  Weiterhin  die  Stadt  Se- 
samum,  jetzt  Amastris  2);  der  Berg  Cytorus  3),  63,000  Schritte 
von  Tium;  die  Städte  Cimolis  4)  und  Stephane  5);  der  Fluss 
Prathenius  6).  Das  weit  auslaufende  Vorgebirge  Carambis  7), 
325,000,  oder  nach  Andern  {350,000  Schritte  von  der  Mün- 
dung des  Pontus,  von  dem  cimmerschen  Bosporus  aber 
ebensoviele  oder  312,500  Schritte  entfernt.  Auch  lag  da- 
selbst eine  Stadt  desselben  Namens,  und  etwas  weiter  eine 
andere,  Armene;  jetzt  befindet  sich  dort  die  Colonie  Si- 
nope 8),  164,000  Schritte  vom  Berge  Cytorus.  Der  Fluss 
Evarchum,  die  Cappadocier,  die  Städte  Gaziura  9)  und  Ga- 
zelum10);  der  Fluss  Halys11),  der  vom  Fusse  des  Taurus 
durch  Cataonien  und  Cappadocien  herabkommt.  Die  Städte: 
Gangre12),  Carusa,  das  freie  Amisum13),  130,000  Schritte 
von  Sinope.  Ein  Meerbusen  gleichen  Namens  (der  amisi- 
sche)14)  zieht  sich  soweit  ins  Land,  dass  er  (Klein-)  Asien 
fast  zur  Insel  macht,  denn  von  hier  aus  beträgt  der  Weg 
über  das  Festland  bis  zum  issischen  Meerbusen15)  in  Cili- 
cien  nicht  mehr  als  200,000  Schritte.  Auf  diesem  ganzen 
Landstriche  sollen  nur  3  ursprünglich  griechische  Völker 
wohnen,  nämlich  die  Dorier,  Jonier  und  Aeolier;  die  übrigen 
aber  sollen  Barbaren  sein.  Mit  Amisum  stand  die  von  Mi- 
thridates  erbauete  Stadt  Eupatoria  in  Verbindung;  nach 
dessen  Besiegung  wurden  beide  Städte  Pompejopolis  genannt. 


')  In  den  Paschaliks  Kastamuni  und  Boli.     '-)  Amassru. 
8)  Kydros.     4)  Kinoli.     5)  Istifani.     6)  Partine.     7)  Kerempe. 
8)  Sinob.    9)  Turkal.     l0)  Assin.     »)  Kizil  Irmak.     ,2)  Kjankri. 
13)  Sainsun.     M)  Golf  von  Samsun.     15)  Golf  von  Skanderun. 


Sechstes  Buch.  417 

3. 
Im  Innern  von  Cappadocien  liegt  die  Colonie  des 
Kaisers  Claudius,  Archelais  x) ,  bei  der  der  Halys  vorbei- 
^fliesst.  Städte  sind:  Comana  2)  am  Sarus8),  Neocäsarea4) 
am  Lycus  und  Amasia  5)  am  Iris  6)  in  dem  gazacenischen 
Bezirke.  In  Calopena  liegen  Sebastia  7)  und  Sebastopolis  8), 
kleine,  aber  docb  den  vorigen  gleichkommende  Städte.  In 
dem  übrigen  Theile  dieses  Landes:  Melita  9)  von  Semiramis 
erbauet,  und  nicht  weit  vom  Euphrat,  Diocäsarea,  Tyana 10), 
Castabala n) ,  Magnopolis w) ,  Zela13),  und  am  Fusse  des 
Berges  Argäus14),  Mazaca,  das  jetzt  Cäsarea15)  heisst.  Der 
Theil  Cappadociens,  welcher  sich  vor  Gross-Armenien  aus- 
dehnt, wird  Melitene  genannt,  der  an  Commagene  liegende 
Cataonien,  der  an  Phrygien  grenzende  Garsauritis,  Sarga- 
rausene  und  Cammanene,  der  bei  Galatien  Morimene;  hier 
macht  der  Fluss  Cappadox,  von  dem  die  vormals  Leuca- 
syrer  genannten  Bewohner  den  Namen  erhalten  haben,  die 
Grenze.  Von  dem  oben  genannten  Neocäsarea  scheidet  der 
Fluss  Lycus  Klein- Armenien.  Im  Innern  ist  auch  noch  der 
Ceraunus  bemerkenswerth.  An  der  Küste  aber  liegt  von 
Amisum  an  die  Stadt  Chadisia  mit  einem  Flusse  gleichen 
Namens  und  Lycastum,  von  wo  das  themiscyrenische  Ge- 
biet16) beginnt. 

4. 

Im   themiscyrenischen   Gebiete   nimmt  der  Fluss 

Iris  den  Lycus  auf.     Im  Innern  liegt  der  Flecken  Ziela  ll), 

berühmt  durch  die  Niederlage  des  Triarius18)  und  den  Sieg 

des  C.  Cäsar19).    An   der  Küste   fliesst   der  Thermodon20), 


•)  Akserai.    2)  El  Bostan.    3)  Seihhan.    4)  Niksara. 

5)  Amasia.    6)  Kasalmak.    7)  Siwas.     8)  Kisildsjik. 

9)  Malatya.     10)  Nikdeh.     »)  DsjakeL     ")  Schekineh.     »J  Ziel. 

M)  Ardsjisch.     15)  Kaisarieh.     16)  Dsjanik.     »)  Kileh. 

18)  Ein  römischer  Unterfeldherr  im  Kriege  des  Lucullus  gegen 
Mithridates,  67  v.  Chr. 

19)  Des  Dictators,  der  hier  den  Pharnaces,  den  Sohn  des  Mithri- 
dates, schlug  und  seinen  Sieg  mit  den  bekannten  veni,  vidi,  vici  nach 
Rom  meldete,  47  v.  Chr.    20)  Termah. 

27 


418  Sechstes  Buch. 

welcher  bei  dem  Castell  Phanaröa  entspringt  und  am  Fusse 
des  Berges  Amazonius  vorbeiströmt.  Es  gab  hier  auch  eine 
Stadt  desselben  Namens,  sowie  noch  5  andere,  als:  Ama- 
zonium,  Themiscyra,  Sotira,  Amasia  und  Comana1);  jetzt 
existirt  nur  noch  Mantejum.  Dann  folgen  die  Geneter  und 
Cbalyber;  die  Stadt  Cotyorum  2).  Die  Tibarener,  die  Mos- 
syner,  die  ihren  Körper  mit  Zeicben  bemalen,  die  Macro- 
cepbaler;  die  Stadt  Cerasus  3).  Der  Hafen  Chordule  4).  Die 
Bechirer,  Luzerer.  Der  Fluss  Melas;  die  Macroner;  Sidene 
und  der  Fluss  Sidenum,  an  welchem  die  120,000  Schritte 
von  Amisum  entfernte  Stadt  Polemonium  5)  liegt,  Dann  die 
Flüsse  Jasonium  und  Melanthium;  die  Stadt  Pharnacea, 
80,000  Schritte  von  Amisum;  das  Schloss  und  der  Fluss 
Tripolis6);  das  Schloss  und  der  Fluss  Philacalea 7)  und 
das  Schloss  Liviopolis;  das  freie  Trapezus8),  von  einem 
weiten  Berge  eingeschlossen  und  100,000  Schritte  von  Phar- 
nacea entfernt.  Dahinter  wohnt,  in  einer  Entfernung  von 
30,000  Schritten  von  Gross-Armenien,  das  Volk  der  Ar- 
menochalyber.  An  der  Küste  vor  Trapezus  fliesst  der 
Pyxites,  jenseits  aber  wohnen  die  heniochischen  Sanner. 
Der  Fluss  Absarum,  und  an  dessen  Mündung,  140,000 
Schritte  von  Trapezus,  ein  gleichnamiges  Schloss9).  Im 
Rücken  der  Gebirge  in  dieser  Gegend  liegt  Iberien10),  an 
der  Küste  aber  wohnen  die  Heniocher,  Amprauter  und  Lazer. 
Flüsse:  der  Acampsis11),  Isis,  Magrus,  Bathys12).  Die  Col- 
chier.  Die  Stadt  Matium;  der  Fluss  Heracleum,  ein  gleich- 
namiges Vorgebirge ,  und  der  Phasis 13) ,  der  bedeutendste 
Fluss  in  Pontus.  Er  entspringt  im  Gebiete  der  Moscher14) 
und  kann  auf  eine  Strecke  von  38,500  Schritte  mit  sehr 
grossen  Schiffen,  noch  viel  weiter  hinauf  aber  mit  kleinern 


')  Gumenih.     2)  Ordu. 

:,i  Karesum  oder  Chirisonda;  von  hier  verpflanzte  Lucullus  de- 
ersten  Kirschbaum  nach  Rom. 

4)  Bojuk-Liman.    5)  Fatsa.    6)  Tereboli.    7)  Ewloi. 

8)  Trabesun  oder  Trebisonde.    9)  Gunieh.     ,0)  Grusien. 

")  Fscharuk.     «)  Batumi.     ,3)  Fax.     >4)  Imerethi. 


Sechstes  Buch.  419 

befahren  weiden;  120  Brücken  führen  über  denselben.  An 
seinen  Ufern  waren  vormals  sehr  viele  Städte,  unter  denen 
vorzüglich  Tyndaris ,  Circäum  *) ,  Cygnum  und  an  seiner 
Mündung  Phasis2)  genannt  zu  werden  verdienen.  Am 
meisten  aber  glänzte  die  Stadt  Aea3),  15,000  Schritte  vom 
Meere,  wo  die  bedeutenden  Flüsse  Hippos4)  und  Cyaneos 
von  verschiedenen  Seiten  her  sich  in  denselben  ergiessen. 
Jetzt  liegt  bloss  noch  Surium 5)  an  ihm,  welches  nach  einem 
in  ihn  fallenden  Flusse,  bis  zu  welchem  er  (der  Phasis), 
wie  wir  gesagt  haben,  für  grosse  Schiffe  befahrbar  ist,  be- 
nannt wurde.  Auch  noch  viele  andere  grosse  Flüsse,  z.  B. 
den  Glaucus 6),  nimmt  er  auf.  An  der  Mündung  des  letztern 
liegen  70,000  Schritte  von  Absarus  mehrere  Inseln  ohne 
Namen7).  Nun  folgt  ein  anderer  Fluss,  der  Chanen 8). 
Die  Saler,  von  den  Alten  Phthirophagen 9)  genannt,  und  die 
Suaner,  durch  deren  Gebiet  der  vom  Caucasus  kommende 
Chobum 10)  fliesst.  Dann  der  Rhoas,  die  Landschaft  Ecrec- 
tice  n).  Die  Flüsse  Singames 12),  Tarsuras 13),  Astelephus  u), 
Chrysorrhoas.  Die  Absiler,  das  Schloss  Sebastopolis 15) , 
100,000  Schritte  vom  Phasis  entfernt.  Die  Sanniger,  die 
Stadt  Cygnus,  der  Fluss  und  die  Stadt  Penius.  Sodann 
die  heniochischen  Völker  mit  vielen  Namen. 

5. 
Hier  stösst  an  den  Pontus  das  colische  Gebiet,  in 
welchem  sich  die  Kette  des  Caucasus  nach  dem  riphäischen 
Gebirge  wendet,  indem  sie  sich,  wie  bereits  bemerkt  ist, 


J)  Irke.     2)  Poti. 

3)  Diese  Stadt  war  der  Sage  nach  von  Sesostris,  König  von 
Aegypten,  erbauet  worden.  Auch  soll  das  goldne  Vliess  in  einem 
benachbarten  Haine  an  einem  Baume  gehangen  haben,  sowie  über- 
haupt der  Schauplatz  der  Abenteuer  der  Meder  und  der  Argo- 
nauten hierher  verlegt  wird.  ■■- 

4)  Tzchenistzquali.     5)  Asmuleti.     6)  Rioni. 
7)  Fasaneninseln  genannt.    8)  Mecu-Enguri. 

9)  Läusefresser.     ,0)  Tschani.     n)  Letschgumi.     ,2)  Langur. 
l3)  Ozeils.     tA)  Mokoi.     ,5)  Soghumkala. 

27* 


420 


Sechstes  Buch. 


mit  der  einen  Seite  nach  dem  Pontus  Euxinus  und  dem 
Mäotis,  mit  der  andern  aber  nach  dem  caspischen  und 
hyrcanischen  Meere  hin  abdacht.  Die  übrigen  Küsten  be- 
wohnen wilde  Völker,  als  die  Melanchläner,  die  Coraxer 
in  der  jetzt  verödeten  colchischen  Stadt  Dioscurias  l)  am 
Flusse  Anthemus  2);  sie  war  einst  so  berühmt,  dass,  wie 
Timosthenes  erzählt,  300  Nationen  mit  verschiedenen  Spra- 
chen in  ihr  zusammenkamen;  und  später  wurden  durch 
130  römische  Dolmetscher  daselbst  Geschäfte  gemacht. 
Einige  glauben,  sie  wäre  von  Amphitus  und  Telchius,  den 
Wagenlenkern  des  Castor  und  Pollux,  von  denen  ohne 
Zweifel  die  wilden  Heniocher  3)  abstammen,  erbauet.  Nach 
Dioscurias  folgt  die  von  Sebastopolis  70,000  Schritte  ent- 
fernte Stadt  Heracleum.  Die  Achäer  4),  Marder,  Cerceter  5), 
Serrer  und  Caphalotomer  ß).  Die  im  innersten  Theile  dieser 
Gegend  gelegene  sehr  reiche  Stadt  Pityus  7)  ist  von  den 
Heniochern  zerstört;  hinter  derselben  wohnen  die  Epageriter, 
ein  sarmatischer  Stamm  auf  dem  Rücken  des  Caucasus; 
dann8)  folgen  die  Sauromater.  Zu  diesen  floh,  unter  der 
Regierung  des  Kaisers  Claudius,  Mithridates,  und  erzählte, 
dass  sie  an  die  Thaller  9)  grenzten,  deren  Gebiet  im  Osten 
die  Mündung  des  caspischen  Meeres 10)  berührte,  und  dass 
diese  letztere  bei  der  Ebbe  trocken  wäre.  An  der  Küste, 
neben  den  Cerceten,  ist  der  Fluss  Icarusa11),  die  Stadt12) 
und  der  Fluss 13)  Hierum,  130,000  Schritte  von  Heracleum. 
Dann  das  Vorgebirge  Crunoe,  dessen  steilen  Ausgangspunkt 
die  Toreter  bewohnen.  Der  Flecken  Sindica,  67,000  Schritte 
von  Hierum.  Der  Fluss  Setheries.  Von  ihm  bis  an  den 
Eingang  des  cimmerschen  Bosporus  beträgt  die  Ent- 
fernung 88,500  Schritte. 


I)  Iskuriah  oder  Isgaur.     -)  Marmari.     5)  Wagenlenker. 
4)  Awchasen.    s)  Tscherkessen.    6)  Kopfabschneider. 

7)  Pitschinda.     8)  Im  Nordosten  von  Grusien. 

")  Im  Astrachanischen. 

,0)  Siehe  die  Berichtigung  S.  427,  Anmerkung  5. 

II )  I  krach.     '-)  Sudschukkale.     «)  Zemes. 


Sechstes  Buch.  421 

6. 

Die  Länge  der  zwischen  dem  Pontus  und  dem  Mäotis 
auslaufenden  Halbinsel  beläuft  sich  nicht  über  67,000  Schritte, 
die  Breite  beträgt  aber  nirgends  weniger  als  zwei  Jugera. 
Sie  heisst  Ejon *).  Die  Küste  des  Bosporus  selbst  krümmt 
sich  auf  der  asiatischen  und  europäischen  Seite  nach  dem 
Mäotis  hin.  Städte  sind:  vorn  am  Eingange  des  Bosporus 
Hermonassa,  dann  Cepi,  von  den  Milesiern  erbauet.  Fer- 
ner Stratoelia,  Phanagoria2),  das  fast  ganz  verödete  Apa- 
turos,  und  am  Ende  der  Meerenge  das  früher  Cerberion 
genannte  Cimmerium.  Darauf  folgt  der  Mäotis,  von  dem 
bei  Europa  schon  die  Rede  war. 

7. 

Um  Cimmerium  wohnen  die  Mäotiker,  Valer,  Serber, 
Arrecher,  Zinger,  Psesser.  An  dem  durch  zwei  Mündungen 
sich  ergiessenden  Tanais  wohnen  die  Sarmater,  welche  von 
den  Mederu  abstammen  sollen  und  selbst  in  viele  Völker- 
schaften getheilt  sind.  Zunächst  die  gynäcoeratumenischen 
Sauromater,  die  ihren  Beinamen  daher  haben,  weil  die 
Amazonen  sie  zur  Begattung  zwangen;  dann  die  Evazer, 
Coiter,  Cicimener,  Messenianer,  Castoboccer,  Choatrer,  Zi- 
ger,  Dandarer,  Tyssageter,  Jyrcer,  bis  an  die  durch  wal- 
dige Thäler  rauhen  Einöden,  hinter  denen  die  Arimphäer 
sich  bis  an  das  riphäische  Gebirge  erstrecken.  Den  Tanais 
nennen  die  Scythen  Silis  und  den  Mäotis  Temerunda,  was 
so  viel  heisst  als  die  Mutter  des  Meeres.  Auch  an  der 
Mündung  des  Tanais  lag  eine  Stadt.  Die  angrenzenden 
Districte  hatten  zuerst  die  Carer  inne,  dann  die  Clazome- 
nier  und  Mäoner,  und  darauf  die  Panticapanser. 

Einige  Schriftsteller  führen  folgende  Völker  an,  welche 
um  den  Mäotis  herum  bis  an  die  ceraunischen  Berge  woh- 
nen :  An  der  Küste  die  Napiter,  dahinter  die  an  die  Colcher 
grenzenden  Essedoner,  oben  auf  den  Bergen.  Sodann  die 
Carmacer,  Oraner,  Autacer,  Mazacaser,  Cantiocer,  Agamather, 


')  Tunitarakan.     2)  Taman. 


422  Sechstes  Buch. 

Picer,  Rhymosoler,  Acascomarcer,  und  auf  dem  Rücken  des 
Caucasus  die  Itacaler,  Imaducher,  Ramer,  Anclacer,  Tyaier, 
Carastaseer,  Authiander.  An  dem  von  dem  catheischen  Ge- 
birge kommenden  Flusse  Lagous,  in  welchen  der  Opharus 
fliesst:  die  Cauthader  und  Ophariter.  Die  Flüsse  Menotha- 
rus  und  Imitys  von  dem  cissischen  Gebirge,  zwischen  dem 
die  Acdeer,  Carner,  Oscardeer,  Accisser,  Gabrer  und.  Goga- 
rer  wohnen.  An  der  Quelle  des  Imitys  die  Imityer  und 
Apaträer.  Nach  Andern  fliesst  er  durch  die  Länder  der 
auchetischen  Scythen,  Atarneer  und  Asampater;  von  diesen 
sind  die  Tanaiter  und  Inapäer  Mann  für  Mann  vertilgt  wor- 
den. Einige  lassen  den  Fluss  Ocharius  durch  die  Wohn- 
sitze der  Canticer  und  Sapeer  fliessen,  den  Tana'is  aber 
durch  die  der  Sarcharceer,  Herticrer,  Spondolicer,  Synchieter, 
Anaser,  Isser,  Cateter,  Tagorer,  Caroner,  Neriper,  Agandeer, 
Mandareer,  Satarcheer  und  Spaleer. 

8. 
Mit  der  Beschreibung  der  innern  Küsten  und  aller 
anwohnenden  Völker  sind  wir  nun  fertig,  und  wenden  uns 
daher  jetzt  zu  dem  grossen  mitten  in  das  Land  gehenden 
Busen.  Hierbei  wird  man  nicht  verkennen,  dass  ich  vieles 
anders,  als  die  altern  Schriftsteller  vortrage;  ich  habe 
nämlich  alles  mit  der  grössten  Sorgfalt  untersucht,  und 
diess  wurde  mir  dadurch  möglich,  dass  vor  einigen  Jahren 
Domitius  Corbulo  x)  in  jener  Gegend  die  Staatsangelegen- 
heiten leitete,  und  mehrere  unterworfene  Könige  oder  Kinder 
derselben  als  Geiseln  von  dorther  sandte.  Wir  wollen  mit 
dem  Volke  der  Cappadocier2)  beginnen.  Unter  allen  pon- 
tischen  Völkern  wohnt  dieses  am  weitesten  nach  dem  Innern 
zu,  und  dehnt  sich  auf  der  linken  Seite  über  Klein-  und 
Gross- Armenien  und  Commagene,  auf  der  rechten  Seite 
aber  über  alle  schon  genannten  asiatischen  und  die  meisten 
dahinter  wohnenden  Völkerschaften  aus.    Ihr  Gebiet  steigt 


')  Den  Nero  zum  Schutze  Armeniens  dorthin  gesandt  hatte. 

2)  Die  Paschaliks  Akserai,  Nikde,  Kirkscheer,  Kaisarieh  und  Bosuk. 


Sechstes  Buch.  423 

in  einer  grossen  Ausdehnung  gegen  Morgen  und  den  Tau- 
ras hinauf,  zieht  sich  über  Lycaonien,  Pisidien  und  Cilicien, 
durch  Antiochien,  und  reicht  mit  dem  Theile,  welcher  Ca- 
taonien  genannt  wird,  bis  zu  dem  cyrrhestischen  Gebiete 
in  Antiochien.  Hier  beträgt  also  die  Länge  von  Asien 
1,250,000  und  die  Breite  640,000  Schritte. 

9. 

Gross-Armenien1)  aber  nimmt  seinen  Anfang  von 
dem  paryadrischen  Gebirge  2)  und  wird,  wie  schon  gesagt 3), 
durch  den  Fluss  Euphrat  von  Cappadocien,  und  da,  wo  der 
Euphrat  eine  andere  Richtung  nimmt,  durch  den  nicht 
minder  berühmten  Tigris  von  Mesopotamien  getrennt.  Beide 
Flüsse  lässt  es  entströmen,  und  bildet  so  den  Anfang  von 
Mesopotamien,  welches  zwischen  ihnen  fortläuft.  Was 
dazwischen  liegt,  bewohnen  die  oreischen  Araber 4).  So 
zieht  sich  die  Grenze  des  Landes  bis  nach  Adiabene. 
Hier  wird  es  durch  querliegende  Gebirge  5)  abgeschlossen, 
dehnt  sich  in  der  Breite  links  über  den  Araxes 6)  hin 
bis  an  den  Fluss  Cyrus 7),'  in  der  Länge  aber  bis  nach 
Klein-Armenien  aus,  von  dem  es  durch  den  in  den  Pontus 
sich  ergiessenden  Fluss  Absarus  und  durch  das  paryadrische 
Gebirge,  auf  dem  der  Absarus  entspringt,  geschieden  wird. 

10. 

Der  Cyrus8)  entspringt  auf  dem  heniochischen  Ge- 
birge9), welches  Andere  das  coraxische  nennen;  der 
Araxes10)  auf  demselben  Berge11),  wo  der  Euphrat  ent- 
springt, nur  6000  Schritte  davon,  verstärkt  sich  noch  durch 


*)  Die  jetzigen  Tschaldir,  Kars,  Erzerum ,  Wan  und  Diarbekr, 
ein  Theil  Grusiens  und  der  persischen  Provinz  Irak  Adschemi. 

2)  Ein  Arm  des  Antitaurus,  jetzt  Agatsch-Baschi. 

3)  Im  V.  B.  20.  Cap.     4)  V.  B.  20.  Cap.    5)  Nimroddagh. 
6)  Arrasch.     7)  Khur.     8)  Khur.     9)  Auhileh. 

,0)  Arrasch.  Ausser  diesem  gab  es  noch  2  bedeutende  Flüsse  in 
Asien,  die  vorzugsweise  den  Namen  Araxes  führten;  der  eine  jetzt 
Bend  Emir  in  Persien,  der  andere  Sihon  oder  Sirr  in  Turkestan 
(Sagdiana).    ")  Bingöl. 


424  Sechstes  Buch. 

den    Usis  l)   und   fällt,   wie   die  Meisten   glauben,   in   den 
Cyrus  und  mit  diesem  ins  caspische  Meer. 

Berühmte  Städte  in  Klein- Armenien  2)  sind:  Cäsa- 
rea  3),  A  za  4),  Nicopolis  5) ;  in  G  r  o  s  s  -  A  r  m  e  n  i  e  n :  Armosata  6) 
am  Euphrat,  Carcathiocerta 7)  am  Tigris,  Tigranocerta 8) 
auf  einer  Anhöhe  und  Artaxata  9)  in  der  Ebene  am  Araxes. 
Die  Grösse  des  ganzen  Landes  giebt  Aufidius  auf  5,000,000 
Schritte  an.  Nach  Kaiser  Claudius  beträgt  die  Länge  von 
Dascusa10)  bis  zur  Grenze  am  caspischen  Meere  1,300,000 
Schritte,  die  Breite  aber  von  Tigranocerta  bis  Iberien  halb 
so  viel.  Es  wird,  nach  zuverlässigen  Kachrichten,  in  Prä- 
fecturen,  welche  Strategien  genannt  werden,  eingetheiltT 
von  denen  einige  früherhin  sogar  eigene  Reiche  bildeten; 
sie  haben  alle  barbarische  Namen  und  ihre  Anzahl  beläuft 
sich  auf  120.  Auf  der  Ostseite  schliessen  es,  jedoch  nicht 
unmittelbar,  die  ceraunischen  Berge  u)  und  die  Landschaft 
Adiabene 12)  ein.  Den  dazwischen  liegenden  Raum  bewohnen 
die  Sophener13);  an  diese  stossen  die  Berge  und  dahinter 
leben  die  Adiabener.  In  den  Thälern  aber  sind  die  Meno- 
barder  und  Moschener  den  Armeniern  am  nächsten.  Adia- 
bene wird  vom  Tigris  und  unwegsamen  Gebirgen  umgeben. 
Links  davon  ist  das  Gebiet  der  Meder  und  die  Aussicht 
auf  das  caspische  Meer.  Dieses  erhält  (wie  wir  später 
noch  sagen  werden)  seinen  Zufluss  vom  Ocean,  und  ist 
rings  von  dem  caucasischen  Gebirge  eingeschlossen.  Nun 
gehen  wir  zu  den  Grenzvölkern  Armeniens  über. 

11. 

Die  ganze  Ebene  vom  Cyrus  an  hat  das  Volk  der 
Albaner  inne;  dann  folgen  die  Iberer,  welche  von  jenen 


')  Karassu.    2)  Aladulieh. 
3)  Kalat  el  Nedsjur.    <)  Ezaz. 

5)  Diese  zum  Andenken  an  den  Sieg  des  Pompejus  über  Mithri- 
dates  so  genannte  Stadt  hiess  auch  Tephrice,  daher  ihr  neuerer 
Name  Divriki. 

6)  Schemisat.    7)  Kartpurt.     8)  Schikaran.     9)  Ardesthie. 
10)  Dengiglu.     ")  Zagros.     '*)  Kurdistan.     »3)  In  Diarbekr. 


Sechstes  Buch.  425 

durch  den  Fluss  Alazon  x),  der  von  dem  caucasischen  Ge- 
birge herab  sich  in  den  Cyrus  ergiesst,  getrennt  werden. 
Bedeutende  Städte  sind:  in  Albanien2)  Cabalaca  3),  in  Ibe- 
rien  4)  Harmastis  5)  an  einem  Flusse  und  Neoris.  Das  Ge- 
biet Thasie  und  Triare,  das  bis  an  das  paryadrische  Gebirge 
reicht.  Weiter  hin  liegen  die  colchischen  Einöden 6),  und 
diesen  zur  Seite  nach  dem  ceraunischen  Gebirge  zu  wohnen 
die  Armenochalyber  und  Moscher,  deren  Gebiet  an  dem  in 
den  Cyrus  sich  ergiessenden  Flusse  Iberus  7)  herläuft;  unter 
diesen  wohnen  die  Sacassaner  und  hierauf  die  Macroner 
am  Flusse  Absarus.  So  sind  diese  Ebenen  und  Anhöhen  8) 
bevölkert.  Wiederum  an  der  albanischen  Grenze,  an  der 
ganzen  Vorderseite  des  Gebirges  wohnen  die  wilden  Stämme 
der  Silver,  darunter  die  Lubiener,  und  weiter  die  Didurer 
und  Sodier. 

12. 
Auf  diese  folgt  der  caucasische  Pass9),  von  Vielen 
irrigerweise  der  caspische  genannt,  ein  ungeheures,  durch 
plötzliche  Unterbrechung  dieser  Berge  entstandenes  Werk 
der  Natur.  Hier  sind  Thore  mit  eisenbeschlagenen  Balken 
angebracht,  unter  denen  ein  übelriechender  Strom10)  hin- 
fliesst,  und  diesseits  liegt  auf  einem  Felsen  ein  festes 
Schloss,  Cumania11)  genannt,  welches  unzähligen  Völkern 
den  Durchgang  streitig  macht;  an  dieser  Stelle  also,  welche 
der  iberischen  Stadt  Harmastes  gerade  gegenüber  liegt, 
ist  der  Erdkreiss  durch  Thore  verschlossen.  Hinter  dem 
caucasischen  Passe  wohnen  in  dem  gordyäischen  Gebirge12) 
die  Valier13)  und  Suaner,  2  wilde  Völker,  die  jedoch  Gold- 


')  Alasani.    2)  Schirvan  und  Daghestan.    3)  Kablasvar. 
A)  Dieses   Land   begriff    Karduel,    ein    Stück    von    Kacheti   und 
Imerethi. 

5)  Westlich  von  Tiflis  in  der  Gegend  von  Tzcheti. 

6)  Imerethi.    7)  Dsama. 

8)  Zwischen  dem  schwarzen  und  kaspischen  Meere. 

9)  Vladi-Caucas  oder  Khewis-Kari.     ,0)  Terek.     ")  Dariel. 
12)  Das  Hochgebirge  des  Caucasus.     ")  Osseten. 


426 


Sechstes  Buch. 


erze  graben.  Hinter  diesen  bis  an  den  Pontus  wohnen 
mehrere  Stämme  der  Heniocher  und  dann  die  Achäer.  So 
verhält  es  sich  mit  diesem  Landstriche  r)  im  Innern,  wel- 
cher zu  den  berühmtesten  gehört. 

Einige  geben  die  Entfernung  vom  Pontus  bis  zum  cas- 
pischen  Meere  auf  nicht  mehr  als  375,000,  Cornelius  Nepos 
nur  auf  250,000  Schritte  an.  Bei  einer  solchen  Landenge 
ist  Asien  wiederum  in  Gefahr  2).  Kaiser  Claudius  bestimmt 
die  Entfernung  vom  cimmerschen  Bosporus  bis  zum  cas- 
pischen  Meere  auf  150,000  Schritte,  und  erzählt,  dass  Se- 
leucus  Nicator  den  Plan  gehabt  habe,  die  Landenge  zu 
durchstechen;  er  wurde  aber  um  diese  Zeit  von  Ptolemäus 
Ceraunus  getödtet 3).  Die  Entfernung  vom  caucasischen 
Passe  bis  zum  Pontus  kann  man  mit  ziemlicher  Gewissheit 
zu  200,000  Schritten  annehmen. 

13. 

Im  Pontus  liegen  die  planktischen,  oder  cyaneischen 
auch  Symplegaden  genannten  Inseln  4).  Ferner  Apollonia, 
zum  Unterschiede  von  der  zu  Europa  gehörenden  5)  auch 
Thynias6)  genannt.  Vom  Festlande  ist  sie  1000  Schritte 
entfernt  und  ihr  Umfang  beträgt  4000.  Pharnacea  gegen- 
über liegt  Chalceritis,  welche  bei  den  Griechen  Aria  heisst ; 
sie  ist  dem  Mars  geheiligt,  und  auf  ihr  sollen  Vögel  mit 
ihren  Flügeln  gegen  fremde  Ankömmlinge  gekämpft  haben. 

14. 

Nachdem  wir  nun  alle  Theile  im  Innern  von  Asien 
"beschrieben  haben,  wollen  wir  im  Geiste  das  riphäische 
Gebirge  übersteigen  uud  an  die  rechte  Küste  des  Oceans 
gehen.  Dieser  bespült  Asien  von  3  Himmelsgegenden 
her,  im  Norden  heisst  er  der  scythische,  im  Osten  der 
esoische;  im  Süden  der  indische,  und  dann  führt  er  nach 
seinen    Busen    und    Küstenbewohnern    noch    verschiedene 


M  Zwischen  dem  schwarzen  und  caspischen  Meere. 

2)  Von  Europa  abgeschnitten  zu  werden. 

3)  Im  Jahre  282  v.  Chr.    4)  IV.  B.  27.  Cap. 
5)  IV.  B.  27.  Cap.    «)  V.  B.  44.  Cap. 


Sechstes  Buch.  427 

Namen.  Aber  auch  ein  grosser  Theil  Asiens,  welcher  nach 
Norden  hin  liegt,  enthält  wegen  seines  kalten  Klima's  un- 
geheuere Wüsteneien.  Vom  äussersten  Nordosten  bis  nach 
Ostnordost  wohnen  die  Scythen.  Ueber  diese  hinaus  und 
noch  jenseits  des  Nordens  setzen  Einige  die  bei  Europa 
schon  mehrerwähnten  Hyperboräer  *).  Von  da  an  kommt 
man  zuerst  an  das  celtische  Vorgebirge  Lytarmis 2)  und 
den  Fluss  Carambucis  3),  wo  durch  die  schwache  Kraft  des 
Himmels  die  riphäische  Bergkette  abnimmt.  Hier  sitzen, 
wie  wir  erfahren  haben,  einige  Arimphäer  4),  ein  den  Hy- 
perboräern  nicht  unähnliches  Volk.  Sie  wohnen  in  Wäldern, 
leben  von  Beeren;  das  Haupthaar  zu  tragen,  halten  die 
Männer  und  Weiber  für  schimflich;  ihre  Sitten  sind  milde; 
sie  werden  daher,  wie  man  erzählt,  für  heilig  gehalten, 
und  sogar  von  den  wilden  Grenznachbarn  nicht  beleidigt, 
und  zwar  nicht  allein  sie  selbst,  sondern  auch  alle  die- 
jenigen, welche  zu  ihnen  geflohen  sind.  Hinter  ihnen 
wohnen  wieder  Scythen,  die  Cimmerier,  Cissianther,  Geor- 
gier und  Amazonen.  Letztere  breiten  sich  bis  an  das  cas- 
pische  und  hyrcanische  Meer  hin  aus. 

15. 
Das  Meer  bricht  nämlich  aus  dem  scythischen  Ocean 
im  hintern  Asien  ein,  und  erhält  von  den  Anwohnern  meh- 
rere Namen,  von  denen  die  zwei  des  caspischen  und 
hyrcanischen  die  verbreitetsten  sind5).  Clitarchus  meint, 
es  sei  nicht  kleiner  als  der  Pontus  Euxinus.  Eratosthenes 
giebt  auch  eine  Maassbestimmung  an,  er  sagt  nämlich, 
seine  Ausdehnung  von  Süden  nach  Osten,  längs  den  Küsten 
von  Cadusien  6)  und  Albanien,  betrage  5400  Stadien;  von 


»)  IV.  B.  26.  Cap. 

-)  Vielleicht  Kanine-Noss  am  weissen  Meere. 

3)  Vielleicht  die  Dwina. 

4)  Die  Argippaer  des  Herodot  (IV.  23)? 

5)  Plinius  hält,  wie  die  meisten  seiner  Zeitgenossen,  imger  Weise 
das  caspische  Meer  für  einen  Busen  des  Oceans.  Aber  schon  Herodot 
beschreibt  dasselbe  richtig  als  ein  Binnenmeer.    I.  202. 

6)  Ungefähr  die  heutige  persische  Provinz  Ghilon. 


428 


Sechstes  Buch. 


da  an  den  Ländern  der  Anariacer,  Amarder  und  Hyrcaner  *) 
vorbei,  bis  an  die  Mündung  des  Flusses  Zonus 2)  4800 
Stadien;  weiter  bis  zur  Mündung  des  Jaxartes  3)  2400  Sta- 
dien. Diess  macht  zusammen  1,575,000  Schritte.  Artemi- 
dorus  nimmt  25,000  Schritte  weniger  an.  Agrippa  sagt 
bei  der  Grenzbestimmung  des  caspischen  Meeres  und  der 
umwohnenden  Völker  nebst  Armenien,  dasselbe  grenze 
gegen  Osten  an  den  serischen  Ocean  4),  gegen  Westen  an 
den  Caucasus,  gegen  Süden  an  den  Taurus  und  gegen 
Norden  an  den  scythischen  Ocean,  seine  Länge  betrage,  so 
weit  sie  bekannt  sei,  480,000  und  seine  Breite  290,000 
Sehritte.  Andere  Schriftsteller  geben  aber  den  ganzen 
Umfang  des  Meeres  von  der  Meerenge  an  auf  2,500,000 
Schritte  an. 

Der  Einbruch  erfolgt  durch  einen  engen,  aber  sehr 
langen  Schlund  5);  doch  wo  er  breiter  zu  werden  beginnt, 
da  krümmt  er  sich  mondföimig,  und  zieht  sich  von  der 
Mündung  an  (um  mit  M.  Varro  zu  reden)  in  Form  einer 
Sichel  nach  dem  mäotischen  See  hin.  Der  erste  Busen 
heisst  der  scythische,  demi  auf  beiden  Seiten  desselben 
wohnen  die  Scythen,  welche  über  die  Meerenge  eine  stete 
Verbindung  miteinander  unterhalten,  und  zwar  diesseits  die 
Nomaden  und  Sauromaten  unter  mehrern  Namen  und  jen- 
seits die  Abzoer  unter  nicht  wenigem.  Rechts  vom  Ein- 
gange, an  der  Spitze  der  Mündung  selbst  ist  das  Gebiet 
der  Udiner,  eines  scythischen  Stammes.  Weiterhin  längs 
der  Küste:  die  (wie  man  sagt)  von  Jason  abstammenden 
Albaner,  nach  denen  das  davor  liegende  Meer  das  albanische 
genannt  wird.  Dieses  Volk  verbreitet  sich  über  das  cau- 
casische  Gebirge  bis  an  den  Fluss  Cyrus,  der,  wie  schon 
gesagt 6),  die  Grenze  zwischen  Armenien  und  Iberien  bildet. 


•)  In  der  jetzigen  persischen  Provinz  Masenderan. 
2)  Gihon  oder  Amu  (?)    3j  Szyr. 

4)  Dieser  würde,  wenn  die  Angabe  richtig  wäre,  das  chinesische- 
Meer  sein. 

5)  Hier  ist  die  Wolga  gemeint.    «;  Im  11.  Cap. 


Sechstes  Buch.  429 

Oberhalb  dieses  Seedistrikts  und  der  Udiner  wohnen  die 
Sarmater,  Utidorser  und  Aroterer  und  im  Rücken  derselben 
die  schon  angeführten  sauromatischen  Amazonen.  Flüsse 
die  durch  Albanien  ins  l)  Meer  strömen,  sind:  der  Casius  2) 
und  Albanus  3);  ferner  der  auf  dem  caucasischen  Gebirge 
entspringende  Cambyses  4),  dann  der,  wie  schon  erwähnt 5), 
von  dem  coraxischen  Gebirge  kommende  Cyrus.  Die  ganze 
Küste,  welche  vom  Casius  an  wegen  der  hohen  Felsen  un- 
zugänglich ist,  hat  nach  Agrippa  eine  Länge  von  425,000 
Schritten.  Vom  Cyrus  an  erhält  das  Meer  den  Namen 
des  caspischen;  an  ihm  wohnen  die  Caspier. 

Bei  dieser  Gelegenheit  müssen  wir  einen  Irrthum  vieler 
Schriftsteller  6)  und  selbst  solcher,  welche  an  dem  Feldzuge 
des  Corbulo  in  Armenien  mit  Theil  genommen  haben,  be- 
richtigen. Diese  haben  nämlich  den  Pass  in  Iberien,  von 
welchem  wir  gesagt  haben,  dass  er  der  caucasische  heisse, 
den  caspischen  genannt,  auch  auf  die  entworfenen  und  von 
dort  her  gesandten  Karten  diesen  Namen  geschrieben. 
Ferner  wurde  die  Drohung  des  Kaisers  Nero  7)  auf  den 
caspischen  Pass  bezogen,  da  er  doch  den  meinte,  welcher 
durch  Iberien  zu  den  Sarmaten  führt,  und  wegen  der  da- 
vorliegenden  Berge  ein  anderer  Zugang  zum  caspischen 
Meere  nicht  wohl  möglich  ist.  Es  giebt  zwar  noch  einen 
anderen  zu  den  caspischen  Völkern  führenden  Pass,  den 
man  aber  nur  aus  dem  Berichte  der  Begleiter  Alexander's 
des  Grossen  kennen  lernen  kann. 

16. 
Das   Reich   der   Perser,    welches   bekanntlich  jetzt 
den  Parthern  gehört,  erhebt  sich  an  dem  caucasischen  Ge- 
birge zwischen  zwei  Meeren,  dem  persischen  und  hyrcani- 
schen.    Auf  beiden  Seiten,  längs  der  Abdachungen,  stösst 


')  caspische. 

-)  Sanm.    3)  Terek.     4)  Sumarga.    5)  Im  10.  Cap. 
°)  Auch  Strabo. 

')  Er  wollte  nämlich,    gleich  Alexander,    einen  Feldzug   gegen 
die  asiatischen  Fürsten  unternehmen.     S.  Sueton's  Nero.  Cap.  19. 


430 


Sechstes  Buch. 


Sophene,  wie  wir  bemerkt  haben  l),  mit  der  nach  Comma- 
gene  gerichteten  Vorderseite  von  Gross-Armenien  zusammen, 
undan  Sophene  grenzt  Adiabene  2),  der  Anfang  des  Landes 
der  Assyrier.  Ein  Tb  eil  des  letzteren  heisst  Arbelitis  3), 
an  der  Grenze  von  Syrien,  wo  Alexander  den  Darius  be- 
siegte 4).  Dieses  ganze  Land  nannten  die  Macedonier 
wegen  der  Aehnlichkeit 5)  Mygdouien.  Städte  sind  Alexan- 
drien  und  Antiochia,  die  auch  Nisibis  6)  heisst,  und  von 
Artaxata 7)  750,000  Schritte  entfernt  ist.  Am  westlichen 
Ufer  des  Tigris  lag  auch  die  einst  sehr  berühmte  Stadt 
Ninus  8).  Der  übrige  Landstrich  aber,  welcher  vorn  nach 
dem  caspischen  Meere  zu  liegt,  und  von  dem  armenischen 
Gebiete  Otene  durch  den  Araxes  getrennt  ist,  heisst  Atro- 
patene  9)  mit  der  Stadt  Gaza 10),  welche  450,000  Schritte 
von  Artaxata,  und  ebenso  weit  von  Ekbatana  im  Lande 
der  Meder,  von  denen  die  Uropatener  nur  ein  Theil  sind, 
entfernt  liegt. 

17. 
Ecbatana11),  die  Hauptstadt  Mediens,  vom  König  Se- 
leucus  erbauet,  ist  von  Gross-Seleucia 12)  750,000,  vom  cas- 
pischen Passe  aber  2,000,000  Schritte  entfernt.  Die  übrigen 
Städte  der  Meder  sind:  Phinganzaga,  Apamia  mit  dem 
Beinamen  Rhagiane.  Die  Ursache  des  Namens  „Pass" 
ist  dieselbe  wie  oben,  denn  die  Bergkette  ist  durch  einen 


')  Im  10.  Cap.    2)  Das  Ejalet  Schehrsor. 

3)  Mit  der  Hauptstadt  Arbela,  jetzt  Erbil  in  Kurdistan. 

4)  Diess  war  die  letzte  entscheidende  Schlacht  zwischen  Alexan- 
der und  den  Persern,  im  Jahre  331  v.  Chr.  Sie  ist  auch  unter  dem 
Namen  der  Schlacht  von  Gaugamela  (Enkewat,  einem  Flecken,  10 
Meilen  von  Arbela)  bekannt. 

5)  Mit  dem  mygdonischen  Gebiete  in  Macedonien. 

6)  Nisibin.     ")  Ardschat. 

8)  Oder  Niniveh,  die  Stadt  des  Ninus,  jetzt  ein  Dorf  Nunia. 

9)  Aserbidschan.     ,ü)  Zwischen  Tauris  und  Miana. 

")  Hamadan.      Ihre    erste    Gründung   wird    von  Herodot    (I.  98) 
dem  ersten  König  Mediens,  Dejoces,  zugeschrieben. 
yl)  Madain,  südöstlich  von  Bagdad. 


Sechstes  Buch.  431 

so  engen  Durchgang  unterbrochen,  dass  kaum  einzelne 
Wagen  ihn  passiren  können;  er  ist  ganz  durch  Menschen- 
hände gemacht,  und  hat  eine  Länge  von  8000  Schritten. 
Rechts  und  links  hängen  Klippen  herab,  die  wie  verbrannt 
aussehen,  und  auf  einer  Strecke  von  28,000  Schritten  ist 
kein  trinkbares  Wasser  zu  finden.  Das  von  dem  Felsen 
herabtröpfelnde  und  zusammenfliessende  Salzwasser  er- 
schwert die  Passage,  welche  wegen  der  Menge  von  Schlangen 
auch  nur  im  Winter  möglich  ist 1). 

An  die  Andiabener  grenzen  die  sonst  Carducher  genann- 
ten Corduener  2)  am  Flusse  Tigris;  an  diese  die  Pratiter 
oder  Parodoner  3),  welche  den  caspischenPass  inne  haben. 
An  das  Land  der  letztern  stossen  auf  der  andern  Seite 
die  parteiischen  Wüsten 4)  und  das  cithenische  Gebirge 5). 
Dann  folgt  der  höchst  anmuthige  parthische  Busen  Choara  6). 
Hier  lagen  sonst  zwei,  zum  Schutze  gegen  die  Meder  er- 
bauete  Städte,  Calliope  und  Issatis,  auf  einem  Felsen. 
Aber  Hecatonpylos,  die  Hauptstadt  von  Parthien  selbst,  ist 
133,000  Schritte  vom  Passe  entfernt.  So  wird  auch  das 
Reich  der  Parther  durch  ein  Thor  abgeschlossen.  Beim 
Austritt  aus  dem  Passe  kommt  man  zunächst  zum  caspischen 
Volke,  welches  sich  bis  zur  Küste  erstreckt,  und  dem  Passe 
sowohl,  wie  dem  Meere  den  Namen  gegeben  hat.  Der  Theil 
zur  Linken  ist  bergig 7).  Vom  Gebiete  der  Caspier  an 
rückwärts  bis  zum  Flusse  Cyrus  wird  die  Entfernung  auf 
220,000,  und  von  diesem  Flusse  an  bis  zu  dem  Passe  auf 
700,000  Schritte  angegeben.  Diese  Berechnungen  vom  Passe 
als  Ausgangspunkt  aus  sind  durch  die  Märsche  Alexander's 
des  Grossen  bestimmt;  von  ihm  bis  zur  Grenze  von  Indien 


')  Dieser  Pass  heisst  jetzt  Kharwar,  und  führt  über  den  Dema- 
vend,  eine  Schneekuppe  der  Bergkette  Alburs  in  der  persischen 
Provinz  Taberistan. 

2)  Im  Ejalet  Wan,  um  den  See  Ardisch. 

3I  rtag   böov:  die  am  Wege. 

4)  Die  Wüste  Naubendan  in  der  Provinz  Irak. 

s)  Die  Berge  von  Luristan.    6)  In  der  Provinz  Khusistan. 

7)  Die  Bergkette  Alburs. 


432 


Sechstes  Buch. 


sollen  es  15,680  Stadien,  bis  zur  Stadt  Bactra  *)  oder  Za- 
riaspa  3700  und  von  da  bis  zum  Flusse  Jaxartes  5000 
Stadien  sein. 

18. 
Oestlich  von  den  Caspiern  liegt  die  Landschaft  Apa- 
vortene  2),  und  in  derselben  der  durch  seine  Fruchtbarkeit 
berühmte  Ort  Darejum  3).  Dann  folgen  die  Tapyrer,  Ana- 
riacer,  Staurer,  Hyrcaner  4),  an  deren  Küste,  nämlich  vom 
Flusse  Sideris 5)  an,  das  caspische  Meer  den  Namen  des 
hyrcanischen  erhält.  Diesseits  des  Sideris  sind  die  vom 
Caucasus  kommenden  Flüsse  Maxeras 6)  und  Stratos 7). 
Dann  folgt  die  Landschaft  Margiane8),  reich  an  sonnigen 
Anhöhen,  und  unter  allen  diesen  Ländern  die  einzige,  worin 
Weinbau  getrieben  wird.  Sie  ist  ringsum  von  anmuthigen 
Bergen  eingeschlossen,  hat  1500  Stadien  im  Umfange,  und 
ist  wegen  der  120,000  Schritte  langen  Sandwüsten  schwer 
zugänglich.  Sie  liegt  gegen  Parthien  hin  und  Alexander 
der  Grosse  erbauete  daselbst  Alexandria.  Nachdem  diese 
von  den  Barbaren  zerstört  war,  stellte  sie  Antiochus,  der 
Sohn  des  Seleucus,  auf  derselben  Stelle  unter  einem  an 
Syrien  erinnernden  Namen  wieder  her,  denn  da  der  Mar- 
gus9),  dessen  Zweige  sich  in  dem  Distrikte  von  Zotale 
vereinigen,  sie  durchströmt,  so  zog  er  es  vor,  sie  Antiochia 
zu  nennen10).  Die  Stadt  hat  70  Stadien  im  Umfange. 
Hierher  führte  Orodos  n)  die  bei  der  Niederlage  des  Crassus 
gefangenen  Römer.  Von  den  Höhen  dieser  Gegend  an  über 
den  Caucasus  hin  bis  zu  den  Bactrern  wohnen  die  wilden 
und    freien    Marder12).     Hierauf    die    Ochaner,    Chomarer, 


')  Balkih.    2)  In  der  Begierbergschaft  Masenderan.    3)  Sari. 

4)  In  den  Beglerbergschaften  Masenderan  und  Astrabad. 

5)  Kurkan.     6)  Masenderan.    7)  Sefidrud. 

8)  Das  Land  Mawer  und  die  Provinz  Khorassan.     9)  Murghal. 

,0)  Jetzt  heisst  sie  Meru  Schah  Jehan. 

")  Ein  parthischer  König.  Die  Geschichte  jener  Niederlage 
(53  v.  Chr.)  beschreibt  Plutarch  in  der  Biographie  des  Crassus ,  Cap.  39. 

n)  In  dem  zur  afghanischen  Landschaft  Balkh  gehörenden 
Distrikte  Meimunna  am  Kassarigebirsre. 


Sechstes  Buch.  433 

Berdrigeer,  Harmatotropher,  Bomareer,  Comaner,  Marucäer, 
JMandruaner,  Jatier.  Die  Flüsse  Man  drum  und  Chindrum. 
Weiterhin  die  Chorasmier,  Candarer,  Attasiner,  Paricaner, 
Saranger,  Parrhasiner,  Maratianer,  Nasotianer,  Aorser,  Geler, 
von  den  Griechen  Cadusier  genannt,  und  die  Matianer. 
Die  von  Alexander  erbauete  Stadt  Heraclea,  die  später 
zerstört  aber  von  Antiochus  wieder  hergestellt  und  Acha'is 
genannt  wurde.  Die  Derbicer,  deren  Grenze  der  Oxus  x), 
welcher  aus  dem  See  Oxus  entspringt 2),  mitten  durchschnei- 
det; die  Syrmater,  Oxydracer,  Heniocher,  Batener,  Saraparer, 
Bactrer,  deren  Stadt  Zariaspe  (später  Bactrum) 3)  nach 
einem  Flusse 4)  benannt  ist.  Die  Bactrer  bewohnen  die 
Gegend  hinter  dem  Berge  Paropamisus  5),  auf  dessen  vor- 
derer Seite  die  Quellen  des  Indus  sind,  und  werden  von 
dem  Flusse  Ochus  6)  eingeschlossen.  Weiterhin  folgen  die 
Sogdianer 7),  ihre  Stadt  Panda8),  und  an  der  äussersten 
Grenze  Alexandria  9),  von  Alexander  dem  Grossen  erbauet. 
Hier  befinden  sich  Altäre,  welche  Hercules  und  Bacchus, 
ferner  Cyrus,  Semiramis  und  Alexander  errichtet  haben; 
denn  alle  diese  Personen  setzten  in  dieser  Gegend,  welche 
der  Fluss  Jaxartes 10) ,  den  die  Scythen  Silis  nennen,  und 
den  Alexander  und  seine  Soldaten  für  den  Tana'is  hielten, 
begrenzt,  ihren  Feldzügen  ein  Ziel.  Demodamas,  der  Feld- 
«  herr  der  Könige  Seleucus  und  Antiochus,  dem  wir  vor- 
züglich bei  Beschreibung  dieser  Länder  folgen,  überschritt 
ihn  und  errichtete  dem  Apollo  Didymäus  Altäre. 

19. 
Weiter  hinaus11)   wohnen   scythische   Völker.    Die 
Perser  nennen  sie,  von  dem  zunächst  wohnenden  Stamme, 


')  Gihon  oder  Amu  genannt. 

2)  Er  entspringt  in  Afghanistan  am  Hindu-Kuhs,   aber  nicht  aus 
«inem  See.    3)  Balkh. 

4)  Zariaspes,  jetzt  Dehasch.     5)  Hindu-Kusch.    6)  Tedsen. 

7)  Im    Thale   al   Sogdh    in    dein    zum    Dschagatai    gehörenden 
Lande  Mawarelnahar. 

8)  Samarkand?    9)  Koschend  am  Szyr?     t0)  Szyr. 
u)  Jenseits  des  Jaxartes. 

28 


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Sechstes  Buch. 


insgesammt  Sacer;  bei  den  Alten  hiessen  sie  Aramäer.  Die  Scy- 
then  aber  nennen  die  Perser  Chorsarer,  und  den  Caucasus  Grau- 
casis,  d.  h.  schneeweiss.  Die  Menge  dieser  Völkerschaften, 
welche  mit  den  Persern  gleiche  Lebensweise  haben,  ist 
unzählig,  die  berühmtesten  unter  ihnen  sind  die  Sacer, 
Massageter,  Daher,  Essedoner,  Ariacer,  Rhymmicer,  Pasicer, 
Amarder,  Hister,  Edoner,  Camer,  Camacer,  Euchater,  Cotierer, 
Anthusianer,  Psacer,  Arimasper,  Antacater,  Chroasäer  und 
Oeteer.  Die  Napäer  sollen  durch  die  Paläer  untergegangen 
sein.  Bedeutende  Flüsse  daselbst  sind  der  Mandragäus 
und  Caspasius  :).  Ueber  kein  Land  sind  die  Angaben  der 
Schriftsteller  so  schwankend,  was,  wie  ich  glaube,  von  den 
vielen  herumziehenden  Völkern  herrührt.  Das  Wasser  des 
(caspischen)  Meeres  soll,  nach  x41exanders  des  Grossen  Be- 
richte, süss  sein,  und  Marcus  Varro  erzählt,  dass  Pompejus, 
der  im  Mithridatischen  Kriege  dort  commandirte,  dasselbe 
gehört  habe;  ohne  Zweifel  wird  der  Salzgehalt  des  Wassers 
durch  die  vielen  in  dasselbe  strömenden  Flüsse  unterdrückt. 
Varro  fügt  noch  hinzu,  man  habe  durch  des  Pompejus 
Feldzüge  erfahren,  dass  man  in  7  Tagen  von  Indien  zu  den 
Bactrern  am  Flusse  Icarus  2),  welcher  in  den  Oxus  fliesst, 
gelangen,  uud  die  aus  demselben  durchs  caspische  Meer 
in  den  Cyrus  gebrachten  indischen  Waaren  auf  einem  nur 
fünftägigen  Landwege  bis  zum  Phasis  am  Pontus  schaffen 
könne.  In  diesem  ganzen  Meere  liegen  viele  Inseln,  doch 
ist  nur  eine,  Tazata  3),  genauer  bekannt. 

20. 
Vom  caspischen  Meere  und  dem  scythischen  Oceau 
wenden  wir  uns  zum  östlichen  Meere,  dessen  Küste  mit 
der  Vorderseite  gegen  Osten  gerichtet  ist.  Der  vorderste 
Theil  derselben,  vom  scythischen  Vorgebirge  an,  ist  wegen 
des  Schnees  unbewohnt,  der  nächstfolgende  wegen  der 
Wildheit  seiner  Bewohner  unangebauet.  Hier  hausen  die 
anthropophagischen  Scythen,  welche  Menschenfleisch  essen;, 


*)  "Vielleicht  die  Steppenflüsse  Sarasu  und  Tzui. 
8)  Koktscha  (B